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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
verzierer bis verzig(s)brief (Bd. 25, Sp. 2622 bis 2629)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) verzierer, m., mnl. versierer, nl. versierder. nomen agentis zu verzieren (s. d.), das im 18. jh. aufkommt und älteres zierer (vgl. teil 15, sp. 1187) ablöst. weniger eine fest umrissene berufs- als allgemeine tätigkeitsbezeichnung für die verschiedenen arten des schmückenden gewerbes; späterhin durch speziellere berufsbezeichnungen ersetzt. in den wbb. in beziehung gesetzt zu frz.

[Bd. 25, Sp. 2623]


decorateur: der verzierer le décorateur, enjoliveur, sculpteur en ornemens Schwan nouv. dict. (1783) 2, 948b. auch bei Adelung, doch bei ihm in einem weitergreifenden sinne: 'verzierer, frz. decorateur, ein künstler, welcher triumpfbogen, öffentliche einzüge, theatralische vorstellungen usf. anordnet' versuch 4 (1780) 1577, dazu vgl. DWB verzierung 3 b; von Moritz nicht als geeignet empfunden: verzierung ersetzt völlig das fremde wort decoration, aber verzierer statt decorateur einzuführen, findet nicht statt; etwa zierrathenmaler gramm. wb. 4 (1800) 288; von Campe dagegen empfohlen: 'verzierer würde dem frz. worte noch besser (als zierathmahler) antworten ... man nimmt aber auch das wort decorateur in weiterer bedeutung und versteht einen künstler darunter, der die inneren verzierungen der paläste ... nicht blosz durch mahlerei, sondern auch durch möbeln, wandteppiche, stuckarbeiten usw. angibt und besorgt. für diese weitere bedeutung paszt der name verzierer oder kunstverzierer, wenn man will, besonders' verdeutschungswb. (1813) 249b. verzierer hat sich nicht durchgesetzt: verzierer ... derjenige, welcher den schmuck der zierde anbringt, eine deutsche, nicht sehr gebräuchliche übersetzung von decorateur Krünitz öcon. encycl. 219 (1854) 393.
literarisch nur spärlich bezeugt: aus dieser quelle (dem bau der blumen) haben die heutigen verzierer ihre neue verzierungsart genommen Nicolai lit.-br. (1758) 3, 42; es ist meine absicht im geringsten nicht, mich zu einem sachwalter der ungeschickten verzierer unserer zeit aufzuwerfen Winckelmann s. w. (1825) 1, 103; ihr (zierrath) gebrauch wird sehr übertrieben, denn unwissende verzierer und bildhauer bringen sie überall an, um nur nichts unverziert zu lassen Sulzer theorie d. schönen künste (1792) 1, 452; (im) groszen saale, dem letzten tummelplatze gewerbsfleisziger verzierer und ausschmücker Holtei erz. schr. (1861) 35, 25; (daher) verwendete er die ersteren (d. pfiffigen helfer) bei seinen malereien als umriszzeichner, verzierer und entwerfer Messner ausg. w. (1897) 288. dazu: verzierergilde, f.: springt ein pferd, ein löwe ... aus der blättervolute (eines stilisierten kandelabers) heraus, so ist es ein zeugnisz, dasz der thiermahler, in der allgemeinen verzierergilde eingeschlossen, seine fertigkeiten wollte sehen lassen Göthe I 49, 181 W.
 
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verzierlichen, vb., ableitung von zierlich, doch nur mit den bedeutungsvarianten in abwertendem sinne (vgl. zierlich II 7 und IV 3 c). erstmalig beim jungen Göthe (1776) bezeugt:

nichts verlindert und nichts verwitzelt,
nichts verzierlicht und nichts verkritzelt I 16, 124 W.;

Adelung hat das wort noch nicht, Campe 5 (1811) 407b beruft sich auf das Goethe-zitat. literarisch nur vereinzelt belegt: er wusste wahrscheinlich überdiess, dass aus liebe unsinnige frauen ihren putz eher übertrieben verzierlichen als zertrümmern Grabbe w. 4, 204 Bl.; (die form d. geselligen umgangs) war nur der perückenstil oder der heuchlerisch, wälsch und jesuitisch verzierlichte und vermanierlichte schnörkel- und arabeskenstil, der von Ludwig dem vierzehnten bis an die französische umwälzung hinab gedauert hat Arndt ausgew. w. (1892) 1, 18; dass die Göttinger doch nie von ihrer alten weise, alles vertuschen und verzierlichen zu wollen, lassen können (1838) Dahlmann in: briefw. (1885) 1, 154; melodieen durch schnörkeleien verzierlichen Schumann ges. schr. (1854) 2, 192; das archaisieren und verzierlichen (bei Bierbaum) kunstwart 23, 2, 330b Avenarius. nur vereinzelt positiv in der bedeutung verfeinern: die erst sehr ungeschlachten ausmasze der halbkreisförmigen bogenstange (geigenbogen) verzierlichten sich zunehmend, bis um 1750 die fast grade bogenstange erreicht war Moser mus. wb. (1923) 16. dazu verzierlichung, f.: mundarten zeugen immerfort den alten urstamm in sprachtümlicher reinheit von geschlecht zu geschlecht. der könnte ohne ihren schirm gar leicht an einseitiger überfeinung und verzierlichung

[Bd. 25, Sp. 2624]


versiechen Jahn w. 2, 20 E.; alles gestatteten diese gesetze (d. frz. dramas) ... eine allmächtige verzierlichung des wirklichen lebens R. Wagner ges. schr. u. dicht. (1897) 8, 73. positiv im sinne von verfeinerung: griechische verzierlichung des altägyptischen steifen hieroglyphengeschmackes bei Hoffmann wb. 6 (1861) 365a; durch das rokoko tritt eine verfeinerung und verzierlichung in den inneren formen ein: die strenge und kalte erhabenheit löst sich zu einer launenhaften und wilden anmut Kammerer gesch. d. landschaftsgefühls (1909) 204.
 
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verzierung, f. , verbalsubst. zu verzieren für älteres zierat, zierung (vgl. teil 16, sp. 1151 u. 1224).
1) am frühesten bezeugt als nomen actionis zur bezeichnung der handlung des verzierens. deutlich sichtbar wird der verbalgehalt in verbindung mit präpositionen, vor allem mit finalem zu: alles was ausz guter ... meynung vnd zur verzierung vnserer ... kirchen geschicht, das musz gott ... angenem sein Fischart binenkorb (1588) 159a; dieser regel müssen die künste in der anlage und verzierung der örter folgen Ramler einl. i. d. schönen wiss. (1758) 1, 236; es kommt nicht darauf an, in welchem geschmack diese verzierung geschieht; vom triebe zur verzierung selbst ist die rede Herder 22, 134 S.; ein theil (der zeichnung) ist zur verzierung des palais verwendet worden Göthe IV 30, 176 W.; man weisz, dasz bei verzierung der kirchen, zumal chorgänge, nicht selten bildwerke mit weltlichen vorstellungen üblich waren J. Grimm Reinhart Fuchs (1834) vorr. ccxvii.
2) als nomen acti, das schmückende beiwerk allgemein bezeichnend und mehr im zuständlichen als im gegenständlichen sinne gemeint:

eine besondre begierd' ergriff die zarten gemüther,
das sie erwartende haus und seine verzierung zu sehen
Bodmer d. Noah (1752) 240;

aus dieser mancherlei verzierung der schilde folgt, dasz sie von der willkür dessen, der den schild trug, abhing Winckelmann s. w. (1825) 8, 472; ihre wange war blasz, ihre dunklen haare ohne verzierung, und in ihren groszen blauen augen brannte ein seltsames feuer S. Mereau kalathiskos (1801) 1, 8; und so wiederholen sich denn architektonische formen, wie säulchen u. dergl. vielfach im kleinen, im bunten spiele der bloszen verzierung Vischer ästhetik (1846) 3, 2, 247.
3) am stärksten verbreitet im gegenständlichen sinne als zusammenfassende bezeichnung für schmückende stilelemente innerhalb der verschiedenen bereiche der kunst und des kunstgewerbes. zur abgrenzung gegenüber zierat vgl.: zierathen sind nur kleinigkeiten, womit man etwas zu verschönern sucht; denn für die groszen verschönerungen, und die, welche an groszen werken angebracht werden, gebraucht man lieber das wort verzierung Eberhard synonymik (1795) 5, 316.
a) in der baukunst, sowohl vom architektonischen schmuck an gebäuden wie von der innenausstattung der räume: von aussen hat er es (d. haus) mit einer angenehmen farbe abputzen lassen und solche verzierungen angegeben, die aller vorbeygehenden augen an sich ziehen vernünft. tadlerinnen (1725) 1, 37 Gottsched; (d. bauherr d. schlosses) überleget die grösze, anzahl der zimmer, ... die festigkeit und verzierungen Schwabe belust. (1741) 2, 209; die verzierungen an dem tempel zu Girgenti und an denen zu Pesto sind ... grosz und einfältig Winckelmann s. w. (1825) 2, 312; verzierungen der zimmer ebda 2, 467; (ich) war ein abgesagter feind der verworrenen willkürlichkeiten gothischer verzierungen Göthe I 37, 144 W.; endlich kamen sie in ein reichgeschmücktes, aber mit verzierungen von geistergestalten und todtenköpfen sehr wunderlich aussehendes zimmer Fouqué zauberring (1812) 3, 92; die römische architektur unter den spätern kaisern, (wo) die überladung mit verzierungen die wesentlichen ... verhältnisse ... versteckte Schopenhauer

[Bd. 25, Sp. 2625]


s. w. 5, 457 Gr.; die falltür (im fürstenhäusel zu Meersburg) wie getäfel geschnitzelt und sich in die wand fügend, so dasz sie bei tage nicht bemerkt, sondern für eine verzierung gehalten wird (1843) A. v. Droste-Hülshoff br. 2, 235 Schulte-K.; Kenilworth ist ganz unbewohnt, und doch sind selbst die äuszerst schönen verzierungen der hohen bogenfenster des banketsaals noch erhalten Moltke ges. schr. u. denkw. (1892) 6, 233. im bilde: der poet scheinet seine lust daran gehabt zu haben, sein pandämonium nach der dorischen bauart mit verzierungen von karnissen und güldenem bluhmenwerck auszuschmücken Bodmer abhandl. v. d. wunderbaren (1740) 97; wir wollen z. b. keine verzierungen an unserem staatsgebäude mehr, die weiter nichts sind, als verzierungen Fichte s. w. (1845) 6, 162.
b) von der bühnenausstattung des theaters; gegen ende des 19. jhs. durch bühnendekoration verdrängt, doch ursprünglich in einem weiteren sinne verstanden, vgl.: besonders werden alle theatralische zierrathen, mahlerische vorstellungen, triumphbogen usf. verzierungen, frz. decorations genannt Adelung wb. (1801) 4, 1189; man sieht aus diesem sinngedichte, dasz der magistrat die verbesserung der oper damit angefangen, dasz man neue verzierungen der scenen machen lassen anmuth. gegelehrsamk. (1751) 1, 203 Gottsched; sollte es möglich seyn, dass der mangel eines geräumlichen theaters und guter verzierungen, einen solchen einfluss auf das genie der dichter gehabt hätte? Lessing 10, 125 L.-M.; unter den sechs bestandtheilen, welche Aristoteles zum wesen des trauerspiels rechnet: fabel, sitten ... musik und verzierung der bühne, sind die beyden letztern minder wesentlich Eschenburg entwurf (1783) 186 § 3; geschieht nun diese nähere bestimmung der empfindung in der musik, vermittelst der dichtkunst und der malerei, oder der verzierungen der bühne, so entsteht die oper der neuern M. Mendelssohn ges. schr. (1843) 1, 301.
c) von kunst- und gebrauchsgegenständen: verzierungen von kupferstichen braucht das werk gar nicht (1792) Schiller br. 3, 193 Jonas; die formen und verzierungen der bronzestühle archäol. ztg. (1843) 1, 74 Gerhard; vor dem kleinen spiegel mit blankem glasrand, der samt einer doppelten verzierung von zittergras über der kommode hing Fontane ges. w. (1905) I 6, 31; das kleine altmodische anekdotenbuch mit dem vielen gold und den vielen verzierungen Feuchtwanger Simone (1950) 288.
d) von kleidung und putz: eine und die andere verzierung (an kleidern) ist nicht mehr zu haben Göthe I 24, 258 W.; die geschmackvollen verzierungen durch künstliche blumen Gutzkow ges. w. (1872) 6, 199; die verzierungen am ärmel ihres gewandes G. Freytag ges. w. 9 (1887) 52; die damals noch modernen hohen und mit vielerlei verzierungen versehenen frisuren und hüte der damen Mühsam namen u. menschen (1949) 176. scherzhaft-ironisch: er hat ... eine weisze nachtmütze auf dem kopfe. mit dieser verzierung nahm er sich recht leidlich aus (1798) Caroline 1, 366 Waitz.
4) im bereich des nicht-gegenständlichen.
a) in der musik von der ausschmückung des musikalischen werkes oder seines vortrags; vgl. dazu: die verschiedenen manieren und veränderungen, die blosz eine mehrere annehmlichkeit zur absicht haben, (werden) zu den verzierungen gerechnet Sulzer theorie (1792) 4, 678; verzierungen (manieren, ornamente ...) ist der gemeinsame name für die durch besondere zeichen oder kleinere noten angedeuteten ausschmückungen einer melodie ... die wichtigsten und noch heute üblichen, durch zeichen angedeuteten verzierungen sind: triller, pralltriller oder schneller mordent (pincé), langer mordent, doppelschlag, umgekehrter doppelschlag Riemann musiklex. 7 1478b: die schluszcadenzen mit und ohne verzierung Bach art d. clavier zu spielen (1759) 2, 259; und mir schienen sie doch immer mehr studium der geige und der äuszeren verzierungen der tonkunst ... zu verrathen Schubert leben 1 (1791) 211; sein kirchenstyl

[Bd. 25, Sp. 2626]


gränzt sehr ans erhabene, nur ist er überladen mit verzierungen ders., ästhetik d. tonkunst (1806) 209; auch wurde, wie der genius des italiänischen gesanges es verlangt, sowohl in dem rezitativ als in der arie auf gewisse verzierungen gerechnet E. T. A. Hoffmann s. w. 1, 31 Gr.; eine wesentliche kunst des sängers war es, dieselbe melodie so oft sie vorkam in anderer weise, mit anderen verzierungen und accenten vorzutragen O. Jahn Mozart (1856) 1, 252.
b) bei literarischen werken von der schmückenden ausgestaltung nach inhalt und form und den dabei verwendeten stilmitteln, vgl.: in der beredsamkeit und dichtkunst werden alle nebenbegriffe, eingeschaltete gedanken, episoden ..., zu den verzierungen gerechnet Sulzer theorie d. schönen künste (1792) 4, 678; ich werde dabey (bei d. anmerkungen) so viel bogen ersparen, als bey einem nach den regeln zusammengesetzten werke die immer wieder nöthigen ... vorbereitungen, die verbindungsförmelchen, die verzierungen der schreibart, die gelehrten ausschweifungen ... weggenommen haben würden Schwabe belust. (1741) 1, 165; durch dergleichen unnöthige verzierungen verderbet man die einfalt des Homer und verändert seine ganze manier allg. dt. bibl. (1765) 1, 2, 20; dieser ungekünstelte, viereckigte vortrag, der auf nichts als wahrheit geht, ist besser als aller stil, der sich in schönheitslinien krümmet und windet, mit farben spielt und in verzierungen von fremder natur ausschweift Herder 2, 93 S.; im ganzen sind fast alle gedichte zu lang und der kern des gedankens wird von langweiligen verzierungen überladen und erstickt Schiller 2, 385 G.; (die geschichte hat) alle requisite, unter der hand des philosophen interessant zu werden und dieses interesse kann jeder verzierung entbehren (1789) ders., br. 2, 343 Jonas; nicht durch schmuck und verzierung der nebenumstände (i. d. fabel) die einbildungskraft auf kosten der ruhigeren betrachtung und belehrung des verstandes unterhalten Eschenburg entwurf (1783) 59 § 11; in meiner jugendgeschichte sind die personen, ihre charaktere und die geschichte selbst nach der wahrheit geschildert und beschrieben; aber es kommen allerlei verzierungen darinnen vor, weil sie der damalige zweck nöthig machte Jung-Stilling s. schr. (1835) 1, 584; wer die kontinuität der handlung beobachten will, muss die charaktere nur als zufällige verzierung ansehen Ludwig ges. schr. (1891) 5, 335; die götter der alten werden (bei modernen dichtern) zu schnöden verzierungen gemiszbraucht Hebbel tageb. (1903) 1, 387.
c) allgemein von den formen des lebens, besonders der art des geselligen umgangs: die wahrheit hat zuweilen kleine verzierungen nöthig. eine lüge kann zuweilen niederträchtig seyn, aber eine erdichtung ist löblich slg. v. schausp. (1764) 1, 27 (d. caffeehaus); mich ärgern alle die verzierungen, die man beym guten gemeinen leben anbringt. da will man seine vorige bekannte rathen lassen wer man ist! Hippel lebensläufe (1778) 3, 2, 393; es ging bei solchen gelegenheiten in dem hause eines guten pächters ... eben so her, wie in dem eines barons ... mit derselben feierlichkeit und verzierung des lebens; aber freilich steifer und ungelenker Arndt ausgew. w. (1892) 1, 18; die unschuldige eitelkeit, sie ist die gutartige verzierung des daseins! G. Keller ges. w. (1889) 3, 134.
5) vereinzelt dem positiven zierung in gegensätzlichem sinne gegenübergestellt, aber wohl kaum sprachläufig (doch s. DWB verzieren 2): verzierung deformatio, depravatio Stieler stammb. (1691) 2647. —
 
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verzierungsart, f.: aus dieser quelle (blumen) haben die heutigen verzierer (i. d. kunst) ihre neue verzierungsart genommen Nicolai lit.-br. (1759) 3, 42; den ursprung dieser verzierungsart (d. arabesken) Göthe I 47, 236 W.; die hauptsache liegt bei dieser verzierungsart (d. got. stils) darin, die grundlinien nicht durch die menge ... des schmucks zu zerstören Hegel w. (1832) 10, 2, 347. —
 
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-kupfer,

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n.: das einzige verzierungskupfer (eines werkes) J. G. Forster s. schr. (1843) 5, 390. —
 
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-kunst, f., die künstlerische gestaltung der baudenkmäler, besonders die innenausstattung: (eine) wendung der verzierungskunst (im bauwesen) ..., welche die alte welt unter der römischen herrschaft nahm dt. museum (1812) 4, 482 F. Schlegel; man kann nicht genug variiren und die ärmliche monotonie ist unser hauptfehler in bauwerken wie bei der innern verzierungskunst Pückler-Muskau Semilasso in Europa (1835) 1, 270; (die) verzierungskunst der zimmer, facaden und gärten ist mehr werk der mode als der vorherrschenden idee des künstlers Hübner zeitungslex. (1824) 4, 807b; verwahrung gegen die allzu fröhliche, zu wenig klassische verzierungskunst (d. reichstagsgebäudes) daheim (1894) 31, 10a.
 
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verziesen, vb., 'akzise zahlen für', vgl. versteuern, verzollen, verzinsen; verziesen steht als nhd. normalform neben seltenerem veraccisen (Schwan nouv. dict. 2, 876a) und veraccisieren (hdwb. d. staatswiss. 1, 22a). frühnhd. dafür auch verzeisen, s. ob. sp. 2549; nd. verzisen brem.-ndsächs. wb. 5 (1771) 315: nicht ringer uf ein mal dann einen halben oder ganzen wispel verbrauen und verziesen kurmärk. ständeakten Joachims II. 1, 410 Friedensburg; 'apud Germanos valde usitatum zise, assise, accise, verziesen pro zoll, zollen, verzollen' Besold thes. pract. (1697) 2, 690a; verziest sollten werden alle in fässern oder vom zapfen verbrauchten getränke hdwb. d. staatswiss. 1 (1909) 22b.
 
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verziffern, vb. 1) 'mit ziffern versehen', selten in der älteren sprache der musik für gebräuchlicheres beziffern: die noten verziffern Campe 5 (1811) 408a. 2) 'in ziffern (in geheimschrift) umsetzen' (zu ziffer 4 'geheimschriftzeichen' sp. 1245; vgl. chiffre, chiffrieren): unteutsch-teutsche carmina ... die ich und meines gleichen gesellen ... weniger dan verzihferte gehaime briefe verstehen können Rompler v. Löwenhalt 1. reimgebüsch (1647) 0000 2b; verdeckte, heimliche, verzifferte briefe Kramer t.-ital. 1 (1700) 158a; eine geheime nachricht verziffern Campe 5 (1811) 408a. uneigentlich: den unleugbarsten beweis aber ... finde ich mit flammenschrift in den augen meiner holdseligen zuhörerinnen verziffert Gaudy s. w. (1844) 13, 14; 10, 156; dazu verzifferung, f. Fleming vollk. soldat (1726) 378b.
 
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verzig, m. , verzicht, verzeihung. schwundstufenbildung zu mhd. verzîhen; auch mit vokallängung aus den obliquen casus: verziehg (1429) städtechron. 17, 71; verzieg Speckle architect. (1589) 83a; W. Scherffer Grobianer (1640) 117; verziegk theatr. Europ. (1652) 1, 1005a. mnd. vortich (zu vortien). besonders im fränkisch-alemannischen sprachgebiet bezeugt; im 18. jh. von 1verzicht verdrängt, das zu gleicher zeit das maskuline genus annahm. in der bedeutung im allgemeinen 1verzicht entsprechend, doch in älterer zeit nicht wie dieses auf die rechtssprachliche verwendung beschränkt.
1) verzicht, verzichtleistung: renunciato verzig Schöpper synon. (1550) g 4c; Hulsius it.-frz.-t. (1616) 472b; verzieg Hayme iur. lex. (1738) 1262; verzieg, verzig Zedler univ.-lex. 48 (1746) 212; s. auch Fischer schwäb. 2, 1430; Schmidt elsäss. ma. 406.
a) rechtssprachlich; die aufgabe von ansprüchen, forderungen, rechten u. dgl., vgl. verzeihen B 1 c: unde ... dat vormoghen mit useme broder Godeken ..., dat he de sulven vortich do, de wy ghedan hebbet (1347) urkundenb. v. Hameln 1, 403 Meinardus-Fink; auch ... gelobin ich ..., daz ... myn swager und ... myn suster ... dissin vorgenantin vorzg stede und veste sullint haldin (1349) hess. urkundenb. 2, 565 Wyss-Reimer; in solchen verzige sollen auch wir verwilligen (1472) lehns- u. besitzurk. Schlesiens (1881) 1, 212; soll man vor den hoffsschultheiszen vnd scheffen erscheinen, aldae den kauff vermelden vnd eins dem andern mit mund vnd halm vbertragen vnd verzigk geschehen

[Bd. 25, Sp. 2628]


(1576) weistümer 2, 533 Grimm; anno domini 1381 hat iezgemelte fraw Anna ... alles vätterlichen, müetterlichen und brüederlichen erbs, ligends und farends, vermeg heuratsabredung, biss an ain ledigen anfaal. verzig gethon vor dem landgericht Zimmer. chron, 21, 195 Barack; mit verzyhung und begebung aller ... exceptionen schirms und freyheyten geystlicher und weltlicher rechten ..., insonderheit aber des rechten gemeinen verzüg ohne vorhergehende sonderung widersprechende (1605) bei Schmoller Straszb. tucherzunft 237; so haben wir landgraff Georg auff die daraus entstandene forderung auch verziegk gethan theatr. Europ. (1652) 1, 1005a Abelin; wer einige hofsgütere ohn wiszen und willen des lehenherren oder dessen schultheis verkauft hette ... und sich nicht bei diesem lehen- und hofgericht einsetzen lassen oder davon nach hofsbrauch verzig einbringen würde, solches alles nichtig sein solle (1664) weist. d. Rheinprov. 1, 294 Loersch; verzüg adelicher töchter Besold thes. pract. (1697) 2, 603b. gerichtliche verzichtshandlung: solte der verzig nit zu Rotweil, sondern vor einem notario beschehen Zimmer. chron. 23, 606 Barack. im plural: kain ufzug in die verzig kommen lasen ebda 3, 608.
b) im bereich des allgemeinen sprachgebrauchs; aufgabe des eigenen besitzes aus religiösen beweggründen, vgl. verzeihen B 1 d:

sa dise frouwe wol gedan
iezu wolde ouch verzigen han
ir habe waz si noch besaz,
da was ir meister nit zu laz,
er hub ir uf die hende
vor des verziges ende hl. Elisabeth 6602 Rieger.

das aufgeben eines vorhabens, vgl. verzeihen B 1 b: als sie aber auff das undergraben verzieg gethan haben, ... haben sie ein decken etlich gemacht, mit brettern, reiszholtz Speckle architect. v. vestungen (1589) 83a.
2) in örtlich begrenzter und eigentümlich mehrdeutiger anwendung in rheinfränkischen urkunden des ausgehenden mittelalters. während verzeihen mit seinen ableitungen sich in dieser zeit im sinnbezirk des schulderlasses festigt (s. 3), bezeichnet verzig bei der beilegung von streitfällen auch eine verbindliche erklärung beider seiten, von forderungen und der verfolgung früherer vergehen abstand zu nehmen und allen gehegten groll fahren zu lassen; das wort nähert sich damit der bedeutung von sühne 'vertragsmäszige einigung nach miszhelligkeiten', mit dem es auch ebenso wie friede, urfehde usw. in paariger verbindung erscheint, s. DWB sühne teil 10, 4, sp. 1015. in den folgenden belegen treten jeweils bestimmte seiten dieses sinngefüges hervor: sprechen wir und wellen ch, daz ein gantz luter sn zwischent in umbe alle die geschiht, brche, ufflff und stzze, die sich bizher zwischent in verlffen habent, si und daz weder die burgman oder burger wider die sne nimmer chomen noh getûn mit worten noh mit werchen und daz ez ein ganzer ewiger verzig si aller sache, stôzze und bruche, die sich bisher zwischent in verlffen habent (1332) urkundenb. d. st. Friedberg i. Hessen 1, 116 Foltz; daz wir nu dise sune und freden also gruntlichen und fruntlichen geschreben und gemacht haben zwessen den vorgenant burgern zu Mentze, den inern und den uszern, so sehen wir auch gern ... daz sie sweren zu den helgen, dise vorgenant sune und virzeg und disen brief luterlichen und gentzlichen stede und fest eweklichen zu halden (1333 Mainz) städtechron. 17, 35; und daz da bit (var. mit) ein gantze clar sune und ein luter eweger virzig zwessen dem rade zu Mentze und den alten und den jungen inwendig und uszwenig des rades ... sin sal umb alle geschechte wort und werke, wie sich die bisz of disen hutigen dag ergangen und virlaufen hant (1411 Mainz) ebda 44; so ist nemelichen und sunderlichen beredt, daz aller unwille, den wir mit allen deilen gein einander von der obegenanten gespenne wegen gehabet han bisz of disen hudigen dag mit worten oder mit werken, heimelich oder offenbar ein gantzer luter

[Bd. 25, Sp. 2629]


und grundlicher verziehg sin sal (Mainz 1429) ebda 71; s. auch Schmidt elsäss. 406.
3) straferlasz, schulderlasz.
a) verzicht auf strafrechtliche ahndung, amnestie, vgl. verzeihen C 2 a α: ich keyn gnad oder verzieg bei jm erlangen mag hertzog Aymont (1535) x 1a; wurde also auff gnedigen verzieg königs Ferdinands ... gantz Belhica ohne blutvergiessen widerumb rühig und stille G. Klee berümter leute leben (1589) 1, 232; in Niderland ward zu Antorff ein algemeiner verzig dess königs aus Hispanien publiciert Stumpf Schweizerchron. (1606) 275b; ausz disem verzig aber wurden erstlich auszgeschlossen alle predicanten und lehrer, die anders dann römisch catholisch sein E. v. Meteren histor. beschr. d. niderl. krieges (1614) 162a; publicirt er gleich anfangs seiner regierung ein gemeinen verzig aller meszhandlungen Borstel v. d. lieb Astreae u. Caladonis (1619) 1, 155.
b) 'verzeihung'; verzig, nachlasz venia, remissio Emmel nomencl. (1592) 196: bit um verzigk, deines ubermuts und irrsals halben Fierrabras (1533) D 6; dann dem man verzeihen hat sollen, obschon kein verdienst vorgangen wer, wenn der selb nach der wolthat schaden thut, so ist man yhm meer dann verzig schuldig M. Herr sittl. zuchtbücher (1536) 115a;

vnd wenn er also dir mit worten abgebeten,
so magstu zum verzieg und der versöhnung treten
W. Scherffer Grobianer (1640) 117.


 
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verzig, m., verdächtigung, beschuldigung, neubildung zu zig, m., wie 2verzicht zu zicht, s. d. (oder rückbildung von verzicken 2 b ?): ist derhalb mein freintlich bitt an euch, wo solcher vertzig an euch lanngen wurde, ime gar keinen glauben zustellen (um 1530) verhandl. üb. Thomas v. Absberg 193 lit. ver. in entsprechender bedeutung auch verzigung, f.: weitter vefalh Maxentius einn mal sein rittern, das sie durch die gassen giengen vnd erwürgten was sie ankemen, mit angelogner vrsach vnd verzigung S. Franck Germ. chron. (1538) 39b.
 
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verzig(s)brief, m., verzichtsurkunde; vgl. DWB verzeihbrief, DWB verzichtsbrief: gegen den hernachgemelten verweisung und verzigbrieven (1472) lehns- u. besitzurk. Schl. (1881) 1, 211; er welt inen, den grefinen von Werdenberg, ein dreck geben, dann er were inen nichts schuldig und hette ire verzigsbrief bei handen Zimmer. chron. 23, 55 Barack.

 

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