Wörterbuchnetz
Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
zirlen bis zirnenbaum (Bd. 31, Sp. 1622 bis 1624)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) zirlen, vb., s. zirlammer.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
zirlen (auch zurlen, s. u.), vb., tändeln, zupfen; bewegungsnachahmendes wort. kaum schriftsprachlich, doch in den wbb. des 16. jhs. wiederholt bezeugt und besonders in den alemannischen mundarten noch in verschiedenen bedeutungen lebendig; 'mit den händen fuchteln, rupfen, drehen' u. dgl., meist im sinne eines ungeschickten tuns: zirlen oder geberden mit den händen gesticulari manibus Dasypodius (1536) 465a; contrectare dick berren, handlen, bancklen, anrren, greyffen, an eim ding zirlen, vnnd in henden umbhinziehen Frisius dict. (1556) 325a; zirlen mit einem papir, lappen, bändel oder dergleichen tändeln oder daran ropfen wie die kinder (18. jh.) Alemannia 15, 228; etwas tändelnd, langsam verrichten Fischer schwäb. 6, 1242; es (das kind) bracht das patternoster

[Bd. 31, Sp. 1623]


in mundt und in solchem zurlen und machen kompt im das patternoster in hals und schlucks hinab Zimmer. chron. 23, 465 Barack; genug jez des zirrlen und des ungeschickt thuns Pestalozzi s. w. (1927) 13, 369. anders: elicirn auszhin zirlen, auszhin locken, auszhin reizen, auszzendlen Rot dict. (1572) F 4b. vom leichtfertigen, tändelnden verhalten: tricari, nugas agere, ineptire zirlen, schwinnen Stephanus-Frisius III ling. (1590) MMmm 3e; tricari ... zirlen, sich törlich stellen, leichtfertige und unnütze reden führen Calepinus XI ling. (1598) 1490a; zirlen mit deinem kind, so must du dich hernach vor jm forchten (1562) bei Martin-Lienhart elsäss. 2, 914. die spärlichen nd. zeugnisse zeigen das wort in anderer bedeutung, doch liegt auch dieser die vorstellung einer unregelmäszigen, schnell wiederholten bewegung zugrunde: tirreln od. tireln, tirlen sich rasch u. wiederholt hin und her bewegen od. ... drehen ... schwenken, wirbeln, schwirren Doornkaat Koolman ostfries. 3, 416b; tirreln zappeln Dähnert plattdt. wb. 487a. — zu den alem. belegen zirle mirle, zürlin mürlin u. dgl., urspr. bezeichnung eines kinderspiels:

zwei spilten zürlin mürlin
meister Altswert 90 lit. ver.

im sinne einer nutzlosen beschäftigung: du sitzest vnd machst zirle mirle vnd zopfest an ainem tüchlin vnd zeuhest die fäden herausz ... nain, das ist nitt der recht grund, das du fast allein in der zellen (des klosters) bist und bey dir selber sitzest zu brummen Keisersberg granatapfel (1510) Dd 4a; 'geschäftiges getue, fuchtelei':

noch weiter ich dich leren will,
die hend soltu nicht halten still:
dann müszigkeit ein laster ist.
drumb billig du zu loben bist,
wann du mit deinen henden vil
treibst bossen, und gut gauckelspil
(am rande: zirlin mirlin machen)
K. Scheit Grobianus 23 ndr.;

weitere belege bei Martin-Lienhart elsäss. 2, 914; Schmidt Straszburg 120; Staub-Tobler schweiz. id. 4, 418.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
zirlin, adj., aus dem holz der zirbelkiefer. s. DWB zirben, adj.; die komposita zirlinbaum, -nusz s. unter zirbelbaum, -nusz.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
zirling, m., s. zirlammer.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
zirm, m., f., zirbelkiefer. s. DWB zirben, m., f.; die komposita zirmast, -baum, -holz, -nusz, -nüszlein, -strauch s. unter zirbelast, -baum usw.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
zirmach, n., zirbelkiefergehölz; s. DWB zirbenach.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
zirmen, adj., aus dem holz der zirbelkiefer; s. DWB zirben, adj.; das kompositum zirmenbaum s. unter zirbelbaum.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
zirmet, m., f., seselkraut, silermontan Wirsung artzneyb. (1584) reg. n 6a; Tabernämontanus kreuterb. (1588) 378; vielleicht entstellt aus rom. namensformen wie ital. sciarmontano, frz. sermontayn, vgl. Tabernämontanus a. a. o.; zirmet seseli massilioticum Megiser pol. (1603) 2, 509c. in neuerer zeit meist speziell für die gattung tordylium, drehkraut Krünitz encycl. 242 (1858) 22; Schkuhr botan. hdb. (1791) 1, 189; Röhling flora v. Deutschl. (1823) 2, 370; die zirmet Oken naturgesch. (1839) 3, 1808; tordylium maximum Waldbrühl pflanzenn. (1841) 54; Schlechtendal flora (1880) 27, 276. vereinzelt auch zirmat tordylium officinale Pritzel-Jessen volksnamen der pflanzen (1882) 405.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
zirneiche, f., quercus cerris; zur herkunft vgl. 2zirnenbaum: die zirneiche steiget über alle in die höhe, mit ... wenig früchten Hohberg georg. cur. 3 (1715) 2, 329b; die zirneiche le cevre Schwan nouv. dict. (1783) 2, 1111a; die zirneiche cerrus Rode Vitruvs baukunst (1796) 1, 100; die zirneiche, eine art eichen, welche sehr hoch wächset, wenige und kleine eicheln

[Bd. 31, Sp. 1624]


trägt, aber zum bauen sehr gut ist Adelung 24, 1726; cerreiche, burgundische eiche, serr-, zerr- und zirneiche Metzger pflanzenkde (1841) 356; zirneiche, zinke Pritzel-Jessen volksnamen d. pflanzen 320b; ferner berichtet er, dass man ... auch die becher ... von der zirneiche benutze (bei der tintenfabrikation) Muspratt chemie (1905) 8, 1285.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
zirnenbaum, m., verschiedene arten der gattung pinus. die belege s. unter DWB zirbelbaum. zur herkunft vgl. auch 2zirnenbaum.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
zirnenbaum, zirmenbaum, m., quercus cerris, burgundische eiche, zerr- oder zirneiche. während 1zirnenbaum 'pinus' über zirmenbaum aus *zirbenbaum (gesichert durch moderne komposita wie zirbenholz, -strauch, -wald in österr. maa.; zirben ist adj. zu zirbel 'zapfen von nadelholzbäumen') entstanden ist, ist diese herleitung für 2zirnenbaum 'quercus cerris' nicht möglich, da der name eines nach seinem wirbelförmigen zapfen benannten nadelbaums kaum auf eine eichenart übertragen sein kann (eine abbildung von cerrus bei Tabernämontanus neu vollk. kreutterb. (1687) 1377). da baumnamen, besonders in der zusammensetzung mit -baum vielfach adjektivische form zeigen (s. Hoops in Behrensfestschrift (1928) 110 ff.; Wissmann bei Marzell wb. d. dt. pflanzennamen 1, 62; 218; 596; 1164 f.; 1200; 2, 487; ferner nd. bökenboom ebda 2, 415), kann zu zerr (in zerreiche sp. 737) ein *zirrîn boum, *zirrîn eiche gebildet sein, woraus nhd. zirnbaum, -eiche und mit vorklingen des nasals zirnenbaum.
belege: cirmenbaum cerrus Dasypodius (1536) 404c; zirmenbaum, ein besunder geschlecht von eichen: cerrus aegilops quercus species est Gesner (1542) in: schweiz. id. 4, 1250; cerrus ein besunder geschlächt von eychen, zirnenbaum Frisius dict. (1556) 211b; es geben auch etliche für, das der baum cerrus, den man zirnen baum nennet, das männlin sei der eichen geschlecht Rivius Vitruv (1575) 189; cerrus zirnenbaum Frischlin nomencl. (1586) 33a; cerro, albero cirmenbaum Hulsius dict. (1618) 2, 85b; cerrus ein zirnenbaum nomencl. lat.-germ. (1634) 83; zirnenbaum, m., hestre, fau, fotteau, fag Stoer all.-fr.-lat. (1663) 635; zirnenbaum cerrus, pinus Aler dict. (1727) 2, 2252a; zirnenbaum 'in einzelnen oberdeutschen gegenden ein nahme des zirbelbaums ..., in andern ein nahme der zirneiche' Adelung 24, 1726.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: