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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
wienern bis wiere (Bd. 29, Sp. 1570 bis 1571)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) wienern, vb., 'putzen, wichsen'. zunächst nur 'weiszes lederzeug mit Wiener kalk (s. o.) bestreichen', dann auch wichsen mit verschiedenen putzmitteln (vgl. Kluge etym. wb. 17860); wohl aus der soldatenspr. in die umgangsspr. eingedrungen. literarisch häufig erst in jüngster zeit (wienern Horn soldatenspr. [1899] 76; wienern putzen [Dresdener soldatenspr.] Müller-Fraureuth obersächs. 2 [1914] 665b; 'wienern [vīnan] soldatenspr.' Mensing schlesw.-holst. 5, 635): gestern war der kronprinz Rupprecht v. Bayern hier in unserer stellung. den tag vorher hatten wir nach noten 'gewienert' wie bei einer friedensbesichtigung Ernst Lange hauptm. Willy Lange (1934) 95; die eszschüssel musz ich auch noch wienern, sonst kotzt Rusch mich an. putzpomade —? besorgt mir Ernst (1934) Fallada blechnapf (1955) 7; Carl hatte knöpfe und koppelschlosz blitzblank gewienert (ausg. 1955: geputzt) Bredel söhne (1953) 90; neue technik beim fensterputzen in den Mailänder straszen. auf fahrbarer plattform mit tretwinde werden die scheiben von Montecatini, dem chemie- und bergbaukonzern, gewienert Berliner ztg. (24. 6. 56) 2. beil.; Stackelberger wienerte seine stiefel aufbau 6 (1957) 596. —
 
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Wientakel, n.: Wientakel Röding allg. wb. d. marine (1793) 2, 904; 'eine art takel, vermittelst dessen man geschwinder hissen kann' Campe 5 (1811) 714b; Wien-taakel Bobrik see-wb. (1850) 679b.
 
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wienz, f., name der hauskatze (s. Campe 5 [1811] 714b): ein weiszes kätzchen, Wienz genannt Zachariä hinterl. schr. (1781) 55.
 
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wiepe, f., 'strohwisch', s. 2wippe, f. teil 14, 2, sp. 516.,
 
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wiepe, f. , name der hagebutte. unbekannter herkunft; falls wie 1wiepe (2wippe) zur idg. wz. eib- 'winden, drehen', müszte die hochdeutsche form aus dem nd. stammen, oder p stünde für pp; schriftsprachlich vorwiegend mit länge des stammsilbenvokals, in den maa. in mannigfachen formvarianten, die miszverständnis und umdeutung erkennen lassen, u. a. wigeldorn, wipe, wiepken, wiepeldorn, wiebkenstruk, wiebchen, weibros, s. die synonymenliste zur karte heckenrose in: dt. wortatlas 3, 20b.
1) für rosa canina L. 'hagebutte', s. Marzell reg. 620. auch in der (dimin.-)form wiepke, ns. wibelken; s. weiter 2wippchen teil 14, 2, sp. 513. zunächst, ähnlich wie hagebutte, wohl nur für die frucht: hiervon (hundsrosen, kornrosen) werden gebraucht die früchte, so man hambutten, hagebutten, wipen, hieffen ... nennet Pancovius herbar. (1673) 148;

ach! wie oft gedenk' ich doch ...
an die wiepke, welche steigt
aus der rose selbst hervor
Zesen Prirau (1680) 604;

[Bd. 29, Sp. 1571]


wiepe, frucht des wilden rosenstocks Zincke allg. öcon. lex. (1744) 3204; 'hage-butte, hagen-butte, ... anderswo hiefe oder wiepe genannt, ist die bekannte frucht des hagedorns oder wilden rosen-stocks' Noel Chomel öcon.-physic. lex. (1750) 5, 60; 'die wiepe in den gemeinen sprecharten die samenkapsel des rosenstrauches oder eine hagebutte' Adelung 5 (1786) 219.
die ganze pflanze (auch wiepenstrauch Zschokke s. ausg. schr. [1824] 11, 230; wiepkedorn, wiepeldorn, s. Marzell reg. 620; wiepeldorn u. wiepdorn Mensing schlesw.-holst. 5, 636): garten-wiepen, an welchen die frchte fast so grosz als castanien sind Marperger vollst. küchen- u. kellerdict. (1716) 443a; wiegenstrauch, wipen, hetschepetsch Schkuhr botan. hdb. (1791) 2, 48; wiepen, wiepchen Nemnich dt. wb. d. naturgesch. 646; die wiepe die hundsrose, hagebutte Campe 5 (1811) 714b; wiepen Metzger pflanzenkde (1841) 767.
2) rosa villosa L.: wiepen, wiepchen Nemnich dt. wb. d. naturgesch. 646; wiepe so viel als zottige rose Krünitz öcon. encycl. 239 (1857) 32; wîpe hagebutte, frucht der weichhaarigen rose Frischbier pr. wb. 2, 473.
3) fraglich ob im zusammenhang mit 1 und 2, ulmus campestris L. (s. Marzell reg. 620): weiszrüster, wiepe Holl wb. dt. pflanzenn. (1833) 310a.
 
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wiepen, vb., mit wiepen (s. 2wippe, wiepe teil 14, 2, sp. 516) versehen: 'wiepen ein ziegeldach statt kalks mit stroh, das man in büscheln zwischen die ziegel steckt, dicht machen' Schütze Holstein 3, 360; Campe 5 (1811) 714b; Mensing schlesw.-holst. 5, 636.
 
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wier, f., n., pflanzenname. wohl mit nl. wier, afries. wir 'alge, tang', ags. wīr 'myrte' zur wz. eis- 'drehen', s. Walde-Pokorny 1, 242, Pokorny 1133. mnl. wier Verwijs-Verdam 9, 2452. im dt. (vom nl.-fries. her eingedrungen) häufiger nur verzeichnet für das seegras zostera marina L. (s. Marzell reg. 620): alga wier Junius nomencl. (1577) 88b; dieser sogenannte wier wächset daselbst (Holland) jhrlich in ausserordentlichen mengen Benzler deichbau (1792) 2, 277; wier Nemnich dt. wb. d. naturgesch. 646; wier Holl wb. dt. pflanzenn. (1833) 413a; wier eine art seegras Mothes ill. baulex. (1881) 4, 479. —
 
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wierbaum, m., cornus sanguinea L. ('zu wier »dünner metalldraht« nach den dünnen ästen?' Marzell wb. d. dt. pflanzenn. 1, 1180): 'wierbaum rother hornstrauch' Krünitz öcon. encycl. 239 (1857) 32; 'wierboom bei Greifswalde' Metzger pflanzenkde (1841) 645. —
 
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wierdeich, m., zss. mit wier (s. d.): 'wierdeiche mit wier bewachsen' Benzler deichbau (1792) 2, 277; 'wierdeiche, eine art deiche, die in Neuholland gebräuchlich sind; die äuszere seite ist ... mit einer wand von wier, eine art seegras bekleidet, diese wand heiszt wierriemen' Krünitz öcon. encycl. 239 (1857) 32; 'wierdeich seedeiche, welche an den auszenböschungen sicherung durch wiergras erhalten' Lueger lex. d. ges. techn. (1894) 7, 931; 'schaardeich heiszt ein deich ohne vorland, desgl. wierdeich' Alten hdb. f. heer u. fl. (1909) 3, 46. —
 
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wierdraht, m., pleonast. bildung zum folg.: wiere-drat eisen-, kupfer-, messingdräte Schütze Holstein 3, 361; 'hier haben wir blos (die zss.) wyrdraat' Strodtmann Osnabrück 387b; 'wirdrat kupferdraht (im glaserhandwerk)' Schumann Lübeck 54.
 
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wiere, wier, f. (m., n.), metalldraht. gemeingerm. wort, mit ags. wīr 'gewundener schmuck' (engl. wire 'draht'), fries., nl. wier 'seegras, tang' (s. o.), spätaltn. vīravirki ' arbeit aus metalldraht', nisl. vīrr, norw. vire, dän. vire ordb. over d. danske spr. 27, 168f., schwed. dial. vir 'metalldraht' (vira, vb.), ahd. wiara (aus *ēi-rō-), mhd. wiere, mnd. wîre, zur idg. wz. ei- 'drehen, biegen', s. Walde-Pokorny 1, 226, Pokorny 1112, Jóhannesson isl. etym. wb. 110. im ahd. (glossenbelege seit dem 8. jh.) und mhd. gut bezeugt, fehlt das wort obd. seit dem 13. jh., ist nd. bis ins 16. jh. geläufig und lebt noch heute in nd. maa. fort: ipsi labio coronam demo selbin lefse uuiara (8./9. jh.)

[Bd. 29, Sp. 1572]


ahd. gl. 1, 336, 13 St.-S.; (cristas) wîera (11. jh.) ebda 2, 522, 21; obrizum wiera (12. jh.), vviere (12. jh.) ebda 3, 192, 4; obrizum wiere (12. jh.) ebda 417, 53. mhd. 'feiner golddraht; aus golddraht hergestellter schmuck':

so dede imi got also dir goltsmid düt,
sor wirkin willit eine nuschin güt,
diz golt siudit her in eimi viure,
mit wehim werki düt her si tiure,
mit wierin also cleinin
wole slift her die goltsteine (um 1110) Annolied 651 Kehrein;

alsô der smit uil guot
die wiere in daz golt tuot,
daz in sigele er furblat
als erz gelernt hat dt. sprachdenkm. d. 12. jhs. 19 Karajan;

die selben (mägde) hiez er (der könig) zieren
mit wæten joch mit wieren,
daz gevienge ir minne
baz des kindes sinne (um 1210)
Otto II. v. Freising Laubacher Barlaam 12 401 Perdisch.

mnd. und nd. 'draht und drahtgeflecht': 2 β vor 1 krampen unde haken, dar de wyren inne henghen (1448) Schiller-Lübben 5, 737; item 3 mark to den baruoten brodern to eyner viren vor unse venster in der kerken (1451) ebda; X  gele wyren (1565) ebda. in den maa. noch verbreitet gebräuchlich für verschiedene drähte oder aus draht verfertigte gegenstände und vorrichtungen: wiehre (nach Hamburgischer redensart, denn nach hiesiger heisst es ein kappen-drat) ist ein hoher rundgebogener drat, welcher mit seide bewunden ist Amaranthes frauenz.-lex. (1715) 2123; 'wire, wier-draad eisen- oder kupferdrath' brem.-nds. wb. 5, 270; wyren dräthe von eisen, kupffer oder messing gezogen Richey id. Hamburg. 341; wiren (wierden), wirdrat dünner draht zum festbinden des rohres und strohes auf dem dache Schumann Lübeck 23; 'wir draht, der um die angelschnúr gelegt wird, damit sie sich nicht verwirrt' ebda 38; vi:r eisendraht Furcht wb. d. spr. d. Alten Landes 31; 'wir, n. draht; zss.: wirtong, f. drahtzange; pikwir, n. stacheldraht' Jensen nordfries. 702; he hett dat lock mit wieren dicht maakt; auch 'stricknadel', wofür meistens strich-wier Mensing schlesw.-holst. 5, 637; wier metalldraht Stürenburg ostfries. 331a.

 

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