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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
wiegatzen bis wiegemesser (Bd. 29, Sp. 1516 bis 1526)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) wiegatzen, wiegetzen, vb., sich hin und her bewegen; intensiv- und iterativbildung zu 2wiegen, wie etwa gleichbed. wagitzen (teil 13, sp. 490) zu wagen I; beide verben wohl auf das bair.-österr. beschränkt, gebildet mit dem suffix germ. (auch got.) -atjan, ahd. -azzen, -ezen, auch -izôn, vgl. Henzen dt. wortbildung § 153: wiegezen wiegen, schaukeln, auf dem stuhl (Wien) Schmeller-Fr.

[Bd. 29, Sp. 1517]


bayer. wb. 2, 879; wiegatzen unruhig sitzen Loritza id. Vienn. 143; wiegetzen Unger-Khull steir. 632b; wer kennt die umschreibungen gamatzen für gähnen, schawatzen für schwanken, achazen für ächzen, und wiachazen für sich wiegeln? (im steir.) R. Waldmüller wanderstudien (1861) 2, 183.
 
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wiegbar, adj., was gewogen werden kann; zu 1wiegen B, vgl. DWB wägbar teil 13, sp. 346; selten und fast nur in koppelung mit meszbar: dv bist aber die einigkeit der gotheit, vilfaltig in zal der personen, zalbar bistu vnzelich, vnd darumb bistu mäszbar vnmeszlich vnd wigbar vnwiglich J. Schwayger drey büchl. d. hl. Augustini (1571) meditationes 166; darf eine chemie über das wiegbare hinausgehen? A. v. Humboldt bei Lichtenberg nachl. (1899) 180 Leitzm.; denn masze und wagen dauern oft länger als wiegbares und meszbares W. Harnisch Kaskorbi (1817) 1, 317;

dann fing er an auszuräumen in den gemächern,
was sich fand in schreinen und fächern,
und erlas den aushub von allen waaren,
wiegbaren oder meszbaren
Rückert ges. poet. w. (1867) 11, 402.


 
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wiege, f. , cuna. herkunft und form.
spätahd. wîga (s. u.), wiega, mhd. wige (s. u.), wiege, mnd. wêge, mnl. wieghe, nnl. wieg, afrs. widze (s. u.). das wort ist seit dem 11.—12. jh. in spätahd. glossenhss. und seit der mitte des 12. jhs. in literarischen quellen zu belegen. vorher ist das verwandte gleichbed. ahd. waga, mhd. frühnhd. wage allein bezeugt (s. DWB wage II teil 13, sp. 346), das aber landschaftlich begrenzt (vorwiegend alem.-schwäb.) auftritt und schriftsprachlich im nhd. durch wiege verdrängt wird. das lautliche verhältnis der formen wage (wozu an. vagga), wge und wiege, die mit dem st. vb. ahd. wëgan, mhd. wëgen 'bewegen' zu der idg. wurzel *egh- 'bewegen' gehören, ist unklar, vgl. Kluge-Mitzka etym. wb. 17859; Falk-Torp norw.-dän. etym. wb. 1399 (vugge); Franck-van Wijk etym. wb. d. nl. taal 792b.
es besteht jedoch die möglichkeit, dasz in wge kein ursprüngliches -i- vorliegt, so dasz etymologisch nur mit wiege und wage zu rechnen wäre. hierfür sprechen die folgenden umstände.
1) wie Lexer mhd. wb. 3, 879 s. v. wige andeutet ('wiege, md. wige'), handelt es sich bei wige um die regulär monophthongierte mitteldeutsche form. die -i-belege der mhd. wörterbücher stammen auch sämtlich aus md. texten (vgl. ferner wige Daniel 3214 Hübner; in einer wigen passional 241, 22 Köpke), mit ausnahme der frühesten stelle aus der Vorauer sündenklage (in der wigen, mitte d. 12. jhs., bei Diemer 306, 17), wo aber mit rücksicht auf die vielerörterten md. spuren dieses denkmals gleichfalls md. herkunft der form zu vermuten ist. sonst findet sich -i- in oberdeutschem text nur sehr vereinzelt und sicher nur als graphische variante: in der wigen Heinrich von Neustadt gottes zukunft 7153 Singer (neben in der wiegen Apollonius 16 754); vgl. noch wigenpant 'wiegenband' Andreas von Regensburg 635, 23 Leidinger.
2) die belege aus den ahd. glossen können für -i- nichts beweisen, da in drei von vier hss., die wîga, wiga haben, auch bei anderen wörtern -i- für -ie- vorkommt, vgl.: cuna uuîga ahd. gl. 3, 623, 32 St.-S. (11.—12. jh.) neben genuale chnilachan ebda 18 (Em 31); cuna wîga (hs. B), wîege (hs. A) 3, 232, 41 (12. jh.) neben conductus gemitet (hs. B), gemîetts (hs. A) ebda 52; cuna wiga 3, 324, 36 (14. jh.) neben priuignus stifsun 327, 17; übrig bleibt: cuna wiga (b = Mon. 2), vvi, ga (a, die korrektur v. anderer hand), wiega (c) 3, 331, 34 (12. jh.); vgl. aber ebda: pobles knierat (a b), knirada (c) 342, 27. lautlich nicht eindeutig ist cuna uuega (11. jh.) ahd. gl. 3, 624, 13.
3) die formen der obd. und md. mundarten zeigen als stammvokal durchgängig einen laut, der regulär dem mhd. -ie- entspricht. die vertretung von altem -i- läszt sich,

[Bd. 29, Sp. 1518]


soweit sie nicht mit der von -ie- zusammengefallen ist, nirgends nachweisen: wiəgng, oberpfälz. wêigng Schmeller-Fr. bayer. wb. 2, 879; wiagn Jakob Wien 219; wiagə Bacher Lusern 228; biga (wie zigen 'ziehen' usw.) Schmeller cimbr. 173; wiega Bühler Davos 1, 259; wiəge Hotzenköcherle Mutten § 49; wîega Tobler Appenzell 448a; wīəg Fischer schwäb. 6, 808; wìək (nördl. Oberelsasz), monophthongiert wík, wej (nordöstl. u. nordwestl. Unterels.) Martin-Lienhart 2, 804; wei Schön Saarbrücken 226a; wei wb. d. luxemb. ma. 479a (in ält. spr.: weige [Mainz] städtechron. 17, 397; cuna eyn weyge vocab. ex quo [Eltville 1477] E 8b); weech, jünger wech Wrede Köln 266 (vgl. md. wege im 15. jh. bei Diefenbach gl. 157a s. v. crepundium und 162b s. v. cuna, cunabulum); wiik Lenz Handschuhsheim 77b; wiigə Meisinger Rappenau 231; wije, wich Crecelius Oberhessen 914 (hier vor ch gekürzt wie zich, ziche = zieche 'bettüberzug'); wījə Hofmann Niederhessen 264a; wiic (westl. Erzgeb.) Müller-Fraureuth obersächs. 2, 665a; wījə (Seifhennersdorf) PBB 15, 57; wieje Brendicke Berlin 193a.
auch im gröszten teile des niederdeutschen macht die rückführung auf mnd. ê4 = mhd. ie keine schwierigkeiten: wī'əX Leihener Cronenberg 134b; weeg Elberf. ma. 173a; weege Strodtmann Osnabrück 90; Böning Oldenburg 130; wêge Doornkaat Koolman ostfries. 256a; weeg, weig Mensing schlesw.-holst. 5, 565; wêg Danneil altmärk. 245; wege Dähnert plattdt. 544a; wj Fischer Samland 98; waig ter Laan Groningen 1159a; weig Tonnar-Evers Eupen 227; waige Woeste-N. westfäl. 314a; weige (wie weike = wieche 'docht') Bauer-Collitz Waldeck 112b; dafür wē^xə Martin Rhoden 283; weige Fromme Hohenbostel 91; weig (-e-) Mi Mecklenburg 106a.
dagegen finden sich in verschiedenen südnd. mundarten abweichende laute. weiʒe in der ma. B (Ostbevern nordöstl. Münster i. Westf.) bei Grimme plattdt. maa. 150 stimmt nur mit mnd. ê2 (= wg. ai ohne umlautfaktor) überein. derselbe laut kann ganz regulär auch in den folgenden formen vorliegen: wegen Frederking Hahlen 34; weege Flemes Kalenberg 378; wēʒə Bierwirth Meinersen § 138; vēe Block Eilsdorf 100b; wêje Damköhler Nordharz 224b; wëge (neben weige) Schambach Göttingen 291a; weige Deiter Hastenbeck 156. zum teil ist in diesen vokalen u. a. auch altes i (nicht aber mnd. ê4) aufgegangen, weshalb Sarauw nd. forsch. 1, 185 zusammenhang mit mhd. wige in betracht zieht. wie bei Grimme läszt sich aber bei Frederking und Deiter altes i ausschlieszen, und übrigens hat wiege in den angeführten mundartdarstellungen (auszer Grimme) stets denselben vokal wie miete, mieten, das gleichfalls die entsprechung von ê4 zeigen müszte. es scheint sich bei diesen wörtern um eine ähnliche unregelmäszigkeit zu handeln, wie bei spiegel und ziegel, wo ê3 statt ê4 vorkommt (vgl. Dahlberg ma. v. Dorste 116). dagegen läszt sich altes i in wījə bei E. Hoffmann voc. d. lippischen ma. 51 (vgl. Sarauw 1, 423) nicht ausschlieszen, sondern stellt neben e (aus i oder umgelaut. a) den einzigen laut dar, auf den die form organisch zurückgehen könnte. dieser einzelfall kann aber kaum als beweisend angesehen werden (übrigens gibt es -ī- im nd. auch sonst unter hd. einflusz: wieg [vīīx] 'wiegemesser des schlachters' Mensing schlesw.-holst. 5, 625 neben weegmess 566).
4) eine scheinbare stütze erhält der ansatz von i durch die friesische form widze (vgl. Franck-van Wijk etym. wb., suppl. 194b); sie kann aber ohne schwierigkeit (als -jô-stamm neben wage) auf *wagjô- zurückgeführt werden (so Th. Siebs in: grdr. d. germ. phil. 21, 1299). wo sie im fries. auftritt, zeigt auch legen und sagen -i- für umlaut-e (vgl. Siebs 1186 f.): ief da ieldera wrhlit (überführt) werdeth, dat hiare kyndt bi hemmen op hiara bedde ief in da widze ... treesmet (erdrosselt) habbeth (Bolswarder sendrecht von 1404) Richthofen fries. rechtsquellen 487, 1 (lidza ebda 484, 18; dies ist der einzige afries. beleg; an den andern von Richthofen im wb. 1148 f. verzeichneten stellen liegt wigg 'pferd' vor, s. Kern taalk.

[Bd. 29, Sp. 1519]


bijdr. 2, 184; van Helten z. lexicol. d. aofrs. 379); neuwfrs. widze Dijkstra friesch woordenb. 3, 437b (lizze 2, 126a; sizze 3, 82b); im ostfries.: widze (harlingerländ. um 1690) Cadovius mem. ling. Fris. 54 König (lidsen ebda 58); widz (wangeroog.) Stürenburg ostfries. 330; Siebs a. a. o. (lidz ebda). — die nordfriesischen mundarten haben waag (-o-).
unter den dargelegten verhältnissen besteht für den ansatz der form wga, wige keine genügend sichere grundlage. sieht man von ihr ab, so bleiben wage, als o-stufige bildung zu *egh- 'bewegen' (dazu *wagjô- in afries. widze) und wiege, das am ehesten als reduplizierende bildung (vielleicht iterativen charakters) vom typus κύκλος aufgefaszt werden kann: idg. *e-gh-, germ. *weug-, woraus mhd. wiege, wie wieche 'docht', ags. wēoce, aus idg. *e-g- 'weben, knüpfen' und ähnlich wie nl. wiel 'rad' (s. u. 3wiel), ags. hwēol, an. hiól aus idg. *keklo- (vgl. Franck-van Wijk etym. wb. 792b und Falk-Torp norw.-dän. etym. wb. 1399).
kaum zu wiege gehört preusz. wischle berceau Schrader dt.-frz. 2 (1784) 1642; wische wiege Hennig pr. (1785) 303; wiśche, wischke Frischbier pr. 2, 475, hier mit wišchen 'einschläfern' zu der beschwichtigenden interjektion wisch wisch und schwed. vyssja 'einlullen, einschläfern', vyss (interj.) gestellt. vgl. aber noch wischeln 'schaukeln' Mensing schlesw.-holst. 5, 667, das möglicherweise zu wiegeln (s. d.), wiggeln, wigelwageln 'schaukeln schwanken' gehört (vgl. wischelwaschel name der gans im rätsel Mensing a. a. o.). bedeutung und gebrauch.
1) cuna, das zum schaukelnden schwingen eingerichtete kinderbett. zur sache vgl. Müller-Mothes archäol. wb. (1877) 986a; H. Plosz das kind in brauch und sitte der völker (31911) 1, 251 ff. Renz. die bauarten sind verschieden; in erster linie kommt die bekannte form mit querkufen in betracht, die auf bildlichen darstellungen für Deutschland seit dem frühen 13. jh. nachzuweisen ist, doch waren noch in der zweiten hälfte des 19. jhs. in verschiedenen landschaften hängewiegen in gebrauch (hierzu wohl: fascium eyn wyege [15. jh., md.] Diefenbach gl. 226c; vgl. unten Kramer). in längsrichtung schwingende standwiegen, wie in Schweden, scheinen in Deutschland nicht festgestellt zu sein. ob die doppelheit der bezeichnungen wiege — wage (von anderen synonymen abgesehen) in älterer zeit mit sachunterschieden zusammenhängt, ist nicht zu ermitteln. Kramer verzeichnet hang- ò hangende wiege cuna pendente ò a cinghi, roll- ò wagen-wiege cuna a carriuola, schlingen-wiege cuna pendente ò a fascie, waltzen-wiege cuna da curli, cioè ordinaria, t.-ital. 2 (1702) 1347a:

do ich in der wigen lach dt. ged. d. 11. u. 12. jhs. 306, 17 Diemer;

daz ein wiege
vor an dînem fuoze iht stê
Neidhart 7, 28 H.-W.;

und ain wiegen mit ainem kind, die schwam ob dem waszer (bei e. überschwemmung) (Augsburg, mitte d. 15. jhs.) städtechron. 5, 68;

id rock dar vaste na der wegen,
ik hadde vyl na den doet ghekregen Reinke de vos 5969 Leitzmann;

der wiegen und des wagbanckes hab acht,
der wagschnür, stroseke vnd ouch der windel Straszburger ged. vom hausrat c 4a Hampe;

von ersten wickelt man sy (die neugeborenen kinder) in windel vnd in fätschen vnd legt sy gebunden in die wiegen Keisersberg granatapfel (1510) C 5a; wie herr Gotfridt Wernher zu seinem gemahl geen Oberbaden raiset ..., fand er ain jungs dechterle in ainer wiegen ligen Zimmer. chron. (21881) 2, 519 Barack; dasz die klocken von sich selbst angeschlagen vnd die wiegen in häusern vngerüret gangen sind (vom erdbeben) Daniel Schaller theol. heroldt (1604) 78; andere sonderbahre säl hatten nichts anders in sich, als viel wiegen mit säuglingen Grimmelshausen Simpl. 440 Scholte;

[Bd. 29, Sp. 1520]


aber zu allem ein nest rothbäckiger wähliger kinder,
wie aus dem teige gewälzt; und immer noch eins in die wiege!
J. H. Voss ged. (1802) 1, 171;

hier hatte Selinde manchen tag ... zugebracht, indem sie ... mit dem einen fusze das spinnrad und mit dem andern die wiege in bewegung erhalten ... hatte J. Möser s. w. (1842) 1, 128; die tante Amalie schickte die wiege, in der ihr vater gelegen hatte und dann sein sohn A. Seghers d. toten bl. jung (1950) 175.
2) vielfach in sinnbildlichem gebrauch.
a) als symbol des frühesten kindesalters; allgemein: dan sol die christenheit in yr krafft kommen, so musz man warlich an kindern an heben ... ich möchts wol leyden, das man in der wigen an hüb (1519) Luther 9, 218 W.; die sprache, so du in der wiegen aus dem süssen vorgeschwätze und gesäusel deiner mutter samt der milch eingesogen hast Neumark fortgepfl. musik.-poet. lustw. (1657) zuschr. 10; man weihte dem mönchsstande kinder in der wiege Zimmermann einsamkeit (1784) 1, 132. vgl. mnd. wêgenprêster und -ridder 'priester und ritter, der es schon in der wiege wird' Schiller-Lübben 5, 652a.
oft in der verbindung noch oder schon in der wiege, wobei noch im älternhd. und schon etwa seit dem 18. jh. bevorzugt wird: der starb ... noch in der wiegen Schütz hist. rer. Pruss. (1592) 106b; wie mancher stirbt schon in der wiege Drollinger ged. (1743) 115. — den krönten die vngarischen landtsherren noch in der wiegen zu jrem könig Stumpf Schweizerchron. (1606) 23b; Christina, die in der wiege schon zu seiner (Gustav Adolfs) nachfolgerin erklärt war Schiller 8, 153 G. — ward Margaretha ... noch also jung in der wiegen ligend dem jungen Carlen ... vermehlet S. Münster cosmogr. (1550) 164; sie sind schon in der wiege von beyderseits ältern an einander versprochen worden Gottsched beob. (1758) 407. sonst aber auch:

der kinder mund, die an den brüsten liegen,
redt schon von dir ohn reden in der wiegen
Opitz bei
Fischer-Tümpel ev. kirchenlied 1, 244;

ihr lagt noch in der wieg', als euer vater,
graf Ulrich, starb
Bauernfeld ges. schr. (1871) 5, 38.


α) gern in wendungen wie das kind in der wiege nicht verschonen non perdonare il bambino nella cuna Kramer t.-ital. 2 (1702) 1347a:

dô sluoc man dar inneman unde wîp
der kindel in den wiegenverlôs dâ manegez sînen lîp Kudrun 1501, 4 S.;

laist uns bizide in wederstain,
of si soilen dat kint in der weigen slain (Köln, 2. hälfte d. 13. jhs.) städtechron. 12, 184;

da würgt man ... jung und alt ..., ja auch die kinder in der wiegen 2. Makk. 5, 13; solts kinds in der wieg nicht verschonen Rollenhagen froschmeuseler (1595) Ss 7a; das kriegsvolk hat da weder alt noch jung verschonet ..., nicht der kinder in der wiegen Liscow slg. sat. u. ernsth. schr. (1739) 22.
β) von der wiege an, auf o. ä., von frühester kindheit an, vielfach hyperbolisch:

wan ir minne gap sie mir
in der ersten stunde,
dô sie reden begunde;
...
unz her von der wiegen
sô pflac ich ir immer sît
Heinrich v. d. Türlin krône 4955 Scholl;

Cymon Miliciades sun von Athen was so tumb und so dol von der wiegen seiner mueter, daz er geacht ward fuer einen offenwaren narren (Heinr. v. Mügeln 1369) in: mitt. d. hist. ver. f. Steiermark 46 (1898) 20; (der weg des herrn) den wir von der wiegen vnd jugend vff gelernet hand S. Hätzer acta oder geschicht (1523) c 2a;

sein aufgeweckter sinn,
der stund von wiegen an schon allbereit dahin,
wo mehr von künsten ist
Fleming dt. ged. 1, 52 lit. ver.

[Bd. 29, Sp. 1521]


wären sie (Goethe) als ein Grieche ... gebohren worden, und hätte schon von der wiege an eine auserlesene natur und eine idealisierende kunst sie umgeben, so wäre ihr weg unendlich verkürzt (1794) Schiller br. 3, 473 Jonas; von diesen ... sei er von seiner wiege an verfolgt worden Ranke s. w. 15 (1875) 37. als kuriosität sei vermerkt:

die musen wiegen-auf um dich gewesen sind
S. v. Birken ostländ. lorbeerhayn (1657) 317.


γ) kaum der wiege entwachsen und ähnliche verbale umschreibungen für eine frühe kindliche altersstufe:

die gwonheyt ist z disser frist,
das man die kinder zeücht uff kriegen.
sobald sie dann gondt ausz der wiegen,
so mssens degen an in han
Wickram w. 5, 7 lit. ver.;

und als es kaum aus der wiegen kommen, hat man es den schulmeistern befohlen S. Feyerabendt ungar. chron. (1581) 95b; ein vater lacht über die empfindlichkeit, den ehrgeitz, die habsucht eines kindes, das kaum der wiege entwachsen ist Ramler einl. i. d. schönen wissensch. (1758) 1, 114.
δ) von der wiegen bis in das grab Eyering proverb. copia (1601) 2, 347; von der wiege an bis ins grab Wieland Agathon (1766) vorbericht. jünger: von der wiege bis zum grabe ... ist die physiognomie der grund von allem, was wir thun und lassen Lavater physiogn. fragm. (1775) 1, 49; E. M. Arndt s. w. (1892) 1, 244; Dehio gesch. d. dt. kunst 2 (1921) 11. auch von der wiege biss zur baare Günther ged. (1735) 288; Körner w. 2, 216 Hempel.
b) als sinnbild für geburtsort und stätte der kindheit.
α) öfters in umschreibungen wie wo meine wiege stand:

himmlische auen,
wo meines daseins wiege stand
E. M. Arndt s. w. 5, 9 R.-M.;

Gustav Wasa gehört nach Rundhof in Angeln, denn seiner urgroszmutter ... wiege stand dort Dahlmann gesch. v. Dännemark 3 (1843) 98; (die urgroszeltern) liegen in dem boden, aus welchem wir aufgewachsen sind; wo ihre wiege stand, das weisz niemand mehr zu sagen (1866) Raabe s. w. I 6, 486; zu Hanau ... hat einst ihre (der brüder Grimm) wiege gestanden Scherer kl. schr. (1893) 1, 4.
β) schon früh, doch unhäufig, in direkter anwendung: die weil Bethleem geweyet was tzu seyner wigen ader kindheit M. Risch paraphrasis Erasmi (1524) E 4a; die wiege meiner mutter war die schöne, vom bande des Neckars umschlungene felseninsel Laufen Kerner bilderb. (1849) 35.
c) als metapher für den ursprung einer sache, die stätte ihres aufkommens, erstarkens, gehegtwerdens usw.:

o augen braun und klar,
schwartzlecht und hell, wie plitz und dunder,
der schönheit und lieb wieg und bahr
Weckherlin ged. 1, 479 lit. ver.;

schöne wiege meiner leiden,
schönes grabmal meiner ruh,
schöne stadt, wir müssen scheiden
Heine s. w. 1, 31 Elster.


zufrühest in der wendung etwas liegt noch in der wiege: da die kirch noch in jhrer kindheit war vnnd lag noch inn der wiegen Fischart binenkorb (1588) 18a; die electricität ist gleichsam noch in der wiege Titius betrachtung üb. d. natur (1783) 1, 204; der griechische kunstsinn war schon völlig entartet, als die theorie noch in der wiege lag Fr. Schlegel s. w. (1846) 5, 147.
sonst seit dem ende des 17. jhs. allgemein gebräuchlich: disteln sind der tugend wiegen Lohenstein Arminius (1689) 1, 65b; daher sie (die poesie) auch der unvergleichliche Lohenstein die erste wiege der weiszheit genennet Neukirch anfangsgründe z. teut. poesie (1724) 2; der staat, die wiege der menschlichkeit, ist ihr sarg geworden

[Bd. 29, Sp. 1522]


Börne ges. schr. (1829) 7, 38; die phantasie ist immer ihre (der theorie) wiege Boltzmanm popul. schr. (1905) 77.
meist wird diese ausdrucksweise auf ganz bestimmte gegenstände angewendet, nämlich
α) die künste und andere güter der geistigen und materiellen kultur: die Ägypter, deren vaterland doch die wiege der schönen künste gewesen anmuth. gelehrsamk. 5, 541 Gottsched; so wird Wien ganz gewisz unsern nachkömmlingen als die wiege des guten deutschen theaters bekannt werden Ayrenhoff w. (1814) 5, 228; dasz Creta die wiege der griechischen bergbaukunde und metallurgie gewesen ist Böttiger kl. schr. (1837) 1, 67 anm.; die wiege des christenthums ist Syrien Mommsen röm. gesch. (1894) 5, 586.
auch wie unter b α: hier (in Heidelberg) ... stand die wiege der neuen romantischen schule Treitschke dt. gesch. im 19. jh. (1897) 1, 309; dasz die wiege unseres entriticum-stammes in Zentralasien gestanden habe Hoops waldbäume u. kulturpfl. (1905) 315.
β) die menschheit: die wiege des menschlichen geschlechtes zu entdecken J. v. Müller s. w. (1810) 1, 25; Asien ..., weil es für ... die wiege des ganzen menschengeschlechtes ... bestimmt ward Ritter erdkde (1822) 2, 58; dass in Nordamerika die wiege der menschheit gestanden haben könnte Peschel völkerkunde (1874) 33; wiege der menschheit Hermann Jettchen Gebert (1954) 110. so auch: die universalgeschichte des ganzen menschlichen geschlechts — von seiner wiege an bis zu seinem männlichen alter Schiller 1, 155 G.; ihre (der völker) geschichten, von ihrer wiege bis auf unsere zeit Ritter erdkde (1822) 1, 4.
γ) städte und siedlungen: hier ist keiner, dessen ahnen nicht um Genuas wiege standen Schiller 3, 114 G.; die berglehnen sind bis oben bebaut und ihre thäler die wiege freundlicher dörfer Gaudy s. w. (1844) 5, 38; einige kleine inseln, dazu bestimmt, die wiege Venedigs zu werden J. Schlosser präludien (1927) 103.
δ) flüsse und bäche: da alle hauptströme ... in Asien und in Afrika ... ein hochland zur wiege haben Ritter erdkde (1822) 1, 341; das thal, ... das die wiege des ihnen begegnenden baches war Stifter s. w. 1 (1904) 238; in einem öden, wohnungsleeren thale, an der wiege des Isarflusses Barth Kalkalpen (1874) 284.
ε) ferner:

bis zu des sturmes wiege,
zum hahnenbalken hoch
A. v. Droste-Hülshoff ges. schr. (1878) 1, 382;

berge, die er seinem himmel
als die letzten säulen gab,
wiege seiner wetterwolken,
seiner adler einsam grab
Herwegh ged. e. lebendigen (1843) 2, 42.


d) sonst noch in verschiedenen redewendungen.
α) jemanden aus der wiege werfen 'ihn brüskieren': gecken lassen sich bald entrüsten, narren wirfft man bald ausz der wiegen S. Franck sprüchw. (1541) 2, 174a; ich hab in (den andersgläubigen schwäher), yetzt am freytag acht tag, gar ausz der wiegen geworffen Hans Sachs 22, 69 lit. ver.; solchen löblichen ... herrn ... dergestalt zu tractiren, und, wie man zu sagen pflegt, sogar aus der wiege zu werfen (1650) urk. u. aktenst. z. gesch. d. kurf. Friedrich Wilhelm v. Brandenburg 5, 423 Erdm.; den Römern einen dienst zu thun oder zum minsten selbte nicht gar aus der wiege zu werffen Lohenstein Arminius (1689) 1, 71b; man läszt jedermann seine weise ..., um niemanden aus der wiege zu werfen Schwabe belust. (1741) 2, 7.
β) ich bin in der wiege auch gewiegt Kinderling reinigk. d. dt. spr. (1795) 38; mit die wieje bin ik schon jewiejt damit betrügt man mich nicht mehr Brendicke Berlin 193a:

[Bd. 29, Sp. 1523]


ich bin zuvor auch schon mit dieser wieg gewigen,
es halten nicht den stich sich die unverschemten lügen Reinicke fuchs (1650) 284.


γ) in der wiege ersticken, gewöhnlich transitiv, im 17. und 18. jh. für wohl jüngeres im keime ersticken (s. 3keim 5 c, teil 5, sp. 453 und vgl. den ersten beleg): muste der h. reichskantzler ... dahin ... trachten, das ..., wo der sahme einiger dissidentz vnd mistrawens sich ereugte ..., derselbe bey zeiten vnterdrucket, ja in der wiegen gleichsamb ersticket ... würde Chemnitz schwed. krieg 2 (1653) 95; dasz ein solch rühmliches ... fürhaben ... gleichsam in der wiege erstikken und zu grunde gehen solte Neumark neuspross. teutsch. palmbaum (1668) 324; Heinrich, um das übel noch in der wiege zu ersticken, gieng nach Sachsen M. I. Schmidt gesch. d. Deutschen (1778) 2, 349; im anfang der unruhen, ... wo ein rascher entschlusz und männliche stetigkeit die rebellion noch in der wiege erdrücken konnten Schiller 7, 18 G.
δ) es ist ihm nicht in der wiege gesungen worden 'schien ihm nicht bestimmt zu sein': es ist ihm, spricht er, in der wiege nicht vorgesungen, dasz es ihm so gehen werde Liscow slg. sat. u. ernsth. schr. (1739) 601;

auch mir wards vor der wiege nicht gesungen,
dasz ich nur darum meinem ehgemahl
nach Palästina folgen würd, um da
ein Judenmädchen zu erziehn
Lessing 3, 37 L.-M.;

diese verwandtschaften ... machen ordentlich eine person aus ihr; so was ist ihr nicht an der wiege gesungen (1839) A. v. Droste-Hülshoff br. 1, 335 Schulte-K.; es ist dem protestantismus nicht an der wiege gesungen worden, dasz er einst wieder kraftlos hinter dem katholizismus einherschleichen sollte F. J. Schmidt d. niedergang d. protestantism. (1904) 26; der glückspilz! ... es ist ihm nicht an der wiege gesungen worden Th. Mann s. w. (1955) 4, 562.
ε) es ist ihm in die wiege gelegt, gebunden 'eignet ihm von hause aus': wohlgefälligkeit, diese gabe des himmels, war ihr nicht in die wiege gelegt worden Laube in: Westerm. monatsh. 49 (1881) 555 (Louison); der gedanke der deutschen einheit ... war diesem stolzen reichsfreien herrn in die wiege gebunden Treitschke dt. gesch. im 19. jh. (1897) 1, 271; es war damit der mittelalterlichen grabplastik schon in die wiege ein zwiespalt gelegt, der nie ganz zum austrag kam: gelegte standfigur? oder wirkliche liegefigur? Dehio gesch. d. dt. kunst 1 (1919) 184; der blick nach dem süden ist der Augustusstadt (Augsburg) fast in die wiege gelegt Pinder d. dt. kunst d. Dürerzeit (1939) 301.
ζ) nur hin und wieder knüpft die auffassung an die bewegung der wiege an: dasz es uns nicht anders in solchen sturme war, als wenn wir in einer wiege geboyet würden wie die kleinen kinder Chr. Reuter Schelmuffsky (vollst. ausg.) 36 ndr.; etliche (advokaten) seynd wie ein wiegen, die allezeit da bald hin, bald her wanckt A. a s. Clara etw. f. alle (1699) 1, 63;

wehe dem fahrzeug, das jezt unterwegs
in dieser furchtbarn wiege wird gewiegt
Schiller 14, 370 G.;

dasz (in Florenz) die breiten platten das pflaster ganz verdrängt haben. da fährt sich's wie in einer wiege Gaudy s. w. (1844) 2, 72; du bist ein leidlicher reiter, trotz deinem hohen alter, ... freilich, die mähre geht wie eine wiege A. Sperl d. söhne d. h. Budiwoj (1927) 417.
3) wiege in übertragenen verwendungen als sachbezeichnung, meist für geräte und technische vorrichtungen, die, in tätigkeit gesetzt, eine schaukelnde bewegung ausführen.
a) vereinzelte belege aus dem spätmhd. und frühnhd.
α) der erst sturm. primo zu der grossen pühssen 12 pfert, item zu der wigen 16 pfert (Nürnberg 1388) städtechron. 1, 177 ('name einer büchse oder theil einer geschützausrüstung?' glossar 500b).

[Bd. 29, Sp. 1524]



β) von einem folterinstrument, statt des sonstigen wage (s. d. III 7 n, teil 13, sp. 366 und vgl. 1wiegen B 2 d 'foltern', statt wägen): der zuchtiger (scharfrichter) sei ewer richter vnd binde euch sprechende vor mir in sein wigen! (la.: in sine wagen) ackermann a. Böhmen 11, 21 B.-B. (nebst anm. s. 217f.).
γ) 'senke': (ein unwetter hat) im Winzerer perg in einer wiegen ... ein guten tail eins weingarten ..., stöck und erd, herab tragen (Regensburg, mitte d. 16. jhs.) städtechron. 15, 15. vgl.: wiege bedeutet in den oberschwäb. flurnamen in der wiege, obere, untere wiege 'senkung im gelände' Miedel oberschwäb. orts- und flurnamen (1906) 12.
b) granierstahl, gründungseisen, ein bei der sog. schabmanier verwendetes, etwa petschaftförmiges gerät der kupferstecher mit einer länglich-rechteckigen, gebogenen und scharf gezähnten arbeitsfläche. die kupfer- oder stahlplatte wird hiermit vorbereitend körnig aufgerauht, so dasz sie völlig schwarz druckt; danach werden die 'lichter' der zeichnung durch stufenweises glätten mit dem schabeisen herausgearbeitet.gebucht u. a. bei Jacobsson technol. wb. (1781) 4, 646a; Voigtel wb. (1793) 3, 638a; Soltau beitr. (1806) 79b; Hübner zeitungslex. (1824) 4, 932a.
c) soviel wie wiegemesser (s. d.), eine bogenförmige, an beiden enden mit griffen versehene klinge oder doppelklinge zum zerkleinern von fleisch, küchenkräutern usw.; gebucht u. a. bei Soltau beitr. (1806) 79b; Hübner zeitungslex. (1824) 4, 932a.
d) eine vorrichtung beim stapellauf, bestehend in einem drehbar gelagerten abschnitt der stapelung, dessen fläche beim aufschwimmen des hinterschiffes mit dem schiffskörper kontakt hält; vgl. Hoyer u. Kreuter technol. wb. (1902) 1, 849; Eichler vom bug zum heck (1954) 465.
 
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wiegebalken, m., meist zu 1wiegen, für gebräuchlicheres wagebalken, s. d. teil 13, sp. 368: der präsident des obertribunals ..., halbblind, wie's madame Thetis verlangt, wackelig wie ihr wiegebalken Gutzkow ritter v. geiste (1850) 1, 21; die feine abweichung des wiegebalkens von der querachse ... macht erst den wiegevorgang für unser miterlebnis deutlich Pinder d. dt. kunst d. Dürerzeit (1939) 235. zu 2wiegen: ein schaukelpferd ... stemmt die hufe auf seine geschwungenen wiegebalken Th. Mann ges. w. (1955) 9, 703. —
 
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wiegegang, m., wiegender gang, vgl. 2wiegen 6 g und wiegeschritt:

so kam das wohlgeschaffene persönchen
mit einem buschen flieder in der hand
...
im wiegegang daher am waldesrand
Widmann maikäferkomödie (71907) 80.


 
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wiegegeld, n., zu 1wiegen; wie wagegeld und wägegeld (teil 13, sp. 370) 'abgabe für die benutzung der öffentlichen waage': van der marck eynen d., den gild dergene, die id verkouft; vort so is hie syns halven wigeltz quijt (1370/80) akten z. gesch. d. verf. u. verw. d. st. Köln 2, 49 Stein; flasz und hanff sal man wiegen in der stede wagen und der stat davon auch huszgelt und wigegelt geben (1399) Frankf. amtsurk. 269 Bücher; vor 6 achtel korn wieggelt (1645) studien z. gesch. d. lebenshaltung in Frankf. a. M. 2, 31 Bräuer.
 
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wiegehaus, n., zu 1wiegen; gebäude in dem sich die öffentliche waage befindet (wie älternhd. wagehaus, waghaus teil 13, sp. 375): ich stand auf der balustrade des alten wiegehauses, am unteren hafen H. Böll billard um halbzehn (1959) 58. —
 
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wiegeisen, n., eiserner hebel zum bewegen schwerer lasten, zu 1wiegen B 2 c: wenn denn die brücke erhebt ist, soll man die winde beiseite schaffen, und mit dem wigeisen die brücke von sich wigen, so mus sie fallen theatrum machinarum (1607) 1, 166.
 
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wiegeln, vb. , (sich) schwankend bewegen. die neben dem starken verbum ahd. wëgan, mhd. wëgen auftretenden schwachen verben, die sämtlich eine hin- und herbewegung bezeichnen, wechseln im stammvokal zwischen -a- und -i-,

[Bd. 29, Sp. 1525]


im konsonantismus zwischen -g- und intensivierendem -ck- (nd. -gg-) und in der ableitung zwischen einfacher schwachformiger bildung und der mit iterativ-diminutivem l-suffix. da ein verbum wigen fehlt (2wiegen ist mit diphthongischem -ie- zu wiege gebildet; vgl. aber lautspielendes wigen, wagen Gottfried v. Neifen 52, 13 H.-Schr.), ergeben sich neben wagen (s. d. I, teil 13, sp. 289) die reihen wacken, wageln, wackeln und wicken, wigeln, wickeln (s. teil 13, sp. 215, 377 und 209 sowie oben 3wickeln, wo auch das nur mundartl. vorkommende wicken erwähnt ist [dazu nl. wikken van Dale 72114a ]; vgl. noch nl. waggelen und wiggelen, engl. waggle und wiggle). offenbar gehen alle diese bildungen von wagen aus, die i-formen mit sekundärablaut, vgl. vokalspiele wie wigen, wagen (s. o.), wickeln und wackeln (s. 3wickeln) und wigelwageln 'hin- und herschaukeln' (im nd. verbreitet, vgl. wickelwackel sp. 855f. und wygelwageln Strodtmann Osnabr. 387; wiegelwageln Mensing schlesw.-holst. 5, 625; wig l wageln brem.-ndsächs. wb. 5, 251; Böning Oldenburg 132a; Schambach Göttingen 297 usw.; in Wien: wiglwgl 'zweifel, unentschlossenheit' Hügel 189; vgl. noch wiegelwagel als namen des pirols unter wiedewal). zu beachten ist aber, dasz wigeln sehr leicht an wiege und wiegen angelehnt oder ein wiegeln hierzu gebildet werden konnte. wie nl. wiegelen zweideutig ist (vgl. Franck-van Wijk etym. wb. d. nl. taal 792b nebst suppl. 194b), so ist auch für nhd. wiegeln nicht zu entscheiden, inwieweit es gedehntes -i- oder monophthongiertes -ie- enthält. mundartl. findet sich (mit -ī- aus -i-) weīgelen 'schaukeln' neben weigen 'wiegen, schaukeln', weige 'wiege' (-ei- aus -ie-) Bauer-Collitz Waldeck 112b, entsprechend weiγələn (diphthongiert) nebenγən, wēγə Martin Rhoden 283; der einzige mhd. beleg zeigt -ie- (wiegelônde, s. u. 1); dagegen steht -i- in keuuigilit (11. jh.) ahd. gl. 2, 409, 56 St.-S., das aber vielleicht gar nicht hierhergehört (es übersetzt instruit 'unterrichtet' Prudentius, passio Cypriani 106. der genauere sinn des deutschen wortes ist unklar).
1) allgemein 'schwankend bewegen' (intrans. u. trans.); swancken, wagen, waglen, wiglen vacillare, titubare, tremere v. d. Schueren Teuth. 388b; wiegeln in wiegende bewegung versetzen, wiegen Unger-Khull steir. 632b: wiegelônde gân Steinmar 11, 34 in: schweiz. minnesänger 184 Bartsch; (von vögeln, vgl. 2wiegen 5 c:) in ästen sich zu wiegeln qu. v. j. 1854 bei Sanders wb. 2, 507;

olls niegelts und wiegelts,
staudn, blüeml und bam
stöckan d' köpf zsamm und wispeln
Stelzhamer ausgew. dicht. (1884) 3, 142;

der wellen die des himmels bilder wiegeln
musik in mystisch feierlicher art
sich mächtig tönend mit den farben paart
wie sie beim sonnenuntergange spiegeln
Stefan George Baudelaire (1901) 28.


2) bei schweiz. autoren ein kind wiegeln: singend speiszt sie den säugling, wieglet ihn sanft, bis er wieder entschläft Pestalozzi s. w. 8 (1927) 185, 31; (seine frau) die in dunkler ecke ein kind wiegelt und ein anderes säugt J. Gotthelf ges. schr. (1855) 5, 93.
3) nur lexikalisch belegt sind die folgenden auffassungen: wiegeln stampen, stooten van een schip op zee Kramer-Moerbeek dt.-holländ. (1768) 420b; wiegeln vorn tiefer als hinten im wasser gehen Schrader dt.-frz. wb. 2, 1634; wiegeln etwas durch wiederholten druck aus seiner lage, besonders in die höhe bringen Krünitz öcon. encycl. 239 (1857) 24. vgl. noch mundartl. wiegeln mit angestrengter kraft arbeiten Müller-Fraureuth obersächs. 2, 665a.
 
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wiegeln, vb., gleichbedeutend mit aufwiegeln (s. d. teil 1, sp. 779), aber auch intransitiv, statt des nur transitiv verwendbaren kompositums. zum st. v. wëgan in der bedtg. 'permovere'; grundform *wigilon wie quitilon zu quedan? (das viel verbreitetere kompositum aufwiegeln 'aufhetzen' teil 1 sp. 779 erscheint im älternhd. auch oft [oder meist?] in der form aufwickeln, sp. 778). ich wiegle commotiones facio Steinbach dt. wb. (1734) 2, 1013; wiegeln im geheimen hetzen, eine sache nicht ruhen lassen Müller-

[Bd. 29, Sp. 1526]


Fraureuth obersächs. 2, 665a: wo jhr aber viel rahtschlagten zum feind zu ziehen, denn sol er (d. heerführer) etliche hauptleut zu gleichen fürnemmen wiglen, dasz sie jene vnterwegen erlegen Fronsperger kriegsb. 1 (1578) 178b; und wiegelte das gemeine volck wieder den raht, weszwegen er beim könige verklaget ward Curicke d. st. Dantzig hist. beschr. (1688) 260a; sie schürten und wiegelten denn auch dergestalt, dasz überall der aufruhr pochte Laube drei königsstädte (1875) 1, 217; tiefen abscheu vor jenen wiegelnden und wühlenden menschen, die eine gute polizei subversive elemente nennt Musil mann ohne eigenschaften (1956) 348. dazu auch wiegler, m.: neulich ist in Erfurt als wühler und wiegler Simoni verurteilt (1849) Jahn br. (1913) 556; wieglerisch, adj.: das demagogische gerede von wieglerischen elementen Musil a. a. o. 102. im älteren 19. jh. scheinen solche verwendungen beliebt gewesen zu sein, s. weiteres bei Sanders wb. 2, 1600b; erg.-wb. 636a; vgl. auch frühnhd. wegeler teil 13, sp. 3084. —
 
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wiegemesser, wiegenmesser, n., an den enden mit griffen versehene gebogene klinge oder doppelklinge zum zerkleinern von fleisch, küchenkräutern usw.; zu 2wiegen 9 d, gleichbed. mit wiege 3 c: wiegemesser Jacobsson technol. wb. 4 (1784) 646a; wiegenmesser Schrader dt.-frz. wb. 2 (1784) 1634; wiegenmesser Adelung vers. e. wb. 5 (1786) 218; wiegemesser ders., wb. 4 (1801) 1538; Campe 5, (1811) 713b: er nahm ein wurzelmesser und ein wiegemesser (zum kräuterschneiden) in die hand Jean Paul w. 27/29, 182 Hempel; wo der alte Peterka das vogelfutter mit dem wiegemesser klein machte Holtei erz. schr. (1861) 4, 10; die älteste wursthackmaschine (zeigt) die bewegungen des wiegemessers Bücher arbeit u. rhythmus (41899) 438.

 

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