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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
zipfelperücke bis zipfig (Bd. 31, Sp. 1559 bis 1560)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version)  -perücke, f., perücke, 'an welcher hinten mehrere haarzipfel oder knoten herabhangen' Campe 5, 873b; Krünitz öcon. encycl. 241 (1858) 525; Solbist (in einer groszen zipfelperuque und einen packt akten unter dem arme) Lessing 2, 25 L.-M.; das neueste ... ist doch immer das beste, und man kommt doch nicht gern mit einer zippelprücke angestochen, wenn in allen nacken haarbeutel hängen Claudius s. w. (1774) 3, 14; der rektor hatte nämlich eine dreiknotige zipfelperrücke auf Jean Paul w. 32, 30 Hempel; wenn die andern von dem berühmten gelehrten grafen sprechen, denken sie sich ihn immer mit der zipfelperrüke, wie den Hilmar Curas vor seiner grammatik Eichendorff s. w. (1864) 2, 369. —
 
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-reue, f., unvollständige reue (vgl. zipfel 5 b): daz ist ein rechtu waru rüwe von göttlicher liebin, nit ain gestifte zipfelruwe qu. v. 1429 bei Schmeller-Fr. 2, 1144;

valsch gericht ist mordajo.
der selben sel wirt selten frô
wer sich daran nit stossen wil,
(die red ist lang und ir vil)
der möcht noch gleben jâmer nü:
wirt im ze kurz, so ists ziphelrü
Hugo v. Montfort 57 lit. ver.;

attritio ... ein halber rüw, ... unvolkomen rüw, ... zerknüschung, zypffel rüw voc. predic. (1486) C 2b. —
 
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-tritt, m., trippeltritt:

swenne er den reien vüeret
mit mangem wæhen zippeltrite Neithartlied in: minnesinger 3, 236b v. d. Hagen. —


 
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-weise, adv., stückweise, in kleinen portionen: damit kommen die schläge wieder über sich, so dergestalt mit ordnung gehauen, und nicht also zippels weise, in den höltzern und schlägen ohne ordnung gehauen würde (Brandenburg 1531) Schwappach hdb. d. forst- u. jagdgesch. (1886) 1, 384 anm. 6; zippelweis holtzhauen Schottel haubtspr. (1663) 460; holz, wayd und alles zipfelweis gemessen (1731) Fischer schwäb. 6, 1236; zipfelweis in kleinen portionen Schmeller-Frommann 2, 1144; kleinweise Schöpf Tirol 829; Lexer Kärnten 266. —
 
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-werk, n., schmarotzerei, vgl. DWB zipfler: er ... lieber gilwerck, spilwerck, zipfelwerck und lderige nochgat (Straszburg um 1400) städtechron. 9, 1029. —
 
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-zehen, vb., auf den zehenspitzen gehen (beim getretenen tanz):

sin zipfelzehen maht' er also wæhe Neithartlied in: minnesinger 3, 198b v. d. Hagen;

zippelzehen, schokken dar,
strichen mit den versen ebda 3, 283b;

eines dinges muestestu dich mazen
din zippel zehen übern anger lazen ebda 3, 260b;

zipfelzeachet stehen, gehen auf den endspitzen der zehen Schöpf Tirol 829; vgl. Schmeller-Frommann 2, 1142. auch ein subst. zipfelzehe, f., zehenspitze (vgl. engl. tiptoe):

[Bd. 31, Sp. 1560]


alle krabbeln aus den rasenbettlein und schweben hin auf zippelzehen und tanzen Pöhnl dt. volksbühnenspiele (1887) 2, 454. vgl. ein spiel zipffelzehezupffen Fischart Garg. 260 ndr.
 
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zipfen, vb., vom subst. 1zipf, m., abgeleitet. 1) wie zipfeln 2 a: zipfen einen zipfel bilden, d schosz zipft links Jakob Wien 226; zöppen zipflig sein, dee rack zöppt Gangler Luxemb. 494. 2) wie zipfeln 1 d: zippen langsam, in kleinen schlucken trinken, schlürfen; der weinkenner zippt mit behagen das getränk; geräuschlos, aber anhaltend und viel trinken Müller-Fraureuth 2, 708a; zippen buvotter (nippen, wenig, aber oft trinken) Schaffer dt.-frz. wb. 2, 3, 722. 3) wie zipfeln 2 d: zipfen kränklich sein Unger-Khull steir. 649b; zipfen, zipfeln traurig oder kränklich aussehen Loritza Wien 147b; zipfen kränkeln, kränklich thun, aus einbildung den kranken machen Reinwald Henneberg 1, 201; Spiess Henneberg 291; zipfa kränkeln, siechen Sartorius Würzburg 137; vgl. das gleichfalls ostfränk. verziben verkümmern, absterben minneburg 2513 Pyritz. 4) mhd. zipfen trippeln:

wa vünd man ir gliche,
die von tag ze tag ie baz
zipfent mit den vuezen? minnesinger 3, 282b v. d. Hagen;

setzt sich in 1zippern trippeln und dem nd. tippeln wandern der kundensprache fort. vgl. auch 3zippeln. —
 
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zipfen, zipsen, vb., den pips, zipf haben: das hünlein zipfet quella gallinella hà la pipita Kramer t.-ital. 2 (1702) 1468b.
 
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zipficht, adj. 1) zipflig, mit zipfeln oder spitzen versehen, eckig Unger-Khull steir. 649b; Lexer Kärnten 266; sie hatte ein leichtes tuch nach vorne und hinten 'zipfet' um den kopf gebunden Anzengruber ges. w. (1897) 3, 256. 2) zipfert schwächlich, kränklich, nervös Hügel Wien 195b; zipfet Loritza Wien 147b; zipfad ausschaun bleich, abgemagert aussehen Castelli 272; zimperlich Schranka Wien 194; krankhaft aussehend, kränklich Unger-Khull steir. 649b; kränklich, spitz aussehend Lexer Kärnten 266. —
 
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zipficht, adj., mit dem zipf, pips behaftet: zipsicht, zipficht, zäpficht pituitoso, pipitoso Kramer t.-ital. 2 (1702) 1468b. —
 
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zipfig, adj. 1) zipflig: tsäpig Kisch Nösner wörter 160. 2) krankhaft aussehend, kränklich Unger-Khull steir. 649b; dazu wohl lux. zîpech zart, verzärtelt als ableitung von lux. zîp, m., zipfel lux. wb. 504b, wohingegen das thür.-nd. ziepig hinfällig, mager, zart (sp. 1134) vom verb 3ziepen weinen abstammt.

 

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