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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
zinterstein bis zinzelschulden (Bd. 31, Sp. 1537 bis 1538)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) zinterstein, m., gesinterter stein: geduldet mich ain klains, so wil ich eüch ausz dem zinterstain menschlicher sinnreichikait der himilischen kunst, und der götlichen haimlichen offenbarungen ain liecht auszslahen Grünbeck v. d. veränd. aller stände d. christenh. (1522) A 3a.
 
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zintes, m., s. zinget.
 
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zinzalwurz, zintalwurz, f., gelber enzian, gentiana lutea Holl pflanzenn. (1833) 85a; Pritzel-Jessen 162b; Marzell wb. d. dt. pflanzenn. 2, 627; mundartlich aus enzian im Pongau und Pinzgau; teil 16, sp. 624 irrig als zünzeleinwurz angeführt.
 
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zinze, m., meist pl., auch zinzerlich, zinserle u. ä. wilder thymian, thymus serpyllum; ostfränk. H. Fischer schwäb. 6, 3488; koseform vom adj. zinzelig (s. zinzerlich).
 
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zinzel, m., ungedeutet, die worte des mädchens zum liebhaber:

ich wil iu mînen zinzel geben
ûz mîner hant in iuwer hant bei
Neidhart v. Reuental XLIV 31 H.;

Lexer 3, 1130 denkt an einen ball; andere vermutungen bei Wiessner wb. zu Neidhart 368.
 
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zinzelicht, adj., mhd. zinzeleht geziert, niedlich:

von ir zinzelehten brust
komt gelust, daz du must
ir munt vor liebe han gekust
dem minneclîchen wîbe bei
Neidhart v. Reuental LV 16 Haupt;

zinzlet, zinzilet empfindlich, zimpferlich Lexer Kärnten 266b; vgl. zinzerlich.
 
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zinzeln, vb., empfindsam, zimpferlich tun, sehr empfindlich sein Lexer Kärnten 266; nebenform von zänzeln (sp. 258), zenzeln (sp. 642), die beide aus zänzen (sp. 258) hervorgehen; daneben spielt zännen (sp. 256) hinein. daraus leiten sich noch andere bedeutungen her: zintzeln zögern, to saunter or loyter, to be slack or slow Ludwig t.-engl. (1716) 2597; mit -s-: zögern, langsam sein, knausern Jungandreas schles. zeitwortbild. 76. ähnlich:

's jung' volk findt mitn zinzeln
und zanzeln kain endt,
volaszt sö af d' füesz,
und hacht d' finger af d' wendt
Stelzhamer ausg. dicht. (1884) 1, 100;

du zauberst und zinzelst und zanzelst und machst weiber und küh galt Watzlik Fuxloh (1922) 136; zinseln gern und oft zanken Spiess Henneberg 290. vgl. auch die wohl aus dem dt. entlehnten sloven. cencati 'wackelnd einhergehen, etwas langsam tun' und osorb. ćeńčaty 'tändlich', nsorb. tśěntśliś 'tändeln, winseln' Bielfeldt d. dt. lehnworte im obersorb. 298 f.
 
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zinzeln, vb., zu 3zinnen, zännen den mund verziehen (sp. 257): kaum merkbar weinen Mi Mecklenb. 110a; unter anlehnung an winseln: zinseln weinen Mensing 5, 760; 4, 497;

[Bd. 31, Sp. 1538]


gern und oft klagen, empfindlich gegen jeden kleinen schmerz seyn Reinwald Henneberg 1, 201;

da zinseln, pinseln, klagen wir,
uns hindert ein flieg, das klein thier (schles.)
M. Liebig drei pfingstpred. (1588) C 5a;

auch: zinseln lächeln Jungandreas schles. zeitwortbild. 83. —
 
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zinzeln, vb., malt das geräusch tröpfelnden und rieselnden wassers, wie schon Kramer t.-ital. 2 (1702) 1468a bemerkt: zintzelen, zinzeln, zitzeln zampillare, pispigliare con dolce susurro mormorio; zintzeln risseln, rauschen, sachte rinnen Rädlein (1711) 1096b; zinzeln ruischen, bruischen Kramer-Moerbeek (1768) 435c; zinzeln vom rieselnden wasser Schrader franz. wb. 2, 1682; zinzeln nieseln Klein 2, 247; ins bett zintzeln pisciare in letto Kramer t.-ital. 2 (1702) 1468a; ebenso Kramer-Moerbeek, Schrader; mingere (Nürnberg) Berndt schles. 167; kinderspr. zinzeln, zinsseln pissen Schmeller-Fr. 2, 1141; zinzeln pissen Unger-Khull 653a; zinsseln pissen (hannöv.) brem. wb. 5, 313; sinseln (Dithm. 18. jh.) 6, 306; zinzeln sein wasser lassen Dähnert plattdt. wb. 516b. übertragen zintzelend zahlen tropfenweise, in kleinen raten, nach und nach zahlen Kramer t.-ital. 2 (1702) 1468a; auch zintzelzahlen 2, 1417b; Ludwig t.-engl. (1716) 2597; s. zinzelschulden, -weise. zinzeln geht an verschiedenen orten in zinseln über, wie ähnlich neumärk. kränze in kränse:

viel tausent seel sach ich von weyten,
den man all die negel abschnit
und traff in offt die finger mit.
das blut thet von in aber zinseln
Hans Sachs 3, 601 lit. ver.;

eins mals trat er für seine thür,
hengt aus und zinselt von natur
Eyering proverb. copia (1601) 1, 591;

ins hemd zinseln (1743) zs. Alemannia 11, 205a; langsam rinnen, träufeln, pissen (gleich zinzeln) Unger-Khull steir. 653a; zinslen sprudeln, hervorspritzen Schöpf Tirol 829; auch: zinsilirn pissen Castelli ma. in Österreich 272. dazu kindersprachlich: e zinzerle machen pissen Schmidt Straszb. 120b; Martin-Lienhart elsäss. 2, 910a. —
 
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zinzeln, vb., für zünzeln flimmern, flackern: diu flamm (der komet) ist gehaizen von den maistern der geschopft stern, dar umb, daz funken von im vliegent und daz er zinzelt gegen dem tail der werlt, dâ im der dunst zuo gêt Konrad v. Megenberg buch d. natur 75; wenn sich der luft gestôzen hât an die starken saiten in der ding (saitenspiel) päuchen, sô zinzelt (zittert) er langsam durch die linden pödem (von tannenholz), und dâ von wirt daz gedœn süez 314; vgl. Schmeller-Fr. 2, 1141; teil 16, sp. 623 nicht aufgenommen, da mit Lexer ein verb zinzeln 'sich sanft und leise bewegen' angesetzt wird.
 
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zinzelschulden, pl., kleine schulden: zintzel- ò zitzelschulden debiti ò crediti minuti Kramer t.-ital. 2 (1702) 1468a; zinzelschulden kleine schulden, waarom jemand geduurig aangesproken wordt Kramer-Moerbeek (1768) 435c; zinzelschulden dettes criardes Schrader dt.-frz. 2, 1682. —

 

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