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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
wiefe bis wiefern (Bd. 29, Sp. 1514 bis 1516)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) wiefe, wiffe, f., wohl nebenformen von 2weife 'grenzmarke' (teil 14, 1, 1, sp. 631). zeichen zur markierung der fahrrinne: der dampfer stiesz, weil das fahrwasser (im Bodensee) ohne gehörige bezeichnung durch die sogenannten wiefen, d. h. stangen und büschel aus tannen oder weiden, geblieben war, auf einen felsen Augsb. allg. ztg. (1855) nr. 302. dazu auch wohl: in strömendem wasser setzt man grundnetze zuweilen an stangen, die in den grund gestoszen sind. so werden im Rhein bei Konstanz, bei Gottlieben, die in einem spiralig verlaufenden bogen gesetzten stellnetze an pfählen, die weifen, wifen, hüllen genannt werden, befestigt Seligo fanggeräte (1914) § 132; als wiffe und in anderem sachzusammenhang: diejenigen pläze, wo das vieh nicht hüten oder wo man sich des weges nicht bedienen durfte, wurden mit einem hegewische oder andern zeichen angedeutet, welches im bairischen geseze wiffe genant wird Anton gesch. d. teut. landwirthsch. (1799) 1, 118.
 
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wiefel, m., f., nebenform zu feibel, feifel (teil 3, sp. 1432; s. auch wuf(f)el teil 14, 2, sp. 1736). 1) zungenfeifel beim pferde (Höfler krankheitsnamenb. 804): ain ros, das wiffel hat (an der ader unter der zunge) quelle v. 1505 bei Schmeller-Fr. bayer. 2, 864. 2) wifel, m., drüsengeschwür bei pferden Unger-Khull steir. 633. dazu wohl: für wiefl der pferdt oder die feifel quelle von 1571 bei Fischer schwäb. 6, 589. 3) augenfell (Höfler a. a. o.): hast du aber dye wyefel an den augen, das ist das dir dye augpra unten rot sint und vast unter sich zannen quelle bei Schmeller-Fr. bayer. 2, 864.

[Bd. 29, Sp. 1515]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) wiefel, m., unter einflusz von 2wiefeln (s. d.) entstandene nebenform zu wefel (teil 13, sp. 2849). 1) waffel et wiefel, der, alias eintrag oder garn, so von der weberspule in den zettel geschoszen wird Stieler stammb. (1691) 2451; wiefel, m. Kramer t.-ital. 2 (1702) 1347a; wiefel, m., wefel Rädlein t.-it.-frz. (1711) 1, 1060b. 2) art des künstlichen nähens: selbiges (strichgenähe) wird auff die alte art nach dem so genannten dupf mit lauter vollen und wiefel in ein gestrick genehet Marperger beschr. d. hanffs u. flachs (1710) 330.
 
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wiefeln, vb., schles. 'schnell vonstatten gehen': es wievelt nicht es nimmt nicht zu, wenn man mit etwas nicht bald fertig wird Berndt vers. z. e. sles. id. (1787) 161; zu hause mag ich sehr gerne fleiszig sein, ... da fliegt die feder nur so und die arbeit wievelt recht Holtei erz. schr. (1861) 15, 84. von Jungandreas schles. zeitwortbildung 76 zu mhd. wif 'schwung, schnelle bewegung' eestellt.
 
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wiefeln, wiebeln, wübeln, wif(f)eln, vb. , den einschlag machen; stopfen, nähen. mhd. wifelen. ein von wefel 'einschlag, gewebe' (teil 13, sp. 2849), webel (teil 13, sp. 2618) urspr. abgeleitetes jan-verb, das seit dem 13. jh. bezeugt ist (Hugo v. Trimberg renner 16 707; 213). die -f-form ist obd., die -b-form vorwiegend md.
1) den einschlag machen (vgl. DWB wefeln 1 teil 13, sp. 2851): liciare wiflen (1466 obd.) Diefenbach nov. gl. 234a; wiefeln, wifeln tramare tessendo, fare la trama ò il vivo della tela etc. Kramer t.-ital. 2 (1702) 1347a.
2) mit der nadel arbeiten: wifflen acu pingere, voc. von 1618 Schmeller-Fr. bayer. 2, 864; nach art der weibergestricke, darinnen sie wiebeln oder nehen Fleming vollk. teut. jäger (1719) 346. s. auch die belege unter gewifelt I teil 4, 1, 3, sp. 5798.
insbesondere:
a) (löcher in strümpfen, tüchern usw.) fein stopfen: wübeln oder stopffen heisset dem weibes-volck die in leinwand, caton, nestel- oder ander zartes tuch gerissenen löcher durch die darzu verfertigte stopffe-nadel dichte und sauber mit klaren zwirn wieder zufüllen und überstechen Amaranthes frauenz.-lex. (1715) 2135. mundartl. im md. und obd. weit verbreitet: wiebeln Jungandreas schles. zeitwortbildung 76; Müller-Fraureuth sächs. volkswörter 51; wibeln Hertel Thür. 257; wiebeln Vilmar-Pfister Hessen, nachtr. 334; wiflen, auch wiblen Fischer schwäb. 6, 810; wifeln, verwifeln mit der nadel einen risz an der leinwand so flicken, dasz das geflickte mit dem gewebe eine ähnlichkeit hat (Zürich, Schaffhausen, Glarus) Stalder schweiz. 2, 450. s. auch zuwiebeln teil 16, sp. 915.
b) eine ziernaht nähen: strich- oder stricknahd, ist eine kunst und wissenschaft mit weissen zwirn in ein gestrick entweder nach alter art nach dem so genannten dupff mit lauter vollen und wiefel oder nach der neuen mode nach dem riss, so gemeiniglich aus gestreuten blumen ... bestehen ... mit faden umzulegen, zu vollen, zu wiefeln, mit vielerley mödelein auszufüllen Amaranthes frauenz.-lex. (1715) 1913. dazu auch wohl:

und als, was sie (Penelope) beim tag thut wiffeln
thut sie bey nacht wider auff triffeln
Hans Sachs 12, 345 lit. ver.;

schlaffhauben, mit goldt genäht, darunder die zw gestrickht oder gewübelt inventar von 1583 bei Fischer schwäb. 6, 3418.
 
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wiefelwerk, n., wohl zu 2wiefeln 2 b. 'das mit ziernähten genähte': ein reistesz ('aus feiner leinwand bestehendes') paar leyllach mit wifelwerk vnnd crainerischer arbeith inventar von 1629 bei Unger-Khull steir. 633b.
 
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wiefling, wif(e)ling, verderbt auch wilfling, m., mhd. wifeling. eher von wefel in der bedeutung 'gewebe' (teil 13, sp. 2850) als von 2wiefeln 1 abgeleitet. nur im obd. bezeugt.

[Bd. 29, Sp. 1516]



1) 'grobes gewebe, zeug aus leinenem zettel und wollenem einschlag' Fischer schwäb. 6, 810 (s. dort belege aus dem 16.—19. jh.):

diu vor ein tuoch von garne truoc,
diu wil nu haben einen wifelinc (etwas geringeres)
Hugo v. Trimberg renner 12 777 lit. ver.;

wir hie gemacht dch köft, sie sient wis oder growe wifelinge oder berwer oder kembelin, ... der git von iedem tche 6 d. (1401) Straszb. tucher- u. weberzunft 22a Schmoller; war damals ein bursche von zwölf jahren. trug eine ungebleichte leinwandhose, eine jacke aus grauem wilfling und eine buntgestreifte zipfelmütze Rosegger schr. (1895) I 8, 236. als mundartlich bezeugt bei Fischer a. a. o.; Stalder schweiz. 2, 450; Schöpf Tirol 815; Unger-Khull steir. 633b.
2) weiberrock: Schwazer haube, mieder, wifling sind bei dem weibervolke ... selten geworden Steub drei sommer in Tirol (1895) 1, 383; wîfling, m., weiberrock der alten tracht Schatz Tirol 705; Fischer a. a. o.dazu die zss.
 
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-jacke, f.: etliche pfennige hatte er noch in der wilflingjacke gefunden Rosegger laszt uns v. liebe red. (1909) 173. —
 
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-kittel, m.: ihr anzug, ein grauer, schwarzgestreifter wiflingkittel mit der gleichfarbigen schürze und dem ... busentuch Rosegger schr. (1895) I 12, 159. —
 
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-rock, m.: mädchen in wiflingröcken Auerbach schr. (1892) 15, 127.
 
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wiefern, adv. , 'inwieweit'; konj., 'wofern, wenn'. heute meistens inwiefern, vgl. teil 4, 2, sp. 2151. lat. entsprechungen sind: quatenus Calepinus undec. ling. (1598) 1210a; quousque Diefenbach gloss. 481c; Calepinus undec. ling. (1598) 1218b; usquequo Diefenbach gloss. 630c.
1) interrogativ, satzeinleitend (in direktem und indirektem fragesatz) im sinne von 'inwieweit', 'in welchem grade'; seit dem 16. jh. üblich: wie fern vnd warinnen die weiber den mennern sollen folgen (überschrift) J. Barth weiberspiegel (1565) C 8a; wiefern ist im christianismus diese aufgabe gelöst? Novalis schr. 3, 43 Minor; wiefern aber eine art von absäurung bei mancher culmination mitwirke, wäre zu untersuchen (1808) Göthe II 1, 214 W.; (ich) müszte ... mir völlig vergegenwärtigen ..., wie der späte poetische bearbeiter jene angelegenheit ... angesehn und wiefern er dem würdigen original neuen dichterischen gehalt zu verleihen ... gewuszt habe (1827) ders. IV 42, 202 W.
2) als konjunktion zur einleitung konditionaler nebensätze in der bedeutung 'wofern', 'wenn' erst seit dem 18. jh. belegt: wieferne man nun hernach dasjenige, was von der causalität der causae zukommt ... als eine dem subjecte der causae inhärirende eigenschaft betrachtet: so hat man den begriff der kraft Crusius entwurf d. notw. vernunftwahrheiten (1745) 113; das, was zu dem ende geschahe, heiszt, wiefern die möglichkeit der wiedervereinigung mit gott dadurch erlangt wird, ohne unterschied bald die versöhnung, bald die heiligung ders., kurzer begriff d. moraltheol. 1 (1772) 699; die namen der letzteren, wie fern sie den halbgöttern ... aufwarten, sind im liede ... aufgeführt Gerstenberg ged. e. skalden 358 lit.-denkm.; die wahrheit an sich selbst, wiefern sie blosz in der harmonie alles unsers denkens besteht, gewährt genusz Fichte in: horen (1795) 1, 86; wir selbst schaffen nur, wiefern wir schon die herrlichkeit der schöpfung geschaut haben A. Jung br. über Gutzkows ritter v. geiste (1856) 134.

 

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