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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
wieling bis wienerfrucht (Bd. 29, Sp. 1566 bis 1569)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) wieling, wielung, f., fender aus tauwerk, zu 3wiel 3, auch als wehling teil 14, 1, 1, sp. 116. nur seemannssprachl.: wieling Hoyer-Kreuter technol. wb. (1902) 1, 849; nach dem absetzen hat er (der bootssteurer) darauf zu achten, dasz die wielings eingenommen werden (1906) bei Kluge seemannsspr. 833; wieling, wielung ein fender ... für boote, namentlich kleinere boote und rettungsboote, die er ganz umfaszt Eichler vom bug zum heck (1954) 466.
 
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wielstein, m., 'aus einer runden steinplatte bestehende herdstelle'. häufig bezeugt nur im alem. (s. den ausführl. artikel im schweiz. id. 11, 908 f.). in spätahd. und mhd. glossen mit sonst nicht belegtem zweisilbigen ersten wortgliede (wihil-, wihel- < *hweh(w)ul-, s. oben 3wiel): penas wi:hilstein (13. jh.) ahd. gl. 3, 128, 41 St.-S.; wihelstain taedifex, lapis vel ferrum super quo ponuntur taedae (15. jh.); focus fiurstat, ignis fiur, lar wihelstain (15. jh.) bei Schmeller-Fr. bayer. 2, 882. ganz vereinzelt literarisch: waz dann da inne (im hause) were von varender habe ... vom wilstein an bis zur fursten usz daz sij der herren aber eigen und erbe sol bliben ligen (Bacherach 1407) J. Grimm weist. 2, 218. —
 
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wieltrosz, n., m., ein mit einem rade gedrehtes trosz (zu 3wiel): wieltross Röding wb. d. marine (1793) 2, 904; das wieltrosz Campe 5 (1811) 714a; wieltrosz, m., frz. aussière faite à la roue Beil technol. wb. (1853) 656.
 
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wiemen, wieme, wiem, m., f. , latte; lattengerüst im schornstein; sitzstange der hühner. aus lat. vīmen 'rute, flechtwerk' (zur idg. wz. ei- 'drehen, biegen' mit m-formans, s. Walde-Pokorny 1, 225; Pokorny 1121; Kluge etym. wb.17 860a) über rom. vime, f., mnl. wieme, wimme Verwijs-Verdam 9, 2449 (nl. wieme v. Dale n. gr. wb. 72110a) ins mnd. (wime, m. Schiller-Lübben 5, 723a) gelangt, ist das wort noch heute auf weitem gebiet des nieder- und westmitteldeutschen lebendig (für die rhein. maa. s. Frings Germania Romana 182) und dringt in jüngerer zeit gelegentlich auch in die schriftsprache ein. als genus steht lange das fem., bes. für wieme und wiem, neben dem mask., das sich mit der form wiemen fast allgemein durchsetzt (der wiemen d. gr. Duden [Lpz. 1960] 750b). gelegentlich diphthongiert: mit auf dem weimen fliegen Henisch teutsche spr. (1616) 511; Campe 5 (1811) 645b; Mothes ill. baulex. (1882) 4, 471; weīme (n), m. Bauer-Collitz Waldeck 112b; wȫim Böger Schwalenberg 168. wiemen ist seit dem frühen 15. jh. in wenigen nd. vokk., insbes. für suspensiva, bezeugt: wimen (15. jh., md., nd.), wyme (1425, nd.), (15. jh., md., obd.) Diefenbach gl. 569b; wime (15. jh., nd.) nov. gl. 357a; suspensiuus wime uel ase Engelhusius voc. (cod. Helmst. 457 von 1445) fol. 67b; siccinum wyme

[Bd. 29, Sp. 1567]


gemma gemm. (Köln 1507) bei Diefenbach gl. 532b; carnarium, locus vbi salsa caro suspenditur fleischwimme Apherdianus tyrocinium (Köln 1581) 68; wieme, wyme, fleisch-wieme, rauch-wieme Frisch t.-lat. (1741) 2, 447a (nicht bei Stieler, Kramer, Adelung); als veraltet bei Campe 5 (1811) 714a.
1) gerüst im kamin, an dem fleisch und würste zum räuchern hängen (fleeschwiem Schütze Holstein 4, 360): eyn geslachtet veth swyn, wor dat hangede an eyneme wyme (1498) Reinke de vos 201 Leitzm.; 'die wieme das gerüst oder die balken in der feueresse' Hübner zeitungslex. (1824) 4, 933b; wiem Stürenburg ostfries. 330b; denn als ihr ein paar dänische soldaten die würste und schinken vom wiem holten, machte sie ihnen eine solche schande H. Löns der wehrwolf (1915) 79; wîmen, m. Woeste-N. westf. 325a. der das lattengerüst umgebende raum, die räucherkammer: das kalbfleisch stilt einem den speck aus den wiemen Petri d. Teutschen weiszh. (1605) M 4b; ebenso holte ich jeden winter ein gut stück speck aus dem wiemen Dincklage gesch. a. d. Emslande 21, 199; die kneipenden lieszen sich butterbrote geben — der baron holte selber den geräucherten in der küche aus dem wiem und trug ihn wie eine fahne auf der gaffel ins eszzimmer Winckler Bomberg (1956) 72; wîme, f., rauchfang zum räuchern Woeste-N. westf. 325a.
2) sitzstange(n) der hühner, auch der ganze, im stall oder auf der diele erhöht aufgehängte hühnerverschlag (oft in der zss. hühnerwiemen: do haben sich die uberste in den Hagen hefftigen entschuldiget ... und waren so schone und riene [midt orloff] als ein beschessen honerwime [1600] Münster. chron. 3, 163 Janssen; hoinerwîmen Schambach Göttingen 298a): und, weilen das hühnervolk schon aufgeflogen, trat er auch zu dem wiem, so er in der stuben hinter dem ofen hatte, und langete den hahnen herab (1843) W. Meinhold die bernsteinhexe (o. j.) 95; nein, nein, Rick, heute nicht, sagte der alte; der herr kommt schon mal wieder, und früher als die hühner auf die wiemen müssen (1885) Storm s. w. (1900) 8, 53. 'wîmen msc. in den nd. bezirken Hessens (Weser und Diemelbezirk) nur für hühnerhaus, hühnerstiege gebraucht' Vilmar Kurhessen 454. verbreitet mundartl. in wendungen (s. Wander sprichw.-lex. 5, 229) wie: mit den hönern to wyme flegen frühe zu bette gehen Richey id. Hamb. (1743) 374; mit de hön'r to wîm gaon Danneil altmärk. 247a; 'oft auf menschen übertragen: to wiemen gahn (kruppen) schlafen gehen' Mensing schlesw.-holst. 5, 632.
 
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wiemer, m., mundartl. nebenform zu 1wimmer teil 14, 2, sp. 222: wīm knorriger stamm, stock, schwer spaltbarer stein Gerbet Vogtland 69; wiemer holzklotz (wîmer Masserberg) Hertel Thür. 258; 'wiemer (vima) bezeichnung für eine stelle im langholz, wo eine krause oder wellige querfaserung sich zeigt' Mensing schlesw.-holst. 5, 633.
 
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wienach, adv. , vermutlich analog gebildet zu wonach (vgl. teil 14, 2, sp. 1420). im 17. jh. bleibt es vereinzelt, nur in der bedeutung 'dasz' (vgl. wie I A 1 e) bezeugt:

und weil ich denn gewisz, dasz iede stunde mich
aus diesem leben rufft, dasz tag und nacht bezeuget,
wie stets (var. wienach) der arme mensch zu seinem grabe steiget;
so mach ich mich bereit Hoffmannswaldau u. a. Deutschen ged. (1697) 1, 237.

seit dem 18. jh. ist es satzeinleitend mit der bedeutung 'wieso', 'inwiefern' beleg (1). nur vereinzelt wird es in verbindung mit je nachdem relativ gebraucht (2). von den lexikographen verzeichnen es Adelung 4 (1801) 1539 und Campe 5 (1811) 714a. in den mundarten wird es in der bedeutung 'warum' für das obersächs. bezeugt (s. Müller-Fraureuth obersächs. 2, 665b). heute nicht mehr üblich.
1) wienach verlangt eine nähere begründung oder erklärung einer aufgestellten behauptung.

[Bd. 29, Sp. 1568]



a) einleitend in direkten und indirekten fragesätzen: wienach soll denn herr Simon an jungfer Lorchen denken? Gellert s. schr. (1839) 3, 171; wienach meinen sie (anrede) denn, dasz er recht haben könnte? Heynatz antibarb. (1796) 2, 639; die leidenschaften verlangten, ich sollte ein jesuit werden; die vernunft fragte, wienach sie so etwas zugeben könnte Jean Paul w. 4, 108 Hempel; das bild, ja das urbild der kirche sehen wir wohl in Jesu; aber wienach sind denn die Pharisäer ein bild der welt? Löhe sommerpostille (1848) 121a.
b) alleinstehend vertritt esähnlich wieso — einen fragesatz, beispielsweise: kann ein sterblicher, kann ein ich im feuchten erdenklosz, den der tod bald zu staub austrocknet, mehr in einer woche fordern, als Fixlein in sein herz einschöpfte? ich sehe nicht ein, wienach Jean Paul w. 3, 123 Hempel.
2) nur vereinzelt relativ gebraucht in der wendung wienach — je nachdem: das ist wohl ein gutes zeichen? — wienach du's aufnimmst, je nachdem du dich beträgst, versetzte jener Göthe I 24, 233 W.
 
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wiener, m., ableitung zum ortsnamen Wien als bezeichnung für den einwohner der Donaustadt; aus dem gen. plur. entwickelt sich der attributive gebrauch zur kennzeichnung von herkunft oder entstehungsort zahlreicher dinge, so etwa: Wiener mandel-brot, s. DWB mandelbrot auf Wiener art (sp. 2016) frauenz.-lex. (1773) 2, sp. 3863 Wiener rueben erdäpfel Schmeller-Fr. bayer. 2, 933; Wiener schnitzel teil 9, sp. 1361; Wiener schnitzel v. Dale nieuw gr. wb. 72110a; Wiener (schlechthin) bedeutet auch s. v. a. ein wienerischer eleganter wagen Schiffner allg. dt. sachwb. 10 (1831) 368b; Wiener s. v. a. Wiener walzer, ein tanz im 3/4 tacte, dem walzer bis auf das viel schnellere tempo ähnlich; ihn tanzen h. auch wienern ebda 369b; Wiener ein schneller tanz Mensing schlesw.-holst. 5, 635; Wiener würstchen d. gr. Duden (Lpz. 1960) 750b. vgl. die zusammenrückungen unten.
vom 12. bis 16. jh. in Wien geprägte münze (vgl. Halke hdwb. d. münzkde [1909] 388b); zunächst attributiv in verbindungen wie Wiener münz, Wiener pfennig (s. Schmeller-Fr. bayer. 2, 932; auch in der schreibung Wienerpfennig Luschin v. Ebengreuth allg. münzkde 2264): vnd hat ir (einer gewidmeten hofstatt) aufgesaczt ze dienst vnser vrawen ein phenning geltes Wienner münz an sant Jorgentag (1333) urk.-buch d. stiftes Klosterneuburg 247 Zeibig; ain fder waichs salz gebn sllen und mgen um siben pfenning Wienner (1381) Lori slg. d. baier. bergrechts (1764) 16b. daraus elliptisch als bezeichnung einer unterwertigen münze (vgl.: [der] Wiener pfennige ... gehalt verschlechterte sich ... so weit, dasz ihnen der spottname schinderlinge beigelegt wurde Halke a. a. o.): triens, triuncius ein schwarz pfening oder helbling (var. Wiener) (1566) Aventin s. w. 4, 1, 402 bayer. akad.;

der den herren um hilfft stossen, dieser ist ein treuer diener;
der den herren auff hilfft heben, dieser gilt nicht einen Wiener
Logau s. sinnged. 331 lit. ver.;

gestarn kom der Mettelwälder diener,
on ich hott flugs nech en blutga Wiener.
marne sell wer Jörgaszens bezohla;
d'r omtmon hot geflucht on a geschola (1817)
Fr. Schönig glätzische ged. 22 Langer.

auch: 'unter Wiener werden Wiener gulden österreichischer währung verstanden; keine Wiener, keine diener; keine kreuzer, keine Schweizer' Wander sprichw.-lex. (1867) 5, 230. —zusammenrückungen (neuerdings ist getrenntschreibung regel; s. die zahlreichen zss. im dän., u. a. Wienerbrød, -herre, -kalk, -schnitzel, -vogn ordb. ov. d. danske spr. 26, 1431f.): —
 
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Wienerblau, n: königs-, ... Wienerblau Muspratt chemie (1888) 4, 1465; Wiener blau d. gr. Brockhaus 20 (1935) 309b. —
 
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-braun, n., 'brauner farbstoff aus den nebenproducten des fuchsins' Karmarsch-Heeren techn. wb. (1876) 10, 699. —
 
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-deutsch,

[Bd. 29, Sp. 1569]


n. (vgl. wienerisch): Wienerdeutsch werde ich sie nicht lehren J. G. Forster s. schr. (1843) 7, 295. —
 
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-frucht, f., vgl. DWB frucht 4, teil 4, 1, 1, sp. 262, früchtchen 2, früchtel ebda sp. 269: solche matronen ..., die ... durch weise erziehung ihrer kinder, dem staate ganze familien erhalten, und keine sogenannten Wienerfrüchte, sondern vernünftige brger, getreue verehrer ihres vaterlandes, und der gesetze zu stellen im stande wären Sonnenfels ges. schr. (1783) 2, 32; d' Wienerfrucht is in mutterleib nichts nütz (Wien) Wander dt. sprichw.-lex. 5, 230. —

 

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