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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
verunruhen bis veruntreuung (Bd. 25, Sp. 2039 bis 2045)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) verunruhen, v. , im älteren nhd. neben verunruhigen im gebrauch, aber bald durch dieses verdrängt. daneben verunrugen Luther 50, 422 W., verunrügen 15, 725 W., verunrüwen variante (s. u. 5). — verunruhigen, v. , seit dem 16. jahrh. in gebrauch, im 17. und zu anfang des 18. häufig, später selten, gebucht bei Schöpper g 6a, Orsäus 116, Corvinus 27, 690, Duez le vrai guidon 77, Reyher, Ludwig, Rädlein, Spanutius 134; 338; 349, Aler, Frisch, Krünitz, Adelung; veraltet Campe. mundartlich schweiz. id. 6, 1910; schwäb. Fischer 2, 1396 (veraltet). nebenformen verunrwigen Schöpper, Fischart (s. u.), verunrugigt Schütz hist. rer. pruss. 1, g 4c.
der gebrauch, mit verunruhen völlig identisch, entspricht beunruhigen, in unruhe versetzen:
1) durch angriff, feindseligkeit: verunrhwiget und angegriffen Fischart geschichtsklitt. 332 ndr.; die seeräuber verunruhigen unsere küste Ludwig teutsch-engl. lex. 2148.

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2) durch stiften von unfrieden, zwietracht:

dann welches schreit ausz seinem stand,
dasselb zerreist das menschlich band,
schafft unwill und grosz miszverstand
und verunrühigt statt und land
Fischart 1, 400 H.;

mancherley ubersatz und widersprechens, dardurch oft gantze nachbarschaften verunruhiget ... werden Hohberg georg. cur. 1, 37.
3) durch belästigung, ruhestörung: bitte also mich mit dergleichen ferners nicht zu verunruhen Harsdörfer d. teutsche secretarius 1, 377; indem e. excell. mit gegenwärtiger aufwartung bey später abendzeit verunruhiget wird Chr. Weise polit. redner (1677) 57; gib achtung, ..., dasz mich keine fliege verunruhige d. grünend. jugend überflüssige gedanken 203 ndr.; sie ... schlugen thüren auf und thüren zu, wodurch der eigenthümer in seinen vier pfählen verunruhigt und aus dem schlafe gestört wurde Musäus volksmärchen 4, 113 H.
4) durch körperliche beschwerden: durch gewisse schmertzen stillende arztneyen die galle zu corrigieren, welche sie in den mesenterio concentriret hat und das miltz unaufhörlich verunruhiget ollapatrida 265 Wiener ndr.; damit der leib von denenselben (den winden) nicht also verunruhiget werde mediz. maulaffe 304.
5) am häufigsten geistig und seelisch in unruhe versetzen: damit seines herzen freude und crocodilissche rachgir nicht bemühet und verunruget würde Luther 50, 422 W.; durch welliche (sünden) die gewissen beflegket, betrübet und verunrüget wirt 15, 725 W.;

noch creatur noch gott kan dich in unruh bringen,
du selbst verunruhst dich (o thorheit!) mit den dingen
Angelus Silesius cherub. wandersmann 43 ndr.;

selsame gelüst, wollüst, einbildungen, won, forcht, verwirrung, begirden, lib, hasz, neid, miszgonst, angst und andere dergleichen anfechtungen und laster, die selten oder gar nimmer das gemüt in rechter rhue lasen, sonder on aufhör umbtreiben, verwickeln und verunruigen Fischart 3, 96 H.; frey von reue und scham, zwey sehr wiedrigen affecten, die den menschen nicht wenig verunruhigen Chr. Wolff gedancken v. d. menschen thun u. lassen 158. specieller, in sorge versetzen: wi sehr mich dises schreiben verunruhiget Zesen Rosemund 37 ndr.; ängstige dich nicht, dasz ich böse bin, mein liebling, über das ausbleiben von briefen; ich bin nur verunruhigt Bismarck briefe an braut und gattin 202.
verunruhigung, f., selten gebraucht: anfechtung, bekömmernus und verunrhuigung des gemüts Fischart 3, 295 H.; an verunruhigung der religionsverwandten ein herczliches gefallen tragen acta publica 1, 245 Palm.
verunsaubern, verunsäubern, v.; die unumgelautete form von frühnhd. zeit (Schöpper synonyma e 1a; Calepinus XI ling. 264a; 734a) bis ins 19. jahrh. (Tieck) in concurrenz mit der umgelauteten: voc. 1482 kk 1b; Pinicianus q 6d; Frisius 318b; 1052a; 1227a; Maaler 436c; Apherdianus 191; Campe. veraltet Fischer schwäb. wb. 2, 1396. gleichbedeutend mit verunreinigen: wann du ein klar und hell wasser verunsauberst Lonicerus berichtbüchlin i 1a; soll mein haus oder meine wohnung mit dem geruche von bären oder stieren verunsaubert werden...! Tieck 12, 219. übertragen: an dir verunreinige ich mein schwert nicht, sagte Hutten zu dem berüchtigten Hoogstraten. ... ebenso sollte Semler in ansehung Piderits denken: an dir verunsaubere ich meine feder nicht allg. deutsche bibliothek 30, 306. entstellen: auf das du nit deine klare augen und das zarte angesicht mit wainen verunsauberst Scheidenraisser Odyssea 18b. übertragen: reiner und verunsäuberter glaube Bierbaum prinz Kuckuck 3, 494. — dazu verunsauberung: ein helles spiegelglasz ohne v. Treuer Dädalus 1, 324.
verunschicken, v., 'durch ungeschicklichkeit, auch fahrlässigkeit verderben, zu schanden werden lassen, durch zufall verlieren, aus den händen kommen lassen' schweiz.

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id. 8, 500; schwäb. Fischer 2, 1396 (veraltet): verzeih mir, ... wenn ich was verunschicke Auerbach 1, 96; einen deutschen edelmann, ..., welcher bis gegen sein fünfzigstes jahr hin sein leben so weit verunschickt hatte, dasz er den boden unter den füszen verlor Keller nachgel. schr. 181. — verunschönen, v. , vereinzelt: die prinzessin liesse ..., damit es (das säulenwerk) nicht von den vorbeigehenden verunschönet würde, ein eisern verguldtes gitter herumführen Birken Teutonia 26. — verunseligen, v. , vereinzelt: die menschen schwächend oder verunseligend durch die beängstigenden gewissenszweifel Meyern hinterl. kl. schr. 3, 256. — verunsichern, v.
a) unsicher machen schweiz. id. 7, 179; die streifende rotten haben das gantze land verunsichert Schottel haubtspr. 648; weil er die gantze see ... mit seiner flotte ... verunsicherte Happel akad. roman 404.
dazu verunsicherung: verunsicherungen der straszen acta publ. 6, 195 Palm.
b) als unsicher hinstellen: Procacci giebt dies märchen selbst nicht für wahrheit aus und verunsichert es mit einem: man sagt Wieland bei Campe.
verunsichtbaren, v.: wenn der graf nicht das geheimnisz besasz, sich selbst nebst seiner reisegesellschaft zu verunsichtbaren. ... er verunsichtbarte die flüchtige karawane durch die finsternisz eines dunkeln kellers Musäus volksmärchen 1, 119 H.; gott war von ewigher dies centrum und hat ... könige zu stellvertretern des verunsichtbarten centrums gemacht v. Löben lotosblätter 1, 249. — verunsittlichen, v. : rechtliche oder unrechtliche, sittliche oder verunsittlichende qualificationen Meyern hinterl. kl. schr. 1, 101.
 
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verunstalten, v. , entstellen, in älterer zeit selten (Murner, s. u. 1, Neumark, s. u. 5), gewöhnlich erst seit dem 18. jahrh., auch in den wörterbüchern erst später gebucht (Krünitz 218, 475; Stosch 3, 174, Adelung, Campe). daneben in älterer zeit verungestalten (Fischart, Abraham a s. Clara, s. u. 1 a, 2) und das part. prät. verungestaltet (Sebiz, s. u. 4 b, Lohenstein, s. u. 1 a, Diederich v. Stade, s. u. 5), später verunstaltet.
1) menschen, auch thiere verunstalten
a) körperliche schäden, krankheit, wunden, leiden, alter: böse rüde, blatern und andere, die ein leib verunstalten Murner bei Hutten 5, 404 Böcking; sintemal ich (das podagra) die gestalt des menschlichen leibs verungestalte Fischart 3, 95 H.; eine durch zeit und kummer verungestaltete gefangene Lohenstein Arminius 1, 240a; die leiche ... ist viel zu zerfetzt und verunstaltet gewesen, als dasz sie hätte kenntbar seyn können Lessing 8, 151 M.; dasz eine tiefe narbe sein jugendliches angesicht verunstalte Holtei erz. schr. 16, 223; ein ... verunstaltetes thier Roszmäszler der wald 27.
b) kleidung: was sie vollends verunstaltete, war ihre tracht, die nicht häszlicher sein konnte J. G. Forster sämtl. schr. 2, 298.
c) miene, gesichtsausdruck: mit einer verdrieszlichkeit ..., die ihr sonst schönes gesicht so verunstaltet Hermes Sophiens reise 1, 221.
2) selten ist die bedeutung umgestalten, in eine andere, häszlichere gestalt verwandeln: o Wien! du bist kurz vorhero eine schöne Rahel gewest, siehe, wie dich gott kan so geschwind in eine schändliche Lia verungestalten Abraham a s. Clara merks Wien 116.
3) beschmutzen, beschädigen, unbrauchbar machen: sie verunstaltete das papier zuletzt mit einem dintenfleck Göthe 20, 26 W.; sie (die Magindianer) verunstalten die schönen musselinentücher von Pulikat mit häszlichen kleksen J. G. Forster sämtl. schr. 4, 255; erteilung einer neuen urkunde gegen aushändigung der beschädigten oder verunstalteten handelsgesetzbuch § 229.
4) die natur, landschaft, anlagen v.
a) natürliche einwirkungen: flecken verunstalteten den reinen blauen himmel Jacobi 6, 508; bey den schlechten wegen und

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der, durch schnee und wasser, verunstalteten gegend Göthe IV 16, 40 W.
b) gewöhnlicher menschliche werke: so statt und land mit ungeschickten gebäuen ... verungestaltet wird Sebiz feldbau 34; deine hütte ... verunstaltet den schloszpark Kotzebue dram. w. 11, 202; bauwerke, angeblich festungen ..., welche vorläufig die landschaft verunstalten Steub drei sommer in Tirol 1, 22.
5) nach geistigem, sittlichem, ästhetischem werth beeinträchtigen, geringwerthiger machen: weil ich ... mir den namen Lessings nicht gern durch einen flecken v. wollte Herder 16, 494 S.; beide orden lehrten die unsterblichkeit der seele, verunstalteten aber diese schöne lehre durch träume der seelenwanderung Stolberg ges. w. 10, 11. besonders von der sprache: warum denn soll unsere ... muttersprache ... von den neuerlichen sprachverderbern mit so ungeräumten lehrsätzen und wunderpossirlicher orthographisterey verwirret und verunstaltet werden? Neumark neuspross. teutsch. palmbaum 99; wer sind die, die noch heutzutage unsere sprache verunstalten, die sie verderben? Fr. L. Jahn 2, 1039 E. von sprache im sinne von stil: nur dasz sie (die sprache der heil. schrift) ... Wieland ... durch affectirte tiefsinnigkeiten, durch profane allusionen, verunstaltet hat Lessing 8, 18 M. von schrift und orthographie: die orthographie gewaltig verunstalten d. neueste a. d. anmuth. gelehrs. 1, 184; die römische schrift mit neuen barbarischen zügen zu verunstalten Adelung umständl. lehrgebäude 2, 633. von literarischen erzeugnissen: unterdesz haben ... einige trefliche leute ihre sonst gelahrte schriften damit (mit ableitung deutscher wörter aus dem griechischen) verderbet oder verungestaltet Diederich v. Stade erläuter- und erklärung 6; schade! dasz die letzen zween auftritte dieses schöne gedicht v. Gottschedin briefe 3, 160; dasz junge leute, so oft sie nachahmen, ihr eigenes werck mehr verunstalten als verschönern Ramler einl. i. d. schön. wissensch. 4, 221; wenn mitten in einer tragischen rede sich ein provincialismus eindrängt, so wird die schönste dichtung verunstaltet Göthe 40, 139 W.
6) etwas anders darstellen, wiedergeben, als es in wahrheit ist oder sein sollte: einen menschen im bilde: damit ... Apelles selbst das äuszere eines Alexanders nicht v. möchte Hippel lebensläufe in aufsteig. linie 1, 101; Ludwigs bild musz hinweg, der mahler hat ihn verunstaltet Meisl theatral. quodlibet 1, 188. namen: wie sie (die einbildungskraft) ..., um halbgekannte personen, länder und städte zu bezeichnen, neue wunderliche namen erfand oder die echten seltsam verunstaltete Göthe 41, 1, 180 W.; ich lasse mich auf deutung der völker nicht gern ein, da ihre namen von den Griechen gar zu sehr verunstaltet werden K. E. v. Bär red. u. versch. aufs. 3, 106. oft geradezu verfälschen: gemisbrauchte und verunstaltete wahrheiten Cramer d. nord. aufseher 1, 271; die reine wahrheit meiner erzählung dadurch (durch die aufnahme unverbürgter nachrichten) verunstalten Pfeffel pros. versuche 2, 2; ich (Mirabeau) glaube .... eine besondere rechenschaft von meiner meinung geben zu müssen, die man verunstaltet Dahlmann franz. revol. 322. literarisches durch zusätze oder änderungen v.: dasz jeder poet es für erlaubt gehalten, zusäzze und veränderungen zu machen, und die folgenden zeitalter endlich alles verunstaltet Herder 1, 445 S.; einigemal mag Opitz falsch gelesen haben, dann aber auch die alte hs. selbst den text verunstalten Jac. Grimm kl. schr. 6, 210.
 
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verunstaltung, f., seit mitte des 18. jahrh. belegt, bedeutet sowohl den vorgang des verunstaltens: die gründe und schwächen, welche Kanten zu einer solchen v. seines unsterblichen werkes haben bewegen können Schopenhauer 1, 555 Grisebach; die v. der zähne geschieht im 13. jahre J. G. Forster sämtl. schr. 4, 255, als auch sein ergebnis: dasz sich gar keine gepletscheten nasen unter ihnen finden, welche die gröszte v. des gesichtes sind Winckelmann 3, 131; die echten übersetzungen Colebrooks aus den Upanischats mit den

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selben stellen in jener persischen verunstaltung vergleichen F. Schlegel 1, 148. beide bedeutungen sind nicht immer scharf trennbar.
neben der gewöhnlichen verbindung mit dem objectiven genitiv begegnet seltener der subjective: alle verzuckungen und verunstaltungen des langwierigen schmerzhaften lagers (im gesicht der sterbenden mutter) Hamann 6, 259 R.; jede, selbst die kleinste verunstaltung der restaurierung Stifter 14, 75.
im einzelnen entspricht der gebrauch durchaus verunstalten: zu 1 körperliche v., s. o. Hamann, Winckelmann, Forster: bei ... leiblicher verunstaltung Jac. Grimm rechtsalterth.4 2, 211; die tausendfältigen verunstaltungen des menschlichen körpers (durch maskerade) Tieck 7, 28. zu 4: v. der natur Pückler briefwechsel u. tagebücher 2, 274; v. landschaftlich hervorragender gegenden Bitter handb. d. preusz. verwaltungsrechtes 2, 719a; v. der städte hwb. d. staatswiss.2 2, 523. zu 5: eine genaue kenntnisz der deutschen sprache, ihrer ... bisherigen ausbildung und verunstaltung Kinderling reinigkeit d. d. spr. 2; die französische sprache von allen verunstaltungen, die sie durch willkürlichen und regellosen gebrauch erlitten hatte, zu reinigen Ranke s. w. 9, 407; nicht vermehrung sondern verunstaltung der wissenschaften Kant 3, 8 ak. ausg. zu 6: die vielen verunstaltungen der namen sind höchst verdrüszlich, die landcharten oft von den schlechtesten meistern copirt Frankf. gel. anz. (1772) 257 lit.-denkm.; dieses mittelding von geschichte und drama, das eine wahre verunstaltung der geschichte eines der merkwürdigsten kaiser ist allg. deutsche bibl. 108, 543; grobe verunstaltung der thatsachen Gentz 3, 182.
verunsterblichen, v., Campe; lobschrift der tugend, vermittels welcher des menschen nahme und löbliche verrichtung allein verunsterblichet wird Neumark fortgepfl. musik. poet. lustwald 2, 24; die liebe zum schönen oder guten ist allezeit mit einem verlangen, dieses schöne oder gute zu verunsterblichen, verbunden F. A. Wolf miscellanea 321.
verunterpfänden, v., etwas als unterpfand geben, seit dem 14. jahrh. belegt, Lexer 3, 280, mnd. vorunderpanden; schweiz. id. 5, 1143; schwäb. Fischer 2, 1396 (veraltet); brem. niedersächs. wb. 3, 290. mndl. veronderpanden: nu fragt vurther der schultheisz die scheffene, woe man guder im Wib(elsheimer) gericht versetzen, verpenden, verunderpenden oder verschriben sulle weisth. 3, 771 (1498); item oevergiften etlicher erfschaften, erfrenthen aider loise renthen sullen gescheen vur den gerichten, dair die geleegen und verunderpandt synt archiv f. d. gesch. d. Niederrheins 1, 1, 139 (landrecht von Jülich v. 1537). —
 
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verunterpfändung: oppignoratio Haym jur. lex. 1260; darnach hat Heinrich 7., ...., Wesel und Boppart seinem bruder Balduino ertzbischoffen zu Trier fur eine gewisse summa gelts verunderpfendt .... von welcher verunderpfendung hernach weiter geredt sol werden Quad teutscher nation heiligkeit 213.
verunterstellen, v., vereinzelt wie unterstellen gebraucht: zum andern verunterstellt der glaube ein kindlich zärtlich zutrauen Zinzendorf hauptideen 154; dazu verunterstellung: der menschliche glaube, heiszt es, ist eine gewisse zuversicht, eine verunterstellung, etwas systematisches, etwas hypostatisches, das auf einem piedestal, auf seinem gewissen fundament ruhet 153.
veruntiefen, v., untief machen: die östlichen winde veruntiefen den hafen Krünitz 218, 476; dazu veruntiefung Adelung, Krünitz, Voigtel, Campe.
 
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veruntreuen, v. , mhd. wb. 3, 109, Lexer 3, 281, häufig in den frühnhd. wb. (s. u. 2), Steinbach, Adelung, Campe; schwäb. Fischer 2, 1397, saml. E. L. Fischer 158. mhd. veruntrûwen neben veruntriuwen setzt sich fort in veruntrawen gemma gemmarum C 1b; veruntrawet zimmersche chron. 4, 118 lit. v.; veruntrauete Prätorius d. abentheuerl. glückstopf 302; veruntrauen Fleming d. vollk. teutsche sold. 266; waldeckisch (18. jahrh.) Bauer-

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Collitz 139; veruntrouen brem.-nieders. wb. 5, 116 (vgl. veruntrauung im 18. jahrh., s. u.).
1) ungewöhnliche gebrauchsarten sind:
a) absolut, treulos handeln: veruntreuende mörder der menschengeschichte Herder 30, 243 S.
b) treulos machen; mhd. reflexiv, sich untreu erweisen:

ob du ein so armer knecht
gein dinen kuninc, gen dinen got
veruntruetes dich durch spot
unde durch die valschen irricheit,
die din crankes herze treit passional 300, 46 Hahn.

nhd. zur untreue verleiten:

er hat auf einen augenblick
mein herz veruntreut, zum verräter
an Deutschlands groszer sache mich gemacht
H. v. Kleist 2, 406 E. Schm.


c) etwas an einen v., treulos preisgeben: er veruntreute, weh mir, — mein anvertrautes geheimnisz an den emir Rückert 11, 338.
2) bis ins 17. jahrh. hält sich die verbindung mit dem persönlichen accusativ, treulos, heimtückisch, betrügerisch an jemandem handeln, einen durch treuloses handeln schädigen, preisgeben, verrathen; perfidare Diefenbach, v. oder betriegen, defraudare voc. 1482 k k 3a; fraudare, decipere, betriegen gemma gemmarum; prodere, verraten, v. Schöpper. mhd.: dû wilt einen niht ermorden noch erslahen noch wunden noch berouben noch verbrennen noch veruntriuwen Berthold v. Regensburg 1, 213 Pf.; hân ich iemen feruntriuet ..., dem wil ich fierfaltic gelten predigten 1, 88 Grieshaber; es ward Adolphus veruntrewet von den seinen und an dem Rein erschlagen chron. d. d. städte 3, 115 (Nürnberg 1488); freier:

wan in vil sêre riuwet,
daz in veruntriuwet
sô hât der vorder val
und verswîget sînen grôzen schal
Heinrich v. d. Türlin krone 25216.

nhd.:

weil ich die jung köngin unschuldig
gar felschlich veruntreuet han
H. Sachs 20, 95 G.;

begerten auch ihr herrschaft keineswegs zu veruntreuwen Wickram 2, 273 B.
3) lebendig erhalten hat sich die verbindung mit sächlichem object.
a) am gebräuchlichsten: mit einer sache, die einem anvertraut ist, treulos verfahren; 'untreu verwalten' Voigt hwb. f. d. geschäftsführung 2, 135; de pseudoservo, qui domino suo semper sein guter veruntreuet Luther 34, 1, 196 W.; ein zurückgebliebenes, unordentliches und veruntreutes hauswesen Varnhagen v. Ense tagebücher 4, 9. freier: dieser mittelmäszige poet, ..., hat es gewagt, den auftrag jenes sterbenden zu v., er hat die memoiren verfälscht herausgegeben Laube 8, 366. besonders anvertrautes für sich behalten oder verwenden: er hette die kese herausz gethan, wie er sie empfangen hette, und keynen veruntreuet Agricola 750 teutsche sprichw. (1534) y 7a; er hat ain grose parschaft verlassen, ist aber hernach seinen sönnen ... nit worden. nit waist man, ob das veruntrawet oder wohin es kommen zimmersche chron. 4, 118 lit. v.; es ist frech, eine million zu veruntreuen Schiller 3, 84 G.; er hätte verschiedenes von den gütern seines mündels ... veruntreut Lenz 3, 139 Tieck.
dazu veruntreuer: der beicht veruntreuer Münzer bepstl. gesch. 462; die veruntreuer meines erbtheils Zschokke sämtl. ausgew. schr. 27, 368.
b) in älterer zeit auch allgemeiner: etwas unrechtmäsziger weise sich aneignen, einem andern entwenden: wölcher ... der kirchen ir gelt hynnimpt, raubt, veruntreüt, der ist ain todschläger A. v. Eyb spiegel d. sitten 79a; ob im (dem landesherren) aber den sommer etlich stett und burgstell mit grosser macht seines feinds, hinlessigkeit oder wenigkeit seines zusatzes, oder ausz verrähterey der häuptleut oder bürgerlicher undersessen veruntreuwet

[Bd. 25, Sp. 2045]


oder entwendt würden Fronsperger kriegsbuch 1, 222b; so müssen sie (soldaten in feindesland) auch der klöster, kirchen, hospitäler und schulen verschonen, dieselbigen nicht beschädigen noch beleidigen, viel weniger die darinnen geflüchtete sachen und persohnen angreifen und veruntrauen Fleming teutsche soldat 266.
 
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veruntreuung, f., seit dem 16. jahrh. belegt, vereinzelt veruntrauung allg. deutsche bibl. 81, 342. treulose handlungsweise in verschiedenen beziehungen: wa er (Heinrich V.) dem vatter durch veruntrüwung in sin gwalt sölt kommen Tschudi chron. helv. 1, 46; sein v. und eydbrechung an den Messeniren begangen Xylander Polybius 392; veruntreuungen (in der ehe) Ritter erdkunde 5, 282. verfälschung, entstellung: v. der wahrheit Voss antisymbolik 2, 356; ungewöhnlich: Maxens v. des besten regiments des kaisers O. Ludwig 5, 313; die veruntreuung (unrechtmäszige abschrift) von Wallensteins lager Göthe IV 14, 32 W. meist handlungen, die auf unrechtmäszige bereicherung hinzielen: die v. kommt mit der unterschlagung überein Krünitz öcon. encycl. 218, 476; kleine veruntreuungen in eszwaaren Knigge umgang mit menschen 2, 177; v. staatlicher gelder Ranke s. w. 42, 44; untreue verwaltung Voigt hwb. f. d. geschäftsführung 2, 135; verwaltung oder v. der wissenschaften und geschäfte Herder 16, 595 S.
verunvollständigen, v., vereinzelt: dasz ... die unvollständigkeit verunvollständigt worden sey Hegel 1, 17.

 

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