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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
wiegenbettchen bis wiegengesang (Bd. 29, Sp. 1548 bis 1550)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version)  -bettchen, n., diminutiv zum vorigen: dein wiegenbettchen maler Müller w. (1811) 1, 205; an der wand klappte das wiegenbettchen, und darin schlief, sorgsam verhüllt ... das kind Rosegger schr. (1895) I 12, 324. — ebenso
 
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-bettlein, n. Kramer t.-ital. 2 (1702) 1347a. —
 
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-brett, n. 'ist ein von höltzernen bretern zusammen gesetztes breites creutze, worauf die wiege gesetzet wird, damit sie wegen ungleichheit der dielen in denen stuben ... nicht knarrt' Amaranthes frauenz.-lex. (1715) 2123; Adelung 5 (1786) 218; vgl. wiegenbank. —
 
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-decke, f.: die grüne wiegendecke (der blumen) aus erdschollen Jean Paul w. 6, 73 Hempel;

und manche krone strahlte
von der wiegendecke saum
L. v. Plönnies ged. (1844) 177;

die wiegendecke lag zurückgeschlagen, und Trud ... mühte sich in gebückter stellung um das kind Fontane ges. w. (1905) I 2, 390.
 
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wiegendruck, m., druck aus der frühzeit der buchdruckerkunst (gewöhnlich bis 1500 gerechnet); zu wiege 2 c nach inkunabel gebildet, hieraus nl. wiegedruck (und schwed. vaggtryck).
incunabula, wie wiege häufig für 'anfänge, frühzeit' gebraucht, gewann als ausdruck für die frühzeit des buchdrucks aufschwung durch den titel des werkes von Cornelius van Beughem 'incunabula typographiae sive catalogus librorum scriptorumque proximis ab inventione typographiae annis usque ad annum 1500 inclusive ... editorum, Amstelodami 1688'. Beughem scheint zu dieser titelfassung durch eine formulierung des französischen bibliographen Philippe Labbé aus dem jahre 1653 ('editiones quae ante centum et quinquaginta annos in ipsis paene typographiae incunabulis prodierunt') angeregt worden zu sein. auf die frühdrucke selbst wird inkunabel erst seit dem ende des 18. jhs. angewendet (s. zu diesem wort E. v. Rath in: werden und wirken [1924] 289 f.; ders. in: lex. d. gesamt. buchwesens 2 [1936] 159a; vgl. noch F. Eichler in: Gutenberg-jahrb. [1935] 65 f., der incunabula schon in Beughems titel auf die drucke selbst beziehen möchte).
wenige jahrzehnte später ist das wort wiegendruck, das erst 'in den letzten jahrzehnten des 19. jhdts in aufnahme gekommen ist und sich immer mehr einbürgert' (lex. d. ges. buchw. 2, 159a), bereits ganz vereinzelt nachzuweisen: die erhaltung von wiegendrucken dieser art (holztafel-bilddrucken des 15. jhs.) verdanken wir lediglich der sitte der alten buchbinder, die häufig zugleich auch briefdrucker waren, die innern seiten der bücherdeckel mit bildern zu bekleben K. Falkenstein gesch. d. buchdruckerkunst (1840) 17 (nach: die erhaltung von incunabeln dieser art verdanken wir endlich lediglich der sitte der alten buchbinder, die, häufig zugleich briefdrucker, auf die inneren seiten der buchdeckel bilder klebten J. D. F Sotzmann in: histor. taschenbuch 8 [1837] 805 Raumer). hierauf läszt Brockhaus' conversationslexikon seine früheren verdeutschungen erstlingsdrucke, druckerstlinge (5 [81834] 505 s. v. incunabeln) zugunsten des neuen wortes fallen (wiegendrucke 7 [91845] 417; in Meyers conv.-lex. 16 [1850] 644b fehlt das wort).
es ist möglich, dasz wiegendruck diesen beiden vielbenutzten quellen seinen späteren durchbruch verdankt. zunächst scheinen sie indessen ganz allein zu stehen, obgleich man sich vielfach um verdeutschung des wortes inkunabel bemüht. in der älteren literatur zur druckgeschichte begegnen u. a. öfters die ausdrücke erste drucke, erstlinge, (mit attributen, z. t. nicht genau für inkunabel) und erstlingsdrucke: die Mainzer ersten drucke G. W. Zapf ält. buchdruckergesch. v. Mainz (1790) vorr.; die liebhaberey zu büchern des ersten druckes Breitkopf über bibliographie u. bibliophilie (1793) 3; in den ... büchern ersten druckes ebda 24; (ein bücherspekulant)

[Bd. 29, Sp. 1549]


war damals im besitze vieler ersten drucke, und darunter der historie des antichrist, der ars moriendi C. A. Schaab gesch. d. erfindung d. buchdruckerkunst (1830) 1, 259; unsere ersten drucke ebda 270; auch die kupferstechkunst mag ihre erstlinge schon vor der erfindung der buchdruckerkunst geliefert haben ebda 3, 338; die erstlinge der kunst wurden hauptsächlich in der behausung dieses Dritzehns bearbeitet J. Wetter krit. gesch. d. erfind. d. buchdruckerkunst (1836) 88 (von den ersten druckversuchen überhaupt, nach: primitiae artis in aedibus Drizehenii hujus praesertim tractatae sunt J. D. Schöpflin vindiciae typographicae [1760] 23); dasz die erstlinge der kunst nicht in ihren (der stadt Haarlem) mauern entstanden sind ebda 102 (nach: les prémices de cet art M. Fournier l. j. observations [1760] 41, auf Schöpflin fuszend); bei den Mainzer typographischen erstlingen Sotzmann in histor. taschenb. 8 (1837) 457; der drucker jener typographischen erstlinge ebda 565; die in einem zeitraume von 40 jahren zu stande gebrachten kostbaren erstlingsdrucke H. Lempertz beitr. z. ält. gesch. d. buchdr.- u. holzschneidekunst (21839) [2]. — die fremdwörterbücher empfehlen namentlich druckerstlinge und erstlingsdrucke, vgl.: druckerstlinge Campe wb. z. erkl. u. verdeutschung (1813) 371a (in der ersten aufl. [1801] fehlt incunabel); druckerstlinge, urdruckschriften Heyse verdeutschungswb. (31819) 263b; dazu erstlingsdrucke (91844) 367b; erstlingsdrucke, urdrucke Favreau fremd- u. sachwb. (31852) 1, 428a. zwar tritt Petri gedrängtes hdb. d. fremdwörter (41823) 294 (ältere auflagen waren nicht zugänglich) schon früh mit wiegenschrift hervor, aber wiegendruck fehlt z. t. bis über die jahrhundertgrenze hinaus, vgl. Kehrein fremdwb. (1876) 274a; Heyse-Böttger fremdwb. (1879) 441b; Liebknecht volksfremdwb. (61890) 220b; (191922) 184a. die ersten buchungen des wortes finden sich in den 1880 er jahren: incunabeln wiegendrucke Reinecke verdeutschungswb. d. kunst- u. geschäftsspr. d. dt. buchhandels (1886) 50; Sarrazin verdeutschungswb. (21889) 131a (nicht in der 1. aufl. v. j. 1886); Saalfeld fremd- u. verdeutschungswb. (1898) 185a. um diese zeit hat bereits seine literarische ausbreitung eingesetzt, die wohl etwa im ersten viertel des 20. jh. zu seiner allgemeineren aufnahme führt: der baronet, ein tüchtiger bücherkenner, sah zu seinem erstaunen einen der seltensten wiegendrucke vor sich, die Venetianer-ausgabe von Bocaccio's decameron aus dem jahre 1471 deutsche roman-zeitung 16 (1879) 3, 557 (zit. bei Sanders erg. -wb. [1885] 165a); Anton Einsle die incunabelbibliographie. anleitung zu einer richtigen und einheitlichen beschreibung der wiegendrucke (Wien 1888) titel; gesamtkatalog der wiegendrucke, hrsg. v. d. preusz. kommission, probedruck (1914) titel; man spricht von inkunabeln des kupferstichs, der radierung, der lithographie, während wiegendruck nur ein frühes produkt der buchdruckerkunst bezeichnen kann E. v. Rath in: monatshefte f. bücherfreunde 1 (1925) 265; eine niederländische prosafassung, die zuerst durch die neuausgabe eines wiegendrucks bekanntgemacht wurde wirkendes wort (1957) 139. — dazu wiegendruckzeit, f.: vertreter des pharmazeutischen buches der wiegendruckzeit forsch. u. fortschr. 11 (1935) 293.
 
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wiegeneingebinde, n., gleichbed. mit wiegenangebinde, s. d. und vgl. eingebinde 'donum baptismale' teil 3, sp. 184:

verstand ist zweierlei: der ein' ist angeboren,
dein wiegeneingebind und mahlschatz unverloren
Rückert ges. poet. w. (1867) 8, 167.


 
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wiegenfest, n., 'ein neuerer, namentlich auch durch gelegenheitsgedichte in aufnahme gekommener ausdruck für das längere und unbequeme geburtstagsfest, in bezug auf die wiege als aufenthalt des neugeborenen' Sanders wb. dt. synonymen (1871) 734; Campe 5 (1811) 713b; nicht bei Adelung. das wort wird wohl stets als poetischer terminus angesehen und ist umgangssprachlich kaum geläufig geworden:

[Bd. 29, Sp. 1550]


der unruh wird noch mehr, wenn wieg- und nahmenfest
und braut- und meisterschmaus mein pferd besprechen läst
(d. h. den Pegasus in anspruch nehmen läszt) (1718)
J. Chr. Günther s. w. 4, 159 Krämer;

beglückter abend, holde nacht,
die uns vergnügungsvoll das hohe wiegenfest
des theuren herzogs feyern läszt poesie d. Niedersachsen (1721) 3, 41 Weichmann;

da heute wiederum dein wiegenfest erschienen
Gottsched ged. (1751) 1, 173;

an meinem wiegenfeste brachte mir dein kammerdiener eine prachtvoll gebundene bibel Siemerling reminiscenzen f. Semilasso (1837) 27; (ich) feierte dann mein wiegenfest im eisenbahncoupé Moltke ges. schr. u. denkw. (1892) 4, 314; zu seinem 50. wiegenfest erhielt meister Pech ... ein gedicht gewidmet süddt. ztg. 311 (1955/56) 9. —
 
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-fusz, m., 'die füsze einer wiege, oft mit inbegriff der bogenförmig geschnittenen bretter, auf welche sie gezapft sind' Campe 5 (1811) 713b; wiegenfusz oder wiegenlauff le pied d'un berceau Hulsius-Ravellus t.-frz.-it. (1616) 413b. —
 
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-gabe, f., wie wiegenangebinde ein geschenk für ein neugeborenes, bildl. was einem in die wiege gelegt, d. h. von geburt an eigen ist (vgl. wiege 2 d ε): der glaube, der volle, beseligende glaube war ihr nicht als unveräuszerliche wiegengabe mitgegeben worden Ott. Wildermuth Auguste 697; wiegengaben (gedichtüberschrift) Felix Dahn ged. (1908) 141; das torfbettchen ... das sie der kleinen Johanna als wiegengabe geschenkt habe Carossa d. arzt Gion (1931) 272. —
 
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-geld, n.: weegengeld ... erhält die wartefrau, welche das kind, um getauft zu werden, zur kirche bringt ..., es an und auszieht, hegt und pflegt, undwiegt Schütze Holstein 2, 22; wiegengeld Kramer t.-ital. 2 (1702) 1347a.
 
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wiegengesang, m., gesang beim wiegen eines kindes (gegenüber wiegenlied mehr als nomen actionis oder als kollektivum gebraucht). vereinzelt spätmhd.: ffescenne wigin gesong lat.-dt. voc. v. 1420, nr. 944 Schröer. umschreibungen des begriffes in frühnhd. vokabularien s. unter wiegenlied. sonst erst seit dem 18. jh. zu belegen. selten in eigentlichem sinne; kinder-gesang, wiegen-gesang canzonetta da indormire un bambino Kramer t.-ital. 2 (1702) 814b; Campe 5 (1811) 713b:

sanft nun huben sie beide den wechselnden wiegengesang
an
J. H. Voss sämtl. ged. (1802) 2, 17;

jodelten eine clarinette und zwei flügelhörner langsam und leise den wiegengesang (weihnachtsgottesdienst) Rosegger schr. (1895) I 8, 141. besonders um 1800 öfters in bildlichen auffassungen, ähnlich wiegenlied: ich will nicht mehr ... angefeuert sein, braust dieses herz doch genug aus sich selbst; ich brauche wiegengesang und den habe ich in seiner fülle gefunden in meinem Homer Göthe I 19, 10 W.; den wiegengesang des rauschenden meeres Eschenburg beispielslg. (1788) 4, 232; uns ist die weisheit wiegengesang Hölderlin ges. dichtgn 1, 206 Litzmann; was Wiltfeber hier vernahm, das war wiegengesang, heimatweise! als kind hatte er sie gar oft gehört, aber nicht gewuszt noch bedacht Burte Wiltfeber (1912) 165. —

 

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