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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
verurtheilung bis vervielfälten (Bd. 25, Sp. 2053 bis 2056)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) verurtheilung, f. , daneben verurtelung Schütz hist. rer. prussic. 4, 171a. adiudicatio, condemnatio voc. inc. teut.; damnatio Frisius, Maaler, Stieler, Adelung, Campe.
1) zu verurtheilen 2 a: damit nicht mit der weil ider frommer redlicher mensch von unredlichen falschen leuten frefelich werd beschuldigt und auf beschuldigung verurtailt und nach der verurtailung peinlicher straf untergeben Fischart 3, 67 Hauffen; die verurtheilung oder lossprechung einer angeklagten person Lessing 8, 29 M.; strafmaszregeln, verfolgungen und verurtheilungen ..., welche die übertreter trafen Häuszer deutsche geschichte 3, 604; mit der v. Straffords Ranke s. w. 16, 60. mit näherer bestimmung: v. zum tod Schwarzenberg teutsch Cicero 54; Hegel 13, 391; verurtheilung in die kosten Müllner dram. w. 8, 86, in 25 as Jhering geist d. röm. rechts 44. — dazu verurtheilungsacte allg. deutsche bibl. 3, 1, 265, -amt Zinzendorf 3. Cor. 3, 9, -grund Lassalle ausgew. reden u. schr. 2, 340, -sache allg. deutsche bibl. 3, 1, 265, -tag Meisl theatr. quodlibet 4, 126.
2) zu verurtheilen 2 c: eine scharfe verurtheilung des verdorbenen geschmaks des sophisten Wieland Agathon 1, 241; die unbesonnenen verurtheilungen so mancher

[Bd. 25, Sp. 2054]


witzlinge Lavater physiogn. fragm. 1, 176; bei der schärfsten v. des princips Bismarck polit. reden 4, 80 Kohl.dazu verurtheilungskunst Fr. L. Jahn 2, 253 E., -sucht Lavater physiogn. fragm. 2, 40. —
 
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verurzen, v., s. verurasen.
 
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vervagabunden, v., vereinzelt: der abend gestern ward mit würfeln und karten vervagabundet Göthe IV 3, 11 W.
 
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verve, f.: frz. la verve, begeisterung aus lat. plur. verba worte, also eigentlich begeisterte rede Seiler kultur im spiegel d. lehnworts 4, 213; der könig, das glas in der hand, trat vor und sprach mit voller v. Laube 16, 139; es (die polka) war sein (Strausz) fach nicht, wie auch seinen galopps die rechte v. fehlt Fr. M. Böhme gesch. d. tanzes 1, 271.
 
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vervegetieren, v. , vereinzelt: drei menschenalter im viereckigsten zirkel der spieszbürgerlichkeit vervegetiert Nestroy 3, 211. — vervettern, v. , vereinzelt als verbum finitum:

vergesset lieber schon der fremden völker wörter,
die euer sprachen sich vervettert vieler örter,
an eides statt ihr euch hiemit versprechen sollt,
dasz ihr gut schlesisch teutsch hinwieder reden wollt
W. Scherfer geist- u. weltlicher ged. 1, 650.

öfter das part. prät.: der lehrstand verschwägerter und vervetterter theologengeschlechter Treitschke deutsche gesch. 3, 491; die fürsten Europas waren vervettert, aber den zank um die erbschaft muszten die völker bezahlen W. Schäfer 13 bücher d. deutsch. seele 279. — verviehen, v. , Campe verd.-wb.; intransitiv: er verviehet ganz und gar Stieler 2370; trans.: der faule, feile und feige genusz ..., das 'tischchen deck dich', wo liebenswidrigkeit und lieblosigkeit zum ziel gelangen kann, ohne mühe, zeit, anstrengung und wagnis: das setzt unter das tier und verviehet Fr. L. Jahn 2, 839 E.dazu verviehung Campe; vgl. auch schweiz. vervêchlen, durch halten von vieh verbrauchen id. 1, 652.
vervielen, v., mhd. verviln mhd. wb. 3, 314; Lexer 3, 288; mnd. vorvelen Schiller-Lübben 5, 487; in nd. mundarten: vervelen brem.-nieders. wb. 1, 368; ostfries. verväälen Stürenburg 316; hd. selten: nordböhm. Knothe Markersdorf 121.
1) in älterer zeit und mundartlich: zu viel sein, werden oder scheinen.
a) fast immer mit dem acc. der pers.
α) mhd. wie beviln unpersönlich mit dem gen. der sache:

got der vil wunderliche milte,
den richer gabe nie vorvilte
Brun v. Schonebeck 63;

und ab der rede dich vervilt buch Hiob 2739 K.;

der selben sach uns nit vorfelt Alsfelder passionsspiel 1242 Froning.


β) später mit sächlichem subject:

wen dieses lob vervielt,
der komm und höre dich
Fleming deutsche ged. 1, 123 L.;

der hohe wert des kauffes vervielete den käuffer Schottel haubtspr. 648; nordböhm. die reïde tout mich vfîln Knothe Markersdorf 121.
γ) den übergang vermitteln verbindungen mit es, das in älterer zeit als genitiv, später als nominativ aufzufassen ist:

mein heiliger engel Gabriel,
du solt dichs nicht lassen vervieln,
und mache dich gen Rom zu handt
Schernberg spiel v. fr. Jutten 30 Schröder;

wenn man zu lange schulden stehen läszt, vervielt es hernach die leute Steinbach 2, 894; mundartl. 't verväälde mi dr tolesst, ich langweilte mich zuletzt daselbst Stürenburg 316b.
b) vereinzelt mit dem dat. d. pers.: wie nun Donnes ... 600 talent ... forderte, dieses aber dem Caius vervielte Lohenstein Arminius 1, 248b.

[Bd. 25, Sp. 2055]



2) ebenso ungewöhnlich absolut, viel bedeuten, viel zu sagen haben:

ist es gut mit worten spielen?
schad und nutz kan nicht vervielen;
wer gewinnt, der wird betrogen;
wer verleuret, hat gelogen
Logau sinnged. 141 lit. v.: von
Lessing als zu 3 gehörig aufgefaszt.


3) v., multiplicare, amplificare, augere, cumulare; die furcht wird vervielet durch böse zeitung Stieler 2371; Campe verd.-wb. 665c; mnd. Schiller-Lübben; so vielmal sich ein antlitz in den stücken eines zerbrochenen spiegels ... vervielet Lohenstein Arminius 2, 580a; schon Lessing nicht mehr recht geläufig: er wünscht im Logau-wb. diese bestimmung: das wasser vermehrt sich; alle blumen vervielen sich, einige blumen vervielfältigen sich 7, 406 M.vervielung Stieler.
vervielfachen, v., erst im 18. jahrh. belegt, gleichbedeutend mit vervielfältigen, aber weniger gebräuchlich; Campe, nicht bei Adelung.
1) zahlenmäszig vermehren: so vervielfacht ... der sich ansiedelnde tropenbewohner durch pisangpflanzungen eine der herrlichsten und edelsten gestalten A. v. Humboldt ans. d. natur 1, 188; gerüchte sind wie polypen; das verwunden und zerstören vervielfacht sie Jean Paul 15/18, 424 H.; wie freute er sich, diesen schatz seines künftigen kindes am tage seiner verheirathung vervielfachen zu können Arnim 1, 319 Grimm. von mechanischer vervielfältigung: jeder der sich bemüht hatte, kunstreiche striche ins metall zu graben, mochte sie lieber durch abdruck vervielfacht sehen Göthe 44, 321 W.; man vervielfachte die papiere (das papiergeld) ins unendliche Gutzkow ges. w. 10, 15. reflexiv: ins unendliche vervielfachte sich dieses eine von Willem ausgegangene gedicht (Reinaert)! Gervinus gesch. d. d. dicht. (1853) 1, 149. besonders häufig ist das part. prät.:

dasz diesz teure fürstenpaar
noch ein oft vervielfacht jahr,
ja das spätste ziel erreiche
Brockes ird. vergn. in gott 4, 232;

vergehen sich mehre kinder oder geschwister, so wird nur die einfache, nicht die vervielfachte strafe erhoben Raumer gesch. d. Hohenstaufen 5, 108. durch fortpflanzung vermehrt:

wenn wir euch (die neuvermählten) fortgepflanzt und oft vervielfacht sehen
Weichmann poesie d. Niedersachsen 4, 220.

wiederholt: vervielfachte besuche Gaudy s. w. 20, 87; die vervielfachten Frankfurter lokalkomödien Gervinus gesch. d. d. dicht. (1853) 5, 487. von wiederholung und steigerung durch echo: die donner, die in diesen gethürmten felsgebürgen vervielfacht und schrecklich wiederhallen Herder 12, 69 S.;

vervielfacht durch den wiederhall
Pfeffel poet. vers. 7, 154.


2) in allgemeinerem sinne vermehren, steigern:

denn durch die wissenschaft
vermehrt sich, wie gedacht, des menschen lebenskraft:
diesz kann ihm nicht allein einst groszen nachruhm geben;
nein! er vervielfacht auch zugleich sein zeitlichs leben
Triller poet. betracht. 2, 121;

ein vervielfacheter muth des geistes Abbt verm. w. 1, 92; wie viel mehr die wissenschaftlichen anstrengungen ... zu vervielfachen sind Ritter erdkunde 2, 1046.
3) complicieren, mannigfaltiger machen: man hat ... vervielfachet und gegrübelt, wo die sache selbst federleicht, und recht verstanden, von folgen sehr schwanger ist Herder 6, 340 S.; ihre (der sprache) manigfaltigkeit eben ist bestimmt, den ideengang zu vervielfachen und zu beleben Jac. Grimm kl. schr. 1, 277. — vervielfachung, f. : so giebt es doch in jeder sprache ein besondres einheitsmasz der betonungsstärke, durch dessen v. und theilung jene gradmessung möglich wird W. v. Humboldt 4, 325; ungeheuere v. geschriebener worte (durch den druck) Zschokke sämtl. ausg. schr. 1, 150; v. seiner (des ackermanns) zahmen früchte und

[Bd. 25, Sp. 2056]


thiere Jac. Grimm kl. schr. 2, 382. — vervielfachungsgesetz, n. Sprengel chemie f. landwirthe 1, 760. — vervielfälten, v. , vereinzelt:

das heiszt die busze vervielfälten
Tieck 1, 135.

 

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