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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
verunterpfändung bis verurlauben (Bd. 25, Sp. 2043 bis 2048)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) verunterpfändung: oppignoratio Haym jur. lex. 1260; darnach hat Heinrich 7., ...., Wesel und Boppart seinem bruder Balduino ertzbischoffen zu Trier fur eine gewisse summa gelts verunderpfendt .... von welcher verunderpfendung hernach weiter geredt sol werden Quad teutscher nation heiligkeit 213.
verunterstellen, v., vereinzelt wie unterstellen gebraucht: zum andern verunterstellt der glaube ein kindlich zärtlich zutrauen Zinzendorf hauptideen 154; dazu verunterstellung: der menschliche glaube, heiszt es, ist eine gewisse zuversicht, eine verunterstellung, etwas systematisches, etwas hypostatisches, das auf einem piedestal, auf seinem gewissen fundament ruhet 153.
veruntiefen, v., untief machen: die östlichen winde veruntiefen den hafen Krünitz 218, 476; dazu veruntiefung Adelung, Krünitz, Voigtel, Campe.
 
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veruntreuen, v. , mhd. wb. 3, 109, Lexer 3, 281, häufig in den frühnhd. wb. (s. u. 2), Steinbach, Adelung, Campe; schwäb. Fischer 2, 1397, saml. E. L. Fischer 158. mhd. veruntrûwen neben veruntriuwen setzt sich fort in veruntrawen gemma gemmarum C 1b; veruntrawet zimmersche chron. 4, 118 lit. v.; veruntrauete Prätorius d. abentheuerl. glückstopf 302; veruntrauen Fleming d. vollk. teutsche sold. 266; waldeckisch (18. jahrh.) Bauer-

[Bd. 25, Sp. 2044]


Collitz 139; veruntrouen brem.-nieders. wb. 5, 116 (vgl. veruntrauung im 18. jahrh., s. u.).
1) ungewöhnliche gebrauchsarten sind:
a) absolut, treulos handeln: veruntreuende mörder der menschengeschichte Herder 30, 243 S.
b) treulos machen; mhd. reflexiv, sich untreu erweisen:

ob du ein so armer knecht
gein dinen kuninc, gen dinen got
veruntruetes dich durch spot
unde durch die valschen irricheit,
die din crankes herze treit passional 300, 46 Hahn.

nhd. zur untreue verleiten:

er hat auf einen augenblick
mein herz veruntreut, zum verräter
an Deutschlands groszer sache mich gemacht
H. v. Kleist 2, 406 E. Schm.


c) etwas an einen v., treulos preisgeben: er veruntreute, weh mir, — mein anvertrautes geheimnisz an den emir Rückert 11, 338.
2) bis ins 17. jahrh. hält sich die verbindung mit dem persönlichen accusativ, treulos, heimtückisch, betrügerisch an jemandem handeln, einen durch treuloses handeln schädigen, preisgeben, verrathen; perfidare Diefenbach, v. oder betriegen, defraudare voc. 1482 k k 3a; fraudare, decipere, betriegen gemma gemmarum; prodere, verraten, v. Schöpper. mhd.: dû wilt einen niht ermorden noch erslahen noch wunden noch berouben noch verbrennen noch veruntriuwen Berthold v. Regensburg 1, 213 Pf.; hân ich iemen feruntriuet ..., dem wil ich fierfaltic gelten predigten 1, 88 Grieshaber; es ward Adolphus veruntrewet von den seinen und an dem Rein erschlagen chron. d. d. städte 3, 115 (Nürnberg 1488); freier:

wan in vil sêre riuwet,
daz in veruntriuwet
sô hât der vorder val
und verswîget sînen grôzen schal
Heinrich v. d. Türlin krone 25216.

nhd.:

weil ich die jung köngin unschuldig
gar felschlich veruntreuet han
H. Sachs 20, 95 G.;

begerten auch ihr herrschaft keineswegs zu veruntreuwen Wickram 2, 273 B.
3) lebendig erhalten hat sich die verbindung mit sächlichem object.
a) am gebräuchlichsten: mit einer sache, die einem anvertraut ist, treulos verfahren; 'untreu verwalten' Voigt hwb. f. d. geschäftsführung 2, 135; de pseudoservo, qui domino suo semper sein guter veruntreuet Luther 34, 1, 196 W.; ein zurückgebliebenes, unordentliches und veruntreutes hauswesen Varnhagen v. Ense tagebücher 4, 9. freier: dieser mittelmäszige poet, ..., hat es gewagt, den auftrag jenes sterbenden zu v., er hat die memoiren verfälscht herausgegeben Laube 8, 366. besonders anvertrautes für sich behalten oder verwenden: er hette die kese herausz gethan, wie er sie empfangen hette, und keynen veruntreuet Agricola 750 teutsche sprichw. (1534) y 7a; er hat ain grose parschaft verlassen, ist aber hernach seinen sönnen ... nit worden. nit waist man, ob das veruntrawet oder wohin es kommen zimmersche chron. 4, 118 lit. v.; es ist frech, eine million zu veruntreuen Schiller 3, 84 G.; er hätte verschiedenes von den gütern seines mündels ... veruntreut Lenz 3, 139 Tieck.
dazu veruntreuer: der beicht veruntreuer Münzer bepstl. gesch. 462; die veruntreuer meines erbtheils Zschokke sämtl. ausgew. schr. 27, 368.
b) in älterer zeit auch allgemeiner: etwas unrechtmäsziger weise sich aneignen, einem andern entwenden: wölcher ... der kirchen ir gelt hynnimpt, raubt, veruntreüt, der ist ain todschläger A. v. Eyb spiegel d. sitten 79a; ob im (dem landesherren) aber den sommer etlich stett und burgstell mit grosser macht seines feinds, hinlessigkeit oder wenigkeit seines zusatzes, oder ausz verrähterey der häuptleut oder bürgerlicher undersessen veruntreuwet

[Bd. 25, Sp. 2045]


oder entwendt würden Fronsperger kriegsbuch 1, 222b; so müssen sie (soldaten in feindesland) auch der klöster, kirchen, hospitäler und schulen verschonen, dieselbigen nicht beschädigen noch beleidigen, viel weniger die darinnen geflüchtete sachen und persohnen angreifen und veruntrauen Fleming teutsche soldat 266.
 
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veruntreuung, f., seit dem 16. jahrh. belegt, vereinzelt veruntrauung allg. deutsche bibl. 81, 342. treulose handlungsweise in verschiedenen beziehungen: wa er (Heinrich V.) dem vatter durch veruntrüwung in sin gwalt sölt kommen Tschudi chron. helv. 1, 46; sein v. und eydbrechung an den Messeniren begangen Xylander Polybius 392; veruntreuungen (in der ehe) Ritter erdkunde 5, 282. verfälschung, entstellung: v. der wahrheit Voss antisymbolik 2, 356; ungewöhnlich: Maxens v. des besten regiments des kaisers O. Ludwig 5, 313; die veruntreuung (unrechtmäszige abschrift) von Wallensteins lager Göthe IV 14, 32 W. meist handlungen, die auf unrechtmäszige bereicherung hinzielen: die v. kommt mit der unterschlagung überein Krünitz öcon. encycl. 218, 476; kleine veruntreuungen in eszwaaren Knigge umgang mit menschen 2, 177; v. staatlicher gelder Ranke s. w. 42, 44; untreue verwaltung Voigt hwb. f. d. geschäftsführung 2, 135; verwaltung oder v. der wissenschaften und geschäfte Herder 16, 595 S.
verunvollständigen, v., vereinzelt: dasz ... die unvollständigkeit verunvollständigt worden sey Hegel 1, 17.
 
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verunwerthen, v. , der neueren schriftsprache fremd; mhd. wb. 3, 605, mnd. Schiller-Lübben 5, 481, frühnhd. spärlich belegt, auch mundartlich selten: Stalder schweiz. id. 2, 446.
a) einen (oder einem, falls den hier fehlerhaft für dem) v., einem miszfallen, geringwerthig vorkommen: der disen adel dises geistes irkennet, den vorunwerden alle sunde, und alle kreatûren di dâ lîplich sint, die sint ime alse ein vûl holzaphel Herm. v. Fritzlar in deutsche mystiker 1, 171 Pfeiffer.
b) gering schätzen, geringschätzig behandeln: nullo in pretio, nullo loco habere Aler 2, 2030b, Dentzler; mhd.:

und legistu (die krone) uf der erdin,
man solde dich virunwerdin,
noch von der erdin hebin uf,
sunder tretin dar uf Haupts zeitschr. 17, 256 (pfarrer z. d. hechte).

auch mit dem genitiv:

dy der zyt junger syn,
von alderswegen verspotten myn,
der vater ich verunwerte (halte ich für unwürdig der väter) buch Hiob 11281;

nhd.: und auch so sie seyn werden ym lande yhrer feynde, wil ich sie nicht verschmechen und noch verunwerden Margaritha d. gantz jüdisch glaub D d 3b.
c) reflexiv 'sich unbeliebt, gehässig machen' Stalder; sich entzweien: haben die Warmegie sich mit den Szekeln verunwerdet (1613) quellen z. gesch. d. stadt Kronstadt 5, 468.
verunwillen, v., nur in älterer zeit. intransitiv, erbrechen: nachdem man gift genomen hat, muss man sich zum erbrächen oder verunwillen reitzen Gesner thierbuch 2, 61a Herold u. Forer. transitiv, unwillig machen, verdrieszen, mnd. Schiller-Lübben 5, 481; nhd.: es verunwillet ine (prinz Condé) die gefängnus Fischart offenlichs und in warhait wolgegrünts ausschreiben C 6b. aspernari, verachten, verschupffen, vernichten, verunwillen Schöpper e 3a.
 
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verunwilligen, v. , Adelung, Campe.
1) ausnahmsweise 'unwillig werden' Schwan nouv. dict. 2, 939b.
2) wie verunwillen (s. o. Schöpper) geringschätzig behandeln, geringschätzen: beschäme niemanden, und verunwillige oder verschmähe niemanden weder mit worten noch mit werken Ruysbroeck von den sieben ruffen der liebe 153.

[Bd. 25, Sp. 2046]



3) unwillig machen, transitiv: es (ein gutes pferd) soll ... durch die sporen sich nicht erzörnen noch verunwilligen lassen Hohberg georgica cur. 2, 132. häufiger reflexiv: in unfrieden, zank und streit geraten Frischbier 2, 443b; Krünitz 218, 481; mnd. Schiller-Lübben; dath ein meister unszes amptes sick mith szinem knechte vorunwillighede hamburg. zunftrollen 15 (1541) Rüdiger; ähnlich 18 (1577); als er mit G. ... sich erzörnet oder verunwilligt hatte Schütz hist. rer. prussic. 1, h 3b; mit Ämilen hab ich mich sehr verunwilliget briefe von und an Bürger 3, 282 Strodtmann; diese beiden bauern, die sonst gute alte freunde gewesen, verunwilligten sich br. Grimm deutsche sagen 1, 189. — dazu verunwilligung, f., Krünitz; nicht ohne beider v. Heilmann gesch. d. pelopon. krieges 564.
verunwirschen, v., Scherz-Oberlin, Campe. nur in älterer zeit belegt, gewaltsam mit etwas umgehn, hart mitnehmen: so einer hart gefallen odder sich dermassen verunwirset hett, dass er besorget, im sei etwas im leib entzwey Ryff confectbuch 280a; die schenckel würden auch zu seer darvon (vom tragen schwerer lasten) verunwürset spiegel u. regiment der gesundheit 19a. — dazu verunwürsung 89a.
verunwürdigen, v., verunwirdigen Scherz-Oberlin; 'unwürdig machen, unwürdig behandeln' Campe. mehrfach in der ersten deutschen bibel: ablehnen, verschmähen: sy verunwirdigts und verschmechts ze komen z dem gebote des kúniges 1, 12; er verunwirdigtz und sprach (qui renuens ait) 3, 213. übel aufnehmen: sy verunwirdigtens sagend: worumb ist gemacht dirr verlust? 1, 101. mnd. verunwerdigen, gering schätzen: dat he nijn dynck schuwen noch verunwerdighen ensolde, dan dat em eyn hinder wer an gode to komene Veghe 143.
 
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verunzieren, v. , seit dem 17. jahrh. gebucht und belegt: Schottel 647a, Stieler 2647, Kramer 2, 1464c, Adelung, Campe; den mundarten fremd.
1) unschön machen:
a) zuweilen geradezu beschmutzen, verunreinigen: die spinnen, welche als ein ungezieffer die logiamenter mit ihren geweben verunzieren J. G. Schmidt rockenphilosophia 1, 119; hier nimm das tintenfasz und die grosze feder und beschmiere damit dem ersten, der mit buntem gefieder herankommt, die flügel! denn wer die gefahr nicht scheut, fürchtet doch verunziert zu werden Göthe 17, 96 W.; dieses gedicht stand lange zeit unter so vielen andern, welche die wände jener zimmer verunzierten 27, 141 W.; M. zog sein karriertes taschentuch ... und breitete es auf das gelbseidene polster, das er sich mühe gab ja nicht verunzieren zu wollen Gutzkow ritter vom geiste 6, 67. übertragen: damit also dieser tugend glantz nicht ihre unhöfligkeit verunzire Reinicke fuchs (1650) 27;

doch meine liebe gleicht dem bleichen mond
und ist verunziert mit der selbstsucht flecken
Bauernfeld ges. schr. 4, 238.


b) häufiger etwas in seinem aussehen, in seiner ästhetischen wirkung beeinträchtigen: vom menschlichen äuszern: ein schlechter anzug verunziert den körper Krünitz 218, 481; dein lächeln verunziert diese starke, kühne stirne Klinger neues theater 1, 272; dem eckigen, mit narben und andern malen verunzierten gesichte Alexis Roland v. Berlin 1, 12. von der landschaft: an den kahlen, durch die rebenstöcke verunzierten felswänden J. G. Forster schr. 3, 4; statt der schmutzigen herbergen, die es (das Engadin) früher verunzierten Steub drei sommer in Tirol 2, 407. von gebäuden, kunstwerken, gerät u. dgl.: leuten ..., welche ihre häuser, zimmer, kutschen, silbergeschirre, usw. verunzieren, indem sie sie verzieren wollen briefe die neueste literatur betreffend 3, 36; die schlanken pfeiler sind durch ... weitläuftige denkmähler neuerer zeit verunziert deutsches museum 4, 497. von literaturwerken: es müssen aber die glieder oder reimglieder fein wolständlich aneinander hengen und den leib des reimes naturmessig und kunstfest zusammenfügen, damit kein miszglied daran etwas verunziere und tadelhaft machen möge Schottel haubtsprache 845; seine ausgabe der werke Friedrichs durch

[Bd. 25, Sp. 2047]


eine ungehörige vorrede verunziert zu sehen Varnhagen von Ense tagebücher 3, 75. von der sprache: die harten dialecte können dieselbe an sich nicht verunzieren Morhof unterricht 1, 447; eine durch fremde worte, wortbildungen und wendungen verunzierte sprache Göthe 27, 73 W.
2) übertragen, zur unzierde gereichen: ich werde gewisz ihre gesellschaft nicht verunzieren Liscow satir. u. ernsth. schriften 86; und so ist auch die edle thräne um das vaterland versiegt, die dort den helden und den weisen nicht verunzierte, sondern ehrte Herder 3, 31 S.; alle, auch geringe, vorarbeiten dazu im wahren geschmack der treue, verunzieren die einen theologen? 7, 300 S.
3) schlecht machen: keine edle seele verunziert andre, damit sie allein prunke Herder 20, 249 S. im bilde häszlich darstellen: deinm reden nach müszt mer wohln teufel schön machen und d'heiligen verunziern Anzengruber 1, 128.
4) verfälschen, entstellen: dadurch er die lehre gottes und seines heilandes verstellet und verunzieret hat Zinzendorf Jeremias 35; eine jahrtausende her verdunkelte und verunzierte offenbarung Herder 6, 258 S.dazu verunzierer: ihr bibliotheken spötter und retter! erklärer und v.! vertheidiger und neuverderber! 6, 199 S.
 
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verunzierung, f., das was verunziert: mit welchem behagen er seinen hals von der verunzierung befreit sah Wilhelmine v. Chezy erinnerungen 1, 311; übertragen: das laster, die verunzierung unserer menschheit Herder 31, 84 S. der zustand dessen, der verunziert ist: so lange sich mein mädgen nicht über die verunzierung dieses gesichts beschweert Göthe IV 1, 126 W. die handlung des verunzierens: dessen (Michaelis) verunzierung der poetischen überlieferung mit trockenen, rationalen kommentaren Gervinus gesch. d. deutsch. dicht. 4, 449.
verüppigen, v., ein lieblingswort der ersten deutschen bibel (vgl. Fischer schwäb. wb. 2, 1397): intransitiv: wann sy verúppigten (evanuerunt) in iren gedancken, und ir unweises hertze ist erdunckelte 2, 13. meist transitiv, zerstören, zunichte machen: ir seit ein saltz der erden, und ob daz saltz wird verúppigt, in dem es wirt gesaltzen? 1, 17; denn ir ungelaub verúppigt den gelauben gotz 2, 18; so er verúppigt allen fúrstenthm und gewalt und kraft und herschaft 2, 103, ferner 2, 62; 83; 95; 96; 152; 177; 7, 233.
sonst nur vereinzelt, üppig machen: überdies waren die formen des körpers etwas über das üppige heraus verüppigt E. Th. A. Hoffmann 1, 102 Grisebach.
 
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verurasen, v., zu urasen, ursen, urzen, urschen, orschen u. ä., vgl. Weinhold dialektforschung 117. mundartlich sehr verbreitet, in der literatur nicht häufig.
die formen sind sehr mannigfaltig: verorten osnabr. Strodtmann 260; verortsen henneb. Reinwald 1, 182; verorzen thür. Hertel 176, oberlaus. Anton 5, 13, niederhess. Hofmann 250, kurhess. Vilmar 426; verurasen u. a. schwäb. Fischer, veruhrassen obersächs. Albrecht 231a; veruräszen kurhess. Vilmar; verurouzen Bredetzky topogr. d. königreichs Ungarn 2, 157; veruhren osnabr. Strodtmann; veruraksen preusz. Frischbier 2, 443b. 483; verurksen oberlaus. Anton; verursen schweiz. id. 1, 470; verurschen Anton, schles. Weinhold 102b, Weber terminolog. ökon. lex. 616, posen. Bernd 339, verurzen oberlaus. Anton, niederhess. Hofmann 252, lothr. Follmann 155, westerwäld. Schmidt 313, siebenbürg. Haltrich 49, coblenz. rhein. antiquarius 3, 14, 754.
urasen, urschen, urzen usw., nicht essen wollen, meist vom vieh gesagt, v., 'durch urzen unbrauchbar machen, verderben' Hofmann, 'mit urschen verbrauchen, verschwenden' Bernd, 'aus überdrusz oder sättigung umkommen lassen' Anton, 'beim essen das beste herausnehmen, das weniger gute stehn lassen' Follmann; dasz sie (die pferde) bey gutem appetit bleiben und nichts veruhrässen Hohberg georgica curiosa 2, 157. vergeuden, unnütz verderben: geld, holz, flachs u. dgl. v. Weinhold;

[Bd. 25, Sp. 2048]


mir ist salz genug dazu (zu den kartoffeln). warum soll ich die putter so verurassen? Holtei erzähl. schr. 15, 72. verbrauchen, verzehren: da hab ich alles (den ganzen kuchen) verputzt und verurscht und is kein krümel mehr da Fontane 1, 6, 56. auch allgemeiner, verderben: du hast das ganze garn verurscht, ein loses blatt eines buchs verurschen, 'verreiszen und verloren gehen lassen' Anton; 'mit anstrengung vernichten, zerstören' Frischbier.hierher auch verunrätzung der edlen gaben gottes Grimmelshausen 1, 188 lit. v.
verurbaren, v., urbar machen, nur vereinzelt: sümpfe zu v. Hippel lebensläufe 3, 2, 150.
 
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verurfehden, v.; verurvêheden Lexer, Jelinek; meist verurpfehden, so noch bei Schottel haubtspr. 647. transitiv, sicher stellen, einem urfehde geloben: am sontag frue zog er (der landgraf) für den Altenberg, stürmete denselben, fieng den herrn sampt den seinen und führet sie gebunden gen R. da musten sie also vor der procession umbgehen und darnach dasselbe (das kloster R.) verurpheden und genugsam verbürgen Binhardus thür. chron. 168. reflexiv, sich zur urfehde verpflichten: die knecht musten sich schriftlich verurpheden chron. der stadt Eger 37. part. prät. verurfêcht, wer urfehde geschworen hat schweiz. id. 1, 646. —
 
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verurkunden, v., urkundlich bezeugen: ernüwungen, die closterlüt pflegend uf dem land ze tn über ire güter, deren vil in eim vergriff under einer versiglung verurkündet werden Riederer spiegel d. waren rhetoric (1493) 145a. unterzeichnen: die vrauwe loifde dat urdel ouch und verurkunde it mit chron. d. d. städte 13, 475 (Cöln 1499).
 
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verurlauben, v.
a) entlassen: den kuchinmeister von sinem ampt und von dem hof verurlouben und verschicken buch der beispiele 76 lit. v.; also hat der hertzog, nachdem er ... vor der stadt ungeferlich mit viertausenden gelegen, dasselbe volck verurlaubt chron. d. d. städte 27, 29 (Magdeburg 1550); im fall ich auch meiner bestimmten dienstzeit dieser meiner verschreibung ... nicht nachleben würde, soll mein herr ... fug und recht haben, mich ... zu verurlauben Menantes neue briefe 587. — dazu verurlaubung (amtsentsetzung als schultheisz) Kirchhof wendunmuth 1, 80 Ö.
b) beurlauben: zahl der gegenwärtigen und commandirten, krancken, verurlaubten, arrestirten und blessirten Fleming d. vollk. teutsche soldat 156.

 

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