Wörterbuchnetz
Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
verwachsung bis verwagen (Bd. 25, Sp. 2071 bis 2072)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) verwachsung, f.
1) statt überwachsung, praeputium in hs. der 1. d. bibel: dorumb beschneid die verwachsung (M, sonst uberwachsung) ewers hertzen 4, 169 K.; 2, 17 (Sc), dazu ahd. furiuuahst, furigiwahsti gl. 1, 286a; 805b; 2, 30b; 279a; 773a.
2) zu verwachsen III 2: wie die v. (der buckel) da war, wars auch vorbei mit der bauernarbeit H. Schmid alte u. neue gesch. aus Bayern 243. übertragen: in einen fruchtbareren grund, der die volle prangende entwicklung der köstlichen pflanze (der kunst) ohne die verkümmerungen und verwachsungen gestattete, die an der dürre des alten bodens hingen Gervinus Händel u. Shakespeare 374.
3) zu verwachsen III 4 a: v., obductio cicatricis et oblivio Stieler 2404.
4) meist zu verwachsen III 5: concretio Maaler, symphysis, concretio Nemnich lexicon nosolog. polygl. 17d; anatomisch: ausz unnatürlicher verschliessung oder v. des vordern oder innern schlosses des geburtsglids Ruoff hebammenbuch (1580) 154; eine v. der brusteingeweide Krünitz 218, 497; diese verschiedenen verwachsungen der knochen Göthe II 8, 37 W.; v. des dünndarms mit der leber Sömmerring vom baue des menschl. körpers 2, LIX. botanisch: die blattpaare sind am grunde vollkommen verwachsen, so dasz die v. nicht ... einen einschnitt zeigt Schlechtendal-Hallier flora v. Deutschl.

[Bd. 25, Sp. 2072]


12, 209. mineralogisch: die eben erwähnte häufige regelmäszige v. beider (von augit und hornblende) Oken allgem. naturgesch. 1, 266; die ... schön ausgebildeten ... krystalle (fluorit) finden sich ... in regelmäsziger paralleler verwachsung Karmarsch-Heeren techn. wb. 3 3, 606. übertragen: aus der v. metaphysischer abstractionen mit der poesie A. v. Humboldt kosmos 2, 17; in unserer schnöden selbstsucht und v. mit dem schein und trug der welt Zschokke sämtl. ausgew. schr. 26, 196; eine überaus enge v. von sinn und wort, von gehalt und gestalt bei jenen alten (altdeutschen) poesieen J. Fr. Böhmer bei Janssen Böhmers leben 2, 118.
5) vereinzelt zu verwächsen: v., ceratura Reyher thes. u 5a. — zusammensetzungen: verwachsungsstelle, f. Sömmerring v. baue d. menschl. körpers 5, 738; 6, 850; Muspratt chemie 3, 567 Stohm.-Kerl. -vorgang, m. Ratzeburg waldverderbnis 2, 265.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
verwachten, v.
1) erwarten, nur auf nd. boden: mnd. vorwachten Schiller-Lübben; Calepinus XI ling. 1142b; mit dem genitiv: des natuerliken dodes mote wij alle sterven unde des syn wij alle verwachtende Veghe 16, 21. später mit dem acc.:

wy wetten, dat Szathan hefft eyn ryck,
dar ynn leven alle gotloszen glyck,
mit ernst ohrem forsten sind underdaen,
vorwachten van ohm eyn tydtlick lohn
B. Waldis verlor. sohn 43 ndr.;

schande unde de helle vorwachtet de spelers Tunnicius sprichw. nr. 857. in nd. mundarten: Strodtmann 262, Woeste 297, Richey 330, Schütze 4, 330, Dähnert 528, Frischbier 2, 443.
2) bewachen: bayr. v. 1616 und 1847 bei Schmeller-Fr. 2, 842; meckl. Mi 103; die hund ... verwachten (präsens) das hausz und vieh Albertinus Lucifers königreich 56 L.; verschlossen sie die thore und verwachteten die stadt Schütz hist. rer. pruss. 1, e 4c; (mit dem dativ?) das die (die herschaft) im verwachten, nachdem alhie nit guet gefenknus sein (1580) öst. weisth. 10, 141;

Hieronimus, Ambrosius,
Gregorius, Augustine,
vorwachtet uns de rine
und dat kamprät!
so geit de möle desto bät
Uhland volksl. nr. 344.

in neuerer zeit nur in archaisierender sprache: wenn man die beichtstühl verwachtet und die priester, so unter der wochen beicht sitzen wollen, beim magistrat verklagt Handel-Mazzetti in deutsche rundschau 151, 344. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
verwachtung, f.: so haben die römischen keiser zu dem kriege und zu ihrer person v. die Batavier ... allwegen schr gebraucht Federman Niderlands beschreib. (1581) 228. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
verwachung, f., s. verwachen. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
verwackeln, v.: A. legte an, zielte unsicher, die nachbarn schüttelten die köpfe, einer flüsterte: 'o je, er verwackelts' Fr. Th. Vischer auch einer (1879) 1, 307. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
verwaffen, v., vereinzelt: wer dem andern sein gt verwafft mit gewalt der neü laienspiegel (Straszb. 1518) 128a. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
verwaffnenv., mhd. verwâfnen, verwâpnen mhd. wb. 3, 458; Lexer 3, 291; schwäb. Fischer 3, 1399 (veraltet); nhd. nur in älterer zeit: darumb daz ain wyser man gegen allen stichen des gelükrades, sie syen gt oder bsz, sol verwaffnet sin Steinhöwel de claris mul. 40 lit. v.; noch nitt dester minder (hat Luther) allweg sin clausterglupt als ein mur darwider gesetz und sin gewissne wider des vatters wort verwaffnet Joh. Kessler in mitteil. z. vaterl. geschichte (St. Gallen) 5—6, 124. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
verwageln, v., vgl. mhd. verwagen schwanken Lexer 3, 293; ferwogeln umhertreiben Gerzon jüd.-d. spr. 108; ich soll verwageln von der welt und ein ende nehmen mit schröcken (1713) Schmeller-Fr. 2, 866
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
verwagen, v.
1) zu wagen I 8 (s. th. XIII, sp. 393), verwackeln: bey der büchsen hat er nicht wol gewischt, oder das pulver

[Bd. 25, Sp. 2073]


het gepflischt oder der schusz versagt, oder ihn verwagt Fischart Gargantua 286 ndr.
2) gewöhnlich zu wagen IV (XIII, 394), 'tollkühn wagen' schweiz. id. 1, 908.
a) transitiv, aufs spiel setzen, durch wagen verlieren oder verderben: das er (Luther) uf erden nichs gefurcht, sunder ee sin leben verwagt, ee er ainen bchstaben on underrichtung usz dem gottlich wort widerrft hett Joh. Kessler in mitteil. z. vaterländ. geschichte (St. Gallen) 5—6, 137; gar unnützlich vil ehrliche leut in die schantz zu schlagen und zu v. Fischart offentlichs ... ausschreiben H 1b; wer sich zu viel waget, wagen und ross verwaget Gargantua 359 ndr.;

jeder, der sie sieht, der wil
diss und das an sie verwagen
Logau sinnged. 180 E.;

ihm hatte sie gürtel und glieder gewährt!
um ihn just verwagte sie ehre und scham
F. Th. Csokor bei
Benzmann deutsche ballade 471.


b) sich verwagen, sich auf ein wagnis einlassen; schweiz. id. 1, 911; 'ohne sicherheit des erfolges etwas unternehmen' Crecelius 879; (die wohlvermöglichen, reichen haushaltungen), die sich in überflusz dermasen vergessen und vertiefen, das sie in allem mutwill sich v. Fischart 3, 219 H.; doch wollten wir nichts erzwingen, uns nicht v. jahrb. d. Schweiz. Alpencl. 1890, 26. sich vermessen: also dasz er in 3 jahren (von der wallfahrt) heimzukommen sich verwagte Fischart binenkorb (1588) 154b; drum verwag ich mich, so frech zu reden Federer berge u. menschen (1911) 532. wie sich wagen IV 3 d: dasz sich dies paar jetzo das erste mal auf solche bahn verwage Mörike bei Fischer schwäb. wb. 2, 1399.
c) das part. prät. verwagt verwegen: verwagte, fräffne hoffnung spes audax Maaler 437a; ein verwagter mensch (homo confidens) Boltz Terenz (1539) 137b; mundartl. verwôt wagehalsig lux. ma. 468, dazu verwôthêt wagehalsigkeit. die starke form verwagen arg, boshaftig Hulsius-Ravellus (1616) 360a ist wohl compromissbildung aus verwagt und verwegen.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: