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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
zipperleinkraut bis zippern (Bd. 31, Sp. 1569 bis 1570)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) zipperleinkraut, zipperleinskraut, n., aegopodium podagraria L. (vgl. Marzell wb. d. dt. pflanzennamen 1, 129), gemeiner geiszfusz, früher mittel gegen das zipperlein: geyszfusz oder geyszfüszel, zipperleinskraut, podagramskraut Tabernämontanus kreutterb. (1588) 301b; zipperleinkraut aegopodium podagraria Marperger kaufmannsmagazin (1708) 1421; 'die angelica erratica oder sylvestris repens, welche von einigen podagraria, aegopodium und herba Gerardi, im teutschen aber zipperleinkraut, gaiszfusz, hanenfusz ... genannt wird' Ehrhart pflanzenhist. (1753) 5, 165; Schkuhr botan. hdb. (1791) 1, 230; Oken allg. naturgesch. 3, 3 (1841) 1834; ziegenkraut, zipperleinsgirsch, zipperleinskraut Holl wb. dt. pflanzenn. (1833) 122a; zipperlikrut schweiz. id. 3, 916. —
 
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-leute, pl., gichtkranke, am zipperlein leidende: -s- Hans Sachs 4, 411 lit. ver.; ehrsame, unwirsche zipperleinsleute und fremde aus den elendsherbergen Watzlik phönix (1916) 26; daraus unter verszwang verkürzt zipperleute:

wil den morgen vor allen dingen
ein requiem und seelmess singen,
weil sie mir abhulffen so fein
on all artzney den zipperlein.
will die kunst all zipperlewt lehrn
Hans Sachs 9, 418 lit. ver. —


 
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-mann, m., sg. zum vorigen: und von der zeit an hat dieser vor elend geplagte ziperleinsmann keinen schmertzen mehr gefühlet Harsdörffer Heraclit (1652) 413; an einen ziperleinsmann (titel) ders., frauenz.-gesprächsp. (1641) 3, 450; zipperleinsmann huomo ... attratto della gotta, podagra Kramer t.-ital. 2 (1702) 1468b. —
 
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-pflaster, m., emplastrum antipodagricum Stieler stammb. (1691) 500. —
 
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-plage, f. Buchholtz Herkules (1666) 1, 224; travaglio, dolore, male di gotta Kramer t.-ital. 2 (1702) 215c. —
 
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-schmerz, m.: hierdurch wurde er vermittelst dess schreckens, seiner ziperleinschmertzen ledig Harsdörffer Heraclit (1652) 412; das fell oder katzenschmaltz erwärmet, erweichet, zertheilet und lindert allerhand glieder- und zipperleinschmertzen mit verwunderung allg. haush.-lex. (1749) 2, 63b.
 
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zipperlich, adj., zimperlich, geziert: kriechent und zipperlich Bahrdt Papow Rindvigius (1790) 1, 212; du zipperlich zierlich mamsellchen Jencken Shakespeares dramen (1854) 3, 106; délicat, douillet Schrader dt.-frz. wb. 2 (1784) 1082; zimperlich Frischbier preusz. 2, 495b; Fischer schwäb. 6, 1238; winzig Martin-Lienhart 2, 910b. —
 
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zipperlich, adj., mit dem zipperlein behaftet (1642) Fischer schwäb. 6, 1238; vgl. zipperlicht arthriticus, podagricus Stieler stammb. (1691) 2632.
 
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zipperlicht, adj., streifig, nicht völlig weisz: so in (den bleichern) ain tuch furgelegt und gezipperlet wirdt (Ulm 1499) Fischer schwäb. 6, 1238; nachdem clag kumpt, die tücher werden offt zipperlot, id est nit gnug weisz (1517) ebda; vgl. 1zipper, f.

[Bd. 31, Sp. 1570]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) zipperling, m., zipperlein, dem nd. angeglichene wortform:

insünderheit wenn sick de mänlicheit lumpt,
wenn zipperling unde dat schwimels ankümpt nachtr. zu
Laurembergs scherzged. (1700) 114.


 
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zippern, vb., mit kurzen schritten und langsam gehen; lautmalend wie trippeln, lat. titubare 'wanken, taumeln, stolpern', sloven. cípati 'schwerfällig gehen', tschech. cupati 'schwach mit den füszen stampfen' Berneker 1, 130 u. ä., vgl. auch 1zipfen 4. das nebeneinander von geminierter urspr. tenuis und media ist charakteristisch für verba dieses typus, s. Wissmann nomina postverb. 168; zs. f. dt. altert. 76, 4f.; skop 26. grundlage des krankheitsnamens zipperlein podagra; auch das schwäb. wort weist -pp- auf: vestigium lassum trahere, vacillare, titubare, talipedare, cespitare Stieler stammb. (1691) 2632; caminare con grado lento e attratto come i gottosi Kramer t.-ital. 2 (1702) 1468b; langzaam gaan, voortkruipen Kramer-Moerbeek (1768) 435c; schleichen, sacht gehen Schrader dt.-frz. wb. 2 (1784) 1682; trippeln Mozin-Biber-Hölder wb. d. frz. spr. 3, 227; hüpfen, mit kurzen, elastischen leichten schritten gehen Spiess Henneberg 291; Müller-Fraureuth 2, 708b; zippern, zipperlen zimpferlich an etwas herummachen, mit kurzen schritten emsig hin und hergehen Fischer schwäb. 6, 1237; Clärchen ... zipperte mit dem propst über die gasse Thümmel reise (1791) 5, 22. —

 

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