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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
wiedewalch bis wied(en)stock (Bd. 29, Sp. 1512 bis 1514)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version)  -walch (doch wird vielfach das auslautende ch als alt angesehen und dem guttural in lit. volung, slav. *vlga gleichgesetzt): Hugo von Trimberg renner, s. o.; Diefenbach nov. gl. 273b s. o.; (15. jh. md.) ders., gl. 257b; Stalder schweiz. 2, 450. zu
 
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-wald: allg. haush.-lex. (1749) 3, 754; Heppe wohlred. jäger (1779) 414; Liechtenstein-Schiffner allg. dt. sachwb. 10, 417; Stalder schweiz. 2, 450; Frischbier pr. 1, 82; hierher wohl auch wildwald teil 14, 2, sp. 131. — das -a- verdumpft gelegentlich zu -o-, dazu vgl. o. Frischlin, Decimator thes. (1608) 551a, widewohl Rollenhagen (s. u.); widwol Aler dict. (1727) 2, 2186b; wittwohl Nemnich dt. wb. d. naturgesch. 653; in dieser form stellt sich der name neben die unten erwähnten konkurrierenden rufnachahmungen.
stärkere umformungen erfährt das wort in den modernen mundarten. während die hauptform wiedewal u. a. durch brem.-nieders. wb. 5, 249, Mensing schlesw.-holst. 5, 623, Danneil altmärk. 247, Frischbier pr. 1, 82 bezeugt ist, herrschen besonders in den nordwestdeutschen maa. formen mit konsonantensymmetrie in beiden teilen des wortes: varianten zu wielewale, wuilewale vgl. u. a. zs. f. rhein. u. westf. volkskde 24, 131 ff. und 28, 40 f., Müller rhein. wb. 2, 1171, Böning Oldenburg 153; zu wiege(l)wage(l) vgl. wigelwagel brem.-nds. wb. 5, 251 sowie wiegelwagel Mensing schlesw.-holst. 5, 625 mit der auch sonst auftretenden erklärung 'wegen seines schwankenden nestes so genannt' (also angelehnt an lautspielendes wiegelwageln, s. 1wiegeln sp. 1525), wigelwagel Böning Oldenburg 132, auch wigewaoge Frederking Hahlen 174; auch literarisch: noch nie hatte der wigelwagel so süsz in den hofeichen gesungen H. Löns d. letzte Hansbur (1909) 15. die auflösung von wiedewal in mundartl. sonderformen wird begleitet von der tendenz, den ruf des vogels mit den tragenden vokalen i und o nachzuahmen, die dem alten namen des pirols seit dem frühnhd. durch neubildungen verschiedener art starke einbusze gebracht hat, s. unter bierholer teil 1, sp. 1824; gerolf teil 4, 1, 2, sp. 3732; pirol teil 7, sp. 1867; schulze von Bülau, Milo, Tiro u. ä. teil 9, sp. 1994; tyrolt teil 11, 1, 2, sp. 1998; zierolf teil 15, sp. 1221 (weiteres bei M.-L. Rosenthal dt. jahrb. f. volkskde 4, 177).
der vogelname wird zuerst fälschlich für 'herodius': wílder-valch oder wítwal (13. jh.) ahd. gl. 3, 23, 19 St.-S. eingesetzt, und steht dann bis in die frühnhd. glossare für oriolus, galbula (-us), galgulus, ictua (icter) und auch ganga, tereus, turdus. dasz mehrmals chlorion (chloris, chloreus) und vireo gebucht sind, wird auf verwechslung des unscheinbaren grünen pirolweibchens mit dem grünfinken beruhen (reine namenverwechslung liegt upupa widewale [15. jh.] Diefenbach gl. 629c zugrunde, s. wiedehopf sp. 1506):

[Bd. 29, Sp. 1513]


in maniges armen mannes munde
verdirbet wort und witze vil,
...
sîn kele er würget als ein wergel,
...
als ein witewalch er kallet,
swenne er von tiefer künste schallet
Hugo von Trimberg renner 8733 Ehrism.

gern als reimwort zu nachtigall:

ûz dem loube singent witewal,
...
in den ouwen dœnent nahtegal
Konrad von Landeck in: schweiz. minnesinger 238 Bartsch;

dabei vorwiegend in niederrhein. tradition:

kalandrin ind nachtegalle,
troeschelen ind wedewale,
de sungen da zo stryde Karlmeinet 88, 32 Keller;

alz droexel, star und weduwal,
finckel, zisel und nachtegal
singen mengen suesszen schal
bruder Hans 4075 Minzloff;

sy horten lute singen
dy lerchen vnd dy nachtegal,
dy troszel vnd dy wedewal
vnd dy siessze kalander md. Karl u. Elegast 516 Quint.

wenn die holderblüt kreucht herfür
vnd im dorff rufft der widewohl:
pfingsten ist da, bawr dein bier hohl
Rollenhagen froschmeuseler (1621) Gg 4b;

sieh! itzt erklimmt des knaben kühne kraft
des baumes höh und gleich dem wiedewall
miaut und singt er pflückend
Krummacher kinderwelt (1806) 89;

seine zuversichtliche stimmung wurde noch durch den jauchzenden jubelruf des widewals gehoben ... 'vogel Bülow!' J. Lauff Pittje Pittjewitt (1903) 347.
 
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wiedewinde, f., s. wehdwinde teil 14, 1, 1, sp. 67 und Wissmann bei Marzell wb. d. dt. pflanzennamen 1, 11 38 f.
 
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wiedfest, adj., durch binderuten befestigt. ein gewöhnlich in verbindung mit nagelfest (teil 7, sp. 266) begegnender juristischer terminus, das bezeichnend, was in gebäuden befestigt ist und beim wechsel des besitzers daraus nicht entfernt werden darf: am dornstage noch visitacionis Marie habe ich gelehen eyn haus Ha. Berbirstorff ... mit eczlichen czinsen etc., mit allen brawgeschirre, fenstern unde thörn ertfeste, naylfeste, wedefeste (1475) urk.-buch. d. st. Freiberg i. S. 3, 403 Ermisch; was erd- wied- und nagelfest ist Schottel haubtspr. (1663) 672; supellex, supellectilia allerley hausgeräthe, so nicht wid- und nagelveste ist Sperander alamodesprach d. Teutschen (1727) 704a; erd-, wied-, nied-, wand-, band-, mauer-, leim-, nagel- und wurzelfest lehnbrief v. j. 1827 bei Müller-Fraureuth obersächs. 2, 664. bildlich: sie übergiebt es (das herz) ihm hiermit aufs allerbeste, nebst allem, was daran erd- nieth- wied- nagel-feste Henrici ernst-, scherzh. u. sat. ged. (1727) 2, 476. —
 
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wiedholz, n., brennholz; s. witholz teil 14, 2, sp. 813. dazu wohl: (den gewürzgarten soll man mit sträuchern umsetzen und) darnach aber erst ... an wegholder oder widen holtz stangen binden vnd bogens weisz auffzihen Sebiz feldbau (1579) 237. —
 
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wiedmen, vb., s. widmen. —
 
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wiedring, m., reif aus einer gerte: (er löste) den wiedring, an dem er seinen eignen kahn nachgezogen hatte, und fuhr heim Vischer auch einer (1161920) 153; schleppt ein schmutziger bursch einen mächtigen fisch an einem wiedring, der durch die kiemen gezogen ebda 387. —
 
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wied(en)sauer, adj., sehr sauer wie ein weidenzweig (s. wiede 2 c): vor einem jahr hat uns gott einen widsauren wein gegeben quelle von 1609 bei Fischer schwäb. 6, 805. mundartlich: wid-, wĭden-, wīdensūr schweiz. id. 7, 1281; s. auch Fischer a. a. o.
 
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wied(en)schlinge, f.: (zum abtransport des erlegten wisents wurde) eine tragbahre aus jungen stämmen gefügt, die man mit starken wiedschlingen verband Vischer auch einer (1161920) 173;

[Bd. 29, Sp. 1514]


wiedenschlinge loop, noose, eye of a withe or gad Hoyer-Kreuter technol. wb. (1902) 1, 848. —
 
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wied(en)schneiden, n.: soviel aber das widschneiden belangt, dieweil solches zur einheimschung der früchte nicht wohl zu entrathen hohenl. jagd- u. forstordn. v. 1597 bei Fritsch corpus jur. venatorio-forest. (1702) 3, 248a; das wiedenschneiden musz aber ordentlich vorgenommen werden, wenn bei jungen höltzern kein schade geschehen soll allg. haush.-lex. (1749) 3, 722. —
 
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wied(en)stock, m. 1) 'gute widen liefernde weide' Fischer schwäb. 6, 3412. dazu wohl:

bald ward Zwingli gschoszen an,
derselb faul ehrlos ketzerman,
vom widstock mst er fallen
(Zw. war in der schlacht auf einen weidenbaum gestiegen) (1531) hist. volkslieder 4, 28 Liliencron.

2) hölzerner pfeiler mit einem loch, in das man die zu wieden bestimmten stämmchen mit dem dicken ende einkeilt, um sie auf dem dünnen ende mit der wiedstange zur wiede zu drehen: auf zwei faschinenbänke werden 3 wiedenstöcke gerechnet Hoyer allg. wb. d. artillerie (1804) 1, 5; der wiedstock Hartig forstl. convers.-lex (1836) 55; s. auch Fischer schwäb. 6, 3417. —

 

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