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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
zinsmeister bis zinsrecht (Bd. 31, Sp. 1531 bis 1533)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version)  -meister, m., geistlicher und städtischer beamter, der die zinse einnimmt: swele daz brehent unde dar niht enkument, die sulent bzen minez herren des abbetez botten unde dem zinsmeister unde deme richter (1275) corp. d. altdt. originalurk. 1, 241a Fr. Wilhelm; (1280) ebda 389; sine eigen lude die alle jaire zo drin ziden sullen sin an deme geswoeren gedincge zo Tzulpge ind sullen dae herschinen as uns vurg. heren zinsmeister van Geich wroecht mit alle deme rechte dat he wroecht (Niederfranken 1375) weist. 2, 710; und soll unsers hern des appts zinssmeister vordern zu seinem hauss zu valle das best haupt, das er latt (Oberelsasz 14. jh.) weist. 4, 186; stirbt ain czinser, so nimpt daz gotzhus ain val, so nimpt der czinssmaister sinen ht, gürtel, hosen und schuch ... wa ain zinserin stirbt, von der nimpt man das best das si gespinnen kan, und dem czinssmaister wirt ir hüll, ir gürtelgewant und ir schch (Württemb. 1417) weist. 1, 377; wer im den zins nit gebe, dem soll der zinsmeister nachgehen zue den sechs wochen aus als gerichts recht ist (Hunsrück) weist. 2, 152; wöliche steur, ungelt und zins auch durch sondre ämpter, als steurmaister, ungeltherren und zinsmaister, deren allwegen ainer von den geschlechten und zwen von der gemaind und zünften, von ainem rat dartzu verordnet, solch gelt empfahen

[Bd. 31, Sp. 1532]


(Augsburg) städtechron. 34, 114; man setzt an sein stat herrn Gabriel Nützel, vor der dreier haubtmaner einer und was vor zinsmaister (Nürnberg) ebda 11, 555; es ward auch ein zinssmeister oder schatzherr gen Meiland gesetzt, der von den welschen stetten in Italia die tribut und frevel samelt und einneme Adelphus Barbarossa (1535) 51b; in der Silberburg wohnte im jahr 1704 Christian Jakob Heyliger, einstiger zinsmeister der stadt W. Raabe s. w. I 5, 542; zinsmeister verwalter der städtischen schuld schweiz. id. 4, 536; Lexer 3, 1129; H. Fischer schwäb. 6, 1229; Adelung; numerarius Diefenbach gl. 385a; scabinus 515a; tribunus 595a; tributarius 595b; redituum collector Steinbach dt. wb. (1734) 2, 42; quaestor Frisch 2, 479b. —
 
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-münze, f., statt des älteren münze des zinses (Tatian, erste dt. bibel) von Luther für τὸ νόμισμα τοῦ κήνσου, numisma census Matth. 22, 19 gebildet; Luther schreibt zinsemüntze, so auch v. Abschatz himmelschlüssel 2, 143; Marperger kaufm.-magazin (1708) 1422; Hamann schr. 6, 31 Roth-Wiener; so greyffet Christus des keysers zinssmüntz an, darauff Tiberii contrafactur gepreget oder gegossen war Mathesius ausg. w. 2, 184 Leosche; Albertus stand hochaufgerichtet neben dem abt ... und sah ruhig abweisend auf den fragesteller, wie Christus wohl auf die Pharisäer, die ihm die zinsmünze zeigten, heruntersah Handel-Mazzetti Stephana Schwertner (1927) 1, 147. —
 
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-nehmen, n.: verführt durch ... Lucas 6, 35 ... hat die ... kirche in diesen worten ein ... verbot des zinsnehmens zu finden gewähnt Döllinger akadem. vortr. (1888) 1, 175; die christliche kirche hat das zinsnehmen unbedingt verboten Lagarde dt. schr. (1886) 323; für den wahren heiligen ist die wirtschaft überhaupt sünde, nicht nur das zinsnehmen und die freude am reichtum O. Spengler unterg. d. abendl. (1922) 2, 592; der gegensatz der antiken und bürgerlichen anschauung von dem zinsnehmen ... findet ... bei wahrhafter historischer betrachtung seine natürliche auflösung Lassalle ausg. reden u. schr. (o. j.) 3, 169. —
 
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-nehmer, m., zinsherr: wer czinsse in einem erbe hot, bauwet einer das huis, der den czins gebet, so mois der czinsnemer den dritten pfenning zu hulfe geben zu der bauunge (1420) acten d. ständetage Preuszens 1, 353; geldleiher gegen zinsen: zinsnehmer wurden gebannt Raumer gesch. d. Hohenst. (1823) 5, 396. —
 
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-pfaffe, m., in vergleichen, z. b. ... hot backe wie e zinspaff, en kopp so roth un so dick wie e zinspfaff Askenasy Frankfurt 41. —
 
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-pfennig, m. 1) geldzins, abgabe von einem zinslehen: da von sun sie jargelichen sehse zinspfennige dem goteshuse gen ze sant Michheles mis (1318) württ. gesch.-qu. 9, 109; (1331) schweiz. id. 5, 1134; es sollent ouch des gotzhus lüte ir zins richten, zigerkes, zinspfenning ze sant Gallun tag (kt. Zürich 14. jh.) weist. 1, 4; der zm jr dehainem herrem stúwr, hennan oder anders gb mer denn ainen zinspfenning (1489) württ. gesch.-qu. 18, 104; der sparpfenning ist reicher den der zinspfenning Luther tischr. 4, 521 W.; wo er aber den gemelten zinnsspfenning in dreien jaren nit bezalt hätte, so verleürt er die erbrecht Pegius de jure emphyteutico (1559) 9b; sanct Peters zinsspfennig inn Engelland Fischart binenkorb (1588) 145a; bekennet sich der bapst Urbanus, das er sei underworffen dem keyser, begibt sich derhalben dem keyser z geben tribut und den zinsspfennig, zm zeichen der dinstparkeit, gehorsam, beschutz, und erhaltung gemeins fridens S. Franck chronica (1531) 379a; übertragen: disen zinsspfening meiner allerunterthänigisten schuldigkeit Brandis ehrenkräntzel (1678) widm.; biblisch: wir haben disen funden verkerend unser volck und verbieten den zinsspfennig z geben dem keiser text d. passions u. lidens Christi (1513) E 1a; das sie (die Römer) auch von Christo den tzinsspfennig fodderten, auch yhn mit demselben vorsuchten Matt. 22, darzu am tage seyniss leydens drob vorklagten, alss hett er vorpotten, denselben tzinsspfennig zu geben (1522) Luther 10, 1, 1, 60 W.; der euangelist Lucas spricht,

[Bd. 31, Sp. 1533]


das Maria und Joseph des heydnischen keysers gebott gehorsam waren und brachten im den zinsspfenning Hutten opera (1859) 5, 393; do unnser herre Christus auch den zoll oder zinsspfenning eyner heydenischen berkeyten bezalen lassen (1525) bei O. Clemen reform. flugschr. (1906) 2, 439. 2) Schweizer scheidemünze, die vorzugsweise dem kleinen verkehr diente, zumal bei zinszahlungen, seit dem 14. jh. urkundlich erscheinend, denarius censualis schweiz. id. 5, 1134. —
 
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-pflicht, f., rechtlicher zwang zur zahlung von abgaben: gesetzt, sie (unsere vorfahren) hätten demselben (dem nachrichter) ... von ihren höfen jährlich kein gewisses geben und sich in eine verhaszte zinspflicht setzen wollen (1778) J. Möser s. w. (1842) 2, 168; namentlich für die landwirtschaftliche nutzung eines grundstückes: das zweyte merkmahl eines bauergutes ist die darauf haftende zinspflicht J. Fr. Runde privatrecht (51817) 464; tributpflicht:

und nachdem er mit vereidung
in vasallenpflicht und zinspflicht
sie genommen, sandt er alle
wieder in ihr land zurück
Herder 28, 414 S.;

Immermann w. 1, 187 Hempel; im geldverkehr: gesetz über d. versicherungsvertrag § 94, abs. 1. —
 
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-pflichtig, adj., zins zu geben verbunden, auch wovon zins gegeben werden musz, tinspligtig brem.-nieders. 5, 72; es gab in manchen gegenden Deutschlands zinspflichtige bauern Raumer gesch. d. Hohenst. (1823) 5, 24; die zinspflichtigen des löwenwirts B. Auerbach schr. (1892) 16, 124; ihre zinspflichtigen höfe G. Freytag ges. w. 9 (1887) 4; so beliebte es den Römern, das einst so mächtige Karthago ... als ihre zinspflichtigen unterthanen zu betrachten K. Fr. Becker weltgesch. (1801) 3, 51; ein noch nicht zinspflichtig gemachtes volk Bois-Reymond über d. grenzen d. naturerkennens 3 (1873) 3; etliche deutsche stämme wurden damals den Hunnen zinspflichtig Leppa herzenssachen (1923) 13; Adelung2 4, 1724. —
 
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-pflichtigkeit, f., zinsbarkeit Adelung2 4, 1724; Schlosser weltgesch. (1815) 5, 223; Haller restaur. d. staatswiss. (1816) 3, 205; könig Harald liesz sich die seinem vater abgewonnene zinspflichtigkeit gefallen Dahlmann gesch. v. Dännemark (1840) 1, 78; J. Grimm dt. rechtsaltert.4 1, 430. —
 
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-rechnung, f., 'lehret, wie man in angelegten capitalen den zins auf eine gewisse zeit berechnen solle' Hübner cur. u. reales lex. (1714) 1738; conto corrente zinsrechnung (wie die wechsel lauffen) Harsdörffer teutscher secretar. (1656) 1, Ddd 1b; so wohl die einfache zinsrechnung (regula interusurii simplicis), als die zinseszinsrechnung (regula interusurii compositi) Bürja gröszenlehre (1799) 25; le compte ou calcul d'intérêt, de rente Schwan nouv. dict. (1783) 2, 1110a; allg. dt. bibl. (1765) 8, 2, 142. —
 
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-recht, n., vertragsmäsziger zins, tribut:

diz zinsreht unde disen prisant
den liezen disiu zwei lant
in dem vünften jare ie schouwen
Gottfried v. Straszburg Tristan 5999 R.; 6813;

wande unser ieglich ist gotes kneht
unde sulen ime grôz zinsreht
mêr dan tûsent phunt
Heinrich v. Krolewitz vaterunser 3456;

recht auf zins: is aber eyn vrî gût, dâ nieman tzinsrecht ane hât Sachsenspiegel lehnrecht 73, 2 Eckh.; das zinsrecht über die griechischen städte Mommsen röm. gesch. 1 (1856) 721; für die zinslieferung gültiges recht: und den zins ze raichen alle jar auff sant Marteinstag als zinsrecht ist der kirchen sankt Peters (1475) bei O. Stolz Deutschtum i. Südtirol 2 (1928) 249; (1481) schweiz. id. 6, 308; so ain herr seinem zinsmann den zins, es sei käs, traid oder anders, in gelt anschlagt, alsdann ist es ain schult und nicht mer zins, darumben soll er pfenten nach lantsrechten, und nicht, wie zinsrecht ist (Tirol 16. jh.) österr. weist. 5, 613. —

 

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