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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
wieden bis wiedewinde (Bd. 29, Sp. 1510 bis 1513)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) wieden, vb., jäten, s. DWB wieten.
 
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wieden, vb. , mhd. widen. zu wiede.
1) 'mit einer wiede schlagen', dann auch allgemein 'schlagen, peinigen':

dâ wart mit swerten wol gewit
Wolfram v. Eschenbach Willehalm 397, 24 Lachmann;

unser herre Iesus Crist
liez sich an dem kruze widen
und hat durch dich den tot geliden passional 466 Köpke.

in nhd. zeit nur noch mundartl. im Elsasz bezeugt: witə mit einer gedrehten weidenruthe prügeln Mankel ma. d. Münstertals 172.
2) 'mit einer wiede binden':

sy (die herrin) sprach: gesell, es ist der sitt,
ich hab nit me ze widen noch ze schneiden liederbuch der Hätzlerin 84 Haltaus;

[Bd. 29, Sp. 1511]


was gewidet und genietet ist im haus jurist. quelle d. 2. hälfte d. 17. jhs. bei Schmeller-Fr. bayer. 2, 859; die kläseuch' (klauenseuche) haben die ochsen und können halt jetzt nicht ziehen. so wiedet's die kuh ins joch Rosegger schr. (1895) III 8, 146. vgl. dazu die komposita aufwieden und anwieden:

der man (jedermann) der houwe sîne wit
und widet ûf sunder iuriu lit
(die euch zukommenden glieder des erlegten hirsches)
Gottfried v. Straszburg Tristan 3048 Bechstein;

anwêen mit weidenruten befestigen Böning Oldenburg 130.
3) 'zur wiede drehen': (die arbeitsleute) sollen die gresz (grösze) und sterk haben, dasz die mansperson ain jochwid widen ... künn (Tirol 1716) österr. weist. 4, 45. dann auch allgemein 'drehen':

solde mir ein tot kumen,
man solde mir den lib verdrumen
so hin mit enzelen geliden.
die zunge uz dem houbte widen,
die ougen ouch verbrechen passional 357 Köpke;

etwas wieden es drehen; sich wieden sich hin und her wenden Schmitz Eifel 233; widdn sich drehen Kisch vgl. wb. 247a; wîdn (Pustertal) an etwas drehen, zerren, mühsam arbeiten Schatz Tirol 703.
 
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wiedenschwert, n., wiede, die das kind beim spiel als schwert verwendet:

mich ruft der lenz ins tummelfeld,
wo ich als wie ein groszer held
mit meinem langen wiedenschwerte,
mit meinem stolzen steckenpferde,
mit meinem bunten bleisoldat
als feldherr heldenstreiche that
K. H. Seifried poet. w. (1808) 1, 106.


 
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wiede(n)tonne, f., tonne mit wieden als reifen (vgl. wiede 1 l)?: primo 12 leste salczs, 15 leste lediger tonnen, 16 leste wedetonnen (1404) handelsrechn. d. dt. ordens 10 Sattler u. ö.
 
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wiedenzäh, adj., sehr zäh. österreichisch: beim fleischhacker im dorfe ... kriegt man ein wiedenzähes luder Rosegger schr. (1895) III 6, 321; vgl. Loritza Wien 143; Unger-Khull steir. 632a.
 
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wieder, adv., s. o. sp. 884.
 
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wieder-zusammensetzungen s. o. sp. 895 ff.
 
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wiedewal, wittewal, m., pirol, oriolus galbula L. mhd. witewal; mnd. wedewal; mnl. weduwale, wedewale; nl. weduwaal, wielewaal; mengl. wudewale; engl. witwall (dafür auch woodwall, in mod. gebrauch beides für den grünspecht). der erste teil der zusammensetzung entspricht idg. *idhu- 'baum' Walde-Pokorny 1, 314; zu dessen vorkommen und formen im deutschen vgl. teil 14, 2, sp. 808 ff. der zweite bestandteil findet sich vielleicht in engl. hickwall 'grünspecht' wieder, er dürfte mit Endzelin zs. f. vgl. sprachforschg. 52 (1924) 123 neben die namen des gleichen vogels lit. volung, lett. vāluōdze, russ. , slowen. vółga, tschech. vlha, poln. wilga und weiter zu av. vārə(n)gan- 'name eines vogels', poln. wolać 'rufen' zu stellen sein. vgl. auch Kluge etym. wb. 17552 s. v. pirol, Suolahti vogeln. 169 ff., Vasmer russ. et. wb. 1, 469, Specht ursprung der idg. dekl. 172.
die obd. (vorwiegend alem.) leitform witewal ist mit ihren varianten mhd. und frühnhd. gut bezeugt: wítwal, witewal (13. jh.) ahd. gl. 3, 23, 19f. St.-S.; witwal (um 1300) zs. f. dt. wortf. 5, 20; witewal (15. jh.) ahd. gl. 3, 23, 20 St.-S.; wittewal Frisius dict. (1556) 597a. mnd. normalform ist wedewal: (13. jh.) ahd. gl. 3, 365, 62 St.-S.; (anf. 15. jh.) altpreusz. monatsschrift n. f. 5 (1868) 484; wedewale (1420) Diefenbach gl. 283c; voc. opt. (Magdeb. 1495) p 5b. im md. entsteht der die obd. und nd. tradition verbindende typ widewal, wiedewal (auch gerundet -wol s. u.), der seit dem 16. jh. auch bei glossatoren obd. und nd. herkunft auftritt (vgl. u. Frischlin; Decimator,

[Bd. 29, Sp. 1512]


Aler) und zur nhd. hauptform wird; vgl. schon mit anderer fugenfüllung widderwayl (15. jh.) Diefenbach gl. 283c: widwol voc. rei num. (Wittenberg 1558) G 4a, Frischlin nomencl. (1586) 59a; wiedewal Faber thes. (1587) 168b, Decimator thes. (1608) 230a, Corvinus fons lat. (1646) 982, Aler dict. (1727) 2, 2193b. die form wiedewal wird im nhd. durch wiedehopf gestützt, s. d. gelegentlich finden sich umbildungen von wite-, wede-, wide-, wiede-, teilweise sicher in etymologisierender anlehnung an andere wörter: wittenwalch (Landau 1466) Diefenbach nov. gl. 273b; wytenwal Frisius dict. (1556) 218; wiedenwahl Reyher thes. (1668) 1, 1037. wyderwalche (15. jh. md.) Diefenbach gl. 257c; widderwayl, widdelwayl (15. jh. md.) ebda 283c; wiederwal Rädlein t.-ital.-frz. (1711) 1060b. gelegentliche ei-formen, die bei wit 'wald, holz' fehlen: weidenwalch Hugo von Trimberg renner 8733 Ehrism. (var. d. 15. jhs.); weidewal Dasypodius dict. (1547) Kk 4b; weidwal Henisch teutsche spr. (1616) 578 wohl durch anlehnung an weide 'salix'.
wegen seiner offenbar schon mhd. verlorenen eigenbedeutung erfährt besonders der zweite teil des wortes umdeutungen (so vielleicht schon in den belegen für 'herodius', s. u.); zu
 
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-walch (doch wird vielfach das auslautende ch als alt angesehen und dem guttural in lit. volung, slav. *vlga gleichgesetzt): Hugo von Trimberg renner, s. o.; Diefenbach nov. gl. 273b s. o.; (15. jh. md.) ders., gl. 257b; Stalder schweiz. 2, 450. zu
 
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-wald: allg. haush.-lex. (1749) 3, 754; Heppe wohlred. jäger (1779) 414; Liechtenstein-Schiffner allg. dt. sachwb. 10, 417; Stalder schweiz. 2, 450; Frischbier pr. 1, 82; hierher wohl auch wildwald teil 14, 2, sp. 131. — das -a- verdumpft gelegentlich zu -o-, dazu vgl. o. Frischlin, Decimator thes. (1608) 551a, widewohl Rollenhagen (s. u.); widwol Aler dict. (1727) 2, 2186b; wittwohl Nemnich dt. wb. d. naturgesch. 653; in dieser form stellt sich der name neben die unten erwähnten konkurrierenden rufnachahmungen.
stärkere umformungen erfährt das wort in den modernen mundarten. während die hauptform wiedewal u. a. durch brem.-nieders. wb. 5, 249, Mensing schlesw.-holst. 5, 623, Danneil altmärk. 247, Frischbier pr. 1, 82 bezeugt ist, herrschen besonders in den nordwestdeutschen maa. formen mit konsonantensymmetrie in beiden teilen des wortes: varianten zu wielewale, wuilewale vgl. u. a. zs. f. rhein. u. westf. volkskde 24, 131 ff. und 28, 40 f., Müller rhein. wb. 2, 1171, Böning Oldenburg 153; zu wiege(l)wage(l) vgl. wigelwagel brem.-nds. wb. 5, 251 sowie wiegelwagel Mensing schlesw.-holst. 5, 625 mit der auch sonst auftretenden erklärung 'wegen seines schwankenden nestes so genannt' (also angelehnt an lautspielendes wiegelwageln, s. 1wiegeln sp. 1525), wigelwagel Böning Oldenburg 132, auch wigewaoge Frederking Hahlen 174; auch literarisch: noch nie hatte der wigelwagel so süsz in den hofeichen gesungen H. Löns d. letzte Hansbur (1909) 15. die auflösung von wiedewal in mundartl. sonderformen wird begleitet von der tendenz, den ruf des vogels mit den tragenden vokalen i und o nachzuahmen, die dem alten namen des pirols seit dem frühnhd. durch neubildungen verschiedener art starke einbusze gebracht hat, s. unter bierholer teil 1, sp. 1824; gerolf teil 4, 1, 2, sp. 3732; pirol teil 7, sp. 1867; schulze von Bülau, Milo, Tiro u. ä. teil 9, sp. 1994; tyrolt teil 11, 1, 2, sp. 1998; zierolf teil 15, sp. 1221 (weiteres bei M.-L. Rosenthal dt. jahrb. f. volkskde 4, 177).
der vogelname wird zuerst fälschlich für 'herodius': wílder-valch oder wítwal (13. jh.) ahd. gl. 3, 23, 19 St.-S. eingesetzt, und steht dann bis in die frühnhd. glossare für oriolus, galbula (-us), galgulus, ictua (icter) und auch ganga, tereus, turdus. dasz mehrmals chlorion (chloris, chloreus) und vireo gebucht sind, wird auf verwechslung des unscheinbaren grünen pirolweibchens mit dem grünfinken beruhen (reine namenverwechslung liegt upupa widewale [15. jh.] Diefenbach gl. 629c zugrunde, s. wiedehopf sp. 1506):

[Bd. 29, Sp. 1513]


in maniges armen mannes munde
verdirbet wort und witze vil,
...
sîn kele er würget als ein wergel,
...
als ein witewalch er kallet,
swenne er von tiefer künste schallet
Hugo von Trimberg renner 8733 Ehrism.

gern als reimwort zu nachtigall:

ûz dem loube singent witewal,
...
in den ouwen dœnent nahtegal
Konrad von Landeck in: schweiz. minnesinger 238 Bartsch;

dabei vorwiegend in niederrhein. tradition:

kalandrin ind nachtegalle,
troeschelen ind wedewale,
de sungen da zo stryde Karlmeinet 88, 32 Keller;

alz droexel, star und weduwal,
finckel, zisel und nachtegal
singen mengen suesszen schal
bruder Hans 4075 Minzloff;

sy horten lute singen
dy lerchen vnd dy nachtegal,
dy troszel vnd dy wedewal
vnd dy siessze kalander md. Karl u. Elegast 516 Quint.

wenn die holderblüt kreucht herfür
vnd im dorff rufft der widewohl:
pfingsten ist da, bawr dein bier hohl
Rollenhagen froschmeuseler (1621) Gg 4b;

sieh! itzt erklimmt des knaben kühne kraft
des baumes höh und gleich dem wiedewall
miaut und singt er pflückend
Krummacher kinderwelt (1806) 89;

seine zuversichtliche stimmung wurde noch durch den jauchzenden jubelruf des widewals gehoben ... 'vogel Bülow!' J. Lauff Pittje Pittjewitt (1903) 347.
 
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wiedewinde, f., s. wehdwinde teil 14, 1, 1, sp. 67 und Wissmann bei Marzell wb. d. dt. pflanzennamen 1, 11 38 f.

 

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