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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
wienertum bis wiepen (Bd. 29, Sp. 1569 bis 1571)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version)  -tum, n.: 'Wienerthum = Wienerei (etwa: l'esprit de Vienne)' Sachs Villatte dt.-frz. 212, 2023a; im jahre 1906 hatte ich nicht den eindruck, als ob sich an der spezifischen atmosphäre des Wienertums ... jemals etwas geändert hätte, jemals etwas ändern könnte Mühsam namen u. menschen (1949) 118; (die schrift) soll beiden zwecken dienen: der strengen wissenschaft sowie der liebe zum angestammten wesen des Wienertums E. Kranzmayer geleitwort zu Schuster-Schikola Wiener ma. (1956); jenes 'wissen um den tod', das nach ... Thomas Mann den inbegriff des Wienertums umschreibt neue zs. f. musik 11 (1958) 643. —
 
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-wagen, m.: 'Wienerwagen geschlossener, viersitziger wagen' Mensing schlesw.-holst. 5, 635. —
 
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-weisz, n.: Wienerweisz Liebig chemie (1943) 424; 'Wiener weisz feiner, künstlich

[Bd. 29, Sp. 1570]


bereiteter gyps (schwefelsaurer kalk); malerfarbe' Krünitz öcon. encycl. 239 (1857) 32; die feinsten sorten der schlemmkreide gehen als Wienerweisz Karmarsch-Heeren techn. wb. (1876) 5, 127.
 
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wienerisch, adj., 'nach art der stadt Wien und ihrer einwohner' Adelung 5 (1786) 219; 'daher kommend, wofür man auch Wiener sagt' Campe 5 (1811) 714b; 'was man für gut, brauchbar hält' Schöpf Tirol 815. von der sprache der Wiener:

in Dresden red' ich deutsch und wienerisch in Wien
Kotzebue s. dram. w. (1827) 1, 264;

denn es (ein gespenst) redete wienerisch hochdeutsch
Platen w. 2, 294 Hempel;

den wenigsten Wienern ist auch bekannt, in welch groszem ausmasz das wienerische die österreichischen dialekte beeinfluszt hat Schuster-Schikola Wiener ma. 12; (überschrift:) lautwandlungen und lautverschiebungen im gegenwärtigen wienerischen E. Kranzmayer in: zs. f. mundartforschung 21, 197.
 
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wienern, vb., Wiener dialekt sprechen: der Mephisto lag ihm, hier war er in seinem element. nur etwas weniger wienern hätte er vielleicht sollen weltbühne 3 (1957) 88.
 
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wienern, vb., 'putzen, wichsen'. zunächst nur 'weiszes lederzeug mit Wiener kalk (s. o.) bestreichen', dann auch wichsen mit verschiedenen putzmitteln (vgl. Kluge etym. wb. 17860); wohl aus der soldatenspr. in die umgangsspr. eingedrungen. literarisch häufig erst in jüngster zeit (wienern Horn soldatenspr. [1899] 76; wienern putzen [Dresdener soldatenspr.] Müller-Fraureuth obersächs. 2 [1914] 665b; 'wienern [vīnan] soldatenspr.' Mensing schlesw.-holst. 5, 635): gestern war der kronprinz Rupprecht v. Bayern hier in unserer stellung. den tag vorher hatten wir nach noten 'gewienert' wie bei einer friedensbesichtigung Ernst Lange hauptm. Willy Lange (1934) 95; die eszschüssel musz ich auch noch wienern, sonst kotzt Rusch mich an. putzpomade —? besorgt mir Ernst (1934) Fallada blechnapf (1955) 7; Carl hatte knöpfe und koppelschlosz blitzblank gewienert (ausg. 1955: geputzt) Bredel söhne (1953) 90; neue technik beim fensterputzen in den Mailänder straszen. auf fahrbarer plattform mit tretwinde werden die scheiben von Montecatini, dem chemie- und bergbaukonzern, gewienert Berliner ztg. (24. 6. 56) 2. beil.; Stackelberger wienerte seine stiefel aufbau 6 (1957) 596. —
 
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Wientakel, n.: Wientakel Röding allg. wb. d. marine (1793) 2, 904; 'eine art takel, vermittelst dessen man geschwinder hissen kann' Campe 5 (1811) 714b; Wien-taakel Bobrik see-wb. (1850) 679b.
 
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wienz, f., name der hauskatze (s. Campe 5 [1811] 714b): ein weiszes kätzchen, Wienz genannt Zachariä hinterl. schr. (1781) 55.
 
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wiepe, f., 'strohwisch', s. 2wippe, f. teil 14, 2, sp. 516.,
 
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wiepe, f. , name der hagebutte. unbekannter herkunft; falls wie 1wiepe (2wippe) zur idg. wz. eib- 'winden, drehen', müszte die hochdeutsche form aus dem nd. stammen, oder p stünde für pp; schriftsprachlich vorwiegend mit länge des stammsilbenvokals, in den maa. in mannigfachen formvarianten, die miszverständnis und umdeutung erkennen lassen, u. a. wigeldorn, wipe, wiepken, wiepeldorn, wiebkenstruk, wiebchen, weibros, s. die synonymenliste zur karte heckenrose in: dt. wortatlas 3, 20b.
1) für rosa canina L. 'hagebutte', s. Marzell reg. 620. auch in der (dimin.-)form wiepke, ns. wibelken; s. weiter 2wippchen teil 14, 2, sp. 513. zunächst, ähnlich wie hagebutte, wohl nur für die frucht: hiervon (hundsrosen, kornrosen) werden gebraucht die früchte, so man hambutten, hagebutten, wipen, hieffen ... nennet Pancovius herbar. (1673) 148;

ach! wie oft gedenk' ich doch ...
an die wiepke, welche steigt
aus der rose selbst hervor
Zesen Prirau (1680) 604;

[Bd. 29, Sp. 1571]


wiepe, frucht des wilden rosenstocks Zincke allg. öcon. lex. (1744) 3204; 'hage-butte, hagen-butte, ... anderswo hiefe oder wiepe genannt, ist die bekannte frucht des hagedorns oder wilden rosen-stocks' Noel Chomel öcon.-physic. lex. (1750) 5, 60; 'die wiepe in den gemeinen sprecharten die samenkapsel des rosenstrauches oder eine hagebutte' Adelung 5 (1786) 219.
die ganze pflanze (auch wiepenstrauch Zschokke s. ausg. schr. [1824] 11, 230; wiepkedorn, wiepeldorn, s. Marzell reg. 620; wiepeldorn u. wiepdorn Mensing schlesw.-holst. 5, 636): garten-wiepen, an welchen die frchte fast so grosz als castanien sind Marperger vollst. küchen- u. kellerdict. (1716) 443a; wiegenstrauch, wipen, hetschepetsch Schkuhr botan. hdb. (1791) 2, 48; wiepen, wiepchen Nemnich dt. wb. d. naturgesch. 646; die wiepe die hundsrose, hagebutte Campe 5 (1811) 714b; wiepen Metzger pflanzenkde (1841) 767.
2) rosa villosa L.: wiepen, wiepchen Nemnich dt. wb. d. naturgesch. 646; wiepe so viel als zottige rose Krünitz öcon. encycl. 239 (1857) 32; wîpe hagebutte, frucht der weichhaarigen rose Frischbier pr. wb. 2, 473.
3) fraglich ob im zusammenhang mit 1 und 2, ulmus campestris L. (s. Marzell reg. 620): weiszrüster, wiepe Holl wb. dt. pflanzenn. (1833) 310a.
 
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wiepen, vb., mit wiepen (s. 2wippe, wiepe teil 14, 2, sp. 516) versehen: 'wiepen ein ziegeldach statt kalks mit stroh, das man in büscheln zwischen die ziegel steckt, dicht machen' Schütze Holstein 3, 360; Campe 5 (1811) 714b; Mensing schlesw.-holst. 5, 636.

 

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