Wörterbuchnetz
Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
verunwerthen bis verursachlich (Bd. 25, Sp. 2045 bis 2051)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) verunwerthen, v. , der neueren schriftsprache fremd; mhd. wb. 3, 605, mnd. Schiller-Lübben 5, 481, frühnhd. spärlich belegt, auch mundartlich selten: Stalder schweiz. id. 2, 446.
a) einen (oder einem, falls den hier fehlerhaft für dem) v., einem miszfallen, geringwerthig vorkommen: der disen adel dises geistes irkennet, den vorunwerden alle sunde, und alle kreatûren di dâ lîplich sint, die sint ime alse ein vûl holzaphel Herm. v. Fritzlar in deutsche mystiker 1, 171 Pfeiffer.
b) gering schätzen, geringschätzig behandeln: nullo in pretio, nullo loco habere Aler 2, 2030b, Dentzler; mhd.:

und legistu (die krone) uf der erdin,
man solde dich virunwerdin,
noch von der erdin hebin uf,
sunder tretin dar uf Haupts zeitschr. 17, 256 (pfarrer z. d. hechte).

auch mit dem genitiv:

dy der zyt junger syn,
von alderswegen verspotten myn,
der vater ich verunwerte (halte ich für unwürdig der väter) buch Hiob 11281;

nhd.: und auch so sie seyn werden ym lande yhrer feynde, wil ich sie nicht verschmechen und noch verunwerden Margaritha d. gantz jüdisch glaub D d 3b.
c) reflexiv 'sich unbeliebt, gehässig machen' Stalder; sich entzweien: haben die Warmegie sich mit den Szekeln verunwerdet (1613) quellen z. gesch. d. stadt Kronstadt 5, 468.
verunwillen, v., nur in älterer zeit. intransitiv, erbrechen: nachdem man gift genomen hat, muss man sich zum erbrächen oder verunwillen reitzen Gesner thierbuch 2, 61a Herold u. Forer. transitiv, unwillig machen, verdrieszen, mnd. Schiller-Lübben 5, 481; nhd.: es verunwillet ine (prinz Condé) die gefängnus Fischart offenlichs und in warhait wolgegrünts ausschreiben C 6b. aspernari, verachten, verschupffen, vernichten, verunwillen Schöpper e 3a.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
verunwilligen, v. , Adelung, Campe.
1) ausnahmsweise 'unwillig werden' Schwan nouv. dict. 2, 939b.
2) wie verunwillen (s. o. Schöpper) geringschätzig behandeln, geringschätzen: beschäme niemanden, und verunwillige oder verschmähe niemanden weder mit worten noch mit werken Ruysbroeck von den sieben ruffen der liebe 153.

[Bd. 25, Sp. 2046]



3) unwillig machen, transitiv: es (ein gutes pferd) soll ... durch die sporen sich nicht erzörnen noch verunwilligen lassen Hohberg georgica cur. 2, 132. häufiger reflexiv: in unfrieden, zank und streit geraten Frischbier 2, 443b; Krünitz 218, 481; mnd. Schiller-Lübben; dath ein meister unszes amptes sick mith szinem knechte vorunwillighede hamburg. zunftrollen 15 (1541) Rüdiger; ähnlich 18 (1577); als er mit G. ... sich erzörnet oder verunwilligt hatte Schütz hist. rer. prussic. 1, h 3b; mit Ämilen hab ich mich sehr verunwilliget briefe von und an Bürger 3, 282 Strodtmann; diese beiden bauern, die sonst gute alte freunde gewesen, verunwilligten sich br. Grimm deutsche sagen 1, 189. — dazu verunwilligung, f., Krünitz; nicht ohne beider v. Heilmann gesch. d. pelopon. krieges 564.
verunwirschen, v., Scherz-Oberlin, Campe. nur in älterer zeit belegt, gewaltsam mit etwas umgehn, hart mitnehmen: so einer hart gefallen odder sich dermassen verunwirset hett, dass er besorget, im sei etwas im leib entzwey Ryff confectbuch 280a; die schenckel würden auch zu seer darvon (vom tragen schwerer lasten) verunwürset spiegel u. regiment der gesundheit 19a. — dazu verunwürsung 89a.
verunwürdigen, v., verunwirdigen Scherz-Oberlin; 'unwürdig machen, unwürdig behandeln' Campe. mehrfach in der ersten deutschen bibel: ablehnen, verschmähen: sy verunwirdigts und verschmechts ze komen z dem gebote des kúniges 1, 12; er verunwirdigtz und sprach (qui renuens ait) 3, 213. übel aufnehmen: sy verunwirdigtens sagend: worumb ist gemacht dirr verlust? 1, 101. mnd. verunwerdigen, gering schätzen: dat he nijn dynck schuwen noch verunwerdighen ensolde, dan dat em eyn hinder wer an gode to komene Veghe 143.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
verunzieren, v. , seit dem 17. jahrh. gebucht und belegt: Schottel 647a, Stieler 2647, Kramer 2, 1464c, Adelung, Campe; den mundarten fremd.
1) unschön machen:
a) zuweilen geradezu beschmutzen, verunreinigen: die spinnen, welche als ein ungezieffer die logiamenter mit ihren geweben verunzieren J. G. Schmidt rockenphilosophia 1, 119; hier nimm das tintenfasz und die grosze feder und beschmiere damit dem ersten, der mit buntem gefieder herankommt, die flügel! denn wer die gefahr nicht scheut, fürchtet doch verunziert zu werden Göthe 17, 96 W.; dieses gedicht stand lange zeit unter so vielen andern, welche die wände jener zimmer verunzierten 27, 141 W.; M. zog sein karriertes taschentuch ... und breitete es auf das gelbseidene polster, das er sich mühe gab ja nicht verunzieren zu wollen Gutzkow ritter vom geiste 6, 67. übertragen: damit also dieser tugend glantz nicht ihre unhöfligkeit verunzire Reinicke fuchs (1650) 27;

doch meine liebe gleicht dem bleichen mond
und ist verunziert mit der selbstsucht flecken
Bauernfeld ges. schr. 4, 238.


b) häufiger etwas in seinem aussehen, in seiner ästhetischen wirkung beeinträchtigen: vom menschlichen äuszern: ein schlechter anzug verunziert den körper Krünitz 218, 481; dein lächeln verunziert diese starke, kühne stirne Klinger neues theater 1, 272; dem eckigen, mit narben und andern malen verunzierten gesichte Alexis Roland v. Berlin 1, 12. von der landschaft: an den kahlen, durch die rebenstöcke verunzierten felswänden J. G. Forster schr. 3, 4; statt der schmutzigen herbergen, die es (das Engadin) früher verunzierten Steub drei sommer in Tirol 2, 407. von gebäuden, kunstwerken, gerät u. dgl.: leuten ..., welche ihre häuser, zimmer, kutschen, silbergeschirre, usw. verunzieren, indem sie sie verzieren wollen briefe die neueste literatur betreffend 3, 36; die schlanken pfeiler sind durch ... weitläuftige denkmähler neuerer zeit verunziert deutsches museum 4, 497. von literaturwerken: es müssen aber die glieder oder reimglieder fein wolständlich aneinander hengen und den leib des reimes naturmessig und kunstfest zusammenfügen, damit kein miszglied daran etwas verunziere und tadelhaft machen möge Schottel haubtsprache 845; seine ausgabe der werke Friedrichs durch

[Bd. 25, Sp. 2047]


eine ungehörige vorrede verunziert zu sehen Varnhagen von Ense tagebücher 3, 75. von der sprache: die harten dialecte können dieselbe an sich nicht verunzieren Morhof unterricht 1, 447; eine durch fremde worte, wortbildungen und wendungen verunzierte sprache Göthe 27, 73 W.
2) übertragen, zur unzierde gereichen: ich werde gewisz ihre gesellschaft nicht verunzieren Liscow satir. u. ernsth. schriften 86; und so ist auch die edle thräne um das vaterland versiegt, die dort den helden und den weisen nicht verunzierte, sondern ehrte Herder 3, 31 S.; alle, auch geringe, vorarbeiten dazu im wahren geschmack der treue, verunzieren die einen theologen? 7, 300 S.
3) schlecht machen: keine edle seele verunziert andre, damit sie allein prunke Herder 20, 249 S. im bilde häszlich darstellen: deinm reden nach müszt mer wohln teufel schön machen und d'heiligen verunziern Anzengruber 1, 128.
4) verfälschen, entstellen: dadurch er die lehre gottes und seines heilandes verstellet und verunzieret hat Zinzendorf Jeremias 35; eine jahrtausende her verdunkelte und verunzierte offenbarung Herder 6, 258 S.dazu verunzierer: ihr bibliotheken spötter und retter! erklärer und v.! vertheidiger und neuverderber! 6, 199 S.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
verunzierung, f., das was verunziert: mit welchem behagen er seinen hals von der verunzierung befreit sah Wilhelmine v. Chezy erinnerungen 1, 311; übertragen: das laster, die verunzierung unserer menschheit Herder 31, 84 S. der zustand dessen, der verunziert ist: so lange sich mein mädgen nicht über die verunzierung dieses gesichts beschweert Göthe IV 1, 126 W. die handlung des verunzierens: dessen (Michaelis) verunzierung der poetischen überlieferung mit trockenen, rationalen kommentaren Gervinus gesch. d. deutsch. dicht. 4, 449.
verüppigen, v., ein lieblingswort der ersten deutschen bibel (vgl. Fischer schwäb. wb. 2, 1397): intransitiv: wann sy verúppigten (evanuerunt) in iren gedancken, und ir unweises hertze ist erdunckelte 2, 13. meist transitiv, zerstören, zunichte machen: ir seit ein saltz der erden, und ob daz saltz wird verúppigt, in dem es wirt gesaltzen? 1, 17; denn ir ungelaub verúppigt den gelauben gotz 2, 18; so er verúppigt allen fúrstenthm und gewalt und kraft und herschaft 2, 103, ferner 2, 62; 83; 95; 96; 152; 177; 7, 233.
sonst nur vereinzelt, üppig machen: überdies waren die formen des körpers etwas über das üppige heraus verüppigt E. Th. A. Hoffmann 1, 102 Grisebach.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
verurasen, v., zu urasen, ursen, urzen, urschen, orschen u. ä., vgl. Weinhold dialektforschung 117. mundartlich sehr verbreitet, in der literatur nicht häufig.
die formen sind sehr mannigfaltig: verorten osnabr. Strodtmann 260; verortsen henneb. Reinwald 1, 182; verorzen thür. Hertel 176, oberlaus. Anton 5, 13, niederhess. Hofmann 250, kurhess. Vilmar 426; verurasen u. a. schwäb. Fischer, veruhrassen obersächs. Albrecht 231a; veruräszen kurhess. Vilmar; verurouzen Bredetzky topogr. d. königreichs Ungarn 2, 157; veruhren osnabr. Strodtmann; veruraksen preusz. Frischbier 2, 443b. 483; verurksen oberlaus. Anton; verursen schweiz. id. 1, 470; verurschen Anton, schles. Weinhold 102b, Weber terminolog. ökon. lex. 616, posen. Bernd 339, verurzen oberlaus. Anton, niederhess. Hofmann 252, lothr. Follmann 155, westerwäld. Schmidt 313, siebenbürg. Haltrich 49, coblenz. rhein. antiquarius 3, 14, 754.
urasen, urschen, urzen usw., nicht essen wollen, meist vom vieh gesagt, v., 'durch urzen unbrauchbar machen, verderben' Hofmann, 'mit urschen verbrauchen, verschwenden' Bernd, 'aus überdrusz oder sättigung umkommen lassen' Anton, 'beim essen das beste herausnehmen, das weniger gute stehn lassen' Follmann; dasz sie (die pferde) bey gutem appetit bleiben und nichts veruhrässen Hohberg georgica curiosa 2, 157. vergeuden, unnütz verderben: geld, holz, flachs u. dgl. v. Weinhold;

[Bd. 25, Sp. 2048]


mir ist salz genug dazu (zu den kartoffeln). warum soll ich die putter so verurassen? Holtei erzähl. schr. 15, 72. verbrauchen, verzehren: da hab ich alles (den ganzen kuchen) verputzt und verurscht und is kein krümel mehr da Fontane 1, 6, 56. auch allgemeiner, verderben: du hast das ganze garn verurscht, ein loses blatt eines buchs verurschen, 'verreiszen und verloren gehen lassen' Anton; 'mit anstrengung vernichten, zerstören' Frischbier.hierher auch verunrätzung der edlen gaben gottes Grimmelshausen 1, 188 lit. v.
verurbaren, v., urbar machen, nur vereinzelt: sümpfe zu v. Hippel lebensläufe 3, 2, 150.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
verurfehden, v.; verurvêheden Lexer, Jelinek; meist verurpfehden, so noch bei Schottel haubtspr. 647. transitiv, sicher stellen, einem urfehde geloben: am sontag frue zog er (der landgraf) für den Altenberg, stürmete denselben, fieng den herrn sampt den seinen und führet sie gebunden gen R. da musten sie also vor der procession umbgehen und darnach dasselbe (das kloster R.) verurpheden und genugsam verbürgen Binhardus thür. chron. 168. reflexiv, sich zur urfehde verpflichten: die knecht musten sich schriftlich verurpheden chron. der stadt Eger 37. part. prät. verurfêcht, wer urfehde geschworen hat schweiz. id. 1, 646. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
verurkunden, v., urkundlich bezeugen: ernüwungen, die closterlüt pflegend uf dem land ze tn über ire güter, deren vil in eim vergriff under einer versiglung verurkündet werden Riederer spiegel d. waren rhetoric (1493) 145a. unterzeichnen: die vrauwe loifde dat urdel ouch und verurkunde it mit chron. d. d. städte 13, 475 (Cöln 1499).
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
verurlauben, v.
a) entlassen: den kuchinmeister von sinem ampt und von dem hof verurlouben und verschicken buch der beispiele 76 lit. v.; also hat der hertzog, nachdem er ... vor der stadt ungeferlich mit viertausenden gelegen, dasselbe volck verurlaubt chron. d. d. städte 27, 29 (Magdeburg 1550); im fall ich auch meiner bestimmten dienstzeit dieser meiner verschreibung ... nicht nachleben würde, soll mein herr ... fug und recht haben, mich ... zu verurlauben Menantes neue briefe 587. — dazu verurlaubung (amtsentsetzung als schultheisz) Kirchhof wendunmuth 1, 80 Ö.
b) beurlauben: zahl der gegenwärtigen und commandirten, krancken, verurlaubten, arrestirten und blessirten Fleming d. vollk. teutsche soldat 156.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
verursachen, v. , seit dem 16. jahrh. belegt und gebucht: Frisius 56b; 342b; Maaler 436c; Jelinek; viele belege des 16. jahrh. Pfeiffers Germania 28, 408; 29, 397; später allgemein; mundartlich nicht sehr häufig: schweiz. id. 7, 122; schwäb. veraltet Fischer 2, 1397; lux. mundart 468; lübisch Schumann 2.
1) in älterer zeit der substantivierte infinitiv wie von verschulden: (s. o. sp. 1178): wo sie auch ... ane ir verurschachen in schulden gefallen oder fallen wurden (1505) lehnsurk. u. besitzurk. Schlesiens 1, 473; daz aber der leib todlich worden, ist on verursachen gottes, der z pildnuss seiner ewigen untodlikait anfangs den menschen untodlich gemacht Berthold v. Chiemsee 213; auszer seiner fürstlichen durchl. und dero erben eigen verursachen (1611) Lori baier. bergrecht 387.
2) in neuerer zeit zuweilen das absolute participium präsentis: das verursachende bindewort Gottsched sprachkunst 443; verursachende ursünde Schleiermacher I 3, 383.
3) in älterer zeit gewöhnlich, später vereinzelt mit persönlichem accusativ, veranlassen, bewegen, vgl. Teller sprache in Luthers bibelübersetzung 1, 177; nach Adelung kanzleisprachlich. mit präpositionaler ergänzung: das sie gotte sein ehere stelen ... und yhr eygene sele ... dem teüffel zueygnen, darzu sie villeycht ein gering zeytlich dingk verursachet Luther 15, 732 W.; in mass yedes fleisch unstt ist und seinen geist z verkerung verursacht Berthold v. Chiemsee 162; damit man den marschalck z dem kampf verursacht Wickram 1, 140 B. seltener aus etwas v., hervorlocken, verursachen,

[Bd. 25, Sp. 2049]


eine stellung zu verlassen: die kay mt. hat ... vielleicht auf Monpelier ziehen sollen, ob sie di feind ausz irem forthel verursachen mocht Scheurl briefbuch 2, 165. mit infinitiv: denn so dich, der du das erkentnis hast, jemand sehe zu tische sitzen im götzenhause, wird nicht sein gewissen, die weil er schwach ist, verursachet, das götzenopfer zu essen? Luther bibel 7, 53 Bindseil; ich bit euch, ir wölt uns nit vorursachen zu uben die gewalt, die uns got geben hat 10, 3, 121 W.; damit wir die wiedersetzung des verlohrnen denen officierern, in denen quartieren derer compagnien es geschehen, aufzuerlegen nicht verursachet werden Fleming teutsche soldat 259. mit abhängigem satz:

fragten, was ihn verursacht het,
dasz er ins wasser springen thet
H. Sachs 21, 160 G.

dieses verursachte den ritter, daz er, ehe das verwundete pferd stürzte, mit einer fertigen hurtigkeit aus dem sattel sprang Lohenstein Arminius 1, 47a. neuere belege sind spärlich: und ob ich gleich soeben gesagt habe, ich könnte mich für beleidigt halten, so sage ich doch jetzt, dasz ich auf keine weise dazu verursacht bin Tieck Don Quichotte 23, 459 Meyers volksbücher; die bestreitung hat mich nicht verursacht, von meiner gehegten meinung abzuweichen Jac. Grimm kl. schr. 4, 12.
4) zuweilen auch zu etwas v., was nicht eigener entschlusz, eigene that ist, sondern mehr passives erleiden: welches ... die jüden zu grosser bekümmernis und verwunderung verursacht hat Hedio chron. germ. b 3b; dadurch viel leut zum todt verursacht werden Paracelsus opera (1616) 1, 63 Huser;

das liecht, so jedermann erquicket und erfreut,
verursacht mich zu schmertz, verursacht mich zu leydt
Opitz teutsche poemata 43 ndr.


5) im 16. und 17. jahrh. zuweilen reflexiv, entstehen, herrühren: dusse mangel und unrait verorsaketh sick daruth, dat olde unde nye testament unde der beiden schrift nicht wall underscheiden werden Rotmann restitution 22 ndr.; wer weisz, woher sich die groszen schatzungen verursachen Mathesius Sarepta (1571) 49a; daher sich oft schreckliche todtschläge verursachen Prätorius Blockesberges verrichtung 67.
6) vereinzelt ableiten, herleiten: den alten, di ihr maynung von dem ... wesen der seel ... ausz der zal ... verursacht haben Schwarzenberg d. teutsch Cicero 48a.
7) gewöhnlich ist in älterer wie neuerer zeit die verbindung mit dem objectsaccusativ: die ursache sein, dasz etwas ist, wird, geschieht. nur vereinzelt von personen:

gleich wie kein kriegsman wird geborn
sondern verursacht und erkohrn
Ringwaldt die lauter wahrheit 8.

fast ausschlieszlich von sachen. das object bezeichnet:
a) zuständliches: fürnemlich asz er gern die weinzihende fisch ... verursacht derhalben oft ein grosse theurung darein Fischart geschichtsklitt. 61 ndr.; die von dem gestrigen regen verursachte schlüpfrigkeit des bodens J. G. Forster schr. 2, 60. besonders gemütszustände: das man mit unzuchtigen geberden, ansehen, zeichen oder schriften unkeuscheyt erregt oder vorursacht hat Luther 2, 63 W.; weil sein abschied bey uns einige melancholey verursachet schausp. d. engl. comöd. 81 Creizenach; jede widrige berührung unsrer geschmacksnerven verursacht ekel Herder 3, 180 S. körperliche zustände: wegen vielen hustens und schnupfens, so mir das reisewetter verursachet J. U. v. König ged. 643; ich schrieb meine unpäszlichkeit der hitze der nacht und der dadurch verursachten schlaflosigkeit zu Pfeffel pros. vers. 5, 54. zuweilen wird das zuständliche durch ein adjectivum beim substantiv ausgedrückt: das die langen täg umb dieselben zeyt ... mächtige lange nächt verursachen bei Gengenbach 430 Gödeke; sintemal die leymechte gegene ... eine recht fruchtbare landschaft verursachen Sebiz feldbau (1579) 11; sich ins unersehliche, ins völlig unbekannte, ..., hinaufschwindeln, verräth oder verursacht ein wüstes haupt Herder 22, 259 S.

[Bd. 25, Sp. 2050]



b) handlungen, vorgänge:

weil ich die that verursacht hab,
so wil ich für in sterben gern
H. Sachs 20, 431 G.;

wer gwissen zwingt, der macht viel schmerz,
verursacht oft rebellion
Opel-Cohn dreiszigjähr. krieg 364;

unter den ersten stürmen, die sie (die xenien) verursachten Gervinus gesch. d. d. dichtung 5, 418;

die strenge wittrung, erklärte er,
mit magenleere vereinigt,
hat beider ableben verursacht, sie hat
zum mindesten solches beschleunigt
Heine 2, 124 E.

besonders äuszerungen von gemütszuständen: welches abermal eine neue klag unter weib und kindern verursachte Grimmelshausen 3, 410 lit. v.; ein zufall, der ... ein groszes gelächter verursachte Göthe 21, 26 W.
c) concrete gegenstände, die ergebnis einer handlung sind: das werk verursachte eine reihe von gegenschriften jahrb. d. Grillparzergesellschaft 2, 284.
d) störung, unbequemlichkeit, kosten, schaden: nachdemmahl nun dieses durch rheingraf O. formirte lager ... denen in der stadt grosze ungelegenheit verursachet Chemnitz schwed. krieg 2, 161; dasz die schöne Helena auch viel unheil verursachet hat Hippel über die ehe 159; das hin- und wiedersenden der correspondenz hätte dir keine kosten v. sollen Göthe IV 40, 115 W.; solche bemühung verursacht zu haben IV 42, 52; die hindernisse, die mir dadurch verursacht worden IV 23, 41; der christenheit verluste verursacht zu haben Ranke s. w. 4, 85.
e) andere verbindungen sind heute kaum mehr üblich: die siben (sacramente) ... auch selbs geben die gnade; die andern aber ausz ihnen selber kein gnade können geben noch verursachen Fischart binenkorb 182a; dapferkeit und heroische thaten verursachen und bringen ein ansehen, grossen ruhm, ehr und immerwehrendes lob Lehmann florileg. polit. (1662) 3, 34; dasz gleichwol dieses gebäu (ein stattlicher palast) ... dem inhaber so viel neid und nachred verursachen werde Zinkgref apophthegmata 67; wir berühren auch die übeln nachreden nicht, die uns einige ... verursachen die vernünftigen tadlerinnen 1, 234.
f) das object wird durch einen abhängigen satz ausgedrückt: das aber biszher vil artickel des glaubs sein gemacht, verursachen die ketzer Berthold v. Chiemsee 49; er verursachte auch dardurch, dasz ihm ein groszer theil der engeln beyfiel Albertinus Lucifers königreich 7 d. n.-lit.; was beim verkauf des werkes verursachte, dasz es schneller und in gröszerer quantität abging Hauff 2, 139. ungewöhnlich ist dabei der persönliche dativ: dargegen sollen ihm die richter und der schultheiss nit verursachen, dasz er erschrecke Reutter von Speir kriegsordnung 45.
8) frühnhd. bezeichnet das attributiv gebrauchte part. prät. verursacht, dasz eine masznahme durch die handlung eines andern mit nothwendigkeit als gegenaction hervorgerufen ist: hoch verursachte schutzrede und antwort wider das gaistlosze, sanft lebende fleysch zu Wittenberg kampf der schwärmer gegen Luther 17 ndr.; defension, verursachte gegenwehr, hochgetrangte defension Schwartzenbach (1564) 75a; deszhalben musten sie zu einer verursachten notwehr greifen Jean de Serres frantz. hist. 15a. — verursacher, m. , seit ende des 16. jahrh. belegt, im 17. gebucht: Hulsius-Ravellus 359b; Stieler 1657; Kramer 2, 1221b; Dentzler; Campe. in neuerer zeit wenig in gebrauch. vereinzelt verursächer.
a) zu verursachen 3, einer, der einen andern zu etwas veranlaszt: die fürnehmsten verursächer und aufwiegler der gemein acta publ. 4, 182 Palm; ein verursacher zur weiberlieb Ayrer histor. processus juris 740.
b) zu verursachen 7, person oder sache, die etwas verursacht: gott den herrn zu eim anfänger und verursacher der sünden zu machen Heilbrunner von der augspurg. confession widerwertiger censur 85; er hatte

[Bd. 25, Sp. 2051]


sich ... für verursacher dieses zugestoszenen unglücks gehalten A. U. v. Braunschweig Octavia 2, 916; irgend einen unerwarteten gegenstand ..., den er (der schamane) als den ertappten und besiegten verursacher des übels der ängstlich harrenden menge zeigt Peschel völkerkunde 274. — verursacherin f. Hulsius-Ravellus 359a; die keiserin Judith, ein verursacherin vieles unglücks und blutvergiessens Spangenberg mansfeld. chron. 1, 93b. — verursachlich, adj. , verursächlich Stieler 1657, in neuerer zeit nicht mehr üblich. als grammatischer terminus: das fölgerige fügwort ist entweder verursachlich, als: den, aldieweil, sintemal ... oder schlieslich, als: dero wegen, nach dem ... Gueintz deutscher sprachlehre entwurf 94. verursacht: (der reichtum) fleugt davon wie ein adler, sagt Salomon, wie denn auch solchen, durch so viel tausend unversehene zufälle verursachlichen flug keine klugkeit verhindern kan Ryssel seelenfrieden 143.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: