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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
wiechen bis wiedehopfenstein (Bd. 29, Sp. 1497 bis 1510)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) wiechen, wieken, weichen, wicken, vb. (in der form wiechen zufällig nicht belegt). eine wunde mit einer wieche (s. d. unter B 3) ausstopfen, behandeln:

di wunde und daz eiter
und der slac, geloufen uf
von vil manchen grozen puf,
ist biz czu diesen stunden
gewiket noch gebunden
Tilo v. Kulm von siben ingesigeln 2176 Kochendörffer;

darnach, fragete er, was eyner vorbreche, der den andern wont slehit? dar vff antworten sie vnd sprachen, daz eyne wonde, die man wyken musz, die gyldet den herren zwo mark, die sal der geben, der sie machet (Taunus 1383) weist. 1, 548 J. Grimm; wiecken (Hunsrück 1407) ebda 2, 218; auch bedorffest du jm nichs meysseln adder wicken, wen das öll vnd dy salbe vnnd der wundtrangk lassen dy wunden nicht tzw heylen (1460) Heinrich v. Pfolspeundt bündth-ertznei 12 Haeser-M. anders fassen die bedeutung Stieler: wicken ... turundas torqvere, qvod tamen ab usu recessit, stammb. (1691) 2530; und Kramer: eine weiche ò wieche drehen, weichen fare, torcere, immollare una tasta, t.-ital. 2 (1702) 1291a.
 
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wiechengarn, wichen-, wickegarn, n., dochtgarn. zu wieche B 2 a. nur westmd.: das wichengarn (Aschaffenburg) baumwolle zu dochten für öllampen gedreht Schmeller-Fr. bayer. 2, 835; weikegarn, wickegarn Schmidt Westerw. 325; weekegaan Hönig Köln 200a; wickegâr luxemb. ma. 486. dann auch 'lampendocht': wekegare Tonnar-Evers Eupen 227; wëckejar Rovenhagen Aachen 160.
 
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wiechlein, wicklein, (mundartl. -el, -le), n., diminutiv zu wieche, wicke.

[Bd. 29, Sp. 1498]



1) zu wieche B 1 'faserbündel, insbes. die zum abspinnen um den rocken gewickelte fasermenge' (s. a. das gleichbed. 2wickel 1). schon ahd.meist mit inlautender obd. affrikatareich belegt: (prunas) maniplis (confovere) stuppeis vuicchilinun zunterinun (11. jh.) ahd. gl. 2, 453, 20 St.-S.; pensa uuicchili (11. jh.) ebda 720, 70; penso uuikiline (dat. sg.; 11. jh.) ebda 712, 40; pensum wichili (11. jh.) ebda 3, 624, 62; wickelin (12. jh.) ebda 253, 39. das oben unter 2wickel 1 angeführte wichel (13. jh.) ebda 306, 58 ist von Steinmeyer mit recht aus wiehel gebessert worden, da dieser beleg sonst als einziger zu der bedeutung von wieche B 1 die lautform von wieche A 2 zeigen würde. die erst im frühnhd. wieder einsetzende bezeugung reicht bis ins 18. jh.: stuppa heyden wickly vel rist werck (1466, obd.) Diefenbach nov. gl. 351b; pensum ein wichkel flachs, das man an legt vnd dar von spint voc. pred. (1486) T 3a; globus lanae wickle wullen Emmel nom. quadr. (1592) 327; wicklen pensum, manipulus lini Aler dict. (1727) 2, 2183b; wo ain schofwoll fürgenomen ist, daraus zespinnen ... scharlach tech ..., dieselb woll wirt getailt in vil wikel, die vngleich werden. eins lsst sich schon spinnen, dann es ist zugig vnd tglich z scharlach. das ander wickel ist vnzügig, daraus nichts anders werden mag dann grob loden tech. deszhalb kumbt des ainen wikels woll im scharlach zum knig. des andern wickels woll kumbt im loden zumm ackerman, wiewol bede wickel ainer woll vnd natur seinn Berthold v. Chiemsee teutsche theol. 204 Reithm.; das wickel, das an die gunkel ist gebunden, ist Christus Jesus vnnser herr Keisersberg gaistl. spinnerin (1510) a 6a; wenn zu Rom ein newer bapst erwehlet und gekrönet wird, dasz einer ein wickelein flachs an einer stangen mit fewr anzündet G. Mayer hist. lustgarten (1625) 1, 609. die wendung sein wicklein abspinnen meint 'seine pflicht tun': der eüsserlich gottesdienst verfürt die gantze welt, dann damit meinet der mensch, er hab nun mit gott feyerabent gemacht, vnd sein wickle abgespunnen S. Franck paradoxa (1558) 117a. in neuerer zeit nur noch mundartl. im obd. gebräuchlich: wickelein 'soviel an flachs oder wolle als jedesmal zum abspinnen um den rocken gewickelt wird' Schmeller-Fr. bayer. 2, 847. mit ähnlichen bedeutungsangaben: wikkele, n. Schatz Tirol 705; wick˙l, n. (Burgenland) dt. maa. 6, 347 Frommann; wickel, wickerl, n. Unger-Khull steir. 631a; wicklein Fischer schwäb. 6, 752; wikxli (veraltet) Clausz Uri 144; 's wiggeli Seiler Basel 315; wickel, n., büschel leicht in einen zopf geflochtenen hanfes, wie er in die reibmühle getan wird Stalder schweiz. 2, 448.
2)
a) zu wieche B 2 a 'docht':

man saczt im ze dem haubt sein
ein lampen, die was ein rubein,
die was aus gedrett woll
und was edels palsams voll
dar in was ein wikel chlain
gemacht von abeston (asbest) dem stain
Seifrit Alexander 5875 Gereke;

ain wikhel oder zachen feuerbuch von 1591 bei Schmeller-Fr. bayer. 2, 847.
b) zu wieche B 2 b 'zündschnur, lunte': mach darein ein wicklein oder zochen, zu dem feuerwerck gehörig Fronsperger kriegsbuch 2 (1573) 202b.
3) zu wieche B 3 'spitzer, gedrehter pfropfen oder bausch zur wundbehandlung': nim gebrant saltz, wisszen weinstein ... vnd mache ein sälblin dorusz, vnd lege sye jm in die fystelen mit wyechlin oder fäszen Gersdorff wundtartzney (1517) 61a; mache nur ein gerecht und bequeme meiszlin oder wicklin von flachs ..., stecke es von unten auff in den schaden Bartisch augendienst (1583) 149b; die wicklin, so die balbirer in die wunden drehen Faber thes. (1587) 275a; mache auch leinene wicklein, duncke sie darein Bapst v. Rochlitz wacholder garten (1605) 75.
 
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wied, m., wald, holz, s. wit teil 14, 2, sp. 808.

[Bd. 29, Sp. 1499]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) wiedband, wiedenband, n., dass. wie wiede 1: fascia eyn widenbant (westmd., 1476) Diefenbach nov. gl. 167b; nemlich da starcke bawhöltzer 35. oder 40. schh lang, mit eisen oder starcken widbanden zusammen gebunden seind Fickler v. Weyl Olai Magni hist. (1567) 252; wieden-band vimineum retinaculum, vinculum, tomex Aler dict. (1727) 2, 2187a. —
 
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wied(e)(n)baum, m. (vgl. Marzell wb. d. dt. pflanzenn. 5, 619). 1) viburnum lantana, dass. wie DWB wiede 4 c: schlingbaum, wiedebaum viburnum Calvisius thes. lat. sermonis (1666) 35; viburnum lantana wiedbaum Reinwald Henneberg (1793) 1, 211; widenbam (Berner Oberland) schweiz. id. 4, 1249. 2) frangula alnus (in dieser bedtg. ist das 1. element = weide, s. Marzell 2, 483): wiede-baum wird an einigen orten der faulbaum genannt, weil sein holtz wegen seiner zähigkeit vor andern gut zu wieden zu gebrauchen ist Zincke allg. öcon. lex. (1744) 3202; von dem patscherpen, scherpken- oder haubeeren-holtze, theils orten auch pabst- und wiede-baum genannt Döbel neueröffn. jägerpract. (1754) 3, 17; der wiedebaum Adelung 4 (1801) 1530. 3) prunus padus, der traubenkirsch- oder vogelbeerbaum: wiedebaum Nemnich dt. wb. d. naturgesch. (1796) 645; Campe 5 (1811) 706. 4) weidenbaum, dass. wie DWB wiede 4 a: wedenboom Richey id. Hamburg. (1755) 336; wiedebam Follmann Lothr. 541. —
 
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wiedbein, n., schlüsselbein. mnd. wedebên, afries. widubên, ags. wiþobān, anord. viðbein(a). im gegensatz zum mnd. (belege s. bei Schiller-Lübben 5, 644) ist diese alte germ. bezeichnung des schlüsselbeins im hd. nur vereinzelt bezeugt: aber diese zwei kinder seind also mit jhren bäuchen und leiben zusammen gewachsen, das gleich wie ein leib gewesen, oben vom widbeine oder halsbeine, bisz hinunder zum nabel Henricpetri general hist. (1577) 219; M. Chr. Irenäus von seltzamen wundergeburten (1584) P 1b.
 
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wiede, f. , binderute. ein alter -ti-stamm *wiþi (und wiði-?), der auf das dt. beschränkt ist: ahd. uuithi pl., uuid, uuit, mhd. wid(e), wit, f.; as. with (dazu das kompositum stierwith 'ruderring'); mnl. wede, f., neben sich jedoch einen in der bedeutung z. t. abweichenden westgerm.-nordgerm. jô- oder jôn-stamm (wodurch im westgerm. geminata -þþ- bewirkt wird) hat (ahd. witta, f., 'haarband' ist aus lat. vitta entlehnt, s. Schatz § 195): mnl. wisse '(weiden)zweig, band, strang'; nnl. wisse, f., 'durch zweige zusammengebundene menge (brenn) holz'; afries. withthe, f., 'halsband'; ags. wiþþe, f., 'weidenzweig, riemen, strick'; nengl. with(e); anord. við (gen. viðjar), viðja, f., 'gedrehtes band'; norw. vidja, f., 'weide, gedrehter zweig'; dän. vidje 'rute, weide'; schwed. vidja 'weidengerte' (daraus entlehnt finn. vitja 'kette' Collinder d. urgerm. lehnwörter im finn. 1 [1932] 53) sowie einen got. ô- oder ôn-stamm im kompositum kunawida, f., 'fessel'; vgl. ahd. khunawithi 'catenae' und ags. cynewiððe 'diadem'. wie ahd. wîda, nhd. weide, gr. ἰτέα 'weide', lat. vītis 'rebe', lit. vytìs 'rute, gerte' gehört das wort zur idg. wurzel *ei- 'drehen, biegen', die vielfach auf biegsame zweige, flechtwerk usw. angewandt wird (Walde-Pokorny 1, 223 f.; Pokorny 1120 f.).
das genus ist durchweg das fem.; frühnhd. und mundartlich begegnen gelegentlich das mask.: junger wid Sebiz feldbau (1580) 324; wit, m. Meisinger Rappenau 232 und das neutr.: die wede et das wied Stieler stammb. (1691) 2452; wed, wet, n. (neben dem fem. wede) Schambach Göttingen 290a. — die bei mhd. wide zu erwartende dehnung des stammsilbenvokals in offener silbe ist im hd. zufrühest aus dem 14. jh. bezeugt: bi der wied Tilo v. Kulm von siben ingesigeln 1146. daneben gilt jedoch auch weiterhin kürze, wie vereinzelte schreibungen mit doppelkonsonant zeigen: widde Nicolaus v. Jeroschin kronike v. Pruzinlant 26 807 Strehlke; widden Zimmer. chron. 21, 428 Barack; witten Herberger hertzpostilla (1613) 1, 521; wedde V. Weber sagen d. vorzeit (1790) 2, 106. mundartl. ist die kürze heute im alem. u. westmd. meist bewahrt, während im bair.-österr. und ostmd. wie auch im nd. fast

[Bd. 29, Sp. 1500]


durchweg dehnung eingetreten ist. orthographisch konkurrieren im frühnhd. wid(e) und wiede, bis letzteres sich im 18. jh. durchsetzt. während Kramer noch zwischen wid und wied t.-ital. 2 (1702) 1341b schwankt, haben sich die wbb. seit Hayme jur. lex. (1738) 1333 für wiede entschieden. senkung des i>e begegnetauszer im nd.gelegentlich im md.: restis wet (15. jh., md.) Diefenbach gl. 495b. — inlautendes t für d tritt häufiger bei ostmd. schriftstellern auf: wiedte Herberger hertzpostilla (1613) 1, 145; wiete Lohenstein Arminius (1689) 2, 626b; wieten (pl.) G. W. v. Rheinbaben poet. übersetzungen (1711) 76. vgl. mundartl. wîde, wîte, f. Weinhold beitr. z. e. schles. wb. 105; wîte, f. Knothe Nordböhmen 544.
die flexion ist ursprünglich die eines fem. kurzen i-stammes, also nom. sg.: flagrum vuid (10. jh.) ahd. gl. 2, 374, 16 St.-S.; retorta wit (11. jh.) ebda 3, 287, 33; torta with (13. jh.) ebda 371, 34; dat. sg. im kompositum: temone sub uno untar eineru languidi (11. jh.) ebda 2, 361, 6 (langwiede teil 6, sp. 185 gehört nur formal zu wiede, der bedeutung nach stellt es sich zu wit 3 teil 14, 2, sp. 811); nom. pl.: loconie uuithi (ende 8. jhs.) ebda 1, 204, 37; so auch im kompositum: catene khunauuithi (ende 8. jhs.) ebda 38; akk. pl.: umbi cuoniouuidi (1. Merseburg. zauberspr.) kl. ahd. sprachdenkm. 365 Steinm. nach dem gen., dat. sg. mhd. wide (belege s. unten) ist ein nom.-akk. sg. mit -e gebildet: ein starkiu wide Wirnt v. Gravenberc Wigalois 6277 Kapteyn; die wide (akk.) kaiserchron. 15 141 E. Schröder, der nach und nach die endungslose form verdrängt. unter mundartlichem einflusz steht diese bisweilen jedoch noch nhd.: wid Leoprechting a. d. Lechrain (1855) 21. umgekehrt ist die endungslose form des ursprüngl. nom. im mhd. und frühnhd. vielfach für den gen., dat. sg. eingetreten: bi der wid des teufels netz 8538 Barack; mit ainer wid Hans Sachs 22, 409 lit. ver. während wiede nhd. im sg. stets stark flektiert, begegnet mnd. und frühnhd. vereinzelt auch schwache flexion: mit der weden (var. wedde) Eike v. Repgow Sachsenspiegel, landr. II 28, 3 Eckhardt; mit einer wieden Lonicerus kreuterb. (1593) 23b. der plural flektiert frühnhd. z. t. noch stark: wydde (nom. pl.; 1495) Straszb. zunft- u. polizeiverordn. 161 Brucker. aber bereits im 16. jh. hat sich die schwache flexion durchgesetzt (s. die belege unten).
wiede bezeichnet einen zähen, biegsamen zweig (insbes. von der weide, birke), der (z. t. gedreht) allein oder mit anderen zweigen zusammengeflochten, anstelle eines seils oder bandes verwendet wird (zur herstellung einer gedrehten wiede s. Fischer schwäb. 6, 3417 s. v. widstange und widstock). das in simplex und kompositum seit dem 8. jh. bezeugte wort (belege s. oben) ist im ganzen dt. sprachgebiet verbreitet, kommt aber mit der sache heute mehr und mehr auszer gebrauch. jedoch verzeichnen es die mundartwbb. noch regelmäszig.
1) im eigentlichen sinne:

nû sach er ûf dem wazzer sâ
vliezen einen kleinen vlôz,
den ein starkiu wide slôz
bî einem stecken zuo dem stade
Wirnt v. Gravenberc Wigalois 6277 Kapteyn;

do kunde er in kurtzer stund
bruchen sinen laitt hund
ze ainer wider (lies: wide er) geband Göttweiger Trojanerkrieg 1543 Koppitz;

wir söllen in den wald gan und usz grünen gerten starke widen klenken (flechten) Steinhöwel Äsop 204 lit. ver.; djse reben werden bei vns nit vil inn der artznei genützet, ir brauch ist zu binden gleich den andern widen vnd seylern Bock new kreutterb. (1539) 2, 69b; ausz mitleiden schneid, drähet und machet er so viel wid aneinander ... dasz er ... mit dessen hülff den priester herauff zohe (aus der wolfsgrube) Kirchhof wendunmuth 4, 289 Öst.; nachdem das widschneiden ... ein grosse verwüstung der wäld ist, und man aber die wid auch wol ohn schaden bekommen, und davon zu einbringung der früchten nit empören mag Würtemb. ernew. vorstordn. (1651) 63; die

[Bd. 29, Sp. 1501]


besten (schilde d. Germanen) sind nichts anders, als aus weidenen wieten gemachte flechten Lohenstein Arminius (1689) 2, 1186b; (beim fischfang in einem eisloch wird) der pfahl durch die wieden durchgeschlagen, dasz die reusen an dem pfahle halten müssen Döbel neueröffn. jägerpract. (1754) 4, 98; wenn man die wiede zu viel umdreht, so bricht der knebel Kirchhofer schweiz. sprüchw. (1824) 153; (der korbmacher) hob bedächtig eine wiede vom boden auf Aurbacher ein volksbüchl. 2 (1839) 172.
verwendungsarten:
a) als strang zur hinrichtung. mhd. reich (s. Lexer 3, 947), frühnhd. noch vereinzelt bezeugt:

im (dem mörder) wære alze senfte ein eichîn wit umb sînen kragen
Walther v. d. Vogelweide ged. 85, 13 Kraus;

ûf den strâzen und ûf den wegen
was diu wagenvart gelegen:
die varent alle nû mit fride,
sît Helmbrecht ist an der wide
Wernher d. Gartenaere Meier Helmbrecht 1922 Panzer;

den dieb henkt man an ain wid,
damit so gewint die welt ain frid
vor den bœsen lüten (14./15. jh.) des teufels netz 12 730 Barack;

also liesz er sie füeren auf den Eyberg an einander gebunden, da würget man sie mit widen und stricken an hohen galgen und baumen (Nürnberg 1488) städtechron. 3, 151; er hett nit einn heller darumb er ein widt kauffet, daran er sich hencket S. Franck sprüchw. (1541) 1, 37a; wer desz nachts korn stilet, ... man soll uber jhn richten mit der wide S. Meichszner land- u. lehenrecht (1566) 46a. nhd. nur noch in archaisierender sprache: dann zog er eine flechte von weidenzweigen aus dem rockärmel und gab sie dem frohnboten ... die bauern murmelten und einer fragte: die wyd sehen wir, wo ist das schwert? Immermann Münchhausen (21841) 4, 64. mundartl. noch der kommt an de widd wird gestraft Autenrieth pfälz. 151; Crecelius oberhess. 913. zur übertragenen bedeutung s. 3 a.
b) als fessel:

in dirre bet (gebet) sô lôste sich
diu starke wide, dâ er mit
gebunden was nâch diebes sit
Wirnt v. Gravenberc Wigalois 6506 Kapteyn;

welich das (d. landfrieden) prechen,
das schol man also an in rechen:
mit ainer aichein wid
pint man in all ir glidt
Seifrit Alexander 3914 Gereke;

als in das der nachrichter (henker) heissen was, hat er ... alszpald die seul umbfangen, an die er ward gepunden mit einer wid und mit geiseln offenb. d. hl. Birgitte (1502) 4, 70; (die unholdin) bande jhm hände vnnd füsz mit einer starcken wied zusammen buch d. liebe (1587) 390a;

die sohlen aber glühten mittlerweile,
und die gelenke zuckten in der pein
dasz sie zerrissen hätten wied und seile
Gildemeister Dantes göttl. kom. (1929) 128.


c) zum garbenbinden und bündeln von holz:

von dörrem holtz ein schwere last,
an eine wyd zu samen gfaszt
Burkard Waldis Esopus 1, 342 Kurz;

wann du nit schaub oder widen gnug hettest, die garben zubinden, so knüpff je zwei bande zusammen und mach grosse garben J. Kepler opera omnia (1858) 5, 556; ruten, die eines fingers dicke sind und wieden genannt werden, wenn sie gedrehet sind, kan man holz zusammen binden so feste als wie mit einem stricke qu. v. 1711 bei Müller-Fraureuth obersächs. 2, 664; die anordnung, dass ... zum binden des getreides statt wieden strohseile verwendet werden sollten Schwappach hdb. d. forst- u. jagdgesch. (1886) 1, 364; die mädchen sammelten den männern die ähren in die wieden Auerbach Schwarzw. dorfgesch. 4 (1854) 330; vgl. Schmoeckel-Blesken Soest 333; Hofmann niederhess. 263; Autenrieth pfälz. 151; Kleemann Nordthür. 25b; Hentrich

[Bd. 29, Sp. 1502]


Eichsfeld 88; Fischer schwäb. 6, 755; Wanner Schaffhausen 25. 'auch nennt man wol die zum garbenbinden gebrauchten strohseile widden, doch sagt man dann meist strohwidden' (Niederhessen) Vilmar Kurhessen 452. zur übertragung s. 3 b.
d) 'die spannkette, wodurch der hinterpflug mit dem vordergestell verbunden wird (= plaugwed, plaugwêe), Schambach Göttingen 290a. so schon seit alters her:

ain yeglich pflg
msz haben geng
nagel vnd wid,
vnd auch darmit
ain sech vnd ye ain schare liederbuch d. Hätzlerin 105 Haltaus;

an etlichen orthen, da es gar leichte ecker, brauchet man darzu (als verbindungsglied zw. vorder- u. hinterpflug) nur geflochtene starcke weidene oder eichene wiedten M. Grosser kurtze anleitg. z. d. landtwirtschafft (1590) N 4a. vgl. das komp. grindelwiede teil 4, 1, 6, sp. 374.
e) 'daher heiszt auch an den ernte- und andern wägen der breite eiserne bügel mit zwey ringen, in deren einem die leiste und in dem andern die runge steckt, die leiter daran zu hängen, die wiede, weil sie an den gemeinen bauerwägen eine wahre wiede ist. sonst wird sie auch der leistbügel genannt' Adelung 4 (1801) 1530: der leiterwagen hat wieden (die leuchsenringe) J. Blau Böhmerwälder hausind. (1917) 1, 219. mecklenb. gilt das komp. lünswäd' Wossidlo-Teuchert meckl. wb. 1, 505. hierzu wohl schon: ez sol auch nieman umbe kaine wit noch umbe kainen spanraitel schuldig kainer ainunge sin (Reutlingen 1310) qu. bei Fischer schwäb. 6, 757.
f) 'die joch-wid, ring (von eisen), der die deichsel ans ochsenjoch hält. bey dem ärmeren wäldler ist die go'wid aus dicken birkenzweigen gedreht, bey den vermöglichen ist sie riemerarbeit' Schmeller-Frommann bayer. 2, 859: drei ochssen joch sambt riemen und wietten (inventar v. 1763) J. Blau Böhmerwälder hausind. (1917) 1, 219. vgl. das komp. jochwiede teil 4, 2, sp. 2332.
g) als felgen: (die kalesche) hatt 4 röder, yedes nun von einem gleich gemacht, das ist eine starcke wüd von einem zechen holz, das sich in düe ronde büegen lest (1585) Kiechel reisen 101. ähnlich zur radreparatur:

(wenn das rad am wagen entzwei ist)
so beslechtz denn der schmid,
man bunds als wol mit ainr wid des teufels netz 10 798 Barack.


h) zum zusammenbinden eines floszes: ob einem flötzer eine wyde oder flotze anbreche, wo in dann ... der schade begrifft, da mag er am nechsten wyede oder bande hauwen und sin flotz wider heften (Heilbronn 1469) qu. bei Fischer schwäb. 6, 757; die tännin widen zugebrauchen und zuhawen (soll) gäntzlich verbotten seyn. es wäre dann an einem orth, da man die floszwid auszerhalb der tännin nicht füglich bekommen möchte Würtemb. ernew. vorstordn. (1651) 43. s. auch Lueger lex. d. ges. techn. (1894) 7, 931 sowie Schambach Göttingen 290a; Kisch vgl. wb. 248a.
i) bei türen zum anhängen (anstatt türangeln) oder zum verschlieszen (anstatt des riegels):

do kamend wir gen Mowenhan,
da henkt man türen mit widen an
(bezieht sich auf ein ereignis von 1468) schweiz. volkslieder 2, 47 Tobler;

dann dem Mitioni ist ein wol vszgebutzte vnd verschloszne (tür), aber dem Demea ein zerbrochne vnnd mit wyden gebunden Terenz deutsch (1499) 96a; wär aber einer vorhanden, der das thor muetwillig ader die widen abhacket, ist fällig dem ambtman 72 D ... auch ein eiserne ketten schuldig an das thar zu kaufen, weil im die widen zu schlecht soll sein (Steiermark 1570) österr. weist. 6, 156; smiəd hängt sine dör anne wiəd Woeste-Nörrenberg westfäl. 322b.

[Bd. 29, Sp. 1503]



k) 'weidenrute oder -strick zum binden des rohres und strohes auf dem dache' Schumann Lübeck 23. vgl. dachwiden (rechn. v. 1770) Lexer Kärnten 257 (von Lexer als 'latten, stangen' gedeutet).
l) als faszreifen: item springent aber reyfe oder wydde an den bütten oder stendelin abe, die alters oder fulheit halb brechent, darumb sol man sie (d. böttcher) strafen und nit dofür geben (1495) Straszb. zunft- u. polizeiverordn. 161 Brucker.
m) 'weidenrute; der länge nach geteilt und ausgeschalt zum binden von besen' Blumer Nordwestböhmen 2, 93: 25 000 besn zu binden in einem tag, dasz war eine unerträgliche plag, die dicke widn haben mir die händ alle zerschnitten Stranitzky lust. reyszbeschr. 20 Wien. ndr.
n) zum schuhbinden:

es mss noch einer bezalen, der nit dran sint,
etwan ein armer pur, der die sch mit widen bindt (1524)
Niclas Manuel 86 Bächtold;

bei reichen und armen, der seine schuch mit widen bindt, kümmerlich und mühlich sich nehret qu. v. 1609 bei Fischer schwäb. 6, 756.
o) zum anbinden von pflanzen: stroppa wide, damit man die weinreben vnd andere ding binden kan Hulsius t.-ital. (1618) 2, 400a; so werden z. b. die bäume in den gärten mit wieden an die pfähle oder spalliere gebunden Adelung 4 (1801) 1530. vgl. auch Albrecht Lpz. ma. 237a; Danneil altmärk. 242.
p) 'wide, dim. widle zarte bindweidenrütlein zum zusammenkoppeln erlegter vögel, frösche usw.' Birlinger schwäb.-augsb. 432. zum übertragenen gebrauch s. 3 c.
q) als allgemeines befestigungsmittel in haus und hof in der formel wiede und nagel: prunnenketten, aymer ... schluch, ligerlig mitt samptt allem dem, das wid und nagel höbbt (Tübingen 1493) qu. bei Fischer schwäb. 6, 757; (der vertriebene lehnsmann soll) nichs nit mit im ausz dem hausz fieren, wasz nagel und wid hielt (1531) Knebel chron. v. Kaisheim 100 lit. ver. mundartlich: das geschieht, und wenn wid und nagel bricht Fischer schwäb. 6, 758.
r) weidenrute als setzling: ferner schall Lentze Kraberg, sine hawesfrow, ihre erben, oder wer den hoff in brukender where hadt, denselbigen hoff und acker in weren halten mit dem gebawete, thuenen, graffen, paten und wieden zu setzende (1524) Brandenb. schöppenstuhlsakten 1, 96 Stölzel.
2) in vergleichen.
a) (sich) drehen, winden wie eine wiede:

er (Gahmuret) want sich dicke als ein wit (auf d. nächtl.
lager vor liebesbegehren)
daz im kracheten diu lit
Wolfram v. Eschenbach Parzival 35, 23 Lachmann;

etliche (bäume) wie ein wied gedrehet, das sie uber der wurtzel spalten und brechen müssen C. Spangenberg Mansfeld. chron. (1592) 498b; einem den hals umdrehen wie einer wid Kramer t.-ital. 2 (1702) 1341b; (ein) gespenst, das einen weiszdornstock wie eine wiede zu drehen im stande ist Laistner nebelsagen (1879) 344. übertragen 'sich herauszureden suchen': er hat sich (wie man pflegt zu sagen) gewunden wie ein wid und ... vermeint sich ausszureden qu. v. 1605 bei Fischer schwäb. 6, 756.
b) zäh wie eine wiede:

an im (dem widder) was anders niht wan horn
unde ein hût zæh als ein wide
Konrad v. Würzburg d. trojan. krieg 11 015 lit. ver.;

ohnlang hernach war ein anderer thumherr zimlichen alters und der jaren, doch nit allhie wonhafftig, sehr reich, der kärger und zäher denn ein eichen wid Kirchhof wendunmuth 3, 224 Öst.; so zäh wie eine widen Loritza Wien 143; Heinzerling-Reuter Siegerl. 324.
c) 'die redensart sur wi-n e wïd meint ganz bestimmt den herben geschmack der salix vitellina' Hunziker Aargau 296; s. u. wiedsauer.

[Bd. 29, Sp. 1504]



3) übertragen.
a) von 1 a her metonymisch für 'hinrichtung durch den strang'. kaum über das mhd. hinaus belegt:

er sprach: mîn geleiteunde mînen vride
den wil ich in enbieten.er büezet mit der wide,
der an iht beswæretdie unkunden herren Kudrun 296 Martin;

hêr keiser, swenne ir Tiuschen fride
gemachet stæte bî der wide,
sô bietent iu die fremeden zungen êre
Walther v. d. Vogelweide ged. 12, 19 Lachm.-Kr.;

dô sprâchen sie umme einen vride
und lobeten den bie der wide livländ. reimchron. 178 Meyer;

ez wær sun, tochter oder knecht,
dem künge kam ez allez recht,
ez wære urlig oder vride,
si muosten dienen bî der wide,
und muosten iemer eigen sîn
Boner edelstein 24, 38 Pfeiffer;

dann seine gebot dorst niemant brechen bei der wid des haubts V. Arnpeck s. chron. 503 Leidinger. insbes. in den formeln bî dem halse und bî der wide, bî dem swerte und bî der wide:

unz iz (d. kriegsvorbereitungen) diu chunigîn verbôt
bî dem halse und bî der wide.
si swuor, swer bræche ir fride,
si hiez in in dem sende houbten kaiserchron. 10 068 E. Schröder;

sust wart geboten yn der fride,
bey dem swerte vnd bie der wyde herzog Ernst 1434 in: dt. ged. d. mittelalters 1 v. d. Hagen-Büsching.

fest sind auch die verbalen verbindungen bannen bî der wide 'bei strafe des hängens für unverletzlich erklären':

der rât dûhte si alle guot.
si gewunnen slechtes einen muot
und gebuten einen vride:
der wart gebannen bî der wide Dietrichs flucht 6948 in: dt. heldenb. 2, 164 Martin;

swern bî der wide 'beim tod durch den strang schwören' d. h. auf sich im falle eines meineids den tod durch den strang herabwünschen:

gedenkâ, tohter, daz ich dich truok,
und gewinne mir einen vride:
ich wil dir sweren bî der wide,
daz ich wil gerne wesen guot,
und lobe, swaz iuch dunket guot frauenzucht 588 in: gesammtabenteuer 1 56 v. d. Hagen;

die wolfe kâmen über ein,
daz si gern wolten haben vride
(daz swuorens alle bî der wide
den hirten und dem vihe)
Boner edelstein 93, 10 Pfeiffer.


von hier aus wird bî der wide gelegentlich zur bloszen beteuerungsformel 'wahrhaftig':

wil man, als uns sayt di schrifft,
an sehn di do han gestift
den gelouben, so iz der lied
di man sal halden bi der wied,
nwer czwelve gar uber al
nach der czwelf apostel czal
Tilo v. Kulm von siben ingesigeln 1146 Kochend.


b) von 1 c her: eene wye holt eine parthey holz von etwa drei fudern Strodtmann Osnabrück (1756) 285.
c) von 1 p her 'die menge, die durch die rute zusammengehalten wird': wid vögel fasciculus avium Aler dict. (1727) 2, 2186a. in diesem sinne insbes. bair.-schwäb. in der form des diminutivs verbreitet (s. 6 b β).
4) als pflanzenbezeichnung.
a) weidenbaum: wiede salix viminalis, vitellina Frege botan. hdwb. (1808) 2, 140. diese wohl von 'weidenrute' (s. 1) übertragene bedeutung ist sonst nur mundartl. bezeugt. s. Mensing schlesw.-holst. 5, 553 ('vereinzelt'); Woeste-Nörrenberg westf. 322b; Leihener Cronenberg 134; Dähnert plattdt. (1781) 543; Frischbier pr. 2, 461; Spiess Henneberg 282; Fischer schwäb. 6, 758. von Campe 5 (1811) 706 als landschaftliche bedeutung gebucht.

[Bd. 29, Sp. 1505]



b) färberwau, gelbkraut: reseda luteola ... wiede Nemnich polygl.-lex. d. naturgesch. (1793) 2, 1141; Marzell wb. d. dt. pflanzenn. 5, 619. vielleicht eine volksetymologische umdeutung von waude (teil 13, sp. 2607).
c) schneeball: wide viburnum lantana Marzell a. a. o. 5, 619. die biegsamen zweige dieser pflanze werden als faszreifen sowie als flecht- und bindematerial verwendet, s. d. gr. Brockhaus 16 (1933) 740.
d) zur vereinzelten anwendung auf weitere pflanzen s. Campe 5 (1811) 706; Marzell a. a. o. 5, 619.
5) sonderbedeutungen.
a) haarband als kopfputz unverheirateter frauen: welliche junckfrow zu tenntzen unnd hochzeytenn eynen kranntz, harbanndt vnnd gefrenns tragen will, die soll nachfolgend zu eynichen tanntz oder hochzeyt kayn perlene wyd oder pennttel nit tragen oder gebrawchen. weliche junckfrow aber wyde, harbanndt, pennttel und gefrenns tragen wollte, die mag das auch thun, doch der mass, das solliche wyde harbanndt, pennttel unnd gefrenns mitsambt allem hawbtgeschmuck ... den vermelten werdt der viertzig guldin nyt ubertreffe (15. jh.) Nürnberger polizeiverordn. 101 lit. ver.; (den töchtern der nicht vornehmen werden) die zum theil von gold gezierten widen, die doppeltaffetene zöpf und die seiden nestel ins haar (verboten) kleiderordn. v. 1626 bei Schmeller-Fr. bayer. 2, 859. dagegen ist ahd. witta 'haarband' aus lat. vitta entlehnt, s. Schatz ahd. gr. § 195.
b) die wiede ein an beyden enden ausgezacktes holz an dem weberstuhle, und besonders an dem kammblatte und den tritten Adelung 4 (1801) 1530.
6) diminutiva.
a) im eigentlichen sinne.
α) zu 1 allgemein: resticulus wydichin (anf. d. 15. jhs., obd.) Diefenbach gl. 495b; das selbig nest henken sie mit einem reinen widlein zu vorderst an ein estlin eines datelbaums, disz thn sie darum, das innen das gewürm die iungen nit essen L. Friesz cartha marina (1530) B 4b.
β) zu 1 o: die wein-bögen (werden) über dem pfal ... mit einem kleinen wiedgen angehefftet Rohr hauszhaltungsbibl. (1716) 163.
γ) zu 5 b: die spinnerin hat auf der spule ihres rades ein spitzes holz, das wie'l, stecken J. Blau Böhmerwälder hausindustrie 1, 219.
b) übertragen.
α) wohl von 1 c aus 'bürde, bündel' (vgl. 3 b): wer der wär der nach sant Jorgen tag graset in dem sweren trait und begriffen wiert, der allewegen von ainem wittel (andere hss. korb oder färtl) 12 D zu wandl verfallen ist (anf. d. 16. jhs.) österr. weist. 7, 296 (zugehörigkeit zu wiede ist jedoch nicht sicher).
β) zu 3 c: anno dni 1522 ... da waren die lerchen teur; man gab 1 widlin, daran 4 lerchen waren, umb 10 pfening (Augsburg) städtechron. 25, 178; ein wiedel vögl (gewöhnlich vier vögel), ein wiedel frösche zu fünf und zwanzig Westenrieder (1816) 673; (die 7 Schwaben) trugen zusammen, mann für mann, den spiesz, und sahen schier aus, wie ein widle gespieszter lerchen Aurbacher ein volksbüchl. (1835) 197; ein widlein rueben rüben am kräuterich zusammengebunden Schmeller-Fr. bayer. 2, 858.
γ) unterabteilung des garns auf der spule; vielleicht so genannt, weil die fäden früher mit einer kleinen wiede abgebunden wurden. besonders in Österreich verbreitet: in Wienn und Grz wird der leinerne stren in widel abgetheilt, welche nach gutdünken unterbunden werden ohne die fäden zu zählen Popowitsch versuch (1780) 566; das widel garn eine gewisse anhäufung der gesponnenen fäden an der spule Höfer österr. (1815) 3, 290; dabei besteht jeder schneller aus 560 umwindungen des ... haspels oder, da davon immer 80 solcher windungen

[Bd. 29, Sp. 1506]


oder weifen unterbunden werden, aus 7 gebinden oder wiedeln Prechtl technol. encycl. (1830) 20, 125; Karmarsch-Heeren techn. wb. (1876) 10, 699.
δ) 'wiedel oder wietel käsequirl, bestehend entweder a) in einer geschälten jungen fichte oder tanne, deren untere wirbel-äste nach dem stamm bogenförmig zurückgeführt sind, oder b) in einem stab, welcher mit ähnlichen sich kreuzenden bogen aus spanischrohr versehen ist, oder c) in einem stab, welcher kreuzweis mit geraden holzstiften durchsteckt ist. Steiermark' Martiny wb. d. milchwirtsch. (21907) 138.
c) als pflanzenbezeichnung. zu 4 c: viburnum wedeken (Köln 1507) Diefenbach gl. 617c; wydlin (15. jh. u. Augsburg 1512) ebda; wiedel viburnum lantana Nemnich dt. wb. d. naturgesch. (1796) 645; als genus gibt Campe 5 (1811) 706 mask. und neutr. an.
 
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wiedehopf, m. , upupa epops, ein vogel. herkunft und form.
ahd. witihopfa, wituhoffa, f., witohopfo, m. (u. ähnl.); mhd. wit(e)hopf(e), wid(e)hopf(e), m.; as. widohoppa, f.; mnd. wedehoppe, m.; mnl. wedehoppe, f.die von Jacob Grimm dt. gramm. 3 (1831) 363 vorgeschlagene deutung des vogelnamens als 'der im holz hüpfende', wobei der erste kompositionsteil ahd. widu, witu, wito 'wald, holz' (s. wit teil 14, 2, sp. 808), der zweite hopfen 'hüpfen' teil 4, 2, sp. 1795 zuzuordnen wäre, ist als der typischen lebensweise des vogels widersprechendda der wiedehopf wiesen und weiden bevorzugt und nicht hüpft, sondern geht (Nitsche in: wiss. annalen 4 [1955] 761f.) — abzulehnen. nachdem schon Woeste in: d. dt. maa. 5 (1858) 169 Frommann den onomatopoetischen charakter des wortes angedeutet hatte, hat sich seit Winteler naturlaute u. sprache (1892) 26 f. und Suolahti d. dt. vogelnamen (1909) 11 f. allgemein die ansicht durchgesetzt (so Pokorny idg. etym. wb. 325), wiedehopf gehe wie gleichbed. lat. upupa, gr. ἔποψ, lett. puppukis, armen. popop, npers. pūpū auf eine den paarungsruf des tieres nachahmende lautmalende bildung zurück, etwa *wudhup(p) (vgl. steir. wudhupf, wudhup Unger-Khull steir. 639; pfälz. wuddwudd Heeger tiere im pfälz. volksmunde 2, 10; schlesw.-holst. hupphupp Mensing 2, 945), und sei erst später (mindestens aber schon im frühen ahd.) volksetymologisch an witu und hopfen angeschlossen worden. annahme einer entlehnung des zweiten wortteils aus lat. upupa, wie es Kluge-Mitzka etym. wb. 17859 erwägt, ist unnötig.
wiedehopf ist im ahd. vorwiegend fem.: upuba uuitohoffa, uuitohoua (9. jh.) ahd. gl. 1, 295, 4; upupa siue opopa uuitohoffa (9. jh.) ahd. gl. 1, 341, 7 St.-S.; uuitihopha (9. jh.) 343, 13; hupupa uuidehopa (10. jh.) 3, 457, 18, seltener sw. mask.: perdix withopfo (12. jh.) 4, 85, 48; hupupa vuiduhoppo 3, 457, 18 oder st. mask.: uitihof (10. jh.) 1, 343, 13. während im mhd. allein mask. genus bezeugt ist, erscheint im frühnhd.allerdings auf das ostmd. beschränktdaneben auch das fem.: die widhop (akk. sg.) Luther 3. Mos. 11, 19 (aber: der widhop [nom. sg.] ders., 5. Mos. 14, 18); eine wiedehopfe Lohenstein Arminius (1689) 1, 415b. das fem. ist mundartl. bis heute im ostmd. erhalten: wîdehuppen, f. Kleemann nordthür. 25b; ne wiedehoppe Müller-Fraureuth obersächs. 2, 664. nhd. gilt stets mask.die beim stammsilbenvokal des ersten kompositionsteils erfolgte dehnung spiegeln vereinzelte ie-schreibungen seit dem 15. jh. wider: wiedhoph (15. jh.) ahd. gl. 3, 24, 6 St.-S.; von der wiedhopffen Burkard Waldis Esopus 1, 266 Kurz, die erst im 17. jh. stark zunehmen, um im 18. jh. vorherrschend zu werden. späte i-schreibungen: widehopfe Naumann vögel (1822) 5, 437; widehopf Fr. L. Schroeder dram. w. (1831) 4, 6. gelegentliches ei ist durch anknüpfung an weide 'salix' oder 'pascua' bedingt: weidehoppen Treuer dt. Dädalus (1675) 1, 424. — formen mit nasal beruhen wohl auf volksetymologischer anlehnung an wind: uuindehoppa (11./12. jh.) ahd. gl. 3,

[Bd. 29, Sp. 1507]


457, 18; windhopff erste dt. bibel 3, 393 Kurr.; windhopfen Steinhöwel spiegel menschl. lebens (1479) 88b. — die entwicklung des inlautenden dentalen verschluszlautes entspricht der von westgerm. d (im ahd. bleibt inlautendes d mfränk. und rheinfränk. ebenso wie im nd. erhalten, während es südrheinfränk., ostfränk. und obd. zu t verschoben wird), so dasz ahd. und mhd. d und t nebeneinanderstehen (belege s. unten). schriftsprachl. hat sich d bereits im 16. jh. völlig durchgesetzt. t-schreibungen begegnen seitdem nur noch ganz vereinzelt: witthopff voc. rei nummariae (Wittenberg 1552) F 8b; withopf Lindenborn Diogenes (1742) 1, 105.
für den auslautenden labial des zweiten gliedes gelten meist die fortsetzungen der westgerm. geminata pp. die ausnahmen mit ff wie vpupa withoffe (14. jh. bair.) ahd. gl. 3, 459, 47 musz man mit dem ursprüngl. lautnachahmenden charakter erklären, oder sie sind alem., wo pp auch zu ff werden kann: upuba uuitohoffa (9. jh.) ahd. gl. 1, 295, 4; widhoff (Straszb. 1470; Augsburg 1475) erste dt. bibel 3, 393 Kurr. bei nd. und md. schriftstellern kann dieses f aus falscher verhochdeutschung des md.-nd. pp (< westgerm. pp) herrühren: widhoff Ringwaldt christl. warnung (1588) M 7a; die widhoffe (pl.) Chr. Weise (1668) bei Müller-Fraureuth obersächs. 2, 664. während das ahd. auszer pf auch noch belege für pp bietet, sind aus dem mhd. fast nur zeugnisse mit pf bekannt (ein seltener fall mit p entstammt einer Trierer hs. d. 15. jhs.: widehop Muskatblüt lieder 78, 56 Groote). dieses ist nhd. allgemein gültig, wenn auch bis ins 17. jh. bei md. und nd. schriftstellern vereinzelte unverschobene fälle vorkommen: widhoppen (akk. sg.) Luther 10, 2, 72 W. daneben: widhopfen ders. 41, 57; widehoppe (nom. sg.) Olearius verm. reisebeschr. (1696) 45. — setzt man voraus, dasz das wort sich trotz seines ursprünglich lautmalenden charakters, nachdem es einmal zu 'holzhüpfer' umgedeutet war, lautgesetzlich weiterentwickelte, so müszte die nhd. lautgestalt einerseits mit d, anderseits mit pf — da es kein mundartgebiet gibt, in dem zwar westgerm. pp > pf, nicht aber auch inlautendes westgerm. d > t verschoben istin mundarten entstanden sein, die südlich der appel/apfel-linie liegen und in denen verschobenes t zur lenis (geschrieben d) geschwächt worden ist (Braune-Mitzka ahd. gramm. § 102 b). gerade auf solche landschaften weisen aber die frühen belege mit d und pf: vpupa widehopfo (11./12. jh.; nach auskunft von E. Karg-Gasterstädt wahrscheinlich südrheinfränk.) ahd. gl. 3, 510, 40 St.-S.; widhoph (oberrhein.) St. Georgener pred. 264 Rieder; widehopfen (nom. pl.; ostfränk.) Hugo v. Trimberg renner 9515 Ehrismann; widhopf (bair.) Konrad v. Megenberg buch d. natur 227 Pf.der vokal der kompositionsfuge schwindet seit dem 11 jh.: upupe withophffe (11. jh.) ahd. gl. 3, 23, 63 St.-S., fehlt mhd. und frühnhd. meist und breitet sich erst seit dem 17. jh. wieder stärker aus. fälle ohne fugenvokal begegnen noch im 19. jh.: wiedhöpfe (nom. pl.) Aurbacher volksbüchl. (1835) 234; wiedhopf Rückert ges. poet. w. (1867) 2, 340. — gelegentliches frühnhd. -er- der fuge ist wohl auf volksetymol. anschlusz an wi(e)der zurückzuführen: mit der widerhopffe Butschky Pathmos (1677) 604.
der sg. des mask., dessen nom.wie vereinzelt bereits im ahd. (s. oben) — im mhd. vielfach, seit dem frühnhd. dann stets (ausnahme Olearius s. oben) endungslos ist, flektiert bis ins 17. jh. hinein schwach: des wit(e)hopfen minnesinger 2, 384a v. d. Hagen; dem widhopfen Steinhöwel de claris mul. 335 lit. ver.; dem wiedhopfen S. v. Birken d. verm. Donaustrand (1684) 66; den widhopfen Harsdörffer frauenz.-gesprächsp. (1641) 5, 237. die heute gültige starke flexion ist in einzelfällen seit dem 15. jh. bezeugt: des wiedehopffs Kirsch cornucopiae (1718) 910b; dem wiedehopffe Prätorius glückstopf (1669) 294; den widhopff (Mentel 1466; aber: widhopffen [Augsburg 1475 u. sonst]) erste dt. bibel 4, 180 Kurr.; vor einen widhopff Zendorius teutsche winternächte (1682) 215, setzt sich jedoch erst im 18. jh. durch.der

[Bd. 29, Sp. 1508]


sg. des fem. flektiert ahd. stark und schwach: upupam vuitahophun (10. jh.) ahd. gl. 1, 348, 27 St.-S.; upupam uidehoppa (10. jh.) 2, 723, 25, ebenso frühnhd. (s. oben Luther 3. Mose, Burkard Waldis, Butschky). — der pl. flektiert bis ins 18. jh. hinein schwach: die withopfen (nom. pl.) Seuse dt. schr. 458 Bihlm.; widhopffen (akk. pl.) Fischart Garg. 91 ndr.; wiedehopfen (nom. pl.) Bode Montaigne (1793) 3, 317. daneben tritt seit dem 16. jh. ein starker pl. auf (in einer form mit umlaut und einer ohne umlaut), der sich im 18. jh. durchsetzt. die umgelautete form ist vom 16.—19. jh. bezeugt: die widhöpf (akk. pl.; 1552) hist. volkslieder 4, 557 Liliencron; wiedehöpfe Braun orthogr. gramm. wb. (1793) 305; H. Heine s. w. 1, 469 Elster, die heute allein geltende umlautlose seit dem 17. jh.: die widhopffe Weise überfl. ged. 238 ndr.; die wiedehopfe Adelung 4 (1801) 1530; Oken allg. naturgesch. 7 (1837) 202; Langgässer d. unauslöschl. siegel (1946) 143. bedeutung und gebrauch.
da aus der familie der upupidae nur eine art, upupa epops, in Deutschland vorkommt, ist wiedehopf zoologisch eindeutig bestimmt. verwechslungen mit anderen heimischen vogelarten sind wegen des fächerartigen schopfes, den das tier trägt, des charakteristischen paarungsrufes hupup, hupupup sowie insbes. wegen des unangenehmen geruches, den das stinkende sekret der bürzeldrüse sowie die starke nestunsauberkeit hervorrufen, kaum möglich. neben der schriftsprachlichen bezeichnung wiedehopf steht eine vielzahl weiterer, meist mundartl. benennungen, von denen hier baumschnepfe (teil 1, sp. 1194), dreckhahn (teil 2, sp. 1358), gänsehirte 2 (teil 4, 1, 1, sp. 1272), heervogel (teil 4, 2, sp. 761), hoppevogel (teil 4, 2, sp. 1800), huppatz Teuchert in: Brandenburgia 34 (1925) 179, kothahn (teil 5, sp. 1896), kuckucksküster (teil 5, sp. 2529), stänker 1 b γ (teil 10, 2, 1, sp. 833), stinkhahn (teil 10, 2, 2, sp. 3167), wachtmeister (teil 13, sp. 198), waldhahn (teil 13, sp. 1143), waldhopf (teil 13, sp. 1148) genannt seien (zur deutung s. Nitsche a. a. o., sp. 1506).
1) im eigentlichen sinne.
a) die bezeugung des wortes setzt im 9. jh. ein (s. oben die belege aus den ahd. gl. sowie die zusammenstellung bei Gröger d. ahd. u. altsächs. kompositionsfuge [1910] 480):

der nahtegalen und der krâ sanc
die gebent ungelîchen klanc;
als tuot der galander (ringlerche)
der hât ein tugent ander
denne der witehopfe
ze zagel und ze kopfe
Heinrich v. d. Türlin diu crône 6306 lit. ver.;

upupa haizt ain widhopf ... er nistet in unrainikait und verunraint auch sein aigen nest. aber ez ist ain schœner vogel und hât ainen vedreinen kamp auf dem haupt Konrad v. Megenberg buch d. natur 227 Pf.;

etleich die legent des withopfen herzen
des nachtes auf die slafenden leut,
das es in haimleich ding bedeut
Vintler pluemen d. tugent 7841 Zingerle;

dann er (Tereus) zu stund ward eyn widhopff,
das schwert wchs im auff seinem kopff.
eyn schmaler schnabel ward sein spies,
damit er vormals schosz vnd stiesz
Wickram w. 7, 297 lit. ver.;

hört wie die nachtigall ihr stik, stik, stik auszschreit!
hört wie der wiederhopf mit seinem up up freiet!
Rist neuer teutscher Parnasz (1652) 354;

ein federbusch auff dem hut macht kein soldaten, sonst wär auch der widhopff ein kriegsofficier Abr. a s. Clara Judas (1686) 1, 94; glück in spiel zu haben, soll man ein eulenhertz oder den stein aus dem rücken einer fledermausz oder den kopff eines wiedehopffs bey sich tragen J. G. Schmidt rockenphilos. (1706) 2, 165; besonders holte er die jungen staaren und wiedehopfen aus den hohlen bäumen Miller Siegwart (1777) 1, 9; die sieben Schwaben nahmen sogleich reiszaus, und liefen ... nach dem nahen zaun, wo sie sich hinaufschwenkten,

[Bd. 29, Sp. 1509]


und sich festhielten an den stauden, so dasz es aussah, als nisteten wiedhöpfe drauf Aurbacher volksbüchlein (1835) 234; allerorts stelzte der wiedehopf und erfüllte den wald mit seinem geläute Löns haidbilder (1913) 32; rein und gesund war der schlaf nach solchem handwerk, ... bis vor sonnenaufgang der kuckuck oder der wiedehopf mich weckten Ernst Wiechert wälder u. menschen (1936) 145.
b) mit attribut: also thut auch der Luther, sitzt im tempel christlicher kirchen wie einer vnreiner widhopff in einem frembden nest Dietenberger das ander buch wider M. Luther (1527) N 8b; gott nehrt einen ... stinckenden widhopffen ... wie viel mehr einen menschen Petri d. Teutschen weiszh. (1605) Gg 3a; unser hoch aufgethürntes frauenzimmer ist den stinckenden widhöpfen nie gleicher gewesen als heut zu tage Kramer t.-ital. 2 (1702) 1343c; der grauen nachtigall pries sein gekröntes haupt ein schöner wiedehopf Gleim s. schr. (1798) 1, 114; ein haupttableau der art war ein schöner wiedehopf in natürlicher grösze, im vollen federschmuck G. Keller ges. w. (1889) 6, 207.
2) in vergleich, redewendung, sprichwort, bild.
a) am wiedehopf rufen vergleiche hervor: der fächerartige schopf: was ist da herrliches, einen busch auf dem kopfe zu haben wie ein wiedehopf (von einem soldaten) Platen w. 2, 258 Hempel. sein spechtartiges klopfen:

wenn er (d. wein) im denn im kopff wirt klopffen,
wie an ein baume die widhopffen
Hans Sachs 9, 431 lit. ver.

sein stolzer gang: so ein bauer, und wenn er auch kaum fünfe zählen könne, habe einen hochmuth wie ein wiedehopf J. Gotthelf ges. schr. (1855) 5, 249. die art, sein nest zu bauen: (der uhu) gleicht dem wiedehopf, denn er macht sein nest aus quark Göthe I 17, 89 W. die verbindung von schönheit und schmutz:

sind gleich dem geier, kautz, uhu,
nachteul, raben, habicht darzu,
dem guckguck und auch widehopff,
ein schöner, doch stinckender tropff
Nigrinus von bruder Johan Nasen esel (1570) F 1a;

ein solcher (weibernarr) kommt mir vor wie ein widhopf, der zwar ein cron von federn auf dem haupt trägt, entzwischen aber ist sein meiste aufenthalt in koth und unflath Abr. a s. Clara etw. f. alle (1699) 1, 36.
b) redensartlich ist der vergleich stinken wie ein wiedehopf: das ytzt bey den rechten christen nichts verachters ist denn der bapst mit alle seine münichen und pfaffen, er stincket wie ein widehopffen (1525) Luther 16, 469 W.; daher er zum halsz ausz stanck wie ein widhopff Höniger sarracen. gesch. (1580) 32; du stinkst nach parfümerien wie ein widehopf Schroeder dram. w. (1831) 4, 6. so noch heute vielfach mundartl., vgl.: Schambach Göttingen 297b; Müller-Fraureuth obers. 2, 664; Spiess Henneberg 282; Schatz Tirol 703.
c) das sprichwort der wiedehopf scheiszt in sein eigenes nest (und ähnlich) erscheint häufig auch in form eines vergleichs:

dstu selbe in din eigen nest;
du glighest wol dem wedehoppen,
wa du dan sitzest ader stest,
dar in so mstu knoppen
Muskatblüt lieder 44, 68 Groote;

der widhopf scheist in sein aigen nest (1433) chron. d. st. Bamberg 1, 112 Chroust;

der widhopff beschmeist selb sein nest;
so dunckt sich der gotlosz der best
Hans Sachs 1, 380 lit. ver.;

in sein eygen nest hofiern wie ein widhopff sprichw., schöne weise klugreden (1548) 21a; die widhopffen, so jhre aigne nester erstencken J. Nas antipap. eins u. hundert (1567) 2, H 5b.
d) bildlich von einem eitlen, moralisch unsauberen menschen:

[Bd. 29, Sp. 1510]


die mönch vnd pfaffen, die widhopffen,
die von den todten sich bekropffen
Fischart Eulenspiegel 447 Hauffen;

vnd rüre mich an, du widehopff (ein betrügerischer zöllner)
du diebscher dieb
Hayneccius Hans Pfriem 61 ndr.;

lasz die creditores immer klopfen!
ich verriegle meine stube wohl,
der gestank von solchen wiedehopfen
stänkert mir die ganze nase voll
Kopp volks- u. studentenlied vorklass. zeit (1899) 221.


e) die nur einmal bezeugte verbindung einen wiedehopf aushecken meint wohl 'einen schlechten gedanken fassen':

als sich der spieler rüren thet,
hett er ihm selber in sein bet
einen widhopffen auszgeheckt,
ihm selbs ein ay dorein geleckt
Hans Sachs 9, 301 lit. ver.


3) übertragen ein handwerkszeug (vielleicht eine picke nach dem spechtartigen klopfen des wiedehopfs): 1 zimmerseegen. 1 kette. 1 wiedhopfen. 4 hebeisen. 4 staudeln inventar von 1773 bei Fischer schwäb. 6, 3417. vgl. auch den übertragenen gebrauch von lat. upupa als 'steinaxt' Georges lat.-dt. hdwb. 92, 3311.
4) zusammensetzungen mit wiedehopf sind selten. die kompositionsfuge ist in älterer zeit meist durch -en, in neuerer durch -s gefüllt oder sie bleibt leer: wiedehopfauge, n. (beim falschschwören verwendet) H. Grosz strafbare handlungen (1909) 69. — wiedehopfenblut, n. H. Frölich offenb. d. natur (1591) 346. — wiedehopfsfeder, f. Hohberg georg. cur. (1682) 1, 322. — wiedehopfsherz, n. Prätorius glückstopf (1669) 294; widhopffenhertz Hohberg georg. cur. 1 (1682) 425. — wiedehopfenkraut, n. , onobrychis viciaefolia Scop. Tabernämontanus (1588) bei Pritzel-Jessen volksn. d. pflanzen 251; Nemnich dt. wb. d. naturgesch. (1796) 645. vgl. Marzell wb. d. dt. pflanzenn. 5, 620. — wiedehopf(en)nest, n. :

dann stinckt er wie ein widhopff-nest
Hans Sachs 4, 241 lit. ver.

spöttisch für einen modischen hut: wiedehoppen-nester der teutsch-frz. modengeist (1689) 14. — wiedehopfenstein, m. : quirin haizt withopfenstain. den vindet man in der withopfen nest. der ist ain meldær haimleicher ding in dem slâf und mêrt die träum und daz gesiht in dem slâf Konrad v. Megenberg buch d. natur 457 Pf. s. auch hdwb. d. dt. abergl. 9, 566f.; 570.

 

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