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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
vervollworten bis vervortheilig (Bd. 25, Sp. 2061 bis 2063)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) vervollworten, v., einwilligen: das ein solches seinen fortgang gewinne (dasz eine kirche, die bisher dem deutschen orden unterstand, weltlich werde), darzu verwilligen und zu v. Schütz hist. rer. pruss. 9, Nn 4d; dasz sich der bischoff eines andern besonnen, vielleicht ihm auch sein vornehmen v., eingehen, billigen und verwilligen werde A. Werner chron. v. Magdeburg 11. —
 
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vervollzähligen, v.: die eigenen handschriftlichen sammlungen zu v. Göthe 28, 112 W.
 
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vervormunden, v., mnd. Schiller-Lübben 5, 493; 'mit einem vormund versehen' (1593) Fischer schwäb. wb.; die vormundschaft über jemand ausüben: kain minderjariger, auch ober 14 jaren, die wil er oder si noch verformundet und verpflegt sind (Heilbronn 1513) württemb. geschichtsqu. 19, 353. auch mit umlaut: dieser graf Johan... ist nach des vattern tode durch die mutter und könig Erichen zu Dennemarck den 9. vervormündet, bisz er mündig worden Cyr. Spangenberg schaumb. chron. (1614) 96. —
 
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vervormundschaften, v. graf Brandis ehrenkräntzel 97. —
 
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vervornehmen, v.: der wahn, etwas geworden zu sein, ohne doch was rechtes zu sein, vervornehmt die leutlein, macht sie volkscheu Fr. L. Jahn 2, 681 E.; in jenen die menschen vervornehmenden gemächern (den ministerhotels) Gutzkow ges. w. 10, 267. —
 
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vervornehmung, f.: aus eigenem triebe nach v. seines daseins Gutzkow ges. w. 3, 268. —
 
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vervorschuhen, v. 'mit vorschuhen versehen' Brendicke Berl. wortschatz 189; sie (die heutige philosophie) vervorschuht abgelaufene stiefel Gutzkow ges. w. 8, 472. —
 
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vervorständen,

[Bd. 25, Sp. 2062]


v.: die schichtmeister sollen vereidet und vervorständet werden Span spec. juris metallici 101.
 
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vervortheilen, v. , seit dem 16. jahrh. belegt und gebucht: Schöpper syn. b 4c, Schwartzenbach (1578) 24a, Faber thes. 129a, älter mnd. (Schiller - Lübben 5, 492), im 17. und der 1. hälfte des 18. jahrh. häufig (z. b. Sattler, Hulsius (1618), Schottel sprachkunst 507b, Corvinus, Kramer, Dentzler, Ludwig, Sperander, Gottsched sprachkunst 110), dann seltener (nicht bei Adelung), im 19. durch übervortheilen (s. d.) verdrängt und nur noch ganz vereinzelt in gebrauch. mundartl. schweiz. id. 1. 905; schwäb. Fischer 2, 1398; bayr. Schmeller-Fr. 1, 599; pomm. Dähnert 528b. mit abschwächung des 2. bestandtheils: verforteln Agricola 750 teutsch. sprichw. t 7b; vervorteln Lehmann florileg. polit. (1662) 1, 449; vervorthelt Hohberg georg. cur. (1682) 1, 15. vereinzelt verfurteilen Heyden (s. u. 1 a).
1) die gewöhnliche bedeutung entspricht übervortheilen und bevortheilen (s. th. I, 1761), das daneben im 17. jahrh. aufkommt: einen vortheil über jemand davontragen; v., vom vortheile bringen Klopstock gelehrtenrep. 260; v., ... nur im gemeinen leben üblich ..., für das gebräuchlichere bevortheilen Krünitz 218, 494; bevortheilen, überv., verv. Fr. L. Jahn 1, 35 E. v. ist also gleichbedeutend mit vernachtheilen, benachtheiligen, auch mehrfach damit gepaart (s. o. sp. 905): v., befehden, benachtheilen Schwartzenbach (1578) 24a; v., disavantaggiare Kramer 2, 1069b; v. oder benachtheiligen Ludwig 2184.
a) zuweilen ohne jede schlechte nebenbedeutung: einen vortheil über den feind davontragen: den (Mithridates) hat Gneus Pompeius in einem nächtlichen streit übereylt und verforteilet, sein wagenburg zerissen und der seinen viertzig tausent erschlagen S. Franck chronica zeytbuch (1531) 68b; darumb er (der adler) in der hhe fahren msz, dasz er seine feind von ferne sehe und verfurteile Heyden Plinius (1565) 404;

dann alsobald er (Roland) sieht den könig sich erheben,
macht er sich gar geschwind und schnell auf von der erd,
dasz er durch eyffer nicht von ihm vervortheilt werd
D. v. d. Werder ras. Roland ges. 23, str. 162.


b) meist in dem sinne, dasz demjenigen, der vervortheilt wird, dadurch ein unrecht geschieht: 'verunrechten, beleidigen' Dähnert; warumb lasset ir euch nicht viel lieber unrecht thun? warumb lasset ir euch nicht lieber verforteilen? sondern ir thut unrecht und verforteilet, und solches an den brüdern Luther bibel 7, 47 Bindseil; schweren, das man nicht aus fürsatz, jemands zu verforteilen oder mit unrecht zu beleidigen, einen krieg oder anklage angefangen habe Bas. Faber thes. (1587) 129a; wie er (Ludwig der Deutsche) von seinem vatter (bei der reichstheilung) ... verfortheilet were Stumpf Schweytzerchronik 234b; eine billige, niemand vervortheilende toleranz Herder 11, 204 S.; brächten es ... die Europäer dahin, ... dasz keine unterdrücker und sie selbst nicht mehr unterdrückten, vervortheilten, beraubten 23, 503 S.; der gewissenhafte richter ... muszte ... verderben über den vervortheilten rechtschaffenen aussprechen (weil der bösewicht, der ihn geschädigt hatte, nicht gegen den buchstaben des gesetzes verstiesz) F. H. Jacobi 1, 191.
c) gewöhnlich geschieht das v. durch list oder betrug; Luthers v. wird bei A. Petri durch schedigen, betriegen erklärt; fallere, betriegen, v. Schöpper syn. b 4c; betriegen, v. Hulsius (1618) 2, 118b, Sattler 136, Sperander (1727) 184a, Schwan nouv. dict. 2, 940a; v., ... ubereylen, umbgehen, uberlisten Schwartzenbach (1578) 24a; defraudare Dentzler; decipere Gottsched sprachkunst 110; wenn du ubel von deinem nehsten redest ... oder vervorteilest in auf dem marckt und sonst wo du nur kanst Luther 28, 623 W.;

du wirst verfortheilt und betrogen
H. Sachs 3, 39 K.;

weh uns, tapfre männer,
die ein weib vervortheilt und betrüget
Herder 25, 453 S.;

[Bd. 25, Sp. 2063]


keinem unterdrücker, keinem vervortheilenden betrüger 14, 537 S.; er sei im geringsten nicht gesonnen gewesen, weder lord Chesterfield noch sonst jemand zu vervortheilen, sondern habe innerhalb drei monaten alles erstatten wollen J. G. Forster s. schr. 5, 35. besonders häufig im handel v. Mathesius Sarepta (1571) 221b; den bruder im handel v. nach 1. Thess. 4, 6: und das niemand zu weit greiffe, noch verforteile seinen bruder im handel Luther bibel 7, 150 Bindseil; Moscherosch gesichte 377; Lehmann florileg. polit. (1662) 1, 449: Prätorius anthropodemus 3, 68; Dannhawer catechismusmilch 1, 407; Herder 30, 325 S. durch falsches masz und gewicht v.: alle, die ... mit masz, ehlen, gewicht ubersetzen, v. theatr. diab. (1569) 421b; weilen ... viele leute durch deren miszbrauch vervortheilet werden Leibnitz deutsche schr. 2, 288. um geld v.: wo du ymand umb ein gülden teuschest und verforteylest Luther 30, 1, 167 W.; pecunia aliquem fraudare, einen umbs geld v. Corvinus fons latinitatis 360; hab ... niemand meines wissens um des hellers werth im leben vervortheilt Schiller 2, 18 G. (räuber).
2) anderes ist nur vereinzelt:
a) mit sächl. object: der vorenthaltene, abgebrochene und vervortheilte lohn pflichtsvorhaltung (Schneeberg 1714) 14; schwäb.: 'als vorteil davon tragen, profitieren', der wird nicht viel v. Fischer 2, 1398.
b) vervorteilt, unvorteilhaft: so gedenck, ..., das es weit verfortheilt sey, dasz das abgerunne wasser bleibe, und das es stets laufs fort und ausz dem lande lauffe Guarinonius greuel d. verwüstung 441. —
 
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vervortheiler, m.: ingannatore, fraudatore, trompeur, piqueur Rädlein 951b; trompeur, tricheur Frisch nouv. dict. 602. —
 
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vervortheilig, adv., fraudulenter Aler 2, 2030b. —

 

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