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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
zirkel(s)weisheit bis zirken (Bd. 31, Sp. 1614 bis 1616)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version)  -weisheit, f., 'pedantisch erklügelte (schein-)weisheit': mathematische poeten hatten mit ihrer zirkelweisheit ausgerechnet, dasz die canzone sich nur zur bearbeitung weicher, elegischer stoffe eigne Waldau canzonen (1848) 9. —
 
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-welle, f., 'in kreisen sich ausbreitende welle':

im silberteiche tändelten forellen
und ihrer muntern spiele zirkelwellen
bewegten sanft den abdruck des gestades
Scheffner natürlichkeiten (1798) 3, 183;

zirkelwellen, die vom rande einer runden, mit flüssigkeit gefüllten schüssel bei erschütterung ausgehen Krünitz öcon. encycl. 237 (1856) 179. —
 
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-wesen, n., 'pedanterie, federfuchserei', vgl. zirkelweisheit: die derben, freiheitsliebenden marschbauern sahen lange mit unwillen und groll auf die neuerungen dieser studierten herren, deren gelehrsamkeit und theoretisches zirkelwesen Allmers marschenbuch (1900) 31. —
 
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-wurm, m., der name eines als milzbranderreger angesehenen fabeltieres, das sich angeblich im kreise ausbreitet; 'furia infernalis' Höfler krankheitsnamenb. 835; 173. —
 
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-zahl, f., circulzahl, kugelzahl; numerus sphaericus, circularis eine zahl, die in den produkten einer arithmetisch stetigen potenzreihe als letztes stellenglied stets wiedererscheint, z. b. 5, 25, 125 usw. Jablonski lex. d. künste u. wiss. (1767) 307b. —
 
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-zahn, m., Keplers ausdruck für 'sector circuli, kreisausschnitt'; vgl. Götze anf. e. math. fachspr. (1919) 233; welche figur griechisch τομεύς, lateinisch sector genennet wirdt, teutsch der schuster werckmeister, wir köndens aber füglicher einen circkelzahn tauffen Kepler opera omnia (1858) 5, 514 Fr.; vgl. DWB zirkelschnitz. —
 
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-zug, m., 'tiro, tratto di compasso' Kramer teutsch.-it. 2 (1702) 1469a; was bei den meszkünstlern ist einen bogen oder ein stuck an dem umfang einer scheibenfläche ziehen, das nennen

[Bd. 31, Sp. 1615]


die werckleute einen kreisz- oder circkelzug machen Des Argues zeichn. zum steinhauen (1699) 24.
 
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zirken, vb.
1) 'die runde machen, streifwache gehen', spätmhd. zirken neben zirkeln; vgl. ahd. circon circuire (8. jh.) ahd. gl. 1, 203, 23; Schmeller-Fr. 2, 1150: wir liessen auch meniger nacht zirken zu rossen und zu fussen, damit sich nicht mer unrats begeb copeibuch d. gemainen stat Wienn 28; richter und rat zu Weitten di süllen ... ob sich ain unfrid pegeb, ... einig werden, es sei mit zierkchen oder mit wachten, damit das die armen leut ... bewart werden an irm leib und guet österr. weist. 8, 1029; vgl. 3zirk, sp. 1579.
2) literarische gelegenheitsbildungen; ausgehend von der vorstellung der zirkelbewegung, des gleichmäszigen rundens, mhd. gewöhnlich in reimbindung mit wirken und von diesem wort semantisch beeinfluszt:

ein vaz daz lie sich dringen,
von adamant gezirket sô,
hol, sinwel als ein apfel
Frauenlob nr 238, 2 Ettm.;

dor nach so lag gezirket, (: gewirket)
verwieret in dem golde
ein lstig schon crisolde,
dar uz gemachet was ain O.
Johann v. Würzburg Wilhelm v. Österreich 3970 Regel;

(das gewand) ez was mit maniger hande
richer kost gewirket,
manic vrawen hant gezirket
het do mit der nadel ebda 5918;

'schaffen':

(das dritte kapitel berichtet,) waz mynne sy und zirke
waz mynne t und wirke (14. jh.) minneburg 2289 Pyritz;

refl. 'sich formen':

wa du (minne) in einem wysen man ...
gerechtiklich dich zirkest
und rechtlich in im wirkest,
do augestu diner sterke kraft minneburg 2081 Pyritz.

vereinzelt auch im nhd.; 'runden':

der allerhöheste bist du allein zu nennen,
so weit die sonne kan mit ihren gäulen rennen
umb die gecirkte welt
Fleming ged. 14, 19 Lappenberg;

refl. '(durch ziehen einer kreislinie) sich einschlieszen' (?):

wie bebte vormals stadt und land,
wenn eine freche zauberhand
sich murmelnd in den kreis beschworner zeichen zirkte? (: wirkte)
Gottsched ged. (1751) 1, 171.

anschlieszend an zirk 'bezirk'; vgl. zirken ... terminare, cancellis sepire, fines constituere Stieler stammb. (1691) 2648. 'als bezirk sich ausbreiten, ringsum ausgebreitet daliegen':

nicht feste burg soll dich umschreiben!
noch zirkt, in ewiger jugendkraft
für uns, zu wonnevollem bleiben,
Arkadien in Spartas nachbarschaft
Göthe I 15, 222 W.

häufig bei Paul Ernst, bedeutungsmäszig schillernd in stilisierter kunstsprache, z. b. refl. 'als kreisförmiger bezirk sich ab-, herausheben':

es zirkt
die insel rund sich aus dem grünen meer kaiserbuch (1923) 1, 1, 254.


 
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zirken, vb., misten, den kot von sich lassen (von pferden, kühen, eseln); vgl. 1zirk 'kotballen' sp. 1579; mhd. und frühnhd. in wechselnden formen: zirken, zirchen, zürchen, zürke(l)n Lexer 3, 1201; Fischer schwäb. (16. jh.) 6, 1241; mundartlich im österr. Höfer etym. wb. (1815) 3, 336; Loritza Wien 148a: wann das pferd stallen oder zürchen will, soll mans still halten Seutter hippiatria (1599) 15; die ruhr oder das dünne zirchen und durchbruch zu vertreiben (bei pferden) Hohberg georg. cur. 2 (1682) 207a.
 
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zirken, vb., 'zirpen', wie dieses lautnachahmend (vgl. zirke 'grille' und tschirken, tschirpen), hauptsächlich

[Bd. 31, Sp. 1616]


verbreitet im nd. der älteren zeit; mnl. circken als ein mussche (spatz) 'titissare, minurire, pipilare' Kilian (1605) 78; mnd. sirken Schiller-Lübben 4, 216b; nach Dähnert 562a bezeichnung des lautes junger vögel und heuschrecken.
 
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zirken, vb., reflexiv sich tsirkn 'einen muskel zerren' Kisch Nösner wörter 163; vgl. zirklen '(mit dem zirkel messen;) an etwas zupfen' Martin-Lienhart Elsasz 2, 914a; zu zergen (sp. 690) in der älteren bedeutung 'reiszen, zerren'?

 

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