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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
wiedfest bis wiefe (Bd. 29, Sp. 1513 bis 1514)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) wiedfest, adj., durch binderuten befestigt. ein gewöhnlich in verbindung mit nagelfest (teil 7, sp. 266) begegnender juristischer terminus, das bezeichnend, was in gebäuden befestigt ist und beim wechsel des besitzers daraus nicht entfernt werden darf: am dornstage noch visitacionis Marie habe ich gelehen eyn haus Ha. Berbirstorff ... mit eczlichen czinsen etc., mit allen brawgeschirre, fenstern unde thörn ertfeste, naylfeste, wedefeste (1475) urk.-buch. d. st. Freiberg i. S. 3, 403 Ermisch; was erd- wied- und nagelfest ist Schottel haubtspr. (1663) 672; supellex, supellectilia allerley hausgeräthe, so nicht wid- und nagelveste ist Sperander alamodesprach d. Teutschen (1727) 704a; erd-, wied-, nied-, wand-, band-, mauer-, leim-, nagel- und wurzelfest lehnbrief v. j. 1827 bei Müller-Fraureuth obersächs. 2, 664. bildlich: sie übergiebt es (das herz) ihm hiermit aufs allerbeste, nebst allem, was daran erd- nieth- wied- nagel-feste Henrici ernst-, scherzh. u. sat. ged. (1727) 2, 476. —
 
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wiedholz, n., brennholz; s. witholz teil 14, 2, sp. 813. dazu wohl: (den gewürzgarten soll man mit sträuchern umsetzen und) darnach aber erst ... an wegholder oder widen holtz stangen binden vnd bogens weisz auffzihen Sebiz feldbau (1579) 237. —
 
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wiedmen, vb., s. widmen. —
 
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wiedring, m., reif aus einer gerte: (er löste) den wiedring, an dem er seinen eignen kahn nachgezogen hatte, und fuhr heim Vischer auch einer (1161920) 153; schleppt ein schmutziger bursch einen mächtigen fisch an einem wiedring, der durch die kiemen gezogen ebda 387. —
 
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wied(en)sauer, adj., sehr sauer wie ein weidenzweig (s. wiede 2 c): vor einem jahr hat uns gott einen widsauren wein gegeben quelle von 1609 bei Fischer schwäb. 6, 805. mundartlich: wid-, wĭden-, wīdensūr schweiz. id. 7, 1281; s. auch Fischer a. a. o.
 
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wied(en)schlinge, f.: (zum abtransport des erlegten wisents wurde) eine tragbahre aus jungen stämmen gefügt, die man mit starken wiedschlingen verband Vischer auch einer (1161920) 173;

[Bd. 29, Sp. 1514]


wiedenschlinge loop, noose, eye of a withe or gad Hoyer-Kreuter technol. wb. (1902) 1, 848. —
 
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wied(en)schneiden, n.: soviel aber das widschneiden belangt, dieweil solches zur einheimschung der früchte nicht wohl zu entrathen hohenl. jagd- u. forstordn. v. 1597 bei Fritsch corpus jur. venatorio-forest. (1702) 3, 248a; das wiedenschneiden musz aber ordentlich vorgenommen werden, wenn bei jungen höltzern kein schade geschehen soll allg. haush.-lex. (1749) 3, 722. —
 
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wied(en)stock, m. 1) 'gute widen liefernde weide' Fischer schwäb. 6, 3412. dazu wohl:

bald ward Zwingli gschoszen an,
derselb faul ehrlos ketzerman,
vom widstock mst er fallen
(Zw. war in der schlacht auf einen weidenbaum gestiegen) (1531) hist. volkslieder 4, 28 Liliencron.

2) hölzerner pfeiler mit einem loch, in das man die zu wieden bestimmten stämmchen mit dem dicken ende einkeilt, um sie auf dem dünnen ende mit der wiedstange zur wiede zu drehen: auf zwei faschinenbänke werden 3 wiedenstöcke gerechnet Hoyer allg. wb. d. artillerie (1804) 1, 5; der wiedstock Hartig forstl. convers.-lex (1836) 55; s. auch Fischer schwäb. 6, 3417. —
 
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wiedweich, adj., biegsam wie eine wiede: flexibilis das glimpfflich oder widweich, das sich leychtlich bügt oder wendt z gtem vnd z bösem Frisius dict. (1556) 53b.
 
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wief, wiff, adj., lebhaft, aufgeweckt, klug, schlau. entlehnt aus frz. vif. s. den artikel vif teil 12, 2, sp. 354, wozu das folgende nachzutragen ist: das wort, das die maa.-wbb. aus den verschiedensten teilen des dt. sprachgebietes verzeichnen: Doornkaat Koolman ostfries. 547; luxemb. wb. 487; Follmann Lothringen 541; Müller-Fraureuth obersächs. 2, 622; Schmeller-Fr. bayer. 2, 864; Schatz Tirol 705; Fischer schwäb. 6, 810; Martin-Lienhart elsäss. 2, 795; Seiler Basel 315, lebt vorwiegend in burschikoser umgangssprache. vereinzelte literarische belege treten seit dem 18. jh. auf: bin gott lob frisch und viv quelle von 1736 bei Fischer schwäb. 6, 810; ein harlekin ist ein schlanker wifer bursch Nestroy ges. w. (1890) 2, 188; aus dem gesinde des hofes und 'wiffen' leuten umliegender bauernhäuser will der verwalter eine truppe zusammenbringen, die komödie spielt Rosegger schr. (1895) III 9, 166.
 
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wiefe, wiffe, f., wohl nebenformen von 2weife 'grenzmarke' (teil 14, 1, 1, sp. 631). zeichen zur markierung der fahrrinne: der dampfer stiesz, weil das fahrwasser (im Bodensee) ohne gehörige bezeichnung durch die sogenannten wiefen, d. h. stangen und büschel aus tannen oder weiden, geblieben war, auf einen felsen Augsb. allg. ztg. (1855) nr. 302. dazu auch wohl: in strömendem wasser setzt man grundnetze zuweilen an stangen, die in den grund gestoszen sind. so werden im Rhein bei Konstanz, bei Gottlieben, die in einem spiralig verlaufenden bogen gesetzten stellnetze an pfählen, die weifen, wifen, hüllen genannt werden, befestigt Seligo fanggeräte (1914) § 132; als wiffe und in anderem sachzusammenhang: diejenigen pläze, wo das vieh nicht hüten oder wo man sich des weges nicht bedienen durfte, wurden mit einem hegewische oder andern zeichen angedeutet, welches im bairischen geseze wiffe genant wird Anton gesch. d. teut. landwirthsch. (1799) 1, 118.

 

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