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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
zinsnehmen bis zinsreichung (Bd. 31, Sp. 1532 bis 1534)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version)  -nehmen, n.: verführt durch ... Lucas 6, 35 ... hat die ... kirche in diesen worten ein ... verbot des zinsnehmens zu finden gewähnt Döllinger akadem. vortr. (1888) 1, 175; die christliche kirche hat das zinsnehmen unbedingt verboten Lagarde dt. schr. (1886) 323; für den wahren heiligen ist die wirtschaft überhaupt sünde, nicht nur das zinsnehmen und die freude am reichtum O. Spengler unterg. d. abendl. (1922) 2, 592; der gegensatz der antiken und bürgerlichen anschauung von dem zinsnehmen ... findet ... bei wahrhafter historischer betrachtung seine natürliche auflösung Lassalle ausg. reden u. schr. (o. j.) 3, 169. —
 
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-nehmer, m., zinsherr: wer czinsse in einem erbe hot, bauwet einer das huis, der den czins gebet, so mois der czinsnemer den dritten pfenning zu hulfe geben zu der bauunge (1420) acten d. ständetage Preuszens 1, 353; geldleiher gegen zinsen: zinsnehmer wurden gebannt Raumer gesch. d. Hohenst. (1823) 5, 396. —
 
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-pfaffe, m., in vergleichen, z. b. ... hot backe wie e zinspaff, en kopp so roth un so dick wie e zinspfaff Askenasy Frankfurt 41. —
 
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-pfennig, m. 1) geldzins, abgabe von einem zinslehen: da von sun sie jargelichen sehse zinspfennige dem goteshuse gen ze sant Michheles mis (1318) württ. gesch.-qu. 9, 109; (1331) schweiz. id. 5, 1134; es sollent ouch des gotzhus lüte ir zins richten, zigerkes, zinspfenning ze sant Gallun tag (kt. Zürich 14. jh.) weist. 1, 4; der zm jr dehainem herrem stúwr, hennan oder anders gb mer denn ainen zinspfenning (1489) württ. gesch.-qu. 18, 104; der sparpfenning ist reicher den der zinspfenning Luther tischr. 4, 521 W.; wo er aber den gemelten zinnsspfenning in dreien jaren nit bezalt hätte, so verleürt er die erbrecht Pegius de jure emphyteutico (1559) 9b; sanct Peters zinsspfennig inn Engelland Fischart binenkorb (1588) 145a; bekennet sich der bapst Urbanus, das er sei underworffen dem keyser, begibt sich derhalben dem keyser z geben tribut und den zinsspfennig, zm zeichen der dinstparkeit, gehorsam, beschutz, und erhaltung gemeins fridens S. Franck chronica (1531) 379a; übertragen: disen zinsspfening meiner allerunterthänigisten schuldigkeit Brandis ehrenkräntzel (1678) widm.; biblisch: wir haben disen funden verkerend unser volck und verbieten den zinsspfennig z geben dem keiser text d. passions u. lidens Christi (1513) E 1a; das sie (die Römer) auch von Christo den tzinsspfennig fodderten, auch yhn mit demselben vorsuchten Matt. 22, darzu am tage seyniss leydens drob vorklagten, alss hett er vorpotten, denselben tzinsspfennig zu geben (1522) Luther 10, 1, 1, 60 W.; der euangelist Lucas spricht,

[Bd. 31, Sp. 1533]


das Maria und Joseph des heydnischen keysers gebott gehorsam waren und brachten im den zinsspfenning Hutten opera (1859) 5, 393; do unnser herre Christus auch den zoll oder zinsspfenning eyner heydenischen berkeyten bezalen lassen (1525) bei O. Clemen reform. flugschr. (1906) 2, 439. 2) Schweizer scheidemünze, die vorzugsweise dem kleinen verkehr diente, zumal bei zinszahlungen, seit dem 14. jh. urkundlich erscheinend, denarius censualis schweiz. id. 5, 1134. —
 
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-pflicht, f., rechtlicher zwang zur zahlung von abgaben: gesetzt, sie (unsere vorfahren) hätten demselben (dem nachrichter) ... von ihren höfen jährlich kein gewisses geben und sich in eine verhaszte zinspflicht setzen wollen (1778) J. Möser s. w. (1842) 2, 168; namentlich für die landwirtschaftliche nutzung eines grundstückes: das zweyte merkmahl eines bauergutes ist die darauf haftende zinspflicht J. Fr. Runde privatrecht (51817) 464; tributpflicht:

und nachdem er mit vereidung
in vasallenpflicht und zinspflicht
sie genommen, sandt er alle
wieder in ihr land zurück
Herder 28, 414 S.;

Immermann w. 1, 187 Hempel; im geldverkehr: gesetz über d. versicherungsvertrag § 94, abs. 1. —
 
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-pflichtig, adj., zins zu geben verbunden, auch wovon zins gegeben werden musz, tinspligtig brem.-nieders. 5, 72; es gab in manchen gegenden Deutschlands zinspflichtige bauern Raumer gesch. d. Hohenst. (1823) 5, 24; die zinspflichtigen des löwenwirts B. Auerbach schr. (1892) 16, 124; ihre zinspflichtigen höfe G. Freytag ges. w. 9 (1887) 4; so beliebte es den Römern, das einst so mächtige Karthago ... als ihre zinspflichtigen unterthanen zu betrachten K. Fr. Becker weltgesch. (1801) 3, 51; ein noch nicht zinspflichtig gemachtes volk Bois-Reymond über d. grenzen d. naturerkennens 3 (1873) 3; etliche deutsche stämme wurden damals den Hunnen zinspflichtig Leppa herzenssachen (1923) 13; Adelung2 4, 1724. —
 
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-pflichtigkeit, f., zinsbarkeit Adelung2 4, 1724; Schlosser weltgesch. (1815) 5, 223; Haller restaur. d. staatswiss. (1816) 3, 205; könig Harald liesz sich die seinem vater abgewonnene zinspflichtigkeit gefallen Dahlmann gesch. v. Dännemark (1840) 1, 78; J. Grimm dt. rechtsaltert.4 1, 430. —
 
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-rechnung, f., 'lehret, wie man in angelegten capitalen den zins auf eine gewisse zeit berechnen solle' Hübner cur. u. reales lex. (1714) 1738; conto corrente zinsrechnung (wie die wechsel lauffen) Harsdörffer teutscher secretar. (1656) 1, Ddd 1b; so wohl die einfache zinsrechnung (regula interusurii simplicis), als die zinseszinsrechnung (regula interusurii compositi) Bürja gröszenlehre (1799) 25; le compte ou calcul d'intérêt, de rente Schwan nouv. dict. (1783) 2, 1110a; allg. dt. bibl. (1765) 8, 2, 142. —
 
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-recht, n., vertragsmäsziger zins, tribut:

diz zinsreht unde disen prisant
den liezen disiu zwei lant
in dem vünften jare ie schouwen
Gottfried v. Straszburg Tristan 5999 R.; 6813;

wande unser ieglich ist gotes kneht
unde sulen ime grôz zinsreht
mêr dan tûsent phunt
Heinrich v. Krolewitz vaterunser 3456;

recht auf zins: is aber eyn vrî gût, dâ nieman tzinsrecht ane hât Sachsenspiegel lehnrecht 73, 2 Eckh.; das zinsrecht über die griechischen städte Mommsen röm. gesch. 1 (1856) 721; für die zinslieferung gültiges recht: und den zins ze raichen alle jar auff sant Marteinstag als zinsrecht ist der kirchen sankt Peters (1475) bei O. Stolz Deutschtum i. Südtirol 2 (1928) 249; (1481) schweiz. id. 6, 308; so ain herr seinem zinsmann den zins, es sei käs, traid oder anders, in gelt anschlagt, alsdann ist es ain schult und nicht mer zins, darumben soll er pfenten nach lantsrechten, und nicht, wie zinsrecht ist (Tirol 16. jh.) österr. weist. 5, 613. —
 
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-register, n., urkundliche liste der zinsabgaben, zinsbuch: information ausz der ämbter urbarien, grundbuchern,

[Bd. 31, Sp. 1534]


zinsregistern, ambtsraitungen und genieszzetteln acta publica 3, 101 Palm; Maria laszt sich mit Joseph schreiben in das zinsregister und zeucht gehorsam darumb ghen Betlehem S. Franck Germ. chron. (1538) 74b; haben nur mit dem zinsregister zugedencken, et ita neglectus est grex Christi et ecclesia (1538) Luther tischr. 3, 679 W.; zu diesen urkunden gehören öffentliche steuer- und zinscataster ..., steuer-, erb-, frohn- und zinsregister, saalbücher, ... kirchen- und andere öffentliche rechnungen Krünitz öcon. encycl. 202 (1850) 267; im 16. jahrhundert werden ... zinsregister, hufenregister ... allgemein hdwb. d. staatswiss. (1898) 4, 1245; auctoritas census Reyher thes. (1686) p 3a; zins- sive erbregister libri censitici, redituum Stieler stammb. (1691) 1577; zins-, zehend-register lista de' censi, entrate, decime Kramer t.-ital. 2 (1702) 298c. —
 
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-reichung, f., zinszahlung: auch sal unser gloubere an irir vollen zinssreichunge nicht hindern eincherley schade (Chemnitz 1451) cod. dipl. Saxoniae II 6, 125; aber er (Christus) vexiret dagegen die Pharisäer mit der zinsreichung, wie er denn fast spitzig und spöttisch allzeit gegen ihnen gewesen ist Luther tischr. 6, 105 W.; dasjenige beding, dasz der schuldner oder zinssverkauffer sich mit widerlegung desz kauffschillings, von der zinsraichung ledig machen, und das capital ablösen könde, wird von meniglich für billich gehalten B. Lang zinssscharmützel (1645) 11; Schottel haubtspr. (1663) 46; so erboten sich doch alle tattersche fürsten ... zur zinsreichung Lohenstein Arminius (1689) 1, 604a; H. Fischer schwäb. 6, 1230. —

 

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