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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
wiegengut bis wiegenlauf (Bd. 29, Sp. 1550 bis 1552)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version)  -gut, n.: eigentum des regenten ... sind: schatullengüter ..., die ein fürst bei seiner geburt (wiegengüter) zu seinem unterhalt erhalten ... hat Mothes ill. baulex. (1881) 4, 51 (s. v. rittergut). —
 
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-himmel, m., über die wiege gespanntes abschirmendes

[Bd. 29, Sp. 1551]


tuch (vgl. wiegendecke, wiegentuch): der kleine wiegen- und betthimmel des kindes wird leichter ganz verfinstert als der sternenhimmel des mannes Jean Paul w. 55/58, 59 Hempel;

wiegenhimmel aus seide
gibt bläulichen schein
A. v. Berger ges. schr. (1913) 2, 50.


 
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wiegenkind, n. (nl. wiegekind, vgl. norw. vuggebarn, schwed. vaggbarn), 'ein kind im säuglingsalter, während welcher zeit es in der wiege ... zu liegen pflegt' Sanders wb. dt. synon. (1871) 734; vgl. wickelkind. das wort ist seit dem frühnhd. belegt, doch anfangs nur spärlich (im mhd. findet sich als gelegenheitsbildung: Jhesus, du junger wigen man Heinrich v. Neustadt gottes zukunft 2115 Singer). lexikalisch zuerst bei Kramer t.-ital. 2 (1702) 1347b; nicht bei Adelung und Campe: am ersten ist er (der mensch) ein wiegenkind, ... darnach wird es ein kind zu lauffen oder gehen, ... weiter so wirt dasz kind je lenger je mehr verstendiger Paracelsus opera 1, 278C Huser; ein wiegen-kind schwamm mit seiner wiegen davon (bei hochwasser) Chr. Lehmann hist. schaupl. (1699) 263; wo die mutter dem nach ihr schreyenden wiegenkinde oft und unregelmäszig mangelt, ... da ist der keim der bösen unruhe ... entfaltet Pestalozzi s. schr. (1819) 13, 11; ich habe, als ich in den krieg zog, dich nur als wiegenkind das erste und das letzte mal gesehen Ch. v. Schmidt ges. schr. (1856) 4, 150; die sterblichkeit ist äuszerst gering, im besonderen auch die sterblichkeit des wiegenkindes forsch. u. fortschr. 9 (1933) 114. —
 
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-kindchen, n., dimin.: ein schneiderladen, ... ich sahe darin nichts, als kleines poppenwerck: nemlich ... wiegenkindgen mit grossmächtigen bireten und dergleichen mehr Lindenborn Diogenes (1742) 2, 664; ein wiegenkindchen lallt so rührsam wie kein gespräch mit menschen Bettine d. Günderode (1840) 1, 67. —
 
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-kindlein, n., dimin.: das allerheiligste wigenkindlein J. Pollio christl. trostschr. (1609) B 2b; ein wiegenkindlein H. Marggraff balladenchron. (1862) 78. —
 
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-kissen, n., älter wiegen-küssen cuscino, capezzale da cuna Kramer t.-ital. 2 (1702) 1347b: das geistliche wiegenküssen J. Pollio christl. trostschr. (1609) B 6b;

die kinder wurden umgetauscht
bevor man noch das wiegenkissen rückte
Hebbel w. I 6, 22 Werner.


 
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-korb, m., korbartige wiege; der wiegenkorb, die korbwiege la manne d'enfant Schwan nouv. dict. (1783) 2, 1048b: der kleine schelm ist schon bei mir, sein wiegenkorb steht auf meinem sopha Hebbel tageb. (1903) 3, 153; den neugeborenen im geflochtenen wiegenkorb Scheffel ges. w. (1907) 3, 20.
 
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wiegenkraut, n., ein name des wermuts, artemisia absinthium L., 'weil die weiber das kraut den kindern in die wiege zu legen pflegen, und dadurch ihren schlaf zu befördern, auch sie vor zauberey zu bewahren glauben' Mattuschka flora Silesiaca 2 (1777) 240, s. Marzell wb. d. dt. pflanzenn. 1, 424. auch wiegekraut Megiser thes. polygl. (1603) 1, 15b; wiegenkraut Adelung 5 (1786) 218: darz so haben die krüter nit einen namen in allen tütschen landen, als absinthum z latin würt z Straszburg genant wermt, z Franckfurt wygenkrut, z Trier elsen Euch. Röszlin roszgarten (1513) N 3b facs.
 
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-land, n., land der geburt, des ursprungs (vgl. wiege 2 b, c und wiegenstadt): im obern thale oder im wiegenlande des grossen flusses Ritter erdkde (1822) 1, 400;

sie streiten für das heiligste der menschen
...
den eignen heerd, das theure wiegenland
Kalckreuth dram. dicht. (1824) 1, 109;

die musen wurden in Arcadien geboren, dem eigentlichen wiegenlande des griechischen einheimischen göttergeschlechts Böttiger kl. schr. (1837) 1, 322. — so auch
 
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-landschaft, f.: fassen wir im folgenden das resultat der so eigenthümlichen wiegenlandschaft des Jordan ...

[Bd. 29, Sp. 1552]


zusammen Ritter erdkde (1822) 15, 155. —
 
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-lauf, m., bezeichnung der beiden gerundeten kufen, auf denen die wiege schwingt: wiegenfusz oder wiegenlauff le pied d'un berceau Hulsius-Ravellus t.-frz.-it. (1616) 413b; wiegenwaltze, wiegen-lauff curlo da cuna Kramer t.-ital. 2 (1702) 1347b. mundartlich auch: wiegenlaufer scheibenförmiges schaukelholz am unteren teil der wiege Unger-Khull steir. 633a; wiegenläufer Fischer schwäb. 6, 809.

 

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