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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
verwachung bis verwähnen (Bd. 25, Sp. 2072 bis 2073)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) verwachung, f., s. verwachen. —
 
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verwackeln, v.: A. legte an, zielte unsicher, die nachbarn schüttelten die köpfe, einer flüsterte: 'o je, er verwackelts' Fr. Th. Vischer auch einer (1879) 1, 307. —
 
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verwaffen, v., vereinzelt: wer dem andern sein gt verwafft mit gewalt der neü laienspiegel (Straszb. 1518) 128a. —
 
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verwaffnenv., mhd. verwâfnen, verwâpnen mhd. wb. 3, 458; Lexer 3, 291; schwäb. Fischer 3, 1399 (veraltet); nhd. nur in älterer zeit: darumb daz ain wyser man gegen allen stichen des gelükrades, sie syen gt oder bsz, sol verwaffnet sin Steinhöwel de claris mul. 40 lit. v.; noch nitt dester minder (hat Luther) allweg sin clausterglupt als ein mur darwider gesetz und sin gewissne wider des vatters wort verwaffnet Joh. Kessler in mitteil. z. vaterl. geschichte (St. Gallen) 5—6, 124. —
 
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verwageln, v., vgl. mhd. verwagen schwanken Lexer 3, 293; ferwogeln umhertreiben Gerzon jüd.-d. spr. 108; ich soll verwageln von der welt und ein ende nehmen mit schröcken (1713) Schmeller-Fr. 2, 866
 
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verwagen, v.
1) zu wagen I 8 (s. th. XIII, sp. 393), verwackeln: bey der büchsen hat er nicht wol gewischt, oder das pulver

[Bd. 25, Sp. 2073]


het gepflischt oder der schusz versagt, oder ihn verwagt Fischart Gargantua 286 ndr.
2) gewöhnlich zu wagen IV (XIII, 394), 'tollkühn wagen' schweiz. id. 1, 908.
a) transitiv, aufs spiel setzen, durch wagen verlieren oder verderben: das er (Luther) uf erden nichs gefurcht, sunder ee sin leben verwagt, ee er ainen bchstaben on underrichtung usz dem gottlich wort widerrft hett Joh. Kessler in mitteil. z. vaterländ. geschichte (St. Gallen) 5—6, 137; gar unnützlich vil ehrliche leut in die schantz zu schlagen und zu v. Fischart offentlichs ... ausschreiben H 1b; wer sich zu viel waget, wagen und ross verwaget Gargantua 359 ndr.;

jeder, der sie sieht, der wil
diss und das an sie verwagen
Logau sinnged. 180 E.;

ihm hatte sie gürtel und glieder gewährt!
um ihn just verwagte sie ehre und scham
F. Th. Csokor bei
Benzmann deutsche ballade 471.


b) sich verwagen, sich auf ein wagnis einlassen; schweiz. id. 1, 911; 'ohne sicherheit des erfolges etwas unternehmen' Crecelius 879; (die wohlvermöglichen, reichen haushaltungen), die sich in überflusz dermasen vergessen und vertiefen, das sie in allem mutwill sich v. Fischart 3, 219 H.; doch wollten wir nichts erzwingen, uns nicht v. jahrb. d. Schweiz. Alpencl. 1890, 26. sich vermessen: also dasz er in 3 jahren (von der wallfahrt) heimzukommen sich verwagte Fischart binenkorb (1588) 154b; drum verwag ich mich, so frech zu reden Federer berge u. menschen (1911) 532. wie sich wagen IV 3 d: dasz sich dies paar jetzo das erste mal auf solche bahn verwage Mörike bei Fischer schwäb. wb. 2, 1399.
c) das part. prät. verwagt verwegen: verwagte, fräffne hoffnung spes audax Maaler 437a; ein verwagter mensch (homo confidens) Boltz Terenz (1539) 137b; mundartl. verwôt wagehalsig lux. ma. 468, dazu verwôthêt wagehalsigkeit. die starke form verwagen arg, boshaftig Hulsius-Ravellus (1616) 360a ist wohl compromissbildung aus verwagt und verwegen.
 
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verwägen, v., falsch wiegen: in librando falli, minus accurate ponderare Stieler 2524; durch falsches wiegen verderben:

valsch sind jetzund alle gewicht,
wann man ernstlich dar uf sicht,
so verwegens sel und lyb
Murner narrenbeschw. 214 ndr.;

aufwiegen: waz ist in aller diser welt, daz dis allein verwegen muge? Ellú disú welt mhti ein sogtan herz (ein reines herz, das sich gott ergibt) nit widerwegen Seuse 226 Bihlmeyer.
 
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verwagepflichten, v. Haym 1260; 'v. heist, wenn in groszen handelsstädten ein kaufmann seine ein- und ausgehende waaren pflichtmäszig nach dem rechten wert auf der wage angiebet, wägen lässet, und nach der vorgeschriebenen wagetafel das schuldige davon entrichtet' Hübner curieuses u. reales lex. (1714) 1847; Noel-Chomel 8, 2184; Jacobsson technol. wb. 8, 84. —
 
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verwägung, f., das abwiegen Schönberg berginformation 1, 55. —
 
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verwählen, v., erwählen Fischer schwäb. wb. 2, 1399. bei der wahl ablehnen: repudiare et rejicere aliquem optione Stieler 2467. schlecht wählen: gefallsucht und volkstäuscherei, vordrängen, falsche volksfreundlichkeit und das schleichende übel der klimmsucht verleiten die wähler zum v.; und wenn das v. gemerkt wird, ist es allemal zur abhilfe zu spät Fr. L. Jahn 2, 569 E. ebenso reflexiv Martin-Lienhart 2, 965; wie haben die Deutschen sich verwählt? Varnhagen v. Ense tagebücher 6, 164; so will sich der verwähler (der verliebte, der falsch gewählt hat) durchaus nicht verwählt haben Fr. L. Jahn 2, 711 E.
 
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verwähnen, v. , ahd. varwânen Graff 1, 866; mhd. verwænen mhd. wb. 3, 498, Lexer 3, 294, Jelinek; schriftsprachlich nur in älterer zeit; mundartlich Müller-Fraureuth 2, 618, nd. s. u. 5a. altengl. forwßenan Bosworth-Toller.

[Bd. 25, Sp. 2074]



1) die ahd. bedeutung desperare hat sich nicht fortgesetzt.
2) vermuten, annehmen: vorwen conjector Diefenbach 108b; meinen oder vermeinen, wenen oder verwenen Meichszner handbüchlein 21a; als die unrechten verwænen und sprechen: wir sein aus nichte geporen Berthold v. Chiemsee 139. dazu der substant. inf., vermutung, erwartung: darumb sol mer glaubt werden aufrechter kundschaft dann scheinlichem verwænen Berthold v. Chiemsee 19; (Tarquinius) floh also in dem verwenen, (dasz sein sohn ihm nach dem leben trachtete) z den feinden in die statt Gabios Carbach Livius 20b.
3) ebenso reflexiv. mit dem gen. nur mhd.:

sie verwânten sich dar umbe
von Alexandro grôzes fromen Straszburger Alex. 3699 K.;

daz er (der teufel) sich keinre gotheit an im (Jesus) vorwente altd. pred. 1, 160 Schönbach; do verwande er (der teufel) sich der sunden da (an Jesus) spec. eccl. 37 Kelle. mit abhängigem satz auch frühnhd.: die Saxen hattend sich selbs verwnet, der künig lge also weit von inen, das einer eins gantzen tags kaum z im reiten mcht Stumpf Heinrich IV. (1556) 47b.
4) etwas jünger ist der transitive gebrauch, einen glauben machen: sie warent verwent von Metio, er solt auf ire seiten fallen Carbach Livius 11a; etwan ... könde der biber sein geile dermassen verbergen, dass er die yhenigen, so im nacheylend, betreugt und, als ob sy im aussgehauwen, von verrem verwänt Forer Geszners thierbuch 23. bei Wickram in der form verwönen: verwnten in, sie wolten nur ein zeit lang umbriten spatzieren und bald wiederkummen 2, 30 B.;

also tht sie den lieben sun
bey ir doheym behalten nn;
den vater sie verwnet doch,
der sun gang in die schlen noch 6, 264 B.

in wahn versetzen, betören: so bist du von deinen fuchsschwäntzern so verwähnt, dass du dich selbsten nicht erkennest Grimmelshausen Simpl. 123 Kögel.
5) ziemlich häufig ist das part. prät.:
a) schon mhd. verwænet kühn, verwegen:

ja was virwenet unde fier
der helt die dar ffe (auf dem pferde) saz graf Rudolf J 25;

dazu ebenda mehrfach verwænentliche. nhd. frech, anmaszend: du hast gng verwenter wort gebraucht Fierrabras (1533) h 5; mit bösen und verwenten worten Mathesius Sarepta (1571) 132b; der allerfrechsten und verwehnsten leckersbuben einen Amadis 1, 173 lit. v.;

wie bist so frech und hoch verwend
Nic. Frischlin 38 lit. v.

in neueren mundarten: götting. Schambach 269a; ostfries. Stürenburg 316b. vgl. auch altengl. forwened insolens Bosworth-Toller.
b) irregeführt, in wahn befangen:

durchaus verwähnter geist!
wen suchst du durch den dunst der worte zu verblenden?
Gryphius trauersp. 584 Palm;

umsonst! wer lorbern, glück und ruhm ihm wil sehn blühen,
den nahmen beym gestirn in ehrentempeln stehn,
musz aus der irrebahn verwehnter sinnen gehn
Lohenstein Sophonisbe (1689) 71.


c) vermutet, vermeintlich, scheinbar: Joseph sein verwänter vater und Maria sein wore mter Geiler v. Keisersberg postill 1, 20; verwänter sun Maaler 437a; den verwehnten bättler Stumpf Schweitzerchr. 321a; ein verweneter oder bescheinender contract, simulatus einer verhandelung oder eines dings, das in der warheit nit ergangen d. stat. Worms reform. (1513) 30a; besorgnuss der verwndten ubermacht (das aber nit was) Tschudi chron. helv. 2, 524. —

 

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