Wörterbuchnetz
Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
wiegenfest bis wiegenkindchen (Bd. 29, Sp. 1549 bis 1551)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) wiegenfest, n., 'ein neuerer, namentlich auch durch gelegenheitsgedichte in aufnahme gekommener ausdruck für das längere und unbequeme geburtstagsfest, in bezug auf die wiege als aufenthalt des neugeborenen' Sanders wb. dt. synonymen (1871) 734; Campe 5 (1811) 713b; nicht bei Adelung. das wort wird wohl stets als poetischer terminus angesehen und ist umgangssprachlich kaum geläufig geworden:

[Bd. 29, Sp. 1550]


der unruh wird noch mehr, wenn wieg- und nahmenfest
und braut- und meisterschmaus mein pferd besprechen läst
(d. h. den Pegasus in anspruch nehmen läszt) (1718)
J. Chr. Günther s. w. 4, 159 Krämer;

beglückter abend, holde nacht,
die uns vergnügungsvoll das hohe wiegenfest
des theuren herzogs feyern läszt poesie d. Niedersachsen (1721) 3, 41 Weichmann;

da heute wiederum dein wiegenfest erschienen
Gottsched ged. (1751) 1, 173;

an meinem wiegenfeste brachte mir dein kammerdiener eine prachtvoll gebundene bibel Siemerling reminiscenzen f. Semilasso (1837) 27; (ich) feierte dann mein wiegenfest im eisenbahncoupé Moltke ges. schr. u. denkw. (1892) 4, 314; zu seinem 50. wiegenfest erhielt meister Pech ... ein gedicht gewidmet süddt. ztg. 311 (1955/56) 9. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
-fusz, m., 'die füsze einer wiege, oft mit inbegriff der bogenförmig geschnittenen bretter, auf welche sie gezapft sind' Campe 5 (1811) 713b; wiegenfusz oder wiegenlauff le pied d'un berceau Hulsius-Ravellus t.-frz.-it. (1616) 413b. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
-gabe, f., wie wiegenangebinde ein geschenk für ein neugeborenes, bildl. was einem in die wiege gelegt, d. h. von geburt an eigen ist (vgl. wiege 2 d ε): der glaube, der volle, beseligende glaube war ihr nicht als unveräuszerliche wiegengabe mitgegeben worden Ott. Wildermuth Auguste 697; wiegengaben (gedichtüberschrift) Felix Dahn ged. (1908) 141; das torfbettchen ... das sie der kleinen Johanna als wiegengabe geschenkt habe Carossa d. arzt Gion (1931) 272. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
-geld, n.: weegengeld ... erhält die wartefrau, welche das kind, um getauft zu werden, zur kirche bringt ..., es an und auszieht, hegt und pflegt, undwiegt Schütze Holstein 2, 22; wiegengeld Kramer t.-ital. 2 (1702) 1347a.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
wiegengesang, m., gesang beim wiegen eines kindes (gegenüber wiegenlied mehr als nomen actionis oder als kollektivum gebraucht). vereinzelt spätmhd.: ffescenne wigin gesong lat.-dt. voc. v. 1420, nr. 944 Schröer. umschreibungen des begriffes in frühnhd. vokabularien s. unter wiegenlied. sonst erst seit dem 18. jh. zu belegen. selten in eigentlichem sinne; kinder-gesang, wiegen-gesang canzonetta da indormire un bambino Kramer t.-ital. 2 (1702) 814b; Campe 5 (1811) 713b:

sanft nun huben sie beide den wechselnden wiegengesang
an
J. H. Voss sämtl. ged. (1802) 2, 17;

jodelten eine clarinette und zwei flügelhörner langsam und leise den wiegengesang (weihnachtsgottesdienst) Rosegger schr. (1895) I 8, 141. besonders um 1800 öfters in bildlichen auffassungen, ähnlich wiegenlied: ich will nicht mehr ... angefeuert sein, braust dieses herz doch genug aus sich selbst; ich brauche wiegengesang und den habe ich in seiner fülle gefunden in meinem Homer Göthe I 19, 10 W.; den wiegengesang des rauschenden meeres Eschenburg beispielslg. (1788) 4, 232; uns ist die weisheit wiegengesang Hölderlin ges. dichtgn 1, 206 Litzmann; was Wiltfeber hier vernahm, das war wiegengesang, heimatweise! als kind hatte er sie gar oft gehört, aber nicht gewuszt noch bedacht Burte Wiltfeber (1912) 165. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
-geschenk, n., soviel wie wiegenangebinde (vgl. d.); Kramer t.-ital. 2 (1702) 502c; Campe 5 (1811) 713b: dagegen verlang ich von dem Süddeutschen, dasz er nicht glaube, natur und gemüth allein zum wiegengeschenk erhalten zu haben M. Meyr gespr. mit einem grobian (1866) 357. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
-gestell, n.: 'wiegengestelle heiszt diejenige vorrichtung an einer wiege, worauf die wiege mit ihren an dem fuszende befestigten zapfen aufliegt, und also schwebend sich sanft hin und her stoszen läszt' Jacobsson technol. wb. (1793) 8, 197b; auf einem gepolsterten lehnstuhl, der unten ein wiegengestell hatte Krause Andalusien (1842) 50 W. Häring.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
-gut, n.: eigentum des regenten ... sind: schatullengüter ..., die ein fürst bei seiner geburt (wiegengüter) zu seinem unterhalt erhalten ... hat Mothes ill. baulex. (1881) 4, 51 (s. v. rittergut). —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
-himmel, m., über die wiege gespanntes abschirmendes

[Bd. 29, Sp. 1551]


tuch (vgl. wiegendecke, wiegentuch): der kleine wiegen- und betthimmel des kindes wird leichter ganz verfinstert als der sternenhimmel des mannes Jean Paul w. 55/58, 59 Hempel;

wiegenhimmel aus seide
gibt bläulichen schein
A. v. Berger ges. schr. (1913) 2, 50.


 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
wiegenkind, n. (nl. wiegekind, vgl. norw. vuggebarn, schwed. vaggbarn), 'ein kind im säuglingsalter, während welcher zeit es in der wiege ... zu liegen pflegt' Sanders wb. dt. synon. (1871) 734; vgl. wickelkind. das wort ist seit dem frühnhd. belegt, doch anfangs nur spärlich (im mhd. findet sich als gelegenheitsbildung: Jhesus, du junger wigen man Heinrich v. Neustadt gottes zukunft 2115 Singer). lexikalisch zuerst bei Kramer t.-ital. 2 (1702) 1347b; nicht bei Adelung und Campe: am ersten ist er (der mensch) ein wiegenkind, ... darnach wird es ein kind zu lauffen oder gehen, ... weiter so wirt dasz kind je lenger je mehr verstendiger Paracelsus opera 1, 278C Huser; ein wiegen-kind schwamm mit seiner wiegen davon (bei hochwasser) Chr. Lehmann hist. schaupl. (1699) 263; wo die mutter dem nach ihr schreyenden wiegenkinde oft und unregelmäszig mangelt, ... da ist der keim der bösen unruhe ... entfaltet Pestalozzi s. schr. (1819) 13, 11; ich habe, als ich in den krieg zog, dich nur als wiegenkind das erste und das letzte mal gesehen Ch. v. Schmidt ges. schr. (1856) 4, 150; die sterblichkeit ist äuszerst gering, im besonderen auch die sterblichkeit des wiegenkindes forsch. u. fortschr. 9 (1933) 114. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
-kindchen, n., dimin.: ein schneiderladen, ... ich sahe darin nichts, als kleines poppenwerck: nemlich ... wiegenkindgen mit grossmächtigen bireten und dergleichen mehr Lindenborn Diogenes (1742) 2, 664; ein wiegenkindchen lallt so rührsam wie kein gespräch mit menschen Bettine d. Günderode (1840) 1, 67. —

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: