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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
verwälzen bis verwandruten (Bd. 25, Sp. 2110 bis 2120)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) verwälzen, v.: und sy sein in in selber verflochten, gleicherweys sich rad in rad verwelzet 1. deutsche bibel 3, 32;

zu suchen diesen stein,
der nicht verweltzet wird, der ewig fest kan seyn
Neumark poet. u. musik. lustwäldchen 6b;

da dieser (der kaiser) gerne das ertzstift Magdeburg auf seinen sohn hätte verweltzt gesehen Thomasius ernsth. gedancken u. erinn. 2, 248;

berg und ebne soll sie (Maria-Theresia) nennen
und des eichenhaynes graun
und die Donau sie verwälzen
Denis lieder Sineds des barden 138.

— diese verwälzung des glükkes Zesen Ibrahims wundergeschichte 1, 5, 242. —
 
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verwamsen, v., zu wamsen 2, prügeln (s. u. XIII, 1469), thür. Hentrich 62; obersächs. Müller-Fraureuth 2, 618; niederhess. Hoffmann 252; Leithäuser wb. d. Barmer ma. 166; zum dank dafür soll er nun den jugendlichen spröszling des freundlichen mannes verwamsen Söhns parias 89; wenn ich werde zurück sein, werde ich ihn v. Cl. Viebig d. schlafende heer 1, 214.
 
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verwandeln, v. , ahd. farwantalon Graff 1, 765; mhd. wb. 3, 701; Lexer 3, 293; Haltaus 1908; in den älteren nhd. wbb. allgemein, z. b. Diefenbach 21b; 136b; 288a; 374a; 379a; 428a; 592c; 593a b; voc. (1482) k k 1b; 3b; Er. Alberus 55b; Frisius 295b; 1364b; Stieler stammb. 2501; Steinbach, Adelung, Voigtel, Campe. mnd. Schiller-Lübben 5, 495; mndl. Verwijs-Verdam 9, 270; in mundartwbb. selten gebucht: schwäb. Fischer 2, 1400; Sartorius Würzburg 131; lux. ma. 468; ostfries. Doornkaat-Koolman 1, 470; nordfries. Jensen 118.
der gebrauch ist durchweg transitiv. nur im mhd. begegnen verbindungen mit dem genitiv: e daz ich dises libes ferwandele diutisca 2, 290;

wand ich der werlde verwandelt habe
Ebernand v. Erfurt 3901,

vgl. das leben v. (s. u. 4).
I. veraltete gebrauchsweisen:
1) ahd. farwantalom mutuor, 'leihe, entlehne' Graff 1, 765.
2) mhd. v., hin- und herbewegen:

als in (den vanen) der wint hette verwandelot,
so luhte dar ane daz golt rot Rother 3534 F.-K.


3) zerstören, aufheben: ubir vierzig tage dô wirt verwandelt Ninive speculum ecclesiae 70 K.;

[Bd. 25, Sp. 2111]


vor leide hete Hagene vil nâch verwandelt den sin Nib. C 452 Z.

ähnlich reflexiv: wann das im die kraft entgee und die sinne sich anfahen z v. H. Braunschweig chirurgia 74b; diesen zweyen ward ihre hoffnung auch bald verwandelet und entzwey gespalten buch der liebe (1587) 106a. rückgängig machen: daz er di gift nicht vorwandelt hât d. alte kulmische recht 4, 13. ungeschehen machen, wieder gutmachen: den schaden, den flust v. Lexer;

sundet ein mensch wider den andern,
daz mag er lîhte verwandeln
Heinrich v. Melk priesterleben 331 H.


4) mhd. sehr häufig den lîp, daz leben v., sterben, s. mhd. wb., Lexer, vgl. u. 5.
5) vertauschen. mhd.:

diu kleider ir beider
wâren verwandelt under in
Gottfried v. Straszburg 12595.

v. als rechtshandlung: einen weingarten v. oder verkoufen (1335), daz wir auz dem selben hof icht verwandelten oder enphremedeten (1378) bei Lexer; gleichwie die eintzeln heusser und ecker in den stetten vorwandelt und vorkauft von einem herrn zum andern kommen Luther 10, 1, 1, 550 W. vgl. ähnlichen gebrauch u. III. hierher wohl auch: man sagt, wie ir so schlecht seien z der pfar, die ir haben; ir müssen permutieren und die verwandlen Pauli schimpf u. ernst 61 Ö. in älterer zeit nicht selten v. mit etwas: die linde het alle ir pleter verwandelt mit morgenstern nonne von Engelthal 16, 28; sie den spyndelkorp, die kunckel und die wybische übung mit den geschossen ... verwandlen thet Terenz deutsch (1499) 81b; nit lang darnach ... verwandlet er daz leben in einer kutten mit dem todt Seb. Franck zeytb. (1531) 170a; Stumpf Schweizerchronik 261a; vereinzelt noch im 18. jahrh.: so hat er den adelstand mit dem bauerstand verwandelt Leipziger avanturieur 2, 166.
6) frühnhd., etwas an einen andern ort bringen, versetzen, verlegen: transferre Diefenbach; das ... bisthum ... ist gleich erstlich von D. von Windisch gen Costentz verwandlet worden Stumpf Schweizerchronik 401a; den keyserlichen sitz nach Damasco zu v. S. v. Birken verm. Donaustrand 170. auch übertragen, auf einen andern beziehen: Marie psalter, darinn alle psalmen, so sonst auf gott und seinen gesalbten oder Christum gericht, durchausz auf Mariam verwandelt und gestellt worden Fischart binenkorb (1588) 29b.
II. gewöhnlich in ähnlicher bedeutung wie DWB verändern, aber nur selten von geringfügiger veränderung: und begreift clima ein solich breite spacium ..., das der tag von anfang des clima bisz z seinem auszgang sich verwandlet auf eine halbe stund Seb. Münster cosmographey 37. meist von veränderungen, die so erheblich sind, dasz ihr object zu etwas anderem wird oder zu werden scheint; in den ältern wbb. mit alterare, traducere, transfigurare, transformare, mutare, com-, de-, per-, transmutare, variare, vertere, con-, invertere wiedergegeben.
1) ohne ergänzung.
a) transitiv.
α) von personen: ich bin herr und wirt nit verwandelt Berthold v. Chiemsee 262; und dieser (Simon von Cyrene) sey ... gekreutziget und von ihm verwandelt worden, dasz man ihn vor Jesum angesehen Arnold kirchen- und ketzerhist. (1699) 66b;

staunen ergreift mich, da dich der zaubertrank nicht verwandelt
J. H. Vosz Odyssee 182 B.

von innerer verwandlung:

die aber noch im leben sind,
die wil ich (Jesus) in eim nu geschwind
verwandeln und vernewen
Ringwaldt evangelia C 1a;

bis in das 16. jahrhundert hinein, wo hasz und zwietracht von innen und neid und hinterlist von auszen

[Bd. 25, Sp. 2112]


die Deutschen zu v. anfingen E. M. Arndt schriften für u. an s. l. Deutschen 1, 233.
β) von sachen; sinnlich: unt Cayn wart groslich erzurnt, und sein antlitz wart verwandelt 1. deutsche bibel 3, 55 K.;

ir farb thät sie verwandeln,
ir äuglein sie verkehrt
Mittler volkslieder 395;

(wer wein probieren will,) soll auch nichts essen, das scharpf oder versaltzen sey, dann alle solche ding verwandlen den geschmack im mund M. Herr feldbau 101b;

jedoch ein wapenbrief, den man so hoch erhandelt,
hat auch die kräfte schon, dasz er das blut verwandelt
Benj. Neukirch gedichte 137.

vorgänge in der natur: Virgilius will, daz sye (die toten bienen) widerkummen usz eins abgestorbenen farren crpel, gleichwie die wespen und hornussen von den rossen, die schrter von den eselen, das also die natur ye eins durch das ander verwandel Eppendorf Plinius 11, 187, besonders klimatische vorgänge:

das der luft verwandelt wirt
und mnig unwetter birt
Mone schauspiele d. mittelalters 1, 165;

wenn sie (die schönheiten der natur) nicht ... durch den wechsel der jahreszeiten verwandelt würden F. Th. v. Schubert verm. schr. 1, 4. von der transsubstantiation: das die substantz des brotz verwandelt werde Vogelgesang-Cochläus trag. Joh. Hussen 21 ndr.;

'trink des brantweins einen becher,
heilger!' flehte Jacopone.
'gib ihn mir, ich will zur messe
ihn verwandeln!' spricht Benone
Brentano ges. schr. 3, 234.

von wort und schrift: do er (gott) ine die sprach verwandelte 1. deutsche bibel 3, 463 K.; das wir die lange predigte ... verwandelt und geendert haben Luther 28, 201 W.; das er (Luther) ... aus seynen schriften nicht die wenigsten silben v. wölle bei Luther 15, 266 W. von wesensart und eigenschaften: das erklang also sszeklich in sinen oren, daz ellú sin natur verwandlet ward Seuse 69 B.; so ein herr sin besten und wysesten diener und rät verlürt, und das er sine gten sitten an inen verwandelt buch der beispiele 39; mir aber hast du den sinn verwandelt, und unter den wilden thieren will ich lieber hausen als hier G. Freytag ges. w. 9, 131. von sonstigen abstracten: daz ewig gesatz, das ouch nimmer mag abgethon noch verwandlet werden Zwingli d. schr. 1, 311; wurde also der lombardische vater späterhin priester, so verwandelte er zwar sein eigenes recht, aber nicht auch das der kinder Savigny gesch. d. röm. rechts 1, 115;

das vorurtheil des volks verwandeln
ist nicht so leicht als um zehntausend opfer handeln
J. R. M. Lenz gedichte 247 W.;

er ist geboren,
die welt zu seinen füszen zu verwandeln
Göthe 9, 288 W. (Mahomet 285).

im modernen sportjargon eine günstige gelegenheit zu einem treffer ausnützen: (ein sportclub) konnte einen ... zugesprochenen elfmeter nicht verwandeln der kicker (1930) 342; dasz der halblinke J. durch einen schönen kopfball und eine forsch verwandelte flanke zwei einwandfreie tore einbringen konnte 559.
b) sehr oft reflexiv; von personen, mhd.:

dî engel wîlen durh dih
dî verwandelôten sih
Hartman glaube 2567 v. d. L.;

hât er (der ungerechte) sich verwandelôt,
sô verchiuset ez got,
alsô mag er werden gotes chneht
Waag kleinere d. ged.2 72;

got ist ein unde verwandelt sich niht meister Eckhart mystiker 2, 321 Pf. nhd.:

wer wolt den mann erfinden wohl,
der sich gar nicht verwandeln soll,
wann er thun kann alles, was er will,
und ihm die ehr geschicht zu viel
Lehmann florileg. polit. (1662) 1, 226.

[Bd. 25, Sp. 2113]


von veränderung der gesichtsfarbe: do verwandelt sich ir farbe vor freuden und ward rot Warbeck Magelone 22 B. von der sprache: nicht allmählich verwandelten sich die sprachen Herder 5, 132 S. von geistigen werthen: dise evangelische warhait aber hat sich gar bald verwandelt Nas antipapistisch eins und hundert 1, 160b;

ich het gemeint, wer stet vereint,
das lieb nit solt verwandeln sich
Forster frische liedlein 58 ndr.;

aber wie gänzlich hatte sich inzwischen der protestantismus verwandelt! Treitschke hist. u. pol. aufs. 1, 53. von sonstigen abstracten begriffen:

doch hat das glück sich bald verwandlet welsch gattung 1248;

die zeit hat sich verwandelt, die menschen haben sich gebösert Pauli schimpf und ernst 20 Ö.; im universum der poesie selbst aber ruht nichts, alles wird und verwandelt sich F. Schlegel pros. jugendschr. 2, 285 M. sehr oft von der verwandlung auf dem theater: der schauplatz Chr. Reuter d. ehrl. frau Schlampampe krankheit u. tod 135 ndr., die scene verwandelt sich Schiller 14, 287 G.; dann verwandelte sich das theater zur vorstellung eines allegorischen ballets F. M. Klinger w. 3, 28.
γ) sehr häufig ist das part. prät., namentlich von innerer umwandlung, die mit menschen oder mit allgemeinen verhältnissen vor sich gegangen ist: was kunt meer umbgekart oder verwandelter sein, dann du bist, Erasme? bei Hutten 2, 241 B.; Rebekka, was ist mit dir vorgegangen? du bist ja wie verwandelt Holtei erz. schr. 18, 214; der knabe war seitdem wie v., das träumerische wesen gänzlich von ihm gewichen A. v. Droste-Hülshoff 2, 278 Sch.;

o wie ist mein gemüt verwandelt
H. Sachs 1, 39 K.;

sein verwandelt herz Schiller 14, 39 G.; die verwandelte welt Scherer literaturgesch. 53; sein verwandeltes vaterland 198; der verwandelten zeit Treitschke histor. u. polit. aufs.5 2, 271. seltener vom äuszern: wie siehe ich euch so gar entferbt und v. Aymont g 5b. in botanischer terminologie: 'v., mutatus, wenn ein pflanzengebilde sich so umwandelt, dasz es als ein ganz anderes erscheint, z. b. der fruchtkelch der eicheln Behlen forst- u. jagdkunde' 6, 144; Bischoff wb. d. beschreib. botanik 46; 127.
2) viel häufiger in verbindung mit präpositionalen wendungen; selten zu etw. v., mhd.:

mit dir diu vinstere wart
zuo dem liehte verwandelôt
Waag kleinere d. gedichte2 149;

nhd.: dem bildhauer verwandelt sich alles zu gestalten Hegel 10, 1, 55. gewöhnlich in etwas v.: mhd:

sîn bilde in engelvarwen schîn
verkêret und verwandelt
Konrad v. Würzburg Alexius 1176 G.

nhd. auch aus etwas in etwas anderes v.: ebenso verwandelte sich unter den händen des Corneille der streit der Horazier aus der historie in ein gedicht Ramler einleit. in d. schön. wissensch. 1, 29; so dasz dasselbe aus einem römischen clientelstaat in eine römische provinz verwandelt werden konnte Mommsen röm. gesch.4 3, 60; ich (war) kurze zeit darauf aus einem unbedeutenden klosterzögling in ihre excellenz frau gräfin H., ministersgattin verwandelt v. Ebner-Eschenbach ges. schr. 4, 311.
a) verwandlung durch übernatürliche kraft; durch göttliche wirksamkeit: zugleich als das brot in seinen warhaftigen, naturlichen leichnam und der wein in sein naturlich, warhaftig blut vorwandelt wirt Luther 2, 749 W.; als da er wasser in wein verwandlet Ferdinand II. v. Tirol speculum vitae hum. 18 ndr.; o Wien! ... sihe, wie dich der allerhchste so bald kan in ein bestrtztes Egypten v. Abraham a s. Clara mercks Wien (1680) 116;

[Bd. 25, Sp. 2114]


wann ich mit gott durch gott in gott verwandelt bin
Angelus Silesius cherub. wandersmann 23 ndr.

durch zauber:

das ir die vogel in die visch
verwandelt hie auf dissem tisch pfarrer von Kalenberg 39 ndr.;

(Arachne wurde) durch die neidische Minerva in eine spinne verwandelt Göthe 24, 308 W.; das sind deine zwölf brüder, die sind nun alle in raben verwandelt worden und sind verloren auf ewig kinder- und hausmärchen 1, 28;

eine durch zauberers spruch
erstarrte, in stein verwandelte,
wilde, brausende see
Arent-Conradi-Henckell mod. dichtercharaktere 131.

auch bildlich: die königin, wie in stein verwandelt, stand immer noch vor der brandstätte G. Freytag ges. w. 8, 206. oft reflexiv:

gar schwind er sich verwandeln was
in einen ungehewren trachen
H. Sachs 7, 407 K.;

wie die schönste nymphe in den umschlingenden armen in lispelnden schilf sich verwandelte Sal. Geszner schr. 1, 47; bei pferden übrigens fällt mir gleich ein: reiten muszt du, und wenn ich mich selbst in ein pferd v. sollte, um dich zu tragen Bismarck briefe an braut u. gattin 32. vom teufel: wann er selb Sathanas verwandelt sich in einen engel des liechts 1. deutsche bibel 2, 134 K.; Agricola 750 teutscher sprichwörter (1534) C 3a; Fischart binenkorb (1588) 8b; Moscherosch insomnis cura parentum 107 ndr.; Klopstock Messias (1780) 274; als sich aber der teuffel in die gestalt desz frommen ritters verwandelte buch der liebe (1587) 118d; da er sich in ein schlang verwandelt Lehman florileg. polit. (1662) 1, 360.
b) verwandlung durch physiologische vorgänge in der natur: die ader ausz der rechten seiten der hle desz hertzens fhrt das subtilest blut herausz, welches in das fleisch der lungen verwandlet wird Ruoff hebammenbuch 22; weil in dem magen eine heftige säure und schärffe ist, welche ... die eingenommene speise stracks in eine schädliche materiam verwandelt J. G. Schmidt rockenphilosophia 1, 116; wenn ... ein ... frost die wasser in ... eis verwandelte E. M. Arndt 1, 26 R.-M. reflexiv: dasz dieser ... blattstiel gleichfalls eine neigung habe, sich in blättergestalt zu v. Göthe II 6, 35 W.; wenn ... bewegung sich in wärme verwandelt D. Fr. Strausz schr. 6, 139; dasz die insekten erst eier, dann larven, dann puppen seien und sich dann erst in das vollkommene insekt v. Roszmäszler der mensch im spiegel d. natur2 92. von der verwandlung des körpers durch den tod:

der wurm der verwesung,
der meinen leib nun bald
in staub verwandelt
Ch. F. Schubart sämtl. ged. 1, 143.


c) verwandlung durch menschliches thun, durch geschehnisse innerhalb der menschlichen gesellschaft:
α) von personen; durch verkleidung: das er ... sich antüg und verwandle in ain gestalt ains karchers Nic. v. Wyle translationen 47 K.; die ganze gesellschaft sasz da, verwandelt in possierliche masken einer tollen faschingsnacht F. M. Klinger werke 3, 80. durch veränderung sozialer verhältnisse:

(damit ich) vermögend wär, im hui den reichsten bettler
in einen armen reichen zu verwandeln
Lessing 3, 23 M. (Nathan);

einige ... nachbarn, welche ihre leibeigene ... in erbpächter verwandelt haben Just. Möser sämtl. w. 3, 233; wie viele gesellen konnten sich in meister verwandeln? Holtei erz. schr. 18, 62. durch veränderung des verhaltens, der handlungsweise: so haben auch diese (die dominikaner) viel giftige sünder in buszfertige verwandelt Abraham a s. Clara mercks Wien (1680) 35; der blosze name hätte mich in einen tugendpriester v. können Fontane I 4, 329; reflexiv: wenn der gute, wie gewöhnlich, nun in den bösen sich verwandelt F. M.

[Bd. 25, Sp. 2115]


Klinger neues theater 1, 186; schon im nächsten augenblick verwandelte sich das junge, nach freundschaft schmachtende mädchen in die vornehme, in selbstzufriedener ... unnahbarkeit ruhende gesellschaftsdame Spielhagen 2, 189. durch veränderung der beziehung zu andern: ein hübsches mädchen ... findet zuverlässig einen liebhaber, welcher lust hat, sich in einen ehemann v. zu lassen Hippel über die ehe 15; einen nützlichen freund in einen gefährlichen feind zu v. Schiller 8, 22 G.
β) ebenso von begriffen, die metonymisch für personen stehen oder etwas von personen aussagen:

ach, dasz sich nicht die seel in dich verwandeln kan!
Lohenstein Sophonisbe (1680) 32;

verwandelt ihr euer leben so in einen ... reinen gottesdienst Miller predigten fürs landvolk 1, 82; meinen adel in den freyherrnstand zu v. theater d. Deutschen 12, 274. von gefühlen, empfindungen und deren äuszerungen:

owe wie ist min grosze freid
so gar verwandlet in pin und leid!
Mone schausp. d. mittelalters 2, 327;

wann du hast verwandelt mein klag
in ein reyengesang den tag
H. Sachs 18, 130 G.;

P. Gerhard bei Fischer - Tümpel kirchenlied 3, 350; Gottsched gedichte 1, 338; grosze angst in schimpf (Steinhöwel Äsop 116), ruhm in klage (Luther bibel 5, 146 Bindseil), zorn in mitleid (Knigge roman meines lebens 2, 124), hochachtung in liebe (Lessing 2, 115 M.), sanftmuth und liebe in raserey und blutdurst (maler Müller 1, 306), aufregung in ohnmacht ( v. Ebner-Eschenbach 4, 47) verwandeln. oft reflexiv: mein unglück ... hat sich wiederumb in frewden verwandelt engl. comedien u. tragedien (1624) Q 5b; hasz verwandelt sich in verwunderung (Lohenstein Arminius 1, 6b), liebe in hasz (Bräker sämtl. schr. 1, 104), freude in widerwillen (G. Hauptmann bahnwärter Thiel 29). von eigenschaften: dardurch (wird) der unerstlich geitz verwandelt werden in einen gebrlichen gengen H. v. Cronberg schr. 3 ndr.; da leget obbenanter bischof Niclaus von ihm alle kargheit und verwandlet den anerbornen geitz in ein slche miltigkeit Stumpf Schweizerchronik 403a; seine gemeinnützigkeit verwandelte sich in egoismus fürst Pückler briefwechsel u. tageb. 1, 128. von der sprache: in Frankreich, Spanien und Italien verwandelte sie (die römische sprache) sich nach und nach in drey neue sprachen bibl. ält. schriftw. d. Schweiz II 3, 30.
γ) durch verarbeitung, künstlerische oder sonstige geistige thätigkeit v.: alchimia, kunst zu v. ein metal in das ander gemma gemmarum (1508) a 6b; als ... Torricelli ... metalle in kalk und diesen wiederum in metall verwandelte Kant 3, 10 akad. ausg.; es ist leicht, gerste in spiritus zu v. O. Ludwig 5, 38; kälber ..., die alsbald in braten und suppe ... verwandelt werden muszten E. M. Arndt 1, 190 R.-M.; von geistigem: wer nun einen lateinischen ... autorem lieset und dem verstande nachsinnet, der verwandelt solches gleichsam in seine gedancken Ch. Weise polit. redner (1677) 17; eine gute sprachlehre ..., die den itzigen besten gebrauch im reden in regeln verwandelt und den nachkommen anpreiset Gottsched sprachkunst (1748) 13; von dem kleinen geiste der galanterie, der ... die tragödie in eine folge von verliebten gesprächen verwandelte Lessing 10, 124 M.; die erscheinungen in begriffe v. Göthe 47, 302 W.; er verwandelt allen für ihn brauchbaren stoff in drastische momente G. Freytag ges. w. 14, 16; reflexiv: so haben sich die kurzen erzählungen und poetischen novellen in strophische balladen verwandelt Scherer litteraturgesch. 257.
δ) inneres in äuszeres v.: wo sie ihre überzeugung in that und wirkung v. wollen Göthe 46, 54 W.; kann er seine besten fähigkeiten nicht in that v. F. H. Jacobi 1, 14;

ich hoff und harre des tages,
wo in erfreuende that sich scham und kummer verwandelt
Hölderlin 1, 129 L.

[Bd. 25, Sp. 2116]



ε) von sonstigen abstracten begriffen: viel nutzes (ist) ... durch ungleiche rahtschläge ... in unwiderbringlichen schaden verwandelt worden Kirchhof militaris disciplina 92; fluch in segen (Zinkgref apophthegmata 26), segen in fluch (Hohberg georg. cur. 1, 46; Seume gedichte 184), elend in segen (Ramler fabellese 1, 116), streit in freundschaft (Bucholtz Herculiscus 25), etwas blos mögliches in ein würkliches (Herder 5, 33 S.), das lebendige in ein todtes (Göthe II 1, 303 W.), das wirkliche in schein (F. Schlegel in Athenäum 1, 2, 43), unrecht in recht (Raupach dram. w. ernster gattung 5, 260), betrug in wahrheit (Justi Winckelmann 1, 323) verwandeln.
ζ) von vorgängen und zuständen: die offne fehde verwandelte sich bald in eine feinere F. M. Klinger w. 3, 11; sie (Kriemhild) ladet die schuldigen zu einem feste und verwandelt das fest in ein blutbad Scherer litteraturgesch. 110; in eine anklage, wie man sieht, verwandelt sich die ablehnung Ranke s. w. 1, 219; die feste zucht der legionare und ... die ... siegesgewiszheit der Deutschen verwandelten die drohende niederlage in einen glänzenden sieg Mommsen röm. gesch. 5, 26;

gott als ein vater handelt,
er nimmt hinweg die straf
und euren tod verwandelt
in einen süszen schlaf
J. Maukisch bei
Fischer-Tümpel kirchenlied 3, 120;

sein schlummer verwandelte sich in den schlaf des todes Ranke s. w. 31/32, 190; ein brustweh, das sich fast in herzweh verwandelt hätte Göthe IV 26, 84 W. besonders von der änderung staatlicher und rechtlicher verhältnisse: habend wir ... die marck Österrich in ein herzogthumb verwandelt Tschudi chron. helv. 1, 78; Frankreich in ein wahlreich zu v. Ranke s. w. 8, 19; die abhängigkeit eines bischofs in völlige unterthanenschaft zu v. 1, 135.
η) örtlichkeiten, gebäude, anlagen v.; durch veränderung ihres zustandes: Augustus liesz ihn (den pontinischen morast) zum andernmal in brauchbar land v. Gottsched crit. dichtkunst (1751) 16; wo ... felder und gärten in straszen verwandelt werden Archenholz England u. Italien 1, 1, 127; dasz ... Schweden, Franzosen und Deutsche Deutschland auf mehr als ein jahrhundert in eine wüste verwandelt haben Moltke ges. schr. u. denkwürd. 7, 130. durch veränderung ihrer verwendung, ihrer function: der (ehrentempel) sich aber ... in einen zypressenhain und grabmahl verwandelt S. v. Birken ostländ. lorbeerhayn 8a; alle heydnische götzentempel im römischen reich solten in christliche kirchen verwandelt werden Schupp schr. (1663) 70; die friedliche stadt war in ein feldlager verwandelt G. Freytag ges. w. 11, 91; ein bloszes fischerhaus, das sich erst sehr allmählich ... in ein gasthaus verwandelt hatte Fontane I 5, 187. von örtlichkeiten auf dem theater: der schauplatz verwandelt sich ins kysers gemach Lohenstein Ibrahim sultan 33; in dem augenblicke als sich die scene in wald verwandelt Göthe 17, 22 W.
3) oft wird v. in dem ausgesprochen subjectiven sinne gebraucht, dasz nicht der gegenstand selbst verändert wird, sondern eindruck, meinung, vorstellung, die jemand von ihm hat; nicht selten von religiösen vorstellungen: mit unserm sinn v. wir gott und machen ein frembden gott ausz im Eberlin v. Günzburg 3, 91 ndr.; ir ... habt verwandelt die herligkeit desz unvergencklichen gottes Güttel von evang. warheyt A 3b; dasz sie (die abgefallenen engel) ... die unsichtbare herrlichkeit dessen, der sie gemachet hatte, in das bild eines vernunftlosen thiers verwandelten Bodmer samml. crit. poet. schr. 1, 24; scheint hiemit die auferstehung Jesu ... in ein zufälliges natürliches ereignis verwandelt D. Fr. Strausz ges. schr. 3, 15; es wird doch wohl eine epoche voll schönheitssinn und frauenverehrung gewesen sein, welche den arischen sonnengott in eine göttin verwandelte Scherer litteraturgesch. 11. von irdischem: wie verwandelt sich diese welt unter meinen bliken, wenn sich das licht deiner allgegenwart über sie ergieszt! Wieland I 2, 363

[Bd. 25, Sp. 2117]


akad. ausg.; der ... sinnliche genusz verwandelt in sich ... den gegenstand, nach dem wir begehrten Herder 15, 307 S.;

wenn du dem dreiszigsten
dich nähern wirst, ist diese welt verwandelt
Schiller 5, 86 G.

von der änderung der bedeutung, des symbolgehaltes: dasz diese trauerfahne sich bald in Polens freiheitsfahne v. möge G. Büchner nachgel. schr. 238; die lilien Frankreichs v. sich in todtenblumen Bauernfeld ges. schr. 6, 118.
III. in zahlreichen der oben besprochenen fälle ist es zweifelhaft, ob im sprachbewusztsein die vorstellung lebendig ist, dasz mit einem object eine veränderung vorgeht, oder dasz etwas anderes an seine stelle gesetzt wird. zuweilen tritt die zweite bedeutung klar zu tage; manchmal liegt der oben unter I 6 behandelte gebrauch nahe: seinen aufenthaltsort v.:

er sitzet swar er wirt gesat,
daz er verwandelt niht die stat
Rudolf v. Ems Barlaam 210, 36;

der sagt die seel unsterblich sein,
far doch in andre crper hin,
allein ir statt verwandlen th
Scheit Grobianus 2225 ndr.

die kleider v., andere kleider anziehen oder einem zum anziehen geben: ste auf und verwandel das gewande, daz du nit werdest derkant 1. deutsche bibel 5, 304 K.; sy zugend Joseph von dem kerkar, sy bescharen in, sy verwandelten die gewande 3, 183. ein wort, einen ausdruck durch einen andern ersetzen, besonders den namen: transnomino, den namen v. Calepinus XI ling. 1483; do enpfieng in der bapst ... und toufte in und verwandlet im sinen namen und nampte in Theodricum bibl. ält. schriftw. d. Schweiz I 1, 5. auch v. in kommt in diesem sinne vor: lassend uns ... den eerlichen namen Christi nit verwandelet werden in den namen des Luters Zwingli d. schr. 1, 256; sonstiges: dasz du uns lehrest, wie der titel hochfürstl. gnaden in hochfürstl. durchlauchtigkeit verwandelt ... werde Liscow samml. satir. u. ernsth. schr. 348; in den aufgeregten habe ich in der octavausgabe ... ein 'mir' in 'nur' verwandelt Göthe 18, 393 W. einen buchstaben statt eines andern aussprechen oder schreiben: wie die Italiener ..., die das lateinische 'ph' allezeit in ein 'f' v. Gueintz rechtschreibung (1666) 15; wie einige das lange o in au und das kurze in u v., wenn sie sprechen Gottsched sprachkunst (1748) 20. einen gegenstand durch kauf oder verkauf in einen andern v.:

du kanst, o Dieterich, im grunde künstlich handeln,
gold, silber, zinn und erz in feuchten wein verwandeln
Grob dicht. versuchgabe 58;

wären wir in der stadt, wo alles zu finden ist, so hätte man diese kleine summe in eine uhr, einen ring oder sonst etwas verwandelt Göthe 22, 5 W. eine handlung statt einer andern begehen: aber ein gut werck ist biszweilen ausz noth und liebe desz nechsten zu unterlassen oder in ein bessers zu v. Joh. Arnd Thomas a Kempis 18;

irr ich mich nicht, so wirst du bald, o fürst,
den tadel in ein frohes lob verwandeln
Göthe 10, 115 W. (Tasso 1, 2).

eine strafe durch eine andere ersetzen: dieselb (die gerechtigkeit) verwandelt ewige straf in zeitliche pein oder gngthung Berthold v. Chiemsee 32; wenn man dem gefangenen die todesstrafe in ewiges gefängnis verwandle Ranke s. w. 4, 380; ebenso eine verpflichtung: der plan, die wegelast in eine geldabgabe zu v. Dahlmann französ. revol. 30. vertauschen, ersetzen, einen gegenstand statt eines andern gebrauchen: (die leichen) wurden ... in höltzerne kästen oder särge geleget, die in denen folgenden zeiten in küpferne und zinnerne verwandelt wurden v. Fleming teutsche soldat (1726) 374.
 
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verwanden, v., zu wanden 2 (s. th. 13, 1646): das fletz ward baidenthalb verwandot ... mit teninen brittern v. Richental chronik d. Constanzer conzils 31; schwäb.

[Bd. 25, Sp. 2118]


v. 1655 bei Fischer 2, 1400. —
 
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verwandern, v., seit dem späten ma. belegt, s. Lexer 3, 294. mnd. Schiller-Lübben 5, 496; mndl. Verwijs-Verdam 9, 278. in älterer zeit gleichbedeutend mit verwandeln, ebenso wie auch einfaches wandern, s. th. 13, 1662, wo auch einige belege für verwandern gegeben sind: variare, transformare Diefenbach; wie dat regiment ind dat gebiede des keisers zo den paesen ind den buschoven ... groislich verwandert ind umbgekeirt si (Köln 1499) chron. d. d. städte 14, 732; so werd sy (die sünde) verwandert in trauren und klagen A. v. Eyb spiegel der sitten A 2a; das ssz joch Christi, das ons die bbst haben in ein so schwer joch irer gesatz verwandert Clemen reformationsflugschriften 3, 339;

wie er sich so oft verwandert,
sein gstalt und wesen gantz verandert
Wickram 4, 251 B.;

er (der kuttelfisch) hefftet sich an die velsen, verwandert sein farb in die farb der selbigen velsen Herold-Forer Geszners thierbuch (1563) 3, 109. hierher gehört wohl auch:

wo ich hin reyt an sattl und pferd,
bin ich den wirthen gar unwert.
borgt mir von keim mal zu dem andern.
rock, stiefel, sporn musz ich verwandern
H. Sachs 9, 19 K.,

wo v. wohl eher wie verwandeln I 5 verkaufen, vertauschen, versetzen bedeutet als 'im wandern, im umherziehen verbrauchen'. — dazu verwanderung morphoseon Diefenbach.in neuerer zeit zu wandern in der gewöhnlichen bedeutung: v., wegziehen Hulsius-Ravellus (1616) 360b; Rädlein 952b; 'v. ist eine strafe, welche in einer gezwungenen wanderschaft bestehet, die einem aufgelegt wird, der in verfertigung des meisterstücks so gröblich verstoszen, dasz es sich mit gelde nicht verbüszen läszt' Jacobsson technol. wb. 8, 84. mit wandern verbringen; vom handwerksmäszigen wandern: dasz man die jahre verreisen oder v. möge Noel Chomel 5, 136; allgemeiner: eine halbe stunde zu v. Zschokke s. ausgew. schr. 25, 275. ungewöhnlich verwandert, von vielem wandern mitgenommen:

er fuhr durch tausend städte, fuhr durch wald und wiesen,
die jahreszeiten überrauschten sein verwandertes gesicht
P. Zech in 'zeitgeist' vom 30. juni 1913;

ähnlich me. forwandren exhaust oneself with wandering Stratman-Bradley 245. —
 
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verwandler, m., alchimista Diefenbach; ein alchimist oder ein v. der metal gemma gemmarum (1508) a 6b; die rede ist von einem schwätzer und geschickten v. praktischer ideen in theoretische grillen A. G. Spangenberg apolog. schluszschrift 2, 5. —
 
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verwandlich, adj.: gott hat das gelück v. wöllen haben A. v. Eyb spiegel d. sitten E 2b.
 
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verwandlung, f. , mhd. verwandelunge mhd. wb. 3, 702; Lexer 3, 294; Diefenbach 21b; 288a; 326c; 359b; 370a; 374a; 592a c; 593a b; voc. (1482) k k 1a; Er. Alberus 55b; Calepinus XI ling. 926b; Stieler stammbaum 2501; Steinbach, Adelung, Campe. die bedeutung entspricht verwandeln II und wird in den älteren wbb. mit alternatio, conversio, impedatura, metamorphosis, mutatio, mutatorium, traiectio, transfiguratio, -formatio, -latio, -substantiatio wiedergegeben. v. geschieht, geht vor: wie aber dise verwandlunge gescheh, das werden die menschen wol gewar Tauler sermones (1508) 83; alsz dan würt under dynem volck ein grosze v. geschehen H. v. Cronberg schr. 3 ndr.;

kommt mit mir in die stadt, ich will euch rauben,
was da für verwandlungen gschehen, ist kaum zu glauben
Meisl theatral. quodlibet 1, 30;

es musz mit diesen ersten begriffen eine grosze v. erst vorgehn Gerstenberg in hambg. neue zeitung 179 lit.-dkm. v. leiden, erleiden, durchmachen und ähnliches: die verwandlungen, die ein saamenthierchen leidet F. Nicolai lit.-briefe 2, 278; ein mensch erleidet wie das insect seine verwandlungen Chamisso (1836) 6, 148; durch viele verwandlungen wird die welt gehen müssen, ehe sie ihre neue gestalt gewonnen hat E. M. Arndt schr. für u. an s. l. Deutschen 1, 422; ihr gefühl gegen ihn erfuhr eine v. M. Meyr erzähl. a. d. Ries 3, 295; wie hat meine weltanschauung doch ... so viele verwandlungen durchgemacht Bismarck briefe an braut u. gattin 298.

[Bd. 25, Sp. 2119]



1) v. durch übernatürliche kraft; in mystischem sinne: v. sin selbes geschafenheit in daz, also daz daz selb, daz er ist, got sie Seuse 162 B.; Tauler pred. 120 V.; v. der gotheit in menscheit d. ewigen wiszheit betbüchlin (1518) 207b; v. durch zauber und wunder: die v. desz weibs Loths in einen unbeweglichen stein Nigrinus von zäuberern 174; v. der ruten Moysis Guarinonius greuel 41; die kunst der zauberei und der verwandelungen Ritter erdkunde 2, 162; verwandlungen der menschen in thiere, der thiere in menschen Jac. Grimm Reinhart fuchs vorrede 3; — eine zauberische verwandlungsruthe Lohenstein Arminius 1, 836. — als übersetzung des titels von Ovids metamorphosen:

Ovidius beschriben hat
ein grosse wunderliche that
in seim buch der verwandelung
H. Sachs 2, 183 K.;

Ovids verwandelungen Göthe IV 28, 355 W.;

Sulmons edler liederdichter solte hier zugegen sein,
denn es käme noch ein wunder ins verwandlungsbuch hinein
Grob dichter. versuchgabe 69;

die beschreibung der ... wasserflut aus Ovids verwandlungsbüchern allgem. d. bibl. 46, 16. —
von der verwandlung in der messe: transsubstantiation odder v. des brods in seinen leib Luther 23, 145 W.;

der bischof steht im reinen meszgewand,
er faszt den kelch, er segnet ihn, er kündet
das hohe wunder der verwandlung an
Schiller 12, 559 G. (Maria Stuart 5, 7).

verwandlungsfackel Hübner zeitungslex. (1824) 4, 806, -glöckchen Jean Paul 48, 61 H.
2) v. durch physiologische und andere naturvorgänge: von v. der natur verwandelt sich die stim problemata Arestotilis 7b; zeichen der volkommen ledigung seindt der schlaf und der durst und v. der siechtagen Gersdorf wundarzney 56; v. des nahrungssaftes in blut Kinderling reinigkeit d. d. sprache 177; v. des lebens, des leibes durch den tod: wann blödhait menschlichs geschlechts entsitzt, im letsten zit des lebens mit schneller v. künftig sin Öheim Reichenauer chronik 9 Barack; das ... der ... todt ... ain v. des leybes wre Schwarzenberg teutsch Cicero 46a;

herrliches weib, wo ist dein leben nach der verwandlung,
welche, tod genannt, frischeres leben verjüngt?
E. M. Arndt 3, 182 R.-M.

vereinzelt vom übergang aus dem wachen in den schlaf: alles um ihn her schläft oder liegt in der v. portraits (Leipzig 1779) 176. auch von der seelenwanderung: ein strom leichter verwandlungen ist ihre (der seele) welt Herder 16, 347 S. von chemischer v.: wllen doch die gelerten, das metall iren namen von der veranderung oder v. haben solle Mathesius Sarepta (1571) 36a; eine v. von quecksilber in gold J. G. Forster s. schr. 7, 162; bei dieser v. (von holz und öl beim verbrennen) wird zugleich wärme Stöckhardt chem. feldpredigten 1, 4. — verwandlungsfarben nennt man solche färbung auf zeugen, welche durch einwirkung gewisser agentien ... hervorgerufen werden können Karmarsch-Heeren techn. wb.3 9, 23. — v. der gestirne: darumb geht die v. des mons das hirn nit an Paracelsus op. (1616) 1, 15 Huser; durch solche zusammenfügungen und verwandelungen desz monds und der sonnen wirt ein monstrum als ein comet volksb. v. dr. Faust 72 P.;

der jahreszeiten wechselnde
erscheinungen, die immer wiederkehrenden
verwandlungen an dem
gestirnten firmament — was sind sie anders als
ein ewges fratzenschneiden der natur?
Grabbe 1, 134 B. (Gothland 3, 1).

v. von insekten und ähnliches: von dieser wunderbaren v. der raupen Triller poet. betracht. 4, 18; ihre v. in nymphen Kerner bilderbuch 163. — verwandlungsfähigkeit der natur, die aus dem blatte eine blume, eine rose, aus dem ei eine raupe und aus der raupe einen schmetterling heraufführt Göthes gespr. 3, 65 B.; -geschichte der niederen thiere Brehm thierleben

[Bd. 25, Sp. 2120]


10, 373 Pechuel-Lösche; -hülse, pupa Nemnich wb. d. naturgesch. 614; die verwandlungshülsen von nachtschmetterlingen allgem. d. bibl. 49, 5, 50; — -phase: die bestimmung der v. der insekten im insektenkalender Ratzeburg waldverderbnis 1, 72; — -stufe: die vier allgemein bekannten v.n (der raupe) K. E. v. Bär reden u. versch. aufsätze 2, 54; — -zeit: die v. (beim rüsselkäfer) ... daure 60 tage Oken allgem. naturgesch. 5, 1653; — -zustand: da ... die insekten im zweiten ihrer vier verwandlungszustände ... am gefräszigsten sind Roszmäszler der wald 270.
3) v. durch menschliches thun oder menschliche und soziologische vorgänge; v. von personen durch änderung ihrer wesensart:

in eynen ubeler du (gott) bist
ken mir gewandelt in kurtzer vrist.'
keyne verwandelunge nicht
in gote vellet buch Hiob 11457 K.;

die v. und besserung des lebens J. Arnd Thomas a Kempis 20; seine völlige v. ... in ein anderes ich Mörike 3, 67 Göschen; nicht eine vermischung der Deutschen mit den Preuszen vollzog sich, vielmehr eine v. der ureinwohner Treitschke hist. u. polit. aufsätze5 2, 20; drei verwandlungen nenne ich euch des geistes: wie der geist zum kamele wird, und zum löwen das kamel, und zum kinde zuletzt der löwe Nietzsche Zarathustra 33. v. durch verkleidung: v. siner kleider Tschudi chron. helv. 2, 25; J. muste sich zu dieser v. entschlieszen Arnim 10, 225 G.; v. durch änderung rechtlicher und sozialer verhältnisse: die beabsichtigte v. der sachwalter in staatsbeamte Eichhorn staats- u. rechtsgesch.3 4, 750; diese v. des königs und kaisers in einen bloszen privatmann Raumer Hohenstaufen 1, 350. v. der namen 1. deutsche bibel 3, 463 K., der wörter Gottsched sprachkunst (1748) 3, der sprachen Herder 16, 46 S., der vocale in diphthongen Göthe 42, 2, 132 W. in sprachlicher terminologie des 17. jahrh.s v. flexion: ball ..., mit dem zweyfachen ll und einfachen a, weil die beyde ll in der abweichung oder v. folgen als balles Gueintz rechtschreibung (1666) 33; das man sie (griechische und lateinische namen) nicht immerdar in der nennendung stehen lasse, sondern nach ihrer grundsprache in ihre verwandelunge setze 12.
v. von örtlichkeiten: v. der wälder in felder Wimmer gesch. d. deutschen bodens 86; besonders vom schauplatz auf dem theater: es macht so viel lermen auf der bühne, es erfordert so viel pomp und v., als man nur immer in einer oper gewohnt ist Lessing 9, 226 M. v. äuszerer verhältnisse durch ortswechsel: damit sie (die in fremden gegenden gekauften kühe) nicht von v. der stett, wetters, speisen ... in kranckheit fallen Heyden Plinius 235; v. desz lufts oder der narung Herold-Forer Geszners thierbuch 28. v. staatlicher und rechtlicher verhältnisse: stets folgt er ihren (der römischen verfassung) verwandlungen mit ... aufmerksamkeit Niebuhr röm. gesch. 2, 28; v. des gräflichen titels in den königlichen Abbt verm. w. 2b, 34; v. der beneficiorum in feuda Just. Möser s. w. 3, 189; v. der ersten kammer in das herrnhaus Bismarck gedank. u. erinn. 1, 160. volksausg. v. allgemeiner und abstracter begriffe: v. des glükes Steinhöwel de claris mulieribus 115 lit. v.; v. Chemnitz schwed. krieg 1, 2; v. des wesens in formen Heinse s. w. 4, 320 Sch.; v. der alten gesinnungen in neue Ch. F. Schubart leben u. gesinnungen 2, 185; v. der persönlichkeit in gottheit Bettine Günderode 1, 253. v. durch dichterisches schaffen: v. der Achilleis in einen roman Göthe III 3, 256 W.; die helden des epos und der sage sträuben sich heftig gegen die v. in dramatische charaktere G. Freytag ges. w. 14, 144; — v-sfähigkeit: in der proteusartigen v. seines stils Justi Winckelmann 2, 2, 224; — -lust: sie (Gleims gedichte) sind, wenn nicht mit Bodmers diebsader, doch mit dessen v. geschrieben Gervinus gesch. d. d. dichtung (1853) 4, 228. mathematische fachausdrücke: v. der gleichungen Beil technol. wb. 1, 630; — -winkel: 'v. ... ist ein gezeichneter winkel, dessen sinus gleich einer gegebenen ... zahl ist' Lueger lex. d. ges. technik 7, 806. — verwandruten,

[Bd. 25, Sp. 2121]


v.: 'v. ist die jöcher mit groszen höltzern stützen' Junghans gräublein ertz F 2b; v. Schönberg berginformation 2, 103; Hübner curieuses u. reales lex. 1651; Minerophilus 691; Herttwig bergbuch 406a; Noel Chomel 8, 2185; Krünitz 219, 188; Beil technol. wb. 1, 630; 'v. eine schachtzimmerung mit wandruthen unterstützen' Veith bergwb. 541; Lueger lex. d. ges. technik 4, 793.

 

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