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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
zirkulationsstörung bis zirkus (Bd. 31, Sp. 1618 bis 1620)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version)  -störung, f., 'kreislaufstörung' Dornblüth klin. wb.

[Bd. 31, Sp. 1619]


(1914) 335a. —
 
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-system, n., 'system des geldumlaufs': beyde gleich nothwendigen circulationssysteme, das der metalle und das des papiers A. Müller verm. schr. (1812) 1, 291.
 
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zirkulieren, vb. , frühnhd. vereinzelt, seit dem ausgang des 17. jhs. zusammenhängend bezeugt; die frühesten belege (vgl. auch circuiren < lat. circu[m]ire Hans Folz in einem theologischen traktat nr. 103, 55 Mayer; Rot dt. dict. [1571] C 7b) stammen aus lateinnahem schrifttum; frühzeitig (17. jh.) schwebt daneben frz. circuler als bildungsmuster vor und trägt zur belebung des wortgebrauchs bei, vgl. dazu westmd. mundartformen wie zirkleieren luxemb. wb. 505a, zirkleere Hönig Köln 208b. das wort wird bestandteil der fremdwortnomenklatur einzelner fachgebiete (finanzwesen, handel, medizin), lebt jedoch auch im allgemeinen sprachgebrauch namentlich des 19. jhs. angeglichenes zirkeliren Stieler stammb. 2649 (danach Kramer teutsch-it. 2 (1702) 1468c) beruht kaum auf echter abschleifung, sondern ist deutschtümelndetymologisierende schreibung Stielers. ersatzbestrebungen: Campe verdeutschungswb. (1801) 226b.
1) für lat. circulare als fachausdruck alchimistischmagischer naturkunde (vgl. zirkulation 1), vom kreisen des flüchtigen ätherischen geistes im destilliergefäsz; Stieler stammb. (1691) 2649; 'einen liquorem vermittelst der wärme in gewissen gefässen dergestalt aufsteigen und wieder herab fallen machen, dasz ihr leib selbst durch eine solche circul-bewegung geläutert und gereiniget zu seiner vollkommenheit gelangen möge' Sperander hdlex. (1728) 115b: nach dem lass circuliren (bei einem chem. versuch) auff vier wochen, so wirdt auff dem temperat das lamina zu einem öl Paracelsus opera 1, 809 Huser. transitiv: wann unser lapis also in den vier elementen circuliert wirt, ... alsdann ist ein ewiges fewr auff der welt angezündt Grassäus d. kl. baur (1618) 229.
2) im kreise umlaufen; bezogen auf elementare natur- und wirtschaftsvorgänge, mit neigung zu terminologischem gebrauch: zirkeliren: das blut in adern Kramer teutschit. 2 (1702) 1468c; Forster s. schr. (1843) 5, 337. übertragen: das materielle gottesblut musz man im hertzen spühren, es musz in uns circuliren Thierbach diarium Herrnhuth. (1750) 2, 292. (gestirne,) die nach planetarischen gesetzen um die sonne circuliren A. v. Humboldt kosmos (1845) 1, 146; unter vermittlung der circulirenden atome Lange gesch. d. materialismus (1866) 11. als ausdruck des geldwesens (vgl. Schirmer wb. d. kaufmannsspr. 215): ist die zirkulirende geldmasse gestiegen? L. C. E. Müller gesch. m. gefangensch. (1795) 138; in Schweden zirkulirte damals nur kupfermünze Steffens was ich erlebte (1844) 9, 127; G. Keller ges. w. (1869) 4, 10; wie berechnet ihr den umschlag des zirkulierenden kapitalteils (rohmaterial, hilfsstoffe, arbeitslohn)? (1868) Marx an Fr. Engels in: briefw. (1950) 4, 63. warenzirkulation: du läszt deine kattune in ballen schlagen, dasz sie zirkulieren und alle mägde des römischen reichs erfreuen Iffland theatr. w. (1827) 3, 233. 'von hand zu hand, von ohr zu ohr wandern, kursieren', bes. im sinne internen, nichtöffentlichen mitteilens: alles, was von ihnen gedruckt, im manuskripte zirkulirt oder an fremde geschrieben ist Lavater verm. schr. (1774) 2, 27; (das blatt) nimmst du, lässest es durch unsre parthey zirkuliren Schiller 3, 69 G.; schulknaben, welche unter dem tische den plan zu einer rühmlichen kriegsunternehmung zirkulieren lassen G. Keller ges. w. (1869) 1, 26; die legende vom glasperlenspielmeister, welche bei uns in vielen abschriften zirkuliert H. Hesse glasperlenspiel (1943) 2, 131; es zirkulirt über die ganze rathsmahlzeit ... eine hübsche satire Jean Paul w. 3, 187 Hempel; wie sich denken läszt, zirkulierten im tunnel (liter. verein) allerhand anekdoten über ihn Fontane ges. w. (1920) II 2, 281. von menschen, 'im kreise gehen': muss ich nicht, wenn ich so in die schlagweite des todes gerathe, aufspringen, durch die stube zirkuliren? Jean Paul w. 1, 303 Hempel. ganz vereinzelt

[Bd. 31, Sp. 1620]


refl. (nach sich drehen?): wunder secreta und arcana neben erscheinung aller planeten und desz gantzen firmaments, die sich umbhere circulierten Grassäus d. kl. baur (1618) 31.
 
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zirkuliergeschirr, n., vgl. zirkulation 1: dieselb materi (das lunarium) thu in ein circuliergeschirr Epimetheus Pandora (1588) 56.
 
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zirkumferenz, f., 'umfang, bes. der kreisfigur', lat. circumferentia, als mathem. ausdruck seit dem 15. jh. bezeugt: Schirmer wortschatz d. mathem. 51. vom 17. jh. an zurücktretend gegenüber peripherie, umfang, umkreis, vgl. Wolff im mathem. lex. (1716) 375: die (münze) ist auch von feinsilber, ... der circkel oder circumferentz ist eines batzens breit Mathesius Sarepta (1571) 163a; die circumferenz der erden Wächtler hdb. (1703) 64; in dessen ermanglung sollen die breite und länge (der waldfläche) durch die mitte, dann die circumferenz abgeschritten werden Schwappach hdb. d. forst- u. jagdgesch. (1886) 2, 557, anm. 6; Campe verdeutschungswb. (1801) 227b. in der buchstabenmystik Böhmes von dem ovalbuchstaben O: das O ist die circumferenz des dreifachen I (= A im worte ADONAI), als die geburt der stätte gottes in sich selber J. Böhme s. w. 6, 643 Schiebler.
 
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zirkumflex, m. 1) das phonetische zeichen eig. für den umgebeugten, zweigipfligen, dann namentlich für den auf gleicher höhe ruhenden langen silben- und wortakzent; auch zeichen für qualitative vokalunterschiede; (accentus) circumflexus geht aus dem spätlat. grammatischen schrifttum in die terminologie der neueren sprachlehre über mit anschlusz an den gebrauch von akzent als 'akzentzeichen', vgl. frz. accent circonflexe; anders Newald-Ristow sachwb. z. dt. philol. (1954) 144b: kurze, flache stirn ..., deren zug so ziemlich einem griechischen circumflex ähnlich sah Wieland s. w. 27 (1825) 36. terminologisch ungeeignete verdeutschung des 18. jhs.: hütchen, vgl. Campe verdeutschungswb. (1801) 227b. 2) studentensprachlich 'schmarre, hieb' Kluge dt. studentenspr. 33; zeitschr. f. dt. wortf. 12, 275b; 's war, straf mich gott! ein gemetzel, als würde fleisch zur bank gehackt. — ich kam mit ein paar zirkumflexen davon Vulpius Rinaldo Rinaldini 31, 210. —
 
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-polarmeer, n., 'die erdpole rings umgebendes meer': die beiden zirkumpolarmeere der erde Lueger lex. d. ges. techn. (1894) 3, 580. —
 
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-polarstern, m., 'den himmelspol umkreisender, nicht untergehender stern' Lueger lex. d. ges. techn. (1894) 7, 1005. —
 
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-skribieren, vb., lat. circumscribere; circumscribirn 'umbschreiben; das ist ein ding mit vilen worten auszdrucken, so es mit zweyen oder dreyen nit grundtlich mag beschehen' Simon Rot dict. (1571) C 7b; er hat die sache fein circumscribiret Wächtler hdb. (1703) 64; auch 'jemandes gewalt einschränken' Heyse verdeutschungswb. (1819) 102a. —
 
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-stanz, f., gewöhnlich im pl. -(z/t)ien; lat. circumstantia 'umstand'; Hechtenberg fremdwb. d. 17. jhs. 29; eine sache mit alle circumstantien erzehlen Wächtler hdb. (1703) 64; Campe verdeutschungswb. (1801) 227b; unter gegenwärtigen circumstanzien verlange ich klaren wein von dir Zschokke s. ausgew. schr. (1824) 27, 237.
 
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zirkus, m. , gen. des zirkus(ses), pl. die zirkusse. lat. circus (gr. κίρκος, κρίκος) 'kreis; kreisähnliche schaustätte für zirzensische spiele'; mfrz. cirque (14. jh.), engl. cirque (1601) '(röm.) zirkus'; frühnhd. zirk in diesem sinne nur vereinzelt, s. Weigand-Hirt 2, 1332; zufrühest im engl. (16. jh.) erscheint neben diesen lehnformen das fremdwort circus, das gleich dem dt. wort ursprünglich den historischen röm. zirkus bezeichnet. die einzelsprachlich für die antike einrichtung vorliegenden benennungen hat der in Frankreich und England entstandene zirkus der neuzeit jeweils an sich gezogen; so frz. cirque, engl. circus (seit 1791) und cirque (1845); im dt. zirkus, das auch als latinisiertes frz. cirque gefaszt werden kann, vgl. Seiler lehnwort 3, 1, 176; 70. vereinzelte mundartliche -us-formen (Müller-Fraureuth obersächs. 2, 708;

[Bd. 31, Sp. 1621]


vgl. Frederking Hahlen 179b) stammen aus der hochsprache; elsäss. zirich Martin-Lienhart 2, 913b und lux. zirk luxemb. wb. 504b verraten dagegen frz. einflusz. die bildungen stehen auch in gröszerem zusammenhang gegeneinander: circus, cirkus nehmen im verlaufe des 19. jhs. z. t. wohl nach engl. und dt. vorbild die skandin. sprachen, das nl. und das tschech. auf, während poln. cyrk, russ. zirk aus dem frz. entlehnt sind.
1) der zirkus des röm. altertums; die als austragungsstätte der zirzensischen spiele dienende länglichrunde kampfbahn mit umrahmendem amphitheatralischen ovalbau (vgl. Pauly-Wissowa realenzykl. d. klass. altertumswiss. 3 [1899] 2571); lat.-dt. wbb. geben den begriff bis zum ausgang des 18. jhs. umschreibend wieder; vgl etwa circus 'ein renn-, fecht- oder turnierplatz' Corvinus fons lat. (1660) 1, 329; Weber lat.-dt. wb. 1 (1770) 407a; erst in den jahrzehnten vor 1800 wird circus fest; die buchungen bei Campe verdeutschungswb. (1801) 228a; Heyse verdeutschungswb. (1819) 102b setzen bereits eine gewisse entwicklungszeit voraus:

kein hungriger löw zerrisz mich (Ahasver) im zirkus
Schubart ged. 2 (1787) 71;

(die plebejischen spiele wurden) in dem flaminischen circus gefeiert Mommsen röm. gesch. 1 (1856) 788; wenn man sie (die stadt) von ferne betrachtete, dann schaute sie durchaus griechisch her mit ihren tempeln und säulenhallen, mit ihrem zirkus, ihren theatern Feuchtwanger d. falsche Nero (1947) 21; 398. übertragen 'schauplatz': (der) zirkus und paradeplatz der natur mit allen seinen strömen und bergen Jean Paul bei Hoffmann wb. 6 (1861) 974b.
2) der moderne zirkus; 'mastengroszzelt oder festes gebäude mit amphitheatralischem zuschauerraum und kreisförmiger manege für artistische, akrobatische und dressurdarbietungen'; bezeugt seit der mitte des 19. jhs. Sanders 1 (1860) 255c; 'das zirkusgebäude': gestern begab ich mich in den circus während der morgenstunden Holtei erz. schr. (1861) 10, 230; sich unterbrechend, zeigte er auf eine kreisrunde mächtige scheune: wie ein zirkus! Cl. Viebig das schlaf. heer (1904) 1, 30; Bebel a. m. leben (1946) 1, 134. 'das zirkusunternehmen': circus in unserer zeit der 'circus von Renz' (in Berlin) durch die producirten reiterkünste ... mit recht berühmt Wiedemann enzykl. hdlex. (1864) 89b; 'zirkus Pils' spitzname einer Wiener gaststätte Schranka Wien 194. 'die zirkusvorstellung': Mika war mit Gustav gestern abend im zirkus ..., ich gehe morgen bei tage zu einer kindervorstellung mit den kleinen (1889) G. Freytag br. an s. gattin (1912) 287.
3) übertragen; umgangssprachlich, wohl nicht vor den ersten jahrzehnten des 20. jhs. 'quirlendes, lärmendes durcheinander' Duden (1952) 465c; vgl. die ähnliche entwicklung bei theater, komödie. soldatensprachlich 'zweifelhafte wirtschaft' Bächtold-Stäubli schweiz. soldatensprache 1914 —1918 (1922) 64.
4) in der geologie (vgl. frz. engl. cirque, engl. circus 'felsenkessel') 'enceinte de rochers, bassin circulaire' Mozin dt.-frz. 3 (1856) 344c: (beim pubertätsfest kriechen knaben) auf einem langen gange in den bora genannten zirkus Ratzel völkerkde (1885) 2, 83; vgl. zirkusartig, adj.

 

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