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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
zipp bis zippeln (Bd. 31, Sp. 1560 bis 1563)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) zipp , den laut meist junger vögel nachahmende lautgruppe.
1) als lockruf an die jungen küchlein: zip zip zip Martin-Lienhart 2, 910a; zip zip zip Göpfert sächs. Erzgeb. 68; tritt auch mit langem vokal auf und bildet bezeichnungen von küchlein, s. o. ziebelein (sp. 893) und 1ziep (sp. 1133), wo neumärk. šīp šīp (aus tsīp) zs. f. dt. maa. (1910) 15 nachzutragen ist.
2) in Norddeutschland auf einen menschen übertragen, der nicht zip sagen kann, wie man auch nicht piep sagen in derselben bedeutung gebrauchen kann, und zwar

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weil er auszer atem ist oder sich krank fühlt, oder weil er sich vor blödigkeit, schüchternheit, auch bescheidenheit und schamhaftigkeit nicht getraut, den mund aufzutun: he kann nich zipp sëng'n er ist ganz auszer athem Danneil altmärk. 252a; meckl., brandenb. nich zipp seggen könen nicht den mund auftun können zum reden, vgl. zs. f. dt. maa. (1910) 34; der darf nich zipp sagen, der duht, als wenn er nich zipp sagen kann Brendicke Berliner wortschatz 195b; de kann knapp zipp seggen so ziert sie sich Mensing 5, 760; wenn man nicht mehr zipp sagen kann, oder zahnweh oder einen strom- und trompetenschnupfen oder eine furchtbare migräne hat (1883) Fontane familienbriefe (1905) 2, 27. zu adjektivischer und adverbieller verwendung aus diesem satz herausgelöst, vereinigt zipp in sich die seelischen ursachen, welche das hervorbringen des tones zipp verhindern, als bedeutung. man vergleiche: zipp und zippheit nennt Campe zwei 'sehr artige' niederdeutsche wörter, wodurch jungfräuliche bescheidenheit, blödigkeit und zartheit der empfindungen bezeichnet werden. meines wissens wird es, wie das bekannte beinahe gleichbedeutende verzumpfen, nie anders als im nachtheiligen verstande gebraucht Heynatz antibarb. (1796) 2, 670. in seinem wb. 5, 873b gibt Campe die bedeutung zimperlich an. diese gilt weithin, auch bereits früher: he is zipp sagt man von einem, der sich scheut rauhe oder niedrige geschäfte anzugreifen, der weichlich, übermäszig reinlich ist brem. nieders. 6, 424; zipp 'fein und eben in minen und gebärden. man braucht das wort von frauenzimmern, die so zu seyn sich mühe geben: se is so zipp, et is mit eer so zipp, junfer zipp' Dähnert plattdt. wb. 561b. ebenso vielfach bezeugt als zimperlich, prüde, geziert, besonders von jungen mädchen gesagt: węs doch nich so sipp, se deit ümmer so sipp vornehm Mensing schlesw.-holst. 4, 497; Stürenburg ostfries. wb. 338; ssipp Böning Oldenburg 97a; Schumann Lübeck 85; Schambach Göttingen 308b; Mi Mecklenb. 110a; Frischbier pr. 2, 495b; Schemionek Elbing 45; Sallmann Estland 43;

un büst du mi got,
denn so kumm up min'n schot
un wäs' man nich zipp un nich öt!
John Brinckman plattdt. w. (1924) 1, 97.

in der form zips: ich durfte ebenso wenig seine ganz zufällig herbeigeführte ... begleitung abschlagen, ohne linkisch, zips und kleinbürgerlich zu erscheinen B. Goltz ein jugendleben (1852) 2, 298. zuweilen in lobendem sinne: se geit ümmer so sipp sauber und sorgfältig gekleidet Mensing 4, 497. begegnet einigemal in landschaftlich gebundenem schreibstil, sogar als attribut und namensapposition: aber das püppchen war sehr leutscheu, und mich dünkt, ein bisgen zu fromm; eine saubere, jungferliche sprache — das ging nur immer zip zip zip, dasz ich kaum hören konnte, was sie sagte Hermes gesch. d. miss Fanny (1781) 2, 75;

seht nur, wie die mädchen trinken,
zipp, wie finken
Kind ged. (1817) 3, 110;

es thut zuweilen not, wenn er gar zu zipp ist Alexis ruhe (1852) 1, 135; nicht als ob es nicht auch hier prüde ('zippe') alte jungfern und ceremoniös geschulte herren gegeben hätte Bahnsen wie ich wurde (1905) 13; die lüge ist die oberhofmeisterin der mode, welche auch sitte seyn will; ziererei, äfferei und buhlerei heiszen ihre hoffräulein; und die zippe jungfer, falsche schaam genannt, ist ihre erste kammerjungfer E. M. Arndt schr. (1845) 2, 161; jumfer zipp ein mädchen, das sich ziert, affektiert, vornehm eingezogen, in sich gezogen thut Schütze Holstein 4, 382; s. ob. Dähnert 562a. substantivisch: et is eene rechte zippe die frau ist sehr petit, sehr fein Strodtmann Osnabrück 296. ebenso sind entstanden zu denken: zippe ein dummes, verdrehtes, eingebildetes, eitles menschenkind Müller-Fraureuth 2, 708a; zippedieschen schwächliches, affektiertes frauenzimmer Kehrein Nassau 1, 454; ausführlich Vilmar-Pfister 343; zîp, f., (aus zippe) verzärtelter mensch lux. wb. 504b; auch das

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knabenspiel jüngferlein zippe das schnellen eines dünnen, platten steins über eine wasserfläche Spiesz Henneberg 291 läszt sich als der tänzelnde gang eines jüngferleins verstehen. auf einer dritten stufe dient zipp 'zum ausschämen der kleinen kinder, wenn sie etwas zeigen oder thun, wodurch das sittlichkeitsgefühl verletzt wird' Schambach Göttingen 308b; Flemes Kahlenberg in: Hannov. geschichtsblätter (1917) 381; zip zip beschämender zuruf für kinder, ūtzippen Fromme Hohenbostel 94 Alpers. eine ähnliche verwendung berichtet J. Grimm hs.: zipp! zipp! sagt man im gemeinen leben, etwa für: angeführt! oder: er hat sich anführen lassen, z. b. wenn jemand sich hat in den april schicken lassen.zusammensetzungen: zippenglisch, adj., affektiert englisch: ein zippenglisches, platt tugendhaftes weib Laube ges. schr. (1875) 8, 361; -liese, f., zimperliches mädchen Mensing schlesw.-holst. 5, 760; Pfister nachtr. 343; -rîs, f., geziert, affektiert, vornehm tuendes mädchen Schuller siebenb.-sächs. ma. 73. — dazu ein adj. sippsch wie sipp, zipp Mensing schlesw.-holst. 4, 479.
3) ahmt den laut der singdrossel, turdus musicus, nach; dieser vogel heiszt danach zippdrossel, f., und zippe, f.; auch andere drosselarten und die zippammer werden nach dem laut zipp benannt; auch laut des sperlings W. Wackernagel voc. var. anim. (1869) 134.
 
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zippammer, f., emberiza cia Naumann vögel (1822) 4, 270; Oken allg. naturgesch. 7 (1837) 281; Brehm tierl. 4, 348 P.-L.; s. ziepammer (sp. 1133). —
 
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-drossel, f., die sing- oder graudrossel, turdus musicus; zipfdroschel Hohberg georg. cur. 2 (1682) 679b; zipp- 3 (1715) 2, 360a; zipffdrosseln Fleming teutscher jäger (1719) 145; ziebdrossel Aitinger jagd- u. weidbüchl. (1681) 59; heide-, pfeif-, berg- oder zippdroszel turdus minor Stieler stammb. (1691) 329; zippdrossel, krammetsvogel 'es ist dieses ein kleiner vogel, nicht viel gröszer denn eine lerche. der couleur nach haben sie eine bleyfarbe, schwarz und weisz' allg. haush.-lex. (1749) 3, 801; die weisz- oder zippdrossel, so man auch nur insgemein die zippe zu nennen pfleget Noel Chomel, öcon.-physic. lex. (1750) 3, 533; die zipp- oder pfeiffdroszel bunzlauische monatsschr. 4 (1776) 297; zippdrustel Naumann vögel (1822) 2, 262; zippdrauszel Mi Mecklenb. 110a; zippdrossel brandenburg.; zippdrooszel Schumann Lübeck 3; der takt eines eisenhammers sang mich in den schlaf, aus dem mich die melodieenreichen kehlen von amseln und zipdrosseln, grasmücken und finken wieder wach schmetterten D. Elster irrfahrten (31912) 1, 3; s. ziepdrossel (sp. 1133) und 1zippe, f.
 
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zippe, f., gleich zippdrossel, ein md. wort, das auch ins ostnd. eingang gefunden hat: zipp Mi Mecklenb. 110a; Schumann Lübeck 3; Danneil altmärk. wb. 252a; Damköhler Nordharz 231b; wohl übermundartlich ist zipfe Müller-Fraureuth 2, 708a; ziemer, zipfen und andere grosze vogel Chr. Lehmann hist. schaupl. (1699) 510. belege: nunmehr (im november) sind die zippen oder zipp-drosseln und amseln fast verstrichen Zincke öcon. lex. (1744) 3034; von der zipp-drossel oder zippe. es siehet an der farbe die zippe der schnerre sehr gleich Döbel jägerpractica (1746) 1, 53a; turdus musicus zippe Naumann vögel (1822) 2, 262; Oken allg. naturgesch. 7 (1837) 58; Brehm tierl. 4, 81 P.-L.;

es kam zum pickenick und hieng die ganze schaar,
samt dem Beelzebub wie zippen an ein haar spukereien des teufels (1788) 32;

die zippe im vogelbaum schien derselben meinung zu sein, was sie durch ihr piepen zu erkennen gab L. Richter lebenserinn. (1944) 38; er deutete nach dem birkenwäldchen, in dem der kuckuk läutete und die zippe schlug Löns d. zweite gesicht (1912) 238.
 
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zippe, f.
1) hündin, mutterschaf, nebenform von zibbe, f. (sp. 874); s. dort die verbreitung der form zippe und die übertragung auf andere tiere. belege: es dinet nicht, das dw der magt vorwirfft, das sie die schwarcze

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zcippe hat, und dw gele zcippe Luther 32, 238 W., soll wohl den vorwurf bedeuten, dasz die magd etwas besseres habe; kleine hündlein haiszet man lange zip Petri d. Teutschen weiszh. (1605) Ll 7a; allhier bey uns spähnet man die jungen lämmer auf Philippi Jacobi, da schneiden auch die schäfer den zippen die schwäntze ab und zeichen sie in den ohren Coler oeconomia ruralis (1645) 1, 427b.
dazu das zusammengesetzte zipphund, m., hündken, n., kleiner hund, der immer hinter uns nachläuft, auch übertr. auf einen menschen (meckl.) K. Schiller thier- u. kräuterb. (1861) 3, 3a; brem. wb. 4, 793; Dähnert 562a; Strodtmann Osnabrück 211; auch -köter, m., kleiner hund K. Schiller und ein vb. zippkötern mitlaufen, nachlaufen, wie kinder und hunde zu tun pflegen Danneil altmärk. wb. 252b.
2) diesem worte gleich ist anscheinend zippe keifendes frauenzimmer, wie es Albrecht Leipzig 241 vermutet und Gangler Luxemburg 488 deutlich macht mit seiner angabe: zæp, f., die metze, frauenzimmer, das den männern nachläuft, la coureuse; ferner die schelte du alte zipp du feigling, da durch ziege erklärt (Westerzgebirge) zs. f. dt. maa. (1913) 139. auch stimmt dazu zib, f., unangenehme person Schön Saarbrücken2 234a. aber es ist nicht angängig, bedeutungsangaben, die eingebildet, affektiert und ähnl. enthalten, mit dem begriff 'hündin' zu verknüpfen, auch fällt auf, dasz zur benennung eines frauenzimmers nur die wortform zippe, nicht aber die nebenform ziwwe verwendet wird, woraus auf das mitspielen des adj. zipp als des hauptkennzeichens frauenzimmerlichen wesens geschlossen werden musz. so sind daher solche fälle mit dem alten osnabrückischen zeugnis eine rechte zippe (ob. zipp 2 gegen ende) zu vereinigen. bei kaffeezippe kaffeeschwester denkt Müller-Fraureuth 2, 708a mit recht an ableitung vom vb. zippen anhaltend trinken, was wegen zippschwester nötig scheint. wohin gehört das lautlich auffällige ziempe, zieppe, f., weibsperson, äuszerst schlaff und träge Stalder Schweiz 2, 472 ?
 
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zippel, n., küchlein s. ziebelein (sp. 893). —
 
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zippel, f., zwiebel s. ziebel (sp. 891).
 
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zippeler, m., zippelerin, f., mhd. 'schüler, jünger'. wie ciplîne mystiker 1, 130 Pf., das lat. discipulus, discipula fortsetzend: mit miner zippelere schar cum discipulis meis Matth. 26, 18 bei Schönbach mitt. a. adt. hs. in: Wiener sitzungsber., phil.-hist. kl. (1898) 159;

di ware cippelerin godes
wolde in druwen sins gebodes
gehorsam bliben sunder bar Elisabeth 7555 Rieger.


 
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zippelfeige, f., aloe, für zimpelfeige (s. zimpelfi sp. 1361) Frischbier pr. 2, 495a.
 
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zippeln, vb., weinen Schütze Holstein 4, 383; Mensing schlesw.-holst. 5, 760; siebeln weinen, empfindsam sein, zärtlich tun 4, 484; zippeln weinen, von kindern Frischbier pr. 2, 495a; dazu zippelträhnken, vb., 'ein wenig weinen, einige angemaszete thränen fallen lassen' Richey Hamburg 2352; vgl. 3ziepeln, 3ziepen (sp. 1133); 1zippeln beruht entweder auf selbständiger lautnachahmung oder ist gleich dem (ebenfalls lautnachahmenden) folgenden.
 
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zippeln, vb., tröpfeln, leise regnen, neben sippeln Leithäuser Barmen 31; vgl. auch sippen (teil 10, 1, sp. 1227); zibelen in dünnen strahlen strömen oder flieszen Stalder schweiz. id. 2, 470; sicher gleich zipfeln 1 c: zippelt und trippelt nicht mit heller und partecken; wolt yhr geben, so gebt redlich, greifft drein, als wolt yhrs ausstrewen Luther 19, 334 W.; yhe mehr du bittest, yhe lieber er dich höret; schütte nur reyn und alles eraus, tröpffle und zipple nicht ebda 578. —

 

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