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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
wuppdizität bis wurbs (Bd. 30, Sp. 2059 bis 2060)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) wuppdizität, wupptizität, f. 'schwung, temperamentvolle behendigkeit', ursprünglich wohl studentensprachliche scherzbildung (vgl. Fr. Seiler kultur i. spiegel d. lehnworts 3, 81), doch in einigen mundartgebieten auch in die umgangssprache eingedrungen, s. Ruckert unterfränk. 198; Hönig Köln 204; Bauer-Collitz Waldeck 183; Hertel Thür. 260; Müller-Fraureuth obersächs. 2, 682. nur vereinzelt literarisch: sowie ich die eingetunkte feder auf dem papier bringe, setzt sie sich von allein in bewegung mit einer wuppticität, dasz ihr das auge nicht folgen kann Kladderadatsch 31 (1878) 30b; dort haben sie wenigstens einen papierkorb, in welchen das zeug mit möglichster wuptizität hineinzuwerfen eine art genugtuung sein kann E. v. Herzogenberg in: Joh. Brahms im briefw. m. H. u. E. v. Herzogenberg 1, 48 Kalbeck.
 
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wuppe, wüppe, f., seltene nebenform zu 1wippe (s. d., besonders unter 4).
 
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wuppeln, vb. 'sich rasch und ruckartig hin und her bewegen', iterativbildung zu wuppen wie wippeln (s. d.) zu wippen, vgl. Damköhler Nordharz 230, Bauer-Collitz Waldeck 272. —
 
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wuppen, vb. 'ruckartige bewegungen ausführen', wie nd. mundartlich wüppen im klangspiel zu wippen (s. d.), aber auch in enger beziehung zur interjektion wupp. 1) intransit. 'in die höhe schnellen, auf- und niederschwingen', vgl. Fischer schwäb. 6, 981, Crecelius oberhess. 926, Hertel Thür. 260: ich bin so mehr fürs feste, für pferdehaar und sprungfedern, und wenn es denn so wuppt Fontane ges. w. (1905) I 5, 174;

zähle, ich will mit dir zählen,
wieviel noch minuten fehlen,
bis herr heuschreck wuppt
und mir auf die nase huppt
Dehmel ges. w. (1906) 6, 19.

2) transit. 'etwas mit einem ruck in die höhe heben', vgl. Mensing schlesw.-holst. 5, 741. auch für 'einen schnaps trinken' (s. wuppdich): du solltest im 'Kammerhof' am runde tisch noch ein glas wuppen V. Traudt winkelbürger (1917) 68. —
 
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wuppern, vb. 'hüpfen, sich in unruhiger bewegung befinden', wie wuppeln iterative weiterbildung von wuppen (vgl. wippern; zu den flusznamen Wipper, Wupper s. A. Bach dt. namenkunde 2, §§ 436; 464): ich sage euch, das herz wuppert mir im leibe, wenn ich so'n kerl seh! M. Hartmann ges. w. (1874) 4, 39.
 
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wupps, interj., in gleicher bedeutung wie DWB wupp und neben diesem wie wipps neben wipp, schwupps neben schwupp, klapps neben klapp, hopps neben hopp usw. zum mundartlichen gebrauch vgl. Hertel Thür. 260, Danneil altmärk. 248, Frischbier preusz. 2, 482: und — wups! giengs mit einem mächtigen satz über uns hin A. G. Meiszner Adolph d. kühne (1792) 1, 131; wups, schlosz sich der vorhang P. Dörfler abent. d. Peter

[Bd. 30, Sp. 2060]


Farde (1929) 169. substantiviert in der bedeutung 'schwung, sprung' Hertel Thür. 260. —
 
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wuppsen, vb. 'hüpfen, springend laufen', intensivbildung zu wuppen, vgl. Hertel Thür. 260; Danneil altmärk. 248.
 
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wur, n., f., s. DWB wuhr.
 
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wurachen, vb., wuracken, mit anstrengung, heftig, wild oder gar blindwütig und planlos arbeiten, herumwirtschaften. umgangssprachlich besonders in ostpreusz. und nd. gebieten: wurachen Frischbier preusz. wb. 2 (1883) 483, Brendicke Berlin 194b; (vūra˙Χṇ, vūra˙gṇ Mensing schlesw.-holst. wb. 5, 742; auch obersächs., vgl. Müller-Fraureuth 2, 682a. das seit dem ende des 19. jhs. bezeugte wort scheint slaw. herkunft zu sein, vielleicht über poln. saisonarbeiter entlehnt aus poln. wyrabiać, wyrobić 'ausarbeiten' usw., si w. 'sich abarbeiten', wohl unter vermischung mit dt. racken (s. d.) 'schinden, plagen', gelegentlich literarisch: ja, der alte Wildenbruch tobt und wuracht auch hier noch herum, aber es ist soviel von genialem da, dasz ich seinem unsinn indemnität erteile (1891) Fontane ges. w. (1920) II 5, 292; ein glück, dasz sie erst jetzt kommen; bis uhre sechse haben wir gewuracht; die eine sau hat junge gekriegt, acht stück Löns dahinten in der heide (o. j.) 51. mundartlich daneben auch 'mit dem pfluge tief in die erde greifen', 'gierig essen' u. ä. Frischbier a. a. o. in md. gebieten begegnen auch formen wie wulachen, wulacken.
 
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würbel, m., s. wirbel.
 
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wurbs, m., mit verschiedenen lautvarianten, mhd. wurpôz, wurzelstock, wurzelwerk und -ballen von geschlagenen oder entwurzelten bäumen, auch von herausgerissenen pflanzen. sporadisch in älteren md. quellen und in einigen jüngeren, meist westnd. mundarten. zur herkunft s. T. Dahlberg mhd. wurpôz 'radix' (Göteborger germ. forsch. 1 [1955]), der von einem kompositum *huurbbōz 'umgewälzter baumstamm' ausgeht; doch ist die von ihm verworfene möglichkeit, dasz ein nd. *wurtbōt 'wurzelstock' zugrundeliegt, ungleich wahrscheinlicher. mhd. nur im passional:

des kindes (Jesus) gotlicher gewalt
worchte alda ein wunder groz
wande uz des boumes wurpoz
ein lustiges wazzer dranc passional 30, 69 Hahn;

do begunde vor in allen
der boum nidervallen,
daz man im sach den wurpoz passional 452, 45 Köpke; ebda 104, 50.

im älteren nhd. im ostmd. raum: da er (der teufel) ein crucifix am wege stehen sahe, feret er durch die dornhecken vom wege, vber stöck vnd stauden, vber wurpus vnd rannen (baumstümpfe) Mathesius historia vnsers lb. herren (1569) 1, 86b; vnd mit der zeit hab sich der mod von dem waldgrasz, pletern, rannen vnnd wurpissen drauff also vber einander gesamlet ders., Sarepta (1571) 99a; rothkhligen hecken unter den orbiszen oder grossen baumwurtzeln der umgeworffenen bume Lehmann hist. schauplatz (1699) 681; orps (sing.) ebda 398; orbsz (sing.) ebda 542. mundartlich wurbott Mensing schlesw.- holst. wb. 5, 743; worbâte, -bôte u. a. Schambach Göttingen 304a; worps, (ndlaus.) wurpst Müller-Fraureuth obersächs. 2, 679b; warbôt, n. Damköhler Nordharzer wb. 222a; weiteres bei Dahlberg a. a. o.

 

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