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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
wiemer bis wienerhaube (Bd. 29, Sp. 1567 bis 1569)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) wiemer, m., mundartl. nebenform zu 1wimmer teil 14, 2, sp. 222: wīm knorriger stamm, stock, schwer spaltbarer stein Gerbet Vogtland 69; wiemer holzklotz (wîmer Masserberg) Hertel Thür. 258; 'wiemer (vima) bezeichnung für eine stelle im langholz, wo eine krause oder wellige querfaserung sich zeigt' Mensing schlesw.-holst. 5, 633.
 
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wienach, adv. , vermutlich analog gebildet zu wonach (vgl. teil 14, 2, sp. 1420). im 17. jh. bleibt es vereinzelt, nur in der bedeutung 'dasz' (vgl. wie I A 1 e) bezeugt:

und weil ich denn gewisz, dasz iede stunde mich
aus diesem leben rufft, dasz tag und nacht bezeuget,
wie stets (var. wienach) der arme mensch zu seinem grabe steiget;
so mach ich mich bereit Hoffmannswaldau u. a. Deutschen ged. (1697) 1, 237.

seit dem 18. jh. ist es satzeinleitend mit der bedeutung 'wieso', 'inwiefern' beleg (1). nur vereinzelt wird es in verbindung mit je nachdem relativ gebraucht (2). von den lexikographen verzeichnen es Adelung 4 (1801) 1539 und Campe 5 (1811) 714a. in den mundarten wird es in der bedeutung 'warum' für das obersächs. bezeugt (s. Müller-Fraureuth obersächs. 2, 665b). heute nicht mehr üblich.
1) wienach verlangt eine nähere begründung oder erklärung einer aufgestellten behauptung.

[Bd. 29, Sp. 1568]



a) einleitend in direkten und indirekten fragesätzen: wienach soll denn herr Simon an jungfer Lorchen denken? Gellert s. schr. (1839) 3, 171; wienach meinen sie (anrede) denn, dasz er recht haben könnte? Heynatz antibarb. (1796) 2, 639; die leidenschaften verlangten, ich sollte ein jesuit werden; die vernunft fragte, wienach sie so etwas zugeben könnte Jean Paul w. 4, 108 Hempel; das bild, ja das urbild der kirche sehen wir wohl in Jesu; aber wienach sind denn die Pharisäer ein bild der welt? Löhe sommerpostille (1848) 121a.
b) alleinstehend vertritt esähnlich wieso — einen fragesatz, beispielsweise: kann ein sterblicher, kann ein ich im feuchten erdenklosz, den der tod bald zu staub austrocknet, mehr in einer woche fordern, als Fixlein in sein herz einschöpfte? ich sehe nicht ein, wienach Jean Paul w. 3, 123 Hempel.
2) nur vereinzelt relativ gebraucht in der wendung wienach — je nachdem: das ist wohl ein gutes zeichen? — wienach du's aufnimmst, je nachdem du dich beträgst, versetzte jener Göthe I 24, 233 W.
 
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wiener, m., ableitung zum ortsnamen Wien als bezeichnung für den einwohner der Donaustadt; aus dem gen. plur. entwickelt sich der attributive gebrauch zur kennzeichnung von herkunft oder entstehungsort zahlreicher dinge, so etwa: Wiener mandel-brot, s. DWB mandelbrot auf Wiener art (sp. 2016) frauenz.-lex. (1773) 2, sp. 3863 Wiener rueben erdäpfel Schmeller-Fr. bayer. 2, 933; Wiener schnitzel teil 9, sp. 1361; Wiener schnitzel v. Dale nieuw gr. wb. 72110a; Wiener (schlechthin) bedeutet auch s. v. a. ein wienerischer eleganter wagen Schiffner allg. dt. sachwb. 10 (1831) 368b; Wiener s. v. a. Wiener walzer, ein tanz im 3/4 tacte, dem walzer bis auf das viel schnellere tempo ähnlich; ihn tanzen h. auch wienern ebda 369b; Wiener ein schneller tanz Mensing schlesw.-holst. 5, 635; Wiener würstchen d. gr. Duden (Lpz. 1960) 750b. vgl. die zusammenrückungen unten.
vom 12. bis 16. jh. in Wien geprägte münze (vgl. Halke hdwb. d. münzkde [1909] 388b); zunächst attributiv in verbindungen wie Wiener münz, Wiener pfennig (s. Schmeller-Fr. bayer. 2, 932; auch in der schreibung Wienerpfennig Luschin v. Ebengreuth allg. münzkde 2264): vnd hat ir (einer gewidmeten hofstatt) aufgesaczt ze dienst vnser vrawen ein phenning geltes Wienner münz an sant Jorgentag (1333) urk.-buch d. stiftes Klosterneuburg 247 Zeibig; ain fder waichs salz gebn sllen und mgen um siben pfenning Wienner (1381) Lori slg. d. baier. bergrechts (1764) 16b. daraus elliptisch als bezeichnung einer unterwertigen münze (vgl.: [der] Wiener pfennige ... gehalt verschlechterte sich ... so weit, dasz ihnen der spottname schinderlinge beigelegt wurde Halke a. a. o.): triens, triuncius ein schwarz pfening oder helbling (var. Wiener) (1566) Aventin s. w. 4, 1, 402 bayer. akad.;

der den herren um hilfft stossen, dieser ist ein treuer diener;
der den herren auff hilfft heben, dieser gilt nicht einen Wiener
Logau s. sinnged. 331 lit. ver.;

gestarn kom der Mettelwälder diener,
on ich hott flugs nech en blutga Wiener.
marne sell wer Jörgaszens bezohla;
d'r omtmon hot geflucht on a geschola (1817)
Fr. Schönig glätzische ged. 22 Langer.

auch: 'unter Wiener werden Wiener gulden österreichischer währung verstanden; keine Wiener, keine diener; keine kreuzer, keine Schweizer' Wander sprichw.-lex. (1867) 5, 230. —zusammenrückungen (neuerdings ist getrenntschreibung regel; s. die zahlreichen zss. im dän., u. a. Wienerbrød, -herre, -kalk, -schnitzel, -vogn ordb. ov. d. danske spr. 26, 1431f.): —
 
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Wienerblau, n: königs-, ... Wienerblau Muspratt chemie (1888) 4, 1465; Wiener blau d. gr. Brockhaus 20 (1935) 309b. —
 
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-braun, n., 'brauner farbstoff aus den nebenproducten des fuchsins' Karmarsch-Heeren techn. wb. (1876) 10, 699. —
 
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-deutsch,

[Bd. 29, Sp. 1569]


n. (vgl. wienerisch): Wienerdeutsch werde ich sie nicht lehren J. G. Forster s. schr. (1843) 7, 295. —
 
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-frucht, f., vgl. DWB frucht 4, teil 4, 1, 1, sp. 262, früchtchen 2, früchtel ebda sp. 269: solche matronen ..., die ... durch weise erziehung ihrer kinder, dem staate ganze familien erhalten, und keine sogenannten Wienerfrüchte, sondern vernünftige brger, getreue verehrer ihres vaterlandes, und der gesetze zu stellen im stande wären Sonnenfels ges. schr. (1783) 2, 32; d' Wienerfrucht is in mutterleib nichts nütz (Wien) Wander dt. sprichw.-lex. 5, 230. —
 
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-früchtel, n.: und hier öffnet sich für die schaubühne eine ganz neue aussicht ... wenn ein verderbtes volk den feinen streichen des lasters, den künstlichen hinterführungen eines ehmanns, wie in dem eifersüchtigen schneider, in dem ehmals so genannten musikalischen hahnrey, in dem unsre ganze stadt beleidigenden Wienerfrüchtel immer seinen beifall zuruft Sonnenfels ges. schr. (1783) 3, 124; du gehörst einmal schon unter die Wiener, obschon ich nicht hoffe, dasz du (der neffe Karl) ein W.er (= Wiener) früchtel werden wirst (1825?) Beethoven s. br. 5, 145 Kal. vgl. noch den pflanzenn. Wiener früchtl, schöne Wienerin für begonia semperfl. Marzell wb. d. dt. pflanzenn. 1, 544. —
 
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-grün, n.: Wienergrün Liebig chemie (1843) 764; Wiener grün, so viel als Schweinfurter grün Krünitz öcon. encycl. 239 (1857) 32; Wienergrün Karmarsch-Heeren techn. wb. (1876) 10, 699. —
 
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-gulden, m.: der Jude Vitali ... zahlte mir 125 Wienergulden ... aus (1781) Heinse in: br. zw. Gleim, Heinse u. J. v. Müller 2, 134 Körte.
 
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-haube, f.: die kopfbedeckung der bürgerfrauen und töchter ... sind die sogenannten Wienerhauben oder schlepphauben Nicolai reise d. Deutschl. u. d. Schweiz (1783) 5, 272. —

 

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