Wörterbuchnetz
Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
zirbe bis zirbelholz (Bd. 31, Sp. 1571 bis 1574)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) zirbe, f., zirbelkiefer, pinus cembra, s. DWB zirben, m.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
zirbe, dass. wie zirei 'krätzmilbe'?: wer in dise selige sindflut getauchet wird, ... den nimmet gott ausz gnaden an, ... und machet in rein unnd schneeweisz, da er auch wie ein zirbe oder scharlachwürmlein, oder ein geederter und geredeter mit blut bespritzt were Mathesius Sarepta (1571) 121a.

[Bd. 31, Sp. 1572]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) zirbel, m., wirbel; nur vereinzelt in jungen belegen als postverbales nomen actionis zu 1zirbeln: zirbel, m., wirbel auch zirmel wirbel, rausch Fischer schwäb. 6, 1238; in nd. lautung: tirwel, m., purzelbaum Hönig Köln 181a; dazu das adj. zirblig, zirmlig wirbelnd Fischer schwäb. 6, 1239.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
zirbel, m., n., ein fischfanggerät; altes nomen instrumenti zu ahd. zerben oder mhd. zirben 'sich drehen', wohl wegen der ursprüngl. runden form des netzes: ein jeder huber ... hat macht, mit hebgarn, zerbeln und angeln one der hern erleubnuss zu fischen (Saar 15./16. jh.) weist. 2, 46; zerwel, m., n., ein mehrere quadratfusz groszes fischernetz in festem holzrahmen, um fische zu fangen, insbesondere aus hausbehältern zu nehmen Schön Saarbrücken2 233; zirbel oder hebegarn name eines kleinen senknetzes an der Mosel Max v. d. Borne hdb. d. fischzucht u. fischerei (1886) 607; die handsenken sind an flüssen überall verbreitet und werden vom ufer aus oder auch im kahne benutzt, sie heiszen auch ... zirbel, fallnetz (Bodenseegegend) Seligo fanggeräte (1914) § 75.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
zirbel, f. , auch m.
1) zapfen von nadelbäumen, insbesondere der von pinus cembra wegen seiner runden form; entweder verkürzt aus gleichbedeutendem zirbelnusz 1 oder wahrscheinlicher wie 2zirbel 'fischfanggerät' altes nomen instrumenti, wogegen nur die gegenüber dem kompositum relativ späte bezeugung spricht: die zirbeln oder zäpfflin (des fichtenbaums, pinus) nennen die lateinischen conos Lonicerus kreuterb. (1598) 51; meta, lat. etiam conus, quod tamen etiam specialem significationem habet pro fructu pini eine zapff oder zirbel ... was unten breit und oben ausgespitzet ist Corvinus fons lat. (1623) 479; conus zapff oder zirbel Zehner nomencl. (1645) 206; arbor conifera ein baum der zirbel oder zapffen trägt Corvinus fons lat. (1646) 533; (des fichtenbaums) zapfen oder zirbeln seyn gros Tabernämontanus neu vollk. kräuterb. (1687) 1345a; an den ästen bekommt er (der lärchenbaum) seine zirbeln, welche sich den cypressen vergleichen ebda 1348a.
2) die zirbelkiefer, pinus cembra L.; im ersten beleg wohl eine andere art; verkürzt aus einer der zusammensetzungen zirbelfichte, -kiefer oder -baum: hat den nahmen Schwartzwaldt von der mänge der fiechten oder zirbeln Uffenbach atlas minor (1609) 366; zirbel, zirre ò zerre, zirn cerro, pino, pigno, lat. pinus Kramer t.-ital. 2 (1702) 1468c; die zirbel, der zirbelbaum oder zirnbaum eine art von fichtenbäumen in heiszen landen Ludwig t.-engl. (1716) 2598; zirber, zirbel, zirberbaum pynboom Kramer hochniderdt. (1719) 2, 277a; die frucht der arven oder zirbeln, einer auf den Alpen wachsenden gattung tannen (pinus cembra), hat einen röthlichen, wohl- und süszschmeckenden kern, fast wie mandelnüsse sind br. Grimm dt. sagen (1891) 1, 199; zapfen der arve oder zirbel Brehm tierl. 4, 469 P.-L.;

die dirne drauf: 'stolz und allein
steht eine zirbel auf den höchsten zinnen,
die bring mir her, so bin ich dein'
Berger ges. schr. (1913) 2, 94;

zirm, zirbl, f., pinus cembra Schöpf Tirol 829; zirbm, zirbl, f. Lexer Kärnten 266; Unger-Khull steir. 653a. vereinzelt masc.: den Brenner herauf sah ich die ersten lärchenbäume, bei Schönberg den ersten zirbel Göthe I 30, 21 W.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
zirbel, f., gleich zirbeldrüse, aus diesem verkürzt; nur wenige und junge belege:

schlürft ein und süszer wirbel
durchdröhn uns bis zur zirbel
J. H. Voss s. ged. (1802) 4, 119;

(die basilararterie, die) zweige ... zur hirnbrücke, zu den vierhügeln, zur zirbel und zum adergeflecht in den hirnhöhlen abgibt Oken naturgesch. 4 (1833) 76; gewisz ist es, dasz man ... zuerst in dem vierten monate die zirbel auf ihrem zarten stielchen aufsitzend findet Sömmerring menschl. körper (1839) 7, 180.

[Bd. 31, Sp. 1573]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) zirbel-, zirben-, zirm-, zirn-, zerben- zirbelkiefer, pinus cembra, im älteren schrifttum auch andere pinusarten: zerbenast, m., ast eines zirbelbaumes: da blieb er ... an einem zerbenast hängen Rosegger schr. (1895) II 3, 64; zirmast ebda I 6, 374; II 3, 34. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
zirbelbaum, m.
1) belege mit artbezeichnung
a) pinus silvestris, pinaster wilder zirbelbaum: pinaster, syluestris pinus zirbelbaum Alberus (1540) Gg 2a; wilder zirnenbaum, der nit nöszle tregt pinaster Maaler t.-spr. (1561) 522d; pinaster ein wilder zirbel- oder zirnenbaum Corvinus fons lat. (1646) 631; pinaster, pinus sylvestris ein wilder ziernbaum, cyrbelbaum (1680) schweiz. id. 4, 1250; pinaster wilder zirnenbaum Kirsch cornu copiae (1775) 2166; pinus sylvestris ... wirbelbaum ... wilder zirbelbaum Holl wb. dt. pflanzenn. (1833) 101b.
b) pinus pinea, welscher oder zahmer zirbelbaum, pinie: zamer zirnenbaum Gesner horti Germaniae (1561) 272; pinienbaum, zirbelbaum, zahmer fichtenbaum Pancovius herbar. (1673) 310; der zahme fichtenbaum, pinienbaum, zirbelbaum pinus sativa Noel Chomel öcon.-physic. lex. (1750) 4, 4; zürbelbaum Ehrhart pflanzenhist. (1753) 5, 110; wälscher zirmbaum pinus sativa Popowitsch versuch (1780) 641; pinien- oder zirbelbaum, pinichenbaum, piniolenbaum, zahme fichte, kraftnüszlein, arben, italienische kiefer Schkuhr bot. hdb. (1791) 3, 279; pinus pinea welscher zirbelbaum oder zirmbaum Nemnich polygl.-lex 2 (1794) 983; pinus pinea, pinus sativa wälsche, zahme kiefer, wälscher zirmbaum, zürbelbaum Holl wb. dt. pflanzenn. (1833) 101b; welscher zirbel- oder zirmbaum Metzger pflanzenkde (1841) 291.
c) pinus cembra, arve: pinus ist gar nit ein forhen oder füchten, sunder ein zirnenbaum. die nüszle so diser baum inn zapffen tregt, werdend ziernüszle genannt, oder zirnüszle Frisius dict. (1556) 1006a; schweiz. id. 4, 1250; teutscher zirmbaum, teutsche alpenföhre Popowitsch versuch (1780) 638; zirbelbaum Adelung2 4, 1724; Campe 5, 874a; pinus cembra, pinus montana arbe, ... zirlein, zirmbaum, zirschen, zürbelbaum Holl wb. dt. pflanzenn. (1833) 102a; der zirbelbaum oder die arve (pinus cembra) ist ein sehr hoher baum Oken naturgesch. 3 (1841) 349; zirmbaum pinus cembra Schmeller-Frommann bair. 2, 1151.
2) belege ohne genaue artbezeichnung; das vorderglied ist zirbel-, dessen adj. zirlin und das adj. zirben mit seinen formen zirmen- und zirnen-; belege: pinus ... ein hartzbaum, kinholtz, fichten, zirbelbaum Faber thes. (1587) 621a; dieweil der Retier bodem der zirbelbäum als dannen, fichten, der wilden hartzbäum, forchen und lerchenbäum sehr viel trägt Werlichius augspurg. chron. (1595) 26; zirbelbaum oder hartzbaum, fichtenbaum un pin, pinus Duez germ.-gall.-lat. (1664) 716; Felix, der nunmehr mit den lerchen- und zirbelbäumen zuerst bekanntschaft machte Göthe I 24, 40 W.; zirbelbaum eine fichtenart mit fünf verbundenen nadeln Voigt hdwb. f. d. geschäftsführung (1807) 2, 576; zirlinbaum Gesner erdgewächse (1542) 122; zirlinbaum Maaler teutsch spraach (1561) 522d; zirelpaum (1517) Aventin s. w. 1, 408 bair. akad.; zirlis paum ebda 387; pinus hartzdann, zirlebaum, fohr Frischlin (1586) 33a; zirmenbaum Guarinonius grewel d. verwüstung (1610) 1165; an solchen zürmsbeumen ebda 377; pinus zirnenbaum Maaler teutsch spraach (1561) 522d; (1590) Diefenbach gl. 436a; Megiser thes. polygl. (1603) 2, 269a; Schönsleder prompt. (1618) Qq 7b; derentwegen ware bei denen alten der zirnenbaum ein todeszeichen Wiesaeus εὐθανασία (1625) 5; ja wie ... die unter die erde erniedrigten wurtzeln des zirnenbaumes ... selbst den schlangen widerstehen Lohenstein Arminius (1689) 2, 770b; abgeschliffen zu zirnbaum Kramer t.-ital. 2 (1702) 1468c; die zirbel, der zirbelbaum oder zirnbaum Ludwig t.-engl. (1716) 2598. davon ein adj.: pineus zirbelbäumin Zehner nomencl. (1645) 208; ardor pineus fheür von zirnenböuminem holtz Frisius dict. (1556) 1006b; pineus zirnenbäumin Corvinus fons lat. (1646) 631.

[Bd. 31, Sp. 1574]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
zirbeldrüse, f., glandula pinealis, eine an der hirnbasis gelegene, etwa erbsengrosze drüse; nach ihrer ähnlichkeit mit dem zapfen der zirbelkiefer benannt, gelegentlich verkürzt zu zirbel (s. 4zirbel). der früheste beleg bei Hyrtl kunstworte d. anatomie 45: die glandula pinealis präsentirt sich als dannenzäpplin im Remmelinus (1632) und als zirberdrüslein im Bartholin (1677). Descartes hatte die zirbeldrüse als sitz der seele angenommen; vgl. Noel Chomel öcon.-physic. lex. (1750) 4, 784 und: in der zirbeldrüse, in die Cartesius unsere seele einsperret Schönaich ästhetik. i. e. nusz (1754) 40; von der zirbeldrüse des Cartesius Schelling w. (1856) I 5, 51. deshalb findet das wort seit dem 18. jh. häufig eingang in die literatur: aus diesen ihren (der ärzte) versuchen hat man ... geschlossen, dasz der sitz der seele in der zirbeldrüse ... seyn mag Schwabe belust. (1741) 8, 328; des verstandes castell ist die zirbeldrüse des kopfes Weisse lustsp. (1783) 1, 73; wir würden es für verleumdungen halten, wenn wir seine regierung nicht mit handlungen bezeichnet sähen, wovon der entwurf nur in der zirbeldrüse eines Imans oder in der fantasie einer schwarzaugigen Tschirkassierin entstehen konnte Wieland w. (1794) 6, 19; welche (verschiedene substanzen von körper und geist) nur in einem punkte, nämlich in der sogenannten zirbeldrüse des gehirns, einander vereinigen du Bois-Reymond grenzen d. naturerkennens (1873) 22. überhaupt gilt die zirbeldrüse als empfindlichstes organ: und hauche den aromatischen dampf schöpferisch in meine nase bis in die zirbeldrüse hinauf br., d. neueste lit. betr. (1759) 4, 219 Nicolai;

man übet hier auf freyer wiese
bald das gesicht, bald den geschmack;
oft schallt hier bis zur zirbeldrüse
ein auserlesner dudelsack
Hagedorn poet. w. (1769) 3, 179.

aber es melden sich auch kritische stimmen: sollte ... etwas durch zirbeldrüse ... erklärt werden, so stehe man immer an und läugne Herder 8, 192 S. die steine in der zirbeldrüse sind der sog. hirnsand: das gehirn etwas weich und die zirbeldrüse ohne steine (beim tiefsinn) allg. dt. bibl. (1765) 58, 97; die hühner verschlucken steine, wenn sie verdauen wollen. die seele scheint bey verdauung der gedanken etwas ähnliches nöthig zu finden, indem sie bekanntlich immer steine in der zirbeldrüse hat Lichtenberg verm. schr. (1800) 2, 369; dennoch wird mein mitleiden gegen den wunden schelm durch ganz andre dinge als durch seine harte, steinige zirbeldrüse der seele erregt Jean Paul w. 1, 169 Hempel.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
zirbelfichte, f., zirbelkiefer: waldung von zirbelfichten Ritter erdkde (1822) 2, 520; zirbelfichte oder -föhre Metzger pflanzenkde (1841) 289; in den herbstmonaten geht er (der bär) den zirbelnüssen nach, soll auch ... die zirbelfichten besteigen Brehm tierl. 2, 219 P.-L.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
zirbelholz, n., holz der pinus cembra: zirbelholz Pichler marksteine (1874) 228; täfelung aus zirbenholz Steub drei sommer in Tirol (1895) 2, 117; jetzt zündete Hiron den kleinen vorrath von zerbenholz an, den er sich gebrochen hatte Rosegger schr. (1895) II 3, 78; (ein edler hengst) wird nachgeschnitzt aus dem feinen, harten ... zirmholz ebda I 6, 374; eine schüssel von zirmholz Pichler allerlei gesch. a. Tirol (1897) 1, 163; zirnenholz schweiz. id. 2, 1264. —

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: