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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
zirken bis zirkularbewegung (Bd. 31, Sp. 1615 bis 1617)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) zirken, vb., 'zirpen', wie dieses lautnachahmend (vgl. zirke 'grille' und tschirken, tschirpen), hauptsächlich

[Bd. 31, Sp. 1616]


verbreitet im nd. der älteren zeit; mnl. circken als ein mussche (spatz) 'titissare, minurire, pipilare' Kilian (1605) 78; mnd. sirken Schiller-Lübben 4, 216b; nach Dähnert 562a bezeichnung des lautes junger vögel und heuschrecken.
 
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zirken, vb., reflexiv sich tsirkn 'einen muskel zerren' Kisch Nösner wörter 163; vgl. zirklen '(mit dem zirkel messen;) an etwas zupfen' Martin-Lienhart Elsasz 2, 914a; zu zergen (sp. 690) in der älteren bedeutung 'reiszen, zerren'?
 
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zirk(l)er, zirkner, m. 1) 'stadtwächter, wachtmann der nächtlichen rundstreife', vgl. lat. circ(um)itor; nomina agentis verschiedener bildungsweise zu 1zirken a (zirkler zu zirkeln 2 α?); mhd. zirkære, zirkeler Schmeller-Fr. 2, 1150; 'stadtwächter, die bes. zur zeit des jahrmarkts herumgehen' Müller-Fraureuth 2, 708b; zu zirckler 'circulator' in der Augsburger gemma von 1512, zircker vel vmbkreyszer im voc. teuth. 1482 vgl. Diefenbach gl. 121c;

dâ wart hin in gestigen,
daz ez beleip verswigen
den zirkaeren und der waht
Ottokar österr. reimchron. 61 253 Seem.;

swer der stat wachter und zirkker leidigt ... der sol sein an der stat huld (14. jh.) städtechron. 15, 401; item ist ein alt herkommen recht, das uf den 7. tag ein schultisz, ein bürgermeister, büttel und zirkener essen uf eins apts cammer (1354) weist. 5, 688; und haben dy cirkeler by nacht geiaget und wolden sy irmorden (14. jh.) urk.-buch d. st. Freiberg i. S. 3, 177; hat ein geselle ... der stadt zirckler hertiglich verwundet, ... so möchtet ir in darumb wol peinlich straffen ... lassen Zabel sechs. weichb. u. lehnrecht (1537) 139a; hierzu ... (werden) die zirkeler verordnet, die auf diebe und solche müsziggänger achtung geben sollen feuerordn. d. st. Bautzen (1596) bei Schott slg. z. d. dt. land- u. stadtrechten 2, 58; des raths reuter, zirkler schles. capitation v. 1661. 2) gelegenheitsbildung zu zirkeln 'sich (durch zirkelschlüsse) gedanklich im kreise bewegen' oder 'pedantisch klügeln': bescheidet ihr (theologen) eure discipel nicht anderst als mich (nämlich durch eine petitio principii), so werd ihr zwar viel zirckler, aber wenig gelehrte leute aus ihnen machen (1677) Scheffler ecclesiol. (1735) 1, 40a. —
 
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zirk(l)erin, f., mhd. zirkelærinne Schmeller-Fr. a. a. o.; Bücher berufe d. st. Frankf. 141a; 'klosteraufseherin': was amptes du hast, da lg, das du das selb recht versorgest. bist du zirkerin, so thu im auch recht, du darfst aber darumb die schwestern nit maystern, du solt nur in die zellen zu den fensterlin eingucken, und siehst du etwas das nit recht ist, solt du es der priorin sagen Keisersberg granatapfel (1510) Dd 3b; Aa 3b; Aa 3c.
 
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zirkon, m., als edelstein verschleifbares mineral von vorwiegend roter bis brauner, selten wasserheller farbe; vereinzelt als n. kurzform der bezeichnung des metalls zirkon( ium), bes. auch in der zusammensetzung, z. b. zirkonoxyd. unsicherer herkunft; das aufkommen des wortes steht vermutlich in zusammenhang mit mineralogischen untersuchungen Klaproths, der 1790 im zirkon von Ceylon eine neue erdart, die zirkonerde, entdeckt; dt. zirkon, zirkonerde zuerst 1795 Voigtel wb. 3, 706a; Jacobsson technol. wb. 8, 272a (1782 ebda unter 'jargon' und 'hyazinth' noch nicht erwähnt); engl. zircon (1794), frz. zircon (1812); it. circone. eine ältere bezeichnung der farblosen abart des edelsteins ist frz. jargon (1762 im wb. der Académie Française); engl. jargon, jargoon (seit 1769), auch im dt. jargon (d'Avergne) Jacobsson technol. wb. 2 (1782) 306b; it. giargone; frz. jargon auch juwelierausdruck für diamantartigen stein Pietsch wb. d. warenkde (1919) 249a; dazu vgl. afrz. jargonce, jagonce, jacunce 'hyazinth, braunroter zirkon', formen, die über orientalische zwischenstufen auf grch. ὑάκινθος zurückführen Gamillscheg etym. wb. d. frz. spr. 900. das verhältnis von zirkon (nach Murray zu arab. zarqūn, vgl. portug.

[Bd. 31, Sp. 1617]


zarcāo und die nebenform sargon Heyse verdeutschungswb. [1819] 542a) zu dieser reihe ist ungeklärt; vgl. im engl.: jargonic earth ... has as yet been found only in the stone called Jargon or Circon, of Ceylon (1794) Murray s. v.; zirkon eine art edelstein Voigtel wb. (1795) 3, 706a; encycl. wb. 10 (1803) 215; Richter berg- u. hüttenlex. 2 (1805) 677; zirkon und hyazinth Ritter erdkunde (1822) 6, 110; zirkon (zweitbezeichnung: cerkonier) Prechtl technol. encycl. 4 (1833) 543; sippschaft des zircons Oken allg. naturgesch. (1839) 1, 150; seitdem allgemein.
 
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zirkonerde, f., das 1790 von Klaproth auf Ceylon entdeckte verwitterungsprodukt des zirkons; zirkon(ium)oxyd; lexikalisch pünktlich bezeugt: zirkonerde eine der sieben einfachsten haupterdarten, welche nirgends als im zirkon ... angetroffen wird Voigtel wb. (1795) 3, 706a; encycl. wb. 10 (1803) 215; Heyse verdeutschungswb. (1819) 542a.
 
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zirkonium, n., neulat. bildung zu zirkon (s. d.) nach analogie verwandter chemischer benennungen wie kalzium, natrium usw.; metallisches element (Zr), 1824 durch von Berzelius erstmals chemisch dargestellt, aber schon vorher benannt; vgl. engl. zirconium (1808) Murray s. v.; zirkonium Gehler physik. wb. (1825) 10, 3, 2418; zirconeum Oken allg. naturgesch. (1833) 1, 120.
 
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zirks, m., 'denunziant, angeber': (David sagt:) falsche leute halte ich nicht in meinem hause, und die lügner (das sind eben die falschen angeber) gedeyen nicht bey mir ... dahero sie auch mit schimpfflichen nahmen benennet werden. man nennet sie blaustrümpffe, verräther, circkse P. Fr. Sperling Nicodemus quaerens 2 (1719) 462; vgl. cirx 'circator, ... qui occulte et clam auscultant, quid dicatur, agatur, et defert' Schilter thes. 3 (1728) 182a.
 
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zirkular, zirkulär, adj., häufiger als kompositionsglied; lat. circularis, frz. circulaire 'kreisförmig'; älter zirkularisch. belege: circulair 'rund, die reihe herum' Wächtler hdb. (1703) 64; grosze gnomonen mit kleiner circularer öffnung A. v. Humboldt kosmos (1845) 3, 107; freilich müszte man, um (auf der orgel) diese doppelpartien ... zu spielen, die geschweiften und zirkulär angelegten französischen und englischen pedale haben Schweitzer Bach (1948) 278; med. zirkuläres irresein Dornblüth klin. wb. (1914) 335a.
 
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zirkular, n., 'in mehrfacher ausfertigung an mehrere empfänger gleichzeitig gesendetes schreiben gleichen wortlauts; rundschreiben, umlauf'; auf neulat. circulare beruhende entlehnung des 18. jhs. Seiler lehnwort 14, 122; zuerst 1703 als kompositionsglied in circular-schreiben Wächtler hdb. 64; später auch selbständig auftretend ähnlich frz. (lettre) circulaire, f.; it. (lettera) circolare, f., die den seltenen dt. formen circulair Schirmer kaufmannsspr. 215 (vgl. lux. ziklär, f., luxemb. wb. 504a) und circolare Schirmer a. a. o. zugrunde liegen. kaufmännisch seit dem 18. jh.älteres oblatorium ersetzendim sinne 'geschäftsanzeige' Schirmer a. a. o. belege: aus dem beiliegenden circulare ersehen sie noch das übrige (1779) J. G. Forster s. schr. (1843) 7, 127; landschaftliches cirkular wegen combination des irrenhauses (1802) Göthe III 3, 53 W. (vgl. Fischer Goethewortschatz 905a); neulich hat er uns ein gedrucktes circular zugehen lassen (1829) J. Grimm in: briefw. 2, 525 Leitzm.; auf annonce und zirkular bisher keine antwort Fontane ges. w. (1920) II 4, 57; wenn ihr erstes zirkular zusammen mit dem jetzigen in unrechte hände kommt Bebel a. m. leben (1946) 3, 115. —
 
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-bewegung, f., 'kreisbewegung': hingegen aber die erde ... in solcher circularbewegung den monden zum gesellen habe J. Schmidt göttl. friedenscondition (1641) 77. —

 

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