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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
wieke bis wielange (Bd. 29, Sp. 1563 bis 1565)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) wieke, f., docht, lunte, scharpie. s. DWB wieche, f.
 
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wieke, f., rosa canina L.: wiegen, wieken Nemnich dt. wb. d. naturgesch. 646; (als veraltet) die wieke die hundsrose Campe 5 (1811) 714a; wiegen, wiegenstrauch, wieken Holl wb. dt. pflanzennamen (1833) 305b; wieken, in der botanik, so viel als hundsrose Krünitz öcon. encycl. 239 (1857) 25.
 
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wieke, f., name für ulmus sativa L. (s. Marzell wb. d. dt. pflanzenn. 5, 620 reg.), nd. entsprechung von ahd. wīh 'populus, arbor albis foliis' ahd. gl. 3, 284, 65f. (12., 13./14. jh.; häufig ist das kompositum wichboum

[Bd. 29, Sp. 1564]


'casia' Björkman zs. f. dt. wortforschg. 2, 220 [wenn hierher gehörig], nhd. weich(el)baum teil 14, 1, 1, sp. 485) = ags. wīc(e) 'cariscus', mengl. wyche 'ulmus', nengl. witchelm 'ulmus montana'; nach Falk-Torp 1360 'benannt nach seinen langen, herabhängenden zweigen', zu weichen: Nemnich dt. wb. d. naturgesch. 646; die rauhe ulme ... sonst auch die kleinblätterige wasser- ... oder weisze rüster, die yper, urle, wieke Hoyer allg. wb. d. artillerie (1804) 1, 2, 239; wiecke Ostpr., Nieders. Pritzel-Jessen 420; wieke 'ahorn' Mitzka d. ahorn (1950) 38; 60.
 
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wieke, f., im ostfries. 'vom hauptkanal sich abzweigender entwässerungsgraben'; gleich mnl. wijk 'kanal, stichkanal, graben' Verwijs-Verdam 9, 2473, nl. ds. Frings PBB 65 (1942) 223 ff., wfries. wyk 'seitenkanal, hilfskanal in sumpfstrichen' frysk wurdboek 1, 583. das wort ist wohl ursprünglich identisch mit wiek 'bucht', s. Frings a. a. o. 225: eine wike von etwa 24 fusz breite, auf deren kante man häuser setzen kann, ist zum zwecke des torfstiches in das moor zu führen (aus einem entwässerungsprogramm des nördl. Emslandes von 1631) bei Wimmer gesch. d. dt. bodens (1905) 158; 'wieke ist in Ostfriesland der schiffbare canal in der torfgräberey' Weber ökon. lex . (1838) 652; 'wike wasserleitung, canal' Krüger Emden 72a; 'die wieke als canal ist als eine ausweichung, ausbeugung vom flusse oder vom hauptcanale anzusehen' Stürenburg ostfries. 330a; Lueger lex. d. ges. techn. (1894) 7, 931.
 
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wieken, vb., eine wunde mit einer wieche ausstopfen, behandeln. s. DWB wiechen, sp. 1497.
 
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wiekhaus, wighaus, -häuslein, n., undiphthongierte form von weichhaus (teil 14, 1, 1, sp. 512). die angebliche bedeutungsentfaltung des wortes im frühnhd. beschreibt Zobel: ir sollet wissen, wighaus hat dreierlei namen, zu dem ersten ist wighaus ein were, die auff der stadtmaur gebauwet wirt, die umbdeckt ist. auch heisset wighaus als viel, als ein offenbar haus, do der richter pfleget innen zurichten. auch so heiset wighaus ein solche stadt, die allen leüten warnung gibt, das sie vor allem unrechten gwalt und unrecht, darauff weichen sollen Zobel sechsich weichbild- u. lehenrecht (1537) 16b. in der bedeutung 'hausähnlicher teil einer befestigung' ist das wort (wo sich die alten bauwerke erhalten haben) bis in die gegenwart bekannt: item des zollers halb am wighüsel do were der herren meinunge, das sich der doselbs bi dem andern zoller im huse enthalten solt als bisdar (Straszb. 1463) bei Eheberg verfassungs- u. verwaltungs- u. wirtsch.-gesch. d. st. Straszb. 1, 215; und hatten die kaiserlichen am wickhäusel posto gefaszt ausführl. beschr. d. ganzen Rheinstroms (1685) 1, 199; auf seinem wartturm ..., so vormals ein wighaus gewesen (1819) Jahn br. 221 W. Meyer; (das märk. städtchen) besitzt noch manchen malerischen winkel, eindrucksvolle reste hoher feldsteinmauern mit rundem turm und einem alten wiekhaus daheim (19. 4. 1934) 3; erhalten blieben auch Neubrandenburgs tore, mauern, wiekhäuser E. Brückner d. St. Marienkirche zu Neubrandenbg. (1957) 29. Fr. L. Jahn verwendet das wort unter neuanknüpfung an mhd. wîc 'kampf' im sinne von 'waffenhaus': ein gesellschaftshaus, was für künftige kriegsfälle zugleich zum wighaus einzurichten wäre w. (1884) 2, 461.
 
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wiel, n., kontrahiertes wiedel, s. wiede 6 (sp. 1505).
 
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wiel, f., schleier, kopftuch, s. weil teil 14, 1, 1, sp. 760.
 
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wiel, wiele, f. , rad. im nhd. kaum zu belegen, nur vereinzelt übertragen (s. 1 u. 2) und in den zss. wielesche, -stein, -trosz. eins mit ags. hweogol, hweowol, hweohhol, hwēol (engl. wheel), fries. wiele (afries. fial weicht ab), nordfr. weel, mnl. nl. wiel, mnd. wêl, an. hjól, hvēl, dän., schwed. hjul. mundartl. im ostfries. s. Doornkaat Koolman ostfries. 3, 531 und an der mittel-Elbe s. u. Teuchert. das wort ist identisch mit ai. cakrá- (mit demselben akzent wie in ags. hweogol, hweowol), redupliz. bildung

[Bd. 29, Sp. 1565]


wie toch. kukäl, gr. κύκλος, lit. kãklas 'hals', neben denen eine unreduplizierte in an. hvel, apreusz. kelan, aksl. kolo 'rad' steht; idg. wurzel qel- '(sich) drehen', vgl. Walde-Pokorny 1, 515, Pokorny 640, Trautmann bsl. wb. 125, wehl, n., teil 14, 1, 1, sp. 113.
1) St. Katharinen-wiel, nl. St. Katrienewiel, 'ringförmig sich ausdehnende hautkrankheit, die von der hl. Katharina mit dem rade, die alle ringe und banden löst, ihren namen erhielt' Höfler dt. krankheitsnamenb. 894b.
2) 'wasserstrudel, abgrund', fast nur nl. (s. Verwijs-Verdam 9, 2446). ins hd. eingedrungen und bei nd. beeinfluszten dichtern häufig bezeugt ist wehl, m., n., wehle, f., s. teil 14, 1, 1, sp. 112f. lexikalisch: wiel (14./15. jh., nl.) Diefenbach gl. 271b s. v. gurges. auffallend sind zwei obd. buchungen: werb oder wiel im wasser vortex voc. theut. (Nürnberg 1482) oo 1a; gurges, locus in flumine profundus in quo aqua vertitur tiffe des wassers oder gump, fiele des wassers Altenstaig voc. (Hagenau 1516) 13a, wozu sich jedoch, falls das wort nicht aus Albrechts v. Halberstadt Ovid-übersetzung (1210) übernommen worden ist, der Elsässer Wickram stellen liesze:

und eileten fast zu der hell
durch manig tieff und sorglich gfell.
durch die siedenden wasser wielen
die pferd, fast gschwind hindurchin fielen (1544)
Wickram w. 7, 233 Bolte;

gurges een colck, oft wiel Junius nomencl. (1583) 282b; wiel, kolck, wielinghe vortex, vertex Kilian dict. (1605) 667b. in der bed. 'tiefes, durch einen deichbruch ausgewühltes wasserloch' (mnd. belege bei Schiller-Lübben 5, 662): 'das mittelelbische gebiet weist neben weel die formen wiel und waal auf' Teuchert sprachreste 391, s. ebda 53 u. 180.
3) 'rundes bündel alten tauwerks zum schutz der auszenseiten des schiffes', s. auch wehling teil 14, 1, 1, sp. 116 und wieling; wohl nach der runden (radartigen) gestalt benannt: 'wielen oder wehlings sind stücke von alten tauen ... sie werden an einem tau, an die äussere seite des schiffs gehängt und dienen so ..., dasz die seiten des schiffs nicht ... beschädigt werden' Röding allg. wb. d. marine (1793) 2, 903; die wiele Campe 5 (1811) 714a; es wurde eine grosze wiel von einem schweren ankertau gemacht ... diese wiel muszte nun immer vor dem boog neben der beschädigten stelle hängen, und wenn das eis kam, niedergelassen werden, damit die wiel den druck des eises abhalte Eschel lebensbeschr. (1835) 29; wielen, f. pl. fenders of old cable Beil technol. wb. (1853) 656; wiele Mothes ill. baulex. (1881) 4, 479.
 
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wielandbeere, f., im alem. ein name des seidelbastes, daphne mezereum L., umgedeutet aus zilanderberi, s. Marzell wb. d. dt. pflanzenn. 2, 32: wielandbeeren Stalder schweiz. 2, 450; wielandberri gemeiner seidelbast Bühler Davos 2, 12; schweiz. id. 4, 1474.
 
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wielange, tempor. konj., 'solange', nur vereinzelt im 16. u. 17. jh. belegt:

gang hin vnd suff, wie lang du wit (1548)
H. R. Manuel weinspiel v. 3230 ndr.;

wie lang der ofen warm ist, so lang thut man ihme gar schön Abr. a s. Clara Judas (1687) 1, 322. vgl. den ursprünglichen interrogativen gebrauch wie lange? unter wie I A 3 c α; zur seltenen konzessiven bedeutung vgl. II 2 b.

 

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