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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
zippergünkisch bis zipperleinplage (Bd. 31, Sp. 1564 bis 1569)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) zippergünkisch, adj. ungewöhnlich, auffallend gekleidet; hochgradig verliebt Fischer schwäb. 6, 1237; gaukeleien treibend und dabei (vor verliebtheit) hin und her trippelnd ebda 3488.
 
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zippericht, zipperlicht, adj., arthriticus, podagricus Stieler stammb. (1691) 2632.
 
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zipperig, adj., zimperlich, prüde Mensing schlesw.-holst. 5, 760; Frischbier pr. 2, 495b; von zipp 2. —
 
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zipperig, adj., kränklich, arbeitsscheu Knothe Nordböhmen 554; vom vb. 1zippern; dazu ein ins nd. umgesetztes tiwerig zitternd, zimpferlich, zaghaft Schambach Göttingen 231a. —
 
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zipperig, adj., gefleckt Pfister nachtr. 344; von 6zippern und 1zipper, f.
 
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zipperlein, n. form.
zipperlin oder zipperlein tritt in der zweiten hälfte des 15. jhs. als eine schon vordem übliche benennung des podagra auf; das geschlecht des wortes ist in frühen belegen das masc., später allein das neutrale. auffällig früh erscheint eine form zipperle mit abgeschwächter diminutivendung,

[Bd. 31, Sp. 1565]


sie verbreitet sich sogar über das ihr geographisch zukommende mundartgebiet. durch das diminutivsuffix wird der obd. raum, enger das (nord)alem. sprachgebiet als heimat des namens bestimmt. die diminutivendung hat die form -lin bei alem. schriftstellern des 15. und 16. jhs.; letzte fälle Sebiz feldbau (1579) 91; Epimetheus Pandora (1588) 155; Paracelsus opera (1589) 4, 250 Huser; Gäbelkover artzneyb. (1596) 1, 388; daraus -li bei Zach. Müntzer bepstl. gesch. (1566) 125; Paracelsus opera (1589) 4, 249 Huser, und in den modernen maa. der Schweiz; -lin gebrauchen aber auch md. schriften, so Alberus nov. dict. (1540) Oo 1b; C. Spangenberg mansfeld. chron. (1572) 227c; Fischart Garg. 129 ndr.; auch Orsäus nomencl. meth. (1623) 234; -le, nächst -lein die häufigst bezeugte form, ist, wie noch heute im Elsasz und Schwaben, die gewöhnliche form oberdeutscher, aber auch mitteldeutscher, von jenen abhängiger vocabulare; sie begegnet zuerst, neben -lin, bei Dasypodius (1536) 465a; -le allein danach bei Frisius (1556) 443a; Maaler t. spr. (1561) 522c; Calepinus XI ling. (1598) 125a u. a.; Hulsius t.-it. (1605) 164; M. Ruland lex. alchem. (1612) 245; Corvinus fons lat. (1646) 83; neben zipper und zipperlein noch bei Kramer t.-it. 2 (1702) 1468b; seltener haben -le obd. und md. schriftsteller, so Heyden Plinius (1565) 154; Lonicerus kreuterb. (1577) 118a; Mathesius Syrach (1586) 1, 167a (zipperlein ebda 1, 117b); Comenius (1638) nr. 209; Albertinus hirnschleiffer (1664) 240; als zweites stichwort übernimmt zipperle Stieler stammb. (1691) 2632; -len erscheint 1521 bei v. d. Planitz berichte 57; Mathesius Sarepta (1562) 123b; ein dat. zipparln findet sich in dess. w. (1904) 4, 343; grob mundartliches -la hat die nomenclatura rer. domestic. (Nürnberg 1530) bei Diefenbach gl. 121b s. v. chiragra und 443b s. v. podagra, was auch 1862 aus Würzburg gemeldet wird; Wien kürzt zu zipperl. nicht gering indessen ist anderseits die zahl der fälle von obd. -lein; schon der frühe alem. beleg bei Albr. v. Eyb (1472) hat -lein; Hans Sachs gebraucht regelmäszig diese form (doch -lin im reim fabeln u. schwänke 1, 248 G.), und in den vocabularen begegnet sie recht häufig. das wort zipperlein vereinigt md. -pp- und obd. -lein, möglicherweise weil der konsonantenstand des zugrundeliegenden verbums zippern im obd. als intensives lautmittel empfunden wurde und daher nicht in -pf- überging. allein der norddeutsche Ringwaldt lautere warheit (1588) 60 bringt ein zipfferlein zustande (jedoch zipperlein [Erfurt 1598] 60); in Bremen druckt man im jahre 1700 eine wortform zipperling (s. d.). bedeutung.
Adelung2 4, 1724 findet für die diminutivform keinen begreiflichen grund; Kluge-Götze etym. wb.15 904a faszt sie als spottname für einen, der trippelt, und deutet damit auf den gefühlsgrund, aus dem der name entsprossen ist, hin. aber gegen die bedeutungsangabe spricht die syntaktische verwendung, die nur jemand hat, kriegt das zipperlein, leidet am zipperlein oder einen plagt das zipperlein kennt. das masc. geschlecht kann daher, wenn wirklich damit eine person vorgestellt werden sollte, nur die krankheit als einen plagegeist meinen. eine wendung er hat den trippler ist wohl denkbar, was durch die gleichartige wendung hab dir den Ciprian (s. u.) bestätigt wird. Adelungs vorschlag, 'zippern, zippeln oft und in kleinen absätzen zucken und zupfen, wie podagrische kranke in den schmerzen des podagra zu tun pflegen' wb.2 4, 1724, an sich verständig, hat keine ausreichende lexikalische unterlage und berücksichtigt nicht, dasz die vom zipperlein nicht heimgesuchten arbeitsamen volksschichten zur auslösung ihrer schadenfreude durch ein eindrucksvolles schauspiel angeregt werden muszten, den trippelgang eines vornehmen lebemanns. so kann Kramer in seiner angabe 'zippern caminare con grado lento e attratto come i gottosi' t.-ital. 2 (1702) 1468b die beziehung zwischen verb und krankheitsnamen umkehren. der sinn des wortes zipperlein trifft nicht den krankheitszustand,

[Bd. 31, Sp. 1566]


sondern dessen sichtbare auswirkung, den behinderten gang. seinen stamm gibt das vb. 1zippern her. gleichen ursprungs wie der spottname ist nach Kluge-Götze a. a. o. der alem. familienname Zipperle; dazu paszt ein aus zipperle verkürztes appellatives zipper, m., gichtbrüchiger Fischer schwäb. 6, 1237; ebda 1238 sondert Fischer Ziper, Ziperle (mit kurzem i), die landesüblichen kurzformen des männlichen vornamens Cyprianus, vom familiennamen Zipperle ab. der namensanklang hat aus St. Cyprianus den schutzpatron gegen das zipperlein gemacht, weil sein name schon zippert und ziehet, wie K. J. Weber Deutschland (1828) 4, 541 witzig bemerkt; Nic. Manuel (1528) nennt gar die krankheit selbst so: hab dir den Ciprian und die gicht satiren u. pasquille 2, 263 Schade, während folgende angabe nicht eindeutig ist: articularis, ut morbus articularis ... arthritis, ein ziprianer, das zipperle das reiszen in den gliedern, fürnemlich an händen Corvinus fons lat. (1623) 79; auch Lessing 15, 413 L.-M. neigt der ableitung von Cyprianus zu. scherzhafte deutungen: das lose podagram, das gramt und zi zi zi zi zippert mir die glieder dermaszen, dasz ich möcht von sinnen kommen Moscherosch gesichte (1650) 2, 436;

nun klag ich, hätt ich bald den weg zurück genommen,
hätt ich in Cyprien das zippern nicht bekommen discourse d. mahlern (1721) 1, M 3a.

moderne landschaftliche anwendungen legen den namen in seinem anklang an zittern und zappeln als bezeichnung von nervöser unruhe oder zappelnder bewegung aus: by dem kriejt mer 's zibberle er wird lästig, unerträglich Martin-Lienhart elsäss. 2, 910b; da kann man ja 's zipperle kriegen vor ungeduld Frankfurt a. M.; hat er wirklich das zipperlein gekriegt? A. Seghers d. siebte kreuz (1950) 189; wen es friert, dasz er zittert, der hat 's zipperle Fischer schwäb. 6, 1237. seinem ursprung gemäsz hafteten an dem worte zipperlein gefühlstöne aus einer niederen sprachsphäre. sie hinderten seine aufnahme in die bildungssprache. im 18. jh. war es nur wenig gebräuchlich; den klassikern schlüpfte es selten in die feder, Klopstock, Lessing haben es nur einmal, Wieland zweimal, Göthe und Schiller nicht zugelassen. heute wird es als eine scherzhafte benennung empfunden.
1) sachlich zutreffend wird das zipperlein beschrieben als eine 'gliederkrankheit, welche alle gliedmaszen nacheinander durchgehet, bis sie sich endlich in einem feste setzet, da sie dann den namen zipperlein bekommt' Gottsched crit. hist. (1732) 3, 54; Adelung2 4, 1724 und Campe 5, 873b begreifen darunter die gicht sowohl an den füszen, podagra, als an den händen, chiragra, wie es vorher in den vocabularen brauch war, vgl.: chiragra das zipperlein an den händen, podagra das zipperlein an den füszen, arthritis, morbus articulorum, morbus articularis das zipperlein Zehner nomencl. (1663) 363; andere fügen das zipperlein in den knien, gonagra, hinzu, so Golius onomast. (1579) 257, Orsäus nomencl. method. (1623) 234 und Stieler stammb. (1691) 2632; einige ältere und literarische zeugnisse setzen es allein dem podagra gleich: articulorum dolores das zipperle oder podagran Frisius dict. (1556) 443a; des zipperles oder fuszwees entlediget Frölich Stobaei sprüche (1551) 200; haver le gotte böse füsz oder das zipperle haben Hulsius (1618) 2, 187b; mehr zeugnisse dieser art unter 2. die mehrzahl der zeugnisse jedoch faszt fusz- und handgicht zusammen: dieser hatte das zipperli oder podagra an henden und fszen so hart, dasz er nit selbs speiss zu sich nemen kundt Z. Müntzer bepstl. gesch. (1566) 125; also weil er saufft, ... drumb wird er vollend gar zur reichen saw, ... und frist ihm endlich das zipperlein an hende und füsze, und die colica in leib Mathesius Sarepta (1571) 14a; arthritis ... morbus articularis, tumor scilicet articuli cum dolore das zipperle Faber thes. (1587) 84a; arthritis ... das zipperle das reiszen in den gliedern, frnemlich an den händen ... und fszen Corvinus fons lat. (1646) 83. noch allgemeiner: gleychsucht ist ein zipperlein

[Bd. 31, Sp. 1567]


durch den gantzen leib Wirsung artzneybuch (1588) reg. s. v. gleychsucht; so viel stück bein sind, die auf einander stoszen, und zusammen conglutinirt oder nit sind, do sind uberall stätt dess zipperlins Paracelsus opera (1589) 4, 249 Huser. von den tücken der krankheit berichtet der folgende beleg: hie tractir ich vom zipperly: ... ist auch der arth ... als spott sie der artzney und dess artzts; ... jetzt gibts im ein wenig nach unnd so der artzt von der hohenschulen meinet, es sey hinüber, so kompts zehen mahl mehr herzu ... und ist gleich ... als wenn einer mit einem narren possiert, und der artzt wer der narr und die kranckheit wer der herr ders., opera (1616) 1, 564 Huser.
2) ältere heilverfahren: zitwan wurtzelwasser ist gt die füsz damit geriben für das zipperlin genant daz podagra oder füsz gesücht Brunschwig kunst zu distilieren (1500) 123a; man findt ... die durch das tranck der eselsmilch vom podagra und zipperlein erlediget worden Herold-Forer Gesners thierb. (1563) 43b; oly ... stillet den schmertzen des zipperlins Bock kreutterb. (1587) 11b; Sextus Pompejus hat sein zipperlein oder podagram mit weytzen geheylet Tabernämontanus kreutterb. (1588) 741b; für das zipperlin. nim wasser ausz grünen fröschen gebrennt, regenwürmwasser, unnd wasser ausz ochsenblut ... damit bestreiche die schmertzhaffte ort offt bey der wärmin Gäbelkover artzneyb. (1596) 1, 388; wer sich anziehet, soll zu erst den rechten hosen, im aussziehen aber den lincken hosen nehmen. ist gut für das zipperlein Moscherosch gesichte (1650) 1, 483; ein anderer käuete beym anfall des zipperleins 3 bissen brod und gab sie einem weiszen hahn zu fressen Lehmann hist. schaupl. (1699) 894; (eine art destillierten wassers) stillet auch den schmertzen des kalten zipperleins oder podagrams, so der krancke ort damit bestrichen wird Hohberg georg. cur. 3 (1715) 1, 189a; (dem Naumburger biere rühmt man nach, dasz es) das zipperlein verhüte ebda 2, 63b.
3) literarische belege: es ist der margraff von Mantten dahin komen fir unser frauen bild, der hat die lemi von den Frantzosen gehabt, hat auch das ziperlin gehabt, er ist aber nit gesund worden (Augsburg 1515) städtechron. 25, 32;

kan auch weder sitzen noch gon,
das zipperlin gibt im den lon
Murner v. d. lutherischen narren 203 Merker;

der bischoff so nicht wol zu fusze war, und bei acht jahr lang des podagra oder zipperlins halben sich auff einer senffte hette führen, oder sonst tragen lassen C. Spangenberg mansfeld. chron. (1572) 227c;

zittrend werden händ und füsz,
das gicht, zipperlein und grüsz
machen ihn krumb und gebogen
Weckherlin ged. 1, 494 lit. ver.;

dem einen war ein flusz gefallen,
beym andern war das zipperlein;
der mediciner sprach zu allen:
nehmt pillen ein, nehmt pillen ein
Stranitzky ollapatrida 194 ndr.;

das zipperlein, uy!
wie 's juckt und mich zwickt!
maler Müller w. (1811) 1, 327;

eine stelle ... hat uns immer vorzüglich merkwürdig geschienen, diese nämlich: denn was da bücher lieset, wird nicht eher aus dem nebel der redensarten heraus ... kommen, als bis die, welche die bücher fertigen, in der sprache des landes schreiben. der scholiast Petrus Schorfius Secundus soll von dieser stelle das zipperlein gekriegt haben Klopstock gelehrtenrepublik (1774) 40; hat er noch immer sein verdammtes zipperlein Miller Siegwart (1777) 1, 235;

ein kranker mochte, woran er wollte liegen,
gicht, hüftweh, zipperlein, auszehrung, pest und ruhr
Wieland s. w. (1794) 5, 107;

ein kleines bild ..., welches ihn ... vor kopf- und zahnweh, gicht, zipperlein und allen bösen geistern bewahren würde ebda 8, 157; graf Althann leidet an zipperlein

[Bd. 31, Sp. 1568]


(1814) Josephine o'Donell in: schr. d. Goetheges. 17, 84; einen plagte das zipperlein, den andern der stein Musäus volksmärchen 1, 76 Hempel; aber es ist ebenso unleugbar, dasz das zipperlein einem solchen mann dennoch an beiden füszen kneift und diesen den verdammtesten spanischen stiefel anschraubt, den je ein inquisit getragen Jean Paul w. 1, 17 Hempel; hat Estavajel vergessen, dasz schon seit jahren mich das böse zipperlein plagt? und dasz ich ohne meine krücke kaum am seegestade zu wandeln vermag? Kotzebue s. dram. w. (1828) 10, 85;

leidet ihr am zipperlein,
edle herren?
H. Heine s. w. 2, 129 E.;

er hat das wunder an sich erlebt,
dasz er sich vom zipperlein wieder erhebt,
dess will er sich würdig beweisen
und dankbar den sprengel bereisen
Hebbel w. I 7, 210 Werner;

er ... trat ... so hastig, als es ihm gicht und zipperlein erlaubten, zu mir herein B. Goltz ein jugendleben (1852) 1, 330; ich schreibe diese zeilen, indem ich den eingewikelten fusz wie ein ritter, der das zipperlein hat, auf einen teppichballen hingestreckt halte (1863) Stifter briefw. (1925) 4, 98;

der dicke aber — 'autsch! mein bein!' —
hat wieder heut das zipperlein
Wilhelm Busch s. w. (1943) 2, 290;

zipperlein (durch rheumawäsche) zart verziert B. z. am abend (1. 12. 1955) 6a.
4) zu allen zeiten melden sich stimmen, welche dem wohlleben der reichen die schuld am zipperlein beimessen:

reichtum den zipperlein ernert,
den armut doch alzeit austreib
Hans Sachs 22, 500 lit. ver.;

vollsauffen leibes krafft zubricht
...
bringt hende beben, dicke bein,
darr, wassersucht und zipfferlein
Ringwaldt lauter warheit (1588) 60;

dann wenn du in die statt schon kehrst,
der reichen lebn zu erkunden,
so wird bey denselben gfunden
das podagra und ziperlein
J. Ayrer dramen 2471 K.;

rote schuh helffen nicht fürs zipperle Petri d. Teutschen weiszh. (1605) Rr 5b; das podagra oder zipperle nicht leichtlich in der schlechten und unflätigen bawren- und handwerckshäusern einkehrt, sondern gemeinlich nur in der reichen häuser einlosirt Albertinus hirnschleiffer (1664) 240;

so wirstu den, o narr, angst, schwermut, qual und leiden,
gicht, fleber, zipperlein und alles unglück meiden,
wen du nur pflügen magst mehr akker an der zahl,
als unter Tatius die Römer alzumahl
Rachel satyr. ged. 46 ndr.;

die faule läus, bleiben eben so wenig bey dem endlichen und gern reinlichen soldaten, als das niedliche und plagsame zipperlein bey dem arbeitsamen bauren Grimmelshausen 1, 338 Keller;

(ubi uber, ibi tuber)
bey guten tagen und dem wein,
da pflegt das zipperlein zu seyn
Spanutius dt. lex. (1720) 573;

ich konte dabey anders nicht dencken, als diesem hochansehentlichen menschen müste das hochvornehme zipperlein oder podagra seine spanische stiefeln angelegt haben Lindenborn Diogenes (1742) 1, 459.
5) dichterisch als person vorgestellt in der fabel des Hans Sachs der zipperlin und die spinne fabeln u. schwänke 1, 248 ndr. und in folgendem beleg: solst demnach dess weins und venusspiels dich gar mäszig gebrauchen, wann du nicht endlichen die tochter zipperle erzeugen wilt Flinter sphinx (1624) 513; deckname eines mitgliedes der fruchtbringenden gesellschaft: der beruhigende. künraht. das zipperle Neumark neuspr. palmbaum (1668) 283.

[Bd. 31, Sp. 1569]



6) maskulines geschlecht tritt in frühbelegen auf, besonders bei den Nürnbergern: der abt ... gieng daz er ser switzt, dann er het den zipperlin (Nürnberg 1471) städtechron. 11, 327; die faule podagra, das man nennet den zypperlein Albrecht v. Eyb dt. schr. 1, 85 Herrmann; der czipperlein Arigo decamerone 419 Keller;

wiewol er het den zipperlein,
contract war an den füsen sein
Hans Sachs 9, 417 lit. ver.;

armt sprach: eytel angst und not
folgt dir ausz deinen freüden da,
der zipperlein, das podagra ders., fastnachtsp. 1, 28 ndr.;

schmirt sie fein drucken auff das bein,
daran ir habt den ziperlein
Ayrer dramen 2515 K; 1375 K.


7) fluch: das dich der ciperlein töde Arigo decamerone 473 K.; das dich das zipperlin tödt! Montanus schwankb. 401 lit. ver.; que les gouttes te puissent venir das dich das zipperlein ankomme Duez le vray guidon (1657) 330.
 
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zipperleinkraut, zipperleinskraut, n., aegopodium podagraria L. (vgl. Marzell wb. d. dt. pflanzennamen 1, 129), gemeiner geiszfusz, früher mittel gegen das zipperlein: geyszfusz oder geyszfüszel, zipperleinskraut, podagramskraut Tabernämontanus kreutterb. (1588) 301b; zipperleinkraut aegopodium podagraria Marperger kaufmannsmagazin (1708) 1421; 'die angelica erratica oder sylvestris repens, welche von einigen podagraria, aegopodium und herba Gerardi, im teutschen aber zipperleinkraut, gaiszfusz, hanenfusz ... genannt wird' Ehrhart pflanzenhist. (1753) 5, 165; Schkuhr botan. hdb. (1791) 1, 230; Oken allg. naturgesch. 3, 3 (1841) 1834; ziegenkraut, zipperleinsgirsch, zipperleinskraut Holl wb. dt. pflanzenn. (1833) 122a; zipperlikrut schweiz. id. 3, 916. —
 
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-leute, pl., gichtkranke, am zipperlein leidende: -s- Hans Sachs 4, 411 lit. ver.; ehrsame, unwirsche zipperleinsleute und fremde aus den elendsherbergen Watzlik phönix (1916) 26; daraus unter verszwang verkürzt zipperleute:

wil den morgen vor allen dingen
ein requiem und seelmess singen,
weil sie mir abhulffen so fein
on all artzney den zipperlein.
will die kunst all zipperlewt lehrn
Hans Sachs 9, 418 lit. ver. —


 
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-mann, m., sg. zum vorigen: und von der zeit an hat dieser vor elend geplagte ziperleinsmann keinen schmertzen mehr gefühlet Harsdörffer Heraclit (1652) 413; an einen ziperleinsmann (titel) ders., frauenz.-gesprächsp. (1641) 3, 450; zipperleinsmann huomo ... attratto della gotta, podagra Kramer t.-ital. 2 (1702) 1468b. —
 
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-pflaster, m., emplastrum antipodagricum Stieler stammb. (1691) 500. —
 
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-plage, f. Buchholtz Herkules (1666) 1, 224; travaglio, dolore, male di gotta Kramer t.-ital. 2 (1702) 215c. —

 

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