Wörterbuchnetz
Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
wirsig bis wirtbar (Bd. 30, Sp. 627 bis 648)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) wirsig, wirsich, adj., adv.; nur im älteren nhd. bezeugte bildung zu wirsch (s. unwirschig teil 11, 3, 2233), die sich formal mit wirs kreuzt, vgl. unwirsiger indignans (15. jh.) Diefenbach gloss. 294c; von tieren 'wütend, wild, toll': pring mir mein wirsiges rosz her (equum furibundum) gesta Romanorum 91 Keller; von menschen 'widerspenstig, zornig, unwillig': ich sitze am gefehrlichsten ort ..., bestellet über einen haufen böser bawern, welche ganz würsich und widerspenstig einer fremden herrschaft, so umb mich her sitzet, günstiger seyn Lorichius instr. u. bericht (1618) 124; jene die (züchtigung) macht einen schamroht, diese die (anklagung) macht einen zornig und würsicht (indignationem movet) Cunrad Dieterich buch d. weiszheit (1631) 1, 244.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
wirsing, m. , name einer aus Oberitalien stammenden kohlsorte mit einem lockeren kopf aus krausen grünen blättern (brassica oleracea var. Sabauda) und deren abarten, vgl. die synonymen welschkohl, Savoyerkohl u. s. w. bei Kretschmer wortgeogr. 579, Seiler lehnw. (1921) 2, 164; lehnwort aus lombard.-ital. verza (< verdza < virdia = lat. viridia 'grünzeug', s. Dietz etym. wb. [1887] 340, Meyer-Lübke etym. wb. [1935] 782b), ladin. versa Lardschneider-Ciampac grödn. ma. 2, 268, vgl. alpendeutsches berza, birza lauch Schmeller cimbr. 111a, auch ital. verzi köllkraut ital.-dtsch. voc. v. j. 1479 bei Kretschmer a. a. o. zusammenhang mit spätahd., mhd. wirz briseca (11. jh.) ahd. gloss. 3, 495, 8, wirz brasicia ebda 3, 295, 41 'bierwürze' (vgl. ztschr. f. dt. wortf. 6, 197) ist nicht möglich, dagegen ist schweizer. wirtz römisch köl Maaler (1561) 502b, Frisch (1741) 452c, mundartlich virz Bacher Lus. 418, werz, wirz Stalder schweiz. id. 2, 447 und Pritzel-Jessen 64 derselben ital. herkunft.
wirsing zeigt seit alters zahlreiche formvarianten, in denen vielfach das e der roman. vorstufe erhalten ist oder dialektisch

[Bd. 30, Sp. 628]


zu a geöffnet wurde; doch ist namentlich für md. maa. auch mit sekundärem übergang von i zu e zu rechnen. die wohl in analogie zu andern pflanzennamen wie etwa wegerich, hederich angefügte suffixsilbe ist seit dem 16. jh. -ich, mit dem 17. jh. tritt -ing (vgl. sellering u. a. Kluge etym. wb.11 694a), mit dem frühen 18. jh. -ig hinzu, die sämtlich in mundartlichen formen bewahrt erscheinen; doch deuten die familiennamen Wirsich (v. j. 1324) Fischer schwäb. 6, 1, 720, Wirschinc livländ. reimchron. 7024 Pfeiffer, Wirsing (v. j. 1457) archiv f. österr. gesch. 101, 261 vielleicht auf höheres alter des stammvokals i, der wie in pfirsich < pfersich sekundär entwickelt ist, und der verschiedenen suffixe; palatalisiert mit -sch- sonst erst im 17. jh. bezeugt und so mundartlich verbreitet.
1) wersich, warsich, wirsich, wersig, wirschig, werschig, vgl. wersichbletter Seutter roszartzney (1588) 324:

ein rebhuhn ist besser als wersich und kohl L. Tölpels ... baurenmoral (1752) 14;

kappus, warsich, köhl Böckler haus- und feldschule (1678) 112, vgl. weršiΧ Fischer schwäb. 6, 1, 720, wersich Höfer österr. 3, 303, wersich (Schlesien) Pritzel-Jessen 64, wirsich (Regensburg) Kretschmer a. a. o. 576, vgl. wirsichkohl (Berlin) ebda; wersig brassica crispa Stieler 2518, wersig Rumohr geist d. kochkunst (1822) 138; wirschig Loritza idiot. vienn. 144, wärschig Lentilius sauerbrunnen zu Göppingen (1725) 138, vgl. wèrsik, weršik Martin-Lienhart 2, 855b, werschick (Pfalz) Nieszen rhein. volksbotan. 165.
2) wirsching, wersching: wirsching brassica crispa Stieler 2518; wirsching und kohlrabi Göthe IV 25, 4 W.; vgl. wirsching Follmann lothr. 544b, wirsching (südl. Hessen) Pfister nachtr. 242, wirsching Müller-Fraureuth obersächs. 2, 671; wersching Niebergall dram. w. 278 (aus Darmstadt), vgl. wšin Meisinger Rappen. 227b, wersching Askenasy Frankf. 168, wersching Nieszen rhein. volksbotan. 165, wersching Hertel Thür. 259 u. s. w.
3) wersing: wersing Corvinus fons lat. (1671) 201; der krause köhl oder wersing, so man auch den römischen köhl nennet, giebt ein sehr gutes zwischengericht Böckler haus- u. feldschule (1683) 112; vgl. wersing Fischer schwäb. 6, 1, 720.
4) wirsing, die schriftsprachlich gewordene form, wird (auszer im oben angeführten eigennamen v. j. 1457) erst im späten 17. jh. greifbar, vgl. wirsing brassica apiana Stieler 1002, wirsing brassica crispa Aler dict. (1727) 2, 2200b: (der rezensent) erkläret ..., warum er sich ... vom wirsinge ... enthalten müsse allg. dtsche bibl. anh. 25-36 512; in kleine stücke geschnittenen wirsing H. Davidi kochbuch (1873) 51; vgl. wiəsẽn Fischer schwäb. 6, 1, 720, wirsing Loritza idiot. vienn. 144a, wirsing Dähnert pomm. 553b.
5) mundartliche kurzformen, die z. t. wohl die alte suffixlose gestalt fortführen, z. t. auch junge verstümmelungen darstellen: wirtz, wirz (s. oben), in zusammensetzungen wie wersekohl Frisch t.-lat. (1741) 531c, auch würsekohl ebda, wirschekohl 452c; wirsekohl Schrader dtsch.-franz. (1784) 1641c; wörschkohl Thaer grundzüge d. rat. landwirthsch. 4, 240; berschkohl Schmeller-Fr. 1, 280; pörschkohl Leipz. intelligenzblatt v. j. 1767, 358; börse- und Savoyerkohl Reichart gartenschatz (1768) 3, 164; wirschi' Schmeller-Fr. 2, 1003, wirschi Weber öcon. lex. (1838) 663; anders wîrjen lux. ma. 487b, vgl. wirgekohl Meyer d. richt. Berliner (1925) 194b.
das simplex gilt umgangssprachlich heute überwiegend im mittel- und süddeutschen, während im norddeutschen besonders die zusammensetzung wirsingkohl üblich ist, vgl. Kretschmer wortgeogr. 576. — übertragen scherzhaft für kopf; wirsching kopf Th. Imme soldatenspr. 102, vgl. dazu wirsingkopf groszer, hohler schädel: ich schlüge ihm seinen verdammten wirsingkopf in tausend granatstücke Fr. Chr. Laukhard leb. u. schicksale (1792) 2, 51. — wirsingblatt, n. : nimm ein büschel wersichbletter und lass die in einem hafen ... sieden M. Seutter roszartzney (1588) 324. — wirsingkohl, m. , vgl. wersigkohl verze,

[Bd. 30, Sp. 629]


cavoli verdi Kramer t.-ital. 1 (1700) 815b; mundartliche formen und verbreitung s. DWB wirsing 5: zu den erfindungen ... rechnet man die windmühlen ..., den wirsingkohl und die charlottenzwiebeln Becker weltgesch. 4, 159;

da ihr burschen, ihr langgeohrten,
kostet vom rehfleisch, dem geschmorten,
vom wirsingkohl, das wird euch schmecken
A. F. v. Schack ges. w. 8, 199.

in der redensart det is mir allens wirjekohl ist mir gleichgültig Trachsler Berl. wörter (1873) 64. — wirsingkraut, n. , vgl. werrsigkraut Kramer t.-ital. 2 (1702) 1335, wirsingkraut Aler dict. (1727) 2200b, Fischer schwäb. 6, 1, 720.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
wirsung, f., 'verletzung, verwundung, schürfung', aus wirsen gebildet: sunst alle schläg und würsungen auszerhalb den wunden heilet er (der bär) mit säugung seiner datzen Herold-Forer Gesners thierbuch (1563) 15b.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
wirt, m. herkunft.
gotisch und kontinentalwgerm. bezeugtes wort, got. wairdus, ahd., mhd. wirt, as. werd, mnd. werd, wert, mnl. weert, weerd, waert, waerd, nl. waard, afries. mit üblicher weiterbildung in der komposition huswerda; schwed. värd, dän. vert sind aus dem mnd. entlehnt, s. Hellquist 1170, Falk-Torp 1371. ohne sichere etymologie, doch ist zusammenhang, vielleicht sogar ursprüngliche identität, mit an. verþr (dat. sg. in alter zeit virþi, s. Noreen an. gr. I § 395 anm. 1) 'mahlzeit', norw. vord, schw. in nattvard, dän. nadver (Torp 873, Hellquist 513, Falk-Torp 753) wahrscheinlich, vgl. auch das ahd. denominativum wirtôn, glosse zu goumen, goumôn 'epulari' Graff 1, 933; mit verþr ist sicher verwandt das gleichbedeutende ürte (s. teil 11, 3, 2562), dagegen ist das von Kluge-Götze 692 herangezogene aind. kalyavarta 'frühstück' wohl anders zu beurteilen. germ. *werðuz liesze sich in seiner doppelbedeutung als 'wirt' und als 'mahlzeit' gut als tu-bildung, die seit alters sowohl für nomina agentis wie für nomina actionis bzw. acti gebräuchlich war, zur idg. wurzel er 'achtgeben auf, sorgen für' (Walde-Pokorny 1, 284 f.; oder 'ernähren' nach Rooth agerm. wortstudien 63 anm. 2 ?) verstehen; es stünde dann im ablaut mit an. vǫrþr, ags. weard, as. ward, ahd. wart 'wächter'. — abzulehnen ist Kluge-Götzes zusammenstellung mit lit. vìrti 'kochen' u. s. w., da dessen grundbedeutung vielmehr 'wallen, sprudeln, wirbeln' ist, s. Walde-Pokorny 1, 269; Trautmann balt. wb. 361. form.
das niederalem. und bair. bereits im 14./15. jh. mit gerundetem vokal auftretende wort wird im 15. und 16. jh. im ganzen obd. häufig würt, selten wurt geschrieben, vgl. wüerth (1469) österr. weist. 8, 98; mein wúrte erste dtsche bibel 2, 59 lit. ver., würdt (1477) weisth. 2, 284, würt Schaidenreiszer Odyssea (1537) 31b, würth M. Mangold marckschiff (1596) a 4, wurt städtechron. 8, 452, weisth. 5, 566; im 17./18. jh. begegnet die schreibung mit ü selten noch im österr., vgl. würt (1674) österr. weist. 9, 268, schiltwürt (1791) 8, 548; md. wert wird bereits im älteren nhd. durch schriftsprachliches wirt verdrängt.
schwach flektierte formen (vorab im plural) sind hier und da in den maa. der randgebiete heimisch geworden, aber nur ganz vereinzelt ins schriftdeutsche eingedrungen, vgl. tswî wîrtn Kisch Nösner wörter 174; beispiele aus Tiroler maa. bei Sanders erg.-wb. 643; nom. pl. wirten Bacher Lusern 230; s. schweizer. kompositionen wie wirtenbesatzung (s. dort), wirtenrecht (s. dort), schlesw.-holst. wirtenknecht (s. dort); vgl. noch den hinweis auf einen acc. sing. den schenkwirthen bei Gaudy in H. Paul dtsche gr. 2, 48. bedeutung und gebrauch.
die bedeutungen und gebrauchsweisen lassen den ausgangspunkt der bedeutungsentwicklung verhältnismäszig deutlich erkennen; das nebeneinander von got. wairdus 'gastfreund', ahd. wirt 'gastfreund, gastwirt, ehemann', as. werd 'gastgeber, ehemann' und ahd. wirtscaft, mhd.

[Bd. 30, Sp. 630]


wirtschaft 'bewirtung, gastmahl', as. werdskepi 'bewirtung, gastmahl', dazu ahd. wirtôn, wirtscaften 'schmausen' erfährt eine bestimmte beleuchtung durch schlüsse, die die weitere entwicklung des wortes erlaubt; als kernelement in wirt ist der tätigkeitsbegriff für die bedeutungsentfaltung ausschlaggebend gewesen (vgl. auch die erneuerung von wirt 'pfleger' im nhd. unter III B, sowie die von wirtschaft 'verwaltung des hauswesens'), der in verschiedene terminologische bezeichnungen einmündet, vgl. die entsprechende entwicklung bei wirtschaft 'bewirtung' > wirtschaft 'mahl', wirtschaft 'tätigkeit, gewerbe des gastwirts' > wirtschaft 'gastwirtschaft, haus des gastwirts', wirtschaft 'verwaltung des hauses' > wirtschaft 'hauswesen', insbes. 'landwirtschaftlicher betrieb' u. s. w.; dadurch wird in übereinstimmung mit der wahrscheinlichen etymologie als ausgangspunkt für die verschiedenen entwicklungslinien (wie schon von Steinbach dtsch. wb. (1734) 2, 999 und Adelung 4, 640 gefühlt) die grundbedeutung 'pfleger' sichtbar, sodasz 'bewirtender, gastgeber' bereits einen spezialfall darstellt, wenngleich den wohl ältesten und wichtigsten, vgl. an. verþr 'mahl' und die abzweigungen wie ahd. wirtôn 'schmausen, speisen', wirtschaft 'mahl', mhd. wirten 'bewirten', s. mhd. wb. 3, 751a, Lexer 3, 934. die grundbedeutung 'pfleger' verbindet sich früh mit bestimmten sachbezügen.
I. gastfreund, gastwirt.
A. zufrühest als 'gastgeber, aktiver gastfreund' bezeugt; so ausdruck des entwickelten bewusztseins der sittlichen bindung des besitzenden und starken an den bedürftigen und schwachen, daher von den frühesten zeugnissen an in begriffskorrelation zu gast (vgl. teil 4, 1, sp. 1462).
1) als übersetzung von gr. ξένος und lat. hospes im got., in ahd. und as. glossen: goleiþ izwis Gaïus wairdus meins jah allaizos aikklesjons got. bibel Röm. 16, 23; wird, wirt ahd. gll. 1, 712, ferner 2, 37. 43. 424. 712; werd Gallée vorstudien 375, Wadstein kl. as. sprachdenkm. 113; in freierem gebrauch:

ioh thankont es mit worteKriste themo wirte
Otfrid II 10, 18;

sagda im mid wordun,
that thea werdôs thô mêrwînes ne habdun,
thêm gestiun te gômu Heliand 2020 Heyne;

mhd. in enger sinnverknüpfung mit 'hausherr' (vgl. III A 3), gleichwohl aber noch deutlich mit dem ursprünglichen und daher häufig auch hier ausschlaggebenden bedeutungswert verbunden, s. auch DWB wirtlich 1:

si (die brüder Josephs) teilten daz brot,
alsô der wirt gebot Milst. genesis 95, 5 Diemer;

wan swa ain gast wre, dem tti bas ain vrlich antlut von dem wirt dann dú best traht die er ime mhte geben mit unwirdischem hertzen st. Georgener prediger 19, 22 Rieder;

der wirt gên sînen gestenvil frœlîchen reit Nibel. 243, 3;

got geb dem wirt sinen segen,
der sinen gesten spat oder früg
so riche handlung tüg Göttweiger Trojanerkrieg 698 Koppitz;

ein frôlich wirt den gesten gar landgr. Ludwigs kreuzfahrt 1085 Naumann.

im nhd. zieht dann der gewerbliche wirt, der gast- und schenkwirt, den gebrauch des wortes so stark an sich, dasz wirt im allgemeinen sinne den anflug des ungewöhnlichen und feierlichen bekommt; die frühnhd. glossare und wbb. umgreifen mit hospes des öfteren beide bedeutungen, vgl. wirt hospes gemma gemm. (1508) l 8b, wirt hospes activus sed passivus vulgariter gast voc. primo ponens dictiones theuton. (1515) k 4; wirt, der die gastung haltet convivator, caupo, vinarius, hospes, oenopola, stabularius Maaler (1561) 502b, vgl. noch Schottel 1444, Dentzler 354a; deutlicher umschrieben: wirt, der einen nur aus freundschafft beherberget hospes (act.) Zehner nomencl. 411; wirth, bey dem man einkehrt hospes, der einen ums geld bewirthet caupo Frisch 2 (1741) 453a; in fast allen maa.

[Bd. 30, Sp. 631]


noch in dieser bedeutung verwendet; für das mnd. vgl. Schiller-Lübben 5, 688b.
a) allgemein; am eindeutigsten in fällen, wo durch ein pron. poss. oder subst. die beziehung auf den gast hergestellt wird, und bei direkter gegenüberstellung von wirt und gast, vgl. das völlig andersartige verhältnis von wirt und gast in III A 3 b:

des möht ein ieglich man von sînem wirte wol enbern
Walther 29, 29;

(der fremde) von seinem wirt der stet gewonheit ... unterricht warde Arigo decam. 78 Keller; sage danck disem unserm wirte N. v. Wyle translationen 115 Keller; Vasads ... seinen wirt ... für den prinzen Drusus erkennte A. U. v. Braunschweig Octavia (1677) 1, 32;

deszhalb bin nun dein wirth zu Argos ich
Bürger w. 1, 172 Bohtz;

jetzt führt mich zu meinem wirth, wir lieben ihn höchlich H. L. Wagner theaterstücke (1779) 32; so können wir doch nicht undankbar gegen unser schicksal und unsern wirth genannt werden Göthe 18, 382 W.; sein wirth ... würde sich ein vergnügen daraus machen, mich ebenfalls bei sich zu haben A. Ruge briefw. u. tageb. (1886) 2, 46;

ein wirt bî sînen gestenschôner nie gesaz Nibel. 1755, 1;

er ist ein spieler, ein guter wirth, wenn er gäste hat Gottsched dtsche schaubühne (1741) 3, 109; der wirth sah in dem feindlichen officier nur seinen gast F. Th. v. Schubert verm. schr. (1823) 2, 280; in paarung:

der an der taffel fiel und in dem mordpalast
mit umgesprütztem blut befleckte wirt und gast
A. Gryphius trauersp. 203 Palm;

also vergaszen wirth und gäste nichts, ihre angenommene person meisterlich zu spielen Lohenstein Arminius (1689) 1, 839b; aus der geborgenheit ... sahen jetzt wirth und gäste in den wirbeltanz hinaus Fontane ges. rom. u. nov. (1890) 7, 11; im plural namentlich, wenn die familie des gastgebers gemeint ist, insbes. das ehepaar, vgl. Heliand 2020 Heyne (s. oben):

in groszer freud Apollo sasz,
mit seinen würten (zwei brüdern) tranck und asz
C. Scheit d. frölich heimfart 40 Str.;

und da nun Marcus nach genossnem mahle
dem herrn und seinen wirthen sich geneigt
Göthe 16, 180 W.;

die wirte suchten ihren gast zu ehren
mit derber kost
Lenau w. 141 Barthel.


b) durch verschiedene tätigkeiten und verhaltungsweisen bezeugt sich der wirt dem gaste als sein pfleger.
α) zunächst insofern, als er ihn bewirtet, d. h. mit speise und trank versorgt, vgl. bewirten teil 1, sp. 1786, wirten 2, wirtschaft 'bewirtung'; wirt convivator Calepinus XI ling. (1598) 333a, Henisch (1616) 1367:

als iz der wirt vermohte dô,
er wirte sie frôlich gemût landgr. Ludwigs kreuzfahrt 674 Naumann;

sú assend und warent fro,
die geste mit dem wirte do
schweizer Wernher Marienleben 4454 Päpke;

so hats (das essen) der wirt drumb dar gestelt,
dasz jeder esz, was im gefelt,
nicht dasz mans wider trag darvon
K. Scheit Grobianus 3636 ndr.;

ein gast ... speiset mit diesem tractament seinen wihrt ... eben so ... als er ... gespeiset zu werden wünschet Butschky Pathmos (1677) 684; im bilde:

erst habt ihr die groszen beschmauszt, nun wollt ihr sie stürzen;
hat man schmarotzer doch nie dankbar dem wirthe gesehn
Schiller 11, 126 G.;

das unentgeltliche solcher leistung liegt hier im begriff:

fürs gelte dörfft ihr sorgen nit,
ich will ewr würth auff diszmal sein
M. Mangold marckschiff (1596) a 4.

[Bd. 30, Sp. 632]



β) insofern als er den gast beherbergt; bildlich:

der wirdt solt haben keine rast,
denn du bist ja der höchste gast,
er solt dir reumen stube und saal
mit seinen gesten allzumal
V. Triller schles. singebüchlein (1555) f 4b;

das leibliche auffenthelt das ewige, zu gleicherweisz ein wirt ein gast aufferhelt Paracelsus op. (1616) 2, 68 Huser; der wirt, dem die königin diesen zahlreichen besuch zugedacht hatte, war Francis Egerton Moltke ges. schr. (1892) 4, 323; als beherberger von soldaten 'quartierwirt': es soll auch alles kriegszvolck in dem losement, wo sie ligen, mit einander zu frieden seyn, ... und die wirt, darbey sie zu herberg sind, desz feuwers in gemein behelffen und gebrauchen L. Fronsperger kriegsbuch (1573) 1, 40a; in den winterquartieren müssen sie vor ihr eigen geld zehren und dürfen den wirth weder mit abforderung der services noch sonsten beschwerlich seyn v. Fleming soldat (1726) 205; (eine) truppe ..., welche ihre rheginischen wirte ... niedergemacht hatte Mommsen röm. gesch. (1854) 1, 368.
c) immer wird das verhältnis zum gast als ein freundschaftsverhältnis aufgefaszt und daher positiv gewertet: nu stnde aim wirt harte úbel, so er ainen lieben gast geladet in sin hus, daz er denne us dem hus giengi und den gast ainig in dem hus liessi st. Georgener prediger 85 Rieder;

von dir hofft ich vertrauen, das der wirth
für seine treue wohl erwarten darf
Göthe 10, 14 W.;

in parallele mit freund: das er mein würt und freünd ist Schaidenreisser Odyssea (1537) 31b;

dasz ich dein wirdt und freund will sein
Spreng Ilias (1610) 76b;

geht man so mit freunden um? der gast mit dem wirth? maler Müller w. (1811) 3, 199; daher in der regel mit positiv qualifizierendem adjektiv, das meist allgemein die zum wesen des wirtes gehörigen eigenschaften und charakterwerte umschreibt:

der wirt milte und tugendsam Göttweiger Trojanerkrieg 12821 Koppitz;

ein riche wirt de sizt dar uver d. himml. gastmahl 3 Wüst;

mein gott, mein reicher wirth
B. Schmolcke s. trost- u. geistr. ged. (1740) 1, 146.

häufig und allgemein: guter wirt Hartmann v. Aue Iwein 3654, Ottokar v. Steiermark österr. reimchronik 43965 Seem., Gottsched dtsche schaubühne (1741) 3, 109; getreuer wirt Fischer-Tümpel kirchenlied 1, 4, v. Haller Alfred (1773) 25; der freundliche wirth Göthe 33, 175 W., Arndt s. w. 1, 118; gefälliger wirth Göthe IV, 12, 288 W.; den freigebigen wirth Ritter erdkde (1822) 1, 969; höflicher wirt H. v. Kahlenberg familie Barchwitz (1902) 22; unserm gütigen wirthe G. Forster s. schr. (1843) 1, 37; unser liebenswürdiger wirth G. Hauptmann d. weber (1892) 74; den respektvollen abstand des gastes zum wirte unterstreichend und so wirt der bed. 'herr' (III A 1) nähernd: sein hoher wirth Blumauer ged. (1782) 118; mein edler wirth Fouqué zauberring (1812) 1, 23; selten mit negativer aussage: bey einem untrewen wirt F. Dedekind d. christl. ritter (1590) a 8b; dem gaste eines geizigen wirtes Cl. Brentano Godwi (1801) 1, 24; ein schlimmer wirth ist ein guter gast Wander sprichw. 5, 280, vgl. Henisch (1616) 1367.
2) bildlich und übertragen.
a) mannigfach aus den verschiedenen funktionen des wirtes hergeleitet:

lasz sie (die welt) auff die taffel setzen,
was lufft, erd und wasser giebt:
unser wirth (gott) helt andre weisen,
seine gäste zu bespeisen
Fischer-Tümpel kirchenlied 3, 141;

der teuffel aber ist der wirt in dieser herbergung der frommen theatr. diabolorum (1569) 156b; die seele ... von ihrem wirt dem leibe darzu verreitzet, nach dem schatten

[Bd. 30, Sp. 633]


einer ... irdischen wollust greiffet S. v. Birken ostländ. lorbeerhayn (1657) 14;

soll gott, der diesen leib, der maden speis und wirth,
so väterlich versorgt ...,
soll gott den menschen selbst, die seele nicht mehr schätzen
Haller ged. (1882) 141;

der friedhof ist ein reicher wirth,
dem mancher gast die tafel ziert
Binder sprichw. 58.


b) als biologischer terminus für symbiose gewährende pflanzen oder tiere: die beziehungen zwischen dort (im verdauungstraktus) vegetierenden mikroorganismen und dem wirt (sind) ... lockere W. Rosenthal tierische immunität 180; die von den schmarotzern angefallenen und ausgesaugten pflanzen und tiere nennt man wirte Kerner v. Marilaun pflanzenleben 12 (1896) 149; schlieszlich kann es dahin kommen, ... dasz der wirt zu grunde geht 151; weitere beispiele s. bei Sanders erg.-wb. 643.
3) an verbalen wendungen ist als feste formel seit der mitte des 18. jhs. gebräuchlich den wirt machen, seltener auch abgeben, spielen, d. h. (entsprechend 1 b α) den bewirtenden spender von speise und trank oder den geber des festes darstellen; oft nur von der vorstellung der entsprechenden gebärden aus betrachtet, vgl. einen wirth abgeben far l'hoste Rädlein europ. sprachschatz (1711) 1, 1066: erlauben sie, dasz ich den wirt mache (indem er einschenkt) Kretschmann s. w. (1784) 3, 2, 30; (Felix) machte ... als gast den wirth, spendete reichliche früchte an seine gespielen Göthe 24, 14 W.; der prinz von Preuszen selbst lacht und scherzt und macht bei seinen festen den wirth als wäre der himmel ganz heiter Varnhagen v. Ense tagebücher (1861) 3, 31.
4) in sprichwörtern:

ein ungedultiger gast
ist einem wirte ein müelich last
Freidank 131, 5 Gr.;

es ist kein volck, das weniger gäst hat dann wirt oder gastgeben sprichw. (1548) 162a; ainem weysen geschickten gast soll man dancken und ehren, nit den wirt, der in geladen hat G. Mayr sprüchw. (1567) c 4b; ein frölicher wirt macht fröliche gäst Lehman floril. polit. (1662) 1, 257; gern gast, selten wirt Petri d. Teutschen weiszh. (1604) 2, F f 2b; ein guter wirth lobt sich nicht selbst Wander 5, 280; den wirth kennt man mittags, den gast am morgen 5, 278; wann der wirth ist selber ein dieb, so würdt der gast ubel behüt Zinkgref bei Wander 5, 283.
B. 'gastwirt', in kulturell gewandelten verhältnissen spezialisiert aus wirt 'gastgeber' als berufsbezeichnung für den inhaber einer herberge, eines gasthofes oder auch nur einer schenkwirtschaft, einer kneipe, eines speisehauses; allmählich alle anderen bedeutungen zurückdrängend und im nhd. zur schriftsprachlichen hauptbedeutung erhoben. für das ahd. durch das compositum stalwirt bezeugt: anderes tages brahta (der Samariter) zwene phendinga, gab demo stalwirte (stabulario) inti quad Tatian 128, 9; in sines stalwirtes hus ebda.
seit dem mhd. für den besitzer oder inhaber einer herberge wie auch für den gewerbsmäszigen verkäufer von speisen und getränken, in dessen haus oder stube man einkehrt, vgl. ein wirt, der sein sach umb vail phenning geit (v. j. 1343) bei Schmeller-Fr. 2, 1010; als allgemeiner begriff sich den spezielleren mhd. ausdrücken herberger und gastgebe, lîtgebe, schenke, taverner u. s. w. überordnend und sie verdrängend; auch nhd. bei allen formen des gewerbes angewendet, aber in den zusammensetzungen DWB gastwirt, DWB schenkwirt, DWB speisewirt neu differenziert.
in den obd. und md. maa., am vollständigsten im schwäb. und elsäss., erscheinen alle anderen bedeutungen durch wirt 'gastwirt' verdrängt, vgl. Hunziker Aargau 298, Seiler Basel 316, Fischer schwäb. 6, 1, 876, Martin-Lienhart elsäss. 2, 859; Follmann lothr. 544b, Bacher Lusern 230; im älteren bair. daneben gebräuchlich taverner und leutgeb, vgl. Schmeller-Fr. 2, 1010 und teil 6, 737, in teilen des ostmd. auch noch kretschmer, vgl. teil 5, 2174; die md. idiotiken verzeichnen für wirt nur die

[Bd. 30, Sp. 634]


bedeutung 'gastwirt'; im mnd. noch nicht vorhanden, s. Schiller-Lübben 5, 688b, dringt wirt als wert seit dem 16. jh. in das nd. sprachgebiet ein und stellt sich neben krüger, vgl. DWB des gink de richter mit synen knechten na anwisinghe des papen, dar de krogher wonede. also se an dat hus treden, do vant de pelegryme des werdes sone städtechron. 28, 224 (Lübeck), ebenso 30, 93; boven en jar ne mach en wert nicht sweren G. Oelrich samml. d. gesetzbücher Bremens (1771) bei Graf-Dietherr (1864) 266; krüger wird in neuerer zeit auf die nördlichsten nd. gebiete beschränkt, ohne in den übrigen völlig abzusterben, vgl. wirt 'gastwirt', dafür meist kröger Mensing schlesw.-holst. 5, 597, ebenso Doornkaat-Koolman ostfries. 3, 539a; sonst gilt im heutigen nd. überwiegend wirt, vgl. z. b. Schambach Gött. 295a, Danneil altmärk. 243b, Frischbier preusz. wb. 2, 474; auch nordfries., vgl. Schmidt-Petersen 162b.
1) allgemein, ohne genauere abgrenzung des besonderen gewerbezweiges.
a) mhd. und nhd. verbreitet:

frô welt, ir sult dem wirte sagen,
daz ich im gar vergolten habe
Walther 100, 24;

Allesander in (den abt) pey einem schlechten wirt ... macht absiczen Arigo decam. 68 Keller; hieneben beschirme mich auch inn allen herbergen und wirtshäusern für ... schalckhafftigen wirthen Ringwaldt handbüchlin (1586) a 4b; Springinsfeld ... gibt einen wirth ab, welches handwerch er misbraucht Grimmelshausen 2, 8 Keller; herrlich quartier, freundliche wirthe, gute gesellschaft, hübsche mädchen Göthe IV 36, 111 W.; Manz aber wuszte nichts anders anzufangen, als auf den rath seiner Seldwyler gönner in die stadt zu ziehen und da sich als wirt aufzumachen G. Keller ges. w. 4, 94; mit näherer bestimmung, die aus der lage oder dem namen des wirtshauses gewonnen wird:

war ich zem guldîn stern
bî mînem getriuwen wirt
meister Altswert 247, 35 Keller;

(wir) laden die 4 von Kuefstein burgermaister und rath obermelte obrigkait zum abgieszen des pfundtner ... hinauf zum obern wiert, das aber nur durch ain drunk beschicht österr. weist. (v. j. 1555) 2, 58; das aszen wir ze morgen bey dem würth zum hirsch Götz v. Berlichingen lebensbeschr. 6 Bieling;

es kennt die ganze welt den wirth zum schwarzen bären
Göthe 9, 43 W.;

das kann der wirth im blauen himmel bezeugen Alexis bürgerpflicht (1852) 1, 11; seiner angesehenen sozialen stellung entsprechend meist mit herr wirt angeredet:

er (der herzog) sprach: her wirt, gewinnet mir
einen weisen ockerlier (schiffer)
Joh. v. Würzburg Wilh. v. Österreich 278 Regel;

was gilt des staubs ain üren?
her wirt, nu halt es mit!
Oswald v. Wolkenstein 42, 21 Schatz;

herr wirth, die rechenschaft uns macht! Thym Thedel von Wallmoden 1062 ndr.;

herr wirth, gebt ihr
die freyheit mir,
mich lustig zu erzeigen Königsberger dichterkreis 30 ndr.;

wir trabten froh dem dorfe zu und flink an die schenke. herr wirt! raus da! Bahrdt gesch. s. lebens (1790) 1, 166; bei vertraulicher anrede auch absolut:

wirt, du solt uns vische geben! minnesinger 2, 105a v. d. Hagen;

ein landsknecht sprach zum wirrd: verste,
wirrd, bald hindter den ofen geh!
H. Sachs 5, 124 K.;

hoscho, glück zu, mein lieber wirt
B. Krüger v. d. bäur. richtern 24 ndr.;

als mann öffentlichen vertrauens in älterer zeit zum bewahrer von fremdem eigentum, pfändern u. s. w. gemacht: da kam für in ein koufman und klagete ime, wie er eime richen kantberen wurte z Nürenberg hette 200 marg

[Bd. 30, Sp. 635]


silbers geben z gehaltende städtechron. 8, 452; so ain pfleger oder richter das pfand nit selbs am thurn bis zu austragender sach halten wolte, so mag ers ainem wirt zuestellen österr. weist. 5, 656; so sich aber einicher eines redlichen pfands wider diesen dorfbuch wiedern wolt, so mag er das vieh bei einem wirt einstellen (v. j. 1607) 4, 261; was man ouch herin pfendet oder was pfand herin komet, die sol man an einen offenn wirt stellen württemb. geschichtsquellen 18, 158; so mag man darnach nach vierzehen tagen wol darumb pfenden und an ain wirt tragen österr. weist. 5, 400; auch wer da pfendet enhalb des Finsterpachs, da soll man dieselbigen pfant zu Lengenstain an ain gemain wiert legen 5, 224 (s. unten c); so soll es (das gepfändete vieh) dan der probst an den wiert treiben (14. jh.) 2, 94.
b) terminologisch als zur öffentlichen ausübung seines gewerbes privilegiert in älterer rechtssprache offener, öffentlicher, offenbarer wirt genannt: waz ouch frebele beschehent in offener wirte hüeser und hobe, als von reuefene, slahene und dotslegen (v. j. 1353) weisth. 5, 651; wer es das ein offen wirt zu Birkenfeld wer, der wein schenkte, so sollin die hern mit irem wein beiten 14 tage 6, 47; ein itlicher offner wirt oder wirtin oder der do wein verkauft österr. weist. 5, 298; alle burger (sollen sich) solches weinholens ab den dörfern enthalten und weder wein noch bier von andern orten nit dann von den offnen wirtten allhie holen städtechron. 33, 158; wan das gericht gehalten ist, so sol er das gericht in eins offentlichen wurts haus führen weisth. 5, 566; ainen offenlichen wiert (v. j. 1568) österr. weist. 4, 121, vgl. noch ein offentlicher wirt oder gastgeber caupo, tabernarius Zehner nomencl. (1645) 412; were ein scheffen ein offenbar wyrdt, so ensall syn husz nyt vorter fry syn, dan allein syn slayffkamer (v. j. 1477) weisth. 2, 244; gegenüber dem nur zeitweise zum weinausschank berechtigten heckenwirt (vgl. auch besenwirtschaft) wird der gewerbsmäszige wirt in älterer sprache auch als stäter wirth (oder schildwirt s. dort) bezeichnet, vgl. Würzburger verordn. bei Schmeller-Fr. 2, 1010.
c) gemeiner wirt als ein von der dorfgemeinde auf bestimmte zeit gewählter amtsträger, der auftragsweise den ausschank besorgt, lebensmittel feilhält und menschen und vieh gegen entgelt aufnimmt, ohne doch gewerbsmäsziger gastwirt zu sein, besehränkt sich auf das ältere bair.-österr., vgl. österr. weist. 4, 51: auf denselbigen tag setzt man dorfmaister, saltner und ainen gemainen würt 4, 79; sollen sie (die dorfmeister) alsobalten von stunt an gebürliche pfant mit inen nemben und solches pfant bei den gemainen wirt verzören, darumben der gemain nicht zu verraiten schuldig (v. j. 1568) 4, 127, vgl. auch 5, 446 (v. j. 1474); zudem sol auch ieder gmain wiert die gmain durch das ganze jar mit wein und andern victualien der gebür- und billichait gemäsz fürsehen (v. j. 1647) 4, 91; andere gleichsinnige attribute bleiben vereinzelter: es soll alle der gemain sach oder handlung ir zerung bei der gemain verordenten wiert vergunt und daselbs ausztragen werden (v. j. 1568) 4, 122; wann wir kain gesetzten wirt nit haben (v. j. 1586) 3, 312; niemand soll eine würtschaft treiben, auszkochen oder auszschenken auszer den berechtigten würthen (17. jh.) 2, 46; im gegensatz dazu heiszt der gewerbsmäszige wirt der stadt bürgerlicher, ordentlicher wirt: (er soll) obacht halten, ob denen in Gröbming sich befindenden burgerlichen würten, so frembden herrschaften unterworffen, keine hof- oder bannwein eingelegt oder zuegemuetet werden (17. jh.) 10, 82; es solle auch allen wüerten, gastgeben, möth-, pier-, prantweinschenken und lädlern so proth fail haben, auch göst oder andere leut uber nacht behausen und anhörbergen, oder etwo bei den ordenlichen wierten einzukhern und zeren übl stathaft und nit vermögen, bei ernstlicher straff angezaigt und gebotten sein (16./17. jh.) 6, 489.
d) in besonderen verbalen verbindungen.
α) an wendungen mit dem sinne 'bei einem wirte einkehren' finden sich in älterer sprache: so sullen si an ainem wirt zichen und da ezzen und trinckhen ir notdurft (v. j,

[Bd. 30, Sp. 636]


1380) österr. weist. 5, 28; danne ein sogetan botte sol einfalticlichen an den wurten zeren und daz mit baren pfennigen bezalen (v. j. 1405) bei Eheberg verfassungsgesch. d. stadt Straszburg 1, 19; es sol och niemant dem andern in kain hus mer schenken, wol mag man im an offnen wirten schenken württemb. geschichtsquellen 18, 156; die dorfmair (sollen) die hirten alsbald zu einem wirth stellen, dasz man ihnen kost gebe (v. j. 1614) österr. weist. 4, 193; der dienstmann, der da klagt hat, (mag) zu ainem wirt gehen und so bei ihm zöhrn (v. j. 1711) 5, 612;

und wölln uns heut zusammen setzen
zum wirdt, uns alls unmuts ergetzen
beym wein
Hans Sachs 17. 51 K.-G.;

bey einem wirt oder in ein wirtshausz eynkeeren ad hospitem divertere Frisius dict. (1556) 434b; von den zweyen freunden ... zog einer ein beym garkoch oder dem weinschenck, der ander beym gasthalter oder wirt Nigrinus von zäuberern (1592) 205.
β) ausdrücke mit der bedeutung 'die zeche bezahlen', vgl. Walther 100, 24 (s. oben 1 a): wer ainem wirt sein ürten austrüeg an sein urlaub und willen und chumpt des anderen tags und zallt den wirt vor vesperzeit, so ist er nichts phlichtig (15. jh.) österr. weist. 9, 302; abt Ulrich ... war so lang bim kunig, bisz er vertat was er hat, dasz im zerung gebrast zu Losanna den wirt zu bezalen Aeg. Tschudi chron. helvet. (1734) 1, 180; bildlich als redensart:

(wenn) daz herhorn geblâsen wirt,
sô bezale wir den wirt livländ. reimchron. 4286 Meyer;

alles das Luther fürwendet, sei des grosen kostens und der müe nit würdig ein concilium z begeren, man wisz dan vorhin, wer den wirt bezale Murner an den adel 35 ndr.; Freron soll nicht auf die galeeren verdammt werden, ob er gleich ... in der hoffnung gelogen hat, seinen wirth zu bezahlen Gerstenberg recensionen 67 lit.-denkm.
γ) die rechnung oder die zeche ohne den wirt machen und sinngleiche redensarten sind seit dem 16. jh. bezeugt, vgl. ich mach die rechnung on den wirt Frisius dict. (1556) 395a, die zech vor der yrthen machen oder on den wirt rechnen Seb. Franck sprüchw. (1545) 1, 3b; er machte sich die rechnung ohne den wirth Steinbach (1734) 999; der sinn der verbreiteten redensart ist zumeist 'in plänen, berechnungen den eigentlich bestimmenden faktor nicht berücksichtigen und sich daher täuschen':

aber sie thetend machen
d ürten hinder em wirt Schweizer volkslieder 1, 53 Tobler;

also sol man den gesten rechnen, weliche die ürtin vor dem wirt machen Wickram w. 2, 422 lit. ver.;

sich riemen, loben bey den yrten,
die zech selb machen vor den wirtten
Murner d. mülle 40 Albrecht;

aber es war ohne den wirth abgerechnet Z. Theobald Hussitenkrieg (1609) 89; ich hatte mich in dem sehr betrogen, die irten gemacht ohn den wirth Moscherosch gesichte 2 (1650) 193; machten aber die rechnung ohne den wirt, denne sie ... unvermuthlich das gelach teuer genug bezahlen müssen v. Chemnitz schwed. krieg 2 (1653) 218;

schmach suchet rach; und ohn den wirth
wer rechnet, oft betrogen wirt
Weckherlin ged. 2, 219 Fischer;

ich einfältiger tölpel ... machte aufs neue die rechnung hinterm wirt U. Bräker s. schr. (1789) 1, 43; vielleicht ist dies alles rechnung ohne den wirth, vielleicht entschlieszt sich s. majestät niemals dazu, mich zu ernennen Bismarck ged. u. erinn. 1, 288 volksausg.; auch ohne artikel:

erwägt doch, dasz bei solchen dingen
die rechnung ohne wirth gemacht!
Triller poet. betracht. (1750) 1, 729;

die rechnung war ganz ohne wirt gemacht Arnim werke 18, 5.

hast ganz die rechnung ohne wirth gezogen
und sitzest auf der lahmen bank
Seume ged. (1804) 33;

doch mach ich noch die rechnung ohne wirth.
noch athmet Clarence, Eduard herrscht und thront Shakespeare 9, 15;

[Bd. 30, Sp. 637]


unhäufig in den verwandten sinn gewendet 'etwas voreilig tun': on den wirt rechnen (zu encomia canere ante victoriam) sprichwörter (1548) 136a; wer ohne den wirth rechnet, der musz zweymal rechnen Lehman floril. polit. (1662) 1, 441, vgl. ähnlich Dähnert plattdtsch. 546a; vereinzelt positiv: wer mit dem wirth gerechnet hat, der kann wohl schlafen Wander 5, 283, d. h. 'wer seine sachen in gute ordnung gebracht hat, kann ruhig leben und sterben'.
e) der öffentlichen stellung und geltung des wirtes entsprechend überaus häufig in sprichwörtern und sprichwörtlichen redensarten, vgl. die sammlungen von Simrock d. dtsch. sprichw. (1881) und Wander sprichw.-lex. (1867 ff.); einige beispiele: es ist kein wirt so arm, er kan einem gast ein mahlzeit brot borgen sprichwörter (1548) 81a; hüt dich vor lachenden wirten und vor weynenden pfaffen 76b; wie der wirt ist, also schenckt im got geste S. Franck sprüchw. (1541) 2, 60b; der wirth ist der beste, der voller ist als die gäste Simrock sprichw. nr. 11676; was der wirt schencket, henckt er am schilt aus sprichw. (1548) 23a; es steckt kein wirt ein reys aus von eines gasts wegen 143b; das geld im beutel dutzet den wirth Pistorius thes. paroem. (1715) 693; wirthe und huren bezahlt man vor dem zapfen Binder sprichw. 214; beim wirth musz man das lachen sowol bezahlen als die kost Lehman floril. polit. (1662) 933; wo der wirth vor der thüre steht, sind nicht viele gäste Binder sprichw. 214; es ist kein wirt, er schiert Petri d. Teutschen weiszheit (1604) 2, b b 3a; ein baum ohn este, ein wirt ohn geste 2, s 7b;

die stube kalt, das bier warm,
das ist ein wirt, das gott erbarm 2, r 3b;

(unter dingen, die nicht anzutreffen sind) wirtt, die nicht wasser under den wein schütten Fischart praktik 9 ndr.
2) in älterer sprache gilt wirt je nach dem vorwiegen einer seiner gewerblichen tätigkeiten auch in engeren bedeutungen.
a) als 'beherberger von gästen, herbergswirt', vgl. DWB gasthalter; seit dem 17. jh. daneben gastwirt (vgl. teil 4, 1, 1487), der neben der beherbergung auch die verpflegung einkehrender gäste betreibt:

mein wirt, der was beschaiden zwar,
er schied das gold von leder,
das nam ich an der petstat war,
zwelf pfennig gulten ain veder
Oswald v. Wolkenstein 60, 52 Schatz;

(er ritt) hin ze Ach für das bürgtor,
da vant er einen wirt vor,
der herbergt im als im gezam
Jansen Enikel weltchron. 25960 Strauch;

welch gast von einem wirt hinz dem andern wil varn, den sol der ander nicht ein nemen stadtrecht v. München 110 Auer; es soll hinfüro niemand kain wirdt oder gastgeb haiszen, sein, noch offne gastung halten, er seie dann mit stallung und pethegewandt versechen städtechron. 33, 51; es sol kein underthan niemands frembds, auszerhalb der wirt, uber nacht herbergen J. Brenz prediger Salomo (1528) 99b; meinet ir, dasz in solcher sauberer herberg könn ein wüster würt ... hausen? Fischart Gargantua 113 ndr.; des wirdts tochter, bey dem ich daselbsten zur herberg gelegen, war ein schen frawenbild Josua Ulsheimer rayszbuoch (1622) 103; in einer unansehnlichen herberg find man offt einen verständigen guten wirth Lehman floril. polit. (1662) 1, 36; als der freundliche wirth ihn ... in ein geräumiges zimmer führte Göthe 25, 87 W.; er fragte den wirth, ob der grosze mann Faust bey ihm wohnte Klinger w. (1809) 3, 65; ähnlich 'herbergsvater': derselbig zunfft- oder stubenknecht oder angenommen wirt und vatter ... soll auch alszdann ... dem ankommenden handwerchszgselln ... umb dienst und ain maister besehen und werben bair. landtsordnung (1553) 127b; vor allem zeigt sich dieser sondersinn in composita wie huren-, frauen-, diebs-, schelmen-, bettel-, lumpenwirt, d. h. ein wirt, der dergleichen leute beherbergt und heimlich in ihrem gewerbe begünstigt, daher auch winkelwirt (s. dort), vgl. Kramer t.-ital. 2, 1364c:

ach gott, möchte ich (pfaffenmetze) den tag erleben,
dasz der bischaff nit wäre mein wirt (= hurenwirt)
N. Manuel 44 Bächtold;

[Bd. 30, Sp. 638]


vgl. 'wirth von Metzendorf, so viel wie sauwirth' Hügel Wiener dial. 190, d. h. 'hurenwirt'; als 'herbergswirt' auch in herrenwirt, demgegenüber das simplex als pejorativ empfunden werden kann: stabularius heiszet ein gasthalter oder ein herrenwürt, caupo heiszet schlecht ein würt, der das pfenningwert gibt und die fszgenger haltet ... und ander deszglichen hümpelvolck Geiler v. Keisersberg postill (1522) 3, 77a.
b) oft tritt die funktion als verkäufer von getränken und speisen zum sofortigen genusz besonders stark in den vordergrund, sodasz wirt mit mhd. taverner, schenke und heutigem schenkwirt, kneipwirt, speisewirt gleichgestellt oder durch besonderen zusatz dahin determiniert wird, vgl. ein wijntapper of wert caupo gemma gemmarum (1512) d 5a, weynschenck, weynverkäuffer, wirt oenopola Frisius dict. (1556) 910a: so sint etlîche wirte und gastgeben in den steten, daz si ein gesoten spîse also lange behaltent, daz ein gast dran izzet daz er iemer deste krenker ist Berthold v. Regensburg 1, 150 Pf.; ez mag ein ieglich wirt, der ûf offner tafern sitzt, wol pfant ein nemen umb sein ezzen stadtr. v. München 110 Auer; item die wiert, so wein ausschenken, sollen auf den abent, so esz über die zeit ist, ihre göst auszweisen (v. j. 1547) österr. weist. 6, 136; der stadtvogt (hat) ... alle wirt, so vom zapfen schencken, visitieret städtechron. 33, 207; man sagt gemeinlich ... ein ieder wirdt, so einen reyf ausstecken, mus manches seltzammen gasts wertig sein Wickram rollw. 140, 28 Kurz;

gut ist der wirth, gut ist das bier, rundad! Venusgärtlein 38 ndr.;

wirth, schenck ein, der Witzenbürger trinckt Agyrtas grillenvertreiber (1670) 29; indesz dasz der freundliche wirth die weinflaschen wieder auffüllt Sal. Geszner schr. (1777) 1, 135;

bei einem wirte wundermild,
da war ich jüngst zu gaste,
ein goldner apfel war sein schild,
an einem langen aste
Uhland ged. (1863) 60;

daher als 'mundschenk':

Mercur steht auf der welt den fetten heerden für,
im himmel ist er wirth
Lohenstein Arminius (1689) 2, 1346a;

der charakter als schenkwirt wird in älterer sprache oft noch durch ein verdeutlichendes synonym hervorgehoben: ein taberner oder wirt soll win und brott oder ein botten darumb uff den weg haben (v. j. 1472) weisth. 1, 125; das speisen des flaisch (ist), insonderhait den gastgeben und würten diser stat ... bei ernstlicher straff abgeschafft, verbotten städtechron. 33, 463; dergleichen der wirt und gastgeber soll sein wein darlegen, wie er ihne kauft hat (v. j. 1720) bad. weist. I 1, 318; nit wenigere unordnung, allain umb des aignen nutz willen, den gesten bei den würthen und leutgeben verstattet, die allerlei spil mit würfl und karten zue und wider des verboth ganze nächt bis an den hellen lichten morgen sitzen lassen und noch darzue all andere unzucht mit schelten und fluchen zuesehen, umb das inen der wein ausgeht und si das gelt von inen bringen (v. j. 1615) österr. weist. 9, 83; ein nüchstern sparsamer mensch seie ... kein weinschenck oder wirt Sebiz feldbau (1579) 37; es solle auch kain wirt oder weinschenk nach den 9 uhren kain wein auf die gassen geben städtechron. 33, 51; die wiert und pierschenken, die anders ire frembte gäst den armen leiten in ir pixen was zu geben anvermannen (17. jh.) österr. weist. 2, 17; in diesem sinne in zusammensetzungen wie bierwirt, mostwirt, weinwirt, schildwirt, besenwirt, heckenwirt, zapfenwirt u. s. w., vgl. Kramer t.-ital. 2, 1364c, Sanders 3, 1632.
II. als 'ehemann' schon ahd. gut bezeugt; ob diese bedeutung unmittelbar aus wirt I herzuleiten ist, wirt also zunächst 'pfleger, beherberger der gattin' bedeutet, der die als fremdling kommende frau in das haus aufnimmt und versorgt, oder erst sekundär aus der ahd. zwar nicht belegten, aber wohl gleichfalls alten bedeutung 'hauswirt, hausvater, hausherr' (s. unten III) entstand, bleibt ungewisz; vgl. in der entsprechenden bedeutung wirtin 'ehefrau' und sich

[Bd. 30, Sp. 639]


bewirten 'sich verheiraten' (von der frau) Frisch t.-lat. (1741) 453a, sowie teil 1, 1780. im älteren nhd. stirbt die bedeutung 'ehemann' schriftsprachlich ab, hält sich aber noch vereinzelt mundartlich etwas länger.
im ahd. neben karl und gomman (s. gramm. 3, 316) für maritus und sponsus, vgl. rechtsaltert. 1, 578:

uaptun thie liutieino brûtloufti
themo wirte ioh theru brûtiin sâligeru zîti
Otfrid II 8, 4;

wîb, tû dih annewert,hole hera dînen wirt Christus u. d. Samariterin 23;

vom männchen eines tierpaares: der ir wirt chumet von ir (der elephantin) nieht, in dem wazzir er ir huotet physiologus bei Karajan sprachdenkm. 84; prägnant von wirt 'hausherr' abgehoben:

mîn wirt wil varen ûf den sê
Hartmann v. Aue Gregorius 2897;

so gienc Susanna warten
hin in den boumgarten
ires wirtes uf wunnen Daniel 7449 Hübner;

daz er Elsbethen sin swester ... z irem wirt Heinrich ... gewiset hat (v. j. 1357) Habsburg. urbar 706 in: quellen zur Schweizer gesch. 15, 1, 706 Maag;

dise edele Marîâ
het einen wirt, der ouch rîch
was êren, envollen menlich landgr. Ludwigs kreuzfahrt 1051 Naumann;

als fester terminus in der alten rechtssprache: gewinnet ein wîp kint nâch ir rehten zît nâch ires wirtes tôde, man mac ez ouch beschelten Schwabenspiegel 37, 3 Wackernagel; deu frau hat alleu recht deu ir wirt hat stadtrecht v. München 45 Auer; so im gegensatz zu knecht, geselle (= junggeselle), vgl. wörter u. sachen 2, 35, anm. 5; formelhafte verbindung ist einen wirt nehmen 'heiraten', vgl.

daz sie (die jungfrauen) zuo huse quamen
in ir geslechte namen
wirte nach der e gebote altes passional 11, 15 Hahn;

do diselbe vraw Cristein iren ersten wirt nam, Niklaus den Nundler Iglauer stadtrechtl. schöffenspr. bei Jelinek mhd. wb. 962; zur unterscheidung von wirt 'hausherr' und 'gastgeber' durch ehelich verdeutlicht: David ... heiz do iren elichen wirt morden hl. regel f. e. vollk. leben 43, 7 Priebsch vgl. das langlebigere ehewirt teil 3, 51; oder durch synonyme substantive:

iuch dunket daz ich iu ze swach
ze wirte und zeime manne sî
Konrad v. Würzburg schwanritter 1163;

lieber herr und würth khönig Hainrich (v. j. 1313) bei v. Brandis landeshauptleute v. Tirol 48. nhd. in dieser bedeutung bald absterbend; so ersetzt schon der Frankfurter druck des renners wirt 'ehemann' durch mann, vgl. Warlies d. Frankfurter druck des renner (1912) 76a; im älteren nhd. noch vereinzelt bezeugt, vgl. wirt maritus Diefenbach 349c: wir habn auch recht, das man kainer frauen nicht höher porgen soll dann zwelf den., es sei dann irs wierts willen österr. weist. (v. j. 1500) 9, 690; auf älterer grundlage: an ihres wirths und vatters willen (18. jh.) 7, 597;

das turteltäublein fleugt und girrt,
wenn sie nicht bald sieht ihren wirt
P. Fleming dtsche ged. 1, 259 L.;

von Adelung 4, 1576 und Campe 5, 742 in dieser bedeutung als veraltet bezeichnet; in den nd. maa. ebenfalls ausgestorben, vgl. aber noch Doornkaat-Koolman ostfries. 3, 539a; von den md. dialektwbb. nicht verzeichnet; im bair. nach Schmeller-Fr. 2, 1009 'in älterer sprache, jetzt noch ehewirt'; im schwäb. veraltet, s. Fischer 6, 1, 876.
III. 'hausherr, haushalter, verwalter und pfleger des materiellen besitzes', überhaupt 'herr'; aus wirt 'pfleger' wohl in der weise entwickelt, dasz die tätigkeit des wirtes sich auf die von ihm ständig versorgten personen, die mitglieder der familie und das gesinde, ausschlieszlicher bezog und der

[Bd. 30, Sp. 640]


begriff der tätigkeit sich erweiterte um den des verfügungsrechtes und den des besitzes gegenüber den personen und dingen der täglichen fürsorge, des hauses wie des gesamten beweglichen und liegenden gutes. auf das haus bezogen tritt der bedeutungskern von wirt im mhd. weniger deutlich zu tage als im bezug auf personen, vielmehr füllt oft der sachbezug allein den begriff; zum nhd. hin erneuert das wort seinen funktionalen sinngehalt, wobei eine verallgemeinerung des sachbezuges von 'haus' auf 'besitz' sichtbar wird, vgl. wirtschaft 'verwaltung des hauswesens'; daher sachlich verdeutlicht in kompositionen mit wirt als zweitem bestandteil wie hauswirt, landwirt, forstwirt.
A. 'hauswirt, hausvater, hausherr', denn als kernstück des besitzes galt von jeher das haus, vgl. DWB haus teil 4, 2, 640, 'herr' schlechthin, 'landwirt'; die festigkeit der grundbedeutung zeigt sich auch weiterhin insofern, als der sachbezug auf haus sich leicht erweitert auf hof, stadt, heimat, land.
für das ahd. nicht mit sicherheit zu erschlieszen, da wirtun Otfrid I 6, 3 eher hospita als hera bedeutet, vgl. unten wirtin; mhd. aber in breiter entfaltung bezeugt, die frühere existenz dieser bed. möglich erscheinen läszt, vgl. unten 1-6; im nhd. gegenüber I und III B in den hintergrund tretend, sodasz wie bereits im spätmhd. (vgl. hûswirt Lexer 1, 1407) die beziehung auf das haus oft besonders ausgedrückt wird; vgl. dazu das verhalten der älteren glossare und wbb.: wirt, wúrt, husherre agoro (15. jh.) Diefenbach gl. 19a; husvater, -herr, -wirt pater familias 416b; wirth, hausswirth, hausshalter Rädlein sprachschatz (1711) 1, 1066a; wirth, hauswirth oeconomus, herus, pater familias Steinbach (1734) 999; wirth, der mann im haus, hauswirth pater familias Frisch (1741) 453a; bei Adelung jedoch mit der auf mundartlichen gebrauch deutenden bemerkung: 'besonders wenn es geringe personen sind' 4, 1576; in den maa. besonders noch im norden und süden des dtsch. sprachgebietes in charakteristischen resten, vgl. DWB wert 'hausherr, dienstherr' Mensing 5, 598, ähnl. Sallmann Esthland 52; wärt 'hausvater, familienvater' Danneil altmärk. 243; weerd, werd 'hausvater' Dähnert pomm. 546a, daher die redensart de reknung ane werd maken (s. I B 1 d γ) umgedeutet zu 'un vorsichtig in ein haus gehen'; im süden ist die entwicklung zu 'herr' besonders weit vorgestoszen, vgl. birt 'hauswirt, hausherr', 'herr, herrscher' Schmeller cimbr. 112a; vgl. auch insbes. Diefenbach ml.-hd.-böhm. 17; als 'hauswirt' Stauf v. d. March nordmähr. 66, 'hausherr, bauer' Schacherl Böhmerwald 42, 'hauswirt' Müller-Fraureuth 2, 671.
1) noch in enger verbindung mit wirt I A 'hausherr als bewirtender, gastherr'; besonders im mhd. häufig:

do enwas wider wirt nach wirtyn,
der sie hiesse willekomen sin herzog Ernst D 2159 in: dtsche ged. d. mittelalters (1808) v. d. Hagen;

der wirtt gebot dem gaste sin
daz er mit siner trüttin
zu gütter nacht kertte,
den fürsten nitt behertte,
wie er doch wirtt ze husse waz Göttweiger Trojanerkrieg 12891 Koppitz;

er ist auch vom hausvater und wirthe wiederum gleichsam recht wilkommen geheiszen und mit frieden hinweg gelassen Prätorius winterflucht d. sommervögel (1678) 33;

dasz der Orcus vernehme: wir kommen,
dasz gleich an der thüre
der wirth uns freundlich empfange
Göthe 2, 66 W.;

der Deutsche ... prügelt den wirth und die wirthin des hauses zum willkommen durch E. M. Arndt schr. f. u. an s. l. Deutschen (1845) 2, 230.
2) im bezuge auf die personen der hausgemeinschaft 'hausvater', speziell 'gesindewirt'; vgl. husherre, huswirt pater familias Herrad v. Landsperg ahd. gll. 2, 413, 24. leg., wirt patronus Diefenbach gl. 417b:

sit ein wirt des huses und pfleget der liute wol minnesinger 3, 45a v. d. Hagen;

[Bd. 30, Sp. 641]


vergleichbar von gott: wirt, ingesinde und hausgenosse aller guten leute Joh. v. Saaz ackermann aus Böhmen 34, 37 Bernt-Burdach; da der wirth und versorger des hauses fehlte Nicolai Seb. Nothanker (1773) 1, 197;

wie im amt ein guter hirt,
so zu haus ein milder wirt
K. Gerok auf einsamen gängen20 304;

besonders als herr des gesindes; vom ritterlichen herrn:

dâ vant er daz gesinde gar
in jæmerlîcher riuwe.
ir klage diu was niuwe
umb den wirt der was erslagen
Wirnt v. Gravenberg Wigalois 7873 Kapt.;

ein volkumen wirt, ouch gût
sînem gesinde und wol gemût landgr. Ludwigs kreuzfahrt 1085 Naumann;

ob ein man (d. h. ein höriger) vorfluchtig (flüchtig) wird und käm auf eins andern herrn guet, so sol in der richter an den wiert vordern urbar der liechtensteinischen herrsch. (1414) in: Sudetendtsche geschichtsqu. 3, 235; namentlich auch vom bäuerlichen herrn: wen das ist, das ain arbaiter seinem wiert ain haw, hacken und weinmesser austregt (15. jh.) österr. weist. 7, 923; wann ain knecht ain wiert liegen hies (v. j. 1338) 5, 205; es giebet auch einem jeden wirt und hauszvater die tegliche erfahrung, dasz das gesinde, knecht und megde sehr ubersetzig sein H. Rätel chron. d. herzogth. Schlesien (1607) 480;

sie sah auch stracks den wirth und alles hauszgesinde
zum fenster und zur thür hinlauffen gar geschwinde
D. v. d. Werder ras. Roland (1636) ges. 4, str. 4;

ihr (der knechte) hunger, der nichts will von leeren regeln wissen,
wünscht bald dem krancken wirth gesundheit, bald den tod
Canitz ged. (1727) 86;

im hause wird es lebendig: wirth, wirthin, gesinde haben den ersten tiefen schlaf kaum abgeschüttelt Holtei erz. schr. 3, 84; vgl. DWB man fragt das gesinde: ist euer wirth nicht zu hause Heynatz antibarbarus 2, 642; in einigen sprichwörtern und redensarten, wo freilich von wirt III B 4 nicht deutlich zu trennen: des morgens kennet man die arbeiter, des abends den wirth P. Winckler 2000 gute gedancken (1685) a 5a; der wirt musz vorauf (nämlich dem gesinde mit gutem beispiel vorangehen) J. Möser patr. phant. (1778) 4, 103, vgl. auch Wander 5, 281; der wirth ist immer wirth, wenn auch eine erle; der knecht ist immer knecht, wenn auch eine eiche 5, 279; ähnlich 'beschützer':

und dar ober ein herte,
der diet zu eineme werte
Heinrich v. Hesler apokalypse 5714 Helm.


3) am häufigsten und allgemeinsten 'hausbesitzer, hausinhaber'; dann auch 'eingesessener, einheimischer'.
a) im mhd. oft 'burgbesitzer, burgherr', allgemeiner 'hausbesitzer, hausherr':

do ersach der tumpheit genôz
ein hûs (die burg Munsalvasche) ze guoter mâze grôz,
dâ was inne ein arger wirt
Wolfram Parzival 142, 15,

vgl. Hartmann v. Aue Iwein 4367 u. ö.;

der wirt stund an der zynnen
Heinrich v. Neustadt Apollonius 10320 Singer;

ûf swelhe burc oder in swes hûs man diz tuot, dâ ist der wirt dem rihter zehen phunde schuldic Schwabenspiegel 173 Wackernagel; ein iklich man, der ein hus gemitet hat uf einen tac unde wirt darinne ist, daz er die vir wende inne hat Freiberger stadtrecht 30 Ermisch; swer mich an kumet, der vindet ein ödes hus, wan der wirt ist da heime nit H. Seuse dtsche schr. 233 Bihlmeyer; ein fúrste gebútet in sime lande und ein wúrt in sime huse Tauler pred. 89, 18 V.; wer ainem in sein haus bei der nacht in frävel get und dem wirt, seiner hausfrauen, kinden oder seinen eehalten laidigt, da ist dem wirt oder seiner hausfrauen umb zu gelauben (15. jh.) österr. weist. 2, 142;

und wenn ihr berg auf berg, thürm über thürme setztet,
so bleibt doch wirth und hausz des wechsels underthan
Hoffmannswaldau u. a. Dtschen ged. (1697) 6, 163 Neukirch;

[Bd. 30, Sp. 642]


bei dem grausen wächter und wirth des Rabensteines K. Gutzkow ges. w. (1872) 5, 140; der wirt, ein kupferschmied, hatte den hof in eine halb offene werkstatt verwandelt Fontane ges. w. I 5, 15, vgl.de wert (hausherr) is nich to huus Mensing schlesw.-holst. 5, 598; ähnlich vom schutzheiligen, patron einer kirche:

sant Bonifatius
wirt in dem munster was väterbuch 40021 Reiszenberger, vgl. 29465;

daz dhu (Christus) und sente Blasius
und dher gute sente Thomas,
... daz ir dri dha wirte waren Braunschweiger reimchron. 4724 Weiland.


schon im mhd. oft mit näherer bestimmung des hauses u. ä.:

do man Virgilum her ab geliez,
als in des huses wirt hiez
Jansen Enikel weltchron. 23952 Strauch;

wa wirt in haus ist, der sol ... bei dem rechten sein österr. weist. 5, 250; der wirth des hauses Prätorius philosophia (1662) 207;

dann meldet er des hauses wirth,
wie sich der alte mann verirrt
A. v. Droste-Hülshoff ges. schr. (1878) 2, 87;

wie in hauswirt (s. teil 4, 2, sp. 697) bedeutet haus indessen häufig 'hausgenossenschaft (familia)', vgl. Göttweiger Trojanerkrieg 12895 (oben 1), minnesinger 3, 45a (oben 2).
in alten sprichwörtern und sprichwörtlichen redensarten, die den wirt als hausherrn betreffen und heute nicht mehr unmittelbar verständlich sind, z. b. du kompst, wo du kompst, du findest allzeit den wirt daheim, oder er kompt bald zu hausz Petri d. Teutschen weiszheit (1604) 2, s 1a; er soll den wirth zu hause finden Wander 5, 284; er ist wirth im hause ebda; ein truncken haus speyet den wyrt aus Luther 19, 398 Weim.; in ain schön hausz gehört ain ehrlicher wirt oder besitzer G. Mayr sprüchw. (1567) c 2b; es ist bösz stelen, wo der wirt ein dieb ist Seb. Franck sprichw. (1541) 2, 63a; mit dem wirt ändert sich das hausz, mit regenten das regiment Lehman floril. polit. (1662) 2, 589; wer den wirt auff das maul schlegt, der musz zum haus hinaus Petri d. Teutschen weiszheit 2, 693.
b) in älterer sprache im gegensatz zu gast 'fremdling' und dann meist der 'einheimische, eingesessene, beheimatete' gegenüber dem fremden, fahrenden, besitz- und heimatlosen (vgl. dazu auch teil 4, 1, sp. 1463):

du salt hie silve wirt sin könig Rother 984 de Vries;

si (frau Lunete) enphie den wirt für einen gast
Hartmann v. Aue Iwein 8040;

noch müeze ich geleben daz ich den gast ouch grüeze,
so daz er mir dem wirte danken müeze
Walther 31, 28;

bildlich:

daz mir der sinne mîn gebrast
und mîn herze ein fremder gast
wærlich wart dem lîbe mîn,
dâ ez ê wirt was gesîn
pseudo-Heinzelin v. Konstanz d. minne lehre 1656 Pfeiffer;

geradezu terminologisch für 'einheimischer': he sie wirt odir gast (v. j. 1360) K. Bücher Frankf. berufswb. 100a; ez ist ouch geboten, daz man ze allen hôchzîten niht mêr laden sol des ersten tages von burgern hie ze der stat danne der brûtgam zehen wirte und diu brût zehen wirte und dar uber niht, ôn ûzwart lûte, die mugen sie laden wie vil sie wollen Rotenburger stadtrecht § 59 Bensen; wenn ein gast käme und gerichts begerte und an einem wirt ligen müsste, dem soll man drü gricht haben und by einem schoub richtenn, das er ab dem wirt kome und im vor schaden syge (v. j. 1472) weisth. 1, 126; determiniert als besessener wirt: wirdet aber ein gast ... verboten in sîner herberge von eime andern gaste oder joch von eime besezzenen wirte Freiberger stadtrechte 3, 169 Schott; verallgemeinert, oft im anschlusz an psalm 119, 19:

mensche, du bist hie ein gast
unde wenest sin ein wirt
Hugo v. Langenstein Martina 145, 73 Keller;

[Bd. 30, Sp. 643]



wir sint hi geste, das ist war,
uns dunkit wir sint werte
Joh. Rothe ritterspiegel 286 Neum.;

bleibt es demnach festgestellt,auf der welt
minder wirth als gast zu heiszen,
ei, so laszt uns, weil es währt,eh man fährt,
unsrer lust befleiszen
Chr. Günther 1, 294 lit. ver.;

mit wirt I A gemengt: der fremde ermordet den einheimischen, der gast den wirt Göthe 7, 163 W.; in sprichwörtern: der wirth antwortet für den gast (d. h. ist für dessen handeln verantwortlich) Wander 5, 278; man helt den werth als den gast Normann wendisch-rugianischer landbrauch (1777) bei Graf-Dietherr 291; ähnlich im bair.:

was seids denn? nix wie fremde seids!
i bin der wirt — verstanden?
K. Stieler ged. 3, 30 Reclam;

erblaszt zu 'einwohner':

da sich ein harter donnerschlag
umb zehn uhr in die stadt gewandt,
und viermal achtzig wirt vorbrant
Ringwaldt lauter warheit (1597) b 2a.


c) im begriffsgegensatz zum mieter, den die ältere sprache mit hausgenosse (s. teil 4, 2, sp. 665) bezeichnete, nicht vor dem 18. jh. belegt; lexikographisch in dieser besonderen bezogenheit erst von Campe 5, 742 vermerkt: der wirth soll aber gleichfalls gegen seinen mietsmann gefällig sein Knigge umgang mit menschen (1796) 2, 185; dieses zu beweisen, verrichtete er (Sokrates) einst seinen hebammendienst bey den knaben seines wirths Nicolai literaturbr. (1759) 6, 393; er wird ... wie Spinoza durch seinen wirth ... verrathen werden Th. Abbt verm. w. (1768) 1, 96; niemand weisz die absicht unsrer zusammenkunft, nicht einmal der wirth, von dem wir das zimmer gemiethet haben Rabener s. w. 1, 205, wiewohl auch hier hauswirt (s. teil 4, 2, sp. 697) das gebräuchlichere ist; anders jedoch wirtin 'zimmervermieterin' und wirtsleute 2.
4) in bäuerlichen verhältnissen als besitzer, verwalter oder pächter von ländlichem grund und boden.
a) in älterer zeit 'rechtsfähiger inhaber eines gehöfts', oft im gegensatz zum gutsherrn; seit dem 15. jh. bezeugt, zufrühest in rechtsdenkmälern aus dem süden des obd. sprachgebietes: in dem tal ze Rda und anderswa bi 20 wirten habsburg. urbar in: quellen z. Schweizer gesch. 15, 1, 569 Maag; ze Bchein der vrien liute gt giltet der herschaft ze vogtrehte 4 malter und 3 vierteil kernen ..., es git ouch jeder gesessen wirt dur schirm 1 vierteil habern und 2 hüner ebda 14, 421; wenn man gericht peut umb malefiz, da sol ain ieglich wirt pei sein (15. jh.) österr. weist. 5, 250; und der (bote des richters) sol dan iederman ze hause gehn, der wiertz namen hat 3, 287; deutlich für den im sinne der alten erbuntertänigkeit abhängigen pächter, der also gegenüber dem besitz nur die rolle des verwalters, pflegers inne hatte: wer den maierhof ze Umbels ... (innehat), die mugent alles gejagt wol treiben, wer daselbs wirt ist (15. jh.) österr. weist. 5, 256; wir verpieten auch bei demselben wandl, das kain wiert noch sein hofherr nach vesperzeit in dhainem stubofen nicht lass pachen 9, 691; ähnlich, doch mit einschlag von wirt III A 2 für den bauerngutspächter und kleinen bauern im nordosten des deutschen sprachgebietes, vgl. 'wirth ... heiszt ... hier besonders derjenige bauer, dem ein bauernhof übergeben ist, man nennt ihn auch den gesindewirt, im gegensatz seiner dienstboten ...; in dieser bedeutung sagt man z. b. dieses gut hat 20 wirthe statt bauernhöfe oder gesinder' Hupel Lief- u. Esthland (1795) 265: andererseits aber empfand auch der gutsherr es als eine moralische verpflichtung, keinem 'wirt' ohne besonderen grund sein 'gesinde' zu nehmen erinner. e. alten Esthländers 22; es galt oft kaum für einen vorzug, wirt ... zu sein, zumal ein gesellschaftlicher unterschied zwischen wirten und knechten erst in den anfängen bestand Th. H. Pantenius jugendjahre e. alten Kurländers (1915) 51; auch in Westpreuszen und im Posenschen im 18. und 19. jh. in den kirchenbüchern als berufsbezeichnung für den kleinen, früher

[Bd. 30, Sp. 644]


erbuntertänigen landwirt, vgl. Frischbier preusz. wb. 2, 474: es gab güter, die nicht nach hofrecht besessen wurden, und auf welchen ... der bauer ein bloszer wirth (meyer) war K. Fr. Eichhorn dtsche staats- u. rechtsgesch.3 (1821) 2, 586, vgl. im sprichwort: de tydt fryet (befreit) den wehrt Normann wendisch-rugian. landbrauch (1777) bei Graf-Dietherr 59.
b) seit dem 17. jh., zuerst im schles. belegt, allgemeiner für 'landwirt, bauer', oft mit betonung der funktion als pfleger des landes, vgl. das jüngere landwirt teil 6, sp. 151 und wirtschaft II B 2 b 'bäuerlicher betrieb':

ein wucher bringet nicht gefärde,
den wirte treiben mit der erde
Logau sämtl. sinnged. 81 lit. ver.;

drum musz ein wirth viel gute hüner haben viehbüchlein (1667) 94; dasz ... manchem wirthe ... allein auf die 30, 40 und mehr stücke (vieh) zu grunde gegangen Breslauer sammlg. z. nat. u. med. gesch. (1717) 1, 46; (der) unter allen seinen unterthanen und eingepfarten uber drey angesessene wirthe nicht (hat), die sich zur catholischen religion bekennen und halten acta publ. 2, 260 Palm; wohlstand soll hervorgehen aus dem freien grundbesitz der bäuerlichen wirte Fr. L. Jahn w. (1884) 2, 334; nach der eindeichung der niederungen bauten sich dann viele wirthe auf einzelwarfen an Bernhardt waldeigentum (1872) 1, 19 anm. 10; der wirth solle so viel klee säen als nur immer sein boden ... verträgt Schwerz ackerbau (1882) 472; waren dort viele tausend bauerngüter ohne wirte G. Freytag neue bilder (1862) 39.
5) in älterer sprache ausgeweitet zur allgemeineren bedeutung 'herr, besitzer' schlechthin; im jüngeren nhd. bleibt diese verallgemeinerung poetische metapher; mhd. häufig wirt des landes 'landesherr':

ich pin ouch hêrre und landes wirt
Wolfram Parz. 419, 18;

der junge wirt der lande,der degen Hartmuot Kudrun 992, 1;

auch ohne attribut:

er reit zuo dem künige:der wirt im danken began Nibel. 852, 4;

der kaiser was ein junger wirt
Otte Eraclius 1596 Maszmann;

vergleichbar:

da (im totenreiche) hallen des elends lieder
in der höh und der tiefe wieder,
dasz er, der wirth des jammers (der herr des toten-
horchend oft innehielt reiches)
Kretschmann s. w. (1784) 1, 107;

als 'inhaber, besitzer' von einzelnen gegenständen u. ähnl., wobei die pflegerische aufgabe des wirtes manchmal klar hervortritt:

der furste in himelrîche,
der ist wirt uber den tuom
Ebernand v. Erfurt Heinrich v. Kunig. 2763;

kan seinem wird (dem besitzer des buches) die zeit vertreiben,
so lang er (Clawert) wird bey jemandt bleiben
B. Krüger Clawerts werckl. hist. 6 ndr.;

(er) nimmet sein hündlein mit, das kommet abends späte heim ohne seinen wirth Chr. Lehmann hist. schauplatz (1699) 555;

oft liesz, der kunst und seinem wirth zu ehren,
sich der canarienvogel hören
Gellert w. (1839) 1, 247.


6) ähnlich in religiöser sprache im ganzen mhd. und frühnhd. als 'hausherr, herr, gewalthaber, herrscher' gebraucht.
a) oft von gott als dem herrn des himmels und der erde, vgl. mhd. himelwirt mhd. wb. 3, 749a:

sich, sele, wie des himels wirt
gelestert und gesmehet wirt
Heinrich v. Neustadt gottes zukunft 3037 Singer;

als herr der seele, des herzens: lieber herre, es ms sin als der wirt gebiutet Mechthild v. Magdeburg 5 Gall Morel, vgl. 108; ir herze gebent si im aigenlich, daz er da herre und wirt ist S. Georgener prediger 19 Rieder;

[Bd. 30, Sp. 645]


dat over alle dinc is cninc inde wirt die lilie 61 Wüst;

wenn der wirt, der Christus heyst, auszzeucht, da bleyb der teuffel Luther 2, 34 W.;

er (gott) ist vater, wirt und herr
Hayneccius Hans Pfriem 28 ndr.;

der grosze wirth
und herr der ewgen weiden
Paul Gerhardt bei
Fischer-Tümpel 3, 442b.


b) vom teufel als dem herrn der hölle und des bösen:

auch ist so ungehewr
daz larventier, der helle wirt väterbuch 41191 Reiszenberger,

vgl. hellewirt mhd. wb. 3, 749a; auch ohne attribute:

sin herce hat einen bosen wirt die lilie 29 Wüst;

wo wir hin komen, da ist der rechte wirt, der teuffel, da heym Luther 30, 195 W.;

demnach ihm sonst sein lebenlang
der betrieger gemacht het bang,
und ihn so lang herumb geführt,
bisz dasz er worden wer sein wirt
Fischart 1, 285 Hauffen;

denn er (der teufel) ist würth im selben hause J. Böhme schr. 5, 70; sprichwörtlich: der satan is wirt in der welt, den find man immer daheim Petri d. Teutschen weiszheit (1604) 2, o 8a; euphemistisch für teufel im westfäl.: 'dat dank di min wirt! man weiset dadurch eine bemerkung als überflüssig ... zurück' Woeste 326b.
B. 'haushalter, verwalter und pfleger des materiellen besitzes' erscheint als jüngste entwicklung, die erst möglich wurde, nachdem durch wirt III A 'hausherr, landwirt' der sachbezug auf haus und besitz in den vordergrund getreten war; das bedeutungselement 'pfleger' tritt hier wieder deutlicher hervor, ist jedoch wie bei wirt III A 4 sekundär aus dem anwendungskreis (s. unten 1) des wortes heraus (vielleicht unter dem einflusz von wirtlich 'haushälterisch, sparsam') erneuert, nicht unmittelbar aus der grundbedeutung hergeleitet.
im mhd. noch nicht belegt, vgl. aber wirtlich 'haushälterisch'; doch scheint bereits in der amtssprache des deutschen ritterordens ein entwicklungsansatz gegeben, der in der spezialisierung von wirt III A 4 a 'bäuerlicher pächter' eine parallele findet: item Johannes Hxer, myn wirt, tenetur 300 D, dy habe wir ym undergelosen von gelde, das her uns schldig was handelsrechn. d. dtschen ordens 114, 10 Sattler, dazu als erläuterung 'wirte sind leute, welche vollständig unabhängig von dem orden sind und nur die beaufsichtigung seiner waren übernehmen' ebda einl. 9. noch im 16. und 17. jh. wenig häufig, wie auch heute der hochsprache wieder fremd, aber in verschiedenen gegenden, wie z. b. im österr. und sonst umgangssprachlich bewahrt; vgl. auch DWB wert, huswert economus, procurator Diefenbach nov. gl. 144a und die synonyma huswert (1440), -wurt (1425) economus gl. 194b; 'wirth, ... der die haushaltung ... mit vortheil zu treiben weisz' Zincke allg. öcon. lex. (1744) 3233; erst seit Adelung 4, 1576 deutlicher umschrieben, vgl. auch Campe 5, 742.
1) noch in nahem anschlusz an wirt III A 3 a 'hausherr', dem als solchem bestimmte pflichten seinem besitz gegenüber obliegen: ain itlicher wirt, der schol fewer und liecht in seinem haus versorgen österr. weist. 5, 302, vgl. 6, 384; das hausz ist das zeichen, dasz man darbey wisse zu erkennen, wer der wirt darinnen sey Paracelsus op. (1616) 2, 213 Huser;

wenn er nur hitz und frost und so was nicht darf scheuen,
so ist er wol versorgt, geht selbst zu wald und haut
die längsten tannen aus, bewohnet was er baut,
selbst meister und selbst wirt
P. Fleming dtsche ged. 1, 130 lit. ver.;

wiewohl es auch zu weilen geschicht, dasz aus vergessenheit etwas auf dem tisch liegen bleibet, woran dem wirthe wohl was sonderlichs gelegen ist, und wenn er sich im bette darauff besinnet, macht es ihm sorge J. G. Schmidt gestriegelte rockenphilos. (1706) 1, 144;

[Bd. 30, Sp. 646]


(mahnung der schwalben:)
rüste, wirt, dich vor dem winter,
denn das laub beginnt zu falben
Fr. W. Weber Dreizehnlinden136 73;

ähnlich: weil seine vormünder ohne noth eine zimbliche schuldenlast auff ihme devolviret undt er ein junger wirtt were acta publ. 1, 49 Palm.
2) namentlich mit qualifizierenden adjektiven verbunden; besonders im 18. jh. verbreitet als gern gebrauchtes wort der aufklärungszeit, die in wirt den begriff des klugen planens und rationellen wirtschaftens hineinlegte.
a) meist mit positiv wertenden adjektiven für den haushälterisch, sparsam, sachkundig wirtschaftenden mann, auch ohne die vorstellung hausherr, vgl. DWB er ist ein guter wirt Kramer t.-ital. 2, 1364c: hundert ducaten hebt der papst ausz eim kämerlin, ists nit ein feiner würt? Fischart binenkorb (1588) 201a, ironisch; recht und wohl haben die alten zu sagen pflegen, dasz ein gantze hauszhaltung bey einem guten wirth, und bey einer guten wirthin, und bey einem guten ochsen stehe viehbüchlein (1667) 3; gott aber ... ist ein guter wirth, kan lang borgen und zuschauen. wann er aber kommt, so kommt er recht Selhamer tuba tragica (1696) 1, 63; nimm diese diamanten ..., damit können wir weit kommen, denn du bist ein guter wirth samml. v. schauspielen (1764) 1, 71;

billig seid ihr, o freund, zu den guten wirthen zu zählen,
die mit tüchtigen menschen den haushalt zu führen bedacht sind
Göthe 50, 250 W.;

ich war in meiner jugend kein guter wirth und fand mich in mancherlei verlegenheit 25, 131; er ... überschlug eben, wie er den gewinst ... anlegen wolle ... nach art guter wirte auf neuen gewinst H. v. Kleist w. 3, 141 E. Schmidt;

aber der klügere wirth verachtet ihr (der eule) ächzendes klaglied
und verschanzet mit gröszerem fleisz die wohnung der tauben
Zachariä poet. schr. (1763) 4, 126;

sie seyen ein besserer wirt als Philinte und würden eher alle bauern in Bettelburg verhungern lassen v. Petrasch s. lustspiele (1765) 1, 37; aber ein ordentlicher wirth kann ziemlich wohlfeil leben Knigge roman m. lebens (1781) 1, 145; (er machte) keine ansprüche ..., ein genauer wirth zu sein Göthe 22, 246 W.; mein vater war ... ein trefflicher wirth 23, 46.
b) mit negativ wertenden adjektiven seltener: es ist ein schlechter wirt ..., der sein zimmer mit seide ausschlägt und von oben einregnen läszt Hippel lebensläufe (1778) 1, 61; der amtmann hat ihn gepfändet, weil er immer ein schlechter wirth war Klinger w. 3, 115; man kann ein prächtiger mann und doch ein sehr schlechter wirth sein A. v. Droste-Hülshoff br. 86 Schück.; wenn sich Talleyrand, ein schlechter wirth, plötzlich wieder um ein gesammeltes vermögen gebracht hatte Gutzkow ges. w. (1872) 9, 27.
3) der begriff 'guter haushalter' kann in wirt selbst einbezogen werden, sodasz ein positiv qualifizierendes adj. entbehrlich wird; vergleichbar schon:

sondern nach eines wirts gestalt
in deinem haus die malzeit spalt
Ringwaldt d. lauter warheit (1597) 97;

aber erst seit dem 18. jh. eindeutig so verwendet:

... in vier, fünf tausend jahren
kan sich ein fährmann schon was sparen,
zumal ein wirth wie er (Charon), der kein gesinde hält,
der weder iszt noch trinkt, nicht in die schenke geht,
und keinen rock gebraucht, seit er im amte steht
Lichtwer fabeln (1748) 4, 9;

wäre der gute Döbbelin ein wirt gewesen, Berlin hätte ihn reich gemacht Christ schauspielerleben 88 Schirmer; Raspe lebte von schriftstellerei, aber dürftig, weil er auch in England noch kein wirt geworden Bahrdt gesch. m. lebens (1790) 3, 329; vgl. DWB s gald will an wert hoon 'einen, der damit zu wirtschaften versteht' Müller-Fraureuth obersächs. 2, 671.
4) in dieser bedeutung auf den wirt als 'landwirt' (III A 4 b) bezogen, bei dem sich in besonderem masze das besitzen ursprünglich und wesensmäszig mit den tätigkeiten des verwaltens,

[Bd. 30, Sp. 647]


pflegens u. s. w. verbindet: der gute wirth will lieber die einförmigkeit des ansehens an einem acker, wo viel getreide steht (als schöne blumen darin) A. Crusius kurzer begriff d. moraltheol. (1772) 1, viii vorrede; es giebt ... viele vernünftige landleute, die ... eine ... ehre darin finden, dasz man sie für gute wirthe hält Cl. Harms verm. aufsätze u. kl. schr. (1853) 141; man sah, dasz hier generationen von tüchtigen und fleiszigen wirten gehaust hatten W. v. Polenz Büttnerbauer 1, 19; meine Buschdorfer und Dürrwieser gehn dort hin, ... trinken ihm soviel bier weg, als er liefern kann, ... werden liederliche wirthe und vertragen mir das geld J. T. Hermes verheimlichung (1802) 1, 221; darüber wachte die censorische macht, ... dasz nur der fleiszige ackerbauer in der tribus ... blieb, der schlechte wirth ... ausgestrichen ward Niebuhr röm. gesch. 1, 379; vom forstwirt: denn sobald man den holzbestand mit in betracht zieht, kommt der haushälterische wirth viel härter weg als der verschwenderische Bluntschli dtsch. staatswb. 3, 565.
5) in sprichwörtern jüngeren ursprungs, die die fürsorge für den besitz betreffen: ein guter wirth verdient nicht so viel, als eine schlechte wirthin verschwendet Wander 5, 280; er ist ein besserer wirth als hirt (von geldgierigen geistlichen) 5, 284; es ist ein schlechter wirth, der sagt: so lange ich lebe, wirds gehen 5, 281; ein guter wirth ist zuerst auf und geht zuletzt zu bett 5, 280; ein wirth, der nicht abends denkt: was ist morgen, desz wirtschaft geht bald zu ende 5, 280; das ist ein schlechter wirth, der im eigenen hause beschneit 5, 278; ein guter wirt, er macht aus einem pumps (lauter furz) zwei schleicher K. Rother schles. sprichw. 421a, d. h. er kann gut einteilen. compositionstypen (soweit im folgenden die belege oder belegstellen nicht angegeben sind, folgen sie an alphabetischer stelle).
in der composition erscheinen fast nur substantiva, gewöhnlich mit dem gen. sing. wirts- als erstem gliede, bis zum ende des 18. jhs. begegnet auch der nom. sing. wirt: wirtgeld; -haus (noch Göthe I 45, 233 W.); -hof; -leute; -stuhl; -volk u. a. neuerdings ist auch der gen. pl. möglich: wirtebund; -steuer; -versammlung u. a. local begrenzt ist das vorkommen der schwachen form: wirtenbesatzung; -knecht; -recht u. a., durchweg gehören diese bildungen älterer zeit an.
die composition wird von wirt 'gastwirt' beherrscht (s. o. wirt I B). von den vor 1750 belegten bildungen zeigen nur wirtsfrau; -haus; -leute; -stube grosze festigkeit und verbreitung. einige haben z. t. ältere bedeutungsähnliche oder bedeutungsgleiche wörter mit gast- neben sich, vgl.: wirtshaus neben gasthaus, wirtsstube neben gaststube, wirtszimmer neben gastzimmer, vgl. auch wirtlich neben gastlich.
1) zu wirt 'gastwirt'.
a) vom haus des wirtes und seinem zubehör, meist steht ein gleichbedeutendes compositum mit wirtshaus- daneben: wirtsanwesen L. Thoma ges. w. 2, 10; -behausung: dorfmaister- oder wirtsbehausung (1683) österr. weist. 5, 135; -hof; -keller; -scheune Gervinus gesch. d. deutschen dichtung 2, 266; -schild; -stube; -tafel; -tisch; -zeichen, dass. wie wirtshauszeichen (s. d.) Guarinonius greuel (1610) 841.
b) von der hausgemeinschaft des wirtes: wirtsbube, gleichbedeutend mit wirtsjunge P. Rosegger schr. I 2, 49; -bursche: ein wirtsbursche musz immer munter, immer alert sein Göthe I 11, 127 W.; -frau; -junge; -knecht; -leute; -mädchen; -mann; -sohn.
c) vom gewerbebetrieb des wirtes: wirtsgeschäft; -getrieb: cauponaria das wirten, wirtsgetrib Cholinus-Frisius (1541) 146a; -kunst: ars cauponaria schenkerei, wirtzkunst Dasypodius (1536) g 4; -ordnung: die gast- und wirtsordnung Zschokke ausgew. schr. 33, 258 anm.; -rechnung Hoffmann v. Fallersleben ges. schr. 7, 67; -recht schankgerechtigkeit Pestalozzi s. schr. 1, 28; -schuld;

[Bd. 30, Sp. 648]


-zeche wie das ältere ürte (s. teil 11, 3, 2562) J. W. Valvasor herzogthum Crain (1689) 2, 284; Hebel 2, 84 B.
2) biologische termini zu wirt I A 2 b: wirtsameise: in ihrem zusammenleben mit den wirtsameisen forsch. u. fortschr. 10 (1934) 279; -classification: bei der bestimmung zuerst nach der wirtsclassification sehen Ratzeburg forstinsecten (1844) 1, 39; -eigen: wirtseigene organe forsch u. fortschr. 11 (1935) 161; -gewebe: es (das implantat) entwickelte sich dann gemeinsam mit dem wirtsgewebe zu teilen des gehirnes ebda 160; -pflanze Dalitzsch pflanzenbuch 245; -vogelpaar: die brut des wirtevogelpaars daheim vom 4. 5. 1933, 15a; -wechsel: parasiten, die einen verwickelten entwicklungsgang mit wirtswechsel besitzen W. Rosenthal tierische immunität 194.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
wirt, st. m., 'zeche, zehrkosten', nur im preuszischen älterer zeit bezeugt, bedeutungsgleich mit ürte (s. d.); irte (s. d.): in dieser ... morgensprache (8. januar 1597) hat sich erklaget Steffen Hildebrandt, ..., wie er in den rosenwinckell mit dem beuttel vmbgangen, die wirthe abzufordern, habe Friedrich von Ellen ... mit ihme hader angefangen ...; (in einer anderen morgensprache vom 18. februar 1604 wird beschlossen) dasz ein iglicher für seinen wirth ... noch drey groschen geben soll, s. altpreuszische monatschrift 17 (1880) 103; (die spielleute erhalten freies 'spielbier'), da aber einige undter ihnen ferner zechen und manck die andren geste sich setzen wollen, soll er auch gleich andern gesten seinen wirth zu zahlen schuldig sein. was aber den meister selbst anlangt, soll derselbe mit dem freyen wirth allzeit versehen sein ebda 84. zusammen mit ürte, dessen ältere bedeutung 'mahl' ist, sowie mhd. wirte, st. f., 'bewirtung, gastliche aufnahme' (vgl. mhd. wb. 3, 750b; Lexer 3, 934) und dem in kärnt. ma. bezeugten wirte, f., 'wirtshaus' (Lexer kärnt. 258) dürfte es zu einer, möglicherweise älteren, schicht von ableitungen und verwandten von wirt gehören, die durch wirtschaft in seinen verschiedenen bedeutungen verdrängt worden sind.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
wirt, s. wirtel.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
wirtbar, adj., 'gastlich, einladend, freundlich', ein wort vorwiegend dichterischer ausdrucksweise, in der ersten hälfte d. 18. jhs. schon vor Klopstock zu älterem unwirtbar als positiver gegensatz gebildet, von Adelung abgelehnt, im 19. jh. gegenüber dem herrschenden wirtlich (s. d.) nur noch vereinzelt bezeugt.:

der elemente wüstes meer
könnt ihr (dichter) euch zahm und wirtbar machen
J. J. Schwabe belustig. (1741) 4, 136;

vgl. die zeit, dasz ... das unwirtbare meer ... seinen unholden namen mit dem ... wirtbaren vertauschte J. H. Voss krit. blätter (1828) 2, 320; besonders von gastlicher häuslichkeit, eigentlich und übertragen:

unter dem laubichten dach der alten wirthbaren linden
Zachariä poet. schr. 4, 29;

da, wo die hohe fichte mit pappeln sich
freundschaftlich gattet, wo sich ihr schatte sanft
zu lauben wirthbar schlingt
Herder 26, 219 S., anm.,

hier als übersetzung des Horazischen 'umbram hospitalem consociare ramis';

als (im herbst) am gestad ein heer von kranichen
zusammenkam, um in ein wirthbar land
jenseits des meers zu ziehen
E. v. Kleist 1, 104 Sauer;

im wirthbarn schatten (der zweige) Sonnenfels ges. schr. 9, 3; alles hat gleich ein wirthbares und vertrauliches ansehen K. Ph. Moritz reisen 2, 63;

leicht wie der vogel von dem wirthbarn zweige,
wo er genistet, fliegt er (Isolani) von mir auf
Schiller 12, 286 G.;

wann rauh der nord ...
... wirthbar um den herd
das haus versammelt
Falk satiren 1 (1800) 121;

das stolze schiff,
das vor der wellen drang uns wirtbar schützte
Grillparzer s. w. 10, 69;

bei dem licht des vollmonds, unerschrocken,
stiegen wir bis an ein wirtbar haus
Platen 1, 394 R.;

[Bd. 30, Sp. 649]


bei persönlichem träger wird der ausgangspunkt der bedeutung wirt 'gastfreund' sichtbar: ihr ehrliche, gute, wirthbare menschen ... ich werde euch eine euren verdiensten angemessene belohnung in eure kleine hütte mitgeben J. C. Kaffka polyhymnia (1805) 1, 30; ebenso, wenn zu wirtbar eine nähere bestimmung tritt: (ein tannenwald) wirthbar den schüchternen eulen J. Fr. Löwen schr. 2, 27; vom fusz bis zum gipfel begrünt ... wirthbar für die weidenden heerden de Wette Theodor 2, 89. einen anderen sinn erhält wirtbar dort, wo es von bewohnbaren, bebaubaren landstrichen steht, also im gegensatz zu 'öde', 'unfruchtbar', weniger zu 'rauh', 'unfreundlich': man zog aus, gelangte endlich aus der wüste in wirtbares land J. Rank erinn. 57; erst südwärts ... ward die küste wirthbarer Ritter erdkde 1, 411; jene wenig wirthbaren landschaften 2, 88. wirtbar machen: ehe ... sie diese gegenden wirthbar machten Musäus volksmährchen 1, 6. —

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: