Wörterbuchnetz
Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
zirgelbaum bis zirka (Bd. 31, Sp. 1578 bis 1582)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) zirgelbaum, m., 'celtis australis L., elsebeerbaum, ... auch nesselbaum und bohnenbaum' Adelung2 4, 1725; Voigtel wb. (1793) 3, 705; entrundete form zu zürgelbaum teil 16, sp. 658; vgl. Marzell wb. d. dt. pflanzenn. 1, 871.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
ziringe, zirinke, zirene, zitrene, f., flieder, syringa vulgaris; mundartl. für syringe teil 10, 4, sp. 1432; ziringe ... 'in Alt-Württemberg weit verbreitet' Fischer schwäb. 6, 1239; zirink, zittering Schmidt Straszburg 120b; zirink Martin-Lienhart elsäss. 2, 913b; zirinke gemeiner flieder, holder Seiler Basel 326a; nd. häufig und vereinzelt md. zirene, s. sirene teil 10, 1, sp. 1234; landschaftlich (thür.) beeinfluszt ist wohl auch: 'blaue blüte alias zirenen et welscher holunder flos cyrenaicus' Stieler stammb. (1691) 201; zireen Mensing schlesw.-holst. 5, 761, ziren'n Westermann Baden (Verden) 92a; zirenen syringe, flieder Frederking Hahlen 179b, zirêne holunder Damköhler 231b, tsirē Hentrich Eichsfeld 84, tserē'ne Bauer-Collitz Waldeck 106a, Hofmann niederhess. 270a; zitrene Schambach Göttg. 308b; zitterēne, diminutiv zitrēneken Dahlberg wortschatz Südhannovers 98; zitrênchen, zirênchen Kleemann

[Bd. 31, Sp. 1579]


Nordthür. 8c; über die unterschiedliche verbreitung und bedeutung von syringe, flieder und holunder s. Söhns pflanzenn. (1907) 67, Teuchert sprachreste d. ndl. siedlungen 214 und die verweise teil 10, 4, sp. 1432.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
zirinke, f., syringe, flieder, s. oben ziringe.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
zirinke, f., hyazinthe: 'zirinken blaue hyazinthen (Württemberg)' Klein provinzialwb. 2, 247; Fischer schwäb. 6, 1239; bei Campe 5, 874 als veraltet angeführt; wegen der blauen farbe übertragen von ziringe 'syringa vulgaris', möglicherweise erleichtert durch 1zinken (sp. 1402).
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
zirk, zirch, m., kot, mist; entrundete form zu zürch, zürk teil 16, sp. 637; vgl. ags. tord, n. 'kot' aus idg. *d-tóm; mit gutturalerweiterung mhd. zurch, zürch Walde-Pokorny 1, 798; bes. kot des pferdes, s. rosszirk teil 8, sp. 1279; bezeugt frühnhd. im bair.-schwäb. sprachraum: und in den meüssfleischen des afftern, macht es das der zirch oder kat on willen von eim menschen geet M. Herr schachtafeln d. gesuntheit (1533) Ee 2b; (ein bauer) nahm den zirch von einer stutten (gegen das seitenstechen) Hohberg georg. cur. (1682) 1, 278a; nim ein zirck von einem jungen ross oder wie du es haben kanst Gäbelkover artzneyb. (1596) 1, 121; zirch (der pferde) dörren und understrewen (um 1600) H. U. Krafft reisen u. gefangensch. 130 lit. ver.; in zusammensetzungen: der stulgang ist leicht, schwimpt uff dem wasser unnd ist in gestalt wie ein küe zirch M. Herr schachtafeln d. gesuntheit (1533) Gg 4a; ein schäffin zirckh (1571) bei Fischer schwäb. 6, 1240, s. schafzirk teil 8, sp. 2054.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
zirk, f. 'lauchartige gartenpflanze, allium fistulosum, bezeichnet nach der kreisförmigen anordnung der knollen oder nach der gestalt des blütenstandes' Fischer schwäb. 6, 1240; eher zu sürg 'allium vineale' ebda 5, 1968; 6, 3262; surige 'allium porrum' Hildegard v. Bingen, ahd. su(r)ro, suriho, surio 'cepa porrus', serche, süri bei Marzell wb. d. dt. pflanzenn. 1, 201; 204; 209.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
zirk, f., wachrunde, streife, nur frühnhd. in bair.-österr. quellen belegt, s. Lexer 3, 1132; vgl. unt. 1zirken und zirk(l)er;

dy in dem gelass dy selben naht
pflagen der zirk und auch schilt waht,
dy harten wal, daz leut da wurn
Beheim buch v. d. Wienern 90;

in der gleichen wendung ebda 184; es ist auch den fleischhakchern gesagt, das sy des nachts under den fleischpenkchen ir zirkk und wachtt halden (1454) copeybuch d. gem. stat Wienn 8 Zeibig; plur. oder substantivierter inf.: richter und rat zu Weitten die süllen ... ainig werden, es sei mit zierkchen oder mit wachten, damit das die armen leut ... bewart werden an irm leib und guet (15. jh.) österr. weist. 8, 1029.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
zirk, f., 'die zirk heiszt in Passau jetzt eine abgabe zur bestreitung der kosten für wasserleitung und pflasterung' Schmeller-Fr. 2, 1150.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
zirk, m., s. unten zirkus.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
zirk, m. , kreis, bezirk, bereich; entlehnt aus lat. circus; ahd. nur in adverb. fügungen belegt: umpi in chirch circumquaque (8. jh.) ahd. gl. 1, 85, 29 St.-S.; duruh uuehchun umbincirh per septemane circulum (8. jh.) benediktinerregel bei Steinmeyer sprachdenkm. 229, 11; für das mhd. vgl. Lexer 3, 1132; im nhd. verzeichnet bei Calepinus (1579) 257a; Schottel (1663) 276; 'infrequens est' Stieler stammb. (1691) 2648; bei Campe 5, 874 als veraltet angeführt. zirk ist stärker bezeugt nur im 16. und 17. jh. und nur in obd. quellen, einzelne spätere belege begegnen in metrisch gebundener sprache und mundartlichen sonderbedeutungen (s. 2zirk—4zirk). an seine stelle tritt bezirk.
1) umkreis, grenzlinie eines gebietes: dann die breite sol sechstausent schritt im zirck gewesst sein Eppendorff kriegsübung (1551) 107a; Megalopolis die statt hab im circk oder umbkreisz fünfftzig stadia Xylander

[Bd. 31, Sp. 1580]


Polybius (1574) 390; auszwendig des pallasts gar nahend, da ist ein berglein, etwan hundert schritt hoch, und hat ein zirck auff ein meil weges Megiser chorographia Tartariae (1611) 154. bedeutungsmäszige berührung mit zarg, vgl. teil 15, sp. 280 und Schmeller-Fr. 2, 1150: unnd ist gleich wol domals die neüwstatt in ein enge zarg oder zirck eingefangen worden S. Münster cosmogr. (1550) 701.
2) für astronomische und physikalische vorstellungen.
a) die bahn der gestirne und deren bereich:

sô sag, wer segent den brunnen?
daz tet der der sunnen
zeigt ir strich und ir ganc
in ir zirk den umbeswanc
Reinbot v. Durne hl. Georg 2866 Kraus;

vom zyrck des mons herab, durch alle element und was leiblichs dorinn begriffen Berthold v. Chiemsee theologey 174 Reithm.;

ohn eins ist alles nichts, was etwas ist und heiszt,
so viel der sternenzelt in seinem zirk' umschleust
Fleming dt. ged. 1, 31 lit. ver.;

die (sonne) läuft an ihrem zirk herum und schüttet von sich die hitze und das licht J. Böhme s. w. 2, 34 Schiebler;

da fern der erden zirck soll haben glantz und schein
Knittel kurtzged. (1674) 42.

vom kreislauf des wassers:

das erdtrich er (gott) mit brunnenquallen
rlich begobt und wasserwallen;
die flieszen all ir zirck und geng
als noch der breitt und nach der leng
ausz tieffem meer und kummen all
wider dorin inn irem vall
Wickram w. 7, 11 Bolte.


b) das himmelsgewölbe, firmament:

er sprach, misz recht der erden kraysz,
als man, mit künsten, kan und waysz.
so würt die welt, ain punct genändt,
gen himlischem firmament.
auch wont der mensch, mit seim gewürck,
den klainsten tayl, in sölchem zirck
J. v. Schwarzenberg d. teutsch Cicero (1535) 159b;

über dem zirk oder schlusz, den wir da mit unsern augen sehen, das wir himmel heiszen, erscheine die ganze triumphirende, heilige dreifaltigkeit J. Böhme s. w. 2, 33 Schiebler; die sonne geht mitten in der tiefe zwischen den sternen in dem runden zirk, und sie ist das herz der sterne ebda 36.
3) ein bestimmtes umgrenztes gebiet; im unterschied zu 1 nicht nur die grenzlinic bezeichnend, sondern das, was sie einschlieszt.
a) allgemein für das stück land, grundbesitz, ein revier: und in disem zirck, was hüser am Birszeck-sitten stunden, lüff das wasser durch und durch (1529) Basler chron. 6, 134 Bernoulli; und in solchem angezeigten zirch der freiung soll und mag ain iede person, so von keinem redlichen totschlag ... flichtig ist, ... das hohe kreuz um freiung anrufen österr. weist. 4, 152; bleiben ... in iren revieren, gewenden und zircken, felt keine der andern in ir geheg H. Müller turckische hist. (1563) + 2b; über obengedachten vom clösterlin Grünwald hergegebnen cirkh (1657) Grünwalder chronik in: Alemannia 10, 216;

noch nie hab ich in dem revier gejagt,
doch ists nicht meine sache, hin und her
zu reiten in 'nem kleinen engen zirk
Tieck schr. (1828) 2, 241;

verruchter bösewicht! du wagtest es
mein eigenthum zu rauben? denn gewisz
ist dir bewuszt, dasz alles, was im zirk
des walds sich findet, mein mit recht gehört? ebda 3, 153.


b) am häufigsten belegt ist das wort als bezeichnung eines gemeinwesens, wobei zirk einmal mehr die räumliche ausdehnung wie unter a) (s. u. die wendungen zirk und mark, zirk und begriff), dann stärker die kommunale, kirchliche oder juristische zugehörigkeit zum selben amts- und verwaltungsbereich hervorhebt: das kein ander person in dem zirck kessel noch pfannen feill haben

[Bd. 31, Sp. 1581]


noch damit gewerb triben solle, dan die darzu geborn oder durch die obersten des hantwercks uffgenomen sin (1478) urk.-buch d. st. Heilbronn 2, 213 Rauch;

auch Newenburg und Kentzingen,
auch Endingen und Waldtkirch,
dise all in einem zirch,
auch usz der herschafft Hochberg (15. jh.) Endinger judenspiel 71 ndr.;

zu wisen und zu besagen der zirck und umbganck der hoicheit und landts Nürburg, wie weit breit und begrifliche derselbige sey (Eifel 1515) weist. 2, 611; da sollen alle, die in demselben zirk, es syen pfaffen, geistlich oder weltlich, gsessen, daran helfen zalen (Elsasz 1515) G. Franz dt. bauernkrieg, aktenbd. 223; hat der künig befolen, getödtet z werden, alle seygende kinder, nit allein z Bethlehem, sunder im selbigen zirck Hedio chron. Germ. (1530) 5a; so beschwerdt der erst diepstall denn anndern: darumb mag derselbig dieb ... inn demselben zirck oder ort, darinne er verwurckt hatt, ewigklich zu pleibenn verstrickt werden (1532) Carolina 1, 88 Kohler; binnent dem vorgemelten zirck und marcken weisen wir unsern gned. hern von Manderscheid und uns. gned. hern von Trier vor zwene gewalthern und vogthern dess dorfs zu Trittenheim (1532) weist. 2, 322; es soll sich kainer, geistlich oder weltlich, so hie nicht seszhaft, understeen in dem zirk und marchen des aigens hoflein behauste oder ander gueter und grunt ... mit kauf oder in ander weg an sich zu bringen auszer wissen, willen und zuegeben der obrigkait (Höflein a. d. Donau 1540) österr. weist. 7, 998; was innerhalb disen zirken und kraisen gelegen, das solchs herr Wörnher von Zimbern ... und seine erben mit jagen wol geprauchen mögen Zimmer. chron.2 1, 441 Barack; nun ist das allhie eine gemeine regel, als fern sich eines erbarn raths zirck, gebiet, weichbild oder gerichte strecket, ... so fern streckt sich auch die pfarr in S. Jochimssthal Mathesius Sarepta (1578) 137a;

ferner am sarmatischen birg
in landvogtei Zepusien zirck,
etlich brunnen daselbst man find
die viech und vöglein tödlich sind
Rebmann naturae magnalia (1620) 107;

ich will gerne zulassen, dasz länder, städte und örter, diejenigen tugendhafften personen, so in ihrem zirck und begriff gebohren werden, vor ihren sonderbaren ruhm achten können und sollen J. D. Ernst liebesgesch. (1693) 7; der vatter in seiner werkstatt, der pfarrer in seiner wohnstube, ... der untervogt in seinem zirk, kurz jeder an seinem plaz Pestalozzi s. w. 9 (1930) 263;

wohl zwanzighundert speeresleut',
ohn eingen fleck und fehl;
sie waren gebohren längs der Twid',
im zirk von Tiwidähl
Herder 25, 482 S.

bezirk, wirkungskreis: andern aposteln (gegenüber Petrus) hat Cristus dergleychen gwalt geben, aber nur ainem yeden in seinem auszgezaygten zyrck Berthold v. Chiemsee theologey 640 Reithm. in umfassenderer bedeutung bezeichnet zirk das gebiet eines stammes oder eines politischen territoriums: hertzog Ludwig von Bairn und hirtzog Friderich, pfalzgraff, aigner person hie sambt etlichen stenden vom reich, wie man den pairischen zirck nent (1528) städtechron. 15, 77; nuhn konnen aber die verordneten kein fuglicher besser masz bedenken in ansehung, das man so weit von einander gelegen, dan das man zwen zirk mach, einen oberlendischen und sechsischen (1531) urk. u. akten d. st. Straszburg II 2, 42; kreisstende des rheinischen zirks (Frankf. 1542) Diefenbach-Wülcker hoch- u. niederdt. wb. 914; das Ergöw aber gehört in den burgundischen zirck und was vor langen ziten christglöubig worden Tschudi chron. Helvet. (1734) 1, 14; von den verwaltungsbezirken des Römerreiches: Europam haben die Römer, so vil ir gewesen, in sex krais und zirk getailt Aventin 4, 2, 640 bayer. akad.; Hispania ... ist der dritt krais und zirk des römischen reichs in Europa gewesen ebda 650.

[Bd. 31, Sp. 1582]



4) gebiet, bereich in übertragener bedeutung:

ahy, kunst flüz la mir ain don
fliezzen in die zirke
der sinne da ich wirke
inn sölhe lere,
den ze gter kere
die ez lesen gern!
Johann v. Würzburg Wilhelm v. Österreich 13 217 Regel;

auch wie der sinn der gschrifft ... in den gantzen zirck und umbkreisz christlicher lere ... sich reimen und gattiren soll C. Hedio 4 bücher v. christl. leer (1532) vorr. 2a; dessz halb so will ich nun anheben ... taflen zusammen setzen, die so speiss und tranck innhalten und andere ding so darzu notwendig seind, als ich dann ein iede beschreib in seim circk M. Herr schachtafeln d. gesuntheit (1533) A 2b;

sie (Isolde) rieb das schwert wie eine magd
o gott, wer hätte da gesagt,
dasz dieses heiligthumes zirke,
der priesterin, die opfern thut,
ein böser engel nahe wirke
Immermann w. 13, 162 Hempel,

dasz der oberen wille
sich ringe ans licht und vollende sein (des königs) werk
im gewiesenen zirke ebda 19, 265.


 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
zirka, adv., etwa, ungefähr; das lat. circa; nach Weigand 2, 1331 seit dem 17. jh. belegt; circa, in circa ohngefehr, beynahe Sperander (1728) 115a. auch in die mundarten eingedrungen: Fischer schwäb. 6, 1240; zirk beiläufig Bacher Lusern 428; zärka Müller-Fraureuth obersächs. 2, 708b; zirka Elberfelder ma. 178b; Frederking Hahlen 179b. zirka ist meist bestimmungswort der zahlwörter, selten des zeitwortes: eine wirtsschuld von zirka 24 masz wein Hebel w. 2, 452 Behaghel; den fürsten Salm kenne ich wohl, er ... wohnte vor zirka 25 jahren in Münster und hiesz damals prinz Lachs (1843) A. v. Droste-Hülshoff br. 2, 232 Schulte-K.; vor zirka acht jahren ... hiesz es, wir Deutschen verständen den Shakespeare viel besser als die Engländer und er sei eigentlich ein deutscher dichter (1858) G. Keller br. u. tageb. 2 (1916) 471 Ermatinger; Junk— [mann] ... der nur so zirka einen überschlag von den einkünften der Coesfelder und Recklinghauser gymnasiallehrer gemacht hatte (1841) A. v. Droste-Hülshoff br. 1, 505 Schulte-K.; freilich, mein maklerverdienst ging so zirka wohl darauf Storm s. w. 6, 357 Köster.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: