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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
verwähnen bis verwahrlichkeit (Bd. 25, Sp. 2073 bis 2085)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) verwähnen, v. , ahd. varwânen Graff 1, 866; mhd. verwænen mhd. wb. 3, 498, Lexer 3, 294, Jelinek; schriftsprachlich nur in älterer zeit; mundartlich Müller-Fraureuth 2, 618, nd. s. u. 5a. altengl. forwßenan Bosworth-Toller.

[Bd. 25, Sp. 2074]



1) die ahd. bedeutung desperare hat sich nicht fortgesetzt.
2) vermuten, annehmen: vorwen conjector Diefenbach 108b; meinen oder vermeinen, wenen oder verwenen Meichszner handbüchlein 21a; als die unrechten verwænen und sprechen: wir sein aus nichte geporen Berthold v. Chiemsee 139. dazu der substant. inf., vermutung, erwartung: darumb sol mer glaubt werden aufrechter kundschaft dann scheinlichem verwænen Berthold v. Chiemsee 19; (Tarquinius) floh also in dem verwenen, (dasz sein sohn ihm nach dem leben trachtete) z den feinden in die statt Gabios Carbach Livius 20b.
3) ebenso reflexiv. mit dem gen. nur mhd.:

sie verwânten sich dar umbe
von Alexandro grôzes fromen Straszburger Alex. 3699 K.;

daz er (der teufel) sich keinre gotheit an im (Jesus) vorwente altd. pred. 1, 160 Schönbach; do verwande er (der teufel) sich der sunden da (an Jesus) spec. eccl. 37 Kelle. mit abhängigem satz auch frühnhd.: die Saxen hattend sich selbs verwnet, der künig lge also weit von inen, das einer eins gantzen tags kaum z im reiten mcht Stumpf Heinrich IV. (1556) 47b.
4) etwas jünger ist der transitive gebrauch, einen glauben machen: sie warent verwent von Metio, er solt auf ire seiten fallen Carbach Livius 11a; etwan ... könde der biber sein geile dermassen verbergen, dass er die yhenigen, so im nacheylend, betreugt und, als ob sy im aussgehauwen, von verrem verwänt Forer Geszners thierbuch 23. bei Wickram in der form verwönen: verwnten in, sie wolten nur ein zeit lang umbriten spatzieren und bald wiederkummen 2, 30 B.;

also tht sie den lieben sun
bey ir doheym behalten nn;
den vater sie verwnet doch,
der sun gang in die schlen noch 6, 264 B.

in wahn versetzen, betören: so bist du von deinen fuchsschwäntzern so verwähnt, dass du dich selbsten nicht erkennest Grimmelshausen Simpl. 123 Kögel.
5) ziemlich häufig ist das part. prät.:
a) schon mhd. verwænet kühn, verwegen:

ja was virwenet unde fier
der helt die dar ffe (auf dem pferde) saz graf Rudolf J 25;

dazu ebenda mehrfach verwænentliche. nhd. frech, anmaszend: du hast gng verwenter wort gebraucht Fierrabras (1533) h 5; mit bösen und verwenten worten Mathesius Sarepta (1571) 132b; der allerfrechsten und verwehnsten leckersbuben einen Amadis 1, 173 lit. v.;

wie bist so frech und hoch verwend
Nic. Frischlin 38 lit. v.

in neueren mundarten: götting. Schambach 269a; ostfries. Stürenburg 316b. vgl. auch altengl. forwened insolens Bosworth-Toller.
b) irregeführt, in wahn befangen:

durchaus verwähnter geist!
wen suchst du durch den dunst der worte zu verblenden?
Gryphius trauersp. 584 Palm;

umsonst! wer lorbern, glück und ruhm ihm wil sehn blühen,
den nahmen beym gestirn in ehrentempeln stehn,
musz aus der irrebahn verwehnter sinnen gehn
Lohenstein Sophonisbe (1689) 71.


c) vermutet, vermeintlich, scheinbar: Joseph sein verwänter vater und Maria sein wore mter Geiler v. Keisersberg postill 1, 20; verwänter sun Maaler 437a; den verwehnten bättler Stumpf Schweitzerchr. 321a; ein verweneter oder bescheinender contract, simulatus einer verhandelung oder eines dings, das in der warheit nit ergangen d. stat. Worms reform. (1513) 30a; besorgnuss der verwndten ubermacht (das aber nit was) Tschudi chron. helv. 2, 524. —
 
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verwähnung, f., zusage, versprechen, zusicherung: mit der verwenung, dasz wir zversichtlich die sachen weiter und unverzogenlich be

[Bd. 25, Sp. 2075]


ratschlagen (Augsburg 1533) chron. d. d. st. 23, 347; wie man die protestierenden blende mit verwenung ains fridens A. Blaurer briefw. 2, 237. verabredung: dann wer ... eynich getraid ausserhalb der stat, der thor und der vorbenannten vier merckt und ende kauffet oder darumb failset oder verwenung oder vorrede darumb machet Nürnb. polizeiordn. 215 B. meinung, glaube: dise verwnung, dasz ellendsklaw für sölichen siechtagen gt sey Forer Geszners thierbuch 40b.
verwahr, adv., fürwahr (vgl. IV, 1, 1925). mhd. Lexer 3, 295.

verwâr (hs. F, sonst vür wâr) die kertzen truogen
mit zuhten und mit fuogen
rîter und juncfrouwen
Heinrich v. Freiberg Tristan 2551 Bernt;

wir hân verwâr daz vernomen livl. reimchr. 6421 Meyer; 4080.

frühnhd.:

verwar bist du ein alte hex
H. Sachs 14, 29 G.;

dises ubels aber ... ist verwar kein ander ursach, dan ... Leisentrit cathol. pfarbuch (1578) 8; mundartlich götting. vorwâr, verwâr Schambach 268b; altmärk. verwaor Danneil 241a; vgl. mnd. vorwar, ndl. voorwaar. daneben auch verwahre, mhd.:

als ich verwâre sprechen sol livl. reimchr. 7256 Meyer.

nhd.: verware, ich byn onlustigh Clemen reformationsflugschr. 1, 399; obersächs. Müller-Fraureuth 2, 618 (veraltet); mecklenburgisch verwhre nich, verwhre nich! Frommann 5, 288.
 
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verwahr, m. und verwahr, verwahre f., sind nicht immer unterscheidbar. sichere fem.-belege sind von 1533 (Fierrabras) und 1610 (Guarinonius), das masc. ist unzweideutig erst seit dem späteren 18. jahrh. belegt: wahrscheinlich sind daher die sonstigen älteren belege feminina. dazu mnd. vorware Schiller-Lübben 5, 496.
1) vorrichtung zum absperren (riegel, sperrhölzer?, vgl. verwahrstock): so solle auch jeder undertan die paanzein (bannzäune?) in summer und winter mit zeinen und verwahren wol versehen, damit das vich nit zu schaden auf die felder gehen mag (1380) öst. weisth. 10, 152.
2) verwahrung, meist in wendungen wie in v. haben, geben, lassen, bringen, sein, sich befinden: bayr. Schmeller-Fr. 2, 971; hess. Crecelius 879; westfäl. Woeste 297a; laszt sie in meiner verware Fierrabras d 6; ich hab in verware den starcken basz (pass) oder durchzuck e 3; welchen (den teufeln) sie tag und nachts vor dem schlaf ihre seelen zusagen und in die verwahr geben Guarinonius greuel d. verwüst. (1610) 1308; ich ... gab dem haus die pferde in verwahr Jung-Stilling s. sch. 4, 46; in dem hier in österreichischem v. befindlichen theil des mainzischen archivs J. Fr. Böhmer bei Janssen Böhmers leben 2, 270; die symphonie ist noch im v. von Breitkopf und Härtel R. Schumann briefe 181; bevor der ... diener es (das beinkleid) ... in v. brachte Alexis hosen d. h. v. Bredow 1, 42. sonst nur ganz vereinzelt:

leg an die zunge ein schlosz und siegel verbotener worte,
denn der reden verwahr, mehr als güter gilt er
Arndt 6, 88 R.-M.


3) gefangenschaft, gefängnis: als ... der gefangene Heinrich aus dem Utrechter verwahr entkam Zschokke sämtl. ausgew. schr. 30, 46;

im namen unsres königs, eures vaters
seid ihr verhaftet. — nehmt sie in verwahr!
Rückert 9, 451.


verwahrarznei, f.: verwar- sive wararzeney, praeservans Stieler 52.
 
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verwahren, v. , erst in spätmhd. zeit belegt: Lexer 3, 295; mnd. (14. u. 15. jahrh.) Schiller-Lübben 5, 497; Haltaus 1910; Diefenbach 530c; in den frühnhd. und nhd. wbb. allgemein, z. b. Frisius 5a; 129a; 198b; 224a;

[Bd. 25, Sp. 2076]


234a; 821a; 898a; 902b; Maaler 437c; Faber thes. (1587) 149b; 743c; 751a; Stieler 2410, Steinbach, Adelung, Campe. mundartlich lebendig, z. b. schweiz. Stalder 2, 429; appenzell. Tobler 190; elsäss. Martin-Lienhart 2, 843; schwäb. Fischer 2, 1402 (veraltet); bayr. Schmeller-Fr. 2, 971; hess. Crecelius 879; westerwäld. Schmidt 313; cöln. Hönig 195a; cronenb. Leihener 36b; waldeck. Bauer-Collitz 69a; westfäl. Woeste 297b; neumärk. zeitschr. f. d. ma. 4, 75; hamburg. Richey 332; pomm. Dähnert 529a; ostfries. Stürenburg 317a (veraltet); helgol. Siebs 219a.
die gebrauchsarten sind mannigfaltig. die grosze mehrzahl enthält die grundbedeutung 'für etwas sorgen, etwas sichern, beschützen, behüten' und 'etwas in verwahrung, bewachung, obhut, unter aufsicht haben'; sehr oft kreuzen sich beide: auch die zweite schlieszt oft den zweck des schutzes, der sichern bewahrung, die erste häufig masznahmen des verschlieszens, bewachens in sich.
1) nur wenige verwendungen stehen abseits: etwas v., sorge tragen, dasz es nicht geschieht, verhüten, verhindern: domit er weitern ufruhr vorwarth hat (Magdeburg 1521) chron. d. d. st. 27, 199; damit ... schimpf und schaden, soviel immer möglich, verhüttet und verwahret werde acta publ. 1, 7 Palm. bei satzergänzung ist der abhängige satz negiert: aber dis hat gott sonderlich verwart, das sanct Johans keyn zeychen gethan hat, ..., sondern das ist seyn werck gewesen, das er von Christo gesaget und auf Christum gezeyget hat Luther 17, 1, 286 W.; sie verwahret, das kein regen noch schnee ihr hausz schädige Fischart Gargantua 111 ndr.
2) für etwas sorgen in ganz allgemeinem sinne:
a) mit sächl. object, verwalten:

so willen wy keisen uns al to vromen
einen strengen, kloken, wysen man,
der wol dat stichte verwaren kan Theophilus (Trierer hs.) 153 Hoffm. v. F.;

ind want it eme zo vil wart, die zwei bisdom zo verwaren (Köln 1499) chron. d. d. st. 14, 700; denn das heist auch weislich regieret, wenn man land und stedte wol verwaret und versorget Luther 23, 611 W.;

hast du das haus des königs wohl verwahrt bisher
anstatt der hausfrau, solches dient zum ruhme dir
Göthe 15, 1, 188 W. (Faust 8796).

mundartlich: he kann sien amt nich v. Stürenburg.
b) von personen, versorgen:

darin (in dem paradies) wirst du verwaret immer
wie ein künig in seinem zimmer,
und magst da ausz und ein spaciren
und nach deim willen umb refiren
H. Sachs 1, 25 K.;

die jungen kinderlein ..., so von den ammen übel verwahret sind Prätorius Blockesberges verrichtung 97; tuats kindlein v. volksschausp. 6 Hartmann; kinder v. Leihener 36b; 'wärterin einer frau sein' Richey 332; auch von thieren:

dasz er die pferd verwar und striegel
Fischart 2, 321 H.


c) hierher wohl das part. prät. verwahrt, in ordnung, wohlbestellt in redensarten, die 'nicht ganz bei verstande' bedeuten: nit fast wol verwart im hirn C. Scheit fröl. heimfahrt 1748 S.; im heupt Hennenberger preusz. landtaffel 64; im kopfe Gueintz sprachlehre, nachrede; Aler 2, 2031b; in ihrem hirn ubel verwahret Moscherosch gesichte 2, 154; untern hütlin Bastel v. d. Sohle Harnisch aus Fleckenland 36; under dem hut Duez nomencl. (1652) 98; wäre auch ritter Melchior besser unter dem helme v. gewesen Pfeffel pros. vers. 1, 165.
3) mit etwas versehen: dasz er mit einem freünd verwaret sey Hutten 1, 447 B.; (der biber ist) mit pfaten fornen und mit gänsfüsen hinden verwart Fischart 3, 215 H.; die stätte, welche mit guten, nützlichen gesetzen verwahret seyn (Eisenach 1670) thür. geschichtsqu. 9, 122;

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wer dann bey solcher schlauen list (des glückes)
mit weiszheit nicht verwahret ist
S. Dach in Königsberg. dichterkr. 120 ndr.;

dasz ich mich bei einem solchen besuche mit jenem hilfsmittel verwahrte, das ... mädchenherzen besiegt Meiszner Alcibiades 1, 118; ich glaube nicht, dasz noch ein zweiter auf dieser welt so entsetzlich schlecht damit (mit gedächtnis) verwahrt sey Bode Montaigne 1, 57. insbesondere:
a) mit geistlicher fürsorge: das sie (die priester) die krancken mit gebet verwareten Dietenberger d. ander buch wider Mart. Luther (1527) g 2b; wie sich denn gedachter churfürst für allen andern erstlich auf dise selige reisz rüstet, und verwaret sich mit dem werden wort Jesu Christi Matth. 10 Mathesius ausgew. w. 3, 183;

mit solchem trost bin ich verwahrt
S. Dach 107 Ö.;

besonders mit den sterbesacramenten: disen krancken menschen ... ich verwart oder versehen hab mit dem loblichen sacrament manuale curatorum (1516) 89a. wie versehen (s. o. sp. 1244) wird verwahren in diesem sinne auch ohne ergänzung gebraucht: zweimal hat er die Zwyssigin verwahrt, immer noch lebt sie Zahn helden d. alltags 174; in mundarten: schweiz. Stalder 2, 429; appenzell. Tobler 190b; elsäss. Martin-Lienhart 2, 843.
b) mit siegel: nach inhalt eines lateinischen instruments, mit vorgemelts bischoffs sigel verwaret Stumpf Schweytzerchr. 414b; einen brieff v. mit einem siegel Dentzler clavis ling. lat. 315b; in einen mit dem siegel des richters verwahrten sack M. I. Schmidt gesch. d. Deutschen 1, 311; übertragen: gott! gott! und du selbst must das siegel geben, die werke der hölle zu verwahren Schiller 3, 447 G.
c) gewöhnlich mit etwas, das als schutz, sicherung, befestigung dient, was nicht von den unter 4 besprochenen bedeutungen zu trennen ist.
4) schützen, behüten, sichern.
a) von personen: du vorwarest uns als den appel in deinem auge Bynwalth bei Clemen flugschriften 4, 144; dasz er (cardinal Cornaro) mich so gut als der cardinal Medicis v. könne Göthe 43, 211 W. in älterer zeit auch für einen wache stehen, sorge tragen, dasz der andre nicht überrascht wird: Achates belaib hie ussen uf der wacht und hte Euriolum (der ins haus zu seiner geliebten gegangen war) ze verwaren Nic. v. Wyle transl. 70 K.; gedachten nit, das ander leut, die iren zu verwaren, auch hielten, ranten uber die bauern, also das her W. nit mer dan sechzehen pferde bei sich behielt Wilwolt v. Schaumburg 91 lit. v. durch waffen, rüstung v.: waren sunst auch nicht sunderlich verwaret, wenig hetten pantzer oder eisenhüte C. Spangenberg mansf. chron. 9a; (wer ein schwert braucht), der wird sich bey einem gemeinen messerschmiede schlecht v. lassen Ch. Weise polit. redner 699; der marquis müsse inwendig verwahrt sein Laube 4, 39. durch kleidung: mit dichten, gut verwahrenden kleidern Stifter 5, 1, 219. das part. prät. verwahrt, sicher, gut aufgehoben:

doch wirst du unverloren sein,
du ligst verwart in gottes schrein
Mathesius leichenreden 68 bibl. d. schr. a. Böhmen;

so die herren,
wenn ein verleumbder spricht, die ohren weit aufsperren,
dem argwahn unterthan als nach tyrannen art,
so ist kein biedermann bey ihnen lang verwart
Rachel satyr. ged. 68 ndr.

auch gesteigert: gnadenthron, veste burg ..., darunter wir verwarter und sicherer sitzen und rasten, denn unter allen blawen menteln Marie Mathesius Sarepta (1571) 44a. vereinzelt auch verwahrt certus: up dat si die lande daeselfs besetzden, dat si der lande verwart weren van overval of van afval (Cöln 1499) chron. d. d. st. 13, 318.
b) reflexiv: sich fürsehen, verwaren und hüten B. Faber thes. (1587) 149b; mit bitten, er wolt sich, so best er möcht, v. Montanus 24 B.; er soll sich auch v., dasz er kein

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anfallend, beissend oder schlagend pferd hab, darauf er thurnieren wöll Moscherosch gesichte 2, 375;

verwahren sie sich prinz, dasz sie es nie,
wie sehr sie ihrem sohn miszfällt, erfahre
Schiller 5, 12 G. (Don Karlos);

dann schnell gewendet, eh ich mich verwahrt,
behend umfaszt er, wirbelt mich im kreis
A. v. Droste-Hülshoff 2, 110 Sch.

sich vorbereiten:

verwart euch zu den letzten stunden,
dass ir werd unbeflecket funden
H. Sachs 15, 418 G.;

dazu das part. prät.: zuweilen ... schwebt oder wieget (der reiher) mit ausgespannten flügeln ..., seinen feind desto verwahrter zu empfangen Noel-Chomel 8, 233.
c) von sächlichem:
α) vom menschlichen körper: wie nun der krebs odder pantzer die brust vorwaret Luther 7, 622 W. übertragen: ein gerüstetes, ein mit fleisz verwahrtes herz Herder 26, 249 S.; reflexiv:

ein herz, das sich vorher verwahret,
hofft bey dem zugestosznen leid
auf bessre zeiten
Triller poet. betracht. 1, 573.


β) von geistigem: glauben und eer zu dem bestn verwarn lassen urk. zur gesch. Max. I. 188 lit. v.; das man frembde junckfrauschaft und anderer leut keuscheyt nicht geret und vorwart hat Luther 2, 63 W.; die alte jungfrauen, so ihre jungfrauschaft mit unwillen über 50 jahre verwahret Moscherosch gesichte 484; die seele v. Mathesius Sarepta (1571) 21b; das gewissen Ayrer dramen 1, 54 K.; d. gewissenh. priester (1694) 11; Weise comödienprobe 8; Schleiermacher I 5, 364.
γ) vom schutz gegen den feind, gegen unbefugte eindringlinge: welcher gestalt sie den marckt und das radthausz vorwaren sollen, wen in der stadt ein geruchte wurde (Magdeburg 1524) chron. d. d. st. 27, 166; das läger wol v. Stumpf Schweytzerchr. 673a; vor alters waren die marckgrafen solche reichsfürsten, so die gränzen verwahrten Leibnitz deutsche schr. 2, 304; sprichwörtlich wan er (einer, der als dieb berüchtigt ist) die thür ztht, so ists hausz ubel verwart S. Frank sprüchw. (1541) 2, 20b; schöne weise klugreden (1548) 9b;

ich hab die hauszthür wol verwart
Er. Alberus fabeln 56 ndr.

auch geradezu befestigen: sepire Faber thes. 743b; circummunire Reyher u 5 ra; munire, circumdare Stieler 2410;

die stadt verpolwerckt und verwart
H. Sachs 8, 577 K.;

das (capitol) war ein wol verwart festnuss
W. Spangenberg ausgew. dicht. 103.

das part. prät. auch von natürlicher beschaffenheit: einen anderen platz der statt ..., der von natur verwart war Achatius chronica 131a. übertragen: die vorhöfe ihres herzens mochten offen und sehr zugänglich sein, das innere ... war noch wohl verwahrt Laube 11, 60. bewachen: das man das grab verware bis an den dritten tag Luther bibel 6, 74 Bindseil; D. Fr. Strausz 4, 354;

so musz der hundt das hausz verwarn
Er. Alberus fabeln 201 ndr.


δ) vom schutz gegen witterungseinflüsse:

der winter ist hart, das leben schwer,
und übel verwahrt sind unsre häuser
Kotzebue dram. w. 10, 240;

dasz nur ja auch die blumenstöcke auf den gräbern heuer wiederum gut verwahrt sind, es wird kallabarisch kalt werden Holtei erzähl. schr. 15, 106.
ε) gegen sonstige beschädigung: uber dise greben sol man wol verwarete prucken machen Dürer befestigung der stett d 2a; bergmännisch bauen, i. e. vorsichtig bauen, alles wohl v. Schönberg berginform. 2, 14; v. eines kohlenmeilers Behlen forst- u. jagdkunde 6, 144. durch verpackung: schicke mir sie (die ringe) in baumwolle

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wohl verwahrt Lessing 17, 428 M.; ich habe also den kasten gut verwahrt dem selben manne wieder mitgegeben Lichtenberg briefe 2, 69 L.
d) mit näherer bestimmung des mittels, das zum schutz angewendet oder angebracht wird: die priester verwaren der götzen tempel mit thüren, schlossen und riegeln Luther bibel 5, 148 Bindseil; ein kostlich gezelt, mit sonderlichen schranken verwart, das niemant darzue komen mocht Wilwolt v. Schaumburg 157 lit. v.; ir augen (beim schweiszbad) mit tüchlin verwaren Ryff spiegel u. regim. g 3a; mit pallisaden oder dikken brettern die stadt v. Reinicke fuchs (1650) 361; ein haus mit schlössern, einen garten mit einem graben, einen pasz mit einer starcken befestigung v. Steinbach 2, 942; du hast doch die vorfenster eingesetzt und dich mit teppichen verwahrt Göthe IV 8, 311 W.;

es sind mit schlössern doch und ehrnen riegeln ...
die mauren wol verwahrt?
Schiller 6, 126 G.;

das fenster nach der strasze ist durch ein drahtgitter verwahrt Börne ges. schr. 9, 45; mit krigsrüstung verwart Fischart 3, 236 H.; sich mit guter rüstung v. Lehmann florileg. polit. (1662) 1, 418; die stadt mit wache, einen ort mit besatzung v. Steinbach; dasz das gemach mit etlichen von der leibwacht desz fürsten verwahret und verwachet ware Widmann Faust 253 K. bildlich: das er (der christ) in der anfechtung sich schutze und verwahre mit den feinen trostlichen zusagungen Luther 32, 36 W.
e) mit präpositionaler verbindung, die ausdrückt, vor wem etwas geschützt wird.
α) gewöhnlich vor etwas v.: damit verware euch got vor ubel! (1483) Steinhausen privatbr. d. ma. 1, 257; wilt dein hausz behalten sauber, so verwars vor pfaffen und tauben Fischart Gargantua 33 ndr. vor krankheit: (der eine bestimmte arznei nimmt), der ist verwahrt vor der pestilentz Gäbelkover artzneybuch 2, 178. vor der witterung: dasz der kranck in einem tuncklen ort, wol vor wind und luft verwaret, wohne Wirsung artzneybuch 71b; das stübchen ... war eng und nur zur noth vor dem wetter verwahrt Eichendorf 2, 279. vor einem schicksal: sich vor dem bettelstabe zu verwahren d. vernünft. tadlerinnen 1, 146. vor unrichtigem handeln: sie zu erlüstigen und vor schweren gedancken zu verwaren Fischart Gargantua 13 ndr.;

und nur bescheidene bedenklichkeit
verwahrte mich vor übereiltem glauben
Schiller 13, 120 G. (Macbeth).

vor fremden einwirkungen:

kann sich ein fühlend herz vor so viel reiz verwahren? theater d. Deutschen (1768) 8, 7;

einen deutschen jüngling vor der neuen philosophie ... verwahren Göthe IV 12, 375 W.;

verwahrt
ist mir das ohr vor deiner rede schlingen
Schiller 13, 247 G. (jungfr. v. Orl.).


β) nur in älterer zeit auch für und von etwas v.: wer kan sich fur solchen leren gnug vorwaren Luther 7, 664 W.; die hünerlein ... sind (unter den flügeln der henne) verwart für dem weihe Agricola 90. psalmus b 3a; weil man (im gefängnis) für aller gelegenheit zu sündigen verwahret, keiner missethat könne beschuldiget werden Harsdörfer secretarius 1, 110. nur vereinzelt mit dem acc.:

... sie (die stadt) sey gar fest,
fürs stürmen verwahrt auf das best
Ayrer dramen 1, 97 K.

von etwas v.:

das kostet nach etlichen sele und lip,
die sich von mer (dem teufel) nit hon vorwart Alsfelder passionssp. 21 Grein;

den menschen von anderen ... kranckheiten zu verwaren und zu erldigen Fischart 3, 55 H.
γ) allgemeiner wider und gegen etwas v.: er (der römisches bullenwachs hat) ist auch wider das fegfeur also

[Bd. 25, Sp. 2080]


verwart, als der da senf wider den tonner sz Fischart binenkorb (1588) 269a; (den leib) wieder hitze, kälte und andere wiedrige witterungen der luft durch die kleidung v. Chr. Wolff ged. v. d. menschen thun u. lassen 325; damit die faust (durch einen degen mit groszem kreuz oder korb) gegen den stosz und hieb möge verwahret seyn Moscherosch gesichte 2, 244; pfropfreiser und alles kann ja doch jetzt nicht gebraucht werden, und gegen frost unterwegs soll es verwahrt werden Bismarck briefe a. braut u. gattin 206.
5) zuweilen steht in älterer zeit die bedeutung 'warnen' nahe: darumb wil ich hiemit einen ydermann vorwaret und vorwarnet haben, das er sich fur solchen teuffeln fursehe Luther 6, 629 W.; seind also in diesem heubtstucke reichlich und gnung verwaret, das wir durch unsere gute werck nicht selig werden 33, 22 W.; nun kan ich aber dannocht nit lassen, dich vor geferlichem schaden zu verwaren, darein du von ungefell fallen möchtest Wickram 2, 229 B.
6) öfter geht die bedeutung völlig in das naheliegende vertheidigen über: Leontius verwaret sich in dem palatz, Tiberius gewint es, fahet Leontium und schneidet im die nasz ab S. Franck chron. Germ. (1538) 63b; ein degen, spies oder dergleichen, damit man sich wehret oder verwahret Gueintz rechtschreib. (1666) 159;

so wie sich der wolf mit dem hufe, der stier nicht
mit dem zahne verwahrt
Herder 26, 268 S.

gegen einen vorwurf vertheidigen, von der unter 7 besprochenen bedeutung kaum zu unterscheiden, vgl. besonders 7 c: ich ... verwahre mich hierdurch auf das feierlichste gegen alle vorwürfe ihrer frau mutter Thümmel reise i. d. mittägl. prov. 4, 223; er (Bismarck) verwahre das ministerium gegen den vorwurf der verfassungsverletzung Bismarck polit. reden 2, 76 Kohl.
7) sich v. einspruch erheben, seinen rechtsstandpunkt wahren: in den rechten sich v. ... sich oder seine rechte durch eine protestation in sicherheit zu setzen suchen Krünitz 218, 507. schon im 15. jahrh. der substantiv. inf.: nu was der O. ein vil kundender und listiger man und [tett] vil einträg und verworens chron. d. d. st. 5, 47.
a) in älterer zeit als ein act der kriegserklärung: seine ehre schützen, nach voraufgegangener verwaringe fehde ankündigen Schiller-Lübben 5, 497; darnoch ... hot seyn furstligkait yren offen vedtsbrieff in Cronbergk geschickt, sich an mir und allen von Cr. ... verwardt und in derselbigen stunde zwei dorf ... eingenomen, geplündert, verderbt und alszpald mit hereszcraft Cr. belegert H. v. Cronberg 128 ndr. der sinn ist wohl 'den eigenen, vom gegner gefährdeten rechtsstandpunkt wahren', daraus entwickelt sich leicht die bedeutung 'sich wegen des bevorstehenden krieges rechtfertigen, die gründe darlegen, die zum krieg veranlassen': der könig verwahret sich mit einem schreiben an die sämptliche churfürsten wegen bevorstehenden kriegs und lässet die ursachen dessen publiciren v. Chemnitz schwed. krieg. 1, 1.
b) sonst erst in jüngerer zeit: allein auch nie hab ich mich wider sie (die akademie) durch eine niedergelegte ackte verwahret Hippel lebensl. i. aufst. linie (1778) 1, 199; die papisten verwahrten sich in einem eigenen vorbehalt, dasz künftig keine (bisthümer u. abteien) mehr weltlich gemacht würden Schiller 8, 15 G.; in Darmstadt ... verwahrt sich der deutsche protestantentag gegen die unfehlbarkeitslehre Bennigsen d. nationallib. partei 70.
c) besonders auch sich gegen eine unterstellung v., gegen etwas, was einem zu unrecht zugetraut werden könnte, gegen ein miszverständnis, eine falsche auslegung des eigenen standpunkts, der eigenen meinung oder absicht, vgl. oben 6: zuvörderst aber verwahre ich mich und sage, dasz keineswegs meine absicht sei, nachfolgende terminologie als erschöpfend und abschlieszend zu gebrauchen Göthe 41, 1, 58 W.; er hat sich allzeit verwahrt: 'ich will kein recht des königs von Hannover damit anerkennen' W. Grimm in briefw. zw. J. u. W. Grimm, Dahlmann u. Gervinus 1, 233; es lag sehr nahe, dasz Müller seiner

[Bd. 25, Sp. 2081]


erfindung die wendung gegeben hätte, mit ihr den souverainen dünkel unserer kleinen deutschen regenten zu verspotten; allein dagegen verwahrt er sich feierlich Gervinus gesch. d. d. dicht. 5, 185.
d) nahe steht ein recht v. und ähnliches:

wir verwahren
jedoch bis dahin unser recht
Grabbe 2, 423 Bl.;

die beiden deutschen mächte verwahrten wieder ausdrücklich das recht des bundes auf Luxemburg Treitschke deutsche gesch. im 19. jahrh. 4, 93; einen bündigen contract, in welchem ich meine schriftstellerische freiheit ... auf das beste verwahrt zu haben wähnte Müllner dram. w. 8, 51.
8) bewahren, sorge tragen, dasz etwas erhalten bleibt, nicht verloren geht: zu einem guten hausvater gehöret nicht allein, wie er gelt und gut erwerbe ..., sondern ... dasz ers auch verwaren und in der hut behalten könne Luther 34, 2, 45 W. meist mit aufbewahren gleichbedeutend: v., an einem sichern orte vor verlust oder beschädigung sichern Hübner zeitungslex. (1824) 4, 805.
a) ohne ortsbestimmung: trag den stäcken Aaron wider für die zeugnusz, das er verwaret werde zum zeichen den widerspennigen kindern Züricher bibel (1531) 74a; das man alle fronfasten oder quatember einem burger die schlissel zu der porten befilcht z verwaren Wickram 3, 123 B.; es (das silberne schächtelchen) meritirt wol nicht, alsz ein raritet verwahrt zu werden Elis. Charl. v. Orleans 3, 6 H.; verwahren sie beykommendes exemplar zu meinem andenken Göthe IV 19, 23 W.; die wittwe (Mozarts) besitze aber die partitur (des requiem) und verwahre sie wie eine reliquie O. Jahn Mozart 4, 697. von fremdem, anvertrautem gut: was unter den schultheiszen und hinder das gericht gelegt wird, es sey gelt oder kleinot, das ist der schultheiz schuldig, den partheyen zu verwaren Fronsperger kriegsbuch 1, 2a; disponiren sie selbst über ihr eigenthum, erlassen sie mir die pflicht, es zu verwahren Gellert w. 10, 27. für einen bestimmten zweck v., aufsparen:

brachten noch ein stücklein roh speck,
das sie für ein besonder schleck,
für einen krancken wolten sparen
und auf die letzte noth verwahren
Rollenhagen froschmeuseler (1595) f 8b;

mit der bedingung, mir für die folgenden tage einen antheil daran (an dem vertheilten brot) zu v. Göthe 33, 71 W. für einen andern v.:

sie (die dattelkerne) warn zu essen all zu hart,
drumb ers (der fuchs) dem Jupiter verwart
B. Waldis Esopus 1, 325 K.


b) mit ortsbestimmung:

der kinder bluot man tragen soll
in einem glasz verwahret woll
in mein stuben Endinger judenspiel 40 ndr.;

es ... ist pillich, das in der schönesten thren das übertreffenlichste wercke, so durch menschenverstand jhe gemacht ward (versteet die pcher Homeri), verwaret werden Schaidenreiszer Odyssea, vorrede 4b; alsdenn verwahre man das geld an einem solchen ort, dasz nicht irgend ein ehebrecherisch, versoffen oder vernascht weib einen schlüssel darzu finde J. G. Schmidt rockenphilosophia 1, 13; seit langen zeiten war nämlich in der bücherei der burg ein ehrwürdiges manuscript verwahrt Steub drei sommer in Tirol 1, 31. auch von verwahrung im grabe:

so traget mich denn immer hin,
da ich so lang verwahret bin,
bisz gott, mein treuer seelenhirt,
mich wieder auferwekken wird
Neumark fortgepfl. musik.-poet. lustwald 1, 115;

kommt helft mir in die ruh!
wol in die ruh, wol in die erd,
wo ich gut verwahret werd
Mittler volkslieder 607.


c) von geistigem:

und wollen euer gebot verwaren fastnachtsp. 2, 917 K.;

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das sie das neue testament in die kriechische sprache fasseten und anbünden, on zweyffel, das sie es uns daselbs sicher und gewis verwareten wie in eyner heyligen laden Luther 15, 38 W.; im gedächnis v., behalten: es hörens wol vil, aber verwarens nit al Fischart 3, 120 H.; (die sommervögel) verwahren also die zeit ihrer zurückkunft gar genau und richtig Prätorius winterflucht, vorrede a 4a;

weil in glücklichem gedächtnisz
des Korans geweiht vermächtnisz
unverändert ich verwahre
Göthe 6, 33 W.


d) so verwahren, dasz niemand darüberkommt, geheimhalten, verbergen: und hätte Agathocles, welcher beym anfange der schlacht eine vorhin verwahrte menge eulen fliegen lassen, seinem heere damit ein grosz hertze gemacht Lohenstein Arminius 1, 266a;

mag ein anderer heben den schaz, der drunten verwahrt liegt!
J. H. Vosz ged. 2, 173;

zwei journale gibt er heraus, wol dreie; verwahret
nur die papiere, denn ihn treibet der hunger auf raub
Göthe 5, 270 W.;

aber in des herzens grunde
sitzet oft der schalk verwahrt
Böhme volksthüml. lieder d. Deutschen 334.

sklaven wurden im pallast Selims verborgen gehalten und bewaffnet, jede art der rüstungen in unterirdischen gewölben verwahrt Tieck 8, 78. abstract: da (bei einer frau) sey die heimligkeit so verwahret als in einem siebe das wasser schausp. d. engl. comöd. 318 Creizenach; ich weisz ein geheimnisz zu v. Bode Thomas Jones 5, 216; Göthe 16, 23 W.; Chamisso 4, 230.
e) raum oder gefäsz, in dem etwas verwahrt wird, kann zum subject werden:

kan, himmelherr! die erde dich verwahren?
du bist vor ihren raum zu grosz
J. V. Pietsch ges. schr. 410 Bock;

was verwahret dies kästchen?
Schiller 11, 193 G.;

nimm dieses fläschchen dann mit dir zu bett
und trink den kräutergeist, den es verwahrt Shakespeare 1, 131 (Romeo 4, 1).


9) verwahren in einem dem davon betroffenen feindlicheren sinne:
a) gefangen halten, einen als gefangenen bewachen: (Joseph) lies sie (seine brüder) beysamen verwaren drey tage lang Luther bibel 1, 97 Bindseil; im thurn v. Fischart 2, 362 H.; in gefengknisz v. Wickram 1, 122 B.; die auf dem Petersberge verwahrten clubbisten Göthe IV 10, 174 W.;

doch weil ich deinen bösen sinn erkannt,
wil ich dich führen lassen und verwahren,
wo weder mond noch sonne dich bescheint
Schiller 14, 365 G. (Tell 3, 5).


b) frauen oder mädchen unter strenger aufsicht halten, einschlieszen:

o, sie kan selten kommen ausz;
sie ist verwart mit strenger hut
H. Sachs 17, 72 G.;

den schönsten theil des menschengeschlechts v. sie (die völker Asiens) hinter riegel und schlosz Zimmermann einsamkeit 1, 373; ehe ein wohlerzogenes mädchen den jetzt üblichen ... umschlingungen überantwortet worden wäre, hätten es die eltern hinter schlosz und riegel verwahrt Holtei erz. schr. 6, 8.
c) auf etwas acht geben, dasz es kein unheil anrichtet. von thieren: ist aber der ochs vorhin stöszig gewesen, und ist seinem herren kund gethon, und er in nit verwaret hat Züricher bibel (1531) 2. Mos. 21; diesemnach ist der leithund beym zuge wol zu v., dasz er kein lebendig thier in die augen bekomme Göchhausen notabilia venatoris 2. von wasser und feuer: wo das wasser in die gräben auszlaufft, da sol es mit prettern verwart sein Dürer befestigung der stett d 1b. sprichwörtlich:

[Bd. 25, Sp. 2083]


den brunn verwaren, wann das kind ersoffen ist Eyering proverb. copia 1, 389;

(sie) verwahrt das feuer und das licht
Erlach volkslieder 1, 64;

ist das feuer auch gewisz gut verwahrt? A. v. Droste-Hülshoff 2, 297 Sch. von menschlichem, bildlich:

und seind vor wandel wol beht,
ihrn (der frauen) leib verwart ihr ehrlich gmt
Fischart 1, 269 H.

sprichwörtlich: verwar die thr deins munds S. Franck beschreib. d. Turkey (1530) m 2b; nöthiger, den mund v. als die kiste Schellhorn sprichw. 112; Alexis Roland v. Berlin (1840) 1, 384. abstract:

so verführt die tolle neugier menschen tugendhafter art,
so ward auch bey klugen völkern oft die ärgste wuth verwahrt
Schönaich in das neueste a. d. anmuth. gelehrs. 3, 493;

und sein geist verwaltet seine neigungen, verwahrt seine schwächen fürst Pückler briefw. u. tageb. 1, 118.
10) wendungen wie verwahre diesen brief wohl Göthe IV 8, 18 W. können bedeuten 'halte ihn in guter verwahrung' oder 'nimm ihn in gute verwahrung'. die zweite, translocal gedachte bedeutung ist seltener, aber nicht ungewöhnlich.
a) ohne ortsbestimmung, zu 8:

ich ordn und verwahre,
was auf den wink ich mir einst herlangen möchte
Herder 26, 270 S.;

wart, ich musz erst mein buch verwahren Storm w. 2, 308. zu 9 a, gefangen nehmen, ins gefängnis werfen:

hiemit so wurd mein Tyll verwart,
welchs im das glück hett lang gespart
Fischart 2, 273 H.;

als aber dise vorbotten in die bestimte statt kamen, wurden sie alsbald von F. verwaret und in der statt behalten Stumpf Schweizerchr. 315a.
b) ortsbestimmungen sind der grammatischen form nach in älterer zeit oft translocal: Mose ... hies das buch des gesetzs in die lade gottis verwaren Luther 15, 49 W.; scheuren und schütten, dahin ir euer frucht verwaret Sebiz feldbau (1579) 13;

(er läszt) verwahren in die erde
all mein gebein
S. Dach 183 Ö.;

etwan vier wochen vor unserer ankunft hatte der jetzige fürstbischof alle übrigen statuen ... in besonders aufgebaute schuppen v. lassen Nicolai reise d. Deutschl. u. d. Schweiz. 1, 121. in neuerer zeit meist intralocal: sie stand auf, band es (ein medaillonbild) ab und verwahrte es neben ihren juwelen Chr. Leb. Heyne bei Fürst deutsche erzähler d. 18. jahrh. 26; Aurelie verwahrte den dolch sorgfältig in der scheide Göthe 22, 93 W.; ein knecht ..., damit beschäftigt, das kind (Moses) in der kiste zu v. A. W. Schlegel in Athenäum 2, 116.
 
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verwähren, v., mhd. verwërn Lexer 3, 303. in älterer zeit vereinzelt wie gewähren: in daz für ledig aigen nach landes recht verwern (1386) zeitschr. f. gesch. d. Oberrheins 11, 222. sich v., sich unterfangen, sich zu etwas verstehen:

want is sich Gerfein verwerde,
dat he der botschaft gerde Karlmeinet 10, 18 K.

zu währen dauer haben, v. vergehen, als verbum finit. vereinzelt: kein zan verwrt, ... verdürbt allein durch feüle Eppendorf Plinius 7, 14. häufiger das part. prät. in der juristischen wendung verwährte zeit, abgelaufene frist für einspruch und widerstand gegen ein rechtsverhältnis: Corvinus fons latin. 1021; Krünitz 218, 557; eine v. zeit, d. i. eine solche, nach welcher kein widerspruch mehr statt findet Voigtel 3, 544b. auch von besitz, der durch verwährung rechtsgültig wird: verwäret, praescriptus, usucaptus Stieler 2415; des alten, vorwärten besiczes ungeachtet acta publica 2, 55 Palm.
 
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verwahrer, m. Diefenbach 366a, 576c; Haltaus 1910; Frisius 393a; Stieler 2410; Steinbach. mnd. Schiller-Lübben 5, 497.

[Bd. 25, Sp. 2084]



1) zu verwahren 2, verwalter: der here, der verwaerer des huyses pilgerfahrt des ritters v. Harff 12 Groote; wiewol diese liberei allezeit ein sonderlichen verwarer oder hutmann gehabt Federman Niderlands beschreibung (1580) 220; mein vater hat sie zum v. meines vermögens gesetzt Fr. L. Schröder dram. w. 1, 182. — dazu mitverwahrer: ich Diderich van Wickede, medeverwarer der vorsc. frienstoile to Bodelszwinge (1439) chr. d. d. st. 10, 37.
2) zu verwahren 4, schützer, beschützer: beschirmer und v. Zwingli d. schr. 1, 88; des keysers fürnembste v. und hüter seines leibs Kirchhof wendunmuth 2, 64 lit. v.; dasz sie (jugenderzieher) ... die pfleger und v. der heiligsten güter sind Schleiermacher s. w. II 4, 49. bewacher, wächter:

dar sülves wonde ein ritter vin,
de des doden sulde sin
en vorwarer siner tit
Gerhard v. Minden 51, 17 L.


3) zu verwahren 8:
a) aufbewahrer: einnemer und v. des gelts (1552) reichsarchiv 2, 407b Lüning; beharrten sie aber auf ihrem ersten gedancken und wollten das eigenthum dieses schönen bildes sich vorbehalten und mich freundlich zum v. desselben machen Göthe IV 9, 27 W.; besonders in der rechtssprache: depositarius Frisius, Krünitz; dasz der schuldner die geschuldete sache ... an einen gerichtlich zu bestellenden v. abliefert hwb. d. staatswiss.2 6, 626; durch den verwahrungsvertrag wird der v. verpflichtet, eine ihm vom hinterleger übergebene sache aufzubewahren bgb. § 648.
b) ornithologisch v. würger, ostfries. Schmidt-Petersen 42a. — ebenso verwahrfink, helgol. 'neuntödter' Frommann 3, 32, 'würger, versteckvogel' Siebs 219a.
4) zu verwahren 9: die verwahrer der gefangenen leute Bastel v. d. Sohle Harnisch aus Fleckenland 295. —
 
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verwahrerin, f., conservatrix Steinbach; gleichwie die messigkeit und nüchterkeit ein ... v. der keuschheit und aller erbarkeit ist Lorichius inspect. u. bericht 158; eine v. der kirchenschätze Dannhawer catechismusmilch 6, 425; wie es bekannt, war damahls die unterrichtung der jugend gänzlich einer mönchengesellschaft überlassen, die man als die v. aller wissenschaften ... betrachtete Ayrenhoff s. w. 6, 131. —
 
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verwahrfink, m. s. verwahrer 3 b. —
 
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verwahrlassen, -lässigkeit s.-losen, -losigkeit.
 
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verwahrlich , als adj. selten: wegen seiner (des lindenbaumes) starcken und verwahrlichen wurtzel Göchhausen notabilia venatoris 195; v., was verwahrt werden kann Voigtel 3, 544b. häufig ist das adv. vom 16. bis zur mitte des 18. jahrh. belegt, später selten; auch verwehrlich (16. jahrh.) Bauer-Collitz 139; Kirchhof wendunmuth 1, 39 lit. v. und verwahrlichen zimm. chron. 4, 203 lit. v.; Schweinichen 107; Fischer schwäb. wb. 2, 1403. (1588). belegt sind die wendungen v. annehmen, aufbehalten, -halten, -heben, behalten, beilegen, -setzen, beschlieszen, einschlagen, -thun, enthalten, halten, hinhalten, -legen, -stellen, niederlegen, stehen, unterhalten.
1) zum zweck der verwahrung, in verwahrung: unter der mahlzeit setzet er das glasz in die schreynerey, allweil bisz er geszen, daselbst v. zu stehen Kirchhof wendunmuth 2, 198; das landessachen in loco publico und der herren fürsten und stände archiven v. enthalten werden acta publ. 1, 17 Palm; in einer der fürnembsten kirchen zu Metz ward ein verzeichnis v. aufbehalten Zinkgref apophthegmata 9;

(wir) sehen deinen sarg als ein behältnisz an,
in welchem unser schatz und kostbarstes geräthe,
ja! selber unser hertz verwahrlich eingethan
Henrici ernst-, scherzh. u. sat. ged. 1, 203;

es ward ... die lade auf dem rahthause v. beygesetzt Bucholtz Herkuliskus 630; sein testament ist auch beym rathe zu Görlitz v. niedergeleget worden d. neueste a. d. anmuth. gelehrs. 9, 623; eine schaffnerin, haushälterin, die alles in ihrem beschlusse hat oder v. aufhebet

[Bd. 25, Sp. 2085]


Gottsched beobachtungen 67; v. beylegen (in einem vorratshaus) Adelung älteste gesch. d. Deutschen 309; er (der eiserne nagel, den ein eingeborener besazs) ist jetzt im brittischen museum v. niedergelegt J. G. Forster s. schr. 1, 373.
2) zuweilen mit der bedeutung sorgfältig, sorgsam: das si dis reformirte urbar fleiszig und wol v. aufheben und behalten (1572) öster. weisth. 10, 187; (ein pfand) verwahrlichen und ohne schaden halten Schweinichen 107 Ö.; diese compositiones (pulver für feuerballen) werden alle mit leinöhl angefeuchtet, der ballon wohl gedrungen und v. fest eingeschlagen v. Fleming teutsche soldat 70. vereinzelt bedeutet v. geradezu wohlbehütet, unversehrt: dasz er mit den seinigen frisch und gesund ... seye, ja das seinige noch also v. stehe Widmann Faust 183 K.
3) in gewahrsam, gefangenschaft: als im ... etliche gfangen ... verwehrlich z behalden befohlen worden Kirchhof wendunmuth 1, 39 lit. v.; (die gefangenen) verwarlichen, doch fürstlichen unterhalten lassen Wintzenberger wahrh. gesch. (1583) 91b; diejenigen, so etwan keine paszettel vorzuzeigen ... hetten, ... alsbald verwahrlich anzunehmen v. Chemnitz schwed. krieg 1, 302; ich (habe) nun diesen losen buben v. beschlieszen ... lassen A. U. v. Braunschweig Octavia 2, 210. —
 
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verwahrlichkeit, f., Voigtel 3, 544. —

 

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