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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
zinzius bis zipkorn (Bd. 31, Sp. 1539 bis 1542)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) zinzius, koseform von Vincentius, in ausrufen bei Murner:

uch Zinzius, der nunnen trost,
wie habt ir mich so gar entbloszt! narrenbeschwörung 217, 65 Spanier;

ders., geuchmat 37 Fuchs; als lieber herr S. Zinzius angeredet bei Fischart binenkorb (1581) 223a.
 
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zion, der tempelberg in Jerusalem; auch Jerusalem selbst. bis ins 17. jh. ist Zion nach hebr. vorbild fem. (vgl. das biblische tochter Zion):

Zion hört die wächter singen,
das hertz thut ihr von frewden springen,
sie wachet und steht eilend auff (1599)
Ph. Nicolai in:
Phil. Wackernagel dt. kirchenlied 5, 259a;

Zion, die verlaszne stadt,
klaget sehr und hochbetrübet,
wie ihr'r gott vergessen hat,
ihr gar keinen trost mehr gibet (1648)
G. Weber bei
Fischer-Tümpel ev. kirchenl. 2, 512a;

sihe! Zion ängstigt sich,
sihe! sie ist hochbetrübet ebda 513a.

übertragen auf andere hauptstädte als glaubens- und geistesmittelpunkte: in diesem Zion des geistes (Berlin 1838) K. Gerok ein lebensbild (1892) 141; der kurator Jens Pedersen Gedelöcke sei ein zeichen, dasz nicht nur dem dänischen Zion, sondern dem ganzen unsiverso die letzte und höchste stunde nahe W. Raabe s. w. I 6, 434. schon biblisch vom volk Israel: das volck Zion wird zu Jerusalem wonen Jesaia 30, 19; denn ich höre ... ein geschrey der tochter Zion, die da klagt Jeremia 4, 31; sie haben schnöde lust und üppigkeit verübt mit Zions schönen weibern, den jungfraun Juda auch von ihren zarten leibern den besten schatz geraubt Treuer dt. Dädalus (1675) 1, 427. im protestantischen schrifttum des 17. jhs. symbolisch für christliche gemeinde, christentum:

[Bd. 31, Sp. 1540]


wächterstimme aus dem verwüsteten Zion titel eines traktats von Theophil Groszgebauer (1661);

Zion, du wirst wieder lachen,
drumb so lasz die welt nur machen
...
Zion, wo ist nun dein klagen?
itzt kanst du von freuden sagen (1666)
J. Pauli bei
Fischer-Tümpel ev. kirchenl. 3, 500b;

begegnet ihm (Christus) auf erden
ihr, die ihr Zion liebt,
mit freudigen gebärden
und seid nicht mehr betrübt (1700)
L. Laurentii in: ev. kirchengesangb., grundausg. (1950) 122, 5.

seit dem 18. jh. dann von der protestantisch-rechtgläubigen kirche:

es donnert schon in Rom des bannes wetterstrahl!
nein! Zion soll und wird bestehn,
so lange mond und sonne scheinen.
doch Babels macht musz endlich untergehn;
und sollten alle mönche weinen
Gottsched ged. (1751) 300;

Zions mauern waren nicht zu unterwühlen, solange die wächter auf den zinnen nicht einschliefen Ina Seidel Lennacker (1938) 647; vgl. DWB burg Zion evangelisches pfarrhaus (kundensprache) bei Fischer schwäb. 6, 3488; s. zionsburg. die bibelstellen Hesek. 3, 17 ich habe dich zum wechter gesetzt uber das haus Israel und Jes. 62, 6 o Jerusalem, ich wil wechter auff deine mauren bestellen regen den ausdruck wächter Zions an, woraus zionswächter entsteht; die beiden wörter hat schon Phil. Nicolai 1599 (s. o.) miteinander in verbindung gebracht. der ausdruck wächter Zions besagt zunächst 'hüter christlichen glaubens':

die wächter Zions schreien:
der bräutigam ist nah (1700)
L. Laurentii in: ev. kirchengesangb., grundausg. (1950) 122, 2.

angewandt auf einen orthodoxen glaubenshüter wie den hauptpastor Goeze: (ich verachte sie,) dasz sie sich solcher frechen unverschämten eingriffe in unsre allerheiligste religion wieder die wächter Zions auch nur mit einem wort annehmen mögen M. Claudius s. w. (1774) 1/2, 139. scheltend, abweisend für einen zelotischen ketzerrichter wird dieser ausdruck von C. F. Bahrdt gesch. s. lebens 2 (1791) 196 sowie streiter Zions ebda 197 gebraucht. freier von philosophischer lehre: die schaarwächter des metaphysischen Zions Lichtenberg br. (1901) 2, 335. eine sonderbedeutung erhält Zion im sprachgebrauch J. Böhmes: Zion ist an sich selbst paradeisisch wesen und gestalt des paradeises; ist das ausgrünen des paradeisischen wesens, welches im alten adamischen menschen verborgen; und wird im neuen menschen verstanden (1624) s. w. 6, 698 Schiebler.
 
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zionisch, adj., paradiesisch: als wäre ein fein sicher zionisch leben (1622) J. Böhme s. w. 7, 223 Schiebler.
 
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zionismus, m., die nationale wiedergeburt des jüdischen volkes erstrebende bewegung: der leiter der 'neuen freien presse' verbot, das wort zionismus in seiner 'fortschrittlichen' zeitung auch nur zu erwähnen Stefan Zweig welt v. gestern (1947) 128; er selber ... lächelt über Ruths zionismus Feuchtwanger geschw. Oppermann (1948) 74; über das problem des zionismus hatte ich in diesen letzten jahren bis zur verzweiflung gelesen, disputiert und mir den kopf zerbrochen Klemperer l. t. i. (1949) 153. —
 
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zionist, m., anhänger des zionismus: er ist kosmopolit, hat von jeher gelächelt über das bestreben der zionisten Feuchtwanger geschw. Oppermann (1948) 282. —
 
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zionit, m., christlich rechtgläubiger:

heraus! ihr frommen zioniten!
kommt schleunig, kommt mit freuden her! der freimüthige (1751) 117.


 
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zions- in zusammensetzungen: -bau, m., die christliche kirche G. Wagner ter tria (1698) 77; -bruder, m., frommer christ Hagedorn s. w. (1757) 3, 126; -burg, f.,

[Bd. 31, Sp. 1541]


die christliche kirche Fleming dt. ged. 1, 9 lit. ver.; evangelisches pfarrhaus Hamann schr. (1821) 6, 222; die wächter der zionsburg R. Walter parlament. gröszen (1850) 1, 4; -eifer, m., glaubenseifer Schad lebens- u. klostergesch. (1803) 1, 303; -gott, m., der gott Zions Rist bei Fischer-Tümpel evang. kirchenl. 2, 279; -horn, n.: ins zionshorn blasen über ketzereien ohne not lärm blasen Jac. Grimm hs.; Seume ged. (1804) 45; -lied, n., lied auf das himmlische Jerusalem Herder 10, 122 S.; Tholuck vorgesch. d. rationalism. (1853) 1, 278.
 
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zionswächter, m., übertragen 'rechtgläubiger'; lobend von einem geistlichen, der sich im leben bemühte, wahres christentum handelnd zu verwirklichen:

indessen ruhe wohl, du frommer, du gerechter
und von der eitelkeit erlöster zionswächter
Triller poet. betracht. (1750) 5, 430;

seit den 70er jahren als schelte auf einen orthodoxen zeloten übertragen, also auf einen über ketzereien ohne not lärm blasenden geistlichen; s. dazu DWB Zion: warum haben z. b. die herren zionswächter sich nicht an eine gründliche widerlegung der religiösen äuszerungen Friedrichs des Groszen gemacht? C. F. Bahrdt gesch. s. lebens 2 (1791) 198; wagt es auch in ihrer (der protestanten) sekte ein freierer wahrheitsfreund, über den engen zaun ihres universums zu springen, und sich auszer demselben umzusehen, so wird er von dem zahlreichen heere der zionswächter auf dieselbe art verfolgt, wie es in der alleinseligmachenden kirche sitte ist Schad lebens- u. klostergesch. (1803) 1, 23; unberufene zionswächter Brinckmann filosof. ansichten (1806) 22; naturalistische (dilettantische, s. teil 7, sp. 442) zionswächter Fessler rückblicke (1824) 230; Nicolai, durch ... diesen unduldsamen zionswächter gereizt Gervinus gesch. d. dt. dicht. (1853) 5, 240; Schröder ..., der unermüdliche zionswächter in Rostock Tholuck vorgesch. d. rationalism. (1853) 1, 179; die Göttinger 'gelehrten anzeigen', sonst sehr eifrige zionswächter für luthertum Görres ges. br. (1858) 3, 171; (Winckelmann) machte keinen günstigen eindruck auf diesen letzten unter den strengen zionswächtern vom alten schlag Justi Winckelmann (1866) 1, 50. schon 1788 auf das politische gebiet bezogen: umsonst legten ihnen (leuten, die in ihrem übereifer das wohl des staates gefährdet glaubten) die spötter den namen zionswächter bei W. L. Wekhrlin hyperboreische br. (1788) 1, 25. dazu die scherzbildung schmalspurzionswächter Ernst Bloch in: sonntag (18. 9. 1955) 5a. im literarischen bereich: mit den ästhetischen zionswächtern Raumer litterar. nachlasz (1869) 2, 33. —
 
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-wächterin, f., sittenwächterin: man sollte glauben, auch die liebe bedürfe keiner begrenzenden zaunpfähle, dieser meinung sind aber nicht die zionswächterinnen ebda 98.
 
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zip, m., ein slawischer rechtsausdruck im lande Meiszen, eine ursprünglich landesherrliche getreideabgabe, die später als abgabe an die pfarren erscheint; für diese hat sich der ausdruck in der obersächsischen verwaltungssprache bis in die neuzeit erhalten. name und einrichtung gehn, wie ihr vorkommen im gesamten westslawischen gebiet beweist, in die vordeutsche periode zurück. ihr kennzeichen ist die anfangs auf den herdrauch, den haushalt, danach auf die hufen festgelegte menge; sie war ein fixierter zehnt, eine decima constituta, im gegensatz zum vollzehnt, der decima integra, dem kirchlichen zehnten. eben dies besagt der name zip, der einen (in ein hohlmasz geschütteten) haufen bezeichnet. er geht aus obersorb. sep, akslaw. sp haufen hervor, einer ableitung aus akslaw. spa schütten, streuen, sypati schütten, obersorb. sepić aufhäufen; idg. wurzel sep-, sup- schwingend werfen, schleudern, ausschütten, dazu lat. dis-sipare auseinanderwerfen. die tschech., poln. und pommersch. urkunden weisen das kompositum osep 'abschutt, abgeschüttetes' auf, das im ljutizischen der Altmark die lautform wozop annimmt. die sprachliche deutung hat Alex. Brückner d. slavischen ansiedel. i. d. Altmark u. im Magdeburg.

[Bd. 31, Sp. 1542]


(1879) 21 gegeben; die rechtsgeschichtliche literatur ist bei H. F. Schmid d. rechtl. grundlagen d. pfarrorganisation auf westslaw. boden (1938) 21 und 944 zusammengefaszt: von ihm wird zip treffend 'schüttkorn' genannt. wenige, unergiebige belege: pro justitia (verpflichtung), quae zip vocatur, 30 nummos persolvunt (1154) cod. dipl. Saxon. reg. I 2, 171; annonam, quae cip vulgariter appellatur (1277) bei Haltaus gloss. germ. 211; begegnet 1616 in Glauchau als teil der superintendentenbesoldung E. Eckhardt chron. v. Glauchau (1882) 349. —
 
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zipkorn, n., dasselbe: in ville Nuendorf viginti sex solidos et alterum dimidium modium tritici et avenae totidem, qui vocatur cipcorn itemque de nostra decima quinque modios siliginis et avenae totidem in eadem villa ipsis contulimus (1282) J. Chr. Hasche magaz. d. sächs. gesch. 6 (1789) 400ff.; item contulit Gebhardo de Henicz precariam annone dicte cipcorn in districtu Grimmensi (1349/50) lehnbuch Friedrichs d. Strengen (1906) 33 Lippert.

 

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