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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
wiegenwalze bis wieglein (Bd. 29, Sp. 1554 bis 1555)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version)  -walze, f., bezeichnung der walzenförmigen kufen, auf denen die wiege schwingt; wiegen-waltze, wiegen-lauff curlo da cuna Kramer t.-ital. 2 (1702) 1347b; Jacobsson technol. wb. (1793) 8, 197b. —
 
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-weise, f. (vgl. wiegenlied, wiegengesang):

da summt es leise
von dort heran —
horch! wiegenweise,
gepolter dann
Sallet s. schr. 4 (1847) 318;

am klavier, an dem zwei menschen sitzen,
stockt ein halbverhaltnes atemholen.
eine wiegenweise bannt noch beide
Dehmel ges. w. (1906) 5, 33.


 
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wiegenzeit, f., die zeit der ersten kindheit oder, bildlich, der ersten ursprünge einer sache (vgl. wiege 2 a und c): was die natur in seiner wiegenzeit für ihn (den menschen) übernommen hatte, sollte er jetzt selbst für sich übernehmen (1790) Schiller 9, 126 G.; quadern älterer kunstwerke, die ... kaum noch auf die wiegenzeit der ägyptischen architektur hinweisen können Ritter erdkde (1822) 1, 684;

(ich) hab wohl einst dir groszen dienst erwiesen,
es geht zurück in deine wiegenzeit
Bauernfeld ges. schr. (1871) 5, 28;

die kindheit ... dauert heutzutage mitsamt der wickel- und wiegenzeit nur mehr sechs jahre Rosegger schr. (1895) II 8, 195; briefsteller aus der wiegenzeit der buchdruckerkunst Scherer litt.-gesch. 7497.

[Bd. 29, Sp. 1555]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) wieger, m., im spätmhd. und frühnhd. als berufsbezeichnung, namentlich des städtischen bedienten an der öffentlichen waage (wie wäger, s. d. teil 13, sp. 480; wieger ist mitteldt., vgl. 1wiegen); librarius wyeger (15. jh., md.) Diefenbach gl. 327a; questionarius wiger (15. jh., md.) ebda 479a; pensor ein wieger Alberus dict. (Frankfurt 1540) e 2b: dat zwene gesvoren wigere wigen soelen uss ind in (1360) akten z. gesch. d. verfass. u. verwalt. d. st. Köln 2, 28, 18; rechenmeister sollen allen wesselern und wigern lassen verbieden, nymantisz silber, perlin oder golt zu wigen (1444) bei K. Bücher d. berufe d. st. Frankfurt im mittelalter (1914) 114a; sie haben auch er eigen wolnwogen, domit sie inne- und uswigen, unde solicher wiger, unde auch er gewicht, nimant weisz, ob es recht si (1514) qu. z. rechtsgesch. d. st. Marburg 1, 256;

ein alter jäger one hunde,
ein alter wieger one pfunde
Burkard Waldis Esopus 2, 246 Kurz.

im jüngeren nhd. nur als gelegenheitsbildung: alle zahlungen (erfolgen) ... durch zuwiegen der metalle ... dieses abwiegen ... erzeugte eine eigene art geschäftsleute, die mäkler und wieger Ritter erdkde (1822) 5, 266; die schlechte majorität auf der welt möge wissen, dasz es eine beobachtende minorität gibt, die, wo der rechte wieger sich findet, jene doch auf die waage legt J. Fr. Böhmer (1842) bei J. Janssen Böhmers leben, br. u. kl. schr. (1864) 2, 338. — unüblich ist wieger zu 2wiegen 'cunare': cunarum fueras motor mearum ... du warest mein wieger oder wiegenreiter Frisius dict. (1556) 843a; wieger motor cunarum Stieler stammb. (1691) 2524; wieger cunatore Kramer t.-ital. 2 (1702) 1347a. —
 
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-lohn, m., zum vorigen (vgl. DWB wagerlohn, DWB wägerlohn teil 13, sp. 483): dem meelwieger von denselben (sechs achteln korn) wiegerlohn —, 1, 2 (1646) stud. z. gesch. d. lebenshaltung in Frankf. a. M. 2, 52 Bräuer.
 
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wiegern, vb., s. wiehern.
 
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wiegeschale, f., soviel wie wagschale (teil 13, sp. 498); zu 1wiegen; nur vereinzelt in jüngerer sprache: der alte aber trägts schwert und die bekannte wiegeschale ... es ist der präsident des obertribunals Gutzkow ritter v. geiste (1850) 1, 21; die fische die in flachen körben von zwei männern getragen werden, deren einer überdies eine wiegeschale führt S. Hensel fam. Mendelssohn (1879) 2, 136. —
 
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-schritt, m., wiegender gang, vgl. 2wiegen 6 g und wiegegang: kam (er) in einen schlürfenden wiegeschritt, der kein hinken war und kein schreitendes wandern und einen völlig ungleichen takt hatte qu. v. j. 1916; die frauen haben von natur den richtigen wiegeschritt des nicht ermüdenden wanderns daheim (19. 7. 1934) 12b. vom tanzschritt: doch nun umfaszte auch Placido die älteste schwester und führte sie im wiegeschritt Werfel geschw. v. Neapel (1931) 26. —
 
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-waage, wiegwaage, f., lautspielerisches tautologisches kompositum der bergmannssprache zu wage III und 1wiegen: wieg-waage ist, darinne das ertz zum probiren pfleget eingewogen zu werden Hübner natur-, kunst-, gewerck- und handlungslex. (1717) 1364; Minerophilus bergwerckslex. (1730) 718; wiegewaage Jacobsson technol. wb. (1781) 4, 646a; wiegewage Adelung 5 (1786) 219.
 
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wiegig, adj., gewichtig, zu 1wiegen (wie wägig teil 13, sp. 490 zu wägen). nur in verschiedenen glossaren des 15. jhs.: ponderosus wigig Diefenbach gl. 446c (ebda wiegelich, wyeghafftig und namentlich [ge-]wichtig). — Stieler bucht ein wiegicht mobilis, agitabilis, stammb. (1691) 2525, vgl. hierzu 2wiegsam.
 
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wieglein, wiegelein, n. (f.), dimin. zu wiege; cunabulum wegelin (md./nd., 15. jh., neben nd. wegheken) Diefenbach gl. 162b; wiegelein Stieler stammb. (1691) 2524; Kramer t.-ital. 2 (1702) 1347b:

vnd wer die welt viel mal so weit,
von eddelstein vnd gold bereit,
so wer sie doch dir viel zu klein
zu sein ein enges wigelein (1535)
Luther in:
Wackernagel dt. kirchenl. 3, 23;

[Bd. 29, Sp. 1556]


was sind diese (zwölf tafeln) anders alsz die ersten wieglin des römischen gesetzes Castillioneus grundtveste (1597) 69;

lasz uns jetz zur wiegelein recht einkehren,
deine kripp und windelein recht verehren
Schottel teutsche haubtspr. (1663) 918;

die junge mutter war mit ihrem kindlein verschwunden und brachte es oben in seinem wieglein zur ruhe Raabe kinder v. Finkenrode 4283.

 

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