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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
verursachen bis verurzen (Bd. 25, Sp. 2048 bis 2054)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) verursachen, v. , seit dem 16. jahrh. belegt und gebucht: Frisius 56b; 342b; Maaler 436c; Jelinek; viele belege des 16. jahrh. Pfeiffers Germania 28, 408; 29, 397; später allgemein; mundartlich nicht sehr häufig: schweiz. id. 7, 122; schwäb. veraltet Fischer 2, 1397; lux. mundart 468; lübisch Schumann 2.
1) in älterer zeit der substantivierte infinitiv wie von verschulden: (s. o. sp. 1178): wo sie auch ... ane ir verurschachen in schulden gefallen oder fallen wurden (1505) lehnsurk. u. besitzurk. Schlesiens 1, 473; daz aber der leib todlich worden, ist on verursachen gottes, der z pildnuss seiner ewigen untodlikait anfangs den menschen untodlich gemacht Berthold v. Chiemsee 213; auszer seiner fürstlichen durchl. und dero erben eigen verursachen (1611) Lori baier. bergrecht 387.
2) in neuerer zeit zuweilen das absolute participium präsentis: das verursachende bindewort Gottsched sprachkunst 443; verursachende ursünde Schleiermacher I 3, 383.
3) in älterer zeit gewöhnlich, später vereinzelt mit persönlichem accusativ, veranlassen, bewegen, vgl. Teller sprache in Luthers bibelübersetzung 1, 177; nach Adelung kanzleisprachlich. mit präpositionaler ergänzung: das sie gotte sein ehere stelen ... und yhr eygene sele ... dem teüffel zueygnen, darzu sie villeycht ein gering zeytlich dingk verursachet Luther 15, 732 W.; in mass yedes fleisch unstt ist und seinen geist z verkerung verursacht Berthold v. Chiemsee 162; damit man den marschalck z dem kampf verursacht Wickram 1, 140 B. seltener aus etwas v., hervorlocken, verursachen,

[Bd. 25, Sp. 2049]


eine stellung zu verlassen: die kay mt. hat ... vielleicht auf Monpelier ziehen sollen, ob sie di feind ausz irem forthel verursachen mocht Scheurl briefbuch 2, 165. mit infinitiv: denn so dich, der du das erkentnis hast, jemand sehe zu tische sitzen im götzenhause, wird nicht sein gewissen, die weil er schwach ist, verursachet, das götzenopfer zu essen? Luther bibel 7, 53 Bindseil; ich bit euch, ir wölt uns nit vorursachen zu uben die gewalt, die uns got geben hat 10, 3, 121 W.; damit wir die wiedersetzung des verlohrnen denen officierern, in denen quartieren derer compagnien es geschehen, aufzuerlegen nicht verursachet werden Fleming teutsche soldat 259. mit abhängigem satz:

fragten, was ihn verursacht het,
dasz er ins wasser springen thet
H. Sachs 21, 160 G.

dieses verursachte den ritter, daz er, ehe das verwundete pferd stürzte, mit einer fertigen hurtigkeit aus dem sattel sprang Lohenstein Arminius 1, 47a. neuere belege sind spärlich: und ob ich gleich soeben gesagt habe, ich könnte mich für beleidigt halten, so sage ich doch jetzt, dasz ich auf keine weise dazu verursacht bin Tieck Don Quichotte 23, 459 Meyers volksbücher; die bestreitung hat mich nicht verursacht, von meiner gehegten meinung abzuweichen Jac. Grimm kl. schr. 4, 12.
4) zuweilen auch zu etwas v., was nicht eigener entschlusz, eigene that ist, sondern mehr passives erleiden: welches ... die jüden zu grosser bekümmernis und verwunderung verursacht hat Hedio chron. germ. b 3b; dadurch viel leut zum todt verursacht werden Paracelsus opera (1616) 1, 63 Huser;

das liecht, so jedermann erquicket und erfreut,
verursacht mich zu schmertz, verursacht mich zu leydt
Opitz teutsche poemata 43 ndr.


5) im 16. und 17. jahrh. zuweilen reflexiv, entstehen, herrühren: dusse mangel und unrait verorsaketh sick daruth, dat olde unde nye testament unde der beiden schrift nicht wall underscheiden werden Rotmann restitution 22 ndr.; wer weisz, woher sich die groszen schatzungen verursachen Mathesius Sarepta (1571) 49a; daher sich oft schreckliche todtschläge verursachen Prätorius Blockesberges verrichtung 67.
6) vereinzelt ableiten, herleiten: den alten, di ihr maynung von dem ... wesen der seel ... ausz der zal ... verursacht haben Schwarzenberg d. teutsch Cicero 48a.
7) gewöhnlich ist in älterer wie neuerer zeit die verbindung mit dem objectsaccusativ: die ursache sein, dasz etwas ist, wird, geschieht. nur vereinzelt von personen:

gleich wie kein kriegsman wird geborn
sondern verursacht und erkohrn
Ringwaldt die lauter wahrheit 8.

fast ausschlieszlich von sachen. das object bezeichnet:
a) zuständliches: fürnemlich asz er gern die weinzihende fisch ... verursacht derhalben oft ein grosse theurung darein Fischart geschichtsklitt. 61 ndr.; die von dem gestrigen regen verursachte schlüpfrigkeit des bodens J. G. Forster schr. 2, 60. besonders gemütszustände: das man mit unzuchtigen geberden, ansehen, zeichen oder schriften unkeuscheyt erregt oder vorursacht hat Luther 2, 63 W.; weil sein abschied bey uns einige melancholey verursachet schausp. d. engl. comöd. 81 Creizenach; jede widrige berührung unsrer geschmacksnerven verursacht ekel Herder 3, 180 S. körperliche zustände: wegen vielen hustens und schnupfens, so mir das reisewetter verursachet J. U. v. König ged. 643; ich schrieb meine unpäszlichkeit der hitze der nacht und der dadurch verursachten schlaflosigkeit zu Pfeffel pros. vers. 5, 54. zuweilen wird das zuständliche durch ein adjectivum beim substantiv ausgedrückt: das die langen täg umb dieselben zeyt ... mächtige lange nächt verursachen bei Gengenbach 430 Gödeke; sintemal die leymechte gegene ... eine recht fruchtbare landschaft verursachen Sebiz feldbau (1579) 11; sich ins unersehliche, ins völlig unbekannte, ..., hinaufschwindeln, verräth oder verursacht ein wüstes haupt Herder 22, 259 S.

[Bd. 25, Sp. 2050]



b) handlungen, vorgänge:

weil ich die that verursacht hab,
so wil ich für in sterben gern
H. Sachs 20, 431 G.;

wer gwissen zwingt, der macht viel schmerz,
verursacht oft rebellion
Opel-Cohn dreiszigjähr. krieg 364;

unter den ersten stürmen, die sie (die xenien) verursachten Gervinus gesch. d. d. dichtung 5, 418;

die strenge wittrung, erklärte er,
mit magenleere vereinigt,
hat beider ableben verursacht, sie hat
zum mindesten solches beschleunigt
Heine 2, 124 E.

besonders äuszerungen von gemütszuständen: welches abermal eine neue klag unter weib und kindern verursachte Grimmelshausen 3, 410 lit. v.; ein zufall, der ... ein groszes gelächter verursachte Göthe 21, 26 W.
c) concrete gegenstände, die ergebnis einer handlung sind: das werk verursachte eine reihe von gegenschriften jahrb. d. Grillparzergesellschaft 2, 284.
d) störung, unbequemlichkeit, kosten, schaden: nachdemmahl nun dieses durch rheingraf O. formirte lager ... denen in der stadt grosze ungelegenheit verursachet Chemnitz schwed. krieg 2, 161; dasz die schöne Helena auch viel unheil verursachet hat Hippel über die ehe 159; das hin- und wiedersenden der correspondenz hätte dir keine kosten v. sollen Göthe IV 40, 115 W.; solche bemühung verursacht zu haben IV 42, 52; die hindernisse, die mir dadurch verursacht worden IV 23, 41; der christenheit verluste verursacht zu haben Ranke s. w. 4, 85.
e) andere verbindungen sind heute kaum mehr üblich: die siben (sacramente) ... auch selbs geben die gnade; die andern aber ausz ihnen selber kein gnade können geben noch verursachen Fischart binenkorb 182a; dapferkeit und heroische thaten verursachen und bringen ein ansehen, grossen ruhm, ehr und immerwehrendes lob Lehmann florileg. polit. (1662) 3, 34; dasz gleichwol dieses gebäu (ein stattlicher palast) ... dem inhaber so viel neid und nachred verursachen werde Zinkgref apophthegmata 67; wir berühren auch die übeln nachreden nicht, die uns einige ... verursachen die vernünftigen tadlerinnen 1, 234.
f) das object wird durch einen abhängigen satz ausgedrückt: das aber biszher vil artickel des glaubs sein gemacht, verursachen die ketzer Berthold v. Chiemsee 49; er verursachte auch dardurch, dasz ihm ein groszer theil der engeln beyfiel Albertinus Lucifers königreich 7 d. n.-lit.; was beim verkauf des werkes verursachte, dasz es schneller und in gröszerer quantität abging Hauff 2, 139. ungewöhnlich ist dabei der persönliche dativ: dargegen sollen ihm die richter und der schultheiss nit verursachen, dasz er erschrecke Reutter von Speir kriegsordnung 45.
8) frühnhd. bezeichnet das attributiv gebrauchte part. prät. verursacht, dasz eine masznahme durch die handlung eines andern mit nothwendigkeit als gegenaction hervorgerufen ist: hoch verursachte schutzrede und antwort wider das gaistlosze, sanft lebende fleysch zu Wittenberg kampf der schwärmer gegen Luther 17 ndr.; defension, verursachte gegenwehr, hochgetrangte defension Schwartzenbach (1564) 75a; deszhalben musten sie zu einer verursachten notwehr greifen Jean de Serres frantz. hist. 15a. — verursacher, m. , seit ende des 16. jahrh. belegt, im 17. gebucht: Hulsius-Ravellus 359b; Stieler 1657; Kramer 2, 1221b; Dentzler; Campe. in neuerer zeit wenig in gebrauch. vereinzelt verursächer.
a) zu verursachen 3, einer, der einen andern zu etwas veranlaszt: die fürnehmsten verursächer und aufwiegler der gemein acta publ. 4, 182 Palm; ein verursacher zur weiberlieb Ayrer histor. processus juris 740.
b) zu verursachen 7, person oder sache, die etwas verursacht: gott den herrn zu eim anfänger und verursacher der sünden zu machen Heilbrunner von der augspurg. confession widerwertiger censur 85; er hatte

[Bd. 25, Sp. 2051]


sich ... für verursacher dieses zugestoszenen unglücks gehalten A. U. v. Braunschweig Octavia 2, 916; irgend einen unerwarteten gegenstand ..., den er (der schamane) als den ertappten und besiegten verursacher des übels der ängstlich harrenden menge zeigt Peschel völkerkunde 274. — verursacherin f. Hulsius-Ravellus 359a; die keiserin Judith, ein verursacherin vieles unglücks und blutvergiessens Spangenberg mansfeld. chron. 1, 93b. — verursachlich, adj. , verursächlich Stieler 1657, in neuerer zeit nicht mehr üblich. als grammatischer terminus: das fölgerige fügwort ist entweder verursachlich, als: den, aldieweil, sintemal ... oder schlieslich, als: dero wegen, nach dem ... Gueintz deutscher sprachlehre entwurf 94. verursacht: (der reichtum) fleugt davon wie ein adler, sagt Salomon, wie denn auch solchen, durch so viel tausend unversehene zufälle verursachlichen flug keine klugkeit verhindern kan Ryssel seelenfrieden 143.
 
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verursachung, f. , Hulsius-Ravellus (1616) 359b; Stieler 1656; Kramer 2, 1221b; Dentzler, Adelung, Campe.
1) zu verursachen 3: nachdem sy allain aus irer aygen bewegung und inwendigen nichtikait, on all auszwendig verursachung, von got in sünd gefallen sein Berthold v. Chiemsee tewtsche theol. 162; denjenigen, die sich durch böse gesellschaft oder anderwärtige v. zur zauberey und segensprechen verführen lassen Widmann Fausts leben 64 lit. v.
2) zu verursachen 7:
a) das. was etwas verursacht: zum dritten gibt got rte den rechtgeschaffen menschen, z empfliehen v. der sünden Berthold v. Chiemsee tewtsche theologey 361; so würt kein ursach der verkehrlichen und bösen gramschaft sein, auch kein v. und zünder des neids sein Hutten 1, 395 B.
b) in neuerer zeit allein üblich: die handlung des verursachens; mit dem subjectiven genitiv: und ohne v. gemelter wollust kain übel geschicht Schwarzenberg teutsch Cicero 31. mit object. gen.: zumahl der mangel und v. gegenwärtiger dissipation und ruin nicht von ihnen ... rührete Chemnitz schwed. krieg 2, 564; (der mensch) sucht oft durch das böse, d. h. durch v. des fremden leidens, dem übel ... zu entgehen Schopenhauer 1, 454 Gr.; v. eines schadens hwb. d. staatswiss.2 6, 620.
3) zu verursachen 8, zwingender grund, nothwendigkeit: das eigenmechtigerweise ohne einige noth und vorursachung, do gancz und gar kein feind oder gefahr vorhanden gewesen, von ihnen zuerst geworbene krigsvolk acta publ. 1, 254 Palm.
 
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verurschen, v., s. verurasen. —
 
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verurtel, n., verurtheilung, vereinzelt: zu mehrerem bericht und widerlegung solches eigenen verurtels Schütz hist. rer. pruss. 5, A 6b.
 
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verurtheilen, v. , mhd. wb. 3, 24, Lexer 3, 282, in den frühnhd. wörterbb. allgemein. mundartlich selten gebucht.
bis in die neuzeit hält sich eine form mit abschwächung des zweiten bestandtheiles: virurtelen, virortelen Diefenbach 454b; verurtelt Teuerdank 275 Gödeke; Logau 208 lit. v.; verördelt Rotmann restitution 64 ndr.; veroirdelt pilgerfahrt des ritters v. Harff 16; verurthlet Abraham a s. Clara Judas der ertzschelm 1, 120; verurtheln Raupach dram. w. ernster gattung 7, 278; verurtelt Anzengruber 9, 81; verûrtelen luxemb. mundart 468.
1) mhd. vereinzelt durch gerichtsbeschlusz bestimmen:

dô daz verurteilet wart
Rudolf v. Ems d. gute Gerhart 5815.


2) allgemein, über einen ein urtheil fällen, adiudicare, prejudicare Diefenbach glossar.; proscribere nov. gl.; adiudicare, sententiare, condemnare voc. inc. teut.; adiudicare, verrechten oder mit recht verurtheylen gemma gemmarum a 4b; addico, aestimo, anteverto, carpo, circumvenio, damno, condemno Frisius, damnare, condemnare Stieler 2273. der sinn ist stets, dasz das urtheil ungünstig ausfällt.

[Bd. 25, Sp. 2052]



a) gerichtlich; mhd.: den armen, di vororteilt waren an gerichte Köditz leben d. heil. Ludwig 17 R.;

fröwly, war sind komen dise man,
die dich wolten verurteilt han,
und die dich har hand presentiert,
oder hand sy dich hie condempniert? schausp. d. mittelalters 2, 220 Monc;

zu orkunde wesche ich die hende min,
dasz ich nicht vororteil sin blut Alsfelder passionsspiel 4478;

das der Husz und Jeronimus mit recht urtail verurtailt wären Richental chronik d. Constanzer concils 94 lit. v. nhd.: da er hochverrahts wegen verurtheilet war Heilmann peloponn. krieg 159; sie wurden vor die commission gewiesen, die den könig verurtheilt hatte Ranke s. w. 17, 12. von gott als dem höchsten richter: so der gestreng richter wirt kommen ..., der wirt nit verurtailen die menschen A. v. Eyb spiegel der sitten 4b;

da er das streng gerichte scheucht,
vor dem kein mensch rechtfertig wirdt,
sonder verurteilt und damnirt
H. Sachs 18, 516 G.

häufig ist das substantivierte participium präteriti: daz zaichen des gecreützigten Christi dem armen verurthailten fürtragen Nas antipapistisch eins u. hundert 1, 220b; der achtzettel, durch welchen man den verurtheilten 'aus dem frieden in den unfrieden setzte' Ranke s. w. 1, 80.
an näheren bestimmungen begegnen:
α) bezeichnung der strafe durch präpositionale wendungen. am häufigsten ist zu: dô er verurteilet wart zuo dem tôde Germania 3, 416 Pfeiffer (predigtmärlein); den marschall zum tode zu verurtheilen Ranke s. w. 9, 66; von deszwegen ... zuletzt etlich zum für verurteilt und verbrennt sind worden Zwingli deutsche schr. 1, 131; zum strang Moscherosch Philander 2, 294; zu sechswöchentlicher gefängniszstrafe Göthe IV 34, 122 W.; zu den galeeren L. v. Haller restaur. d. staatswiss. 1, 209; auch zu den unkosten v. Kramer 2, 1222c; die kosten zu bezahlen, zu denen sie da verurtheilt worden Ranke s. w. 1, 293. ungewöhnlich: die dem tod z verurteylet warend Züricher bibel (1531) 2, 42. in älterer zeit begegnen auch andre präpositionen:

wer das verdächt,
der möcht wol an im selber sein
verurteilt in des kaisers ächt
Oswald v. Wolkenstein 62, 25 Schatz;

er wart verurteilt in den tot
Hätzlerin 305;

die frau klägerin ... in die straf ... groszgünstig verurtheilen Harsdörfer frauenzimmergesprechspiele 1, m 8a; Auctrat ... verurtheilt herrn Tristranten auf ein rad buch der liebe 90b; einen auf die galeen v. Hulsius (1618) 2, 238.
β) vereinzelt durch den genitiv: seinen stiefbruder verurtheilte er des todes br. Grimm deutsche sagen 2, 62.
γ) durch den infinitiv: der verklagt und verurteylt was ze sterben Arigo decamerone 204 K.; und ward verurteilt zu verbrennen Tschudi chron. helvet. 1, 483; der gute P. ... verurtheilte mich, vier masz mehl als almosen in ein kloster zu geben Göthe 43, 47 W.; der student wurde vom senat der universität verurtheilt, hier nicht weiter studiren zu dürfen Varnhagen v. Ense tagebücher 1, 21.
δ) durch abhängigen satz: sie sagten, er wäre ein dieb und führten ihn vor gericht, da ward er verurtheilt, dasz er in einem kasten sollte aufs wasser gesetzt werden kinder u. hausmärchen 2, 109.
ε) bezeichnung der eigenschaft, in der jemand verurtheilt wird: der ward nun durch den official von L. ... offentlich verurteilt für ein ketzer Tschudi chron. helv. 1, 483; wirstu ... als eyn falscher verräter und eyn treuloser man verurtheylt hertzog Aymont C 1b; die angeklagten wurden unschuldig verurteilt als verwilderte, bösartige junge leute G. Keller 1, 86.

[Bd. 25, Sp. 2053]



b) in der anwendung auf gott als den höchsten richter ist v. gleichbedeutend mit verdammen, verwerfen und wird so auch ohne directe beziehung auf das gericht gebraucht: welicher aber zwyflet und darüber die spysz isset, von deren er zwyfel hat, der ist verurteilt Zwingli von freiheit d. speisen 25 ndr.; (gott) hat von der sünd wegen die sünd verurteilet oder getödet im fleisch deutsche schr. 1, 212.
c) über einen eine abfällige, miszbilligende, geringschätzige meinung haben oder aussprechen. mhd.: er mste sich selber wol v. und in als gros bekenntnisse siner kleinheit komen Tauler predigten 387 Vetter; dazu das part. prät. verurtheilt, verurtheilenswürdig, verwerflich, schlecht:

owê dir, verurteilter zage, swâ man der milten gedenket,
man êret sie, man vliuhet dich, dîn laster sælde krenket,
man spît dich an, dîn schande wirt gemêret minnesinger 3, 102 v. d. Hagen.

nhd.: die kunstrichter bedenken nicht, wie unrecht sie verfahren, wenn sie ihm (Cramer) ihre ideale unterschieben, und ihn nach diesen v. briefe über merkwürdigkeiten der litt. 104 lit.-denkm.; sie müssen den fürsten nicht v. Laroche gesch. d. fräul. v. Sternheim 1, 122; so strenge richtet und schlieszet nur der, den sein eigenes herz verurtheilt Klinger 3, 97; soll man nun Mirabeaus ganzes treiben ... v. als das zeugnisz einer gesinnung voll inneren unlauteren widerspruches? Dahlmann französ. revol. 349; jetzt verurtheilten alle höfe mitleidslos sein schwankendes, zweideutiges verhalten Treitschke deutsche geschichte 3, 184. — dazu verurtheilenswürdig Thomas Mann Buddenbrooks (1904) 12.
d) bildlich zu einem lose, einem schicksal, einer bestimmung v.: diese schönen augen, die geschienen haben verurtheilt zu seyn, sich die beste zeit des tages auf einen spitzenpult zu kehren discourse der mahlern 2, 136; ein seltsamer miszverstand der natur hat mich in meinem geburtsort zum dichter verurtheilt Schiller 3, 528 G.; des besten willens ... sich bewuszt, war er dazu verurtheilt, den ruin seines vaterlandes vor seinen augen sich vollziehen zu sehen Mommsen römische geschichte 2, 191; einige allenfalls zum cölibat verurtheilte schwägerinnen Ebner-Eschenbach 4, 16. auch reflexiv: das hiesz sich selbst zur ohnmacht verurtheilen Dahlmann französ. revol. 390;

denn wer sich willig knechten läszt,
verurtheilt selber sich zum knecht
Geibel 1, 209.


verurtheiler, m., damnans, damnator Stieler; seine eigene verurtheiler Lohenstein Arminius 1, 708b; dasz er seinen blinden verurtheilern gern verzeihe Becker weltgeschichte 2, 243. —
 
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verurtheilicht, adj., damnatorius Stieler 2273.
 
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verurtheilung, f. , daneben verurtelung Schütz hist. rer. prussic. 4, 171a. adiudicatio, condemnatio voc. inc. teut.; damnatio Frisius, Maaler, Stieler, Adelung, Campe.
1) zu verurtheilen 2 a: damit nicht mit der weil ider frommer redlicher mensch von unredlichen falschen leuten frefelich werd beschuldigt und auf beschuldigung verurtailt und nach der verurtailung peinlicher straf untergeben Fischart 3, 67 Hauffen; die verurtheilung oder lossprechung einer angeklagten person Lessing 8, 29 M.; strafmaszregeln, verfolgungen und verurtheilungen ..., welche die übertreter trafen Häuszer deutsche geschichte 3, 604; mit der v. Straffords Ranke s. w. 16, 60. mit näherer bestimmung: v. zum tod Schwarzenberg teutsch Cicero 54; Hegel 13, 391; verurtheilung in die kosten Müllner dram. w. 8, 86, in 25 as Jhering geist d. röm. rechts 44. — dazu verurtheilungsacte allg. deutsche bibl. 3, 1, 265, -amt Zinzendorf 3. Cor. 3, 9, -grund Lassalle ausgew. reden u. schr. 2, 340, -sache allg. deutsche bibl. 3, 1, 265, -tag Meisl theatr. quodlibet 4, 126.
2) zu verurtheilen 2 c: eine scharfe verurtheilung des verdorbenen geschmaks des sophisten Wieland Agathon 1, 241; die unbesonnenen verurtheilungen so mancher

[Bd. 25, Sp. 2054]


witzlinge Lavater physiogn. fragm. 1, 176; bei der schärfsten v. des princips Bismarck polit. reden 4, 80 Kohl.dazu verurtheilungskunst Fr. L. Jahn 2, 253 E., -sucht Lavater physiogn. fragm. 2, 40. —
 
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verurzen, v., s. verurasen.

 

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