Wörterbuchnetz
Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
wiere bis wiese(n)welt (Bd. 29, Sp. 1571 bis 1589)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) wiere, wier, f. (m., n.), metalldraht. gemeingerm. wort, mit ags. wīr 'gewundener schmuck' (engl. wire 'draht'), fries., nl. wier 'seegras, tang' (s. o.), spätaltn. vīravirki ' arbeit aus metalldraht', nisl. vīrr, norw. vire, dän. vire ordb. over d. danske spr. 27, 168f., schwed. dial. vir 'metalldraht' (vira, vb.), ahd. wiara (aus *ēi-rō-), mhd. wiere, mnd. wîre, zur idg. wz. ei- 'drehen, biegen', s. Walde-Pokorny 1, 226, Pokorny 1112, Jóhannesson isl. etym. wb. 110. im ahd. (glossenbelege seit dem 8. jh.) und mhd. gut bezeugt, fehlt das wort obd. seit dem 13. jh., ist nd. bis ins 16. jh. geläufig und lebt noch heute in nd. maa. fort: ipsi labio coronam demo selbin lefse uuiara (8./9. jh.)

[Bd. 29, Sp. 1572]


ahd. gl. 1, 336, 13 St.-S.; (cristas) wîera (11. jh.) ebda 2, 522, 21; obrizum wiera (12. jh.), vviere (12. jh.) ebda 3, 192, 4; obrizum wiere (12. jh.) ebda 417, 53. mhd. 'feiner golddraht; aus golddraht hergestellter schmuck':

so dede imi got also dir goltsmid düt,
sor wirkin willit eine nuschin güt,
diz golt siudit her in eimi viure,
mit wehim werki düt her si tiure,
mit wierin also cleinin
wole slift her die goltsteine (um 1110) Annolied 651 Kehrein;

alsô der smit uil guot
die wiere in daz golt tuot,
daz in sigele er furblat
als erz gelernt hat dt. sprachdenkm. d. 12. jhs. 19 Karajan;

die selben (mägde) hiez er (der könig) zieren
mit wæten joch mit wieren,
daz gevienge ir minne
baz des kindes sinne (um 1210)
Otto II. v. Freising Laubacher Barlaam 12 401 Perdisch.

mnd. und nd. 'draht und drahtgeflecht': 2 β vor 1 krampen unde haken, dar de wyren inne henghen (1448) Schiller-Lübben 5, 737; item 3 mark to den baruoten brodern to eyner viren vor unse venster in der kerken (1451) ebda; X  gele wyren (1565) ebda. in den maa. noch verbreitet gebräuchlich für verschiedene drähte oder aus draht verfertigte gegenstände und vorrichtungen: wiehre (nach Hamburgischer redensart, denn nach hiesiger heisst es ein kappen-drat) ist ein hoher rundgebogener drat, welcher mit seide bewunden ist Amaranthes frauenz.-lex. (1715) 2123; 'wire, wier-draad eisen- oder kupferdrath' brem.-nds. wb. 5, 270; wyren dräthe von eisen, kupffer oder messing gezogen Richey id. Hamburg. 341; wiren (wierden), wirdrat dünner draht zum festbinden des rohres und strohes auf dem dache Schumann Lübeck 23; 'wir draht, der um die angelschnúr gelegt wird, damit sie sich nicht verwirrt' ebda 38; vi:r eisendraht Furcht wb. d. spr. d. Alten Landes 31; 'wir, n. draht; zss.: wirtong, f. drahtzange; pikwir, n. stacheldraht' Jensen nordfries. 702; he hett dat lock mit wieren dicht maakt; auch 'stricknadel', wofür meistens strich-wier Mensing schlesw.-holst. 5, 637; wier metalldraht Stürenburg ostfries. 331a.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
wieren, vb., 'mit (gold)draht (s. wiere) oder edelsteinen einfassen; schmücken, verzieren'; spätahd. ([*wiarôn] weorôn) und mhd. (wieren, s. mhd. wb. 3, 624b; Lexer 3, 878) in diesem sinne verbreitet bezeugt:

si (die sarwât) heten smide holde,
so waren umbe daz ortuil chleine gewierot,
allenthalben dar uz scheinuil maneger berhtilir stein genesis u. exodus 158 Diemer,

vermiculatas kiweorota (12. jh.) ahd. gl. 1, 549, 2 St.-S.; vermiculandas gewieret (12. jh.) ebda 3, 407, 72; auri obryzi des gewiereten goldes (12. jh.) ebda 415, 62;

ein bette sah ih dar in stân,
daz was harte lussam,
mit golde gezîret,
mit gesteine wol gewieret (anf. d. 12. jhs.)
pfaffe Lamprecht Alexander 5450 Kinzel;

ey horet von der varbe
die uz irem mnde kan gebrehen!
hat yman paris varb gesehen,
so sie uff silber ist gefiert,
so lucht ir munt der wol geziret (um 1340) die minneburg 3409 Pyritz;

ich will in huben
geben von gestaine,
gewiertt in gold raine (14. jh.) Göttweiger Trojanerkrieg 3790 Koppitz;

mit amatisten gewirt und mit jaspen gemengt (hs. d. 15. jhs.) Schmeller-Fr. bayer. 2, 980. mnd. 'mit eisendraht versehen': 10 β vor de venster to wyren unde to verwen (Braunschw. rechn. v. 1448) Schiller-Lübben 5, 737b. als veraltet für das nd. verzeichnet: wieren, wiren Campe 5 (1811) 714b. noch verbreitet in nd. maa.: 'wiren mit draht binden' Krüger Emden 72; 'wieren einen eisendraht durch den rüssel des schweines ziehen, um es am wühlen zu hindern': dat swien ward wiert. he schriggt,

[Bd. 29, Sp. 1573]


as wenn he wiert ward Mensing schlesw.-holst. 5, 637; 'auch »sich drahtartig ausbreiten« von halmen, die aus einer wurzel kommen' ebda.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
wierengras, wiergras, n., cynosurus cristatus L., 'zu wier »dünner metalldraht« nach den zähen, dünnen stengeln' Marzell wb. d. dt. pflanzenn. 1, 1300: seedeiche, welche an den aussenböschungen sicherung durch wiergras erhalten Lueger lex. d. ges. techn. (1894) 7, 931; gemeines kammgras, wiesenkammgras, herd-, wierengras d. gr. Brockhaus 20 (1935) 312a.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
wierhaft, wierhaftig, adj., was wierig (s. d.), nur frühnhd. neben währhaft (teil 13, sp. 822) und währhaftig (ebda 835) vereinzelt bezeugt (als veraltet bei Fischer schwäb. 6, 871): dz sein bestes theyl wirhafftig wer, dazu hatt er zierliche werck der wolredenheit gemacht M. Herr sittl. zuchtbücher (1536) 218a; aber seitmals nichs uf ertrich wirhaft oder bestendig, sonder auch die himel und erden zergeen müessen Zimmer. chron. 24, 73 Barack; und ist bei uns mentschen uf diesem erdtboden nichs wirhaftigs oder bestendigs ebda 2, 340.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
wierig, adj. , beständig, langandauernd; fest. ahd. uuirig, mhd. wiric; lautgesetzlich richtige (wie ergiebig zu geben) ableitung von uuerên (mhd. wern) permanere, durare (s. DWB währen teil 13, sp. 791), neben der werig analogisch den vokal des vbs. enthält (so Schatz ahd. gramm. § 7); s. Pokorny 1171. zufrühest bei Notker (6 belege neben dreimaligem uuerig) bezeugt, stehen die beiden formen noch im mhd. und frühnhd. etwa gleich häufig nebeneinander; in neuerer sprache tritt währig (s. währig 3 teil 13, sp. 923, vgl. auch währhaft ebda 822) fast gänzlich zurück, während wierig (bis ins 17. jh. gut belegt) noch in zss. (bes. langwierig teil 6, sp. 185; auch lebenswierig ebda 458) lebendig bleibt. in hist. wbb. seit dem 15. jh. und entsprechend der literarischen bezeugung bis ins 18. jh.: werig, var. wyrick (ende 15. jhs.) Diefenbach gl. 541a s. v. solidus; aeuum pati wirig sein vnd bestendig Cholinus-Frisius dict. (1541) 42b; perpetualis allgemein und stäts wirig Calepinus XI ling. (1598) 1071b; wierig idem qvod wrhaft solidus, durabilis, durans, stabilis, immutabilis Stieler stammb. (1691) 2417; wirig, wrhafftig durabile Rädlein t.-it.-frz. (1711) 1066a; wierig durans Wachter gl. (1737) 1898 (nicht bei Adelung und Campe).
1) 'dauerhaft, beständig', von geistigen und religiösen werten im gegensatz zu vergänglichen: scientia enim uidetur esse permanentium et eorum que difficile mouentur chúnna sint îo uuirîg unde infarent manne unsamfto Notker 1, 449 Piper u. ö.; flizz und wizze, die du do verkertest uf daz zitlich, — daz solt du nu keren uf daz, daz do ist wirig und ewig Seuse dt. schr. 362 Bihlm.; die vollkommen, gantz und wirig ehr der leicht (leiche) steht inn der menschen gemtter, und nicht im pracht der bestattung Bruno de instit. christ. feminae (1566) 97b. in allgemeiner verwendung (attributiv und adverbial) mit geringen bedeutungsnuancen: gech vnd vngestüm ist des püfels rede, aber aller minst wirig Niclas v. Wyle translat. 319 Keller; ob ein mensch ... so unweisz und grob wre, dz er meinte der fürsten freüntschafft würig oder stt wesen, der gedencke ... Steinhöwel spiegel menschl. lebens (Augsb. 1479) 11b;

darmb wer wirig herschen will,
der sll sich fleyssen tugent vil
Johann v. Schwarzenberg teutsch Cicero (1535) 113;

forcht, als Cicero spricht, nicht ein würiger meister ist seins ampts, dann so bald die forcht ab ist, so bald hrt auff die gehorsame A. Hug rhetorica u. formulare teütsch (1540) 48a; solche gunst ist aber nicht waar und wierig herrengunst (1566) 80b;

darum ade du lange zeit,
da uns der tod den eid zerschneid,
sollt ich bei dir stets wierig stehn,
und niemahls zu freunden gehn
Männling poet. blumengarten (1717) 565.

[Bd. 29, Sp. 1574]



2) 'langandauernd', von zuständen und vorgängen (bes. krankheit und streit), der mod. bedeutung von langwierig entsprechend: du solt ... dir selb och ein vaht nemen, daz du wol mugest erzúgen mit dinem kranken libe, daz dú untugend in dir sterbe und mit dem libe lang lebest. daz ist ein wirigir übunge und ist dir daz beste Seuse dt. schr. 107 Bihlm.; so sind auch etlich ursachen, die ainen von der burdin der formunderschaft entschuldigen und entheben mogen, ... wirige kranckheit (1513) urkundenb. d. st. Heilbronn 3, 348; die pferd hette m. h. von Waldeck auch gern heimgesandt, so haben wir doch nit konden uns einer wierigen handlung hie getrosten, wie e. f. g. auch derhalben selb nit hat vor gut angesehen, inen ein eigne kosthaltung anzurichten Bucer an landgr. Philipp (15. 3. 1546) in: publikationen aus pr. staatsarchiven 28, 412; kamend si vor Wurmsz an einer höchi zsamen, die man den Hasenbühel nent, und nach langem und wirigem streit lag küng Albrecht ob, und ward Adolf erschlagen J. v. Watt dt. hist. schr. 1, 397 Götzinger; a wîriga kranket Lexer Kärnten 258.
3) als 'fest, haltbar' von konkreten dingen: die aber da hant die stainin tavela reht als der stain da herte ist und wirich und wol hertet altdt. pred. 2, 87 Grieshaber; anno domini 1519 hat er (Jakob Fugger) für hausarm leut fast lange häuser gepauen, gt und wirig, nach allem vortail, mit hundert und vier feurstäten (Augsburg 1525) städtechron. 23, 168; sonder machen die zn wackelen, unnd das sie nit so wirig bleiben M. Herr schachtafelen d. gesunth. (1533) Aa 4a; allda zaigten si den unsern ain marmelstaine gerst, vier stapffel erhcht, mit wiriger und zher erden zusammgefgt A. Diether Ferdinandi Cortesii von d. neuen Hispanien (1550) 1b; die bche, welche mit festen und wirigen grben ausz dem Lech ... zu grossem der burgerschafft nutz und vortheil, in die statt geleitet seind E. Werlichius Augspurg. chron. (1593) 36;

wilt fellen holtz welchs wîrig bleib,
magst mercken wol auf mones scheib
Rebmann naturae magnalia (Bern 1620) 58.


 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
wierigkeit, f., fortdauer, beständigkeit; frühnhd. (bis ins 17. jh.) bezeugte substantivbildung zu wierig (lexikal.: wirigkait s. v. prescriptio [ende d. 15. jhs.] Diefenbach gl. 456c, perpetuitas eewigkeit, wirigkeit, beharrung Cholinus Frisius dict. [1541] 651b): danne des ersten, so tt der selben jungen frowen rainer vnuerserter atem, das alter des mans erkicken vnd in wirikait enthalten Niclas v. Wyle translat. 136 lit. ver.; disz bezeyge ein krafft christlichs glaubens vnd ein ewig wyrikeit christlicher leer, dorumb das die kron, die das kreitz vmbgibt, ein anzeig ist des siegs Hedio chron. Germ. (1530) 170a; allein es ist dieses vielmehr eine perpetuitt oder ununterbrochene wierigkeit zu nennen Sandrart iconologia deorum (1680) 11a; wierigkeit idem est qvod wärhaftigkeit, duramen, durabile Stieler stammb. (1691) 2417; wrhaftigkeit, wierigkeit, gewierigkeit durabilità Kramer t.-ital. 2 (1702) 1254a.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
wiesbaum, m., s. u. wiesebaum.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
wies(e)- in zusammensetzungen, s. wiesen-.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
wieschen, n., diminutiv zum folgenden. allgemein kleine rasenfläche: neben dem Jacobs berge herab neben wiesgen, bisz in die Steinbach (1394) weist. 6, 73 Grimm; ein wisgen gelegen do selbis im Heimbache (1506) Lennep landsiedelrecht (1768) 2, 70;

pagoden, höhlen, wieschen, felsen und klüfte
Göthe I 17, 38 W.;

ein kleines feldlein ... dann ein wieschen Stifter s. w. 2 (1908) 328. s. wiese 4 c α: dieses hätte ihn bewogen, sich zu ihr zu setzen, jedoch sie auch nicht aufwecken mögen, sondern hätte ohne erlaubniss in ihrem wieschen grasen wollen J. G. Schmidt rockenphil. (1759) 647. sein wieschen wässern seinen vorteil suchen:

[Bd. 29, Sp. 1575]


wo auf weltverbesserung
wünsche kühn sich lenken,
willst du nur auf wässerung
deines wieschens denken?
Rückert ges. poet. w. (1867) 1, 248.

vgl. wiese 4 c ε: dasz die krisis im flottenverein auch vorab im bayerischen landesverband dem zentrum ein gemähtes wieschen ist, darf nachgerade als bekannt vorausgesetzt werden Leipz. neueste nachr. (18. 1. 1908) 2. beilage.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
wiese, f. , pratum.
ahd. uuisa (gelegentlich auch wîsa geschrieben, aber ohne gewähr für länge, s. P. Sievers accente in ahd. u. as. hss. [1909] 70), mhd. wise, mnd. und mnl. wese Verwijs-Verdam 9, 2, 2337; daneben wisch ebda 2673, mnd. wisch, wisk(e) Schiller-Lübben 5, 739 aus as. (nur in ortsnamen) wîska, entsprechend ags. wīsc (ahd. wisicha als ortsname), das als wische auf nd. sprachgebiet auch in die schriftsprache eingedrungen ist, s. teil 14, 2, sp. 711. herkunft und form.
wiese eignet nur dem deutschen sprachbereich; es ist im ahd. seit dem 8. jh. häufig als ortsname, bes. als grundwort in zss. (s. die zusammenstellung bei Förstemann altdt. namenb. 32, 2, 1394) und in gloss. bezeugt; zufrühest Harioldes-wis (a. d. j. 756) ebda 2, 1, 1265; Loubwisa (795) 'eine wiesenfläche Worms gegenüber, am rechten Rheinufer' ebda 2, 2, 138; wisa (um 810, = Wiesen kr. Alzey, Rheinhessen), wysi (um 1000, Weese, kr. Bersenbrück), wis (um 1150, Wischer bei Hamm/Westf.) ebda 1395. in glossen: prades uuise (8. jh.) ahd. gl. 3, 2, 37 St.-S.; pratum uuisa (10. jh.) ebda 16, 31; wîsa (12. jh.), wisa (13. jh.), wîse (12. jh.), wisz (15. jh.) ebda 117, 53f.; paschwiese (13. jh.) ebda 380, 49. stärkere verbreitung findet das wort erst mit der entwicklung der wiesennutzung im hochmittelalter und dem übergreifen auf anwendungsbereiche, die ahd. und noch lange mhd. von anger und aue beherrscht werden.
die zuordnung von wiese zu verwandten wörtern ist umstritten. zur wz. eis- 'sprieszen, wachsen' in an. vīsir 'keim, sprosz', norw. vīse 'rispe, stiel, blätter', vīsa 'sprosz, schosz', ags. wīse 'sprosz, stengel', schwed. dial. vise, adän. vise, vese, jütl. vise 'spitze des kartoffelkrautes' stellen es 'am ehesten' Walde-Pokorny 1, 242 (ohne einschränkung Pokorny idg. etym. wb. 1133) und Jóhannesson isl. etym. wb. 120. für den anschlusz an eine wz. eis- 'zerflieszen' entscheiden sich Falk-Torp 2, 1389, Kluge etym. wb. 17860a und Hellquist svensk. etym. ordb. 32, 1333. wiese stünde danach im ablaut zu an. veisa 'schlamm', ags. wās 'feuchtigkeit', wase 'schmutz, schlamm, sumpfland', engl. ooze 'schlamm', mnd. und hd. wasen (s. teil 13, sp. 2276); die bedeutungsentwicklung von 'schlamm' über 'sumpfland, niederungsland' zu '(feuchtes) grünland' hat parallelen in aue und wasen. während sich bei aue und wasen die bedeutung 'feuchtes, sumpfiges land' noch lange hält, ist wiese seit beginn der überlieferung, abgesehen von mundartgeographischen besonderheiten, der neutrale ausdruck für 'zu mähende (kultivierte) grünlandfläche'. eindeutige belege für 'sumpfige, schlammige niederung' finden sich kaum, wenn auch das nd. wiske, wische vorwiegend niedrig gelegene landstriche bezeichnet, s. Doornkaat Koolman ostfries. 3, 563 und vereinzelt 'wees rothe, morastige und eisenhaltige feuchtigkeit' brem.-nds. wb. 5, 239. allgemein sind sog. natürliche wiesen gründe mit hohem grundwasserstand, der eine nutzung als weide oder acker nicht zuläszt ('unbedingtes wiesenland' vgl. d. gr. Brockhaus 20 [1935] 315a). die herleitung des wortes aus einer wurzel, die eine auf die bodenbeschaffenheit weisende grundbedeutung ('feucht, sumpfig') einbegreift, wird hierdurch gestützt.
nach karte 41 des dt. sprachatlasses weisen die maa. folgende leitformen auf: den gröszten raum des nd. (Pommern, Mecklenb., Brandenburg, Schlesw.-Holst., Nieders.) nimmt wisch ein, neben kleineren wisk-gebieten um Ludwigslust, südl. von Gadebusch, zwischen Ülzen und Salzwedel

[Bd. 29, Sp. 1576]


und im osten vereinzelt, in Schlesw.-Holst. häufiger auftretendem wiesch, wisch; das westl. Nieders. zeigt wisk. der norden Westfalens wiesk, wisk, ostfäl. wiesch, wisch, um Detmold-Paderborn wies. obd. im bair.-österr. und schwäb. ziemlich einheitlich wies mit vereinzeltem wis. im alem. neben vorherrschendem matte auch wies, wīs und wiss, wĭs, wisz. vielfältig sind die md. formen. geschlossenere wies-gebiete im ostmd., schles., obersächs. und im rhein.; wesz, wess im ripuar., niederhess.; wes, wäs thüring.-obersächs., ostmd. und ostnd. (ostpreusz.); wies, wiäs zw. Arnsberg und Bielefeld, wäas, weas, wiäs im thür.-obersächs.; weis, wöis im ostostfränk.; weis Grünberg, Breslau. dem befund des sprachatlasses entsprechen die angaben der mundartwbb., vgl. u. a.: wisch (viš) u. wiesch (vīš), wiss (vis), wisk Mensing schlesw.-holst. 5, 666; wisch Westermann Baden 90b; wiske, wisk Doornkaat Koolman ostfr. 3, 563b; wīəse Woeste westf. 323a; wiëse Schmoeckel-Blesken Soester Börde 333; wī.ə.s Leihener Cronenberg 134b; wîsche Damköhler Nordharz 228b; vzə Teuchert neumärk. 249; weese Müller-Fraureuth obersächs. 2, 665 f.; wiss Christa Trier 218b; wis Martin-Lienhart elsäss. 2, 868a; bisa Schmeller cimbr. 174; wîsε, wîs Schatz Tirol 709. die schriftsprache bevorzugt seit alters die zweisilbige form, die vorwiegend mit länge des stammvokals auftritt, daneben stehen (bes. obd.) formen mit apokopiertem e und verschärfung des endkonsonanten, die meist auf kürze des stammvokals weist: wisz Alberus dict. (1540) ii 3a; wiss, daneben nicht selten wīss Hotzenköcherle ma. v. Mutten 209. als endsilbenvokal tritt öfter i auf: vil wesin d. md. Marco Polo 29 Tscharner; ebda 21. auch o und a: bis zu ennde der wison (1483) bei Fischer schwäb. 6, 890. mit m-nasal durch einflusz von wasem (s. DWB wasen teil 13, sp. 2277): äcker, garten, wisam Niclas v. Wyle translat. 68 Keller. verschreibung für weszen nimmt Joachim an: woszen Marienburger treszlerb. 59. rundung des i durch das vorhergehende w: wüsen (1643) österr. weist. 4, 17, 24; wüsz (1782) ebda 3, 181; über Haszelbacher wüsen ebda 183.
wiese flektiert im mhd. (vgl. mhd. wb. 3, 765, Lexer 3, 938) und frühnhd. bis ende 16. jhs. noch vorwiegend sw. (belegverhältnis 3 : 1); seit dem 17. jh. setzt sich der st. sing. allgemein durch. nach etwa 1800 findet sich die sw. flexion nur mehr archaisch und in mundartl. (obd.) beeinfluszter literatur: durch eine ... wiesen Scriver seelenschatz (111737) 1, 353; auf der wiesen Meisl theatr. quodlibet (1820) 3, 172; auf unserer wiesen Mittler dt. volkslieder (1865) 640. vereinzelt ein hybrider gen.: ein stück landes ... waldes, wiesens Kramer t.-it. 2 (1702) 1018c. das n der obliquen kasus dringt gelegentlich in den nom. sg. ein; so noch verbreitet mundartl. (obd.): wîsn Nassl Tepl. 7; wies'n Hügel Wien 189b; wīsn Castelli Österr. 267; wis'n Schöpf Tirol 818; wisn PBB 28, 89. zum nom. s. wiesn tritt vereinzelt ein plur.: sambt den wisnen in Schladitsch (1643) österr. weist. 4, 17. bedeutung und gebrauch.
entsprechend der topographischen lage in talsohlen und niedrigen landstrichen sind wiesen von natur aus feucht. die ursprüngliche bedeutung 'sumpfige rasenfläche' ist in der heutigen schriftsprache verloren gegangen (vgl. jedoch noch 'sumpfiges oder nasses land, dessen gras zu heu getrocknet wird' Stosch gleichbed. wörter 1 [1777] 128; 'der begriff der feuchtigkeit scheinet dem worte wesentlich anzukleben' Adelung 5 [1786] 220). nachdem wiese allgemein die bed. 'kultiviertes, zur gras- und heugewinnung bestimmtes grünland' gewonnen hat, wird der begriff der feuchtigkeit durch adjektiva hervorgehoben: in den tieffen, masigen, sumpffigen, wsserigen wisen Ryff spiegel u. regim. d. gesundth. (1544) 49a; nasse wiesen oder bruch Döbel neueröffn. jägerpractica (1754) 1, 10; auf sumpfigen wiesen Peschel völkerkde (1874) 43. in mundart und fachsprache dafür verbreitet saure wiese (vgl. DWB sauer 5 b teil 8, sp. 1869 und den ortsnamen Sauerwies Bach namenkde 2, 1, 298): 'im Langendorfer gebiet heiszt es (feuchtes wiesenland) neben au auch sauere wiese (saur

[Bd. 29, Sp. 1577]


wīs)' M. Prexl wortgeogr. d. mittl. Böhmerw. 21; 'man unterscheidet soüte und soure wisen' Bauer-Collitz Waldeck 114b; auf sauren wiesen Strecker d. kultur d. wiesen (1923) 249.
berührungen in der bedeutung finden sich mit aue und anger (ferner brühl, brunkel, bruch, s. u.). gemeinsam ist allen die vorwiegend niedrige lage: aue ... ist so viel als eine niedrig gelegene wiese oder anger Gueintz dt. rechtschrb. (1666) 32; aue ist in seiner gröszten allgemeinheit dem erhabenen theile des landes entgegengesetzt ... wiese (wird) so davon unterschieden, dasz dieses ein sumpfiges land ist, dessen gras zu heu getrocknet wird Eberhard vers. e. allg. dt. synonymik (1795) 1, 150. während aue jedoch zunächst wie auch anger eine ungepflegte grasfläche bezeichnet, dann zu 'talmulde, landfläche mit vegetation' (die wiessen in der awe J. Grimm weist. 4, 563) übergreift, wird wiese prägnanter ausdruck für (kultivierte) regelmäszig zu mähende rasenfläche (s. 1). das wort bleibt bis in neuere zeit (vgl. jedoch 3) vorwiegend fachsprachlich. mhd. und frühnhd. dichtersprache meiden es weitgehend, vgl. die reihende aufzählung der flur- und waldbezeichnungen Uolrichs v. Liehtenstein 31, 7 Kraus: heide velt walt anger ouwe.
bis zu einem gewissen grade austauschbar sind aue, anger und wiese im bereich bildl. und übertr. verwendungen, wobei aber aue immer der umfassendere, felder und wiesen einbegreifende und so flur nahestehende ausdruck bleibt; das zeigt die paarige verbindung auen und wiesen der gehobenen sprache, die etwa äcker und wiesen, bzw. felder und wiesen als bezeichnungen landw. nutzflächen entspricht: (gott) schmuckt wisen vnd awen Agricola 750 teutscher sprichw. (1534) A 6b; die schönen ... awen und wiesen Hennenberger erclerung d. pr. landtaffel (1595) 1; (der winter) schleift wiesen und felder Buchner anl. z. dt. poeterei (1665) 149; er kommt über auen und wiesen Göthe I 25, 1 W.; so musz auf feld und wiesen alles verdorren J. G. Forster s. schr. (1843) 1, 54; das in alter zeit (13. jh. bis ins frühnhd.) weit verbreitete, jetzt nur mundartlich und in flur- und ortsnamen fortlebende brüel, briegel, brü(h)l 'sumpfige, z. t. mit bäumen bestandene wiese' (s. Lexer 1, 364, teil 2, sp. 426 und bes. Fischer schwäb. 1, 1467) steht aue und anger nahe, bezeichnet aber mhd.-frühnhd. sehr oft fruchtbares, fettes wiesenland; ebenso begegnen sich gelegentlich auch wiese, bruch (teil 2, sp. 410) und brunkel (ebda 431) in der bedeutung 'aue, (feuchte) rasenfläche', vgl. die mit landschaftsangaben versehene zusammenreihung Fischarts: sie fügten sich ... auff das grn bruch, oder auff die Schweitzermatten, die Reinisch wisen, vnd die Schwbisch au, da spilten sie des ballens Garg. 274 ndr. von der funktion her können aue, anger, wiese (s. 1 f) neben weide stehen, wobei sich letztere von wiese nicht nur durch die nutzungsart (ständige beweidung und nur gelegentl. mahd) unterscheidet, sondern auch durch die bodenbeschaffenheit (tieferer grundwasserstand, festere grasnarbe).
als synonyma treten in geschlossener bezeugung matte im alem., grünland im ostfries. auf, s. dt. sprachatl. 41 (wobei zweifelhaft bleibt, ob der abgefragte satz ich bin über die wiese ins korn gefahren verläszliche auskunft über die synonymik geben kann). gegen wiese konnte nur matte seine geltung behaupten, ausführl. E. Müller matte = 'wiese' im sprachgeb. des dt. reiches, in: theutonista 7, 162 ff.
wie matte, in die hochspr. eingedrungen, dichter. ausdruck für grasland schlechthin wurde, gilt umgekehrt wiese im bereich alem. maa. für gewählt. bedeutungsunterschiede können vorliegen: allda waren geblümpt wisen vnd matten Niclas v. Wyle translat. 234 Keller; die wisen vnd matten zur weid vnd zum futer anzurichten Sebiz feldbau (1579) 2. wohl mehr auf unsicherheit in der anwendung als auf sachliche unterscheidung weist die bes. in alem.-schwäb. quellen häufig auftretende verbindung matte oder wiese: die matten oder wisen zbefeüchtigen Ryff anatomi (1541) A 2a; (in) matten oder wisen S. Münster

[Bd. 29, Sp. 1578]


cosmogr. (1550) 120; der ander wünschet eine wiese oder matte Dannhawer catech.-milch (1657) 2, 49.
pflanzengeogr. ist wiese 'eine aus weichen gräsern und kräutern bestehende pflanzenformation der gemäszigten, polaren, stellenweise auch subtrop. zonen' d. gr. Brockhaus 20 (1935) 316a. ähnlich, aber nicht terminologisch im sinne der pflanzengeographie, bezeichnet wiese in allgemeiner, unscharfer anwendung alle arten von natürlichen rasenplätzen und grasländereien (s. 2 u. 3). zahlreich sind bildliche und übertragene verwendungen (s. 4); gesonderte bedeutungen haben sich nur vereinzelt und nur in mundart und umgangssprache herausgebildet: die grähne (grüne) wies'n spiel'n (ein hazardspiel) Hügel Wien 189b. 'vulva', wohl zunächst nur in der wendung auf fremder wiese grasen, s. 4 c α: (1510) Sterzinger spiele 31 Zingerle; vgl. in der gleichen bed. anger Heinrich v. Freiberg Tristan 5969 Bernt und brühl Heinrich v. d. Türlin diu crône 11 726 lit. ver.
1) wiese als landwirtschaftlich genutzte fläche.
a) auf ursprüngliche eigentumsverhältnisse (vgl. M. Heyne dt. hausaltert. 2, 131) deuten belege aus älterer zeit, in denen wiese das für die hauptvegetationszeit aus der gemeindeweide herausgenommene, durch einfriedungen geschützte grünland bezeichnet: sust ander wisen ... söllent offen sin untz ze s. Jörgentag (Thurgau 1431) J. Grimm weist. 5, 116; item sollen hinfürters die wiessen in der awe vnd röler in meines gn. h. gericht biss Michaelis kein viehe hineinzutreiben zugethan werden (Main, Rhein, Lahn, 1634) ebda 4, 563; vermörkt der neuwisen halben, wann die gefridt sollen werden, auch wann die wisen gewaidt und offen sein sollen (1643) österr. weist. 4, 19; etliche wiesen haben heurecht, die bleiben nur eine gewisse zeit geschlossen, und müssen, wenn sie gemhet worden, zur hut und trift offen bleiben Jablonski allg. lex. 2 (1767) 1776a.
b) mit zäunen umgebene, meist kleinere rasenfläche in der nähe des hauses: sundir das pallas, wesin, gartin und der see sint beslossin mit eyner grozen muren (14. jh.) d. md. Marco Polo 29 Tscharner; wo si (die almen) aber mit hëgen und zewn underschiden sein, dergleichen in ängern und mädern, wisen oder koglmädern, da soll man die zewn ... mit ainander machen (1565) österr. weist. 1, 221; item auch welche sein aiger, egarten, wisen inzeunen will, der soll den zaun auf sein edtrich (!) setzen (17. jh.) ebda 307; ich sehnte mich wieder ... nach der eingezäunten wiese im garten, wo die zahmen rehe sprangen Holtei vierzig jahre (1843) 1, 346. in verdeutlichender zuss.: 'hauswiese, vereinzelt auch häuselwiese (haislwīs) ... die wiesen beim haus (sind) eingezäunt und wir finden hier sehr oft die bezeichnung garten dafür' M. Prexl wortgeogr. d. mittl. Böhmerw. 21.
c) wiesen werden zur heugewinnung einmal oder öfter (ein-, zwei-, dreimähdige, -schürige wiesen) gemäht:

warst du ze bawen icht trage,
liesset den acher icht ungeset
oder wisen ungemet
Heinrich v. Burgus d. seele rat 784 Rosenfeld;

item eyn innhelder ader besytzer der bruwelwiesen sall die wiesen mehen acht tage vor ... sant Johanns dage (Wetterau 1460) J. Grimm weist. 3, 479; ain pfleger ... mag des schloss zum Thurn wis zu mäen berüeffen lassen (16. jh.) österr. weist. 5, 630; in ansehung des nutzens sind die wiesen entweder ein- zwey- oder dreymähdig Jablonski allg. lex. 2 (1767) 1774b; überhaupt ist eine analoge anwendung der grundsätze über die zweischurigen wiesen auf dreischurig gemachte ausgeschlossen Viktor Platner sachenrecht (1875) 254; viel leute (waren) mit dem mähen einer herrlichen wiese beschäftigt M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893) 1, 92.
d) wiesen gehören in stärkerem masze als weiden zum kulturland; sie werden bewässert, gedüngt, neu angesät, gebaut: wir armen ... sigen des beswerd mit der wiszen

[Bd. 29, Sp. 1579]


in der Greszelbach, die u. g. h. ist ... die müszen wir wäszern und subern, haben bisher die wachter getan uf dem slosz (1481) d. dt. bauernkrieg, aktenbd. 12 Franz; so eyner wiessen hadt vber eines haus vnd gartten, der sal wessern an dess schaden (Franken 1509) J. Grimm weist. 3 591; Columella vnd Palladius sagen, das man auff die wisen den allerfrischesten mist soll fren M. Herr d. feldbau (1551) 42a; die neuen oder vorneueten wiesen besäe in diesem monat (februar) mit heusamen oder wicken haush. in vorwerken 249 Ermisch-Wuttke; da er ... seine äcker und wiesen ungebaut und zerstret fand Zimmermann v. d. nationalstolze (1758) 141. ironisch: (prof. d. nationalökonomie) oder ein professor der kunst, die wiesen auf der studierstube zu wässern Lichtenberg br. (1901) 1, 2.
e) künstliche wiese oder kunstwiese, auch wechselwiese s. teil 13, sp. 2776, ist ein auf (bestimmte) zeit mit wiesengräsern besätes und als wiese genutztes feld: künstliche wiesen, d. h. solche, die man durch aussäung von futterkräutern dazu gemacht hat Leopold handwb. d. ökon. (1805) 529b; (der hohe hafer ist) besonders geeignet zu künstlichen wiesen Oken allg. naturgesch. (1839) 3, 416; die kunstwiesen, die durch die vervierfachung des viehbestandes nöthig geworden Waldau nach d. natur (1850) 2, 74.
f) als weide werden wiesen nur gelegentlich, meist erst nach der heuernte genutzt; für die beweidung gemeiner wiesen bestehen strenge verordnungen: item 18 volen uf der wesen czum Leske (Montau 1381) d. Marienburger ämterb. 74 Ziesemer; es soll auch kainer kain wisen vor sand Bartlmes tag mit gevär etzen (16. jh.) österr. weist. 3, 15; gaisz- und schaffvich ... soll ... zu allen zeiten auf die wisen zu kern und hieten zu lassen genzlichen verboten sein (1674) österr. weist. 2, 281; vogt und konsorten verboten, das vieh auf die wiesen zu treiben (1783) Schiller br. 1, 117 Jonas; nur vereinzelt weideten noch kuhherden auf den längst gemähten wiesen O. M. Graf unruhe (1948) 368.
g) wiese als nutzungsart des bodens; bes. in aufzählungen neben feld, acker, weide usf. als bezeichnungen von liegenschaften und vererbbaren besitztümern (sehr häufig in der rechts- und urkundensprache): das genatte gut geliche. in walde in wesin. in ackere ... sullen die genanten burgere eweclichen vnd vrilichen besitzen (Kulm 1251) corp. d. altdt. originalurk. 1, 36, 20 Fr. Wilhelm;

du endarft dich auch drosten niht
zu dinen magen: wann sie hant pfliht
wie in din erbe werde,
wingarten, wise und erde
Heinrich v. Neustadt visio Philiberti 132 Singer;

(der) hof zu Stockach, mit aller seiner zugehörung, ze velld, vnd ze dorff, an wisen, agkern, gärten (1485) mon. Boica 15, 353;

nun hört, so soll man geben euch
hausz vnd hof andern leuten gleich
sammt notturfft ecker vnd wiessen (1595)
Ayrer dramen 71 Keller;

(beim kauf eines gutes ist zu erforschen) wie viel tagwerck wiesen zu dem gut gehören Hohberg georg. cur. (1682) 1, 10; es wurden Wilhelmen die papiere vorgelegt, man besah die felder, wiesen, schlösser Göthe I 23, 118 W.; und verzettelte nach und nach alle liegenden gründe, die zum schlosse gehörten, felder, wiesen, triften, holzungen Immermann w. 1, 63 Hempel; ein bauerngut ... mit etlichen fünfzig morgen äckern und wiesen Th. Mann Faustus (1948) 21.
h) häufigere adjektivverbindungen, die beschaffenheit und wachstum der wiesen kennzeichnen (bes. fette, üppige wiese): man sol ǒch die feissen wisen ierlich ze mittem abrelle bannen (Zürich o. j.) J. Grimm weist. 1, 74; pratum siccaneum eine drre wiese Zehner nomencl. (1645) 143; eine magere wiese pratum macrum Steinbach dt. wb. (1734) 2, 1000; an fetten ... wiesen und weiden (1840) E. M. Arndt s. w. (1892) 1, 26; auf den

[Bd. 29, Sp. 1580]


üppigen wiesen des heutigen Schirwan Mommsen röm. gesch. 3 (1866) 123; Tübingen ... verbarg sich hinter hügeln voller obstblüte und strotzenden wiesen A. Zweig einsetzung e. königs (1950) 230.
2) auszerhalb landwirtschaftlicher kultur und nutzung im engeren sinne; allgemein mit gräsern bewachsene (meist gröszere) fläche landes.
a) durch verwüstungen, fehlende pflege, verunkrautung usf. zur wiese gewordenes oder wie eine wiese aussehendes land (verbreitet umgangssprachlich die reinste wiese für einen verunkrauteten acker):

mir hât gemachet ein rise
mîne huobe zeiner wise
Hartmann v. Aue Iwein 4464 Benecke;

da ward innwendig (der stadtmauer) mehr als der dritt theil ein wildnusz mit grasz gar berwachsen, ein lauttere wiesen Schweigger reyszbeschr. (1619) 321;

was dieser baut, bricht jener morgen ein.
wo ietzt palläste stehn,
wird künfftig nichts als grasz und wiese seyn
Gryphius trauersp. 150 Palm.


b) wiese als stand- und aufenthaltsort bestimmter tiere und pflanzen (s. kompositionstypen 5): das wisen leüszkraut ... in den nassen feüchten wisen gefunden würt Bock kreutterb. 1 (1539) 60a; die immen in den wisen vnd grnen feldern vmbfliehen Albertinus hirnschleiffer (1664) 407; auf den ... feuchten wiesen des thals blhte achillea ptarmica Haenke in: beob. auf reisen n. d. Riesengebirge (1791) 51; anemonen, ranunkeln ... stehn in allen gärten munter und froh, die ersten sogar auf wiesen Göthe IV 30, 42 W.; bienen reisten in die wiesen, und der gauch rief den mai an Watzlik d. pfarrer v. Dornloh (1930) 27.
c) wiesen waren und sind seit alters
α) austragungsort von kämpfen aller art, wobei aber, im gegensatz zu feld, die bedeutung 'kampfplatz' sich nicht klar verselbständigt (vgl. den ortsn. Stritwisen [1160, Niederösterr.] Förstemann namenb. 32, 2, 909):

dô hub sich êrist der wîch.
da verlôs manic man den lîb.
die grûnen wisen worden rôt
Lamprecht Alexander 4698 Kinzel;

der kempfe kne als die risen
kam uf des kampfes wisen
Heinrich v. Neustadt gottes zukunft 2204 Singer;

Gawan ... ubersah jhen wiesen alle da der strit off solt syn Lancelot 1, 264 Kluge; die wappen ... deren, so in diser vecht (von Creuzwisen) uf selbiger wisen und walstatt umbkommen Zimmer. chron. 21, 262 Barack; sahen in einer nechst gelegenen wiese ihr vier miteinander hauen und stechen Zendorius teutsche winternächte (1682) 75; jetzt erst folgt der volkskampf; mit grimm stöszt die menge zusammen, die grünen wiesen röthen sich Gervinus gesch. d. dt. dichtg. (1853) 1, 224.
β) versammlungs- und festplatz (vgl. oktoberwiese und die zss. unter kompositionstyp 4 d), insbesondere schauplatz von schützenfesten: do sampneten sie sich uff der wesin ... drey tussent busser unde mer (1421) Joh. Rothe düring. chron. 596 Liliencron;

(frau zum erfolglosen armbrustschützen:)
hast zwen tag auf der wisen gschossen,
und umb kein häller des genossen.
etwan ein bar gülden verthan (1559)
Hans Sachs 21, 93 lit. ver.;

so bald der tag zu rüste,
so sucht die schützenzunfft in federn ihre ruh.
da wird die wiese leer, da stehn die zelte wüste
Henrici ernst-, scherzh. u. sat. ged. (1727) 2, 539;

bei der Eierburg waren viele menschen auf einer grünen wiese versammelt wo getanzt und gespielt wurde um eier Brentano ges. schr. (1852) 5, 141; schrilles jauchzen und jubeln stieg (beim maienfest der stadt Hameln) auf von der dämmerigen wiese W. Raabe s. w. I 6, 184; eine grosze wiese voll schaubuden Rilke br. 1 (1950) 24.

[Bd. 29, Sp. 1581]


vereinzelt das fest selbst: in manchen städten können als volksfeste die sogenannten 'wiesen' gelten, eine art laubhüttenfest, wo die honoratioren sich an vogelschieszen und märkten für ganze wochen im freien ihre zelte bauen; die 'wiese' ist besonders in Eisleben und Stolberg ... zu hause H. Pröhle Harzbilder (1855) 25.
γ) in neuester zeit umgangssprachlich in zss. wie flegelwiese le champ de man œvres R. Delcourt argot (1917) 104b. 'wiese in Kgsbg. u. Danzig kurze bezeichnung für holzwiese, stapelplatz für brenn- und nutzholz' Frischbier pr. 2, 468. idiotenwiese übungsgelände der schianfänger. liegewiese rasenfläche in luft- u. freibädern. spielwiese mit rasen bedeckter (kinder-)spielplatz: drei Berliner steppkes auf dem klettergerüst ihrer spielwiese tribüne (28. 7. 1960) 8. auch: sie wanderten am fluszufer entlang, über schlagballwiesen, fuszballwiesen H. Böll billard um halbzehn (1959) 146.
3) in gehobener und dichterischer sprache verbinden sich mit wiese (zumeist als stilmittel und literarisches motiv) besondere, oft nicht näher bestimmbare bedeutungsnuancen.
a) ähnlich wie flur, aue, wald gewinnt das wort (mittelbar hier, deutlicher unter b δ) die gefühlswerte des angenehmen, erholsamen, erfreuenden (vgl. die zss. des kompositionstyps 6): es war ein zeit doctor Martin Luther unlustig und ungeschickt, drum man ihn auf einem wagen spaziren führete durch gehölze und uber wiesen (1538) bei Luther 4, 26 W.; in der schnen grossen wiesen ... da gemeiniglich die einwohnende damen sich pflegen zu erlustigen vnnd zu spielen theatrum amoris (1626) 187; auf (über) die wiesen gehen, spatziren caminare, passeggiare i prati Kramer t.-it. 2 (1702) 1347c;

unter diesen
lorbeerbüschen,
auf den wiesen,
an den frischen
wasserfällen
meines lebens zu genieszen
Göthe I 2, 23 W.;

was habe ich geseufzt ... in Rüschhaus aus ihrem fenster nur eine viertelstunde lang die grüne wiese ansehen zu können A. v. Droste-Hülshoff br. 63 Schücking; wenn man dann heimwärts fuhr, im abenddämmer durch lauschige wiesen H. Böll billard um halbzehn (1959) 97.
b) wiese steht in zahlreichen, z. t. festen verbindungen.
α) in verbindung mit adjektiven (bes. bunt, blumig):

gezieret wol in widerstrît
kam der liehten megde schar
dur ein wisen wunnevar
gegangen vil gemeine
Konrad v. Würzburg d. trojan. krieg 14 572 Keller;

nun ade, ihr bunten wiesen!
Knittel poet. sinnenfrüchte (1677) 158;

erst befiehlt uns die göttin (Kirke), der zauberischen sirenen
süsze stimme zu meiden, und ihre blumige wiese
J. H. Voss Odyssee 222 Bernays;

von hier oben sah man weit auf die smaragdfarbenen wiesen des breiten ... Marnetals Bergengruen Karl d. Kühne (1930) 19. sehr häufig (s. auch a und die zs. wiesengrün) grüne wiese: ich bin aber (im traum) uf ainer schönen grinen wissen gewesen Zimmer. chron. 23, 14 Barack; sie kamen auf eine wiese grün Herder 25, 170 S.
β) in reihungen wie wiesen, äcker, bäume u. ä. zur skizzierung eines landschaftsbildes: die schönste gegend eines mit feldern, wiesen und zerstreuten bauernhfen gezierten thales S. v. Laroche frl. v. Sternheim (1771) 1, 134; eine reizende flachlandszenerie mit feld und wiesen, mit fluss, bach und brücken Fontane ges. w. (1905) I 1, 174; hügelichtes gelände mit wiesen, straszen, bäumen und häusern Dehio kunsthist. aufsätze (1914) 126.

[Bd. 29, Sp. 1582]



γ) alliterierend, bes. DWB wald und wiese, wies und wald:

ach! schrie er, wald und wiese,
ihr zeugen meiner noth
Lichtwer fabeln (1748) 37;

durch wies' und wälder,
durch blühende felder
Wackenroder herzenserg. (1797) 25;

dämmernd liegt der sommerabend
über wald und grünen wiesen
H. Heine s. w. 1, 133 Elster.


δ) die affektische wirkung auf den betrachter wird greifbar in den folg. verbindungen (vgl. laetum pratum ein lustige wisz Alberus dict. [1540] Qq 3a):

min herre der kunik wil riten
ein ander straze, dan dise;
an der wunneklichen wise
lebet in gemaches pflege
Ulrich v. Türheim Tristan u. Isolde 1290 Hagen;

auff der vierdten seiten (waren) hübsche lustige wiesen hertzog Aymont (1535) d 6b; ausz den alten eliseischen feldern, welche anmuhtige felder, wiesen und garten sehr ferne von hier Rist d. friedewünsch. Teutschl. (1648) 46; wenn ich dann auf einer groszen lachenden wiese ... die milderen einflüsse der abendsonne geniesze, dann versetze ich in diese gegend alle meine freunde (1767) Chr. Garve br. an e. freundin (1801) 61; der blumenkranz ihres (der heroine) hauptes deutet auf die fröhlichen wiesen der landschaft (1818) Göthe I 49, 1, 130 W.
c) wiesen (fast nur plur.) als subjekte aufgefaszt; sie grünen, blühen, prangen u. dgl.:

auch grunen beyde weld und wiesen (1548)
Hans Sachs 1, 24 lit. ver.;

da sich feld und wiesen mahlen
Logau s. sinnged. 148 lit. ver.;

er sieht im thau die wiesen blhen Kretschmann s. w. (1784) 1, 64; die blumen, in deren buntem reichtum die wiesen prangten E. Zahn die da kommen u. gehen (1909) 130. — freuen sich, lachen, träumen u. dgl.:

seht wie sich vreut boum unde wise
Neidhart v. Reuenthal 18, 16 Haupt;

weil die blmlein offen sein,
weil die grnen wiesen lachen
Spee trutznachtigall (1649) 101;

im nebel ruhet noch die welt,
noch träumen wald und wiesen
Mörike s. schr. (1905) 1, 109 Göschen.

eine wiese kann jemanden empfangen, jem. etwas nennen:

frey, mit weithin verbreitetem teppich empfängt mich die wiese,
durch ihr freundliches grün schlingt sich der ländliche pfad (1795)
Schiller 11, 76 G.;

eines dichters namen zu tragen bist du gewürdigt,
keinen lieberen hat wiese noch wald mir genannt
Mörike s. schr. (1905) 1, 91 Göschen.


4) bildlicher und übertragener gebrauch.
a) in vergleichen stehen bilder der zu mähenden wiese und bes. ihres bunten und mannigfaltigen pflanzenwuchses: die frd diser welt wirt gleicht ainer wisen, die hüt ist grüne, morgen mät man sy ab vnd wirt dürr Keisersberg predigen teütsch (1508) 42b; in allen lndern wren fromme und gottlose leute, wie auf allen wiesen giftige und gesunde kräuter wüchsen Lohenstein Arminius (1689) 2, 273b; die deutsche literatur sieht wie eine reiche wiese aus Hegel w. (1887) 19, 1, 90.
b) bildlicher gebrauch knüpft meist an das blühen und grünen, seltener an die weite der wiesen an.
α) in mythologischen und religiösen vorstellungen (vgl. Jacob Grimm dt. mythol. 42, 686; hdwb. d. dt. abergl. 6, 1445) der ort der seligen, des heils; nur mhd. und frühnhd.:

swer im selbe den tôt tuot,
den geriuwet diu vart,
und ist im ouch verspart
diu wise dar dû komen wilt,
an der Blanscheflûr nû spilt (nach 1210)
Konrad Fleck Flore u. Blanscheflur 2425 Sommer;

[Bd. 29, Sp. 1583]



der geschaffen hat den tag,
der helf uns uf der gnaden wisen,
dar die uzer welten risen
geladen sint, die gotes tegen
Heinrich v. Neustadt gottes zukunft 8078 Singer;

darumb haben die junckfrauwen etwas grosses über ander slige menschen, ... wann sy nachvolgen dem lemblin gottes wo es hingeet ... auff die wiszen der wolriechenden plmen Albrecht v. Eyb spiegel d. sitten (1511) T 5b; stifft den seelen auch ayn pfeyffer ... auff das ... die seelen dantzen vor dem fegfeur auff der schnen madten oder wysen, daruonn die poeten liegen reformationsflugschr. 2, 63 Clemen.
β) allgemein, in den verschiedensten verwendungen, jedoch nicht allzu häufig bezeugt: dú samnung sol ain schnú wise sin uff der mnger hande blmen wachsent St. Georgener pred. 317 Rieder; vmb dieser vrsach willen belüstige und wayde ich mich auff der lstigen schönen wiesen der heyligen schrifft Ph. Nicolai freudenspiegel (1626) 4; es seyn auch viel neue ... politische bcher herausz kommen ... doch ... auf dieser grnen wiesen, auch viel giftige kreuter ... wachsen Butschky Pathmos (1677) 31; das musäum, ein köstliches tagebuch, ... ist iezt ein heuschoch auf der grosen wiese literarischer eitelkeit (1789) Schubart br. in: Strausz w. 9, 270; wir (wollen) uns wie der sultan Solyman freuen, dass auf der bunten wiese des erdbodens es so mancherlei blumen und völker giebt (1794) Herder 17, 211 S.; (schlusz der vorr.:) und somit sei mir in den hainen und wiesen ..., die sich demnchst erschlieszen werden, aus ganzer seele willkommen! Fouque zauberring (1812) 1, 2; einen groszen gedanken zu suchen auf der platten wiese des lebens, wie man ein vierblatt im klee sucht Gutzkow ritter v. geiste (1850) 3, 364.
c) in sprichwort und redensartlichen wendungen (weiteres s. Wander dt. sprichw.-lex. 5 [1880] 231 f.).
α) in wendungen, die verhüllend für coire stehen; auf neuer wiese mähen:

frau, habt ihr uns verstanden recht,
so gebt eur tochter ainn jungen knecht,
der wol auf neuer wisen kan meen fastnachtspiele 2, 749 lit. ver.

auf fremder wiese grasen u. ä., s. grasen teil 4, 1, 5, sp. 1955:

her konig, ir habt allzeit ein wan,
wie man frauen betriegen kan.
ir wolt in fremder wiesen grasen (15. jh.) fastnachtspiele 1, 143, 12 lit. ver.;

manchem redlichen manne (würde) seine ehrenwiese, in seiner abwesenheit von andern ... so liederlich nicht abgegraset werden Gynaecophilus d. polit. freiersmann (1686) 122; er hat auf eines andern wiesen gegraset alienam uxorem subagitavit Stieler stammb. (1691) 694; kinderey, warum soll dann mein schaf nicht auch auf einer andern wiesen grasen können Bäuerle kom. theater (1820) 2, 46.
β) auf fremder wiese mähen unberechtigten nutzen ziehen:

(auf dasz wir nicht) von dem wuchrer drffen was
auffborgen, der das beste gras
auff frembden wiesen mehet
Ringwaldt evangelia (1581) Z 4a.


γ) wasser auf seine wiese leiten 'seinen vorteil suchen': die es alles wllen vberginen vnd das wasser allein auff jhre wiesen leiten, die werden nicht reich oder verarmen doch wider Petri d. Teutschen weiszh. (1605) Q 3a.
δ) die wiese zum heu umackern, seine wiese pflastern lassen 'etwas absurdes unternehmen': er wil die wiesen zum hew vmbackern Eyering proverb. copia (1601) 2, 460; dergleichen ist die that oder rath dessen, der seine wiesen hat wollen pflastern lassen Harsdörffer gesprächsp. (1641) 3, 74.

[Bd. 29, Sp. 1584]



ε) das ist (mir) eine gemähte wiese 'erwünschte gelegenheit', 'gefundenes fressen' (auch das ist wasser auf seine wiese Adelung 5 [1786] 219). mundartlich für das bair.-österr. gebucht: das ist mir eine gemhete wisen rem factam habeo Dentzler clavis ling. lat. (1716) 354b; 'in Baiern sagt man das ist mir eine gemhte wiese' Campe 5 (1811) 714b; des is eahm a gmahti wiesen Jakob Wien 219b. schriftsprachlich, auch über das obd. (bair.) hinausgreifend, seit dem 16. jh.: dieweil die Römer selbs aneinander verderbten, war's den obgenannten Teutschen ein ebens spil und gemäte wissen ... sich zu reichen mit rauben auf das römisch reich Aventin s. w. 4, 2, 1036 bayer. akad.; das war nun eine gemähete wiese vor ihn Grimmelshausen 2, 544 Keller; was nennt ihr leute recht? solche gelegenheiten sind gemähte wiesen für euch! Meisl theatral. quodlibet (1820) 1, 121; dem volksforscher wie dem volkslehrer ist diese nationale arbeit eine gemähte wiese Riehl d. dt. arbeit (1861) 58.
ζ) etwas auf der grünen wiese errichten u. ä., 'etwas neu schaffen': Rossenray ist seit fünfzehn jahren die einzige schachtanlage im Ruhrgebiet, die 'auf der grünen wiese' errichtet wird FAZ 146 (1955) 9.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
wiese(n)- zusammensetzungen.kompositionstypen.
die sehr zahlreichen (nur etwa die hälfte der selten belegten wörter wurde in die alphab. reihe bzw. in die typen aufgenommen), fast durchweg substantivischen zss. (s. auszer wiesenartig, -haft unter 6) schlieszen in ihrem ersten wortgliede eng an die formen von wiese an. in älterer zeitwiesenkomposita treten seit dem 12./13. jh. aufund in mundartlich (obd.) beeinfluszter sprache überwiegen fugenlose bildungen. in wenigen wörtern (s. wiesebaum, wiese(n)wachs) hat sich das durch den nom. sing. gestützte e halten können, doch setzt sich seit nhd. zeit der ausgleich -en fast allgemein durch, während wies- und wiese- zu nebenformen geworden sind. die grosze masse der zss., die erst mit der ausbildung der botan. nomenklatur seit dem 16. jh. (s. 5 b) und der stärkeren verbreitung und förderung des wiesenbaus im 18. und 19. jh. (s. 2) einsetzt, läszt sich in wenige anwendungsbereiche zusammenfassen.
soweit in der nachfolgenden übersicht belege fehlen, folgen sie unten bei den zusammensetzungen in der alphabetischen reihe.
1) zusammensetzungen, die mit wiese bewachsene flächen landes bezeichnen.
a) bezeichnungen für eine landschaft, ein gelände oder geländeteile, die (vorwiegend) von wiesen bedeckt sind: -abhang, m.; -anhöhe, f. : Stifter s. w. 2 (1908) 182; -blösze, f. : das gütchen lag freundlich auf einer wiesenblösze H. Schmid ges. schr. 217, 189; -bord, m.; -böschung, f. : Barth Kalkalpen (1874) 243; -breite, f.; -bucht, f.; -busen, m. : J. G. Kohl reisen in Engl. (1844) 1, 65; -ebene, f.; -eiland, n. : Matthisson schr. 2 (1835) 176; -flur, f.; -gelände, n.; -grün (2), n.; -grund, m.; -hang, m.; -hügel, m.; -kessel, m. : A. Ruge s. w. (1847) 10, 116; -landschaft, f.; -lehne, f. : Rosegger schr. (1895) I 8, 181; -lichtung, f. : Barth Kalkalpen (1874) 159; -mulde, f : Barth Kalkalpen (1874) 149, Winnig frührot (1926) 244; -niederung, f. : durch korn und wiesenniederung Immermann w. 13, 190 Hempel; -plan, m.; -plateau, n. : (ein pasz,) auf dessen gipfel sich ein kleines grünes wiesenplateau ... befindet Ritter erdkde (1822) 17, 135; -platz, m.; -rain, m.; -rand, m.; -ranft, m. , was wiesenrand: Geibel u. Leuthold fünf bücher frz. lyrik (1862) 178; -raum, m.; -region, f. : Ratzel völkerkde (1885) 2, 490; -saum, m. : an dem breiten wiesensaume, der neben dem korne lief Stifter s. w. (1908) 302, Rosegger schr. (1895) II 5, 77; -seite, f.; -senke, f. : Bleibtreu Königgrätz 278; -sohle, f. : J. Kurz wandertage in Hellas (1913) 153; -stelle, f. : Fouque zauberring (1812) 3, 148, Stifter s. w. 14 (1901) 180; -strecke,

[Bd. 29, Sp. 1585]


f.; -streif(en), m.; -streiflein, n. : Stehr gesch. a. d. Mandelhause (1913) 76; -strich, m.; -tal, n.; -ufer, n. : H. Zschokke s. ausgew. schr. (1824) 29, 133.
b) das grundwort kennzeichnet die besondere art der bodenbeschaffenheit, anlage oder nutzung einer wiese oder einer mit wiese bedeckten fläche: -acker, m. : (1731) württemb. ländl. rechtsqu. 1, 93 Wintterlin; -anger, m.; -aue, f.; -bruch, n. : Droysen Äschylus (1841) 304, Goltz ein jugendleben (1852) 3, 32; -feld, n.; -garten, m.; -heuet, m. : wisheuet einmähdige wiesen Fischer schwäb. 6, 3431; -land, n.; -mahd, -mad, -matte (1), n., f.; -moor, n.; -moos, n. : B. Goltz buch d. kindh. (1847) 241; -trift, f. , zu trift B 3 b teil 11, 1, 2, sp. 498: wiesentriften voll heerdenreichthum Ritter erdkde (1822) teil 9, 789; -wachs (4) m.; -weide, f.
2) zusammensetzungen, die sich aus der nutzung, wartung und verwaltung der wiesen ergeben.
a) bezeichnungen für institutionen zur pflege des wiesenbaues, ihre tätigkeit, ihre ziele und wege: -genossenschaft, f.; -amt, n. , als veraltet (bel. v. 1782) bei Fischer schwäb. 6, 3430; -gericht, n. : 47 männer, die zum wiesengericht erscheinen Dahlmann gesch. v. Dännemark (1840) 2, 203; -kultur, f.; -meisteramt, n. : (um 1520) d. Mainzer hof zu Erfurt 45 Michelsen; -ordnung, f.; -pflege, f.; -recht, n.; -schutz, m. : für den wiesenschutz wird ein eigener aufseher bestellt M. Heyne dt. hausaltert. 2 (1901) 133; -wirtschaft, f.dazu die doppelkompositionen mit wiesenbau: -anlage, f. : Karmarsch-Heeren techn. wb. (1876) 10, 401; -genossenschaft, f. : hdwb. d. staatswiss. (1898) 5, 484; -kunst, f. : zur landverschönerungskunst gehören ... feldbaukunst und wiesenbaukunst H. v. Salisch forstästhet. (21902) 1; -methode, f. : Karmarsch-Heeren techn. wb. (31876) 10, 709; -schule, f.; -system, n. : Karmarsch-Heeren a. a. o. 708. — hierher vereinzelte bezeichnungen für abgaben und zinsleistungen von wiesen: -geld, n.; -zehnt, m.; -zins, m.
b) berufsbezeichnungen für die in wiesenbau und -pflege tätigen: -bauarbeiter, m. : Löns haidbilder (1913) 79; -bauer, m.; -baumeister, m.; -besitzer, m. : Sintenis Flemmings gesch. (1789) 1, 134; -dirne, f. , was grasmagd teil 4, 1, 5, sp. 1986: sie war wiesendirn beim Teutbauer Rosegger schr. (1895) I 15, 438; -heie, m.; -heuer, m. : vom lohne der weszenhewer und dinstknechte (1414) acten d. ständetage Preuszens 2, 636; -hüter, m. : zwene wisenhüter (um 1513) dt. hofordn. 2, 87 Kern; -knecht, m.; -macher, m. : Hennecke ... ist wiesenmacher und imker Löns haidbilder (1913) 74; -meister, m.; -schöffe, m.; -vogt, m.; -wärter, m. : mit den zollnern, dem heymknecht vnd wiesenwerter (um 1520) d. Mainzer hof zu Erfurt 32 Michelsen, Schwappach hdb. d. forst- u. jagdgesch. (1886) 1, 191 anm. 27; -wässerer, m.; -wirt, m. : Schwerz prakt. ackerb. (1882) 249.
c) bezeichnungen für tätigkeiten, die die anlage, wartung und nutzung der wiesen zum ziele haben: -anlage (1) f.; -arbeit, f. : Schwerz prakt. ackerbau (1882) 144, Rosegger schr. (1895) III 2, 129; -atzung, f. : die gemeinde ... dem gaisvüh die wiesenazung ... gestattet (1801) österr. weist. 3, 230; -behutung, f. : allg. dt. bibl. (1765) 3, 490; -berieselung, f. : Mothes ill. baulex. (1882) 4, 479, Auerbach schr. (1892) 11, 78; -besserung, f. : allg. dt. bibl. (1765) 68, 548; -bestellung, f. : Hübner zeitungslex. 4 (1824) 935b, Anzengruber ges. w. (1890) 2, 3; -bewässerung, f.; -brand, m. : Oken allg. naturgesch. (1839) 7, 1416; -düngung, f. : Noel Chomel, öcon.-physic. lex. (1750) 3, 568, Wimmer gesch. d. dt. bodens (1905) 199; -heuet, m. : 'wisheuet heuernte auf den bergen' Fischer schwäb. 6, 893; -hut, f. : allg. dt. bibl. (1765) 97, 212; -hutung, f. : Schilling hdb. d. landwirtschaftsrechts (1828) 215, Unger-Khull steir. 633a; -mahd (2 b) f.; -nutzung, f. : Auerbach schr. (1892) 15, 127; -rode, f. : Jacobsson technol. wb. (1781) 4, 646b; -wässerung, f.

[Bd. 29, Sp. 1586]



d) bezeichnungen für geräte zur pflege und nutzung der wiesen. nur bedingt hierherzustellen sind bezeichnungen des heubaumes und trikomp. dazu (s. wiesebaum): wiesbengel, m.: Fischer schwäb. 6, 3430; wiesebaumseil, n.: Stifter s. w. 2 (1908) 234; wieselbaum, m.; wieserbaum, m.wiesenbeil, n.; -ebner, m. : Meyers lex. 12 (1930) 1387; -egge, f. : 'gliederegge für wiesenbau' d. gr. Brockhaus 20 (1935) 317a, Fischer schwäb. 6, 890; -hobel, m.; -messer, n. : Schwerz prakt. ackerbau (1882) 210, 'handgerät zur wiesenkultur' d. gr. Brockhaus 20 (1935) 317b; -pflug, m.; -schleppe, f.; -spaten, m. : Schwerz prakt. ackerbau (1882) 208; -striegel, f. : mit dem ... wiesenstriegel eingeebnet d. gr. Brockhaus 20 (1935) 315b; -wagen, m. : 'zweirädriger karren zum heimführen von heu' Fischer schwäb. 6, 3431; walze, f.: d. gr. Brockhaus 20 (1935) 315b.
3) zusammensetzungen, die die vegetation auf wiesen bezeichnen, besonders im hinblick auf das zu erntende und geerntete: -blume (2), f.; -blut, f. : Weigand die ewige scholle (1927) 436; -blüte, f. , das blühen der wiese: Ina Seidel erbe (1954) 219; -ertrag, m. : grummt ist der zweite wiesenertrag Leopold hdb. d. ökon. (1805) 255a, Thaer rat. landwirthsch. (1809) 1, 264; -flor, m. (f.), was -blüte: E. v. Vaerst hundert sonette (1825) 86, Ratzeburg standortgewächse (1859) 340; -flora, f. : Wimmer gesch. d. dt. bodens (1905) 228; -frucht, f. : (ungeziefer hat) die äcker und wisfrüchten sehr hart hergenomben (1766) österr. weist. 5, 245, (gewitter, das) feld- und wiesenfrucht schädigt Rosegger laszt uns von liebe reden (1909) 88; -futter, n.; -gewächs (1), n.; -gras (1), n.; -halm, m. : Tiedge w. (1823) 1, 155; -heu, n.; -klee (2), m.; -kraut (1), n.; -pflanze, f.; -samen, m. , samen der wiesenpflanzen: (methode,) zu guten wiesensaamen zu gelangen Thaer rat. landwirthsch. 3, 235; -unkraut, n. : ebda 2, 167, (wiesenhaarstrang ist) nur als wiesenunkraut beachtenswert Schlechtendal flora v. Deutschl. (1880) 27, 235; -wachs (2) m.; -wuchs, m.
4) zusammensetzungen, in denen wiese lediglich der lokalen bestimmung dient. hierhin rechnen z. t. schon die bereits in der voraufgehenden gruppe genannten kompositionen und vor allem die unter 5 zusammengestellten tier- und pflanzennamen.
a) gewässernamen und bezeichnungen für meteorol. erscheinungen: -bach, m.; -bächlein, n. : Holtei erz. schr. (1861) 2, 159, daheim (31. 8. 1933) 10a; -bad, n.; -born, m. : Salis ged. (1793) 40, Hölty ged. 95 Halm; -brunnen, m. : (1642) bei K. Bräuer studien 2, 144; -brünnlein, n. : Prätorius anthrop. Pluton. (1666) 2, 152; -dampf, m. : maler Müller w. (1811) 3, 26; -dunst, m. : W. v. Scholz erz. (1924) 363; -flusz, m. : Campe 5 (1811) 715b, Rückert w. (1867) 2, 14; -nebel, m.; -quell, m.; -quelle, f.; -rinnsal, n. : Gutzkow ges. w. (1872) 2, 201; -tau, m. : Shakespeare 1 (1797) 291; -wasser, n.
b) über oder durch wiesen führende wege: -fuszsteg, m. : Goltz ein jugendleben (1852) 3, 242; -fuszweg, m. : O. M. Graf unruhe (1948) 55; -gang, m. : Auerbach schr. (1892) 7, 224; -pfad, m.; -steg, m. : Lenau s. w. 66 Barthel; -steig, m.; -strasze, f. : (Karlsbad) mit seinem weiszen, reinlichen viereck der beiden wiesenstraszen Laube ges. schr. (1875) 8, 87; -weg, m. : sie wallt auf wiesenwegen Kind ged. (1817) 1, 171, O. M. Graf unruhe (1948) 104.
c) in wiesen vorkommende erden und bodenschätze: -erz, n.; -kalk, m.; -mergel, m. : Krünitz öcon. encycl. 239 (1857) 185, Karmarsch-Heeren technol. wb. (1876) 9, 514.
d) eine wiese ist veranstaltungsort (vgl. wiese 2 c β): -fest, n. : Campe 5 (1811) 715b, V. v. Rosenzweig-Schwannau der diwan (1858) 1, 723; -predigt, f. : es waren nach altchristlicher weise berg- und wiesenpredigten unter gottes freiem himmel J. Grimm kl. schr. (1864) 4, 306; -markt, m. : nächste woche war Eisleber wiesenmarkt Karl Fischer denkw. u. erinn. e. arb. 135 Göhre.

[Bd. 29, Sp. 1587]



5) sehr zahlreich sind zss., die tiere und bes. pflanzen bezeichnen. wiese gibt hier den aufenthalts- oder standort an; das kompositum bezeichnet meist nur eine unterart der durch das grundwort gekennzeichneten art oder gattung.
a) tiernamen: -afterkäfer, m. , meloe proscarabaeus L.: Nemnich dt. wb. d. naturgesch. 646, Campe 5 (1811) 715a; -ammer, m. (f.); -eule, f. , asio flammeus Pontopp.: Naumann naturgesch. d. vögel (1822) 1, 459; -hopf, m.; -hummel, f. , apis pratorum L.: Nemnich naturgesch. 647, Adelung 4 (1801) 1541; -hund, m.; -lerche, f.; -maus, f. : Kind ged. (1817) 1, 174; -pieper, m.; schmätzer, m.; -schrecke, f. , für insekten aus der ordnung saltatoria: Nemnich naturgesch. 648, als veraltet bei Campe 5 (1811) 717b; -schwalbe, f. , glareola pratincola (L.): Nemnich a. a. o., Naumann vögel (1822) 9, 437; -stier, m.; -vogel, m.; -vögelchen, n.; -wanze, f. : wiesen- oder blindwanzen Brehm tierl. (1890) 9, 654; insbes. für die species lygus pratensis L.: Adelung 5 (1786) 221, Nemnich naturgesch. 648; -weih, m. , s. das folg.: wisenwei Fischer schwäb. 6, 3431; -weihe, f. , der raubvogel circus pygargus (L.): Naumann vögel (1822) 1, 402, Brehm tierl. 6, 397 P.-L.
zahlreich sind die fast durchweg onomatopoetischen bezeichnungen für den wachtelkönig crex crex L.: -hähnchen, n. : Behlen forst- u. jagdkde (1840) 6, 183; -knarre, f. : Adelung 5 (1786) 220, als veraltet bei Campe 5 (1811) 716a; -knarrer, m.; -läufer, m.; -ralle, f.; -schnarcher, m. : Naumann vögel (1822) 9, 498, Hartig lex. f. jäger (1861) 577; -schnärper, m. : Naumann a. a. o.; -schnarre, f.; -schnarrer, m. : der stets unsichtbare wiesenschnarrer (läszt) sein einförmiges, seltsames schnarren hören Allmers marschenb. (31900) 103, Wimmer gesch. d. dt. bodens (1905) 347.
b) pflanzennamen: -alant, m. , inula britannica L.: Holl pflanzenn. (1833) 8, Marzell wb. d. dt. pflanzenn., reg.; -ampfer, m. , rumex acetosa L.: wisenampfer (1728) bei Fischer schwäb. 6, 890, Campe 5 (1811) 715a; -andorn, m. , lycopus europaeus L.: Nemnich naturgesch. 646, Campe 5 (1811) 715a; -anemone, f.; -baldrian, m.; -batengel, m. , veronica cham. L. (s. Marzell reg.): wiesenbathengel der kleine wiesenehrenpreis Campe 5 (1811) 715a, Holl pflanzennamen (1833) 79a; -bertram, m. , achillea ptarmica L. (s. Marzell 1, 97): Schwan nouv. dict. (1783) 2, 1048, Campe 5 (1811) 715a, wisen bertram Fischer schwäb. 6, 890; -betonie, f. 1) centaurea jacea L.: Marzell 1, 885. 2) betonica officinalis L. (= stachys officinalis Trev.): Mattuschka flora Silesiaca 2 (1777) 23, Schkuhr botan. hdb. (1791) 2, 151, Holl pflanzennamen (1833) 38b; -blume, f.; -blümlein, n.; -dingel, m.; -distel, f.; -dragun, m.; -ehrenpreis, m. , veronica cham. L.: wisenerenpreis (1594) bei Fischer schwäb. 6, 890, Holl pflanzenn. (1833) 79a; -engelwurz, f. , angelica silvestris L. (s. DWB waldengelwurz teil 13, sp. 1111, Marzell 1, 310): Campe 5 (1811) 715b, Holl pflanzenn. (1833) 16a; -flachs, m.; -fleischblume, f. , melampyrum pratense L.: wiesenfleischblume oder kuhweizen Schkuhr botan. hdb. (1791) 2, 182, Holl pflanzenn. (1833) 216b; -flitter, m , briza media L. 'zittergras' (Marzell 1, 668): wiesenflittern Metzger pflanzenkde (1841) 134; -flittergras, n. , das vorige: Schkuhr botan. hdb. 1 (1808) 44; -flockenblume, f. , centaurea jacea L. (Marzell 1, 881): Meigen pflanzenn. (1898) 72b; -fuchsschwanz, m.; -fünffingerkraut, n. , comarum palustre L. (vgl. Marzell 1, 1114): wisenfünffingerkraut (1867) bei Fischer schwäb. 6, 890; -gaffel, f. , geum rivale L. (s. Marzell 2, 681): wiesengaffel, wiesengaraffel Nemnich naturgesch. 647, als veraltet bei Campe 5 (1811) 715b; -gamanderlein, n. , veronica chamaedrys L.: Schkuhr botan. hdb. (1791) 1, 12, Holl pflanzenn. (1833) 79a; -geiszbart, m.; 2 -geld, n.; -gerste, f. , hordeum secalinum L.: Nemnich naturgesch. 647, Campe 5 (1811) 715b; -glocke, f.; -glockenblume, f. , campanula patula L.: Schlechtendal flora (1880) 22, 116; -glöcklein, n.; -goldblume, f. ,

[Bd. 29, Sp. 1588]


caltha palustris L. 'sumpfdotterblume' (vgl. Marzell 1, 738): wiesengoldblume, butterblume Schkuhr botan. hdb. (1791) 2, 123; -gras (3), n.; -günsel, m. , ajuga reptans L., s. Marzell 1, 168; -habichtskraut, n.; -hafer, m.; -hahn, m. , colchicum autumnale L. 'herbstzeitlose' Marzell 1, 1089; -hahnenfusz, m.; -hohlwurzel, f.; -hopfen, m. , humulus lupulus L. (s. das ältere waldhopfen teil 13, sp. 1148): Schwan nouv. dict. (1783) 2, 1049a, Campe 5 (1811) 716a; -kerbel, m. , anthriscus silvestris Hoffm. (s. Marzell 1, 331): moorige grasflecke ... die ... mit wiesenkerbel, mit sumpfstorchschnabel und sauerampfer bewachsen waren El. Langgässer märk. Argonautenf. (1950) 320; -kicher, f. , lathyrus pratensis L.: Schwan nouv. dict. (1783) 2, 1049, wiesenkichern, gelbe wicken Schkuhr botan. hdb. 2 (1808) 354, Metzger pflanzenkde (1841) 822; -klapper, f.; -klee (1), m.; -kohl, m.; -knopf, m.; -königin, f.; -kraut (2), n.; -kräutlein, n. , ajuga reptans L. kriechender günsel (vgl. Marzell 1, 167): als wundmittel Schkuhr botan. hdb. (1791) 2, 126, Campe 5 (1811) 716; -kresse, f.; -kuckuck, m. , orchis latifolia L.: rother wiesenguckguck Schkuhr botan. hdb. (1791) 3, 198, als veraltet wiesenguckuck Campe 5 (1811) 716b; -kümmel, m.; -lauch, m. , allium angulosum L. (s. Marzell 1, 195): Nemnich naturgesch. 647, Campe 5 (1811) 716b; -lein, m. , linum catharticum L.: Nemnich naturgesch. 647, als veraltet bei Campe 5 (1811) 716b; -lieschgras, n. , phleum pratense L.: wiesenlischgras Schkuhr botan. hdb. (1791) 1, 33; -mangold, m.; -mohn, m. , papaver rhoeas (vgl. Marzell s. v.): name der kornrose oder des feldmohnes Adelung 5 (1786) 221, Campe 5 (1811) 716b, Liliencron s. w. (1896) 7, 29; -nelke, f. , dianthus deltoides L. (s. Marzell 2, 108): Nemnich naturgesch. 647; -ölsnich, m. , selinum carvifolia L.: roszfenchel, wiesenölsenich Schkuhr botan. hdb. (1791) 1, 95, Campe 5 (1811) 716b; -pimpinelle, -pimpernelle, f. , sanguisorba officinalis L.: wiesenpimpinelle Schwan nouv. dict. (1783) 2, 1049a, Nemnich naturgesch. 647, wiesenpimpernelle Campe 5 (1811) 717a; -platterbse, f. , lathyrus pratensis L.: Nemnich naturgesch. 647, Campe 5 (1811) 717a; -raute, f.; -rispe, f. , poa pratensis L.: Nemnich naturgesch. 648; -rispengras, n. , das vorige: Schwan nouv. dict. (1783) 2, 1049a, Schkuhr botan. hdb. 1 (1808) 42; -safran, m.; -salbei, f. , salvia pratensis L.: Ehrhart pflanzenhist. (1753) 6, 124, Schkuhr botan. hdb. (1791) 1, 17; -sauerampfer, m. , rumex acetosa L.: Schkuhr botan. hdb. (1791) 1, 315; -scharte, f.; -schaumkraut, n.; -schelle, f. , campanula glomerata L. (Marzell 1, 764): Schkuhr botan. hdb. (1791) 1, 128; -schilf, n. , calamagrostis lanceolata Roth 'lanzenreitgras' Marzell 1, 709: Campe 5 (1811) 717a; -schwamm, m.; -schwertel, m. , iris Sibirica L.: Oken naturgesch. (1839) 3, 535, Fechner volkstüml. pflanzenn. (1871) 7; -schwingel, m.; -segge, f. 1) carex elongata L.: Nemnich naturgesch. 648. 2) carex goodenowii Gay.: Marzell 1, 836; -seicher, m. , name des löwenzahns (Marzell s. v. taraxacum officinale): wisenseicher Fischer schwäb. 6, 3431; -steinbrech, m. , silaus pratensis L.: Nemnich naturgesch. 648; -viehgras, n. , poa pratensis L.: Thaer rat. landw. (1809) 4, 294, Oken allg. naturgesch. (1839) 3, 412; -watte, f. , conferva Link. Marzell 1, 1117, eriophorum L. ebda 2, 282; -wedel, m.; -wolf, m. , pedicularis palustris L.: Walpert alphab.-synonym. wb. d. dt. pflanzenn. (1852) 47, d. gr. Brockhaus 20 (1935) 318b; -wolle, f.; -zeitlose, f.; -zittergras, n. , briza media L.: Schkuhr botan. hdb. (1791) 1, 43; -zwiebel, f. , colchicum autumnale L. (s. Marzell 1, 1101): wesazwwebbe ln Heinzerling-Reuter Siegerland 324a.
6) als fruchtbar erweist sich in neuerer zeit ein typ von zss., die von gefühlsbetonter wertung frischer, bunter, duftender, weiter u. ä. wiesen zeugen (vgl. wiese 3 a): -anmut, f. : Elisa v. d. Recke tageb. e. reise (1815) 2, 140; -aussicht, f. : Hippel kreuz.- u. querz. (1793) 2, 157, Immermann w. 15, 285 Hempel; -duft, m. : Unger

[Bd. 29, Sp. 1589]


Julchen Grünthal (1784) 6, Rosegger schr. (1895) II 15, 78; -einsamkeit, f. : vor uns in einer weiten busch- und wieseneinsamkeit lag ein stattlicher bauernhof Storm s. w. (1899) 1, 141, H. Hesse Hermann Lauscher (61933) 23; -frisch, adj. : durch das wiesenfrische thal Rosegger schr. (1895) II 7, 254; -geruch, m. : nach dem bischen frischen wiesengeruch geschnuppert Bettine d. buch gehört d. könig (1843) 1, 223, Holtei erz. schr. (1861) 13, 110; -grün, n.; -hauch, m. : und dieser wiesenhauch! Alexis ruhe (1852) 1, 216; -kühl, adj. : so abendsonnig ist mir ..., so wiesenkühl W. v. Scholz d. spiegel (1908) 37; -luft, f. : wiesen- und waldluft in erfreulicher fülle H. Hoffmann Harzwand. (1902) 91, die wiesenluft blies ihm sein grämliches angesicht frisch W. Schäfer d. 13 bücher d. dt. seele (1925) 459; -meer, n. : L. v. Plönnies ged. (1844) 75, Lienhard Wasgaufahrten (1902) 2; -pracht, f. : Denis lieder Sineds (1772) 194; -schmelz, m.; -sommer, m. : von musikalischen eindrücken vermag ich in diesen wiesensommern nichts zu finden Lauscher hinterl. schr. (1901) 7, sehnsüchtig ... nach der weichen, tragenden luft des wiesensommers Watzlik d. pfarrer v. Dornloh (1930) 243; -teppich, m.; -verloren, adj. : an wiesenverlorenen weilern vorüber Watzlik der alp (1923) 269; -welt, f. : wir schäfer sicher weiden in der grnen wiesen welt S. v. Birken ostländ. lorbeerhayn (1657) 268, er war ... der bauer und herr von seiner felder-, vieh- und wiesenwelt W. Schäfer d. verlor. sarg (1911) 166.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: