Wörterbuchnetz
Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
wiegsam bis wieke (Bd. 29, Sp. 1556 bis 1563)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) wiegsam, adj., 'beweglich, nachgiebig', zu dem alten stv. wëgen 'bewegen', das mit präsensausgleich zugunsten des i wigen lautet, vgl. 1wiegen; doch ist vorauszusetzendes i-präsens in einer frühnhd. schweiz. quelle auffällig: die zän sind zu beiden seyten dess schnabels, wiegsam, vnnd grad in disem entengeschlächt, als ich weisz, die aller lengsten eines halben zwärch fingers lang Heusslin Gesners vogelb. (1557) 40c. im jüngeren nhd. wohl an 2wiegen '(sich) schwankend bewegen' angelehnt und klanglich gestützt durch biegsam, schmiegsam:

und deine jugendschlanke
gestalt bog sich so wiegsam,
als ob eine lilie schwanke
auf zartem stengel biegsam
H. Marggraff ged. (1857) 179;

auch in der art, wie sie sich trägt, gibt sich etwas schmiegsames, wiegsames Halbe jugend (1911) 7.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
wiegung, f.
1) verbalabstraktum zu 1wiegen (wie wägung teil 13, sp. 502 zu wägen); nur vereinzelt, vgl. wiegunge, wigunge (15. jh., md.) Diefenbach gl. 327a s. v. libramen; wiegung (15. jh., md.) ebda 327b s. v. libripens: wird seine (des perlsteins) wiegung nur nach sorgfältiger reinigung richtig ... ausfallen Zappe mineral. hdlex. (1817) 2, 252.
2) verbalabstraktum zu 2wiegen; wiegung cunamento Kramer t.-ital. 2 (1702) 1347a: viel besser wäre es, dasz man die säuglinge ohne wiegen aufbrächte, oder eine mäszige wiegung verspahrte, bis die kindlein etwa nicht ruhen können J. A. a Gehema säugamme (1698) B 6b.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
wiegwehe, f., turmfalke, falco (cerchneis) tinnunculus L.; beide wortbestandteile sind nebenformen von weih, weihe 'milvus', s. d. teil 14, 1, 1, sp. 647; wiegweher Megiser thes. polygl. (1603) 1, 283a s. v. cenchris; 2, 630a s. v. tinnunculus; wiegwehe falco tinnunculus Nemnich dt. wb. d. naturgesch. 646; Adelung 5 (1786) 219: die Tütschen nennend dises habichen geschlächt wannenwäher, wanntwehen, wiegwehen, wadwäher, steingall, steinschmatz Heusslin Gesners vogelb. (1557) 145b; wiegwehe Brehm tierl. 6, 250 P.-L.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
wieheln, wiehen, vb., s. wiehern.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
wieherer, m., nomen agentis zu wiehern. nur lexikalisch bei Stieler stammb. (1691) 2534 und Kramer t.-ital. 2 (1702) 1347b. neu gebildet in der bardenpoesie des 18. jhs. als kunstwort für '(kampf)rosz': dünne riemen ... beugen sich an den stattlichen ... nacken der wieherer allg. dt. bibl., anh. zu bd. 25/36 (1771f.) 3010; eine wolke, wie der wiehrer der fremden gestaltet, trug sein luftiges gebild J. W. Petersen Ossian (1782) 123;

ach, wesz soll es seyn? wer wird den feurigen wiehrer
tummeln?
Stolberg ges. w. (1820) 3, 294.

mehrmals bei Schubart: vielleicht findest du selbst dorten am ende des wahlfestes, wo man nach geendigter parade rosz und mann wieder in's kleine reduzirt, die beste gelegenheit, dir einen wieherer ganz nach deinem geschmake zu verschaffen (1790) br. in: Strausz ges. schr. (1879) 9, 284; sämmtl. ged. (1825) 2, 112; 3, 11.

[Bd. 29, Sp. 1557]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) wiehern, wieheln; weien, weihern, vb. , hinnire. zugrunde liegen ahd. (h)wei(j)ôn und möglicherweise (s. u.) im ablaut hierzu (h)wi(j)ôn (vgl. Kögel beitr. 9, 543, weiteres Braune ahd. gramm. 8§ 117 anm. 1; ansatz der schwundstufenform als wihên bei Kluge urgerm. 3161) aus der lautnachahmenden idg. wz. ei- Pokorny 628. weitere angehörige dieser gruppe von schallwörtern s. u. winsen teil 14, 2, sp. 417 sowie Johannesson isl. et. wb. 258 und Pokorny a. a. o. enger zu den angegebenen formen stellen sich in gleicher oder ähnlicher bedeutung engl. dial. whicker; isl. hvía; schwed. dial. hwija, auch vigra. auszer den zu behandelnden haupttypen sind mundartl. zahlreiche vereinzelte sonderformen bezeugt, vgl. besonders die frühen intensivierungen wehaaczen (1420, rhein.) Diefenbach nov. gl. 204a (s. ob. teil 14, 1, 1, sp. 65), dazu 'die in ganz Südböhmen übliche bezeichnung' wihtsn Prexl mittl. Böhmerwald 26; wienheintzen Er. Alberus dict. (1540) R 2b und das lautmalende wihahen Kirchhof wendunmuth 1, 428 Öst.
ahd. normalform ist (h)wei(j)ôn: hinnit huuaiiot (8. jh.) ahd. gl. 3, 6, 58 St.-S.; hinni:ens hueionti (9. jh.) ebda 1, 97, 8; (equus emissarius, sic et amicus subsannator, sub omni suprasedente hinnit) vueiiot (ecclesiasticus 33, 6) (9. jh.) ebda 1, 562, 10; hinnio uueion (9. jh.) 4, 327, 29; hinni (gl.: vueio, 10. jh.) voce tua, filia Gallim (Jes. 10, 30) 1, 600, 57; hinni uueio (11./12. jh.) ebda 58. im 11./12. jh. steht gelegentlich e für ei, vgl. Braune ahd. gramm. § 44 anm. 4, Franck afränk. gr. § 31, 2: hinnient uuehiunt (Jes. 24, 14) (11./12. jh.) ahd. gl. 1, 605, 44 (nach W. Wissmann, vgl. nom. postverb. 1, 91, gehören nicht hierher, sondern zu ahd. wegon, adhinniuit uuegota ahd. gl. 2, 466, 27 [11. jh.], adhinniuit zuoeruuegota ebda 2, 570, 12 [11. jh.]). in der silbenfuge erscheint vom 10. bis zum 13. jh. gelegentlich g mit spirantischer geltung: (hi levabunt vocem suam, atque laudabunt: cum glorificatus fuerit dominus,) hinnient vueigon (de mari) (Jes. 24, 14) (10. jh.) ahd. gl. 1, 605, 42 St.-S.; fremit uueigot (11. jh.) ebda 2, 668, 54; hinnit weiget (12. jh.) 3, 241, 45; hinnient weigint (13. jh.) (Jes. 24, 14) 1, 605, 42; waygeten (um 1290) Heinrich v. Neustadt Apollonius 6265 Singer.
weien ist mhd. noch gut bezeugt, erfährt aber seit dem 12. jh. konkurrenz durch wihen und wird seit dem 13. jh. in zunehmendem masze, besonders im obd., durch wiheln überlagert: hinnient weient (Jes. 24, 14) (12. jh.) ahd. gl. 1, 605, 43 St.-S.; hinni weio (Jes. 10, 30) (12. jh.) ebda 1, 600, 58; hinnit weiot (12. jh.) 3, 241, 44; waiet (13. jh.) ebda 45; weiot (13. jh.) 3, 301, 52; hinnire weyen (14./ 15. jh.) Diefenbach gl. 277c. literarisch in mhd. texten: weien pfaffe Lamprecht (Straszburger) Alexander 328 Kinzel; (um 1208) Wirnt v. Gravenberc Wigalois 6426 Kapteyn; Stricker Karl 11 521 Bartsch; (1287) Konrad v. Würzburg trojan. krieg 36 931 Keller; (1277) ders. Partonopier u. Meliur 6152 u. 10 609 Bartsch; wayen (um 1290) Heinrich v. Neustadt Apollonius 8681 u. 8683 Singer; weien Frauenlob in: dt. liederdichter d. 12.—14. jhs. 279, 59 Bartsch. das wort begegnet noch in hss. des 15. jhs.: weien Karlmeinet 63, 45 Keller; vom esel Suchenwirt bei Schmeller-Fr. bayer. wb. 2, 825 und Hugo v. Montfort bei Lexer 3, 742. heute ist es nur mundartl., meist obd., vereinzelt zu belegen (dabei im schweizerdt. mit nasalierung, zu vergleichen sind formen wie winheln teil 14, 2, sp. 337 neben wiheln sowie wienhern Lancelot 1, 545, 34 Kluge und wingeren Martin-Lienhart elsäss. 2, 840 zu wi[e]hern): wejenen schweiz. id. 4, 1100; weienen, weyenen Stalder schweiz. 2, 442; woajə Fischer schwäb. 6, 586; woaje, waiε Schatz Tirol 683; weien Müller rhein. wb. 5, 17 (wortkarte).
die wohl von wiehern beeinfluszte ableitung weihern hält sich dagegen bis weit ins nhd.: weihirn (15. jh., md.) Diefenbach gl. 277c; weihern S. Franck chron. (1539) 5b; furor hippomanicus ... weihernde wansinnigkeit Dannhawer catech.-milch (1657) 2, 250; dasz man mit einem pferde weiherte Schupp schr. (1663) 1, 546;

[Bd. 29, Sp. 1558]


weyhert Pietsch geb. schr. (1740) 31. auch mundartl. ist sie noch bezeugt: weieren Martin-Lienhart elsäss. 2, 777; Müller rhein. wb. 5, 17 f. (wortkarte); im material d. brandenb.-berlin. wbs.; nur sporadisch erscheint neben weihern auch weiheln: hinnire annitrire weihelen Verantius dict. (1595) F 2b.
seit dem 12. jh. tritt neben weien die form wion, wi(h)en, auch wihenen (vgl. ob.); der ansatz von ahd. (h)wijôn (wohl nicht mit Kluge wihên, s. ob.) ist angesichts der möglichkeit nicht lautgesetzlicher wandlungen der onomatopoetika nicht zwingend, wegen der übrigen schwundstufigen bildungen zur gleichen wz. (s. winsen a. a. o.) aber möglich. auch die verbreitung von wihen ist durch seine iterativableitungen auf -el- und -er- stark eingeschränkt: hinnit wíot (12. jh.) ahd. gl. 3, 241, 45 St.-S.; hinnient wihint (Jes. 24, 14) (12. jh.) ebda 1, 605, 44; wihen (mitte d. 13. jhs.) Virginal 662, 8 Zupitza; ir ros wihenten ebda 45, 7; die pfert wihettent (Straszb. 15. jh.) predigtmärlein in: Germania 3, 433, 18; wyhan (15. jh.) Diefenbach gl. 277c; gewiehet G. Schwartzkopff Herodot (1593) 156.
die iterativbildung wiheln, wih(e)len tritt zuerst im 13. jh. auf. sie scheint aus dem alem. zu stammen. dort ist sie auch heute noch mundartl. vertreten (die nasalierte form winheln s. teil 14, 2, sp. 337): wihelon (13. jh.) anz. f. kde d. t. vorzeit 8, 396 Mone; wieheln (15. jh., md.) Diefenbach gl. 277c; wihelen (15. jh.) ebda; ein yeder wyhlet gegen seines nächsten eeweyb (Jer. 5, 8) Zürcher bibel 4 (1529) 84; wie die schälen wyhletend jr (Jer. 50, 11) ebda (1531) 2, 128b; ein schälhengst wyhlet (Jes. Sir. 33, 6) ebda 1, 282b; da wyhelten die pferd S. Franck bei Fischer schwäb. 6, 851; wihelen Dasypodius dict. (1536) 458b; wiheln J. Heroldt v. d. zung (1544) 7b; wihelen Frisius dict. (1556) 629b, auch 102a; das pferd wyhelt J. Vogel vngrische schlacht (1626) 73; wieheln J. Helwig Ormund (1666) 9; wiheln Prätorius glückstopf (1669) 230; wielen Stieler stammb. (1691) 2534. in den hist. wbb. nun bis Campe 5 (1811) 724 fast regelmäszig gebucht (nicht bei Adelung). noch mundartl.: wihelen schweiz. id. 4, 80; wihele Hunziker Aargau 296; wihelen neben wihern Weinhold al. gramm. 219.
neben wiheln tritt im 15. jh. wicheln, wichlen mit geschärfter spirans; auch diese form ist vorwiegend im alem., doch auch andernorts bis in die heutige ma. bezeugt: wicheln (1421 obd.) Diefenbach nov. gl. 204a; wicheln Niclas v. Wyle transl. 15 Keller; wichlen Frisius dict. (1556) 26b; das röszlin, dasz ... stets wichlet F. Platter 186 Boos; wichlen Forer fischb. (1598) 200a; wicheln J. L. Gottfriedt hist. chron. (1630) 2, 27; wichelen Binnaert dict. (1702) Kk 2b; wichlen Scheuchzer physica (1711) 1, 50; wicheln bucht Steinbach als 'vocem non ubique usitatam' dt. wb. (1734) 2, 990. mundartl. noch: Weber Zürcher oberland 134; Seiler Basel 320; O. Weise unsere mundarten 102; Mensing schlesw.-holst. 5, 616; hierher gehört nach schweiz. id. 4, 61f. auch schweizerdt. michelen.
die nhd. hauptform wiehern ist als iterativbildung zu wihen auf md. boden entstanden. vereinzelt schon mhd. belegt, dann in Claus Crancs prophetenübers. regelmäszig für hinnire (aber nirgends in den vorlutherschen vollbibeln), verdrängt sie seit Luthers bibelübersetzung (vor allem Jerem. 5, 8) konkurrierende formen und synonyma.
vereinzelte formen mit binnennasal sind oben unter weien genannt. an weiteren lautlichen varianten sind zubemerken: wehern (15. jh., md.) Diefenbach gl. 277c; im 18. jh. gelegentlich wiehren, so Triller poet. betracht. 1, 609; 5, 330; Rabener s. schr. (1777) 5, 151. seit dem 17. jh. ist verschärfung der spirans bezeugt (zur sonderbedeutung obersächs. und nordböhm. belege s. u. 2): wicheren Comenius güld. sprachenthür (1638) § 178 Docemius. so noch mundartlich: wichern fürs alem. bei O. Weise unsere mundarten 102; I. Petters beitr. z. dialektforsch. in Nordböhmen (1865) 9; Knothe schles. ma. in Nordböhmen 542; Müller-Fraureuth obersächs. 2, 665;

[Bd. 29, Sp. 1559]


Mensing schlesw.-holst. 5, 616. wiecher(e)n mit länge des wurzelvokals ist wohl kontamination von hochsprachl. wiehern und mundartl. wichern: wiecheren Kramer t.-ital. (1678) 1240a; wiechern Jakob Wien 219. neben wiechern stellt sich wiegern, das im ostmd., vorwiegend bei schles. autoren des 17. jhs. auftritt: wiegern (1579) Ludin Ad. Sibers bearb. d. nomencl. H. Junii 141; ich wigere dict. nominum verborumque (Breslau 1620) Gg 6a; ich wiegere Comenius jan. ling. vestib. (1650) index; (er) wiegert (1650) Logau sämmtl. sinnged. 318 lit. ver.; wiegert (1651) Simon Dach 498 Öst.; wiehern mit dem ieh ... (wiewol die gemeine ausrede ist wiegert) Gueintz dt. rechtschrb. (1666) 160; wiegern Troilo oriental. reisebeschr. (1676) 566; wiegern Lohenstein Arminius (1689) 1, 552b; 2, 271b; wiegernd ebda 2, 975b; wiegern Neukirch pr. von Ithaca (1738) 2, 104. weitere belege bei P. Drechsler Wencel Scherffer u. d. spr. d. Schlesier (1895) 272.
heute ist wiehern der herrschende ausdruck in der hochsprache und in den binnendeutschen maa., aber auch in nd. und obd. maa. ist es eingedrungen. doch sind besonders in randlage noch zahlreiche synonyma fest in gebrauch. dabei ist scharfe trennung in der bezeichnung der verschiedenen lautäuszerungen des pferdes nicht immer möglich. wiehern meint jedoch wie die oben behandelten historischen varianten hochsprachlich und meist auch mundartl. den hellen, freudig klingenden ruf des pferdes, gelegentlich speziell den brunstlaut. zur sache und zur mundartl. synonymik s. Hauschild in: zs. f. dt. wortf. 12, 21 ff. vgl. auch hinnen teil 4, 2, sp. 1460f.; lachen teil 6, sp. 24; meckern ebda sp. 1837; ranschen, reinschen s. v. reinisch 8, 708; rintschen 8, 1025; riheln s. v. röcheln 8, 1091; rücheln 8, 1342; wrinschen 14, 2, 1687f. sowie DWB anwiehern 1, 521; gewieher 4, 1, 3, 5795 und gewiehert 4, 1, 3, 5796.
1) im eigentlichen sinne.
a) von der typischen lautäuszerung des pferdes, nicht selten als ausdruck freudiger erregung, doch auch der ungeduld und angst: mit dem hort er (Ywan) ein rosz wiehern und sah uber ein kurcze wil darnach, wo vier sariande ein roszbar brachten gefurt (um 1225, hs. v. 1430) Lancelot 1, 549 Kluge;

sîn ors begunde schrîen
und ze weien sêre
(westmd. var. ende d. 15. jhs.: wyherne)
Wirnt von Gravenberc Wigalois 6426 Kapteyn;

welich pfert nit wyhert noch schreiet ... ist taub Petrus de Crescentiis, v. d. nutz der ding (1518) 125a; nach verflossenem (stündlein) ... fieng das pferd abermal an zu wiehern, da wolte er (Faustus) kurtzum fort Widmann Fausts leben 302 Keller;

hier brüllt ein satter ochs, dort wiehern muntre pferde,
im grase rauscht und knirscht der bisz der fetten herde
Brockes ird. vergnügen in gott (1721) 1, 28;

ein kutschpferd sah den gaul den pflug im acker ziehn,
und wieherte mit stolz auf ihn.
wenn, sprach es, und fieng an, die schenkel schön zu heben,
wenn kannst du dir ein solches ansehn geben?
Gellert s. schr. (1839) 1, 148;

zu verstehn schien ihn das thier, ... stampfte mit dem vorderhuf und wieherte laut Meissner Alcibiades (1781) 4, 294;

das schnelle roszgespann,
voll gier nach streit schon wiehernd
Bürger s. w. 167 Bohtz;

so rennt er (der hengst) wiehernd zum gewohnten bad ebda 175;

vor angst und zagen taucht sich's (das rosz) in die fluthen und wiehert zum himmel maler Müller w. (1811) 1, 366; unser handpferd war ... mutter geworden und wieherte die süszesten gefühle einem kleinen falben entgegen Holtei vierzig jahre (1843) 1, 43; (als briefschluszwendung) die rosse stampfen, wiehern und bäumen vor der thür und ich habe heut noch viel vor (1847) Bismarck br. an s. braut u. gattin 7 H. v. Bism.; aber kaum

[Bd. 29, Sp. 1560]


sasz er droben, so fuhr dem thier ein wiehern wie ein lustschrei aus der kehle Storm s. w. (1900) 7, 224; jetzt stiesz er ein wiehern aus, dasz die stille sich erschreckte und machte einen entsetzten satz, bei dem er die hinterfüsze hoch in die luft warf Cl. Viebig kreuz im Venn (1909) 290; und die rosse streckten die köpfe vor und schnaubten und wieherten Sperl söhne d. herrn Budiwoj (1927) 161; die menschen (flüchtlinge) sprechen nicht, die pferde wiehern nicht Feuchtwanger Simone (1950) 84. gelegentlich mit innerem akk.-objekt: ihre muthigen rosse scheinen triumph zu wiehern Wieland ges. schr. I 3, 27 akad.; seine (eines jünglings) brust (hat) nicht festigkeit des streit wiehernden pferdes Lavater physiogn. fragm. (1775) 2, 245.
b) in ausgeprägtem gebrauch vom brünstigen hengst, seltener von der stute: der hengst wiehert Kramer t.-ital. (1702) 1347b; so pflegt ja zum exempel ein hengst zu wiehern und gleichsam seine hitzige begierde schreyend zu bezeigen, wann er einer stutte ansichtig wird Hohberg georg. cur. 3 (1715) 2, 76b; wiehern, schreyen wie ein hengst Ludwig t.-engl. (1716) 2486;

es wiehert mancher hengst, die spröde zu gewinnen
Hagedorn poet. w. (1769) 2, 234;

oft lacht bey meinen scherzen Oberon,
ich locke wiehernd mit der stute ton
den hengst, den haber kitzelt in der nase Shakespeare 1 (1797) 198;

sich bäumende hengste, wiehernde stuten, die an kurz gehaltenen zügeln zum beschälen herbeigeführt wurden El. Langgässer Argonautenfahrt (1950) 99. sprichwörtlich sind:

der stangenhengst (als zugpferd benutzt) wiehrt allerlängst
Eiselein sprichw. 576;

Simrock dt. sprichw. 431; Binder sprichwörterschatz 188; Wander sprichw.-lex. 776; hüte dich ... vor einer stute, die wiehert, und einer frau, die lateinisch spricht Düringsfeld sprichw. (1875) 1, 419a. verallgemeinert: die sprache der liebe ist im nest der nachtigall süszer gesang, ... im forste des wildes wiehernde brunst, und im winkel der katze zetergeschrei Herder 5, 57 S.
c) das wiehern des pferdes als glück- (heirat, ernte u. ä.) oder unglück- (tod, krieg) verheiszendes vorzeichen (näheres im hdwb. d. dt. aberglaubens 6, 1619 ff.):

wer auff der pferde wihern acht't,
und solches als ein glück betracht't
derselbe kan nicht besser seyn,
als die mit denen stimmen ein,
die achten auff der vogel g'schrey
J. G. Schmidt rockenphilosophie (1707) 2, 137;

überm berge
stand das rosz (dessen wiehern den könig küren soll) und wiehert einem manne,
der den acker pflüget
Herder 25, 455 S. (vgl. d. königswahl d. Darius);

die ahnungsvolle stille im saal, nur unterbrochen von dem mutigen sieg versprechenden wiehern der husarenpferde, die drauszen hielten E. T. A. Hoffmann s. w. 10, 339 Gr.
2) bildlicher und übertragener gebrauch.
selten steht wiehern von der lautäuszerung anderer tiere, so vom delphin Wieland Lucian (1788) 4, 219; vom esel Holtei erz. schr. (1861) 14, 124; vom schwein (?) Böning Oldenburg 133; oder von wind und sturm, s. R. Reinick lieder (1881) 96; Watzlik pfarrer von Dornloh (1930) 316. dagegen ganz üblich vom menschen. nur auf einem begrenzten mundartlichen gebiet im sinne von 'wehklagen, jammern', s. Anton Oberlausitz 5; Müller-Fraureuth obersächs. 2, 665; Knothe Nordböhmen 542. dagegen schriftsprachlich allgemein, parallel den beiden oben unter 1 angeführten möglichkeiten.
a) an 1 b anschlieszend vom geschlechtlichen verlangen. der gebrauch erwächst aus der übersetzung des im gleichen sinne verwendeten lat. hinnire: sy sint wurden phert, liebe tragende zu mutirn unde schelin, eyn iczlicher hat gewijrt

[Bd. 29, Sp. 1561]


(hinniebat) zu sines nehesten husvrouwe (Jer. 5, 8) Claus Cranc prophetenübers. 87 Ziesemer; dyne snodekeit ougete sich, din ebrechen, din wyirn und daz lastir dinir unkuschheit (Jer. 13, 27) ebda 100; ein jglicher wiehert nach seines nehesten weibe, wie die vollen müssigen hengste Luther Jer. 5, 8; was ist ietzund gemeiners, neben grawsamer gottlestern und fluchen, denn diese sünd und der ehebruch, ja es wehert einer, Jer. 5, nach des andern eheweib, sie zu schänden, wie die müszigen, vollen hengste Kirchhof wendunmuth 2, 43 Öst.; sie ... lauffen ins hurenhauss, ein jeglicher wiehert nach seines nächsten weib Dannhawer catech.-milch (1657) 2, 449; ja die geilheit stieg so hoch, dasz auch ein jeglicher nach seines nechsten weib wieherte Paullini zeitkürtzende erbaul. lust (1695) 13; einer der nach seines nechsten weib wiehert, der in seinem hertzen mit ihr ehebruch treibet Ludwig t.-engl. (1716) 2486. hiervon ausgehend:

was sol mir (jungfrau) so ein alter gaul (greis),
der nichts als wihern kan Venusgärtlein (1656) 190 ndr.;

sie aber sähe ihre ehre in der höchsten gefahr für dem nach ihr wiegernden August Lohenstein Arminius (1689) 1, 1209b; wenn er (der wollüstige) nach den weibespersonen wie ein geiler hengst wiehert Thomasius kl. dt. schr. (1894) 137; die wollüste, nach denen er wiehert, werden sich wie schlangen um ihn winden Wieland ges. schr. 2, 350 akad.; vgl. ebda 3, 70; selbst diejenigen unter ihnen, denen das alter die körperlichen kräfte geraubt hat, zittern, wiehern und spreizen sich vor liebe Bode Montaigne (1793) 5, 102; sie (die sinnlichkeit) dramatisierte das entsetzliche stück culturgeschichte ... zu einer furchtbaren tragödie, deren katastrophe in Frankreich in den taumelnden figuren des wiehernden herzogs von Orleans, den roués, in der ... scenerie des hirschparks angezeigt ... wurde Avé-Lallemant gaunerthum 3, 99. in etwas freierer verwendung:

in die (muschelgrotten) entschlüpften mit glühender stirn wollüstige mägdchen;
jünglinge folgten nach mit wiehernden blicken der wollust
Bodmer der Noah (1752) 2, 616;

der wunsch, des lebens zu genieszen, wieherte aus den zartgespaltenen lippen Veit Weber holzschnitte (1793) 301; und die liebe frau sieht mich an so seelenvoll, so verständnisinnig, sie wiehert mit dem auge, sie sperrt die nüstern, sie kokettiert mit der kruppe Heine s. w. 3, 179 E. ähnlich auch in allgemeinem sinne von stürmischem begehren:

weh dem erobrer,
welcher im blute der sterbenden geht,
wenn die rosse der schlacht gezähmter wüten,
als der schäumende held nach lorbern wiehert
Klopstock oden (1889) 1, 115;

da steht er, mein unbarmherziger ankläger, und wiehert blut und verdammung Lessing 13, 151 L.-M.; der pöbel vergöttert ihn, und foderte wiehernd den purpur Schiller 3, 155 G.; der pöbel wieherte zwar nach freiheit Schubart s. ged. (1825) 2, 238; die wiehernde blutgier der mordbanden der Bartholomäusnacht ... Treitschke dt. gesch. (1897) 4, 467.
b) zur charakterisierung der menschlichen stimme oder sprache. gelegentlich (dabei meist im bild) ohne weiteren beisinn:

man wiegert den discant, man brüllet den tenor;
man billt den contrapunct; man heult den alt hervor (1650)
Logau sämmtl. sinnged. 318 lit. ver.;

der andre (sänger) wiherte wie ein hengst. der dritte zischerte wie ein sperber Lindenborn Diogenes (1742) 1, 266. in festem gebrauch zur besonderen kennzeichnung menschlichen lachens: vorn war es laut, denn das kleine mädchen jubelte, und Ida stimmte mit ihrem eigentümlich tiefen, gutmütigen wiehern ein Th. Mann Buddenbrooks (1901) 1, 445. dabei ganz überwiegend von lautem, durchdringendem, übermäszigem lachen:

[Bd. 29, Sp. 1562]


so glichen sich wohl niemals herr und knecht.
...
der herr lacht laut; der diener wiehert recht
Hagedorn poet. w. (1769) 1, 131;

hierbey schlug Haberwald eine wiehernde lache auf Nicolai Seb. Nothanker (1773) 3, 145;

komödie — nicht karikatur,
zum wiehern nicht, zum lächeln nur
Ayrenhoff w. (1814) 5, 61;

und hörst du erst des wahnsinns lache wiehern,
klingt's mit des unheils weinen schon versetzt
Grillparzer s. w. 2, 131 Sauer;

erzählung vom aufenthalt in Sagan, der könig hat 'gewiehert' vor freude Varnhagen v. Ense tageb. (1861) 3, 482; er lauschte mit glänzenden augen den rauhen rachentönen des lauten gesprächs und den wiehernden jodlern, die es unterbrachen Vischer auch einer (251904) 13; (der minister erklärte,) dasz, wenn es uns (sozialdemokraten) im lande nicht gefiele, wir von der freizügigkeit möglichst ausgedehnten gebrauch machen sollten, eine bemerkung, die die kammer mit wieherndem gelächter aufnahm Bebel aus meinem leben (1946) 3, 178; der andere brach in wieherndes, krankes, hohes gelächter aus El. Langgässer d. unauslöschl. siegel (1946) 60. heute umgangssprachlich zur charakterisierung von in hohem grade lächerlichen vorkommnissen: es ist (war) zum wiehern (neben: ... zum piepen, lachen, schreien, brüllen u. ä.). gelegentlich in laszivem sinne (s. a):

er steht nicht auf, euch beifall zuzulächeln,
und wiehert keine zoten mehr
Schubart sämmtl. ged. (1825) 2, 68;

beide ... wissen durch ... zweideutigkeiten in einer ... bierhalle ihr publikum zum wiehernden lachen zu bringen Gutzkow ritter v. geiste (1850) 4, 121; mit diesen worten verschwand der gestrenge herr in die küche, und alsbald hob sich drinnen ein heidenspektakel; ihn hörte man tapsen und wiehern und das dienervolk aufkreischen, lauter als alle kreischte die böhmische köchin, die Mila Handel-Mazzetti Jesse u. Maria (1911) 9; sie hob ... den kittel bis zu den knien hoch, und unbekümmert über die wiehernden zoten der männer ... trachtete sie die Sibill einzuholen Watzlik pfarrer v. Dornloh (1930) 199; einem publikum, das bei zweideutigen szenen vor vergnügen trampelt, wiehert, klatscht und beifall brüllt Carossa tag d. jungen arztes (1955) 38.
speziell vom höhnischen lachen der teufel: die teufel wieherten und zischten. doktor juris: wiehert nur, ihr spötter, und schneidet nur gesichter Klinger w. 3 (1815) 42;

Gothland: bist du denn taub? der satan wiehert!
Erik: die Ostsee hört ihr um die klippen brausen
Grabbe w. (1874) 1, 137 Blumenthal;

furcht ... empfinde ich (bei) ... dieser aus johlen, kläffen, kreischen ..., wiehern schauderhaft gemischten salve von ... triumphgelächter der hölle Th. Mann Faustus (1948) 598. im anschlusz hieran: der götze (eine eisensäge) kreischte und wieherte weiter und langte gierig mit der kralle nach dem nächsten block J. Schaffner grobschmiede (1918) 139.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
wiek, wick, f., 'bucht'. verbreitet in den sprachen des Nord- und Ostseegebietes: ags. wíc, engl. dial. wick, wich, isl. vík, dän. vig, schwed., norw. dial. vik, mnd. wīk, nl. wik (Hellquist svensk etym. ordb. 31341). wieweit die deutschen belege auf entlehnung aus dem skandinavischen beruhen oder altererbt sind, ist schwer zu bestimmen, s. dazu und zur scheidung von wiek, m., 'vicus' Th. Frings in PBB 65 (1942) 221—226. germ. grundform *wīkō zu wīken, also 'die zurückweichende' oder 'die biegung', vgl. DWB bucht zu biegen sowie Walde-Pokorny 1, 235; Pokorny 1130. wiek ist in der schriftspr. der gegenwart (seemannssprachlich s. Kluge 832 f., Eichler v. bug z. heck [1954] 466) und in nd. maa. (s. u. a. Stürenburg ostfr. 330, Doornkaat Koolman ostfries. 3, 548, brem.-nieders. wb.

[Bd. 29, Sp. 1563]


5, 255, Möller Sylt 300b, Mensing schlesw.-holst. 5, 630, Frischbier pr. 2, 469) bezeugt, wird jedoch fast nur noch als flur- und ortsname gebraucht (Putziger, Prorer, Potenitzer Wiek, s. Bach ortsnamen 1, 290 u. bes. 2, 357). nur gelegentlich lexikalisch verzeichnet: sinus ein wyck Chyträus nomencl. (Rostock 1585) 73; sinus maris Balthici Danzker wiek Stieler stammb. (1691) 2529; 'die wiek, plur. die wieken, ein völlig niederdeutsches, im hochdeutschen unbekanntes wort' Adelung 5 (1786) 219; wick Voigt hdwb. f. d. geschäftsführung (1807) 2, 565; als veraltet bei Campe 5 (1811) 714a. vereinzelt in der (diminutiv-)form wiekel: am haffte oder wickel bei Denemarcken Chr. Entzelt cronica d. alten marck (1579) D 2a. zur synonymik vgl. Fr. L. Jahn bereicherung (1806) 81, Sanders wb. dt. syn. (1871) 734. für eine tiefer einschneidende bucht steht vereinzelt auch inwiek s. ebda und teil 4, 2, sp. 2151.
literar. belege aus nd., bzw. dem nd. nahestehenden quellen; wiek bezeichnet meist eine kleinere, flachere einbuchtung der Ostseeküste: eyn schip vorghing vnde bleue in der Rybbenitzer wijk, dar se ere gudere ane hadden (1420) Lüb. urkundenb. 6, 320; so gij ock in eneme anderen juwem breue begeren vmme twee juwer borger schepe, wij se dessen winter ouer in der Nigesteden wijck to liggende gunnen (1465) ebda 10, 673; an de ander syde van der wyk nortost dar licht ene rudse (15. jh.) Koppmann seebuch 5, 2; wenn nun diser bergsafft ... hell vnnd glat wird, stoszen jn die stürmwind ... mit dem wasserschwal im Samland in etliche wicken oder hafen Mathesius Sarepta (1571) 56b; das vorland ... machte eine grosse vnd weite wike, zum fischfang gar bekwem vnd frtreglich Schütz hist. rer. Pruss. (1592) 1, B 1a; dann in dem ersten theil Africae sind zweene wiecken, zwar ungleicher grsse, aber fast einerlei eigenschaft W. v. Kalchus Sallust (1629) 213; dasz ein jeder fischmeister in seinem ampt uf die strom-fischerey und die kleinen garnen, so für den strömen und in den wicken fischen, damit die gebür davon geliefert werden möge, fleiszige ufsicht pflege (1640) corpus constit. Prutenicarum 2, 226 (vgl. dazu: 'in den wikken fischen, d. h. in buchten fischen' Hennig pr. wb. [1785] 300); südost zum osten von Eckholmen ein meil ist eine wyk, die Kasperwyk genannt wird Manson seebuch (1701) 13; die spitzen von Jasmund und von Wittow, welche beide länder durch ihre krümmung die wiek oder bucht bilden, lagen izt in einer beträchtlichen ferne hinter uns in der see Kosegarten rhapsodieen (1794) 2, 65.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
wiek, f. (n.), ansiedlung, befestigter ort; nd. form zu lat. vīcus, s. weich, m. teil 14, 1, 1, sp. 474, z. t. verkürzt aus wiekhaus (s. d.), die gelegentlich in hd. texten auftritt. wohl zuvörderst als zufluchtsort aufgefaszt: wigk heiszt ein schlosz, refugium, hort, asylum bei Luther tischr. 5, 512 W.; vmb dessen willen ein solcher ort (den wir jetzt festung heissen) die alten Teutschen und Sachsen eine wicke nenneten Kirchhof milit. discipl. (1602) 10; wiek heisset ein flekk oder stätlein, darin sich die bürger und einwohner des ortes für gewalt enthalten Schottel haubtspr. (1663) 276; wiek et wick das refugium, asylum Stieler stammb. (1691) 2529; wig oder wich ein mit mauren verwahrter ort, darein man weichen können, wie zur see in einem sinum oder port Frisch t.-lat. (1741) 2, 433a.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
wieke, f., docht, lunte, scharpie. s. DWB wieche, f.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
wieke, f., rosa canina L.: wiegen, wieken Nemnich dt. wb. d. naturgesch. 646; (als veraltet) die wieke die hundsrose Campe 5 (1811) 714a; wiegen, wiegenstrauch, wieken Holl wb. dt. pflanzennamen (1833) 305b; wieken, in der botanik, so viel als hundsrose Krünitz öcon. encycl. 239 (1857) 25.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
wieke, f., name für ulmus sativa L. (s. Marzell wb. d. dt. pflanzenn. 5, 620 reg.), nd. entsprechung von ahd. wīh 'populus, arbor albis foliis' ahd. gl. 3, 284, 65f. (12., 13./14. jh.; häufig ist das kompositum wichboum

[Bd. 29, Sp. 1564]


'casia' Björkman zs. f. dt. wortforschg. 2, 220 [wenn hierher gehörig], nhd. weich(el)baum teil 14, 1, 1, sp. 485) = ags. wīc(e) 'cariscus', mengl. wyche 'ulmus', nengl. witchelm 'ulmus montana'; nach Falk-Torp 1360 'benannt nach seinen langen, herabhängenden zweigen', zu weichen: Nemnich dt. wb. d. naturgesch. 646; die rauhe ulme ... sonst auch die kleinblätterige wasser- ... oder weisze rüster, die yper, urle, wieke Hoyer allg. wb. d. artillerie (1804) 1, 2, 239; wiecke Ostpr., Nieders. Pritzel-Jessen 420; wieke 'ahorn' Mitzka d. ahorn (1950) 38; 60.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: