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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
wierdeich bis wieschen (Bd. 29, Sp. 1571 bis 1574)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) wierdeich, m., zss. mit wier (s. d.): 'wierdeiche mit wier bewachsen' Benzler deichbau (1792) 2, 277; 'wierdeiche, eine art deiche, die in Neuholland gebräuchlich sind; die äuszere seite ist ... mit einer wand von wier, eine art seegras bekleidet, diese wand heiszt wierriemen' Krünitz öcon. encycl. 239 (1857) 32; 'wierdeich seedeiche, welche an den auszenböschungen sicherung durch wiergras erhalten' Lueger lex. d. ges. techn. (1894) 7, 931; 'schaardeich heiszt ein deich ohne vorland, desgl. wierdeich' Alten hdb. f. heer u. fl. (1909) 3, 46. —
 
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wierdraht, m., pleonast. bildung zum folg.: wiere-drat eisen-, kupfer-, messingdräte Schütze Holstein 3, 361; 'hier haben wir blos (die zss.) wyrdraat' Strodtmann Osnabrück 387b; 'wirdrat kupferdraht (im glaserhandwerk)' Schumann Lübeck 54.
 
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wiere, wier, f. (m., n.), metalldraht. gemeingerm. wort, mit ags. wīr 'gewundener schmuck' (engl. wire 'draht'), fries., nl. wier 'seegras, tang' (s. o.), spätaltn. vīravirki ' arbeit aus metalldraht', nisl. vīrr, norw. vire, dän. vire ordb. over d. danske spr. 27, 168f., schwed. dial. vir 'metalldraht' (vira, vb.), ahd. wiara (aus *ēi-rō-), mhd. wiere, mnd. wîre, zur idg. wz. ei- 'drehen, biegen', s. Walde-Pokorny 1, 226, Pokorny 1112, Jóhannesson isl. etym. wb. 110. im ahd. (glossenbelege seit dem 8. jh.) und mhd. gut bezeugt, fehlt das wort obd. seit dem 13. jh., ist nd. bis ins 16. jh. geläufig und lebt noch heute in nd. maa. fort: ipsi labio coronam demo selbin lefse uuiara (8./9. jh.)

[Bd. 29, Sp. 1572]


ahd. gl. 1, 336, 13 St.-S.; (cristas) wîera (11. jh.) ebda 2, 522, 21; obrizum wiera (12. jh.), vviere (12. jh.) ebda 3, 192, 4; obrizum wiere (12. jh.) ebda 417, 53. mhd. 'feiner golddraht; aus golddraht hergestellter schmuck':

so dede imi got also dir goltsmid düt,
sor wirkin willit eine nuschin güt,
diz golt siudit her in eimi viure,
mit wehim werki düt her si tiure,
mit wierin also cleinin
wole slift her die goltsteine (um 1110) Annolied 651 Kehrein;

alsô der smit uil guot
die wiere in daz golt tuot,
daz in sigele er furblat
als erz gelernt hat dt. sprachdenkm. d. 12. jhs. 19 Karajan;

die selben (mägde) hiez er (der könig) zieren
mit wæten joch mit wieren,
daz gevienge ir minne
baz des kindes sinne (um 1210)
Otto II. v. Freising Laubacher Barlaam 12 401 Perdisch.

mnd. und nd. 'draht und drahtgeflecht': 2 β vor 1 krampen unde haken, dar de wyren inne henghen (1448) Schiller-Lübben 5, 737; item 3 mark to den baruoten brodern to eyner viren vor unse venster in der kerken (1451) ebda; X  gele wyren (1565) ebda. in den maa. noch verbreitet gebräuchlich für verschiedene drähte oder aus draht verfertigte gegenstände und vorrichtungen: wiehre (nach Hamburgischer redensart, denn nach hiesiger heisst es ein kappen-drat) ist ein hoher rundgebogener drat, welcher mit seide bewunden ist Amaranthes frauenz.-lex. (1715) 2123; 'wire, wier-draad eisen- oder kupferdrath' brem.-nds. wb. 5, 270; wyren dräthe von eisen, kupffer oder messing gezogen Richey id. Hamburg. 341; wiren (wierden), wirdrat dünner draht zum festbinden des rohres und strohes auf dem dache Schumann Lübeck 23; 'wir draht, der um die angelschnúr gelegt wird, damit sie sich nicht verwirrt' ebda 38; vi:r eisendraht Furcht wb. d. spr. d. Alten Landes 31; 'wir, n. draht; zss.: wirtong, f. drahtzange; pikwir, n. stacheldraht' Jensen nordfries. 702; he hett dat lock mit wieren dicht maakt; auch 'stricknadel', wofür meistens strich-wier Mensing schlesw.-holst. 5, 637; wier metalldraht Stürenburg ostfries. 331a.
 
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wieren, vb., 'mit (gold)draht (s. wiere) oder edelsteinen einfassen; schmücken, verzieren'; spätahd. ([*wiarôn] weorôn) und mhd. (wieren, s. mhd. wb. 3, 624b; Lexer 3, 878) in diesem sinne verbreitet bezeugt:

si (die sarwât) heten smide holde,
so waren umbe daz ortuil chleine gewierot,
allenthalben dar uz scheinuil maneger berhtilir stein genesis u. exodus 158 Diemer,

vermiculatas kiweorota (12. jh.) ahd. gl. 1, 549, 2 St.-S.; vermiculandas gewieret (12. jh.) ebda 3, 407, 72; auri obryzi des gewiereten goldes (12. jh.) ebda 415, 62;

ein bette sah ih dar in stân,
daz was harte lussam,
mit golde gezîret,
mit gesteine wol gewieret (anf. d. 12. jhs.)
pfaffe Lamprecht Alexander 5450 Kinzel;

ey horet von der varbe
die uz irem mnde kan gebrehen!
hat yman paris varb gesehen,
so sie uff silber ist gefiert,
so lucht ir munt der wol geziret (um 1340) die minneburg 3409 Pyritz;

ich will in huben
geben von gestaine,
gewiertt in gold raine (14. jh.) Göttweiger Trojanerkrieg 3790 Koppitz;

mit amatisten gewirt und mit jaspen gemengt (hs. d. 15. jhs.) Schmeller-Fr. bayer. 2, 980. mnd. 'mit eisendraht versehen': 10 β vor de venster to wyren unde to verwen (Braunschw. rechn. v. 1448) Schiller-Lübben 5, 737b. als veraltet für das nd. verzeichnet: wieren, wiren Campe 5 (1811) 714b. noch verbreitet in nd. maa.: 'wiren mit draht binden' Krüger Emden 72; 'wieren einen eisendraht durch den rüssel des schweines ziehen, um es am wühlen zu hindern': dat swien ward wiert. he schriggt,

[Bd. 29, Sp. 1573]


as wenn he wiert ward Mensing schlesw.-holst. 5, 637; 'auch »sich drahtartig ausbreiten« von halmen, die aus einer wurzel kommen' ebda.
 
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wierengras, wiergras, n., cynosurus cristatus L., 'zu wier »dünner metalldraht« nach den zähen, dünnen stengeln' Marzell wb. d. dt. pflanzenn. 1, 1300: seedeiche, welche an den aussenböschungen sicherung durch wiergras erhalten Lueger lex. d. ges. techn. (1894) 7, 931; gemeines kammgras, wiesenkammgras, herd-, wierengras d. gr. Brockhaus 20 (1935) 312a.
 
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wierhaft, wierhaftig, adj., was wierig (s. d.), nur frühnhd. neben währhaft (teil 13, sp. 822) und währhaftig (ebda 835) vereinzelt bezeugt (als veraltet bei Fischer schwäb. 6, 871): dz sein bestes theyl wirhafftig wer, dazu hatt er zierliche werck der wolredenheit gemacht M. Herr sittl. zuchtbücher (1536) 218a; aber seitmals nichs uf ertrich wirhaft oder bestendig, sonder auch die himel und erden zergeen müessen Zimmer. chron. 24, 73 Barack; und ist bei uns mentschen uf diesem erdtboden nichs wirhaftigs oder bestendigs ebda 2, 340.
 
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wierig, adj. , beständig, langandauernd; fest. ahd. uuirig, mhd. wiric; lautgesetzlich richtige (wie ergiebig zu geben) ableitung von uuerên (mhd. wern) permanere, durare (s. DWB währen teil 13, sp. 791), neben der werig analogisch den vokal des vbs. enthält (so Schatz ahd. gramm. § 7); s. Pokorny 1171. zufrühest bei Notker (6 belege neben dreimaligem uuerig) bezeugt, stehen die beiden formen noch im mhd. und frühnhd. etwa gleich häufig nebeneinander; in neuerer sprache tritt währig (s. währig 3 teil 13, sp. 923, vgl. auch währhaft ebda 822) fast gänzlich zurück, während wierig (bis ins 17. jh. gut belegt) noch in zss. (bes. langwierig teil 6, sp. 185; auch lebenswierig ebda 458) lebendig bleibt. in hist. wbb. seit dem 15. jh. und entsprechend der literarischen bezeugung bis ins 18. jh.: werig, var. wyrick (ende 15. jhs.) Diefenbach gl. 541a s. v. solidus; aeuum pati wirig sein vnd bestendig Cholinus-Frisius dict. (1541) 42b; perpetualis allgemein und stäts wirig Calepinus XI ling. (1598) 1071b; wierig idem qvod wrhaft solidus, durabilis, durans, stabilis, immutabilis Stieler stammb. (1691) 2417; wirig, wrhafftig durabile Rädlein t.-it.-frz. (1711) 1066a; wierig durans Wachter gl. (1737) 1898 (nicht bei Adelung und Campe).
1) 'dauerhaft, beständig', von geistigen und religiösen werten im gegensatz zu vergänglichen: scientia enim uidetur esse permanentium et eorum que difficile mouentur chúnna sint îo uuirîg unde infarent manne unsamfto Notker 1, 449 Piper u. ö.; flizz und wizze, die du do verkertest uf daz zitlich, — daz solt du nu keren uf daz, daz do ist wirig und ewig Seuse dt. schr. 362 Bihlm.; die vollkommen, gantz und wirig ehr der leicht (leiche) steht inn der menschen gemtter, und nicht im pracht der bestattung Bruno de instit. christ. feminae (1566) 97b. in allgemeiner verwendung (attributiv und adverbial) mit geringen bedeutungsnuancen: gech vnd vngestüm ist des püfels rede, aber aller minst wirig Niclas v. Wyle translat. 319 Keller; ob ein mensch ... so unweisz und grob wre, dz er meinte der fürsten freüntschafft würig oder stt wesen, der gedencke ... Steinhöwel spiegel menschl. lebens (Augsb. 1479) 11b;

darmb wer wirig herschen will,
der sll sich fleyssen tugent vil
Johann v. Schwarzenberg teutsch Cicero (1535) 113;

forcht, als Cicero spricht, nicht ein würiger meister ist seins ampts, dann so bald die forcht ab ist, so bald hrt auff die gehorsame A. Hug rhetorica u. formulare teütsch (1540) 48a; solche gunst ist aber nicht waar und wierig herrengunst (1566) 80b;

darum ade du lange zeit,
da uns der tod den eid zerschneid,
sollt ich bei dir stets wierig stehn,
und niemahls zu freunden gehn
Männling poet. blumengarten (1717) 565.

[Bd. 29, Sp. 1574]



2) 'langandauernd', von zuständen und vorgängen (bes. krankheit und streit), der mod. bedeutung von langwierig entsprechend: du solt ... dir selb och ein vaht nemen, daz du wol mugest erzúgen mit dinem kranken libe, daz dú untugend in dir sterbe und mit dem libe lang lebest. daz ist ein wirigir übunge und ist dir daz beste Seuse dt. schr. 107 Bihlm.; so sind auch etlich ursachen, die ainen von der burdin der formunderschaft entschuldigen und entheben mogen, ... wirige kranckheit (1513) urkundenb. d. st. Heilbronn 3, 348; die pferd hette m. h. von Waldeck auch gern heimgesandt, so haben wir doch nit konden uns einer wierigen handlung hie getrosten, wie e. f. g. auch derhalben selb nit hat vor gut angesehen, inen ein eigne kosthaltung anzurichten Bucer an landgr. Philipp (15. 3. 1546) in: publikationen aus pr. staatsarchiven 28, 412; kamend si vor Wurmsz an einer höchi zsamen, die man den Hasenbühel nent, und nach langem und wirigem streit lag küng Albrecht ob, und ward Adolf erschlagen J. v. Watt dt. hist. schr. 1, 397 Götzinger; a wîriga kranket Lexer Kärnten 258.
3) als 'fest, haltbar' von konkreten dingen: die aber da hant die stainin tavela reht als der stain da herte ist und wirich und wol hertet altdt. pred. 2, 87 Grieshaber; anno domini 1519 hat er (Jakob Fugger) für hausarm leut fast lange häuser gepauen, gt und wirig, nach allem vortail, mit hundert und vier feurstäten (Augsburg 1525) städtechron. 23, 168; sonder machen die zn wackelen, unnd das sie nit so wirig bleiben M. Herr schachtafelen d. gesunth. (1533) Aa 4a; allda zaigten si den unsern ain marmelstaine gerst, vier stapffel erhcht, mit wiriger und zher erden zusammgefgt A. Diether Ferdinandi Cortesii von d. neuen Hispanien (1550) 1b; die bche, welche mit festen und wirigen grben ausz dem Lech ... zu grossem der burgerschafft nutz und vortheil, in die statt geleitet seind E. Werlichius Augspurg. chron. (1593) 36;

wilt fellen holtz welchs wîrig bleib,
magst mercken wol auf mones scheib
Rebmann naturae magnalia (Bern 1620) 58.


 
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wierigkeit, f., fortdauer, beständigkeit; frühnhd. (bis ins 17. jh.) bezeugte substantivbildung zu wierig (lexikal.: wirigkait s. v. prescriptio [ende d. 15. jhs.] Diefenbach gl. 456c, perpetuitas eewigkeit, wirigkeit, beharrung Cholinus Frisius dict. [1541] 651b): danne des ersten, so tt der selben jungen frowen rainer vnuerserter atem, das alter des mans erkicken vnd in wirikait enthalten Niclas v. Wyle translat. 136 lit. ver.; disz bezeyge ein krafft christlichs glaubens vnd ein ewig wyrikeit christlicher leer, dorumb das die kron, die das kreitz vmbgibt, ein anzeig ist des siegs Hedio chron. Germ. (1530) 170a; allein es ist dieses vielmehr eine perpetuitt oder ununterbrochene wierigkeit zu nennen Sandrart iconologia deorum (1680) 11a; wierigkeit idem est qvod wärhaftigkeit, duramen, durabile Stieler stammb. (1691) 2417; wrhaftigkeit, wierigkeit, gewierigkeit durabilità Kramer t.-ital. 2 (1702) 1254a.
 
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wiesbaum, m., s. u. wiesebaum.
 
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wies(e)- in zusammensetzungen, s. wiesen-.
 
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wieschen, n., diminutiv zum folgenden. allgemein kleine rasenfläche: neben dem Jacobs berge herab neben wiesgen, bisz in die Steinbach (1394) weist. 6, 73 Grimm; ein wisgen gelegen do selbis im Heimbache (1506) Lennep landsiedelrecht (1768) 2, 70;

pagoden, höhlen, wieschen, felsen und klüfte
Göthe I 17, 38 W.;

ein kleines feldlein ... dann ein wieschen Stifter s. w. 2 (1908) 328. s. wiese 4 c α: dieses hätte ihn bewogen, sich zu ihr zu setzen, jedoch sie auch nicht aufwecken mögen, sondern hätte ohne erlaubniss in ihrem wieschen grasen wollen J. G. Schmidt rockenphil. (1759) 647. sein wieschen wässern seinen vorteil suchen:

[Bd. 29, Sp. 1575]


wo auf weltverbesserung
wünsche kühn sich lenken,
willst du nur auf wässerung
deines wieschens denken?
Rückert ges. poet. w. (1867) 1, 248.

vgl. wiese 4 c ε: dasz die krisis im flottenverein auch vorab im bayerischen landesverband dem zentrum ein gemähtes wieschen ist, darf nachgerade als bekannt vorausgesetzt werden Leipz. neueste nachr. (18. 1. 1908) 2. beilage.

 

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