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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
zirkellinie bis zirkeln (Bd. 31, Sp. 1605 bis 1606)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) zirkellinie, f., 'kreislinie; insbesondere die geometrisch genaue, mit dem zirkel gezogene kreislinie', vgl. zirkelfläche: sonderlich sind dreyerley linien ... zum ersten ist eyn gerade lini, zum andern die cirkellini, darnach ist noch eyn krume lini A. Dürer underweysung d. messung (1525) A 2a; die gebognen schlangen, schnecken und zirckel lini, werden uns ... zu vil dingen nutz sein Newdörffer schreibkunst (1601) F 1b; die zirkellinie ist die gröszte abweichung von der geraden J. Möser s. w. (1842) 2, 270. in der abweichenden, ganz für sich stehenden bedeutung 'gerade am kreis' bei Kepler: gebrauch solcher gerader circkellinien, s. Götze anf. e. mathem. fachspr. 229. in freierer verwendung: ich zog, nachdenkend, die hände auf den rücken gelegt, ein paarmal meine zirkellinie um ihn (den tisch) Thümmel reise (1791) 5, 322; und ihr (der villa Negro) zu füszen das gewirr der gassenschluchten, in zirkellinien um sie her, dies spinnennetz, dem er soeben entronnen war R. Dehmel ges. w. (1906) 7, 82.

[Bd. 31, Sp. 1606]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) zirkelmasz, f., (n.), zirkelmesz, n., mhd. zirkelmâz(e), f., 'zirkelmasz, kreis'; frühnhd.: rechter und zusamenhaltender mittel aller zirkelmasse (gott) ackermann a. Böhmen 47 Hübner; kromme holzer zu machen noch zirkelmose (1408) Marienburger tresslerb. 497 Joachim; und ist doch undenwendig des schloszsteines allein die zirckelmasz nit gantz gehalten H. Rodler kunst d. messens (1531) D 1b; sprechen dye meszmeister, das eyn ieglich ding das do gantz rund vnd sinwel sy als ein zirckelmesz oder kreysz, das hab in im beschlossen ein gantz volkummenheit, ... wenn ein zirckelmesz het kein end, wenn es ist gantz küglecht Keisersberg bilgerschafft (1512) 60b; zirkelmasz einer mystischen hütte unsterblicher steinmetzgesellen, zelt gottes unter den menschen El. Langgässer d. unauslöschl. siegel (1946) 270. —
 
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-mäszig, adj., in geometrischer verwendung 'der kreisform entsprechend, gemäsz': was die meszkünstler heissen circkelmässig, das nennen die werckleute in die rundung oder gewölbet Des Argues zeichn. z. steinhauen (1699) 24. in der musik 'gemäsz dem notenzirkel': eine circkelmäszige wiederholung der vorigen hauptaccorde Mattheson kl. generalbaszschule (1735) 149. in allgemeinem gebrauch 'kreislaufartig': dasz wir aber mit einem gewissen neuen und bessern verstande zu dieser alten verfassung zurückkehren, glaube ich selbst, denn sonst müszte man bei diesem zirkelmäszigen leben in verzweiflung fallen Tieck schr. (1828) 7, 276. —
 
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-mauer, f., 'kreisförmige mauer, ringmauer': fon der halben zirckelmauer werde zu beyden seyttenn hindersich gefarn mitt ... dicken mauern A. Dürer befest. d. stett (1527) C 4a; (das Kolosseum) zeigt seine hohe zirkelmauer El. v. d. Recke tageb. e. reise (1815) 2, 223. —
 
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-meister, m.: circitor circkelmeister, wachmeister Mylius nomencl. (1572) J 2b. —
 
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-melodie, f., 'kanon' (vgl. zirkelgesang): gebundene fugen ... und das sind die canones, kreis- und circulmelodien, fughe legate Mattheson vollk. capellm. (1739) 366. —
 
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-messer, n., 'kreismeszgerät': und ob ich gleich nicht ihre (d. astronomen) kunst studiret und gelernt habe, und nicht mit ihrem zirkelmesser umzugehen weisz, deszhalb habe ich kein bekümmernisz J. Böhme s. w. 2, 255 Schiebler.
 
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-mikroskop, n., 'an einer zirkelartigen vorrichtung befestigtes (botanisier-) mikroskop' Jacobsson technol. wb. 8 (1795) 272a. —
 
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-mitte, f., kreismitte'; vgl. in ihres circkels mit Rollenhagen froschmeuseler (1595) Ee 7a:

in der getheilten zirkel-mitten (des parkrondells)
eröffnet sich, den starren blicken,
ein herrlich perspektiv
Brockes ird. vergnügen (1721) 8, 96.


 
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-motte, f., sphinx filipendulae L., ein abendfalter: Campe 5 (1811) 874b; auch filipendelschwärmer genannt Krünitz öcon. encycl. 242 (1858) 18.
 
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zirkeln, vb. , mhd. zirkeln.
1) ausgehend von der vorstellung der zirkelverwendung.
a) eigentlich; 'mit dem zirkel zeichnen, kreise ziehen': zirkeln circinare Diefenbach gl. 121b; wir (philosophen der geschichte) werden zirkeln wie Archimed, und in demselben momente, wo wir den schlusz machen, wird das ereignisz im sande unserer kreise stehen Gutzkow ges. w. (1872) 12, 136. Athena ... lange locke, helm ..., schild gezirkelt Furtwängler vasenbeschreibung (1885) 362. 'kreisförmiges bilden', ohne verwendung des zirkels: da stand er nun ... an einem stamme, zirkelte die stelle, wo er angesägt werden solle Stifter s. w. 4, 1 (1911) 273 (vgl.b). auch 'mit dem zirkel abmessen': 'circklen den circkel brauchen vnd mit vszmässen, circinare, dimetiri Maaler teutsch spraach (1561) 84d; dann dasz wir mit den füszen treten vnd gehnd, das braucht kein kunst: allein das braucht kunst, das wir mit füssen vnd spannen nicht ermessen noch circkeln mögen (nämlich die gegenstände der kosmographie und astronomischen geometrie) Paracelsus opera 2, 497 Huser; vgl. mundartl.

[Bd. 31, Sp. 1607]


zirklen 'mit dem cirkel messen' Martin-Lienhart elsäss. 2, 914; zirkeln genau messen Jakob Wien 226.
b) 'tonnen (für zirkelheringe) mit einem ringzeichen versehen, durch einen kreis bezeichnen': mnd. cirkelen heringstonnen stempeln, vgl. Hübner glossar zu den ma. rechtsquellen von Bremen 324a; zirkeln der heringstonnen Henking d. Ostseefischerei (1929) 9.
c) böhmisch zirkeln 'stehlen' (vgl. zirkel sp. 1594 f.): die (krone) hon sie längst böhmisch gezerkelt Lowag ges. schr. (1902) 5, 71.
d) übertragen in prägnantem gebrauch 'mit sorgfalt und genauigkeit, gleichsam mit dem zirkel (wiederholt) abmessen, entwerfen, runden, ausarbeiten'; in abwertendem sinne gerne als partizip gezirkelt (s. teil 4, 1, 4, sp. 7176f.): ja er habe wie lange gesessen und gecirckelt, ehe er ein recht schön und wohl proportionirt M. habe machen lernen (1690) titul-mann 127; Göthe IV 1, 20 W.; die schrift ... die sogar einen groszen, mit der feder andächtig gezirkelten bunten anfangsbuchstaben hat Chrysander Händel (1858) 1, 237; ein marmorner Apollo mit seltsamer lockenperücke spielte dort zwischen gezirkelten blumenbeeten die geige Eichendorff s. w. (1864) 3, 309; freier, gelöst von der ausgangsvorstellung und mit abstraktem objekt:

wer circklet ihn (den gesang der vögel) so rein vnd rund
so mannigfältig weise?
Spee trutznachtigall 119 ndr.;

wir zirkeln und bilden eine periode, aber wir wissen das geheimnis nicht, mit der letzten meisterhand den schweis der kunst von ihrem angesicht zu wischen Th. Abbt verm. w. (1768) 3, 104; (eine) jener wohl gezirkelten unterhaltungen, die meistens harmlos genug ... sind Storm s. w. (1919) 4, 237. zirkeln an: denn es gehört zehnmal mehr dazu, ... zehn jahre an einem ideal der schönheit zu zirkeln Lenz ges. schr. 2, 212 Tieck; abwertend, von streng regelhaften, als geklügelt und pedantisch empfundenen literarischen erzeugnissen:

entglüht kein zorn dir, dichter? so duld es denn!
doch büsz auch deine demuth, durch zirkelnden
entwurf, (verzeichnung ist er!) glatte
liederchen, oder durch henriaden
Klopstock oden (1889) 2, 17.

bezogen auf abgemessenes, steif-förmliches gesellschaftliches verhalten: meine lebensart ist bey leuten, die in ihren manieren gezirkelt und abgemessen sind, ein wenig unartig Loen ges. kl. schr. (1749) 1, 10; aber alles (ist) gar altklug und gezirkelt (1813) J. Görres br. an Achim v. Arnim in: neue Heidelb. jahrb. 10, 171; wunderliche käuze, wunderliches menschengeschlecht! wie sie zirkeln und ängstlich schritt für schritt setzen G. Freytag ges. w. 2 (1886) 85; monsieur Lenormant, so gezirkelt und ausgesucht seine manieren waren, liebte ... zuweilen auch schwänke Feuchtwanger d. füchse im weinberg (1954) 77.
2) ausgehend von der vorstellung der kreisbewegung.
a) nur frühnhd. 'als streifwache die runde machen', wie 1zirken a: den cirkelern, di do cirkelten zu dem hofe, vortrunkin 20 gr. (1376) cod. dipl. Lusatiae superioris 3, 15. in formelhafter verbindung: auch ein grosse forcht und betrachten müssen haben mit wachen, zirckelln, torhüten und andern chron. d. st. Eger 300 Gradl; mit schossen, cirkeln, hergarten und allem andern (1465) urk.-buch d. st. Freiberg 3, 352.
b) 'im kreise umlaufen, kreisen':

(seit Widukind ist Phoebus)
nun bald neunhundert mal gezirkelt üm die erden
Neumark fortgepfl. lustwald (1657) 2, 218;

jede sonne bekleidet die um sie cirkelnde welten
mit ihr eigenem lichte
Wieland w. 2, 48 akad.;

meint man, dasz in diesem leben alle dinge in demselben zustande verharren werden, so meint man etwas thörichtes; es scheint vielmehr, dasz sich alles zirkelnd, oder eigentlicher im zirkel umtreibt Tieck don Quixotte (1874) 2, 397. vom blutkreislauf:

[Bd. 31, Sp. 1608]


wie zirckelnd ihm das blut durch adern muste rinnen
Hoffmannswaldau u. a. Deutschen ged. (1697) 7, 103;

du bist's, der das blut im weltpuls zirkeln macht, des goldes herr und könig dieser erden maler Müller w. (1811) 2, 158. 'im (zyklischen) kreislauf wiederkehren'; vorzugsweise ausgangs des 18. jhs., in verbindung mit zeitbegriffen: der dichter weihet dem Jupiter seinen gesang, weil diesem die olympischen spiele heilig waren, deren alle vier jahre wiederkommende zeit er die zirkelnden stunden des Zeus nennt Lessing 8, 69 L.-M.;

bei dem genusse der zirkelnden zeiten des jahres
Knebel Lukrez (1821) 140;

bringst du mir, was ich noch nie erfahren,
oder geschichten, die wiederkehren
nach der zirkelnden jahre lauf
Tobler Sophokles (1781) 2, 9.

'kursieren, umlaufen': diese zettel, ob sie gleich im lager ... stark zirkelten, machten ... nur schwachen eindruck Laukhard leben u. schicks. (1791) 3, 181.
c) 'um die eigene achse kreisen, sich drehen':

wenn du das haupt verhüllst und die stirn verdeckest in wolken,
zirkelnder himmel, auch dann bist du den sterblichen vater
Herder 26, 180 S.;

wenn durch empfangnen trieb ein reges uhrwerk geht,
so gleich kann es die hand, die es gebaut, entbehren,
und wird durch eigne kraft die räder zirkeln lehren
Wieland w. 1, 39 akad.;

was aber die farben bildet, ist der umstand, dasz diese kügelchen, auszer der directen bewegung, bestimmt sind sich zu drehen, und dasz aus der verschiedenen verbindung der directen und zirkelnden bewegung die verschiedenen farben entstehen Göthe II 3, 330 W.
d) reflexiv 'sich drehen, sich drehend bewegen':

es zirckelt sich der sand an diese grüffte
durch einen kühlen wirbel-wind
Feind dt. ged. (1708) 259;

ein sich cirkelnd feurigs rad
Weichmann poesie d. Niedersachsen (1721) 1, 15;

herr, mäszigt euch;
ihr seyd sehr krank; rothe ringe zirkeln sich
um eure augen
Grabbe w. 1, 34 Blumenth.


e) transit. 'im kreise bewegen':

ich aber sitze am beschneiten fenster;
ein blaues knasterwölkchen steigt
mit tausend luftgebauten schlössern,
dünnere lüfte zirkelnd empor
Schubart s. ged. (1825) 2, 240.


f) 'einen kreis bilden', in der form des part. präs. liter. lieblingswort vorklassischer, insbes. Schweizer dichter des 18. jhs.:

es (das haus) stand auf zirkelnden säulen,
welche von sittimholz ins ovale gesetzt empor stiegen
Bodmer d. Noah (1752) 1, 288; 1, 454; 2, 34;

höher indes, als der wall, stand eine zirkelnde reihe
mit den vortrefflichsten früchten beladner herrlicher bäume
Zachariä poet. schr. (1763) 7, 18;

... ein zirkelnder lichtplaz
Lavater poesieen (1781) 2, 9;

drachen mit rauschenden flügeln und schlank zirkelndem leibe S. Gessner schr. (1789) 3, 250.

 

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