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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
zirbelkrähe bis zirch (Bd. 31, Sp. 1574 bis 1578)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) zirbelkrähe, f., nucifraga caryocatactes Brehm tierl. 4, 467 P.-L.; so genannt, weil sie gerne zirbelnüsse friszt.

[Bd. 31, Sp. 1575]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) zirbeln, vb., sich im kreise drehen, wirbeln; die idg. wurzel *derbh- (dazu ai. dbháti 'verknüpft, flicht zusammen, windet'; weitere idg. und germ. verwandte s. bei Walde-Pokorny 1, 808 und Pokorny idg. etym. wb. 212) setzt sich im germ. mit o-stufe fort in ags. tearflian sowie in dem reflexiv gebrauchten ahd. zerben 'sich drehen' mit dem prät. zarpta:

tho er (gott) deta thaz sih zarpta,ther himil sus io uuarpta
Otfrid II 1, 21;

Galilea, thaz ih quad,theist in frenkisgon rad,
thaz sih io umbi zerbitjoh emmizigen werbit.
ther se ist zessonti,sih selbon missihabenti,
stozot sih io in thratimit mihileru unstati.
thiu meinent, wio sih zerbitjoh thisu worolt werbit,
mit ungimachu thuruh notsih emmizigen stozot ebda III 7, 17.

die e-stufe erscheint im mhd. zirben (daraus entlehnt umbtzerven als eyn wagenrat off ander schijve v. d. Schueren theut. 256b Verdam, so zu lesen nach anz. f. dt. alt. 24, 152):

er (Parzival) spranc drûf (aufs rosz) âne stegereif
daz alumbe begunden zirben
sîn verhouwene schildes schirben
Wolfram v. Eschenbach Parzival 215, 23;

die schilte lagen uf dem kle mit schirben
man sach die wappenrockeob in an den esten hohe zirben jüng. Titurel 4706 Hahn.

dies verbum wird meist als schw. vb. angesetzt; grundform also *terbjan, was ohne parallelen ist. stammt zirben somit erst aus dem allerdings viel später belegten zirbeln (wie wirbeln, zwirbeln)? vgl. aber auch zwirben (aus zwirbeln oder nach zirben?). die belege entstammen den modernen maa. im westen des dt. sprachgebietes: zirblen daneben zirmlen wirbeln, im ring herum gehen Fischer schwäb. 6, 1239; zirbeln zwirbeln Stalder Schweiz 2, 475; im kreise herumgedreht werden Woeste-Nörrenberg 330b; in nd. form: westfäl. tirfeln 272a; tirvele kreiseln, ohrfeigen, straucheln, taumeln, überschlagen, wälzen, wirbeln Hönig Köln 181a; seck terweln, tirweln sich im kreise drehen Elberf. ma. 162b; tervəln Hasenclever Wermelskirchen 96. literarisch nur vereinzelt gebraucht:

nun wirbelts um, und immer dichter wirbelt,
wie schneegestöber vor den augen zirbelt
P. Ernst d. kaiserbuch (1928) 3, 1, 403. —

2zirbeln, vb., lautmalend: unnd begibt sich, damit so ein grawsams braschlen und sausen, dargegen in dem undersinckendenn zwirbel, so ein grosz seufftzen und zirblen Boner Justinus (1532) 19b; der querpfeif helles zirbeln (1769) bei Fischer schwäb. 6, 1239;

so horcht mein ohr; von ohngefähr
ertönt der vögel süszes zirbeln
und mischt sich in der bäche wirbeln
Jung-Stilling s. schr. (1835) 1, 235.


 
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zirbelnusz, f. , dim. -nüszlein, n., nux pinea; in älterer zeit und mundartl. auch zirber-, zirbas- u. ä. (aus -els-), zirlin-, zirl-, zürm-, zirn-, ziernusz.
1) der fruchtzapfen der pinus cembra; die ersten belege unbestimmt nur von pinus: 'pinus siluestris que pineas profert nucleis exilibus tamen dulcibus, scrobilia dicta zirbelnusz' Pinicianus prompt. (1516) B 1a;

auch führten sie (die stadt Augsburg) in irem wappen
ein zirbelnusz oder tannenzapfen (Augsburg 1541) städtechron. 34, 352;

nuces pineae artzepffen, zirbelnüsszlin Frisius dict. (1556) 888b; strobilus zirlinusz ebda 1248a; der fichtenbaum (trägt) zirbelnüszlein pinus (fert) strobilos Comenius jan. ling. (1638) 122; conus ... pro fructu pini ein zapff oder zirbelnusz Corvinus fons lat. (1646) 533; zirbelnusz oder hartzapffel und thannapffel une pomme de pin, nux pinea vel strobilus pineus Duez germ.-gall.-lat. (1664) 716; zirbelnusz nux pinea Stieler stammb. (1691) 1369; zirbelnusz a pine-nut or pine-apple Ludwig t.-engl. (1716) 2598; zirbelnusz der samenzapfen des zirbelbaums Adelung2 4, 1725. dazu das adj. zirbelnuszrund:

[Bd. 31, Sp. 1576]


allerhand küttenrunde, birenrunde, zirbelnuszrunde, allerhand kernrunde ... figuren Kepler opera omnia 5, 527 Frisch.
2) die samenkerne in den fruchtzapfen von pinus cembra und pinus pinea: nuclei pinei zirelnus in Alpibus Noricis (1517) Aventin s. w. 1, 408 bair. akad.; die pineenkernen darinn nennet man zierlinnuss Ryff confectbuch (1548) C 6b; an disem hohen baum (pinus cembra) wachsen die edele zirbernüszlein under den langen zapffen Bock kreuterbuch (1551) 420a; den zapffen darinn zirbelnüsz oder pinie wachsen Wirsung artzneyb. (1588) 328; zirbernüszlein Weismann lat.-germ. lex. (1673) 929; 'die früchte oder vielmehr die nüszlein, so in den conis, zirbeln, pinäpffeln oder pinzapffen verborgen liegen, werden nuces pineae, auch wol in den officinis absolute pineae, pinien, pineoln, pignoli, pinienkern, zirbel- und krafftnüszlein genennet' Pancovius herb. (1673) 310; es gibt derselben (der fichte) hauptsächlich zweyerley arten, die zahme und die wilde, pinus sativa und sylvestris. jene trägt gröszere und breitere zapffen als diese, fast den zapffen der weistannen gleich, worinnen, zwischen den schuppen einer bohnen grosz nüszlein enthalten sind, welche die bekannte pineolen, pinien, nuces pineae, pignons oder zürbelnüszlein sind Ehrhart pflanzenhist. (1753) 5, 110; zirbelnüsse die samenkerne des zirbelbaums, pinus cembra Campe 5, 874a; zirbelnusz frucht der sibirischen ceder (pinus cembra) der Alpen und Tirols. die nüsse haben eine harte schale um einen ölreichen kern Hübner zeitungslex. (1824) 4, 1025b; die zirbelnüsse, die frucht der arven oder zirbeln ... hat einen rötlichen, wohl- und süszschmeckenden kern, fast wie mandelnüsse sind J. Grimm dt. sagen 213 Steig; zirbesnüssel (Steiermark) Popowitsch versuch (1780) 639; Unger-Khull steir. 653a; zirbasnüszl Schöpf Tirol 829; ziarwasnissl Castelli ma. in Österr. 272; ein schelffen von zürmsnussen Guarinonius grewel d. verwüstung (1610) 377; pinea cirnus (14. jh.) voc. opt. 53a Wackernagel; hab 13 stüber umb holz geben, 2 stüber um zirnnüsz (1520) Dürer tageb. 74 L.; die nüszle so dieser baum im zapffen tregt, werdend ziernüszle genannt, oder zirnüszle Frisius dict. (1556) 1006a; rote zirnussen (1568) bei Fischer schwäb. 6, 3489; tsiærnissli Brun Obersaxen 70. geschätztes heil- und genuszmittel: so yemants im argwon were, das er bülsenkraut oder samen genossen hette, der drinck auff stund ... zyrbelnüszlin ... mit süszem wein Bock kreutterb. (1539) 1, 33b; nim frische zirbernüszlin, süsze mandelkern ..., jedes 3 oder 4 lot Gäbelkover artzneyb. (Eisleben 1595) 1, 102a; nimb honig, pfeffer unnd pineen oder zirbelnussen Seutter hippiatria (1599) 50; wie wir bei uns die zürel und haselnusz essen Rauwach bei Fischer schwäb. 6, 1239; du pignolat eingemachte zerbssnüszlein oder dannzapfenkerner Duez nomencl. (1652) 33; dieser eigenschafft (lust zum essen zu erwecken) sind auch die zirbelnüssel Hohberg georg. cur. (1682) 1, 625; die schmackhaften kerne oder zirbelnüsse werden gegen den husten gegessen Oken naturgesch. 3 (1841) 349.
3) der zirbelnuszbaum in verkürzender ausdrucksweise: der lärchenbaum, häufiger als sonst, die zirbelnusz, eine neue erscheinung, machten sogleich auf klimatischen einflusz dringend aufmerksam Göthe II 6, 119 W.; pinus cembra die zirbelnusz Hirschfeld theorie d. gartenkunst (1779) 4, 170; zürbelkiefer pinus cembra, deutsche namen: arve, zürbelnusz, zürbelnuszkiefer, zürbelfichte, zürbelnuszbaum, ziernuszbaum, zirzen, zürme, zürbe; arbe, arvelnuszbaum, cembrobaum, zürmbaum, zemberbaum, zirmnüsse, zirbel, zirbelsnüsse, zirrnüsse Behlen forst- u. jagdkde (1840) 6, 549; wir ... kamen ... aus der region des schreckens in die des grünen, zu zirbelnüssen und lärchenbäumen Steuf drei sommer in Tirol (1895) 1, 399. zirbelnusz- zusammengesetzt mit -baum, m. Hulsius-Ravellus (1616) 432a; Zehner nomencl. (1645) 205; Döbel jägerpractica (1754) 4, 31; Ritter erdkde (1822) 18, 195; Krünitz öcon. encycl. 242 (1858) 8. dim.: zürennüszlinbaum

[Bd. 31, Sp. 1577]


Seutter hippiatria (1599) 331; mit -kiefer, f. Schwan nouv. dict. 2 (1784) 1125b; Campe 5, 874a; Metzger pflanzenkde (1841) 289; Unger-Khull steir. 653a; Zschokke s. ausgew. schr. (1824) 1, 103.
4) wilde zirbelnusz staphylea pinnata (1756) bei Fischer schwäb. 6, 1239; wilde zirbelnüsse C. F. Reusz diction. botanic. 1 (1781) 341; Campe 5, 874a; wilde zirbelnüszlein Heufler botan. beitr. z. dt. sprachschatz (1852) 31.
 
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zirbelstrauch, m., zum strauch verkümmerter zirbelbaum: zirbenstrauch Rosegger schr. (1895) I 6, 412; zerbenstrauch ebda II 10, 90; nun eilte er davon, zwischen zirmsträuchern hin ebda I 3, 229; der alte ... war wie ein verknorpelter zirnstrauch auf der hohen alm, wo der sturmwind alles verkrüppelt ebda III 2, 95. —
 
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zirbelwald, m., pineto, pigneto Kramer t.-ital. 2 (1702) 1468c; zirenwald Dentzler clavis ling. lat. (1716) 364b; zirnenwald pinetum Aler dict. (1727) 2, 2252a; zirbenwald Watzlik d. rückzug d. 300 (1936) 200.
 
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zirbelwind, m., wirbelwind: cirbilwint turbo est volubilitas ventorum (Schl. 1340) Konrad v. Heinrichau vocab. in: mitt. d. schles. ges. f. volksk. 13/14, 399b; fundgruben 1, 400a Hoffmann.
 
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zirben, zirm, m., f., zirbe, f., pinus cembra, zirbelkiefer; zirben, zirm vermutlich das substantivierte adj. zirben, abgelöst aus zirbenbaum; das fem. zirbe nach buche, eiche, linde u. a.; die zusammensetzungen s. oben zirbel-; belege: doch solle der lerchen, zirm, ahorn, eschen, ilbmen und anders holz, so zu zeugholz und sonderlich zu den perkwerchen ... zu brauchen sein, in albeg verschont werden (Salzburg 17. jh.) österr. weist. 1, 252; doch soll man die zürmb ohne erlaubnus der holzpürgen und der gmain weder zu prauch-, noch vielweniger zu prennholz nit nemben (Tirol 17. jh.) ebda 4, 311; zirbe (bair. hochland) Sendtner vegetationsverhältn. Süddeutschlands (1854) 530; im Oberengadin heiszt der baum: arve, in Tirol: zirme Schlechtendal flora v. Deutschland (1880) 2, 35; zirbm, zirb'l, f., die zirbelkiefer, pinus cembra Lexer Kärnten 266; zirm, zirbl, f. Schöpf Tirol 829; zirbm (Salzburg, Tirol) Schmeller-Frommann bair. 2, 1149; der zirm, zirn ebda 1151; er bereitete aus dürrem zirm brennholz Rosegger schr. (1895) I 2, 271; die schweren nach oben gerichteten zweige am starken geäst der zirbe Wimmer gesch. d. dt. bodens (1905) 224; frater Severin aber schnurrte schon wieder im schlaf wie die säge in einer dünnen zirbe Ganghofer klosterjäger (61893) 30. mit rundung i > ü: zürbe, zürbelnusz pinus cembra Nemnich wb. d. naturgesch. 672; zürbe, arbe ..., zirme Metzger pflanzenkde (1841) 289; mit senkung i > e: zwischen den zerben Rosegger schr. (1895) I 6, 379; zirbel, zirre ò zerre, zirn pino, pigno, lat. pinus Kramer t.-ital. 2 (1702) 1468c. vereinzelt auch von pinus montana: der zerm in Österreich, der zürm zu Innsbruck, name der liegenden alpenföhre, pinus alpina procumbens Popowitsch versuch (1780) 541; zerbe, f., zwergkiefer, pinus pumilio Unger-Khull steir. 648b; vgl. auch serpe 2, teil 10, 1, sp. 626.
 
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zirben, zirmen, zirnen, zirlin, adj. , die form zirlin regelrecht aus zirbel (s. 3zirbel) gebildet, die andern an die adjektive buchen, eichen u. a. angelehnt.
1) aus dem holz der zirbelkiefer: zyrmein und lërchein laden und ander zymerholtz (1484) mittelalterl. inventare 74 Zingerle; pinea nux zirlin nusz, arzeffen in Wallis, zirbelnüszlin Gesner erdgewächse (1542) 89; die stuben mit gutem wolriechenden holtz, als zürmen auszgetäffelt werden Guarinonius grewel d. verwüstung (1610) 421; mit zirninen zweigen Sandrart iconologia deorum (1680) 74a; das schenist zürmen und ander holzwerk zum schiszlenmachen (Tirol 17. jh.) österr. weist. 5, 274; lärchenes, zirmenes, feichtenes und. anderes holz (Tirol 1801) ebda 3, 232; zirmenes holz Schmeller-Frommann bair. 2, 1151; sie setzte sich auf die zirbene bank Handel-Mazzetti Stephana Schwertner (1927)

[Bd. 31, Sp. 1578]


3, 108; in der mit zirbenem getäfel ausgekleideten ... leutstube weilten der herzog und der Trüdinger unter heimischem und fahrendem volk Watzlik rückzug d. 300 (1936) 237.
2) tritt mit baum, holz u. a. als bestimmungsglied von kompositen zusammen; vgl. noch getrennte schreibung zürmen holtz Guarinonius grewel d. verwüstung (1610) 486; zirmen nüslein ebda 376; die belege s. ob. zirbel-.
 
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zirbenach, zirmach, zermach, n., legföhrengehölze, kieferngehölze Unger-Khull steir. 653a; das zirmach gehölz von zirmbäumen Schmeller-Frommann bair. 2, 1151; zirmach Buck flurnamenb.2 308. mit dem kollektivsuffix -ach zu zirben, zirm, m., gebildet.
 
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zirber, f., zirbelkiefer s. 3zirbel 2; die komposita zirberbaum, -drüse, -nusz, -nüszlein s. ob. zirbelbaum usw.
 
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zirch, m., kot. s. 1zirk.

 

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