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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
wiel bis wieling (Bd. 29, Sp. 1564 bis 1566)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) wiel, n., kontrahiertes wiedel, s. wiede 6 (sp. 1505).
 
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wiel, f., schleier, kopftuch, s. weil teil 14, 1, 1, sp. 760.
 
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wiel, wiele, f. , rad. im nhd. kaum zu belegen, nur vereinzelt übertragen (s. 1 u. 2) und in den zss. wielesche, -stein, -trosz. eins mit ags. hweogol, hweowol, hweohhol, hwēol (engl. wheel), fries. wiele (afries. fial weicht ab), nordfr. weel, mnl. nl. wiel, mnd. wêl, an. hjól, hvēl, dän., schwed. hjul. mundartl. im ostfries. s. Doornkaat Koolman ostfries. 3, 531 und an der mittel-Elbe s. u. Teuchert. das wort ist identisch mit ai. cakrá- (mit demselben akzent wie in ags. hweogol, hweowol), redupliz. bildung

[Bd. 29, Sp. 1565]


wie toch. kukäl, gr. κύκλος, lit. kãklas 'hals', neben denen eine unreduplizierte in an. hvel, apreusz. kelan, aksl. kolo 'rad' steht; idg. wurzel qel- '(sich) drehen', vgl. Walde-Pokorny 1, 515, Pokorny 640, Trautmann bsl. wb. 125, wehl, n., teil 14, 1, 1, sp. 113.
1) St. Katharinen-wiel, nl. St. Katrienewiel, 'ringförmig sich ausdehnende hautkrankheit, die von der hl. Katharina mit dem rade, die alle ringe und banden löst, ihren namen erhielt' Höfler dt. krankheitsnamenb. 894b.
2) 'wasserstrudel, abgrund', fast nur nl. (s. Verwijs-Verdam 9, 2446). ins hd. eingedrungen und bei nd. beeinfluszten dichtern häufig bezeugt ist wehl, m., n., wehle, f., s. teil 14, 1, 1, sp. 112f. lexikalisch: wiel (14./15. jh., nl.) Diefenbach gl. 271b s. v. gurges. auffallend sind zwei obd. buchungen: werb oder wiel im wasser vortex voc. theut. (Nürnberg 1482) oo 1a; gurges, locus in flumine profundus in quo aqua vertitur tiffe des wassers oder gump, fiele des wassers Altenstaig voc. (Hagenau 1516) 13a, wozu sich jedoch, falls das wort nicht aus Albrechts v. Halberstadt Ovid-übersetzung (1210) übernommen worden ist, der Elsässer Wickram stellen liesze:

und eileten fast zu der hell
durch manig tieff und sorglich gfell.
durch die siedenden wasser wielen
die pferd, fast gschwind hindurchin fielen (1544)
Wickram w. 7, 233 Bolte;

gurges een colck, oft wiel Junius nomencl. (1583) 282b; wiel, kolck, wielinghe vortex, vertex Kilian dict. (1605) 667b. in der bed. 'tiefes, durch einen deichbruch ausgewühltes wasserloch' (mnd. belege bei Schiller-Lübben 5, 662): 'das mittelelbische gebiet weist neben weel die formen wiel und waal auf' Teuchert sprachreste 391, s. ebda 53 u. 180.
3) 'rundes bündel alten tauwerks zum schutz der auszenseiten des schiffes', s. auch wehling teil 14, 1, 1, sp. 116 und wieling; wohl nach der runden (radartigen) gestalt benannt: 'wielen oder wehlings sind stücke von alten tauen ... sie werden an einem tau, an die äussere seite des schiffs gehängt und dienen so ..., dasz die seiten des schiffs nicht ... beschädigt werden' Röding allg. wb. d. marine (1793) 2, 903; die wiele Campe 5 (1811) 714a; es wurde eine grosze wiel von einem schweren ankertau gemacht ... diese wiel muszte nun immer vor dem boog neben der beschädigten stelle hängen, und wenn das eis kam, niedergelassen werden, damit die wiel den druck des eises abhalte Eschel lebensbeschr. (1835) 29; wielen, f. pl. fenders of old cable Beil technol. wb. (1853) 656; wiele Mothes ill. baulex. (1881) 4, 479.
 
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wielandbeere, f., im alem. ein name des seidelbastes, daphne mezereum L., umgedeutet aus zilanderberi, s. Marzell wb. d. dt. pflanzenn. 2, 32: wielandbeeren Stalder schweiz. 2, 450; wielandberri gemeiner seidelbast Bühler Davos 2, 12; schweiz. id. 4, 1474.
 
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wielange, tempor. konj., 'solange', nur vereinzelt im 16. u. 17. jh. belegt:

gang hin vnd suff, wie lang du wit (1548)
H. R. Manuel weinspiel v. 3230 ndr.;

wie lang der ofen warm ist, so lang thut man ihme gar schön Abr. a s. Clara Judas (1687) 1, 322. vgl. den ursprünglichen interrogativen gebrauch wie lange? unter wie I A 3 c α; zur seltenen konzessiven bedeutung vgl. II 2 b.
 
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wielen, vb., s. wiehern.
 
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wielesche, f., name der eberesche, sorbus aucuparia L. (Marzell reg. 620); zss. mit 3wiel ('das holz der eberesche wird mit vorliebe von wagnern verarbeitet' schweiz. id. 11, 910). nur für das alem. (schwäb.) bezeugt: ornus ein wieläsch, seine rote beere sind nit ze ssen Frisius dict. (1556) 931a; wielesch (1557) in: schweiz. id. 1, 568; wieläsch Maaler teutsch spraach (1561) 499b; ornus, humelia, fraxini species, hagenbuch, ornum quidam vertunt wieläsch Frischlin nomencl. (1594) 61; eberesche, wielesche,

[Bd. 29, Sp. 1566]


faulesche Zschokke s. ausg. schr. (1824) 11, 171. noch mundartl.: wüelesch, wielesch schweiz. id. 1, 568; wiæleššæ W. Clausz ma. v. Uri 36.
 
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wielewal, m., s. wiedewal.
 
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wielichkeit,
 
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-heit, f., 'beschaffenheit'; entsprechung von ahd. wiolîhhî (zu wiolîh 'welche gestalt habend, wie beschaffen'). mhd. wielicheit (wîlicheit) mhd. wb. 3, 577b; qualitas wielicheit, -ligkeit Diefenbach gl. 476c; s. auch wie(lich)keit bei Fischer schwäb. 6, 809 und vgl. welchheit teil 14, 1, 1, sp. 1368. nach dem 16. jh. ist wielichkeit nicht mehr nachzuweisen:

(das buch) sprach
von drîer werlde undirscheit
intscheidinde dî wîlicheit
der lûte von Adâmis vrist
unz hin an den antecrist
Nicolaus von Jeroschin kronike v. Pruzinlant 5778 Strehlke;

(gott) hat an jhm kain wielichait noch grösse Ziegler antw. auf acht fragstuck (1555) C 1;

was aber grosz ist oder klein,
und hat sein wieligheit allein,
das ist vermenget zu der frist,
gott aber gantz einfltig ist
J. Spreng gürtel desz lebens (1564) 134 b.


 
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wieling, wielung, f., fender aus tauwerk, zu 3wiel 3, auch als wehling teil 14, 1, 1, sp. 116. nur seemannssprachl.: wieling Hoyer-Kreuter technol. wb. (1902) 1, 849; nach dem absetzen hat er (der bootssteurer) darauf zu achten, dasz die wielings eingenommen werden (1906) bei Kluge seemannsspr. 833; wieling, wielung ein fender ... für boote, namentlich kleinere boote und rettungsboote, die er ganz umfaszt Eichler vom bug zum heck (1954) 466.

 

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