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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
zirkel(s)zahn bis zirkonium (Bd. 31, Sp. 1614 bis 1617)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version)  -zahn, m., Keplers ausdruck für 'sector circuli, kreisausschnitt'; vgl. Götze anf. e. math. fachspr. (1919) 233; welche figur griechisch τομεύς, lateinisch sector genennet wirdt, teutsch der schuster werckmeister, wir köndens aber füglicher einen circkelzahn tauffen Kepler opera omnia (1858) 5, 514 Fr.; vgl. DWB zirkelschnitz. —
 
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-zug, m., 'tiro, tratto di compasso' Kramer teutsch.-it. 2 (1702) 1469a; was bei den meszkünstlern ist einen bogen oder ein stuck an dem umfang einer scheibenfläche ziehen, das nennen

[Bd. 31, Sp. 1615]


die werckleute einen kreisz- oder circkelzug machen Des Argues zeichn. zum steinhauen (1699) 24.
 
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zirken, vb.
1) 'die runde machen, streifwache gehen', spätmhd. zirken neben zirkeln; vgl. ahd. circon circuire (8. jh.) ahd. gl. 1, 203, 23; Schmeller-Fr. 2, 1150: wir liessen auch meniger nacht zirken zu rossen und zu fussen, damit sich nicht mer unrats begeb copeibuch d. gemainen stat Wienn 28; richter und rat zu Weitten di süllen ... ob sich ain unfrid pegeb, ... einig werden, es sei mit zierkchen oder mit wachten, damit das die armen leut ... bewart werden an irm leib und guet österr. weist. 8, 1029; vgl. 3zirk, sp. 1579.
2) literarische gelegenheitsbildungen; ausgehend von der vorstellung der zirkelbewegung, des gleichmäszigen rundens, mhd. gewöhnlich in reimbindung mit wirken und von diesem wort semantisch beeinfluszt:

ein vaz daz lie sich dringen,
von adamant gezirket sô,
hol, sinwel als ein apfel
Frauenlob nr 238, 2 Ettm.;

dor nach so lag gezirket, (: gewirket)
verwieret in dem golde
ein lstig schon crisolde,
dar uz gemachet was ain O.
Johann v. Würzburg Wilhelm v. Österreich 3970 Regel;

(das gewand) ez was mit maniger hande
richer kost gewirket,
manic vrawen hant gezirket
het do mit der nadel ebda 5918;

'schaffen':

(das dritte kapitel berichtet,) waz mynne sy und zirke
waz mynne t und wirke (14. jh.) minneburg 2289 Pyritz;

refl. 'sich formen':

wa du (minne) in einem wysen man ...
gerechtiklich dich zirkest
und rechtlich in im wirkest,
do augestu diner sterke kraft minneburg 2081 Pyritz.

vereinzelt auch im nhd.; 'runden':

der allerhöheste bist du allein zu nennen,
so weit die sonne kan mit ihren gäulen rennen
umb die gecirkte welt
Fleming ged. 14, 19 Lappenberg;

refl. '(durch ziehen einer kreislinie) sich einschlieszen' (?):

wie bebte vormals stadt und land,
wenn eine freche zauberhand
sich murmelnd in den kreis beschworner zeichen zirkte? (: wirkte)
Gottsched ged. (1751) 1, 171.

anschlieszend an zirk 'bezirk'; vgl. zirken ... terminare, cancellis sepire, fines constituere Stieler stammb. (1691) 2648. 'als bezirk sich ausbreiten, ringsum ausgebreitet daliegen':

nicht feste burg soll dich umschreiben!
noch zirkt, in ewiger jugendkraft
für uns, zu wonnevollem bleiben,
Arkadien in Spartas nachbarschaft
Göthe I 15, 222 W.

häufig bei Paul Ernst, bedeutungsmäszig schillernd in stilisierter kunstsprache, z. b. refl. 'als kreisförmiger bezirk sich ab-, herausheben':

es zirkt
die insel rund sich aus dem grünen meer kaiserbuch (1923) 1, 1, 254.


 
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zirken, vb., misten, den kot von sich lassen (von pferden, kühen, eseln); vgl. 1zirk 'kotballen' sp. 1579; mhd. und frühnhd. in wechselnden formen: zirken, zirchen, zürchen, zürke(l)n Lexer 3, 1201; Fischer schwäb. (16. jh.) 6, 1241; mundartlich im österr. Höfer etym. wb. (1815) 3, 336; Loritza Wien 148a: wann das pferd stallen oder zürchen will, soll mans still halten Seutter hippiatria (1599) 15; die ruhr oder das dünne zirchen und durchbruch zu vertreiben (bei pferden) Hohberg georg. cur. 2 (1682) 207a.
 
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zirken, vb., 'zirpen', wie dieses lautnachahmend (vgl. zirke 'grille' und tschirken, tschirpen), hauptsächlich

[Bd. 31, Sp. 1616]


verbreitet im nd. der älteren zeit; mnl. circken als ein mussche (spatz) 'titissare, minurire, pipilare' Kilian (1605) 78; mnd. sirken Schiller-Lübben 4, 216b; nach Dähnert 562a bezeichnung des lautes junger vögel und heuschrecken.
 
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zirken, vb., reflexiv sich tsirkn 'einen muskel zerren' Kisch Nösner wörter 163; vgl. zirklen '(mit dem zirkel messen;) an etwas zupfen' Martin-Lienhart Elsasz 2, 914a; zu zergen (sp. 690) in der älteren bedeutung 'reiszen, zerren'?
 
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zirk(l)er, zirkner, m. 1) 'stadtwächter, wachtmann der nächtlichen rundstreife', vgl. lat. circ(um)itor; nomina agentis verschiedener bildungsweise zu 1zirken a (zirkler zu zirkeln 2 α?); mhd. zirkære, zirkeler Schmeller-Fr. 2, 1150; 'stadtwächter, die bes. zur zeit des jahrmarkts herumgehen' Müller-Fraureuth 2, 708b; zu zirckler 'circulator' in der Augsburger gemma von 1512, zircker vel vmbkreyszer im voc. teuth. 1482 vgl. Diefenbach gl. 121c;

dâ wart hin in gestigen,
daz ez beleip verswigen
den zirkaeren und der waht
Ottokar österr. reimchron. 61 253 Seem.;

swer der stat wachter und zirkker leidigt ... der sol sein an der stat huld (14. jh.) städtechron. 15, 401; item ist ein alt herkommen recht, das uf den 7. tag ein schultisz, ein bürgermeister, büttel und zirkener essen uf eins apts cammer (1354) weist. 5, 688; und haben dy cirkeler by nacht geiaget und wolden sy irmorden (14. jh.) urk.-buch d. st. Freiberg i. S. 3, 177; hat ein geselle ... der stadt zirckler hertiglich verwundet, ... so möchtet ir in darumb wol peinlich straffen ... lassen Zabel sechs. weichb. u. lehnrecht (1537) 139a; hierzu ... (werden) die zirkeler verordnet, die auf diebe und solche müsziggänger achtung geben sollen feuerordn. d. st. Bautzen (1596) bei Schott slg. z. d. dt. land- u. stadtrechten 2, 58; des raths reuter, zirkler schles. capitation v. 1661. 2) gelegenheitsbildung zu zirkeln 'sich (durch zirkelschlüsse) gedanklich im kreise bewegen' oder 'pedantisch klügeln': bescheidet ihr (theologen) eure discipel nicht anderst als mich (nämlich durch eine petitio principii), so werd ihr zwar viel zirckler, aber wenig gelehrte leute aus ihnen machen (1677) Scheffler ecclesiol. (1735) 1, 40a. —
 
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zirk(l)erin, f., mhd. zirkelærinne Schmeller-Fr. a. a. o.; Bücher berufe d. st. Frankf. 141a; 'klosteraufseherin': was amptes du hast, da lg, das du das selb recht versorgest. bist du zirkerin, so thu im auch recht, du darfst aber darumb die schwestern nit maystern, du solt nur in die zellen zu den fensterlin eingucken, und siehst du etwas das nit recht ist, solt du es der priorin sagen Keisersberg granatapfel (1510) Dd 3b; Aa 3b; Aa 3c.
 
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zirkon, m., als edelstein verschleifbares mineral von vorwiegend roter bis brauner, selten wasserheller farbe; vereinzelt als n. kurzform der bezeichnung des metalls zirkon( ium), bes. auch in der zusammensetzung, z. b. zirkonoxyd. unsicherer herkunft; das aufkommen des wortes steht vermutlich in zusammenhang mit mineralogischen untersuchungen Klaproths, der 1790 im zirkon von Ceylon eine neue erdart, die zirkonerde, entdeckt; dt. zirkon, zirkonerde zuerst 1795 Voigtel wb. 3, 706a; Jacobsson technol. wb. 8, 272a (1782 ebda unter 'jargon' und 'hyazinth' noch nicht erwähnt); engl. zircon (1794), frz. zircon (1812); it. circone. eine ältere bezeichnung der farblosen abart des edelsteins ist frz. jargon (1762 im wb. der Académie Française); engl. jargon, jargoon (seit 1769), auch im dt. jargon (d'Avergne) Jacobsson technol. wb. 2 (1782) 306b; it. giargone; frz. jargon auch juwelierausdruck für diamantartigen stein Pietsch wb. d. warenkde (1919) 249a; dazu vgl. afrz. jargonce, jagonce, jacunce 'hyazinth, braunroter zirkon', formen, die über orientalische zwischenstufen auf grch. ὑάκινθος zurückführen Gamillscheg etym. wb. d. frz. spr. 900. das verhältnis von zirkon (nach Murray zu arab. zarqūn, vgl. portug.

[Bd. 31, Sp. 1617]


zarcāo und die nebenform sargon Heyse verdeutschungswb. [1819] 542a) zu dieser reihe ist ungeklärt; vgl. im engl.: jargonic earth ... has as yet been found only in the stone called Jargon or Circon, of Ceylon (1794) Murray s. v.; zirkon eine art edelstein Voigtel wb. (1795) 3, 706a; encycl. wb. 10 (1803) 215; Richter berg- u. hüttenlex. 2 (1805) 677; zirkon und hyazinth Ritter erdkunde (1822) 6, 110; zirkon (zweitbezeichnung: cerkonier) Prechtl technol. encycl. 4 (1833) 543; sippschaft des zircons Oken allg. naturgesch. (1839) 1, 150; seitdem allgemein.
 
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zirkonerde, f., das 1790 von Klaproth auf Ceylon entdeckte verwitterungsprodukt des zirkons; zirkon(ium)oxyd; lexikalisch pünktlich bezeugt: zirkonerde eine der sieben einfachsten haupterdarten, welche nirgends als im zirkon ... angetroffen wird Voigtel wb. (1795) 3, 706a; encycl. wb. 10 (1803) 215; Heyse verdeutschungswb. (1819) 542a.
 
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zirkonium, n., neulat. bildung zu zirkon (s. d.) nach analogie verwandter chemischer benennungen wie kalzium, natrium usw.; metallisches element (Zr), 1824 durch von Berzelius erstmals chemisch dargestellt, aber schon vorher benannt; vgl. engl. zirconium (1808) Murray s. v.; zirkonium Gehler physik. wb. (1825) 10, 3, 2418; zirconeum Oken allg. naturgesch. (1833) 1, 120.

 

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