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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
verwächsen bis verwaffnen (Bd. 25, Sp. 2071 bis 2072)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) verwächsen, v. : mit wachs überziehen Calepinus XI ling. 223a; mit verwächstem doppelen, starcken zwirn Aitinger jagd- u. weidbüchl. 46. — verwachsenheit, f. , zu verwachsen III 2: gar so arg müszte es doch nicht sein mit seiner v., weil sie ihn zum soldaten genommen hätten Rosegger wildlinge (1905) 26. zu verwachsen III 5: die dogmatische verwirrung und v. Fichte 2, 493; die v. von gedanken und bild O. Ludwig ges. schr. 5, 531; der grad einer innerlichen verwandtschaft und v. mit dem genius Nietzsche 1, 465.
 
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verwachsung, f.
1) statt überwachsung, praeputium in hs. der 1. d. bibel: dorumb beschneid die verwachsung (M, sonst uberwachsung) ewers hertzen 4, 169 K.; 2, 17 (Sc), dazu ahd. furiuuahst, furigiwahsti gl. 1, 286a; 805b; 2, 30b; 279a; 773a.
2) zu verwachsen III 2: wie die v. (der buckel) da war, wars auch vorbei mit der bauernarbeit H. Schmid alte u. neue gesch. aus Bayern 243. übertragen: in einen fruchtbareren grund, der die volle prangende entwicklung der köstlichen pflanze (der kunst) ohne die verkümmerungen und verwachsungen gestattete, die an der dürre des alten bodens hingen Gervinus Händel u. Shakespeare 374.
3) zu verwachsen III 4 a: v., obductio cicatricis et oblivio Stieler 2404.
4) meist zu verwachsen III 5: concretio Maaler, symphysis, concretio Nemnich lexicon nosolog. polygl. 17d; anatomisch: ausz unnatürlicher verschliessung oder v. des vordern oder innern schlosses des geburtsglids Ruoff hebammenbuch (1580) 154; eine v. der brusteingeweide Krünitz 218, 497; diese verschiedenen verwachsungen der knochen Göthe II 8, 37 W.; v. des dünndarms mit der leber Sömmerring vom baue des menschl. körpers 2, LIX. botanisch: die blattpaare sind am grunde vollkommen verwachsen, so dasz die v. nicht ... einen einschnitt zeigt Schlechtendal-Hallier flora v. Deutschl.

[Bd. 25, Sp. 2072]


12, 209. mineralogisch: die eben erwähnte häufige regelmäszige v. beider (von augit und hornblende) Oken allgem. naturgesch. 1, 266; die ... schön ausgebildeten ... krystalle (fluorit) finden sich ... in regelmäsziger paralleler verwachsung Karmarsch-Heeren techn. wb. 3 3, 606. übertragen: aus der v. metaphysischer abstractionen mit der poesie A. v. Humboldt kosmos 2, 17; in unserer schnöden selbstsucht und v. mit dem schein und trug der welt Zschokke sämtl. ausgew. schr. 26, 196; eine überaus enge v. von sinn und wort, von gehalt und gestalt bei jenen alten (altdeutschen) poesieen J. Fr. Böhmer bei Janssen Böhmers leben 2, 118.
5) vereinzelt zu verwächsen: v., ceratura Reyher thes. u 5a. — zusammensetzungen: verwachsungsstelle, f. Sömmerring v. baue d. menschl. körpers 5, 738; 6, 850; Muspratt chemie 3, 567 Stohm.-Kerl. -vorgang, m. Ratzeburg waldverderbnis 2, 265.
 
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verwachten, v.
1) erwarten, nur auf nd. boden: mnd. vorwachten Schiller-Lübben; Calepinus XI ling. 1142b; mit dem genitiv: des natuerliken dodes mote wij alle sterven unde des syn wij alle verwachtende Veghe 16, 21. später mit dem acc.:

wy wetten, dat Szathan hefft eyn ryck,
dar ynn leven alle gotloszen glyck,
mit ernst ohrem forsten sind underdaen,
vorwachten van ohm eyn tydtlick lohn
B. Waldis verlor. sohn 43 ndr.;

schande unde de helle vorwachtet de spelers Tunnicius sprichw. nr. 857. in nd. mundarten: Strodtmann 262, Woeste 297, Richey 330, Schütze 4, 330, Dähnert 528, Frischbier 2, 443.
2) bewachen: bayr. v. 1616 und 1847 bei Schmeller-Fr. 2, 842; meckl. Mi 103; die hund ... verwachten (präsens) das hausz und vieh Albertinus Lucifers königreich 56 L.; verschlossen sie die thore und verwachteten die stadt Schütz hist. rer. pruss. 1, e 4c; (mit dem dativ?) das die (die herschaft) im verwachten, nachdem alhie nit guet gefenknus sein (1580) öst. weisth. 10, 141;

Hieronimus, Ambrosius,
Gregorius, Augustine,
vorwachtet uns de rine
und dat kamprät!
so geit de möle desto bät
Uhland volksl. nr. 344.

in neuerer zeit nur in archaisierender sprache: wenn man die beichtstühl verwachtet und die priester, so unter der wochen beicht sitzen wollen, beim magistrat verklagt Handel-Mazzetti in deutsche rundschau 151, 344. —
 
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verwachtung, f.: so haben die römischen keiser zu dem kriege und zu ihrer person v. die Batavier ... allwegen schr gebraucht Federman Niderlands beschreib. (1581) 228. —
 
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verwachung, f., s. verwachen. —
 
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verwackeln, v.: A. legte an, zielte unsicher, die nachbarn schüttelten die köpfe, einer flüsterte: 'o je, er verwackelts' Fr. Th. Vischer auch einer (1879) 1, 307. —
 
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verwaffen, v., vereinzelt: wer dem andern sein gt verwafft mit gewalt der neü laienspiegel (Straszb. 1518) 128a. —
 
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verwaffnenv., mhd. verwâfnen, verwâpnen mhd. wb. 3, 458; Lexer 3, 291; schwäb. Fischer 3, 1399 (veraltet); nhd. nur in älterer zeit: darumb daz ain wyser man gegen allen stichen des gelükrades, sie syen gt oder bsz, sol verwaffnet sin Steinhöwel de claris mul. 40 lit. v.; noch nitt dester minder (hat Luther) allweg sin clausterglupt als ein mur darwider gesetz und sin gewissne wider des vatters wort verwaffnet Joh. Kessler in mitteil. z. vaterl. geschichte (St. Gallen) 5—6, 124. —

 

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